Jesu Fußspuren folgen in Johannes 7

Am Sonntag hörten wir eine Predigt über Johannes 7,1-24. Als ich den Text jetzt noch mal für mich durchlas, wurde mir neu bewusst, welche Konsequenzen es hat, wenn ich Jesus nachfolge – was er mir hier in diesem Abschnitt vorlebt in seiner Beziehung zu seinem Vater und zu den Menschen um ihn herum. Folgende Punkte sind mir aufgefallen:

arrow-1538694_1920

  • Wenn ich Jesus folge, feiere ich nicht mehr einfach die Feste, wie sie fallen, und folge nicht menschlichen Erwartungen. Es ist Gott, der mir zu sagen hat, was ich tun soll, und ich muss ihn fragen.
  • Nicht Karriere, Öffentlichkeit, Ruhm und Anerkennung können die Motive meines Handelns sein, sondern Gottes Plan und Wille.
  • Es ist ganz normal, wenn auch die nächsten Verwandten mich nicht verstehen.
  • Wenn ich Jesus folgen will, muss ich mich Gottes Zeitplan unterordnen und nicht einfach drauf los preschen in meinem menschlichen “Ich-weiß-schon-wie”.
  • Ich muss mit Hass rechnen. Ich muss mich aus Liebe der Aufgabe stellen, auch unangenehme Wahrheiten zu sagen.
  • Die Leute werden geteilter Meinung über mich sein, und weder die gute noch die schlechte Meinung darf mich beeinflussen.
  • Ungläubige Theologen werden meinen, dass sie meine Bibelkenntnis beurteilen können, weil sie die die Fachleute sind, und ich nicht studiert habe. Sie verstehen nicht, dass Gott uns sein Wort nur dann aufschließt, wenn wir ihm gehorchen wollen.
  • Meine Glaubwürdigkeit beruht darauf, dass ich die Ehre Gottes suche und nicht meine eigene.
  • Ich muss damit rechnen, dass mein Tun falsch beurteilt und nach einer heuchlerischen Ethik gerichtet wird.

Da gibt es noch viel zu lernen und muss täglich der Kampf gegen die Selbstliebe gewonnen werden! Wie sagte doch Jesus in Lukas 14,26.27?

„Wenn jemand zu mir kommen will, muss ich ihm wichtiger sein als sein eigener Vater, seine Mutter, seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister und selbst sein eigenes Leben; sonst kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein.”

Neue Kraft

eagles-68259_1920

Die auf den HERRN harren, gewinnen neue Kraft: sie heben die Schwingen empor wie die Adler; sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.         Jesaja 40,31

Ist das nicht ein passender Vers zum Beginn des neuen Jahres? Es ist so wichtig, geistlich nicht müde zu werden! Wenn man nicht gegenhält, passiert es im Nullkommanichts, ehe man es richtig gemerkt hat.

Geistliche Müdigkeit ist gefährlich. Man ist versucht, die wichtigsten Dinge über Bord zu werfen, so wie Esau, der sein Erstgeburtsrecht leichtfertig aufgab für einen Teller Linsen. Die Zukunft fällt dem gegenwärtigen Bedürfnis zum Opfer. Man ist versucht aufzuhören, das Gute zu tun, und wenn dann die Ernte eingefahren wird, hat man keinen Ertrag vorzuweisen:

Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. (Galater 6,9)

Was macht uns denn müde?

