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Slowfood-Bibellesen

Ich lese die Bibel jetzt seit 51 Jahren immer wieder durch. Was ich dabei gelernt habe, dazu habe ich vor einigen Jahren schon mal eine kleine Serie von Tipps gepostet. Nun wollte ich mal etwas Neues ausprobieren, und das nenne ich “Slowfood- Bibellesen”, weil es sehr langsam geht, aber sich als geistlich sehr “nahrhaft” für mich erwiesen hat.

Wenn du die Bibel noch nie ganz durchgelesen hast, dann verschaffe dir erst einmal  einen Überblick über die Gesamtaussage der Heiligen Schrift. Aber wenn du das schon mehrmals getan hast, kannst du das Slowfood-Bibellesen ja mal ausprobieren für noch mehr Gewinn.

Was du brauchst:

  • eine gute, relativ genaue Bibelübersetzung. Meine Empfehlung wäre: Schlachter-, Elberfelder oder Menge- Übersetzung.
  • je nach Größe des Bibelbuchs, das du lesen möchtest, ein Heft oder eine Kladde, am besten im Stil eines Bullet Journals mit gepunktetem Papier (muss aber nicht sein, und schon gar nicht muss es etwas Teures sein). Man braucht dann nämlich für die Linien kein Lineal. Für das Matthäusevangelium habe ich ein Journal von 230 Seiten fast vollbekommen. Jetzt lese ich das Buch Ruth, und da das nur 4 Kapitel hat, wird ein Heft wohl reichen.
  • ein Bibellexikon und Kommentare sind nützlich, gibt es aber inzwischen auch online. Für den Laptop empfehle ich das kostenlose Programm e-sword, das man auch offline nutzen kann; für das Handy nutze ich gerne die meiner Ansicht beste Bibel-App MyBible. Ich habe ein Android-Handy, aber die App gibt es auch für andere Plattformen.
  • täglich mindestens eine halbe Stunde Zeit und ab und zu auch mal mehr.

Die ersten 2 Seiten bleiben frei für ein Inhaltsverzeichnis. Die Seiten werden durchnummeriert. Was ins Inhaltsverzeichnis kommt, erkläre ich gleich noch.

Ich teile mir die aktuellen Seiten in 3 Bereiche, wie auf dem Foto zu sehen ist. In die schmale Außenspalte kommt oben die Kapitelnummer. In die breite Spalte schreibe ich nun Vers für Vers mit eigenen Worten. Darunter ziehe ich eine gestrichelte Linie durch bis in die schmale Spalte, damit ich die Anmerkungen, Parallelstellen etc. immer gleich dem Vers zuordnen kann. Für diese Sachen ist die schmale Außenspalte da. In die trage ich Parallelstellen ein, die ich gefunden habe, Worterklärungen  und Hashtags, wenn ich Themen durch das ganze Buch verfolgen will. In Matthäus hatte ich z.B. die Hashtags #Reich, # Jünger,#Zitat AT, #böse Geister, #Wunder, #Gericht, #Frucht – um nur einige zu nennen. Immer, wenn eine erfüllte Verheißung vorkam, hab ich dort einen kleinen Kreis mit Häkchen drin gemacht; dort habe ich auch vermerkt, wenn etwas Sondergut von Matthäus ist  und notiert, wie Jesus jeweils dargestellt wird.

Die unterste Zeile ist für alles andere: Zusammenfassungen, Erklärungen, die oben nicht reinpassen usw.

Ab und zu will man sich in ein Thema auch mal mehr vertiefen. Dafür nutze ich dann einfach die nächste freie Seite und halte im Inhaltsverzeichnis fest, wo ich sie wiederfinde. Das Inhaltsverzeichnis ist also nicht für die Kapitel – die kommen ja sowieso hintereinander -, sondern für besondere Themen, Exkurse, Mindmaps usw.

Was ist nun der Vorteil des Ganzen? Man liest genauer und tiefer. Das Aufschreiben jedes einzelnen Verses hat etwas Meditatives; dadurch, dass man eigene Worte benutzt, kann man gar nicht anders, als sich mit jedem Vers auseinanderzusetzen. Man kann das, was man aufgeschrieben hat, nicht so leicht vergessen und seine Gedanken in Kleingruppen besser teilen. Jeder kann das System nach seinen Bedürfnissen anpassen, und man kann es auch von Buch zu Buch variieren. Ich werde sicher im Lauf der Zeit auch noch Erfahrungen sammeln und einiges ändern.

