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Längere Bibelabschnitte auswendiglernen –Tipps und Tricks

Das Auswendiglernen von längeren Abschnitten oder ganzen Büchern der Bibel hat sich in meinem Leben als ein außerordentlicher Segen erwiesen, den ich jedem anderen auch wünsche. Deswegen möchte ich gerne meine Erfahrungen teilen, was sich als praktikabel erwiesen hat.

1. Definiere ein realistisches Ziel. Für dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen, den 1.Petrusbrief auswendigzulernen und mir ausgerechnet, dass das etwa zwei Verse pro Woche bedeutet. Das kann auch mein altes Hirn gut leisten, das zudem davon profitiert, den 1.Petrusbrief sowieso schon sehr gut zu kennen, weil ich ihn schon oft gelesen und oft gehört habe. Nachdem ich gemerkt habe, wie gut das klappt, habe ich jetzt noch mal einen Zahn zugelegt.

2. Mach eine Gewohnheit draus. Ich lerne jeden Tag, und ich wiederhole das Gelernte regelmäßig. Anders funktioniert das nicht. Ich habe einen Ablaufplan für einen “normalen” Morgen (Ausnahmen gibt es immer, aber sie müssen Ausnahmen bleiben), in den das Auswendiglernen integriert ist. Ich hake das dann in meinem Habit-Tracker in meinem Kalender ab. Jeder muss schauen, wo das in seinem Tageslauf am besten hinpasst.

3. Einfachste und wirksame Methode: Neue Verse sag ich mir mindestens zehnmal hintereinander auf, aber auf jeden Fall, bis ich sie fehlerfrei aufgesagt habe. Wahrscheinlich habe ich am nächsten Tag schon wieder Fehler drin – dann wiederhole ich dasselbe Spiel. Mehrmals die Woche sage ich den ganzen Abschnitt auf, an dem ich gerade bin.

4. Hartnäckige Verse:  Ab und zu übe ich mit der Remember Me-App, wenn irgendein Vers nicht in den Kopf will.  Da gibt es einige spielerische Übungsmethoden. Aber noch besser klappt es, eine Melodie zu erfinden, den Vers mit der Diktierfunktion des Handys aufzunehmen und dann in Dauerschleife abzuspielen und mitzusingen (z.B. bei der Morgengymnastik). So kriege ich auch die sperrigsten Verse in den Kopf, so dass die manchmal am Ende besser sitzen als alle anderen.

5. Nachdenken: Auswendiglernen ist ja kein Ziel an sich, sondern dient dazu, das Wort Gottes in meinem Herzen zu beheimaten. Es hat meditative Funktionen. Mit Meditation meine ich keine spirituellen Experimente oder Atemübungen oder ähnliches unbiblisches Zeug, sondern ein nachdenkendes Verweilen über der Gesamtaussage und den einzelnen Worten. Und wenn ich dann das  oder die Kapitel im Zusammenhang aufsage, spüre ich dem Gedankenfluss nach und kann die einzelnen Verse in den Kontext einordnen. Es ist wichtig, dass ich verstehe, was ich lerne.

image6. Wiederholen: Zum Wiederholen habe ich mir ein Raster mit fünf Spalten und so viel Zeilen wie notwendig gemacht. In jedes Feld schreibe ich nur die Anfangsbuchstaben der Worte des jeweiligen Verses. Den 5. Vers markiere ich jeweils farbig. Da ich die Bibelstellen nicht mitlerne, bekomme ich trotzdem einen ungefähren Überblick, wieviel Verse ein Kapitel hat, und wo mein Vers sich ungefähr befindet. Das sieht dann  z.B. für die ersten zwei Kapitel des 1.Petrusbriefes aus wie auf dem Foto.

Ganz ab und zu nehme ich mich dann auch mal auf, wenn ich die schon gelernten Kapitel aufsage. Dabei merkt man dann, ob man was auslässt oder sich irgendetwas Falsches eingeschliffen hat.

7. Welche Bibelübersetzung? Nimm die Übersetzung, mit der du auch die Bibel studierst. Die Verse müssen vom Wortlaut her Wiedererkennungswert für dich haben. Ich bin mit der Elberfelder Bibel aufgewachsen. Ihr Wortlaut ist mir vertraut. Würde ich jetzt eine andere Übersetzung verwenden, käme ich nur durcheinander. Es ist unglaublich, aber ich habe bei manchen Versen die Stimme meines Vaters im Ohr! Und bitte, nimm eine gute Bibelübersetzung, die sich bemüht, den Grundtext genau wiederzugeben, damit du auch was davon hast.

