Schlagwort-Archive: Buße

Wie sich Resistenzen bilden

 

bacteria-108895_1920

Eine wachsende Gefahr im Bereich der Medizin sind multiresistente Keime. Das sind Krankheitserreger, die gegen viele verschiedene Antibiotika unempfindlich geworden sind. Schließlich hilft dem Patienten nichts mehr. Oft rührt das daher, dass der Kranke zwar das Medikament eingenommen hat, aber zu früh damit aufgehört hat, weil er sich wieder besser fühlte. Tatsächlich aber wurden nicht alle Erreger ganz abgetötet. Denen, die übriggeblieben sind, ist dann die nächste Antibiotika-Attacke ziemlich egal – sie sind inzwischen resistent geworden. Mein Hygienelehrer drückte das so aus: “Die sagen dann nur noch: Hmmm, leckeres Antibiotikum!”

Eine analoge Gefahr von Resistenzbildung gibt es auch im geistlichen Bereich, immer da, wo man auf halbem Weg stehenbleibt. Vielleicht singen wir hingebungsvoll Alles will ich Jesus weihen und sind dabei emotional ganz aufgewühlt, aber wenn es dann praktisch wird, sind wir doch eher der Bequemlichkeit oder dem Entertainment und unseren eigenen Plänen geweiht (ich spreche aus Erfahrung). Am Anfang fällt uns der Widerspruch noch auf, aber wenn wir dann nicht Gottes Hilfe gegen unsere Trägheit suchen, sondern  uns mit gelegentlichen guten Gefühlen begnügen, werden wir irgendwann resistent gegen die Forderung, unser Kreuz auf uns zu nehmen und Ihm nachzufolgen.

Vielleicht haben wir das Wort Gottes so oft gehört und waren so oft davon bewegt und angesprochen, haben aber keine Konsequenzen gezogen und mit der Sünde nicht gebrochen. Wir mögen die Atmosphäre im Gottesdienst und die netten Leute, wir stimmen vom Kopf her allem zu, aber wir wollen es ja mal nicht übertreiben. Am Ende werden wir noch als extrem verschrien! Einen leichten Anflug von Ungemütlichkeit können wir manchmal nicht leugnen, wenn das Wort uns trifft, aber irgendwann juckt uns das auch nicht mehr, und wir können fröhlich gerade so herausgehen, wie wir hineingegangen sind.

Vielleicht züchtigt Gott uns in seiner väterlichen Güte, aber  anstatt ihn zu fragen, was er uns beibringen möchte und uns vor ihm zu demütigen, sehen wir uns als Opfer widriger Umstände oder böser Menschen und nehmen unsere Zuflucht zu humanistischer Selbstbestätigung und suchen uns Leute, die uns sagen: “Du bist okay, so wie du bist, und auch Gott ist ganz vernarrt in dich! Von ihm kann das nicht kommen!”

Wenn wir das lange genug machen, werden wir irgendwann multiresistent gegen die Gnade, die uns zur Umkehr bewegen will.

Wie kann man dem entgegenwirken?  Indem wir Gott von ganzem Herzen suchen, weil wir wissen, dass wir ohne ihn nichts können. Und durch echte Gemeinschaft – nicht nur unverbindlichen Gottesdienstbesuch (schreckliches Wort!) – sondern durch Eingebundensein in aufrichtige gegenseitige Ermahnung und Ermutigung durch das Wort Gottes – nicht nur hin und wieder, sondern fortlaufend.

Ermahnt euch gegenseitig jeden Tag, solange es dieses „Heute“, von dem die Schrift spricht, noch gibt, damit niemand auf den Betrug der Sünde hereinfällt und hart wird. (Hebräer 3,13)

Und lasst uns aufeinander achten und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen.Deshalb ist es wichtig, unsere Zusammenkünfte nicht zu versäumen, wie es sich schon einige angewöhnt haben. Wir müssen uns doch gegenseitig ermutigen, und das umso mehr, je näher ihr den Tag heranrücken seht, an dem der Herr kommt. (Hebräer 10, 24.25)

Jona – drei Tage im Bauch eines Fisches? (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Jona 2

File:Dore jonah whale.jpg

„Jonah Cast Forth By the Whale“ by Gustave Dore (d. 1883)

Jona war der erfolgreichste Erweckungsprediger aller Zeiten – und der widerwilligste! Soweit wir wissen, ist er der einzige Prophet, der zu Gottes Auftrag ein klares Nein gesagt hat, indem er davonlief, genau in die Gegenrichtung. Er beabsichtigte, viele tausend Kilometer zwischen sich und Gottes Auftrag zu bringen, aber es gelang ihm nicht. Gottes Pläne kann man nicht vereiteln.