Hast du Lust bekommen, es auszuprobieren?

Nachtrag: jemand hat mich darauf hingewiesen, dass das e-sword-Programm und die MyBible App nur auf Englisch vorhanden wären. Tatsächlich kann man bei beidem die Menüführung auf Deutsch umstellen. In e-sword kann man dann aber nur deutsche Bibeln runterladen; alles andere ist englisch. In der MyBible App aber gibt es unter dem Menüpunkt Module einige Kommentare, Wörterbücher, Andachten etc.

Außerdem zu empfehlen, aber nur online verfügbar: Bibeln hier und eine reiche Auswahl an Kommentaren und Predigten hier.

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Vom Wählen und Eintauschen

abundance-1868573_1920Am Sonntag hatten wir in unsrer Gemeinde ein Frauentreffen zum Thema “Gebet”. Im Austausch wurde klar, wie schwer es uns allen fällt, nicht nur hier und da spontan, sondern anhaltend  und ausdauernd zu beten und dafür Zeit einzuräumen.

Als ich darüber nachdachte, fiel mir eine Geschichte ein, die ich vor vielen Jahren mal in der Zeitschrift “Readers Digest” gelesen habe und die mich nachhaltig beeindruckt hat. Ich erinnere mich an keine Details mehr, aber der Autor berichtete, wie sein jüdischer Vater seine Kinder erzogen hat, Prioritäten zu setzen, um ihre Ziele zu erreichen. Wenn ich mich recht entsinne, wollte der Junge gerne Musikstunden nehmen, aber die Familie war sehr arm, und Musikunterricht war teuer. Außerdem liebte er süße Brötchen. Sein Vater rechnete ihm also aus, wieviel süße Brötchen eine Musikstunde kostete – wie oft er also verzichten musste. Es waren noch andere Dinge, die gegengerechnet wurden. Der Junge musste also wählen und eine Entscheidung treffen, was ihm wichtiger war, was er erreichen wollte – und diese Entscheidung immer wieder erneuern. Er entschied sich für den Verzicht. Wenn meine Erinnerung nicht trügt, wurde er später ein bekannter Musiker.

Ich bewundere die Weisheit dieses Vaters. Wir wünschen uns oft mehr Disziplin und sind immer wieder wütend auf uns selbst, wenn wir unsere eigenen Standards nicht einhalten. Aber Disziplin ist kein Wert an sich – die Motivation, etwas unbedingt haben oder tun zu wollen, ist der ausschlaggebende Faktor. Und dann müssen wir ein bisschen rechnen. Was haben wir zur Verfügung? Was könnten wir eintauschen? Ein Tag hat 24 Stunden, und mehr kriegen wir auch nicht. Jeder von uns hat Dinge zu tun, die nicht zur Disposition stehen. Und dann gibt es noch kleinere oder größere Wahlfreiheiten. Süße Brötchen sind lecker und in sich nichts Schlechtes. Einmal Verzicht langt nicht; man braucht einen ganz schön langen Atem. Die Frage ist: Wie wichtig ist mir das, was ich haben möchte – in unserem Fall Zeit zum Gebet. Wie überzeugt bin ich von der Notwendigkeit? Wie sehr will ich das? Wenn ich mir meiner Wahl sicher bin, werde ich vielleicht immer noch traurig hinter den Brötchen herschauen – aber mich auf die Musikstunde freuen.

Stille-Zeit-Tipps (11): Durststrecken, Hungerzeiten, Vorratshaltung

Das Leben verläuft in Phasen, und jede Phase hat ihre guten und schwierigen Seiten. Krankheiten, ein Haushalt voller kleiner Kinder, Arbeit noch und nöcher, Wechseljahre, seelische Tiefs und emotionaler Stress…..manchmal kommt es einem so vor, als ob in den Zeiten, wo man die Stille mit Gott am nötigsten brauchte, sie am schwersten zu finden ist. Was kann man tun?

