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Vom Wählen und Eintauschen

abundance-1868573_1920Am Sonntag hatten wir in unsrer Gemeinde ein Frauentreffen zum Thema “Gebet”. Im Austausch wurde klar, wie schwer es uns allen fällt, nicht nur hier und da spontan, sondern anhaltend  und ausdauernd zu beten und dafür Zeit einzuräumen.

Als ich darüber nachdachte, fiel mir eine Geschichte ein, die ich vor vielen Jahren mal in der Zeitschrift “Readers Digest” gelesen habe und die mich nachhaltig beeindruckt hat. Ich erinnere mich an keine Details mehr, aber der Autor berichtete, wie sein jüdischer Vater seine Kinder erzogen hat, Prioritäten zu setzen, um ihre Ziele zu erreichen. Wenn ich mich recht entsinne, wollte der Junge gerne Musikstunden nehmen, aber die Familie war sehr arm, und Musikunterricht war teuer. Außerdem liebte er süße Brötchen. Sein Vater rechnete ihm also aus, wieviel süße Brötchen eine Musikstunde kostete – wie oft er also verzichten musste. Es waren noch andere Dinge, die gegengerechnet wurden. Der Junge musste also wählen und eine Entscheidung treffen, was ihm wichtiger war, was er erreichen wollte – und diese Entscheidung immer wieder erneuern. Er entschied sich für den Verzicht. Wenn meine Erinnerung nicht trügt, wurde er später ein bekannter Musiker.

Ich bewundere die Weisheit dieses Vaters. Wir wünschen uns oft mehr Disziplin und sind immer wieder wütend auf uns selbst, wenn wir unsere eigenen Standards nicht einhalten. Aber Disziplin ist kein Wert an sich – die Motivation, etwas unbedingt haben oder tun zu wollen, ist der ausschlaggebende Faktor. Und dann müssen wir ein bisschen rechnen. Was haben wir zur Verfügung? Was könnten wir eintauschen? Ein Tag hat 24 Stunden, und mehr kriegen wir auch nicht. Jeder von uns hat Dinge zu tun, die nicht zur Disposition stehen. Und dann gibt es noch kleinere oder größere Wahlfreiheiten. Süße Brötchen sind lecker und in sich nichts Schlechtes. Einmal Verzicht langt nicht; man braucht einen ganz schön langen Atem. Die Frage ist: Wie wichtig ist mir das, was ich haben möchte – in unserem Fall Zeit zum Gebet. Wie überzeugt bin ich von der Notwendigkeit? Wie sehr will ich das? Wenn ich mir meiner Wahl sicher bin, werde ich vielleicht immer noch traurig hinter den Brötchen herschauen – aber mich auf die Musikstunde freuen.

Stille-Zeit-Tipps (11): Durststrecken, Hungerzeiten, Vorratshaltung

Das Leben verläuft in Phasen, und jede Phase hat ihre guten und schwierigen Seiten. Krankheiten, ein Haushalt voller kleiner Kinder, Arbeit noch und nöcher, Wechseljahre, seelische Tiefs und emotionaler Stress…..manchmal kommt es einem so vor, als ob in den Zeiten, wo man die Stille mit Gott am nötigsten brauchte, sie am schwersten zu finden ist. Was kann man tun?

Gott sieht das Verlangen unserer Herzen nach ihm, und er hat seine Liebe zu uns an keine Vorleistung geknüpft. Wenn er in uns wohnt, brauchen wir keinen “Anlauf”, um uns in eine heilige Stimmung zu beamen – er ist uns näher als unsere eigene Haut und für jeden Stoßseufzer erreichbar. Das sollte uns schon mal entspannen. Aber natürlich brauchen wir Input. Auch wenn ich im Allgemeinen kein Fan von Andachtsbüchern bin: Vielleicht ist jetzt die Zeit dafür (aber sieh zu, dass du keinen Schrott erwischst, nimm lieber etwas Altbewährtes). In unserem elektronischen Zeitalter gibt es die Bibel auch als Audioversion. Das kann man sich auch während der Arbeit oder im Auto anhören, wenn man sonst nicht dazu kommt. Man kann sich Predigten online anhören. Manche vielbeschäftigten Mamas lesen zusammen mit ihren Kindern die Kinderbibel.

