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Risiken und Nebenwirkungen

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Wir haben das Leben gern glatt und freundlich, die Pläne gelingend, die Beziehungen harmonisch, den Weg ohne Stolpersteine. Oft denken wir, dass sei ein Zeichen für den Segen Gottes. Aber der Alltag mit Gott ist manchmal ungemütlich, herausfordernd und verwirrend. Es gibt unangenehme Überraschungen. Manchmal sind wir sehr allein. Manchmal bringt es uns Vorwürfe und Unverständnis ein. Menschen fühlen sich verletzt, ohne dass wir das ändern könnten.

Ein paar kleine Beispiele aus den Evangelien, die mir in den letzten Tagen untergekommen sind:

Zebedäus ist mit seinen Söhnen Johannes und Jakobus und einigen Tagelöhnern dabei, die Fischernetze ihres kleinen Familienbetriebs zu reparieren, als Jesus vorbeikommt und die beiden ruft: “Kommt, folgt mir nach!” Gucken sie Zebedäus noch mal an und er nickt und sagt: “Geht nur, Jungs!”, oder starrt er ihnen mit offenem Mund hinterher und schreit dann: “He! Wir haben alle Hände voll zu tun, ihr könnt jetzt hier nicht einfach abhauen! Ich kann nicht noch mehr Leute einstellen!” ? Wir hören von dem Vater weiter nichts mehr. Seine Frau hat sich jedenfalls auch Jesus angeschlossen.

Oder stell dir mal vor, du bist von Jesus so begeistert, dass du ihm dein Haus zur Verfügung stellst, um zu predigen und zu heilen. Und es wird voll und voller. Vor der Tür stapeln sich die Leute. Hoffentlich muss jetzt keiner aufs Klo … Auf einmal hörst du über dir was klopfen und scharren. Sand, Mörtel, Asche, Steine und Grasbrocken rieseln in die vielen Gesichter, die sich fragend nach oben wenden. “Was machen die da?”, fragst du dich entsetzt, während das Loch in deiner Decke sich Stück für Stück vergrößert, bis vier rotgeschwitzte Gesichter dadurch nach unten schauen. Jetzt haben sie Jesus erspäht, und jetzt wird auch klar, was sie vorhaben: An Seilen lassen sie den fünften Mann auf einer Matte hinunter, genau vor Jesu Füße. Und ja, es wird wunderbar und du erlebst die Kraft Gottes zu  vergeben und zu heilen, und zusammen mit der ganzen Volksmenge in deinem Haus bist du hin und weg und beeindruckt und glückselig. Komischerweise machen sie dem Geheilten dann Platz, als Jesus ihn heimschickt. Und da kommst du wieder zu dir und guckst leicht verzweifelt nach oben und denkst: “Hätten sie ihm nicht auch auf dem Hinweg Platz machen können? Dann wäre mir das erspart geblieben.” Ich frage mich immer, ob das vielleicht das Haus von Petrus war, und er daran denkt, wenn er schreibt: “Seid gastfrei ohne Murren!”

Aber wenn wir bei Petrus und seiner Frau sind: Die hatte öfter die Bude voll, und sicher hing auch ihr Herz an Jesus, spätestens seit er ihre Mutter geheilt hat. Aber ob sie und die Frauen der anderen Jünger immer begeistert waren, dass sie so viel allein waren? Dass die Papas sogar das Passafest nicht mit der Familie feierten, sondern mit Jesus? Ganz zu schweigen von den Ängsten, die sie um ihre Männer ausgestanden haben müssen als die Feindseligkeit gegen Jesus sich zusammenbraute. Und nach Pfingsten wurde es noch schlimmer.

Das Leben als Christ ist wunderbar, aber es hat ganz alltägliche Risiken und Nebenwirkungen, und wir sollten uns nicht darüber wundern, wenn wir auch solche Geschichten erleben. Sie bedeuten nicht, dass irgendwas verkehrt läuft.

Dem Frieden nachjagen

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Als ich kürzlich den Philipperbrief gelesen habe, ist mir das Wort nachjagen aufgefallen. Paulus sagt da, dass er dem Ziel nachjagt, nämlich dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben.

Bei dem Wort nachjagen bin ich dann hängen geblieben. Das ist schon ein starkes Wort, oder? Es bedeutet auch verfolgen. Wenn z.B. Paulus schreibt, dass er früher die Gemeinde Gottes mit aller Energie verfolgte und zu vernichten suchte, dann ist das genau der selbe Ausdruck.

