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So viele Zeugen! (Predigt-Nachlese)

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Wir hörten heute im Gottesdienst die Geschichte über die sogenannten Emmaus-Jünger. Das waren zwei weiter nicht benannte Männer, die am Sonntag nach der Kreuzigung Jesu auf dem Weg nach dem Dörfchen Emmaus miteinander unterwegs waren. In tiefer Niedergeschlagenheit rekapitulierten sie die Ereignisse  und versuchten, den Sinn dahinter zu finden. Da schließt sich ihnen ein Fremder an und fragt sie, über was sie sich so intensiv unterhalten, und sie schütten ihm ihr Herz aus und erzählen ihm die ganze Geschichte: Wer Jesus war, wie er gekreuzigt wurde und ihre ganze Hoffnung, dass er der Messias sei, dadurch zerstört wurde. Was uns aber völlig aus der Fassung gebracht hat, sagten sie, ist dass einige Frauen aus unserem Kreis heute morgen an seinem Grab waren und angeblich Engel gesehen haben, die sagen, dass er lebt, und dann gingen einige von den Männern hin, und das Grab war tatsächlich leer! – Manchmal sind die guten Botschaften verwirrender als die schlechten!

Und dann erklärt ihnen dieser Fremde das Alte Testament. Er zeigt ihnen, dass das, was ihnen so sinnlos schien, genau Gottes Plan entsprach und schon immer in der Schrift stand: “Musste der Messias nicht das alles erleiden, bevor er verherrlicht wird?“ Sie hatten es tausendmal gelesen und nie erfasst. Aber jetzt setzte sich vor ihren Augen das Puzzle zusammen. (Einige Kostproben von der Darstellung Jesu im Alten Testament findest du hier.)

Es ist alles so spannend, dass sie ihn, am Ziel angekommen, bitten, doch über Nacht zu bleiben. Und als sie mit ihm am Tisch sitzen, und er das Brot segnet und ihnen reicht, erkennen sie ihn: Es ist Jesus. Und direkt danach sehen sie ihn nicht mehr. Aber sie sind völlig überzeugt, dass er es war, so sehr, dass sie sich trotz später Stunde sofort nach Jerusalem aufmachen zu ihren Freunden. Aber ehe sie dazu kommen, ihre Geschichte zu erzählen, platzen die anderen schon los: “Der Herr ist wirklich auferweckt worden und Simon erschienen!”

Als ich so über diesen Bericht nachsann, dachte ich: Was wäre wohl passiert, wenn es nur das Erlebnis der Emmaus-Jünger gegeben hätte als einziges Zeugnis der Auferstehung Jesu? Wahrscheinlich wären sie selbst nach einiger Zeit ins Schleudern gekommen: Haben wir uns das nicht nur eingebildet? Aber sie kommen zu ihren Freunden, und die haben ihn auch gesehen und erzählen es, ehe sie ihre Story überhaupt anbringen können – zwei völlig unabhängige Zeugnisse. Viel später schreibt Paulus den Korinthern:

Ich habe euch in erster Linie das weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, wie es die Schriften gesagt haben. Er wurde begraben und am dritten Tag auferweckt, wie es die Schriften gesagt haben. Er ist dem Kephas erschienen, dann dem Kreis der Zwölf. Danach erschien er mehr als 500 Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch am Leben sind; nur einige sind schon gestorben. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Zuallerletzt erschien er auch mir, dieser „Fehlgeburt“.

Gott erwartet nicht, dass wir von der Sorte “leichtgläubig und naiv” sind oder uns auf mystische Erfahrungen verlassen. Er hat Sorge getragen, dass die Auferstehung eine gut bezeugte Tatsache ist. Er hat Menschen zu Augenzeugen gemacht, er hat uns das fortlaufende Zeugnis der Heiligen Schrift gegeben, und er gibt uns das innere Zeugnis durch den heiligen Geist, der uns sagt: Das ist die Wahrheit!