Persönlich habe ich irgendwie immer versucht, eine Mindestmaß an fester Gewohnheit aufrechtzuerhalten. Eine Freundin musste neulich sehr lachen, als ich sagte, dass ich viele Stunden meines Lebens auf Knien schlafend verbracht habe. Ich wollte beten, aber ich war zu müde, oft auch seelisch zu müde. Jesus weiß, was menschliche Schwachheit ist – er macht uns keinen Vorwurf. In gewisser Weise habe ich aber so einen Platz in meinem Leben freigehalten, und als diese Lebensphase vorbei war, hatte ihn nichts anderes besetzt. Das muss mir nun niemand nachmachen, aber für mich war das gut so.

Wenn man verzweifelt genug nach einem ruhigen Plätzchen mit Gott sucht und ihn darum bittet, zeigt er einem auch Möglichkeiten – das habe ich auch erlebt in einem der schwierigsten Abschnitte meines Lebens. Wie ich da sonst geistlich überlebt hätte, weiß ich nicht.

Jetzt befinde ich mich in “fetten” Jahren. Mein Leben ist nicht mehr so stressig, und ich kann mir mehr Zeit nehmen. Was noch kommt, weiß man nicht. Deswegen sehe ich das jetzt als Möglichkeit zur Vorratshaltung. Ich versuche, viel auswendig zu lernen und aufzusaugen. Wenn vielleicht wieder magere Jahre kommen – und wer weiß, wie lange uns die Bibel noch zur Verfügung steht (die uns umgebende Kultur hegt ja nicht gerade Sympathien für dieses Buch) – möchte ich ein bisschen was “gelagert” haben in Kopf und Herz, an das mich der heilige Geist dann erinnern kann.

Mach das beste aus deiner gegenwärtigen Situation! Aber lass Gott nicht aus den Augen, und bitte ihn, dir einen Weg zu zeigen, der für dich gangbar ist!

Stille Zeit-Tipps (10): Die Links entdecken

Die Bibel ist ein “Word Wide Web”, wo alles miteinander verbunden ist.  Das ist eigentlich das Faszinierende und Überzeugende an der Bibel, dass so viele verschiedene Autoren über ein Thema schreiben,  dass sich nach und nach immer mehr entfaltet. Dabei legt eine Bibelstelle die andere aus, und alles steht in Beziehung zueinander. Nun müssen wir nur die Links noch finden, denn optisch hervorgehoben und anklickbar wie im Internet sind sie leider nicht.

Persönlich stehe ich nicht so auf Studienbibeln, in denen der Begleittext mehr Platz einnimmt als der eigentliche Bibeltext. Ich neige dann dazu, mich gar nicht so sehr selbst um den Text zu bemühen, sondern gleich die Anmerkungen zu lesen. Aber ein Tool, das ich wirklich liebe, sind Parallelstellen-Angaben; sie sind oft sehr hilfreich, um Zusammenhänge zu entdecken und zu verstehen. Kürzlich z.B. habe ich Hebräer 3 gelesen. Dort wird Bezug genommen auf Fehler, die Israel zur Zeit Moses´ in der Wüste gemacht hat. Ohne Parallelstellen müsste ich sehr lange suchen, bis ich die Originalberichte in den 5 Büchern Moses ausfindig gemacht hätte. Durch die Parallelstellen-Angabe konnte ich sofort sehen, wo ich die ursprüngliche Geschichte finde, und die Beziehung zu meinem Text herstellen und ihn dadurch besser verstehen.

Mit Bibelprogrammen für den PC, z.B. e-Sword (kostenlos!), kann man auch nach bestimmten Begriffen in der Bibel suchen, ähnlich wie mit einer Konkordanz. Auch mit vielen Bibel-Apps für Smartphones geht das prima. So kann man feststellen, wo und in welchen Zusammenhängen ein Begriff sonst noch vorkommt. Noch besser geht das mit den Strong-Nummern, die sich auf die Worte im Urtext beziehen. Allerdings sind sie zumindest in meinem Bibelprogramm nur für die alte englische King James-Bibel verfügbar.