8. Kein falscher Ehrgeiz! Ich habe nicht vor, eine Aufführung zu geben, deswegen kann ich mit Unvollkommenheiten leben. Ich bin mir bewusst, dass ich vieles wieder vergessen werde, denn man kann nicht unbeschränkt wiederholen. Das macht aber nichts! ich lerne das jetzt so gut und genau wie möglich. Der Heilige Geist wird es benutzen, um mich zur rechten Zeit daran zu erinnern. Für mich ist es eine Art und Weise zu sagen: Herr, ich liebe dein Wort und schätze es wert! Ich verdiene mir damit keine Punkte.

9. Bete: Ich glaube, dass es dem Herrn gefällt, wenn wir sein Wort auswendiglernen, und dass er uns nur zu gerne dabei helfen wird. Mit dieser Gewissheit können wir nach jedem Scheitern wieder anfangen.

Ich kann dir versprechen: Auswendiglernen wird im Lauf der Zeit leichter. Ich liebe es und hab eigentlich vor, bis zur Demenz damit nicht mehr aufzuhören. In meinem Alter ist es außerdem die beste Hirngymnastik. Ich habe dadurch viele Zusammenhänge besser verstanden. Es “klingelt” noch viel mehr, wenn ich Bibelstellen lese, die mit dem Gelernten in Zusammenhang stehen und hilft mir, die Fäden im Word Wide Web zu verknüpfen.

Und ich würde gerne alle mit meiner Begeisterung anstecken!

Hast du noch andere Tipps und Erfahrungen? Bitte, teile sie uns in den Kommentaren mit.

 

 

Stille Zeit-Tipps (7): Welche Bibel?

Wir haben im Deutschen eine Auswahl an Bibelübersetzungen und –übertragungen, nach denen sich die Mehrheit der Menschen die Finger lecken würde. Aber das heißt auch, man muss sich irgendwie entscheiden, welche man nun nehmen will. Es gibt eine ganz gute Serie auf dem Blog von Philipp Keller über die grundsätzlichen Ausrichtungen der verschiedenen Übersetzungen und die Vor- und Nachteile. Meiner Erfahrung nach landet die Mehrzahl der Leute, die die Bibel ernsthaft studieren wollen, irgendwann bei der Elberfelder oder Schlachter Bibel.

Ich persönlich liebe die Elberfelder Bibel, besitze aber auch einige andere zum Vergleichen. Ich bin mit dieser Übersetzung geistlich aufgewachsen; ihr Wortlaut ist mir vertraut, und deshalb empfinde ich sie auch nicht als kompliziert. Trotzdem verwende ich hier auf dem Blog oft die Schlachter Bibel (wenn es mehr auf den Wortlaut ankommt) oder die Neue Evangelistische Übertragung (wenn es mehr auf Verständlichkeit ankommt).

Ich empfinde außerdem, dass mir eine strukturtreue Übersetzung hilft, genau zu lesen. Am Sonntag in der Predigt zu Galater 3 ist es mir mal wieder aufgefallen, wie genau Paulus auf den Wortlaut achtet. Es kann halt einen großen Unterschied machen, ob ein Wort in der Einzahl oder der Mehrzahl steht! Natürlich kann keine Übersetzung uns das 100%ig bieten, und wir wollen auch keine Wortklauber werden – das wäre keine gute Eigenschaft! Aber wir wollen zu geistlicher Selbstständigkeit reifen und Verstand und Herz dazu benutzen, unseren Glauben wirklich in Besitz zu nehmen und wie die Beröer zu prüfen, was uns erzählt wird. Welche Bibelübersetzung dazu für dich am besten geeignet ist, muss du selbst herausfinden.

Ein letzter Gesichtspunkt: Mir persönlich fällt es leichter, Bibelverse auswendig zu lernen, wenn die Sprache sich mindestens auf dem Level “gehobene Umgangssprache” befindet. Allzu flach und lässig haftet nicht so gut in meinem Gehirn. Zum Auswendiglernen ist es außerdem gut, eine Übersetzung als Standardversion zu lesen und nicht ständig zu wechseln. Viele Bibelverse bleiben so durch häufiges Lesen ganz nebenbei hängen, und du erwirbst dir so nach und nach einen Schatz von Aussprüchen Gottes, der dir in Krisen, Durststrecken und Versuchungen zur Verfügung steht.

Anker im Sturm

Vor einiger Zeit habe ich ja angefangen, den Hebräerbrief auswendig zu lernen. Dieser Brief ist nicht gerade leichte Kost, und früher bin ich eher davor zurückgeschreckt, weil mir die Gedankengänge kompliziert vorkamen, zu “theologisch” waren und wenig mit meinem Alltag zu tun zu haben schienen. Nun, wo ich mich so intensiv damit auseinandersetze, wird er mir zu einer Schatzgrube, und ich entdecke, dass er unwahrscheinlich viel Relevanz für mein Leben hat! Heute morgen nun habe ich versucht, die ersten sieben Kapitel zu wiederholen (teilweise mit mehr Spicken als sonstwas…..). Und die Predigt von gestern noch im Hinterkopf, habe ich einen weiteren “Vorteil” der Auferstehung Jesu für mich gefunden: einen Anker für meine Seele bei Gott!