Gott sieht das Verlangen unserer Herzen nach ihm, und er hat seine Liebe zu uns an keine Vorleistung geknüpft. Wenn er in uns wohnt, brauchen wir keinen “Anlauf”, um uns in eine heilige Stimmung zu beamen – er ist uns näher als unsere eigene Haut und für jeden Stoßseufzer erreichbar. Das sollte uns schon mal entspannen. Aber natürlich brauchen wir Input. Auch wenn ich im Allgemeinen kein Fan von Andachtsbüchern bin: Vielleicht ist jetzt die Zeit dafür (aber sieh zu, dass du keinen Schrott erwischst, nimm lieber etwas Altbewährtes). In unserem elektronischen Zeitalter gibt es die Bibel auch als Audioversion. Das kann man sich auch während der Arbeit oder im Auto anhören, wenn man sonst nicht dazu kommt. Man kann sich Predigten online anhören. Manche vielbeschäftigten Mamas lesen zusammen mit ihren Kindern die Kinderbibel.

Persönlich habe ich irgendwie immer versucht, eine Mindestmaß an fester Gewohnheit aufrechtzuerhalten. Eine Freundin musste neulich sehr lachen, als ich sagte, dass ich viele Stunden meines Lebens auf Knien schlafend verbracht habe. Ich wollte beten, aber ich war zu müde, oft auch seelisch zu müde. Jesus weiß, was menschliche Schwachheit ist – er macht uns keinen Vorwurf. In gewisser Weise habe ich aber so einen Platz in meinem Leben freigehalten, und als diese Lebensphase vorbei war, hatte ihn nichts anderes besetzt. Das muss mir nun niemand nachmachen, aber für mich war das gut so.

Wenn man verzweifelt genug nach einem ruhigen Plätzchen mit Gott sucht und ihn darum bittet, zeigt er einem auch Möglichkeiten – das habe ich auch erlebt in einem der schwierigsten Abschnitte meines Lebens. Wie ich da sonst geistlich überlebt hätte, weiß ich nicht.

Jetzt befinde ich mich in “fetten” Jahren. Mein Leben ist nicht mehr so stressig, und ich kann mir mehr Zeit nehmen. Was noch kommt, weiß man nicht. Deswegen sehe ich das jetzt als Möglichkeit zur Vorratshaltung. Ich versuche, viel auswendig zu lernen und aufzusaugen. Wenn vielleicht wieder magere Jahre kommen – und wer weiß, wie lange uns die Bibel noch zur Verfügung steht (die uns umgebende Kultur hegt ja nicht gerade Sympathien für dieses Buch) – möchte ich ein bisschen was “gelagert” haben in Kopf und Herz, an das mich der heilige Geist dann erinnern kann.

Mach das beste aus deiner gegenwärtigen Situation! Aber lass Gott nicht aus den Augen, und bitte ihn, dir einen Weg zu zeigen, der für dich gangbar ist!

Stille Zeit-Tipps (10): Die Links entdecken

Die Bibel ist ein “Word Wide Web”, wo alles miteinander verbunden ist.  Das ist eigentlich das Faszinierende und Überzeugende an der Bibel, dass so viele verschiedene Autoren über ein Thema schreiben,  dass sich nach und nach immer mehr entfaltet. Dabei legt eine Bibelstelle die andere aus, und alles steht in Beziehung zueinander. Nun müssen wir nur die Links noch finden, denn optisch hervorgehoben und anklickbar wie im Internet sind sie leider nicht.

Persönlich stehe ich nicht so auf Studienbibeln, in denen der Begleittext mehr Platz einnimmt als der eigentliche Bibeltext. Ich neige dann dazu, mich gar nicht so sehr selbst um den Text zu bemühen, sondern gleich die Anmerkungen zu lesen. Aber ein Tool, das ich wirklich liebe, sind Parallelstellen-Angaben; sie sind oft sehr hilfreich, um Zusammenhänge zu entdecken und zu verstehen. Kürzlich z.B. habe ich Hebräer 3 gelesen. Dort wird Bezug genommen auf Fehler, die Israel zur Zeit Moses´ in der Wüste gemacht hat. Ohne Parallelstellen müsste ich sehr lange suchen, bis ich die Originalberichte in den 5 Büchern Moses ausfindig gemacht hätte. Durch die Parallelstellen-Angabe konnte ich sofort sehen, wo ich die ursprüngliche Geschichte finde, und die Beziehung zu meinem Text herstellen und ihn dadurch besser verstehen.