  • Warten macht müde. Wenn wir z.B. den Eindruck haben, Gott erhört unsere Gebete nicht, kann sich Frustration breitmachen (Lukas 18,1)
  • Quälende Fragen, auf die man keine Antwort findet (Psalm 77)
  • Sorgen (Matthäus 6,34)
  • Ständige Bedrängnis und Traurigkeit  (Psalm 6,7)
  • Schlechtes Kräftemanagement  und mangelndes Auftanken  (s. hier)
  • Angriffe und Verfolgung  (Psalm 143)
  • Hilfe an der falschen Stelle suchen und endloses Gelaber ohne echte Lösungen (Jesaja 47,13)
  • Widerspruch  von außen und Kampf gegen die Sünde (Hebräer 12,3-4)
  • Gottes Züchtigung, vor allem, wenn man sie falsch einordnet als Ablehnung statt als Zeichen der Zuneigung (Hebräer 12,5-11)
  • Geistliche Arbeit – Paulus schreibt davon, wie ihn die Sorge um alle Gemeinden belastet (2.Korinther 11,28)

Viele dieser Dinge gehören zum Leben, und man kann ihnen nicht ausweichen. Paulus schreibt aber auch darüber, was ihn aufrecht und am Laufen hält. Er kannte das “Geheimnis der Adlerflügel”. Er wusste: Die Kraft kann nicht aus uns kommen. Wir brauchen Gottes Kraft. Und Gott wird nicht müde!

Hast du es nicht erkannt, oder hast du es nicht gehört? Ein ewiger Gott ist der HERR, der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht, unergründlich ist seine Einsicht. Er gibt dem Müden Kraft und dem Ohnmächtigen mehrt er die Stärke. (Jesaja 40, 28,29)

Wir dürfen sozusagen die Reserven Gottes anzapfen.

Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. (2.Korinther 4,16)

Und wie funktioniert das praktisch?

In diesem Sinne:

Ein gesegnetes, kraftvolles Neues Jahr!

Kämpfen für den überlieferten Glauben

book-1209805_1280Am Sonntag hatten wir eine Predigt über den Dienst, Auftrag und Charakter der Ältesten. In dem Zusammenhang kam die Abschiedsrede von Paulus an die Ältesten von Ephesus zur Sprache. Es trifft mich jedes Mal als extrem krass, wenn Paulus sagt: Ich weiß, dass nach meinem Abschied Wölfe von außen hier reinkommen werden, und auch aus eurer eigenen Mitte Männer werden aufstehen, die böse Lehre bringen werden, die zu Grüppchenbildung und Spaltung führt. Wie unheimlich realistisch war Paulus! Und auch wir dürfen nicht naiv sein! Der Teufel schläft nicht!

Nun habe ich heute den Judasbrief gelesen, und er ist wie eine Illustration dieses Themas. Hier ist es schon passiert! Gewisse Menschen, schreibt Judas, haben sich heimlich eingeschlichen. Judas wollte ihnen eigentlich etwas Schönes schreiben über ihr gemeinsames Heil, aber jetzt muss er sie auffordern zu kämpfen.

Viele Christen wollen nicht kämpfen. Sie wollen Liebe und Frieden und kuschelige Einheit um jeden Preis in der Gemeinde, und die, die immer auf Fehlentwicklungen hinweisen, gehen ihnen auf die Nerven. Aber Irrlehre und Sünde ist wie Sauerteig – er breitet sich aus, bis alles zu Sauerteig geworden ist. Ihr müsst kämpfen! sagt Judas. Und für was? Für den einmal überlieferten Glauben, d.h. das, was uns in der Heiligen Schrift gegeben ist. Niemand behauptet, dass das Spaß macht. Es ist anstrengend! Das hat Kampf so an sich.

Ich finde es interessant, wie diese “Wölfe” beschrieben werden. Wir müssen sie ja identifizieren können. Folgende Sachen sind mir ins Auge gefallen:

  • Sie verleugnen Christus. Ich nehme nicht an, dass sie sie sagen, es gäbe ihn nicht. Da hätten sie wahrscheinlich schlechte Chancen in der Gemeinde. Aber sie verleugnen seine Stellung als Gebieter. Sie verdrehen sein Wort von der Gnade so, dass es uns erlaubt, weiter in unsrer Sünde zu leben.
  • Sie nehmen das Maul voll. Sie fürchten weder Gott noch Teufel. Sie zittern nicht vor Gottes Wort, und gegenüber dem Teufel fühlen sie eine falsche Sicherheit und denken, er kann ihnen nichts anhaben.
  • Sie hassen die echten Christen, so wie Kain Abel hasste. Sie können sie kaum ertragen. Sie hetzen gegen sie subtil oder offen. Die Rede von Rettung durch das Blut Jesu und die Lehre von der völligen Verderbtheit des Menschen mögen sie nicht. Sie wollen sich ihren Weg zu Gott anders schaffen.
  • Sie suchen ihren eigenen Vorteil, so wie Bileam. Irgendwas muss aus der Religion für sie herausspringen, Ehre oder Geld oder Macht.
  • Sie sind rebellisch. Sie wollen nicht “konservativ” sein und denken, sie müssen jetzt mal ran mit neuen Methoden und Autoritätsstrukturen und aus dem Wort Gottes raussortieren, was heute noch relevant ist.
  • Im Grunde ihres Herzens sind sie Opportunisten. Da es ihnen nicht um Gott geht, geht es ihnen um ihren Vorteil. Sie rennen jedem gesellschaftlichen und religiösen Trend hinterher, weil es ihnen  Anerkennung bringt. Sie sind genau das Gegenteil von Paulus, der sagt: Es sei aber fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. (Galater 6,14)

Diese Leute sind nie aus dem Geist Gottes wiedergeboren worden, deswegen sind sie immer noch fleischlich. Aber sie haben das Potential, Gemeinden zu spalten und zu verwirren, bis die Botschaft völlig entstellt und das Zeugnis kraftlos geworden ist.

Was sollen wir nun tun? Judas empfiehlt:

  • Erbaut euch selbst auf dem überlieferten Glauben. Für uns heute heißt das: Studiert die Bibel! Wisst, was drinsteht und was nicht! Werdet geistlich wehrhaft und verführungsfest! Ernährt euch nicht von Losungen und Andachtsbüchern!
  • Betet im heiligen Geist! Der Kampf um den Glauben vollzieht sich nicht nur auf einer Intellektuellen Ebene, sondern muss im Gebet in der Kraft des Heiligen Geistes gekämpft werden. Der Teufel ist real! Die Pfeile des Bösen müssen durch die ganze Waffenrüstung Gottes abgewehrt werden.
  • Bleibt in der Liebe Gottes! D.h. auch, wie es in den letzten Versen zum Ausdruck kommt: Kümmert euch umeinander! Es geht nicht nur darum, uns selbst zu bewahren, sondern die, die gefährdet sind. Ein “Job”, für den man sowohl Liebe für die Brüder als auch Hass gegen die Sünde braucht!
  • Wartet auf Jesus! Denkt an seine Wiederkunft! Das ist eine ganz starke Motivation, so zu leben, wie es ihm gefällt, aber es bewahrt uns auch vor der Verzagtheit, die uns beschleichen kann, wenn wir in der Gemeinde nur Schwierigkeiten sehen. Es gibt uns einen Blick dafür, dass Jesus am Ende eine Braut vom Vater zugeführt werden wird, die er erwählt und bewahrt hat. Am Ende ist Jubel! Die “Pforten der Hölle” kämpfen gegen die Gemeinde, aber sie werden sie nicht überwältigen!

Advent: Ich will dich sehen, Herr!

 

sunrise-165094_1280

Ich will dich sehen, Herr, und nicht mehr gebremst sein von den Schranken meines kleinen, zeitverhafteten Verstandes, der über Worten brüten und Lexika wälzen muss, um dein Reden zu fassen, und doch oft unschlüssig bleibt.

Ich will dich sehen, Herr, und alle Anfechtungen und Fragen, alle Ablenkungen und Umstrickungen, genetischen Dispositionen, psychischen Wirrnisse, Krankheiten, Schwachheit und Tod hinter mir lassen.