Umziehen, bitte! (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Epheser4,205,5

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Unser Leben, bevor wir zu Christus kamen, war schmutzig, finster, abgestumpft und von Selbstsucht und Gleichgültigkeit gegenüber Gott geprägt. So wird der Zustand von Heiden in Epheser 4,17-19 beschrieben, und so waren wir! Aber nun haben wir eine neue Identität bekommen: in Christus. Und das bedeutet,

wer mit Christus lebt, wird ein neuer Mensch. Er ist nicht mehr derselbe, denn sein altes Leben ist vorbei. Ein neues Leben hat begonnen! 2. Korinther 5,17

Wie ist das möglich? Dadurch, dass Jesus nicht nur gestorben, sondern auch auferstanden ist. Er nimmt uns in beides mit hinein. Wir sind mit ihm gekreuzigt. Sünde und das Wesen der Welt (sowohl das ganz offensichtlich Böse als auch die fromm bemäntelte Selbstgerechtigkeit) wurden an diesem Kreuz gerichtet und erledigt! Deswegen können wir unmöglich weiter leben wie zuvor. Aber damit es anders werden kann mit uns, müssen wir in die Auferstehungskraft Jesu vertrauen. Das muss sich ganz praktisch auswirken in unserem alltäglichen Leben und Umgang mit anderen.

Paulus sagt es so:

Ihr habt von ihm gehört und auch verstanden, was in Jesus Wirklichkeit ist; dass ihr in Hinsicht auf euer früheres Leben den alten Menschen abgelegt habt. Denn der richtet sich in Verblendung und Begierden zugrunde. Ihr dagegen werdet in Geist und Sinn erneuert, da ihr ja den neuen Menschen angezogen habt, den Gott nach seinem Bild erschuf und der von wirklicher Gerechtigkeit und Heiligkeit bestimmt ist.

Und dann macht er es ganz konkret:

Lüge ausziehen – Wahrhaftigkeit anziehen! Wir sollen uns nichts vormachen, auch nicht so tun, als hätten wir alles im Griff und würden nicht mehr sündigen. Als Glieder des Leibes Christi sollen wir zueinander aufrichtig und ehrlich sein.

Zorn ausziehen – Selbstkontrolle anziehen! Zorn lässt sich manchmal nicht vermeiden, aber wir sollen uns damit nicht zu sündigen Ausbrüchen reizen lassen. Und schon gar nicht soll der Zorn sich zu einem längerfristigen Groll  auswachsen, sonst nehmen wir dem Teufel die Arbeit ab. Der hat seine reine Freude daran, wenn wir in unseren Herzen auf Anklagen gegen unsere Geschwister herumreiten. Das ist normalerweise sein Job, der Verkläger der Brüder zu sein.

Stehlen ausziehen – harte Arbeit und Gebefreudigkeit anziehen! Statt uns unrechtmäßig zu bereichern, sollen wir arbeiten (wörtlich: schuften!), damit wir uns ernähren und anderen etwas abgeben können. Paulus hat das übrigens auch selbst vorgelebt. Er hat sich von seiner Hände Arbeit ernährt, andere mit unterhalten und nebenher bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Wort Gottes verkündigt. Das neue Leben ist großzügig und lässt es sich etwas kosten.

Böse Worte ausziehen – freundliches, ermutigendes Reden anziehen! Wir sollen andere nicht runtermachen, nicht hinter ihrem Rücken über sie lästern, nicht hart und lieblos reden, sondern Worte einsetzen, die aufbauen und Mut machen, die gütig und von Gnade geprägt sind. Wir sollen nicht die Fehler und Schwächen der anderen breittreten, sondern vergeben – denn wir sind selbst Menschen, denen vergeben wurde und die ständig Vergebung brauchen! Wir sollen in all unserem Verhalten Nachahmer Gottes sein. Als geliebte Kinder sollen wir lieben!

Unreinheit und Gier ausziehen – Dank und Hingabe an Gott anziehen! Habgier und sexuelle Sünden sind eine Art von Götzendienst, die im Reich Gottes keinen Platz haben. Statt dessen sollen wir Gott als dem rechtmäßigen Empfänger unserer Anbetung unseren Dank in der Hingabe unseres Lebens darbringen.