Da hat es mich dann doch interessiert, ob es noch mehr Dinge gibt, denen wir so mit allem Einsatz nachjagen sollen, und ich bin auch fündig geworden. Dabei ist mir ein Ziel besonders ins Auge gesprungen, weil es wiederholt erwähnt wird:

Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird; und achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und euch zur Last werde und durch sie viele verunreinigt werden (Hebräer 12, 14)

Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der halte Zunge und Lippen vom Bösen zurück, dass sie nicht Trug reden; er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach! (1.Petrus 3,11)

So fliehe nun die jugendlichen Lüste, jage aber der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden nach zusammen mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen! (2.Tim. 2,22)

So lasst uns nun dem nachjagen, was dem Frieden, und dem, was der gegenseitigen Erbauung dient. (Römer 14, 19)

Der Frieden, dem wir nachjagen sollen, ist dabei keine friedliche Gleichgültigkeit, die jeden nach seiner Fasson leben lässt.  Heiligkeit, Reinheit, Gerechtigkeit und Liebe spielen darin keine Nebenrolle. Gott erwartet realistischer Weise nicht, dass wir, selbst wenn wir uns bemühen, mit jedem Gottlosen in Frieden leben können. Aber dass die, die ihn lieben, gemeinsam diesem Frieden mit aller Kraft nachstreben, das erwartet er wohl. Das Wort nachjagen impliziert einiges an Schwierigkeiten und Hindernissen. Dass es einfach wird, ist nirgends versprochen. Aber wenn Gott uns ein Ziel vor Augen stellt, dann lohnen sich alle Tränen und Gebete, alle Geduld und alle investierte Zeit, weil es das wert ist.

Dickköpfen kann geholfen werden!

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Ich vermute, als der Brief von Paulus an die Philipper vorgelesen wurde, schossen zwei Frauen plötzlich aufrecht in die Höhe, und zwar in den zwei entgegengesetzten Ecken des Raumes! Sie hatten ihre Namen gehört!

Ich ermahne Evodia, und ich ermahne Syntyche, einmütig zu sein im Herrn. Ja, ich bitte auch dich, treuer Gefährte, nimm dich ihrer an! Sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, zusammen mit Klemens und meinen anderen Mitarbeitern. Ihre Namen stehen im Buch des Lebens. (Philipper 4,2.3 EÜ)

Man muss sich das mal vorstellen! Öffentlich! Manchmal müssen die Probleme auf den Tisch, und Paulus war da nie zimperlich. Wahrscheinlich wussten es sowieso schon alle, dass die zwei Zoff hatten. Paulus will sie auch nicht demütigen, er spricht im Gegenteil im gleichen Atemzug seine tiefste Wertschätzung aus. Diese Frauen sind nicht irgendwer. Sie lieben Jesus. Sie sind treue und bewährte Mitarbeiterinnen. Sie sind ganz ohne Zweifel Gottes geliebte Kinder, und das alles macht es wichtig, sich mit ihrem Streit zu befassen. Denn wer mitarbeitet, hat Einfluss auf andere. Wer für das Evangelium kämpft, zeigt durch sein Leben, was das Evangelium ist. Wer zu Gottes Familie gehört, wirft durch sein Verhalten ein gutes oder schlechtes Licht auf den Vater.

Nun stell ich mir so vor, ich wäre eine der beiden. Das ist ja eine tolle Ermahnung: Seid einmütig! Ja, das wäre ich ja gerne, Dieser Zwist macht mir auch keinen Spaß! Seit Wochen kann ich nachts nicht schlafen! Aber wenn ich recht habe, kann ich doch nicht einfach meine Meinung wechseln! Es gibt doch noch so was wie richtig und falsch! Ich nehme nicht an, dass die beiden Schwestern einfach nur zickig waren, und es um persönliche Befindlichkeit ging. Diese Sorte Frauen waren sie nicht. Sie sahen etwas vollkommen verschieden, und das war nicht überein zu bringen. Paulus wusste übrigens, wie das ist. Er und Barnabas hatten auch mal einen fürchterlichen Streit gehabt wegen eines Mitarbeiters. Der hatte sich nicht bewährt, und Paulus wollte ihn nicht mehr mitnehmen. Barnabas mit seinem weichen Herzen hatte in seinen Augen einfach keine Prinzipien! Im Werk Gottes kann nicht jeder ohne Charakter einfach mitmachen! Das ging so weit, dass sie sich trennten. Später musste Paulus allerdings seine Meinung über diesen Mitarbeiter revidieren und lud ihn wieder in sein Team ein.