Ich will dich sehen, Herr,  und mit allen, die dich lieben, in ungehinderter Gemeinschaft bestaunen und genießen – wo Fehlinterpretationen und Meinungsverschiedenheiten, Missverständnisse und kulturelle Brillen schmelzen wie Eis an der Sonne der Herrlichkeit.

Ich will dich sehen, Herr, die bereiteten Wohnungen beziehen, das geschmückte warme Haus, wo die, die jetzt frieren in Verfolgung, im Gefängnis, auf der Flucht, in der Kälte einer gottfeindlichen Welt, ungeschützt, gequält und hinausgestoßen, Frieden und Heimat finden.

Ich will dich sehen, Herr, das Königtum und das Erbe, den Thron, die Pracht, die Schönheit, die endlich gebeugten Knie, das Reich, wo Gerechtigkeit wohnt, den ewigen Morgen!

Und der Geist und die Braut sagen: Komm!  … Ja, ich komme bald. – Amen; komm, Herr Jesus!  (aus Offenbarung 22)

Wenn das Eisen stumpf geworden ist …

In letzter Zeit sehe ich um mich herum viel Erschöpfung, Burnout, Depression … und die  Fragen beschäftigen mich: Woran liegt das? Wie kann man helfen? Und wie kann man auf sich selbst achten, dass es einem nicht auch passiert? Kann man vorbeugen?

Da stoße ich heute morgen bei meiner Lektüre im Buch Prediger auf etwas, das sich wie eine Binsenweisheit anhört:

axe-1705787_1280

Wenn das Eisen stumpf geworden ist und niemand die Schneide schleift, so muss man seine Kräfte mehr anstrengen. Aber ein Vorteil ist es, die Weisheit richtig anzuwenden. Prediger 10,10

 

Das ist ein interessantes Bild. Da macht jemand, was er immer schon gemacht hat, aber es wird anstrengender und  anstrengender, und er weiß gar nicht warum. Klar, mühsam ist Holzhacken immer, und deswegen merkt man den Unterschied am Anfang kaum. Aber irgendwann geht es einfach nicht mehr. Erschöpfung,  Wut auf die Axt und das Holz, Wut auf sich selbst, weil man es einfach nicht mehr schafft, Resignation, Depression … Was ist schief gelaufen?

Wir alle neigen dazu, Probleme zu übersehen und auszublenden. Wir versuchen, sie durch mehr Anstrengung zu kompensieren. Als Christen können wir dieses unweise Verhalten oft gut geistlich verbrämen als Treue und Ausharren.

Wenn du immer “Holz gehackt” hast (um im Bild zu bleiben), dann kommt noch dazu, dass deine Umgebung erwartet, dass du weiter Holz hackst, Du empfindest die Erwartung: Mach halt eine kurze Pause, und dann aber weiter! Oder auf “fromm”: “Schau auf Jesus! Gib nicht auf! Gott gibt den Müden Kraft!” Und weil das alles richtig und biblisch klingt, nimmst du nach einer kurzen Pause deine Axt wieder auf und hast vielleicht wieder Kraft für fünf Schläge, und dann brichst du völlig zusammen.

Weisheit, heißt es hier, muss man richtig anwenden. Es nützt nichts, ein Arsenal von Ermutigungssprüchen abzufeuern, wenn die Axt stumpf ist. Man muss das Problem richtig identifizieren und beseitigen, und man muss sich die Zeit nehmen, die man dafür braucht. Es ist gut investierte Zeit. Es ist normal, wenn die Axt irgendwann stumpf wird, wenn man viel arbeitet. Ein Fehler ist nur, wenn man, anstatt die stumpfe Axt zu schleifen, einfach weiterschuftet.

Wir brauchen also vor der Erschöpfung und erst recht, wenn sie da ist, regelmäßig Zeit und Ruhe, um unsere Axt zu inspizieren und wieder in Schuss zu bringen. Wir dürfen uns nicht weitertreiben lassen von eigenem oder fremdem Aktionismus und von Erwartungen. Wir müssen aufhören, Schwierigkeiten zu übergehen und halb schwindelig im Hamsterrad weiter zu rennen und eigene und fremde Erwartungen zu erfüllen, sondern die Probleme vor Gott bringen und seine Lösungen dafür suchen. Vielleicht brauchen wir Hilfe von jemand, der sich aufs Axtschleifen versteht und der mal einen Blick werfen sollte auf die tiefen Scharten in unserem Blatt und woher sie rühren.