Weil Gott uns solches Erbarmen geschenkt hat, liebe Geschwister, ermahne ich euch nun auch, dass ihr euch mit Leib und Leben Gott als lebendiges und heiliges Opfer zur Verfügung stellt. An solchen Opfern hat er Freude, und das ist der wahre Gottesdienst.Und richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestalten, sodass ihr prüfen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefallen würde und ob es zum Ziel führt. (Römer 12, 1.2)

Wenn wir dieses neue Leben ausleben, werden wir als Gemeinde in Einheit und Liebe das Wesen Jesu Christi widerspiegeln und Leuchtkraft haben in der Welt,

Friedhofsspaziergang

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Weil das Wetter so schön war, wollte ich unbedingt mal raus. Da ich auch beten wollte, suchte ich ein ruhiges Plätzchen. Wohin also? Auf der Straße ist es laut, und der Park ist bei schönem Wetter voller Menschen. Da fiel mir ein, dass mein Bruder und ich als Teenies immer auf den Friedhof gegangen sind, um mal in Ruhe nachzudenken. Der Friedhof, das ist es! Das ist gar nicht so weit von mir. Bis auf Gießkannen-Geplätscher ist es da still, es ist grün, und es gibt Bänke zum Sitzen.

Unser Stadtteil-Friedhof ist relativ klein. Ehe ich mich irgendwo hinsetzte, wanderte ich ein bisschen durch die Reihen und betrachtete die Gräber und ließ die Atmosphäre auf mich wirken. Mir fiel auf, dass auf vielen Grabsteinen Aufkleber waren: Nutzungsfrist abgelaufen. So lange hatten die Toten noch gar nicht da gelegen, 30 Jahre etwa. Ein paar Jahre nur, dass so ein Gedenkstein da steht, dachte ich. Wenn einen vorher noch nicht alle vergessen haben, wird dann der letzte Erinnerungsort plattgewalzt. An manchen Stellen sprosste frisch eingesätes hellgrünes Gras. Da hatte man wohl vor Kurzem ein Grab beseitigt.

Wie wichtig nehmen wir uns doch! Wenn uns im Hier und Heute mal jemand applaudiert, fühlen wir uns im Zentrum des Universums. Wir werden vielleicht nach unserem Ableben ein Weilchen vermisst, und dann treten andere Dinge und Menschen in den Vordergrund. Irgendwann kann niemand mehr was mit unserem Namen verbinden.

Die Tage des Menschen sind wie Gras; er blüht wie eine Blume auf dem Feld; wenn ein Wind darüber geht, so ist sie nicht mehr da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr,

sagt die Bibel in Psalm 103,15. Das ist wahr! Manche lassen eine größere und manche eine kleinere Lücke, aber so oder so schließt sie sich irgendwann im Bewusstsein der Hinterbliebenen und Nachkommen.

Ist das nun traurig? ja, wenn das alles ist … Es gab allerdings auch einen Grabstein auf einem Familiengrab, auf dem stand: Hier warten auf die Auferstehung …dann die Namen. Ob diese Leute an Jesus glaubten, der gesagt hat:

Ich bin die Auferstehung und das Leben! Wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben(Johannes 11,25)?

Oder gehörten sie zu jenen, die meinen, wenn sie gut und anständig waren und niemand ermordet haben (außer vielleicht in Gedanken dem einen oder anderen Nervtöter den Hals rumgedreht), wird Gott schon nicht so sein und ihnen ewiges Leben geben? Sie werden im Gericht Gottes merken, dass alles darauf ankommt ob sie dem Sohn Gottes vertraut haben, dass er sie von ihrer Schuld befreit. Denn wer das einzige Opfer verwirft, das Sünden wegnehmen kann, dem

bleibt nur noch das furchtbare Warten auf das Gericht und das wütende Feuer, das die verzehren wird, die sich gegen Gott gestellt haben (Hebräer10,26).