Ja, was macht man, wenn man Dinge einfach verschieden sieht? Die gute Botschaft ist: Hilfe ist möglich! Bei einer Meinungsverschiedenheit muss man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen und getrennte Wege gehen! Und wenn man selbst vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, braucht man Hilfe von außen – durch jemand, der in den Konflikt nicht verwickelt ist (und sich auch nicht verwickeln lässt), der alle beide lieb und Mut hat, die Wurzeln der Probleme aufzudecken und anzugehen. Kein Job für Feiglinge und Besserwisser und auch nicht für Diplomaten, die nur Waffenstillstand wollen, sondern für Beter, die wissen, dass diese Aufgabe sie völlig überfordert, aber dass Gott kann!

Vielleicht lässt sich, wenn man miteinander das Wort Gottes studiert, eine echte Lösung finden. Vielleicht kann auch jemand helfen zu erkennen, dass man einen anderen Standpunkt einfach mal stehen lassen und es in Gottes Hände geben kann, damit Er – falls es wirklich wichtig ist – es dem Bruder/ der Schwester (oder mir!!) zu Seiner Zeit klar macht. Vor allem braucht man Hilfe für den richtigen Blick auf den “Kontrahenten”, um den anderen immer noch als wertvollen Mitarbeiter und Gottes Kind zu sehen und zu lieben. Die Einheit ist in Jesus. Man braucht unter Umständen Beistand, um sein Herz zu erforschen und seine eigentlichen Motive zu sehen: Warum will ich das unbedingt durchdrücken? Bin ich vielleicht doch einfach streitsüchtig? Kann es sein, dass ich aus einer Mücke einen Elefanten mache? Geht es hier um mich oder um Gott? (Da kann man sich gewaltig was einreden und sich über sich selbst täuschen!) Kann ich mich auch mal unterordnen? Hab ich Geduld? Höre ich dem anderen richtig zu? Hab ich mich genug bemüht, die Dinge aus seiner Perspektive zu betrachten? Bedenke ich seine Einwände, oder fege ich sie einfach vom Tisch? Wie hoch schätze ich die Einheit der Gemeinde, dass ich ihr unseren Streit nicht antun will, der sie vielleicht zerreißen kann? Oder genieße ich am Ende heimlich den Gedanken, dass Leute sich auf meine Seite schlagen könnten?

Ich habe leider viel Streit in Gemeinden gesehen, seit ich mit Jesus auf dem Weg bin, sogar eine Gemeinde, die sich “totgespalten” hat, und zwar nicht wegen Irrlehre – das wäre ja ein guter Grund –, sondern wegen Rechthaberei in Nebendingen. Man kann sich wegen so vielem gegenseitig zerfleischen: Musikstil, Kindererziehung, Gemeindestruktur, Kleiderordnung, Geld, Diensten … Zurück bleiben  gebrochene Herzen bei denen, die mit dem eigentlichen Streit gar nichts zu tun hatten. Schwache bleiben ganz auf der Strecke. Gottes Name und der Ruf der Gemeinde wird beschmutzt. Ist es das wert? Wer möchte ernsthaft für so etwas verantwortlich sein? Dann doch lieber einmal öffentlich rotwerden, Hilfe annehmen – und die Einheit in Jesus neu umfassen!

Predigt-Nachlese: Zielorientiert laufen

Predigttext: Apostelgeschichte 21,1-17

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Ich will meinen Lauf mit Freuden vollenden, hatte Paulus den Ältesten von Ephesus gesagt. Gott hatte ihm einen Dienst aufgetragen,  nämlich durch Verkündigung und durch das Zeugnis seines ganzen Lebens das Evangelium von der Gnade Gottes bekannt zu machen. Diesem Ziel ordnet er alles andere unter. Sein Herr und Erlöser ist es ihm wert! Die Liebe und Vergebung Gottes hatte aus einem hassgetriebenen Verfolger der Gemeinde einen Menschen gemacht, der die Jesus-Jünger  über alles liebte und sein Leben für sie hingab.

