Begleitstimme zum Hohenlied

„Ausgegossenes Salböl ist dein Name.“ (1,3)

„ Erzähle mir, du. den meine Seele liebt, wo weidest du? Wo lässt du lagern am Mittag?“ (1,7)

 

HERDE GOTTES

Geistesverwandt:
Nicht in intellektuellen Höhenflügen,
nicht Gemeinschaft gleicher Ideen,
kein Club, keine Clique, kein Verein –
sondern eingetaucht in einen Geist,
erfüllt von einem Bild,
vereint in atemloser
Anbetung vor dem Thron.

Blutsverwandt:
Nicht die Verbundenheit der Natur,
nicht Geschlüpftsein im gleichen Nest,
nicht identische Chromosomen und Kopfformen –
sondern getränkt aus einem Kelch,
erkauft mit einem Preis,
besprengt mit dem Blut
des einen Lammes.

Leiblich verwandt:
Nicht im Stolz auf Stammbaum und Herkunft,
nicht in Zusammengehörigkeit und Umzäunung
als Stamm, als Sippe, als Clan –
sondern genährt mit dem einen Brot,
gestellt unter ein Haupt,
hinwachsend miteinander
zum Körper des einen Christus.

„In seinem Schatten zu sitzen gelüstet’s mich…“ (2,3)

SONNTAG

Heute führtest du mich auf die Wiese,
wo die Blumen deiner Güte blühen,
und ich konnte mich an deiner Schönheit
satt sehn und mir große Sträuße pflücken.

Hast mir einen Feiertag bereitet,
mir die Tränen vom Gesicht getrocknet.
Die Verzagtheit, die mich niederdrückte,
hast du sanft aus meinem Geist gepustet.

Meine Seele brachtest du zum Tanzen,
und dein Freudenwein hat mich beflügelt,
dass der lange Weg mir wieder leicht wird.
Danke, Herr, du wusstest, was ich brauchte.

„Wenn der Tag verweht und die Schatten wachsen, komm, du mein Geliebter.“ (2,17)

Ja, es war Tag.
Die Sonne stand hoch,
und alles war Jubel und Wärme,
Heiterkeit und Erkennen.
Ich hab es genossen.

Wie schön war es, klar zu sehen,
zu lobpreisen ohne Wenn und Aber,
ganz eingetaucht in Gewissheit.

Aber nach jedem Tag muss es dämmern.
Das Licht verflüchtigt sich,
und mich fröstelt.
Die Erinnerung hängt
wie eine müde Blüte,
deren Blätter fallen.

Geliebter, das ist deine Zeit.
Jetzt will ich mich an dich lehnen.
Jetzt will ich die starke Hand
festhalten im Dunkeln.
Jetzt will ich deine Stimme hören.
Jetzt will ich gehorchen.

„Siehe schön bist du, meine Freundin, siehe, du bist schön!“ (4,1)

Klein wie der Staub –
und geliebt wie der Sohn.
Unbedeutend wie Dreck –
und wertgeachtet, in deine Hände gezeichnet.

Unwissend und ahnungslos –
zum Vertrauten gemacht.
Entstellt und verkrüppelt –
an den Tisch des Königs gesetzt.

Was bist du für ein Gott,
der ein Lumpenbündel wie mich
aufhebt und wäscht und heilt
und küsst und herzt?
Was bist du nur für ein Gott?!

Warum mich?

„Wach auf, Nordwind, und komm, Südwind! Lass duften meinen Garten, lass strömen seine Balsamöle! Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse seine köstlichen Früchte!“ (4,16)

Dass du für mich gestorben bist,
obwohl du wusstest, wie ich bin –
das lässt mich immer wieder staunen, fassungslos.
Wie treulos mein Charakter ist,
dass ich nicht zuverlässig bin,
hast du gewusst. Ich bitt dich bloß:
Mach mich doch so, dass ich dich nicht enttäusche,
dass deine Gnade gegen mich sich lohnt!
Mach mich zu einem Baum, der gute Frucht bringt,
zu einem treuen Knecht, der sich nicht schont!