Ein guter Platz zum Nachdenken, so ein Friedhof. Ich glaube, da gehe ich jetzt öfter hin, um für die Lebenden zu beten. Für die Toten ist es zu spät.

Martha, Maria und ich

Die Predigt handelte heute von der Auferstehung des Lazarus. Zum Hauptstrom der Geschichte habe ich aus dem Archiv den Post “Gottes perfektes Timing” ausgegraben, der vieles wiedergibt, was wir heute gehört haben. Bitte nachlesen! Ich möchte aber einiges hinzufügen, was mich heute besonders berührt hat.

Ich kenne diese Erfahrung so gut, die Martha und Maria gemacht haben: Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung und keine Vorstellung, was Gott jetzt noch tun könnte. Man weiß, man sollte auf Jesus schauen, aber was heißt das überhaupt konkret? Klar kann er alles. Das wusste Martha auch: “Ich weiß, dass er auferstehen wird am letzten Tag.” Aber jetzt? Was kann jetzt noch kommen?

Ich finde es so wunderbar, dass Jesus den Schwestern keinen Vorwurf macht, weil sie das trotz ihres Glaubens an ihn gerade nicht sehen können. Dass er Mitleid mit ihnen hat und ihre Not mitfühlt. Er hält sogar Marthas unqualifizierten Einwurf aus, als er befiehlt, das Grab zu öffnen: “Herr, er riecht schon!” Er handelt trotzdem in Vollmacht und offenbart ihnen dadurch die Kraft und Barmherzigkeit des Vaters, dessen Abdruck und Abglanz er ist.

So ist mein Gott! Wenn ich keine Perspektive mehr habe, hat er immer noch was “im Ärmel”. Er ist niemals ratlos. Er ändert die Situation, oder er ändert mich und meinen Blick auf die Situation. Und das alles tut er aus lauter Gnade, denn wenn es von meinem theologischen Verständnis oder meiner Glaubenskraft abhinge, dann wäre ich verloren! Aber er hat mich nie im Stich gelassen, und er wird das nie tun! Er hat es versprochen.

Und noch ein Gedanke hat mich sehr ermutigt: Zu wissen, dass Jesus die Auferstehung und das Leben ist, gibt mir auf jegliche “Katastrophen” dieses Lebens eine ganz andere Sicht. Denn ich bin mit ihm so fest eins und verbunden, dass mein ewiges Leben sicher ist. Was immer kommen mag – so schlimm kann es nie werden, dass ich das verliere! Ich werde sein, wo er ist!

Predigt-Nachlese: Zum Dienen befreit

Predigttext: Apostelgeschichte 9,36-43

Tabita war eine Frau aus Joppe, und sie wird hier eine Jüngerin genannt. Irgendwo hatte sie das Evangelium gehört und angenommen, und dieses “Wort vom Kreuz” erwies sich in ihrem Leben als Gottes Kraft. Sie wurde völlig verwandelt. Sie hatte Frieden mit Gott gefunden, weil ihre Sünden vergeben waren. Die Liebe Gottes wurde in ihr Herz ausgegossen, und nun gab sie diese Liebe weiter – nicht etwa um sich mit guten Taten ihr Heil zu verdienen, sondern aus Dankbarkeit und Liebe für ihren Erlöser. Diese Liebe ließ sie die Nöte der Witwen um sich herum wahrnehmen. Sie waren in der damaligen Gesellschaft das schwächste und verletzlichste Glied. Sie begann, für sie das zu tun, was sie gut konnte: Sie nähte ihnen Kleidung.

Jeder hat eine Gabe – die Frage ist: Stellen wir sie Gott zur Verfügung? Ob wir nun beten, ermutigen oder putzen – tun wir es für ihn? Dabei ist keine Arbeit zu gering – auch praktische Dienste können geistlich getan werden. Der Herr sucht bei uns die Verfügbarkeit  für die Nöte unserer Geschwister, die Bereitschaft, von Herzen zu dienen, ohne uns damit profilieren oder auf ein Podest stellen zu wollen. So war Tabita, sie wollte einfach “des Herrn Magd” sein.