Das Schiff, das er nahm, wurde von einem Sturm dermaßen gebeutelt, dass man Jona schließlich ins Meer warf, weil man erkannte, dass Gott den Sturm um seinetwillen geschickt hatte. Und dann bestellte Gott einen großen Fisch um Jona zu verschlingen. Drei Tage und drei Nächte verbringt er im Bauch des Fisches, und das 2. Kapitel des Buches Jona berichtet uns von seinem Gebet, dass er dort betete.

Nun erhebt sich die Frage: ist das Wahrheit oder Legende? Wie soll das funktionieren, dass ein Mensch drei Tage in einem Fischmagen überlebt? Müssen wir das nicht entmythologisieren?

Jesus zumindest hielt diese Geschichte für Realität, wie Matthäus 12,38–40 zeigt. Und wir können natürlich versuchen, wissenschaftliche Erklärungen oder ähnliche Erfahrungen zu finden, um zu rechtfertigen, dass auch wir daran glauben. Eigentlich aber liegt es an dem Bild, dass wir von Gott haben, ob wir ihn für fähig halten, so etwas zu tun.

Denn Gott ist

  • unbegreiflich – unser Wissen und Forschen kann ihn nicht erfassen. Wir sind auf seine Selbstoffenbarung angewiesen, um überhaupt etwas über ihn zu wissen
  • unerschaffen – ohne Herkunft, ohne eine Zeitlinie, der er unterworfen wäre
  • selbstgenügsam – Gott braucht nichts
  • ewig  und unendlich– unser Verstand dagegen kann nur innerhalb des Konzepts von Zeit und Begrenztheit operieren
  • allwissend
  • allmächtig
  • allgegenwärtig.

Dieser Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, hatte offensichtlich kein Problem damit, einen Fisch zu “bestellen”, der Jona zwar schluckte, aber nicht verdaute. Das Problem haben nur wir mit unserem begrenzten Bild von Gottes Macht. Aber es war nicht gerade gemütlich in diesem Fisch. Jonas Situation ist hoffnungslos; er fühlt sich verstoßen und am Ende. Gott hat ihm gezeigt: Ich bring dich dahin, wo du nicht hinwillst. Ich bin souverän und setze meinen Willen durch. Man kann Gott nicht davonkommen.

In dieser Situation geht Jonas Sehnsucht nach dem Tempel. Wie der verlorene Sohn erinnert er sich daran, wie gut es bei Gott war. Und Gott versperrt ihm den Zugang zu sich nicht. Im  Fischbauch in der Tiefe des Meeres hört er ihn. Und schließlich hört Jona auf zu kämpfen:

Was ich gelobt habe, das will ich bezahlen. Die Rettung kommt von dem Herrn!

Er bekennt seine Schuld: Ich war untreu, aber ich werde nun gehorchen und meine Gelübde einlösen. Und Gott gibt Jona nicht auf. Er erneuert den Ruf. Der Fisch spukt Jona an Land. Wie Petrus wird er nach dem Versagen wieder in den Dienst eingesetzt.

Die Rettung kommt von dem Herrn , betet Jona im Bauch des Fisches. Genau das ist die Bedeutung des Namens Jesus! Jesus wird später vom Zeichen Jonas sprechen. Wie Jona drei Tage und Nächte im Bauch des Fisches war, so war er drei Tage und Nächte im Grab, um dann wieder aufzuerstehen und für uns die Rettung zu sein.

Wenn Gott jubelt und im Himmel eine Party steigt (Predigt-Nachlese)

Bibeltexte: Epheser 2,8-10 und zur Illustration Lukas 15,11-32

fireworks-180553_1920

Als Paulus sein Abschiedsgespräch mit den Leitern der Gemeinde von Ephesus führte, sagte er ihnen:

“Und nun vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an … “ (Apg 20, 32)

Hier im Brief an die Epheser erklärt er noch einmal, was Gnade ist: Gott hat uns gerettet auf Grund seiner Liebe. Wir waren verloren und tot in unseren Sünden. Was kann ein Toter tun, um sich wieder zum Leben zu erwecken? Gar nichts. Gott hatte den Plan und die Initiative für unsere Erlösung, und Gott hat ihn durchgeführt. Ohne dass wir etwas beitragen können, gibt er uns das Leben durch Christus umsonst.

Damit wir uns das in etwa vorstellen können, hat Jesus die Geschichte von einem Vater und seinen zwei Söhnen erzählt. Seine Zuhörerschaft setzte sich zusammen aus zwei Sorten Menschen: Aus denen, deren sündiges Leben offensichtlich war, und den Pharisäern, die ein Leben nach höchsten moralischen und religiösen Standards führten.