„Ich schlief, doch mein Herz war wach.  Horch, mein Geliebter klopft!“ (5,2)

Herr, bewahr mich vor dem Macher- Geist!
Bewahr mich vor der falschen Tüchtigkeit,
dem rastlosen Getriebensein,
besorgt und beunruhigt um viele Dinge.

Gib mir die Weisheit,
immer das gute Teil zu erwählen,
immer dies Eine zu suchen –
den EINEN!

Gib mir ein Herz, das wacht, auch wenn ich schlafe!
Gib mir ein Ohr, das hört, mitten im Lärm!
Gib mir ein Auge, das durchsieht
durch all das Sichtbare auf das Unsichtbare!

„Mein Geliebter streckte seine Hand durch die Öffnung, da wurden meine Gefühle für ihn erregt.“ (5,4)

Mein kleiner Verstand
wälzt sich in Krämpfen,
weil deine Größe ihn zersprengt.
Meine Seele windet sic
in Sehnsucht, dich zu umfassen.
Wie kann es sein,
dass ich dein Fleisch essen
und dein Blut trinken darf?
Himmlisches Brot!
Ich lebe von dir!

Schon die Bilder rütteln mich durch.
Wie wird es sein,
wenn ich nicht mehr verschwommen sehe,
sondern von Angesicht zu Angesicht?

Ich ahne von fern,
warum der sterben muss, der Gott schaut,
warum irdische Leiblichkeit
das Reich nicht betreten kann,
und warum es unaussprechliche Worte gibt.

Und ich fiebere deiner Ewigkeit entgegen.

„Das ist mein Geliebter und das mein Freund, ihr Töchter Jerusalems!“ (5,16)

LAMM GOTTES

Du hast eine andere Schönheit.
Du hast die Schönheit, die dem Vater gefällt:
Schönheit des Opfers voll unermesslicher Kraft,

Kraft, die trägt und trägt
und bei aller Verausgabung
des Liebens nicht müde wird.

Schönheit der Geduld,
die nicht aufgibt, bis es vollbracht ist,
der Hoffnung – unter Gestöhn –
auf viele Brüder.

Schönheit der Stärke in der Schwachheit,
des lebensspendenden Todes,
des gebrochenen Brotes, das viele nährt –
Schönheit des Lammes.

Ich gehöre meinem Geliebten……..

Meine Stirn für deinen Namen,
mein Mund für deine Botschaft,
meine Tränen für deinen Schmerz,
mein Lachen für deine Freude,
mein Herz für dein Erbarmen,
meine Hände für deine Arbeit,
meine Füße für deine Wege,
mein Verstand für deine Gedanken.

…..und mein Geliebter gehört mir. (6,3)

Deine Wunden für meinen Frieden,
deine Striemen für meine Heilung,
dein Verhöhntsein für meine Ehre,
dein Verlassensein für mein Heimkommen,
dein Armwerden für meinen Reichtum,
dein Blut für meine Reinigung,
dein Opfer für meine Heiligung,
dein Tod für mein Leben.

_

„Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht weg.“ (8,7)

Ich will dir treu sein
durch die Wüste der Erschöpfung,
wenn die Gedanken zähflüssig werden,
das letzte Rinnsal der Freude versandet,
mein Schritt immer schleppender wird.

Ich will dir treu sein
im Sandsturm der Verwirrung,
wo mir die Zweifel ins Gesicht peitschen,
jeder Orientierungsversuch absurd ist
und Erkennen unmöglich.

Ich will dir treu sein
übers Glatteis der Ratlosigkeit,
wo Fragen keine Antwort finden,
und nur Fallen und Aufstehen
mich weiterzubringen scheinen.

Ich will dir treu sein
unterm Ginsterstrauch der Mutlosigkeit.
Ist nicht alles umsonst?
Hab ich vergeblich gekämpft?
Gott, mein Gott, ich kann nicht mehr!

Ich will dir treu sein,
weil du der Treue bist.
Rutschend und stolpernd und blind
und mit letzter Kraft will ich Wort halten,
weil du Wort hältst:
Weil nichts mich scheidet von der Liebe Christi.

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