Und dann wurde diese Frau krank und starb. Man bahrte sie auf, und der Schmerz derer, die sie geliebt hatten und die meinten, sie doch noch zu brauchen, ergoss sich in lautem Weinen und Klagen. Wer sollte sie ersetzen?  In dieser Not wussten sich die Jünger vor Ort nicht anders zu helfen, als nach Petrus zu schicken. “Komm! Aber schnell, bitte!”

Bei Petrus finden wir nun dieselbe Einstellung wie bei Tabita. Wenn der Herr ihn rief, den Geschwistern in Joppe beizustehen, so musste man ihn nicht zweimal bitten. Er machte sich sofort auf den Weg, etwa eine Tagereise weit. Er fand dort die weinenden Frauen vor, die ihm erzählten, was Tabita ihnen bedeutet hatte. Das Trauern im Mittleren Osten ist lautstark und durchdringend, deswegen schickt Petrus sie alle hinaus. Petrus braucht Ruhe für die Zwiesprache mit Gott, um zu wissen, was er tun soll. Dieser Mann Gottes, durch den so viele Wunder geschehen sind, hat es nicht “in der Tasche”. Er ist kein Wunderheiler geworden, sondern vollkommen von Gott abhängig. Aus sich selbst kann er nichts tun. “Er kniete nieder und betete. Schließlich wandte er sich zu dem Leichnam und sagte: „Tabita, steh auf!“ Da öffnete sie die Augen. Und als sie Petrus erblickte, setzte sie sich auf. Er fasste sie an der Hand und half ihr auf die Füße. Dann rief er die Witwen und die anderen Heiligen herein und gab ihnen Tabita lebend zurück.” Weil er für Gott verfügbar ist, beteiligt ihn Gott an seinem Werk.

Dieses Ereignis dient – wie alle Wunder in den Evangelien und der Apostelgeschichte – zur Bestätigung des verkündigten Wortes Gottes. Viele in Joppe glauben an die gute Botschaft und bekehren sich.

Der letzte Vers berichtet, dass Petrus für eine ganze Weile bei einem Gerber namens Simon blieb. Das ist insofern bemerkenswert, als fromme Juden den Umgang mit dieser Berufsgruppe mieden. Sie waren als unrein verpönt und wohnten gewöhnlich außerhalb. Wir sehen hier bei Petrus eine Tendenz, die im nächsten Kapitel dem Höhepunkt zustrebt: Er hatte sich schon mit Samaritern befasst, jetzt wohnt er bei einem unreinen Gerber, und schließlich wird Gott ihm erklären, dass auch Heiden seine Brüder werden können.

Die Essenz unseres Abschnitts ist in Titus 2 so zusammengefasst:

Sei du selbst ihnen ein Vorbild im Tun des Guten……Denn die Gnade Gottes ist jetzt sichtbar geworden, um allen Menschen die Rettung zu bringen. Sie erzieht uns dazu, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden zu verleugnen und besonnen, gerecht und mit Ehrfurcht vor Gott in der heutigen Welt zu leben, als Menschen, die auf die beglückende Erfüllung ihrer Hoffnung warten und auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus. Er hat sich für uns ausgeliefert, damit er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufen und sich ein reines Volk schaffen könne, das darauf brennt, Gutes zu tun.

Predigt-Nachlese: Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?

Predigttext: Lukas 24,1-35

Zufällig bin ich heute morgen bei meiner fortlaufenden Bibellese genau bei dem Predigttext von Ostern gelandet. Das war eine gute Gelegenheit, alles noch mal durchzuarbeiten und den Heiligen Geist Akzente setzen zu lassen. Deswegen wird sich aber auch diese Predigt-Nachlese mit persönlichen Gedanken mischen.

Es sind zwei Gedankenstränge, die sich wie eine rote Linie durch diesen Text ziehen: Der eine ist, dass die Bibel aus einem Guss ist, und es vom Anfang bis zum Ende um Christus geht. Der zweite ist, dass wir ein erleuchtetes Verständnis und eine Gesamtsicht brauchen, um zu verstehen.