Im Lauf der Jahre findet man aber selbst immer mehr Links, und wenn man so ein Glückspilz ist wie ich und eine Bibel mit Schreibrand besitzt, kann man sie sich die entsprechenden Stellen neben dem Bibeltext vermerken, auch die, die man bei Predigten und Vorträgen mitkriegt. Es entwickelt sich so ein immer besseres und ausbalancierteres Verständnis der Wahrheit Gottes.

Damit ist noch eine andere Art von Verlinkung angesprochen, auf die ich hinweisen möchte. Wir dürfen und müssen zwar  ein selbstständiges Glaubensleben haben, das direkt an der Quelle des Wortes Gottes trinkt, aber selbstständig heißt nicht unabhängig. Wir brauchen die Lehre der Gemeinde, um nicht eigene Ideen und Steckenpferde zu pflegen, um Zusammenhänge zu sehen und Korrektur von Missverständnissen zu empfangen. Predigt, Bibelstunde, Jüngerschaftsgruppen – unsere Geschwister in vielen Ländern gehen ins Gefängnis, weil sie sich so danach sehnen, dass sie nicht darauf verzichten wollen, und wir nutzen unsere Chancen nicht! Kann sein, dass wir das noch mal bedauern, wenn sich die Zeiten ändern! Wenn du keine Gemeinde in deiner Nähe hast, die das Wort Gottes verkündigt, dann bete darum, dass dort eine entsteht! Internetpredigten (z.B. hier oder hier oder auf der Seite meiner Gemeinde) sind nicht wirklich ein Ersatz, aber besser als nichts.

Stille Zeit-Tipps (9): Mein Sonntagskorb

Christen versammeln sich, wenn es ihnen irgendwie möglich ist, am ersten Tag der Woche, um ihren auferstandenen Erlöser gemeinsam anzubeten. Die Formen dabei sind sehr unterschiedlich, aber das stört den Herrn eher weniger. Auf das Herz kommt es an.

Wenn es auch ganz sicher wahr ist, dass im Gottesdienst Gott uns mehr dient als wir ihm, so hat Gott doch auch eine gewisse Erwartung an uns, z.B.

  • erwartet er Lobopfer als die “Frucht der Lippen”, die seinen Namen bekennen, (Hebräer 13,15)
  • und er sucht Anbeter, die ihn in Geist und Wahrheit anbeten (Johannes 4,23).

Das Lobopfer ist der Dank, den wir Gott bringen. Aber wie das Volk Israel im gelobten Land Gott nie irgendetwas zu opfern hatte, was Gott ihm nicht zuvor gegeben hatte, so ist es auch bei uns. Gott gibt uns etwas von sich, und wir geben ihm ein kleines bisschen davon zurück.

Wie komme ich nun auf “Sonntagskorb”? In 5. Mose 26 ordnet Gott an, dass die Israeliten von den ersten Früchten ihrer neuen Heimat etwas in einen Korb legen und damit zur Gottesdienststätte gehen sollten. Dort sollten sie sich dann vor Gott erinnern: Wo sie eigentlich herkamen, wie Gott sie befreit hatte, und was für ein gutes Land er ihnen jetzt gegeben hatte. Sie sollten ihn anbeten und sich vor ihm freuen.

Anbetung ist nichts, was wir im Gottesdienst “machen”. Wir sollten nicht erwarten, dass uns ein “Worshipteam” von 0 auf 100 hochfahren kann. Wir sollten mit einem vollen Korb kommen. Da sind die ganzen guten Sachen drin, die ich über die Woche geerntet habe, wenn ich mich in meiner stillen Zeit wirklich von Jesus ernährt habe und satt geworden bin. Wenn jeder so kommt und in seinem Herzen was mitbringt, was für eine Freudenexplosion kann dann der Sonntagsgottesdienst werden! So wird der Sonntag nicht der eine Tag, an dem Gott und sein Wort eine kleine Ecke in unserem Leben kriegen, sondern der Höhepunkt eines alltäglichen Lebens mit Jesus, wo alle gemeinsam ihre vollen Körbe bei Gott abgeben und feiern!

Stille Zeit-Tipps (8): Betrachten

Ich lese zur Zeit den Hebräerbrief, und da fällt mir auf, dass wir zweimal zum “Betrachten” aufgefordert werden.

