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Altwerden und die Hoffnung festhalten – was ich von Simeon und Hanna lernen möchte

Aert de Gelder [Public domain], via Wikimedia Commons

Heute mal keine Predigt-Nachlese, sondern einige persönliche Gedanken zum Thema …

Simeon und Hanna sind meine Vorbilder, wenn ums Altwerden geht. Über beide hab ich schon öfters geschrieben –  hier z.B. und hier ausführlicher über Hanna. Die beiden sind lebende Illustrationen für den Vers, den ich gerade auswendig gelernt habe:

Lasst uns nun das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten, denn treu ist ER, der die Verheißung gegeben hat. (Hebräer 10,23)

Die Beiden hatten nicht nur eine Hoffnung – sie lebten darin. Man konnte das daran erkennen, wo sie sich aufhielten, wofür sie sich einsetzten, wovon sie sprachen. Wenn in einem Menschen die Hoffnung auf Christus lebt, dann kann das nicht unbemerkt bleiben! Ich stelle mir Simeon so ein bisschen vor wie meinen 88jährigen Vater. So oft wir telefonieren oder uns begegnen, landen wir bei einem Thema, der Wiederkunft des Herrn. Das ist der Fixpunkt, der sein Leben bestimmt, und deswegen kommt das aus allen Poren.  Da führt kein Weg dran vorbei (und nicht etwa, weil ihm sonst nichts einfällt – er liest noch viel, sogar englische Romane, um seine Sprachkenntnisse aufzubessern!). So ähnlich wird der alte Simeon immer zu einem Thema zurückgekehrt sein: Der Trost Israels kommt, und ich werde ihn sehen. Vielleicht hat seine Umgebung schon die Augen verdreht, aber er hielt unentwegt daran fest, weil er wusste, wer ihm das versprochen hatte!

Und dann ist da diese Hanna. Ich möchte gern so werden wie sie! Ich möchte  im Alter nicht darum kämpfen, aus diesem Leben noch so viel wie möglich rauszuholen. Für wie viele Menschen ist Krankheit und Tod deswegen so bedrohlich, weil sie sich nur am Leben fühlen, wenn sie Skiurlaub an Kreuzfahrt reihen können, wenn sie Geld genug haben für jeden Komfort. Man macht sich eine Bucket List von Dingen, die man unbedingt noch erleben und sehen muss, ehe man die Augen zumacht. Auf Hannas Bucket List standen drei Dinge: Auf den Erlöser warten, Hingabe an Gott mit Beten und Fasten, von Ihm reden. Mehr wollte sie nicht, und wer glaubt, ihr Leben sei leerer gewesen als das einer Weltreisenden, weil sie sich immer nur im Tempel in Jerusalem aufhielt, der hat vom Glück der Gegenwart Gottes noch nichts verstanden. Hanna hatte ein volles, gesegnetes Leben – in Hoffnung, in Selbstverleugnung und in voller Annahme der Beschränkungen, die das Leben ihr auferlegt hatte. Am Ende durfte sie den sehen, an den sie geglaubt hatte.

So möchte ich alt werden. Egal, was kommt, loben und danken und beten geht immer! Der Zutritt zum Heiligtum ist sogar für mich in noch vollkommenerer Weise offen wie für Hanna – ich brauche keinen irdischen Tempel mehr. Und wie Hanna werde ich die Hoffnung festhalten und alles auf eine Karte setzen. Am Ende werde ich IHN sehen.

Übrigens, die Geschichte von Simeon und Hanna ist in der Bibel hier zu finden.

Alt werden und glücklich sein

Mein Papa wird heute 88 Jahre alt. Am Donnerstag konnte ich ihn besuchen, und wir hatten einen langen Gedankenaustausch über das Kreuz Jesu: Was da geschehen ist, was es für Gott bedeutet hat, wie Jesus den Willen Gottes so vollkommen erfüllt hat. Als ich nach Hause fuhr, dachte ich: Wie viele alte Väter wird es wohl geben, deren Freude es ist, sich mit ihrer Tochter über dieses Thema zu unterhalten? Die die Heilige Schrift ein- und ausatmen? Die dankbar sind? Ich bekomme es manchmal bei Kollegen mit, wie unerträglich um sich selbst kreisend und dickschädelig alte Eltern sein können.

Es ist nicht so, dass ich meinen Vater idealisieren will. Aber so zu sein im Alter, genügsam, zufrieden und mit den Dingen Gottes in Herz und Sinn – das scheint mir ein erstrebenswertes Ziel.