Die Frauen kommen am ersten Wochentag nach dem Passahfest zum Grab und finden es leer. Dieser Tag war ein besonderer Tag im jüdischen Festkalender: Die ersten Feldfrüchte wurden dem Herrn geweiht, und zwar wurde eine Garbe zum Priester gebracht, und er sollte sie vor Gott hin- und herschwingen. Dazu wurde ein Lamm geopfert und verschiedene andere Dinge. Erst danach durfte überhaupt von der diesjährigen Ernte gegessen werden. Die Vorgehensweise ist in 3.Mose 23 beschrieben. Paulus nimmt in 1.Korinther 15,20-23 darauf Bezug: Nun ist Christus aber von den Toten auferweckt worden und zwar als „Erstling“ der Entschlafenen.Weil durch einen Menschen der Tod kam, kommt auch die Auferstehung vom Tod durch einen Menschen.Denn wie durch die Verbindung mit Adam alle sterben, so werden durch die Verbindung mit Christus alle lebendig gemacht werden und zwar jeder in der ihm bestimmten Reihenfolge: als Erstling Christus, bei seiner Wiederkunft dann die, die zu ihm gehören.

Die Frauen stellen also fest, dass das Grab leer ist, und eigentlich wäre es naheliegend, dass sie sich jetzt sagen: “Ach so, er ist doch tatsächlich auferstanden. Klar, davon hat er ja auch geredet!” Aber nein, sie sind nur völlig durcheinander! Sie brauchen die übernatürliche Belehrung und Erinnerung durch die Engel – dann fällt der Groschen! Aber auch nur bei ihnen! Als sie es den Aposteln berichten, reagieren die etwa so: “Hysterische Weiber und ihr Wunschdenken!” Immerhin schaut Petrus nach und wundert sich, dass außer den Tüchern nichts mehr in der Gruft liegt.

Dann finden wir die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Sie gehören nicht zu dem engeren Kreis der Apostel, und das hat mein Herz besonders berührt. Es sind Leute aus der zweiten Reihe – solche, wie du und ich. Wenn irgendetwas sie auszeichnet, dann ihre Traurigkeit und Verwirrung. Sie haben sogar schon von dem leeren Grab gehört, aber das hat sie nur noch mehr aus der Fassung gebracht. (Was mir persönlich an ihnen gefällt: Sie reden darüber miteinander, sie überlegen zusammen, wie das alles Sinn machen könnte. Und Jesus kommt dazu! Vielleicht wenn wir manchmal nicht solche Einzelkämpfer wären und uns unsere Sorgen und Nöte mitteilen würden und dann miteinander beim Wort Gottes Antworten suchten……wäre uns dann nicht auch schneller geholfen?)

Nun hätte Jesus ja sagen können: Ey Leute, macht die Augen auf, hier bin ich! Aber das tut er nicht. Sie brauchen etwas viel Tiefergehendes, sie müssen den Gesamtplan und den Sinn dessen verstehen, was geschehen ist. Deshalb werden ihnen sozusagen die Augen zugehalten. Sie erkennen ihn nicht. Jesus lässt sie erst einmal erzählen, was sie so umtreibt (etwas was mir auch oft hilft, wenn ich von Gott Erklärungen brauche zu einer Sache: Ihm erst mal die Not genau beschreiben). Und da zeigt sich schon, was ihr eigentliches Problem ist: Sie haben eine stark verkürzte Sicht auf den Messias: Für sie war er “ein Prophet und hat in seinen Worten und Werken vor Gott und dem ganzen Volk seine Macht erwiesen”, sie hatten “gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen würde” und er war tot! Einige Frauen haben zwar behauptet, er lebe, aber naja….Was soll man nun davon halten?