  • (3,1) Daher, ihr heiligen Brüder, die ihr Anteil habt an der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Christus Jesus….
  • (12,3) Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet!

Es hat mich dann mal interessiert, was das Wort alles beinhaltet. Im Urtext handelt es sich um zwei verschiedene Ausdrücke mit ähnlicher Bedeutung: ausführlich beobachten, wahrnehmen, entdecken, darauf achten.

Das umschreibt ziemlich genau, was wir in unserer Stillen Zeit tun wollen. Wir wollen Jesus entdecken und beobachten. Das schärft unsere geistliche Wahrnehmung im Alltag – wir lernen, den Unsichtbaren mit in Rechnung zu stellen bei allem, was wir tun. Und wir kriegen Kraft! Jesus zu betrachten, hilft gegen seelische Ermüdung, s.o.

Wie macht man das denn? Im Neuen Testament ist das relativ leicht, weil Jesus das Hauptthema ist. Im AT ist es etwas, was man ein bisschen üben muss, indem man immer wieder fragt: Was wird hier über Gott und seinen Charakter ausgesagt? Gibt es prophetische Hinweise auf Christus? Gibt es irgendwelche “Schatten”, die ihn als die eigentliche Figur abbilden? Der Hebräerbrief ist übrigens ein guter Schlüssel, um solche Verknüpfungen des Alten Testamentes mit Christus zu erkennen!

Betrachten ist etwas, wozu man Zeit braucht. Das geht nicht im Schnellverfahren. Da muss man vielleicht mal von allen Seiten um einen Text herumgehen, den Zusammenhang herausfinden, Spuren verfolgen. Das ist “Forschungsarbeit”. Aber es lohnt sich! Und die Bibel ist im guten Sinne ein “Fass ohne Boden” – ich kann dir versprechen, dass es dir nie langweilig wird!

Hier ein paar Fragen, die für den Start helfen können:

  • Was steht hier über Gottes Charakter?
  • Was steht hier über seine Stellung?
  • Was lobt oder tadelt er? Zeigt er mir etwas, was ich ihm bekennen sollte?
  • Wie verhält er sich?
  • Handelt er offensichtlich oder eher im Hintergrund (z.B. im Buch Esther)?
  • Wird etwas gesagt über seine Beziehung zur Menschheit generell? zu Israel? zur Gemeinde? zu mir persönlich?
  • Gibt er ein Versprechen?
  • Macht er eine Aussage über seine Pläne und sein zukünftiges Handeln?
  • Hat er etwas getan, und was bedeutet das für mich?
  • Will er etwas von mir, und wie werde ich reagieren?
  • Für was kann ich ihn loben?
  • Gibt es hier etwas, was mir fehlt, um das ich ihn bitten sollte?

Und dann: Jesus betrachten heißt auch, ihn anzubeten. Das kommt ganz automatisch, weil dein Herz übersprudeln wird. Du kannst gar nicht anders, du wirst es sehen!

Stille Zeit-Tipps (7): Welche Bibel?

Wir haben im Deutschen eine Auswahl an Bibelübersetzungen und –übertragungen, nach denen sich die Mehrheit der Menschen die Finger lecken würde. Aber das heißt auch, man muss sich irgendwie entscheiden, welche man nun nehmen will. Es gibt eine ganz gute Serie auf dem Blog von Philipp Keller über die grundsätzlichen Ausrichtungen der verschiedenen Übersetzungen und die Vor- und Nachteile. Meiner Erfahrung nach landet die Mehrzahl der Leute, die die Bibel ernsthaft studieren wollen, irgendwann bei der Elberfelder oder Schlachter Bibel.

Ich persönlich liebe die Elberfelder Bibel, besitze aber auch einige andere zum Vergleichen. Ich bin mit dieser Übersetzung geistlich aufgewachsen; ihr Wortlaut ist mir vertraut, und deshalb empfinde ich sie auch nicht als kompliziert. Trotzdem verwende ich hier auf dem Blog oft die Schlachter Bibel (wenn es mehr auf den Wortlaut ankommt) oder die Neue Evangelistische Übertragung (wenn es mehr auf Verständlichkeit ankommt).