Es sind zwei ganz verschiedene Dinge, in Schwierigkeiten in der Kraft Gottes auszuharren oder mit einer stumpfen Axt zu arbeiten zu versuchen. Wenn du in einem Zustand bist, wo du nur noch das Gefühl hast, funktionieren zu müssen, hast du eine stumpfe Axt, und einfach weiter zu hacken ist sinnlos. Mach eine Schleif-Pause, und mach sie früh genug!

Was religiösen Menschen die Tür zu Gott verschließt (Predigt-Nachlese)

padlock-927392_1920

In Johannes 5 spricht Jesus mit den religiösen Führern der Juden. Sie hassten ihn, weil er das Licht war, das ihre Finsternis aufdeckte. Sie hassten ihn für seinen Anspruch, der Sohn Gottes zu sein, eins mit dem Vater und von ihm autorisiert, ihnen Leben zu geben oder sie zu richten. Und sie hassten ihn, weil er ihre Position und ihr Ansehen infrage stellte.

Und doch gibt er sie nicht auf. Wenn sie ihm persönlich nicht glauben, dann kann er Johannes den Täufer als Zeugen ins Feld führen oder die Wunder, die unbestreitbar waren, oder die Schrift, die ihn vorhergesagt hat, sogar Moses, den sie so hochhalten. Und er tut das nicht, weil er diese Zeugen nötig hätte, sondern er sagt das um ihretwillen:

Ich sage das, damit ihr gerettet werdet. (Johannes 5,34)

Das ist seine Intention, selbst für seine ärgsten Feinde. Und um ihnen zu helfen zu erkennen, was sie daran hindert, hält er ihnen den Spiegel vor, damit sie sehen, wie sie sind, und wovon sie umkehren müssen, damit sie glauben und gerettet werden können. Dabei scheut er sich nicht, konfrontativ und deutlich zu sein, denn mit weniger ist ihnen nicht gedient.

  • Gottes Wort hat keinen Raum in euren Herzen. Sie kannten die Schrift vor- und rückwärts und auswendig als ein Buch von Geboten und Gesetzen, zu denen sie vorsichtshalber unzählige Ausführungsverordnungen gemacht hatten und beachteten. Aber ihr Herz war nie erreicht worden, nie von seiner Sündhaftigkeit überführt worden. Da war kein Platz in ihnen zum Empfang der Worte der Gnade, denn in ihren Augen hatten sie alles richtig gemacht.
  • Ihr wollt nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen. Das hätte ja geheißen, sie brauchen ihn, um ihnen das Leben zu geben! Sie doch nicht! Sie konnten sich selbst den Weg zu Gott erarbeiten!
  • Ihr sucht die Ehre von Menschen. Jesus sagt es ziemlich drastisch: Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre von dem alleinigen Gott nicht sucht? Wer glauben will, muss seine Reputation und seinen Selbstschutz fahren lassen. Er kann nicht mehr so tun, als ob. Er muss seine Sünden bekennen. Es gibt kein größeres Hindernis zum Glauben als Heuchelei und den Wunsch, vor Menschen etwas darzustellen, was man im Kern seines Wesens und in seinen geheimsten Taten nicht ist.
  • Ihr habt die Liebe Gottes nicht in euch. Sie waren Spezialisten in den zehn Geboten, aber sie konnten noch nicht einmal das erste halten: Gott über alle Dinge zu lieben. Nur sahen sie das nicht, weil sie den selbstgerechten Buchstabengehorsam mit der Liebe zu Gott verwechselten.
  • Ihr glaubt den Schriften nicht wirklich. Hätten sie den Schriften Mose wirklich geglaubt und nicht immer nur ihre To do-Liste zum Abhaken darin gesucht, so hätten sie erkannt, dass er einen Erlöser für ihren und unseren tiefen Schaden vorausgesagt hat, und sie hätten die Stimme des Autors in Jesus wiedererkannt.