Nachdem er sich in einem tränenreichen Abschied von den Ältesten von Ephesus förmlich losgerissen hat, ist Tyrus seine nächste Station. Er weiß, dass es dort Jünger gibt. Wer die Gemeinde gegründet hat, wissen wir nicht, aber vermutlich sind es Gläubige auf der Flucht vor der Verfolgung gewesen – auf der Flucht vor ihm in seinem alten Leben als erbitterter Feind der Gemeinde Jesu. Jetzt hat er nichts Wichtigeres zu tun, als diese Jünger zu suchen, um sie zu ermutigen, und er findet sie auch und bleibt sieben Tage bei ihnen. Der Heilige Geist hat ihnen etwas gezeigt, was Paulus auch schon weiß: Dass er in Jerusalem in große Schwierigkeiten kommen wird. Weil sie ihn lieben, ermahnen sie ihn, doch dort nicht hinzugehen. Als er weiterziehen muss, begleiten sie ihn bis ans Ufer, wo sie niederknien und beten und so Abschied nehmen. Wo Kinder Gottes aufeinandertreffen, ist sofort dieses Band tiefer geistlicher Gemeinschaft geknüpft.

Die nächste Stadt auf seiner Reiseroute ist Ptolemäus – auch dort begrüßt er die Brüder – und dann geht es weiter nach Cäsarea. Hier trifft er den Evangelisten Philippus und seine vier weissagenden Töchter, die ihn ein paar Tage bei sich aufnehmen. In dieser Zeit besucht sie Agabus. Agabus ist schon als Prophet bekannt; er hatte die Hungersnot unter Klaudius vorausgesagt. (Er hat übrigens die Kennzeichen eines echten Propheten: Was er sagte, traf ein.) Ähnlich wie manche Propheten im Alten Testament stellt er das, was er sagt, bildlich dar: Er bindet sich mit Paulus Gürtel Hände und Füße und sagt: So spricht der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Heiden ausliefern!  Alle, die dabei sind, fangen an, auf Paulus einzureden. Er soll doch bitte nicht nach Jerusalem gehen! Sie können sich vermutlich nichts anderes vorstellen, als dass dies eine Warnung ist. Aber Paulus sieht das anders. Es soll ihn nicht abhalten, sondern vorbereiten. Und es gibt ihm auch die Gelegenheit, seinen Leuten zu demonstrieren, dass Schwierigkeiten nicht dazu da sind, umgangen zu werden, sondern dass er ganz bewusst da hinein geht, um sein Ziel zu erreichen. Schon ganz am Anfang seines Glaubensleben war ja Ananias bezüglich Paulus gesagt worden:  Dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, um meinen Namen vor Heiden und Könige und vor die Kinder Israels zu tragen! Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen. (Apostelgeschichte 9,15.16) Bei seinem Auftrag war Leiden inklusive, aber er hatte ihn angenommen und es nie bereut. Es war alles so im Plan Gottes. Das müssen schließlich auch seine besorgten Freunde akzeptieren.

Wir wissen, dass Paulus auch später nicht ins Wanken gekommen ist. Aus dem Gefängnis haben seine Worte das Gewicht der Erfahrung, wenn er den Ephesern schreibt: Als einer, der für den Herrn im Gefängnis ist, ermahne ich euch: Lebt so, wie es der Berufung entspricht, die an euch erging. Seid euch der eigenen Niedrigkeit bewusst und begegnet den anderen freundlich, habt Geduld miteinander und ertragt euch gegenseitig in Liebe. Bemüht euch sehr darum, die Einheit, die der Geist Gottes gewirkt hat, im Verbund des Friedens zu bewahren. Ihr seid ja ein Leib; in euch lebt der eine Geist und ihr habt die eine Hoffnung bei eurer Berufung bekommen.

Er ermutigt uns, auch unser Rennen zielorientiert zu laufen, in der Einheit und Gemeinschaft, die uns Gott in seiner Gemeinde durch seinen Geist schenkt, und uns von nichts erschrecken und abbringen zu lassen.

Predigt-Nachlese: Führen durch Vorbild

Predigttext: Apostelgeschichte 20,28-38

footprints-2237 Als Jesus seinen Jüngern die Füße wusch, sagte er: Macht es mir nach! Tut füreinander, was ich für euch getan habe! Er hat mit Worten gelehrt, aber er hat es auch vorgemacht, und wir sollen seinem Beispiel folgen.