Es gibt so viele verschiedene Arten, wie man alt werden kann. Man kann wie Salomo von einem weisen jungen Mann zu einem halbherzigen alten Synkretisten werden, oder wie Eli am Schluss feststellen, dass man schreckliche und unwiderrufliche Fehler gemacht hat. Man kann wie Mose bis zum letzten Tag im Dienst stehen und einen Nachfolger heranziehen oder wie Paulus, alt und im Gefängnis, immer noch vor Liebe zum Herrn und zu den Geschwistern brennen und sich für andere einsetzen. Wie Isaak kann man in “Torschlusspanik” versuchen, in seinem Testament den eigenen Willen durchzusetzen, oder sich wie Jakob dabei von Gott leiten lassen.

Wie wir alt werden, entscheidet sich in den meisten Fällen nicht von heute auf morgen. Salomos Abtrünnigkeit hat sich schleichend entwickelt, weil er Gottes Wort nicht beachtete. Der Eifer eines Paulus, die Treue eines Mose sind im Alter wie reife Früchte, die lange vorher geknospt und angesetzt haben. Jakob hat sich von Gott durch alle Nöte seines Lebens zum “Israel” formen lassen.  Aber auch das gibt es, dass ein alter Manasse sich noch bekehrt, selbst wenn der Schaden, den er angerichtet hat, nicht mehr zu kitten ist.

Der große Vorteil des Alters ist, dass die Dinge der Welt, wie Barsillai feststellte, “geschmacklos” werden. Wenn die Erde verblasst, wird der Himmel deutlicher und farbiger. Gebe Gott, dass wir keine selbstsüchtigen, egozentrierten alten Narren werden, die versuchen, aus dem letzten bisschen Erdenleben so viel Vergnügen wie möglich rauszuholen, sondern ihm in “Gottseligkeit mit Genügsamkeit” dienen bis zum Schluss!

Älter werden

Heute bin ich 61 Jahre alt, und im Gegensatz zu vielen anderen Leuten, habe ich keine Lust, die Zahlen umzudrehen. Ich bin ausgesprochen froh, dass ich einige Dinge hinter mir habe und möchte sie nicht noch einmal erleben!

“Älter werden ist nicht mein Hobby, aber wir kommen Tag für Tag dem Ziel näher,” schrieb mir mein Bruder heute morgen. So ist es. Als mich vor einiger Zeit meine Tochter zum Hautarzt schickte wegen einer komischen Neuerscheinung in meinem Gesicht, von der sie meinte, die solle sich unbedingt mal ein Facharzt ansehen, warf er nur einen kurzen Blick darauf und meinte: ”Das ist eine Alterswarze.” Ich müsste lügen, wollte ich behaupten, dass mich das sonderlich beglückt hätte. Wie viele dieser widerlichen Dinge werden sich in den nächsten Jahren wohl noch einstellen? Die Kräfte lassen nach, die Stimme bricht weg, sobald man einen Ton lauter singen möchte – und dergleichen Kram mehr, der einen an die Endlichkeit vor dem Ende erinnert.

Aber dann gibt es so viel Gutes, für das ich Gott danke! Ich bin gesund und meine Arbeit macht mir an den allermeisten Tagen noch Freude. Ich habe die besten Freunde, die man sich nur wünschen kann. Ich habe reichlich zu essen, verdiene genug, um noch was abgeben zu können, habe eine wunderschöne Wohnung. Aber das sind noch die Peanuts! Das Allerbeste ist, dass ich Gott kennen und Vater nennen darf, dass sein Wort jeden Tag ein “Festmahl” für meine Seele ist, dass ich vertrauten Umgang mit ihm haben darf.

Und das ist in meinen Augen der größte Vorteil am Älterwerden: Die Welt ist nicht mehr so interessant wie früher. Vieles hat man geschmeckt, und es entpuppte sich als fader, als man erwartet hatte. Die Ewigkeit und die Gedanken Gottes treten in den Vordergrund.

Als wir Kinder waren, fuhren wir oft in Urlaub in den Westerwald. Wenn unterwegs mein Bruder – der sich im Gegensatz zu mir immer für Tiere und Landwirtschaft begeistern konnte und, sobald wir angekommen waren, in irgendeinen Bauernhof abtauchte – die erste Kuh sah, dann ging es los im Auto: Jippie! jippie!  tönte es dann bei jedem Rindvieh. Das war die Vorfreude, die er einfach nicht unterdrücken konnte. Er würde bald bei seinen geliebten Kühen im Stall sein.