Und nun erzählt Jesus von dem jüngeren Sohn. Er wollte sich vom Vater lösen und verlangte die vorzeitige Auszahlung des Erbes, damit er damit ein Leben nach seinem Geschmack führen konnte. Der Vater teilte den Söhnen das Erbe, und der Sohn machte sich auf in die Welt. Die Sache ging schief. Er landete bankrott und kaputt bei den Schweinen, deren Futter er noch nicht mal essen durfte – sie waren wertvoller als er. In diesem Sohn erkannten die Sünder sich und ihr Leben wieder. Ja, so fühlt sich das an, wenn man alles in den Sand gesetzt hat und im Loch hängt und nichts und niemand mehr hat! Und die Pharisäer dachten: Recht geschieht ihm! Wäre er mal anständig und zuhause geblieben! Hätte er mal Gottes Gebote gehalten und seinen Vater geehrt!

in der Hungersnot und mitten im Dreck kommt er zur Besinnung. Er hat´s vergeigt, und er ist am Ende. Warum nur ist er von zu Hause weg? Da ging es selbst den Aushilfskräften besser! Und der Entschluss reift: ich geh nach Hause! ich bin nicht mehr wert, sein Sohn zu sein, aber vielleicht erbarmt er sich meiner und lässt mich für sich arbeiten?

Was er nicht weiß: Der Vater hat die ganze Zeit gelitten. Er hat auf ihn gewartet und Ausschau gehalten, und als er ihn am Horizont auftauchen sieht, rennt er ihm entgegen, was die Füße tragen. Der Sohn kann sein Sündenbekenntnis gar nicht vollenden, da werden ihm schon die Lumpen ausgezogen. Ein neues Gewand muss her und ein Ring und Schuhe, und schon sitzt er frisch gewaschen und wie neu an der Festtafel, und die “Du bist wieder zu Hause” -Party steigt mit Kalbsbraten, Musik und Tanz!

Ja, was für eine Musik in den Ohren verlorener Sünder: Der Vater vergibt uns alles, was wir getan haben! Er nimmt uns an! Aber dem älteren Bruder, der immer brav daheim geblieben ist, geschuftet hat wie ein Pferd und – wenn auch manchmal zähneknirschend – alles immer richtig gemacht hat, dem gefällt diese Musik gar nicht. ist dieser Schuft von einem Bruder etwa mehr wert als er? Der hätte seinetwegen da verrecken können, wo der Pfeffer wächst!

Das ist der Skandal der Gnade, der auch den Pharisäern wie Sand zwischen den Zähnen knirscht. Wie – es geht nicht nach Verdienst? Meine ganze Mühe gilt nichts? Das ist eine Unverschämtheit! Ihre Selbstgerechtigkeit lässt sie nicht erkennen, dass sie in Gottes Augen gerade so verdorben sind wie die, die sie als Sünder bezeichnen, denn Gott schaut tiefer und durchleuchtet die Motive unseres Herzens. Jeder Mensch, egal wie moralisch er zu leben versucht, hat nur eine Chance: Sich die Gnade Gottes gefallen zu lassen! Wer dazu zu gut ist, der bleibt verloren.

Deswegen hat Jesus die Geschichte erzählt. Wie gerne wollte er den Pharisäern die Augen öffnen, dass sie sich als die sähen, die sie wirklich waren! Wie gerne will er uns die Augen öffnen! Gnade zu erweisen, zu vergeben, seine Arme für uns auszubreiten, ist Gottes größte Freude. Er muss dazu nicht überredet werden, und wir müssen uns und ihn nicht mit Selbstverbesserungsversuchen aufhalten. Er jubelt, wenn wir umkehren, und der Himmel feiert ein Fest!

Und dann ändert sich unser Leben. Gnade macht gnädig gegen unsere Mitmenschen. Wir werden fähig zu vergeben und zu lieben. Wir fangen an, den Vater zu imitieren. Wir wollen ihm gefallen, weil wir ihn lieben, und wir wollen ihm dienen, weil wir so dankbar sind für die Gnade  – und weil es überhaupt nichts Besseres gibt, als bei ihm zu Hause zu sein.

Deshalb: Komm heim! Der Vater wartet auf dich!

 

Übrigens, wer die Predigt im Original anhören möchte, kann das hier tun.

Der heilige Geist ist eifersüchtig – eine sehr persönliche Predigt-Nachlese

image

Falls du dich fragst, was das Thema nun mit einer Glühbirne zu tun hat: Mir ist am Sonntag während der Predigt ein Licht aufgegangen!