Ich empfinde außerdem, dass mir eine strukturtreue Übersetzung hilft, genau zu lesen. Am Sonntag in der Predigt zu Galater 3 ist es mir mal wieder aufgefallen, wie genau Paulus auf den Wortlaut achtet. Es kann halt einen großen Unterschied machen, ob ein Wort in der Einzahl oder der Mehrzahl steht! Natürlich kann keine Übersetzung uns das 100%ig bieten, und wir wollen auch keine Wortklauber werden – das wäre keine gute Eigenschaft! Aber wir wollen zu geistlicher Selbstständigkeit reifen und Verstand und Herz dazu benutzen, unseren Glauben wirklich in Besitz zu nehmen und wie die Beröer zu prüfen, was uns erzählt wird. Welche Bibelübersetzung dazu für dich am besten geeignet ist, muss du selbst herausfinden.

Ein letzter Gesichtspunkt: Mir persönlich fällt es leichter, Bibelverse auswendig zu lernen, wenn die Sprache sich mindestens auf dem Level “gehobene Umgangssprache” befindet. Allzu flach und lässig haftet nicht so gut in meinem Gehirn. Zum Auswendiglernen ist es außerdem gut, eine Übersetzung als Standardversion zu lesen und nicht ständig zu wechseln. Viele Bibelverse bleiben so durch häufiges Lesen ganz nebenbei hängen, und du erwirbst dir so nach und nach einen Schatz von Aussprüchen Gottes, der dir in Krisen, Durststrecken und Versuchungen zur Verfügung steht.

Stille Zeit-Tipps (6): Gewohnheit

Sollte man etwas aus Gewohnheit tun? Ist das nicht spießig, und nur, was spontan geschieht, ist authentisch und kommt aus dem Herzen?

Die meisten Lebensnotwendigkeiten vollziehen wir als Gewohnheiten. Wir nehmen regelmäßig Essen und Trinken zu uns (wenn nicht, leben wir eher ungesund). Wir sind es gewohnt, nachts zu schlafen. Eltern gewöhnen ihre Kinder an eine vernünftige Hygiene. Da sagt kein Mensch was dagegen. Aber wenn es um unser geistliches Leben geht, haben wir Bedenken, dass wir etwas “nur aus Gewohnheit” tun.

Hinter oben angeführten Gewohnheiten stehen echte Bedürfnisse, und so sollte es auch mit unserer stillen Zeit sein. Für den geistlich Magersüchtigen, der eigentlich gar nicht essen will, werden die festen Mahlzeiten zur Qual. Für alle anderen sind sie einfach eine Hilfe, weil man das Leben nicht jeden Tag neu erfinden muss und Lebenswichtiges nicht im Stress untergeht.

Eine gute Gewohnheit ist es für mich, stille Zeit zu machen, ehe ich in die Arbeit starte – Ausnahmen bestätigen die Regel. Manche machen ihre stille Zeit vor dem Frühstück, damit ihnen wirklich nichts dazwischen kommt – ich bin erst nach 2 Tassen Kaffee richtig aufgewacht. Generell ist es aber eine gute Idee, das Instrument vor dem Konzert zu stimmen, oder?

Ich habe auch gerne meinen festen Platz, meine gewohnte Bibel, meine Stifte……so ähnlich, wie die Verdauungssäfte schon anfangen zu fließen, wenn man sich bei Muttern an den gedeckten Tisch setzt, so geht auch mein Herz in den “Ich komme, um zu hören”-Modus, wenn das “Setting” stimmt. Und die Gewohnheit beschützt diesen Raum und diese Zeit vor allem, was ihn sonst automatisch ausfüllen würde.

Und das heißt natürlich nicht, dass ich das abhake wie eine Pflichtveranstaltung – das wäre dann wirklich ein negatives Konzept von Gewohnheit! Die Gemeinschaft mit dem Herrn fängt auch nicht erst bei der stillen Zeit an, die ist eine 24 Stunden-Sache, weil er in mir lebt. Und wenn für dich eine andere Zeit besser passt, dann nimm eine andere. Es gibt so viele verschiedene Lebensrhythmen, und wenn es dir ernst ist, wird Gott dir schon zeigen, wo du in deinem Leben diese Gewohnheit am besten ansiedelst.