Es betrifft nicht nur die Pharisäer, sondern dient auch unserer Selbstprüfung.  Kennen wir Gott? Ehren und lieben wir ihn? Ist er die Quelle unserer Freude, die Nummer 1 in unserem Leben? Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Schielen wir nach der Anerkennung von Menschen, oder bekennen wir uns zu unserer Schuld und nehmen gerne die Gnade Gottes an und das Kreuz auf und folgen  Jesus nach?

Haus der Barmherzigkeit – Hoffnung für Hoffnungslose

Pool_of_Bethesda_ruins_2272_(516919910)   Ruinen des Teiches von Betesda, Bildquelle:  By James Emery from Douglasville, United States – Pool of Bethesda ruins_2272, CC BY 2.0, Link

38 Jahre – für die Gesunden und Lebenslustigen fliegen sie schnell vorbei. Sie arbeiten, sie heiraten, sie kriegen Nachwuchs und haben alle Hände voll zu tun. Der Tag ist immer zu kurz für alle Pläne.

Bei ihm war das anders. Er war behindert. Sein Alltag war gekennzeichnet von Einschränkung, Armut, Nutzlosigkeit und Langweile. Und von quälenden Fragen: Was hatte  ihm diesen Fluch eingebracht? Ja, er hatte gesündigt, das wusste er. Ging es ihm deshalb so? Würde Gott ihm jemals vergeben?

Manchmal wunderte er sich selbst, dass die Hoffnung nicht sterben wollte. Immer wieder schleppte er sich in die Säulenhallen an diesem Teich, wo er auch heute lag. Allein der Name dieses Ortes klang wie Musik in seinen Ohren: Betesda, “Haus der Barmherzigkeit”. Barmherzigkeit, das war das, was er brauchte, für seinen Leib und für seine Seele. Er war nicht der einzige: Hier war es voll mit Kranken, Blinden, Gelähmten und anderen Behinderten. Viele kamen mit ihren Verwandten. Denn hier erhofften sie Heilung. Ab und zu bewegte sich das Wasser, und wer dann als erster hineinstieg, wurde gesund. Eine wunderbare Sache für den, der dieser Erste war – und eine schreckliche Enttäuschung für alle anderen. Und für ihn eben das: Enttäuschung auf Enttäuschung auf Enttäuschung. War es früher Zorn auf sich selbst, weil er durch seine Lähmung nicht schnell genug sein konnte, und Neid auf all die, die Verwandte oder Freunde hatten, die ihnen halfen, so war es jetzt nur noch ein tiefes Gefühl der Verlassenheit. Trotzdem kam er immer wieder hierher. Wer weiß, vielleicht gab es ja doch noch irgendwie, irgendwann Barmherzigkeit und Vergebung für ihn? Er hatte auch gar keine andere Wahl, als weiter zu hoffen. Auf jeden Fall hatte er nichts zu verlieren.

Plötzlich bleibt ein Mann bei ihm stehen. Der Mann sieht ihn an, und sieht mitten in sein Herz und sein Leben. Er sieht die ganzen langen 38 Jahre Elend und Traurigkeit, und obwohl der Kranke es noch nicht weiß und versteht, ist hier auf einmal wirklich ein “Haus der Barmherzigkeit”. Der Unbekannte stellt eine ganz einfache Frage: “Willst du gesund werden?”

Ja, wenn das so einfach wäre! “Mein Herr, ich habe keinen Menschen! Ich bräuchte jemand, der mich in den Teich wirft! Die anderen sind immer schneller als ich!” Wie gut es tut, dass einer ihn freundlich ansieht, dass einer ihn mal fragt, dass er seine Not und Hilflosigkeit jemandem sagen kann! Aber die eigentliche Frage hat er gar nicht beantwortet, denn das Gesundwerden, das will er schon, aber er wüsste nicht, wie?!