Einen Anker braucht das Schiff, damit es nicht abgetrieben und zerstört wird. Denn das Leben ist, wie es ist. Stürme beuteln uns, manchmal von innen, manchmal von außen. Unser Glaube wird geschüttelt und gerüttelt. Krankheiten und Konflikte plagen uns, Depressionen lassen manch einen kein Licht mehr sehen. Lebenssorgen und Ängste setzen uns zu, ganz zu schweigen von Feindseligkeiten und Verfolgung. Unsere Neigung zu Sünden und Fehlern kann uns mutlos machen.

Dann gibt es die Strömungen, die uns fortreißen wollen: Der Geist des Konsums, der Individualismus, falsche Lehren und Ideologien. Und wer sich ein bisschen kennt, der weiß, dass er in sich selbst keine Kraft hat, gegen all diese Dinge zu anzukommen.

Aber keine Angst! Wer zu Jesus gehört, der hat einen sicheren und festen Anker für die Seele! Er ist direkt im himmlischen Heiligtum Gottes festgemacht! Dort ist Jesus jetzt als unser Hohepriester. Ja, er lebt beim Vater, und wenn das nicht so wäre, würden wir schutzlos umhertreiben…..

Es gibt verschiedene Arten von Ankern, aber eine der ältesten ist der Stockanker mit 2 Ankerarmen. Auch unser Anker hat 2 Arme! Der eine ist das Opfer, das Jesus ein für allemal gebracht hat. Es verliert niemals seine Gültigkeit. Gottes Vergebung ist uns sicher. Der andere ist die unaufhörliche Aktivität Jesu zu unseren Gunsten bei Gott, mit der er uns an jedem Tag unseres Lebens Hilfe und Barmherzigkeit verschafft. Mit diesen beiden Armen kann uns zwar viel erschüttern, aber nichts losreißen! Das zu sehen, hat meine Seele heute morgen wieder neu mit Freude durchflutet: Jesus lebt, und er wird niemals müde, sich für uns einzusetzen!

Du brauchst auch so einen Anker und willst nachlesen, wo das in der Bibel steht? Hier sind die Stellen:

Hebräer 6,19.20; Hebräer 7,25-28 – und am besten der ganze Hebräerbrief, um den Zusammenhang zu haben!

Sich selbst predigen

Zwei Dinge muss man tun, wenn das Herz ein einziger Tumult ist: Mit Gott reden und sich selbst predigen.

“ Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und was stöhnst du in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihn noch preisen, das Heils meines Angesichts und meinen Gott,” heißt es in Psalm 42.

Aber woher soll ich wissen, was ich mir sagen soll? Was passt auf meine Situation? Was reißt mich raus?

Wir sind da nicht alleingelassen; Jesus hat uns einen Beistand gesandt. Er hat uns versprochen, dass uns der Heilige Geist an alles erinnern wird, was er gesagt hat. Erinnern kann man jemand freilich nur an etwas, was er schon mal gehört hat; das fliegt nicht einfach so durch die Luft. Deswegen ist es so extrem wichtig, das Wort Gottes zu kennen. Wir müssen es uns so in Kopf und Herz einverleiben, dass es uns zur Verfügung steht, wenn die Bedrängnis groß ist.

In stressigen Zeiten können wir uns manchmal gar nicht konzentrieren. Wir starren auf die Buchstaben, aber im Hirn kommt nichts an (bei mir ist das jedenfalls manchmal so). Wie gut, wenn wir dann etwas in unserer Vorratskammer haben, woran der Geist uns erinnern kann und mit dem wir uns selbst ermutigen können, das uns wieder in Gottes Wahrheit erdet!

Querbeet am 25.5.2013

Zungenreden – immer wieder ein heißes Thema: Gibt es das noch oder hat es aufgehört? Und was ist es überhaupt? Biblische Kriterien geben den Ausschlag, wenn Tim Conway diese Frage beantwortet, leider in Englisch.

Das hat mich fasziniert! Ich kann jetzt die ersten 3 Kapitel des Hebräerbriefs auswendig (so gut wie), und bei diesem lebendigen Vortrag sieht man, dass sich die Mühe hundertprozentig  lohnt! Welch einen Schatz hat man dann immer parat!

Hebrews Recited from Covenant Fellowship Church on Vimeo.

Einen sehr ehrlichen Artikel über die Sucht nach Beifall, die in uns allen steckt, hat Michael Nickel auf der Pilgerreise geschrieben.

Wer englische Ebooks liest, kann sich die ganze „Crucial Questions“ Serie von R.C. Sproul kostenlos herunterladen (für Kindle auch auf Amazon.de).