Das ist das biblische Leitungsmodell: Leiten durch Lehren und Vorbild. Dem jungen Timotheus schreibt Paulus:

Du musst aber den Gläubigen in allem, was du sagst und tust, ein Vorbild sein, ein Vorbild in deiner Liebe, in deinem Glauben, in deiner Reinheit. Widme dich bis zu meinem Kommen ganz dem Vorlesen der Heiligen Schrift, dem Ermutigen der Gläubigen und dem Lehren. (1.Tim. 4,12.13)

Den Philippern kann er empfehlen:

Handelt nach dem, was ihr von mir gelernt und gehört, und was ihr auch an mir gesehen habt! Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein. (Philipper 4,9)

Petrus sieht das genauso: Die Ältesten sollen die Gemeinde nicht mit Druck und Zwang führen, sondern durch ihr gutes Vorbild.

Dass er genau das getan hat, war der Grund für den Erfolg von Paulus. Er war bereit, sein Leben für die Gemeinde hinzulegen. So hatte er es von Jesus gelernt, und das wollte er andere durch sein eigenes Vorbild lehren. Sein Appell war immer: Hört auf, euch selbst zu leben! Lebt als Mit-Gekreuzigte und Mit-Auferstandene! Das Kreuz ist das Ende von “Ich möchte, ich brauche, ich erhebe Anspruch auf die Erfüllung meiner Bedürfnisse!”. Das neue Leben ist ein Leben als lebendiges Opfer, das Gott für seinen Dienst zur Verfügung steht. Nun wissen wir, was Gott von uns erwartet – aber wie kommen wir dahin? Zuallererst müssen wir durch die Gnade eine neue Kreatur werden. Dann brauchen wir eine völlige Veränderung unserer Denkrichtung, eine gründliche “Gehirnwäsche” durch das Wort Gottes. Es muss den ganzen Dreck weltlichen Wesens aus uns rausspülen, all die sündigen Handlungs- und Denkmuster. Dabei ist die Heilige Schrift das ideale Werkzeug: ein Spiegel, um uns unser wahres Gesicht zu zeigen, ein Hammer, um unsere Rebellion zu zerschmettern, ein Analysetool für unsere Motive, ein Scheinwerfer, der uns ins Licht Gottes stellt …

Sie lehrt uns die Wahrheit zu erkennen, überführt uns von Sünde, bringt uns auf den richtigen Weg und erzieht uns zu einem Leben, wie es Gott gefällt. Mit der Schrift ist der Mensch, der Gott gehört und ihm dient, allen seinen Aufgaben gewachsen und zu jedem guten Werk gerüstet. (2.Timotheus 3,16.17)

Als Paulus nun den Ältesten von Ephesus die letzten Instruktionen gibt, erinnert er sie noch einmal daran, wie er es gemacht hat: in Demut, mit Tränen und in Anfechtungen hat er 3 Jahre lang Tag und Nacht jeden Einzelnen ermahnt. Gericht und Gnade – den ganzen Ratschluss Gottes – hat er verkündigt ohne Rücksicht auf sich selbst. Er hat gearbeitet und gegeben. Nun sieht er Probleme von innen auf die Gemeinde zukommen, falsche Lehrer, die er als Wölfe bezeichnet. Als erstes sollen die Leiter auf sich selbst aufpassen. Sie stehen ganz vorne in der Schusslinie des Feindes. Stolz, Selbstbetrug, Verführung und Nachlässigkeit können sie von ihrer wichtigen Aufgabe abhalten, die Herde Gottes zu weiden und zu beschützen. Ja, nicht nur das Ernähren ist wichtig, sondern auch die Wachsamkeit, die Warnung und Verteidigung! Nachdem Paulus alles getan hat, was er konnte, übergibt er sie Gott und dem Wort seiner Gnade. Am Ende ist es nicht der Knecht, sondern der Herr selbst, der durch sein Wort seine Gemeinde schützt und nach Hause bringt.

Was nun folgt, ist eine Abschiedsszene mit vielen Tränen. Sie führt uns noch einmal die tiefe, warmherzige Beziehung zwischen dem Apostel und der Gemeinde vor Augen. Er liebte sie, und sie hingen an ihm. Sie würden sich erst in der Ewigkeit wiedersehen.

Werdet also Nachahmer Gottes – ihr seid doch seine geliebten Kinder – und lasst euer Verhalten von der Liebe bestimmen, so wie auch der Christus seine Liebe bewiesen hat, als er sein Leben für uns hingab. Er brachte sich als eine Opfergabe dar, an der Gott großes Gefallen hatte. (Epheser 5,1.29)