Und nun sind sie die ersten nach der Auferstehung, die eine private Bibel-Entschlüsselungs-Stunde bekommen. Sie erleben, dass das Wort Gottes wirklich ein Licht auf unserem Weg ist. Jesus zeigt ihnen sich selbst in der Schrift, und das ist so toll und aufschlussreich und herzerwärmend, dass sie ihn am liebsten nicht mehr gehen lassen wollen. Alles fällt an seinen Platz. Jesus musste leiden, um in seine Herrlichkeit einzugehen – alle Opfer im Alten Testament weisen genauso auf ihn wie die Stellen über den kommenden König aus der Linie Davids. Schon Adam und Eva wurde ein Hinweis gegeben auf den Erlösungstod des Retters, Jesaja hat das Lamm Gottes angekündigt, Psalm 22 beschreibt den Herrn in seinem Leiden am Kreuz. Ob er ihnen vielleicht auch die Sache mit den „Erstlingen“ (s.o.) erklärt hat?

In diesem ganzen Unterweisungsprozess erkennen die beiden Jünger nicht, wer da mit ihnen spricht. Das merken sie erst, als sie sich zum Essen hinsetzen und er – nicht wie ein Gast, sondern wie der Hausherr- das Brot nimmt und den Segensspruch spricht. Danach ist der Herr weg, aber sie haben jetzt auch alles, was sie brauchen, und sehen werden sie ihn noch öfter vor seiner Himmelfahrt.

Sie haben auch vor diesem Gespräch an die Schrift geglaubt, für sie war das Gottes inspiriertes Wort. Auch war Auferstehung keine unbekannte Sache für sie – sie kannten vermutlich Lazarus. Was ihnen fehlte, war die Zusammenschau und ein geöffnetes Verständnis. Das Wort Gottes, durch den Heiligen Geist lebendig gemacht, kann uns beides geben. Dann suchen wir den Lebendigen nicht mehr bei den Toten, sondern wissen, dass sein Werk vollbracht ist, und dass auch alle noch ausstehenden Verheißungen Gottes sich erfüllen werden!

Mein König

“Das ist mein Geliebter und das mein Freund, ihr Töchter Jerusalems!” (Hohelied 5,16)

Sie flechten eine Dornenkron`
für Gottes vielgeliebten Sohn
und schreien: Diesen König woll`n wir nicht!
Sie kleiden ihn zu Hohn und Spott
in königliches Purpurrot
und spucken in sein gütiges Gesicht.

Er steht vor ihnen wie ein Lamm,
das hilflos vor den Schlachter kam,
den Rücken von den Schlägen ganz zerfetzt.
Die Jünger steh´n verwirrt von fern:
Er war doch unser Hoffnungsstern-
jetzt steht er da verlassen und verletzt!

Sie führen ihn nach Golgatha.
Wie Hunde rottet sich die Schar
um ihn : Nun rette dich aus unsrer Hand!
Lässt Gott dich in der Not allein,
wie kannst du dann sein Christus sein?
Und Dunkelheit fällt übers ganze Land.

Die Strafe ist auf ihn gelegt,
und es ist Gott, der ihn so schlägt,
um meinetwillen stirbt er dort am Holz.
Er richtet den Geliebten hin,
weil ich so tief  verdorben bin,
für meine Rebellion und meinen Stolz.

Als Jesus ruft: „Es ist vollbracht!“,
hat Gott den Himmel aufgemacht.
Er breitet seine Arme für uns aus.
Die einmal seine Feinde war´n,
die nimmt er jetzt als Kinder an,
den Heimatlosen öffnet er  sein Haus.

Am dritten Tag erweist sich dann,
dass ihn der Tod nicht halten kann,
das Grab ist leer, und Christus triumphiert!
Wenn er nun vor den Vater tritt,
so bringt er viele Brüder mit,
die er aus Todesfurcht zum Leben führt.

Das Herz ist mir zum Bersten voll,
ich weiß nicht, wie ich danken soll,
ich weiß nur dass mein Leben dir gehört.
Ach, dass bald jedes Knie sich beugt
und jeder überall bezeugt:
Dies Lamm ist ewig aller Ehre wert!

 

Wenn man den Text singen will, bietet sich die Melodie von Cohens Hallelujah an ( leider kein christliches Lied)!