So ähnlich geht es mir heute. Ich weiß ja nicht, wie weit der Weg noch ist. Ich kann ja vielleicht noch 40 Jahre leben, obwohl ich mir das nicht wünsche. Aber ich komme dem näher, wo ich hin will. Und vielleicht kommt sogar Jesus vorher wieder, und wir können uns diesen Umweg  über das Sterben sparen, wie Paulus (2.Korinther 4,5) gesagt hat: Solange wir nämlich in diesem Zelt leben, ächzen wir und sind beschwert, weil wir nicht erst entkleidet, sondern gleich überkleidet werden möchten, damit das Sterbliche vom Leben verschlungen wird. Die Voraussetzungen dafür haben wir von Gott, der uns als Anzahlung schon seinen Geist gegeben hat. Deshalb sind wir voller Zuversicht, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom Haus des Herrn in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind -wir leben ja im Glauben und noch nicht im Schauen -, aber wir rechnen fest damit und ziehen es vor, fern von diesem Leib ganz beim Herrn zu Hause zu sein.

Und dann fügt er hinzu: Deshalb setzen wir unsere Ehre darein, ihm zu gefallen, ganz gleich, ob wir noch in der Fremde sind oder schon bei ihm zu Hause.

Und das ist genau mein Wunsch für meine verbleibende Zeit.

Was bleibt?

Ich habe ein paar Tage Urlaub bei der Familie meiner Tochter gemacht. Mein Schwiegersohn arbeitet in der Altenpflege und gibt immer gerne Geschichten aus dem Alltag mit seinen Senioren zum Besten. Und neben vielem Amüsanten rücken einem dadurch die harten Tatsachen, dass man selber alt wird, und was das so mit sich bringen kann, ganz schön auf die Pelle.

Abends lag ich im Bett des kleinen Gästezimmers, schaute mich um und dachte: Das wird es vielleicht eines Tages sein- ein Bett, ein Schrank. Irgendwann ist all der Krempel, der mir jetzt so unabdingbar scheint, überflüssig, und es langt eine Windel und ein Hemd. Und was dann? Was bleibt, wenn nichts bleibt?

Es ist gut, darüber einmal nachzudenken. Was bleibt, wenn man nichts mehr hat und braucht? Was bleibt, wenn man rausgerissen wird aus den Beziehungen, die einem so viel bedeuten, weil man nicht mehr teilhaben kann am normalen Leben? Was bleibt, wenn man nicht mehr über seine Kraft verfügt? Wenn man nichts mehr leisten kann? Wenn man nichts mehr zu geben hat? Über was definiert man sich dann?

In einem alten Lied heißt es: “Hab ich doch/ Christus noch…” Gnade durch Jesus – das bleibt. Jesus ist mein Anker in der Ewigkeit. Er verrottet nicht, er kann mir nicht gestohlen werden, er kann nicht abreißen. Er schert sich nicht um Schwachheit und Demenz. Er bietet mir die Hand an, der mich nichts je entreißen kann. Aber ich muss mich ihm heute anvertrauen, so lange ich das noch kann. Und wenn ich für ihn leben und in die Ewigkeit investieren will, muss ich das auch heute tun. Morgen kann es zu spät sein.

Querbeet am 8.12.12

Gibt es einen guten Grund, warum wir als protestantische Christen die Apokryphen nicht zum biblischen Kanon zählen? Andreas Münch meint: “Jesus Christus bestätigte den Kanon des Alten Testamentes – ohne Apokryphen!”

“Gedenke deines Gegners” ist ein beachtenswerter Artikel zum Umgang mit Brüdern mit anderen theologischen Sichtweisen.

“Die Ansicht jener, mit denen wir nicht einig sind, falsch darzustellen ist nicht nur unlauter, es ist sinnlos. Wir müssen uns bemühen, die Ansichten unserer Gegner ehrlich darzustellen. Einen Strohmann zu verdreschen ist eine sinnlose Übung und lässt uns dabei töricht aussehen. Man kann einen Gegner nicht vom Fehler seiner Ansicht überzeugen, wenn man gegen eine Ansicht argumentiert, die dieser Gegner gar nicht vertritt.Lasst uns denn danach streben, in Meinungsverschiedenheiten unseres Gegners zu gedenken. Lasst uns daran denken, für ihn zu beten, behutsam mit ihm umzugehen und uns mit dem höchsten Maßstab der Aufrichtigkeit mit ihm zu beschäftigen.”

Über finanzielle Altersvorsorge machen viele Menschen sich Gedanken. Wie aber ist es mit einer geistlichen Altersvorsorge? Dr. Joachim Cochlovius hat dazu einige wichtige Hinweise im Buch des Predigers gefunden.