Es geht diesem Kranken wie mir oft: Ich kann mein Problem gut beschreiben, nur die Lösung kenne ich nicht!

Nun sagt der Mann mit großer Autorität: Steh auf, nimm deine Matte und laufe herum! In diesem Moment versteht der Kranke: Da spricht die Barmherzigkeit Gottes! und steht auf und wickelt seine Matte auf und läuft herum. Er läuft hin, und er läuft her … und das Wunder und die Verwunderung über das Gefühl von Füßen, die stabil auf der Erde stehen, und über Beine, die tragen, ja, mit denen man sogar springen und hüpfen und rennen kann!! … all das breitet sich wellenartig in seinem Körper und seinem Kopf und seinem Herzen aus. Als er sich davon so langsam erholt, guckt er sich nach seinem Wohltäter um, aber der ist nicht mehr da.

Dafür sieht er andere Leute, und die Sorte kennt er. Es sind die Superheiligen, für die er immer außerhalb der Reichweite der Gnade Gottes gelegen hat. Ärger liegt in der Luft, denn sie sind immer auf Fehlersuche, und schon haben sie ihn gesehen: “Warum läufst du mit dieser Matte herum? Heute ist Sabbat!”

Ja, tatsächlich, heute ist Sabbat, aber ein ganz besonderer Sabbat! Heute ist ihm die Barmherzigkeit Gottes begegnet, und so zieht er das Genick nicht ein und senkt die Augen wie sonst, sondern antwortet: “Der Mann, der mich geheilt hat, sagte zu mir: Nimm deine Matte und geh!“ Es steht für ihn außer Frage, dass der, der ihn geheilt hat, eine höhere Autorität ist als diese Sabbatwächter, auch wenn er weder weiß, wer er ist, noch wie er heißt. Und ihre Reaktion ist sehr aufschlussreich. Sie interessieren sich nicht im Geringsten dafür, dass er gesund geworden ist, sie sehen keinen Anlass, ihm zu seinem Glück zu gratulieren, sondern sie bellen: “Wer war dieser Mann, der das gesagt hat?” Aber er kann ihnen dazu leider keine Auskunft geben.

Später trifft er ihn wieder. Der Geheilte ist in den Tempel gegangen, um Gott zu danken. Dort findet ihn Jesus. Jesus weiß, dass die Hilfe noch eine tiefere Dimension haben muss. Der Körper ist geheilt, aber die Seele braucht auch Heilung. Sie müssen über Sünde, Vergebung und Umkehr sprechen. “Du bist jetzt gesund geworden. Sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres passiert!“

Nun weiß er es: Das war Jesus. Das muss er diesen Neunmalklugen sagen. Der Messias, der Retter der Welt, hat ihn gesund gemacht, sich  von allen Leuten am Teich Betesda ausgerechnet um ihn gekümmert und ihn dann nochmal im Tempel gesucht, um ihm zu helfen, dass er von jetzt an ein neues Leben lebt.

Diese Geschichte steht im Johannesevangelium im 5. Kapitel.

Vielleicht drückt dich auch schon lange eine Schuld, ist dein Leben voller Not und Elend, und du hast keine Kraft, etwas daran zu ändern. Zu allem Überfluss musst du sagen: Ich habe keinen Menschen! Dann ist Jesus auf der Suche nach dir und fragt dich: Willst du gesund werden? Er ist nicht nur voller Mitgefühl, sondern er hat auch die Kraft, deine Sünden zu vergeben und dein Leben neu zu machen. Schütte dein Herz vor ihm aus, schenk ihm dein Vertrauen, nimm seine Barmherzigkeit an und kehre um von deinen eigenen Wegen, und du wirst gerettet und neu gemacht!