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Beten lernen (3): Was gibt mir das Recht?

cmdr-shane-610506-unsplashVor Jahren hatte ich eine liebe Freundin, bei der wir uns unter der Woche zum Beten und Bibellesen getroffen haben. Sie war für mich der Inbegriff unkomplizierter Gastfreundschaft. Wenn sie mal in Urlaub war, gab sie einfach einem von uns den Schlüssel. Wir durften an ihre Schränke gehen und uns Tassen holen und was wir sonst so brauchten. Es passierte mir oft, wenn ich vor ihrer Tür stand, dass ich gedankenverloren meinen eigenen Hausschlüssel zückte, bis mir einfiel: Ach nein, das ist doch nicht deine Wohnung! Als ich ihr das mal erzählte lachte sie und meinte: Das ist ein gutes Zeichen; es heißt, dass du dich hier zu Hause fühlst.

Was ist der Schlüssel, dass ich mich bei Gott so zu Hause fühlen kann, dass ich da ganz unkompliziert ein und aus gehen kann?

Als Gott den Menschen geschaffen hat, hatte er im Garten Eden vertrauten Umgang mit ihm. Es war völlig klar, dass er der Schöpfer war und der Mensch das Geschöpf, aber da war keine Barriere zwischen ihnen. Die Gemeinschaft war ungetrübt und wunderschön.

Das änderte sich schlagartig, als der Mensch Gott das Vertrauen entzog und lieber dem Satan glaubte. In diesem Moment zogen Scham, Furcht, Schuldgefühle und Fremdheit in die Beziehung ein. Mensch und Gott konnten nicht mehr zusammen leben. Diese Beziehungsstörung hat sich “vererbt”. Zwischen Mensch und Gott ist sozusagen eine Mauer, und wir alle wurden hinter dieser Mauer im Land der zwar stolzen, aber im tiefsten furchtsamen und heimatlosen Rebellen geboren. Was uns übrigblieb, war bestenfalls eine Sehnsucht nach Sinn und selbstgebastelte Konzepte von Gott, aber wir kannten ihn nicht persönlich.

Gott wollte es nicht dabei bewenden lassen. Er hatte von Anfang an einen Rettungsplan, und den hat er ausgeführt, indem er uns durch seinen Sohn und sein Opfer am Kreuz eine Brücke zu sich zurück gebaut hat. Alle, die sich Jesus übergeben und diesen Vertrauensentzug zurücknehmen, die mit ihrem ganzen Sein sagen: Ich glaube dir, darum will ich auf dich hören!, die erhalten den Schlüssel zurück ins Paradies der Gemeinschaft mit Gott.

Darum sagt Jesus:

 Der Vater selbst hat euch lieb!

 Wenn ihr betet, sagt: Unser Vater! 

 Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.

Jesus gibt denen, die ihm vertrauen, die Zugangsberechtigung zu Gott als Vater (der, bei dem ich zu Hause bin). Deswegen sagt er, wir sollen in seinem Namen beten. Sein Name – das ist das ganze Gewicht seiner Person und seines Opfers. Er ist unser Schlüssel in die wiedergewonnene, liebevolle Gemeinschaft mit Gott. Er gibt uns durch sein Verdienst das unverdiente Recht, zu Gott zu kommen und alles, was uns bewegt, mit ihm zu teilen. Dann können wir beten.

Wenn Jesus Sünden vergibt, ändert sich das ganze Leben

Was bedeutet es, wenn meine Sünden vergeben sind? Gott hat nichts mehr gegen mich. Die große Kluft zwischen ihm und mir ist überbrückt. Mein Gewissen ist rein. Ich kann zu ihm kommen, ohne vor seinem Zorn zu zittern, seine Liebe genießen als Kind des Vaters, seine Hilfe in Anspruch nehmen, ihm mein Herz ausschütten.

Aber wer kann mir meine Sünden vergeben, so dass sie real weg sind?

In Matthäus 9 steht eine interessante Geschichte. Als Jesus sich in Kapernaum aufhält, bringen sie einen gelähmten Mann zu ihm, denn es hatte sich rumgesprochen, dass Jesus Kranke heilte. Jesus sieht diesen Mann, sieht den Glauben in seinem Herzen und bei denen, die ihn zu ihm hingeschleppt haben, und sagt zu ihm: “Sei guten Mutes, Kind, deine Sünden sind vergeben!”

Das regt die Schriftgelehrten auf. Was nimmt der Typ sich raus? Das ist Gotteslästerung! Nur Gott kann Sünden vergeben! Jesus sieht ihnen an, was sie denken, obwohl sie es noch gar nicht rausgelassen haben. Und er sagt: “Was ist denn leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher?”

Tatsächlich: Wenn mir irgendein Mensch sagt, meine Sünden seien vergeben, dann sind das erst mal nur Worte. Wenn sie nicht wahr sind, werde ich irgendwann vor Gott stehen, und es wird ein schreckliches Erwachen geben! Für wie viele Menschen wird das so sein, die im Beichtstuhl die Vergebung eines Priesters entgegengenommen und sich darauf verlassen haben, dass nun alles gut ist! Sie gingen davon aus, dass der Priester diese Vollmacht hatte, aber er hatte sie gar nicht! Für wie viele Menschen wird das so sein, die irgendein Psychotherapeut oder Berater “freigesprochen” hat von ihrem schlechten Gewissen und von ihrer Verantwortung vor Gott. Nein, ich muss wissen, ob das wahr ist, dass meine Sünden vergeben sind! Ich kann mich darauf nur verlassen, wenn Gott selber mir das zugesprochen hat.

Jesus sagt hier: Diese Vollmacht, Sünden zu vergeben, zeigt sich, und er hat sie.

“Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen (= er selbst) Vollmacht hat, auf der Erde Sünde zu vergeben … Steh auf, nimm deine Liegematte und geh nach Hause!”

Und der Mann stand auf und ging in sein Haus.

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Und das bedeutet es, dass Jesus autorisiert ist, Sünden zu vergeben: Wenn Jesus vergibt, hat Gott uns vergeben, denn “Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst.”  Und diese Vollmacht Jesu und die Wirklichkeit der Vergebung zeigt sich auch heute noch. Wenn Jesus vergibt, passiert viel mehr als ein verbaler Zuspruch. Er macht alles neu. Er verändert unser Herz. “Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!” Unsere Wünsche, unsere Ziele, unsere Selbstwahrnehmung, unser Verhalten, unsere Gefühle – alles ändert sich. Vor allem ändert sich unsere Beziehung zu Gott – siehe oben.

Wie komme ich nun an diese Sündenvergebung? Willst du denn dieses neue Leben? Willst du, dass deine Seele heil und gesund wird und du ein Herz bekommst, das Gott gehorsam ist? Dann vertraue Jesus und bitte ihn darum im Gebet. Er wird das nur zu gerne tun. Er wartet nur darauf.