Mit Bibelprogrammen für den PC, z.B. e-Sword (kostenlos!), kann man auch nach bestimmten Begriffen in der Bibel suchen, ähnlich wie mit einer Konkordanz. Auch mit vielen Bibel-Apps für Smartphones geht das prima. So kann man feststellen, wo und in welchen Zusammenhängen ein Begriff sonst noch vorkommt. Noch besser geht das mit den Strong-Nummern, die sich auf die Worte im Urtext beziehen. Allerdings sind sie zumindest in meinem Bibelprogramm nur für die alte englische King James-Bibel verfügbar.

Im Lauf der Jahre findet man aber selbst immer mehr Links, und wenn man so ein Glückspilz ist wie ich und eine Bibel mit Schreibrand besitzt, kann man sie sich die entsprechenden Stellen neben dem Bibeltext vermerken, auch die, die man bei Predigten und Vorträgen mitkriegt. Es entwickelt sich so ein immer besseres und ausbalancierteres Verständnis der Wahrheit Gottes.

Damit ist noch eine andere Art von Verlinkung angesprochen, auf die ich hinweisen möchte. Wir dürfen und müssen zwar  ein selbstständiges Glaubensleben haben, das direkt an der Quelle des Wortes Gottes trinkt, aber selbstständig heißt nicht unabhängig. Wir brauchen die Lehre der Gemeinde, um nicht eigene Ideen und Steckenpferde zu pflegen, um Zusammenhänge zu sehen und Korrektur von Missverständnissen zu empfangen. Predigt, Bibelstunde, Jüngerschaftsgruppen – unsere Geschwister in vielen Ländern gehen ins Gefängnis, weil sie sich so danach sehnen, dass sie nicht darauf verzichten wollen, und wir nutzen unsere Chancen nicht! Kann sein, dass wir das noch mal bedauern, wenn sich die Zeiten ändern! Wenn du keine Gemeinde in deiner Nähe hast, die das Wort Gottes verkündigt, dann bete darum, dass dort eine entsteht! Internetpredigten (z.B. hier oder hier oder auf der Seite meiner Gemeinde) sind nicht wirklich ein Ersatz, aber besser als nichts.

Stille Zeit-Tipps (9): Mein Sonntagskorb

Christen versammeln sich, wenn es ihnen irgendwie möglich ist, am ersten Tag der Woche, um ihren auferstandenen Erlöser gemeinsam anzubeten. Die Formen dabei sind sehr unterschiedlich, aber das stört den Herrn eher weniger. Auf das Herz kommt es an.

Wenn es auch ganz sicher wahr ist, dass im Gottesdienst Gott uns mehr dient als wir ihm, so hat Gott doch auch eine gewisse Erwartung an uns, z.B.

  • erwartet er Lobopfer als die “Frucht der Lippen”, die seinen Namen bekennen, (Hebräer 13,15)
  • und er sucht Anbeter, die ihn in Geist und Wahrheit anbeten (Johannes 4,23).

Das Lobopfer ist der Dank, den wir Gott bringen. Aber wie das Volk Israel im gelobten Land Gott nie irgendetwas zu opfern hatte, was Gott ihm nicht zuvor gegeben hatte, so ist es auch bei uns. Gott gibt uns etwas von sich, und wir geben ihm ein kleines bisschen davon zurück.

Wie komme ich nun auf “Sonntagskorb”? In 5. Mose 26 ordnet Gott an, dass die Israeliten von den ersten Früchten ihrer neuen Heimat etwas in einen Korb legen und damit zur Gottesdienststätte gehen sollten. Dort sollten sie sich dann vor Gott erinnern: Wo sie eigentlich herkamen, wie Gott sie befreit hatte, und was für ein gutes Land er ihnen jetzt gegeben hatte. Sie sollten ihn anbeten und sich vor ihm freuen.

Anbetung ist nichts, was wir im Gottesdienst “machen”. Wir sollten nicht erwarten, dass uns ein “Worshipteam” von 0 auf 100 hochfahren kann. Wir sollten mit einem vollen Korb kommen. Da sind die ganzen guten Sachen drin, die ich über die Woche geerntet habe, wenn ich mich in meiner stillen Zeit wirklich von Jesus ernährt habe und satt geworden bin. Wenn jeder so kommt und in seinem Herzen was mitbringt, was für eine Freudenexplosion kann dann der Sonntagsgottesdienst werden! So wird der Sonntag nicht der eine Tag, an dem Gott und sein Wort eine kleine Ecke in unserem Leben kriegen, sondern der Höhepunkt eines alltäglichen Lebens mit Jesus, wo alle gemeinsam ihre vollen Körbe bei Gott abgeben und feiern!