Der Predigttext war Jakobus 4. Da geht es um die Frage, woher eigentlich der ganze Krieg kommt, der unter uns manchmal herrscht. Jakobus spricht hier zu gläubigen Juden-Christen, aber das alles lässt sich auch auf uns anwenden. Wir sind immer in der Gefahr, auch in der Gemeinde, unseren Dickkopf durchzudrücken und unsere Vorstellung davon, wie was und wer zu sein hat, für die einzig annehmbare zu halten. Statt dessen sollten wir lieber beten, dass Gottes Willen unter uns zum Zug kommt. Doch selbst in unseren Gebeten, so ist hier die Diagnose, drehen wir uns oft nur um uns selbst und unsere Begierden.  Solche Gebete erhört Gott nicht (und das ist auch besser für uns!). Jesus zeigt uns im Garten Gethsemane, was Gebet wirklich ist: Hingabe an den Willen Gottes.
Dann kommt Jakobus zum Kern des Problems: Wir sind geistliche “Ehebrecher” wenn wir die Welt und ihre Lust mehr lieben als Gott. Johannes sagt mal (1. Johannes 2,15.16):

Liebt nicht die Welt und auch nicht, was zu ihr gehört! Wer die Welt liebt, hat keinen Platz für die Liebe zum Vater. Denn nichts von dem, was in der Welt ist, kommt vom Vater: Die Gier des eigenwilligen Menschen, seine begehrlichen Blicke, sein Prahlen mit Besitz und Macht – das alles gehört zur Welt.

Da gibt es nur ein Entweder-Oder! Und der Heilige Geist ist eifersüchtig! Die  menschliche Beziehungsebene dient hier der Verdeutlichung: Wie ein Partner eifersüchtig reagiert, wenn der andere von ihm weggeht und sich mit jemand anderem einlässt, so ist Gott auch eifersüchtig, wenn wir uns mit der Welt und ihrer Wesensart vergnügen, denn wir gehören zu IHM. Unser Verlangen muss auf Jesus gerichtet sein, nicht auf unseren Stolz, unseren Eigenwillen, unser Entertainment und all die Dinge, die wir so sehen und haben wollen. Unsere Liebe zu ihm muss leidenschaftlich und total sein. Dann fragt sie auch nicht: Wie weit kann ich denn gehen, ehe es ganz schlimm ist? Wie nah kann ich an der Kante entlang laufen?

Das ist genau der Punkt, wo es bei mir “Klick” gemacht hat. Ich habe in den letzten Jahren eine Art Sucht entwickelt, und zwar nach Spielfilmen. Was anfangs vielleicht ein Nachholbedürfnis war (in meiner Jugend lief das unter “verboten”), nahm immer größere Ausmaße an, vor allem, nachdem ich die Online-Mediatheken entdeckt hatte. Einen Film anzugucken wurde meine liebste Entspannungsmethode …. und dann noch einen und noch einen. Danach fühlte ich mich immer, als wäre hier was falsch, aber ich wusste nicht so recht, warum (und ich muss alles immer genau wissen). Ich guckte keine “bösen” Filme, und bei den allfälligen Knutschszenen spulte ich vor oder brach ab. Ich vergeudete auch nicht übermäßig Zeit, denn ich bin ein hervorragender Multi-Tasker –  ich kann Filme schauen und gleichzeitig Emails schreiben oder bügeln und putzen. Aber mit wenigen Ausnahmen musste ich mich danach fragen: “Wozu war das jetzt gut?” und hatte immer den Drang, um Vergebung zu bitten. Ich versuchte, es einzuschränken, aber das gelang immer nur kurzfristig, dann war ich wieder im alten Trott. Schließlich schrie ich zu Gott: “Ich krieg das nicht hin! Ich kann mich nicht selbst erziehen, aber du bist doch mein Erzieher! Dann mach das doch irgendwie!”  Was soll ich sagen? Ich bin frei! Er hat das Bedürfnis weggenommen. (Aber ich weiß auch, dass ich nicht wieder damit anfangen darf.)

Ich hatte aber immer noch nicht wirklich verstanden, was daran nun so falsch war. Und am Sonntag in der Predigt hab ich auf einmal ganz klar gesehen: Was es mir so unbehaglich gemacht hat, das war die Eifersucht des Heiligen Geistes, der in mir wohnt. Er wollte nicht, “dass ich mich da rumtreibe”. Meine Abhängigkeit von dieser Aktivität war ihm zur Konkurrenz geworden. – Nun gut, das hätten wir geklärt! Es wird sicher in Zukunft noch mehr Aufräumungsarbeiten geben, und es ist mir recht so!

Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns wohnt; um so reicher aber ist die Gnade, die er gibt.

Oh yes!

Predigt-Nachlese: Noahs Glaube

 

Predigttext: Hebräer 11,7noahs-ark-313735_1280

Noah kennt irgendwie jeder. Fast in jedem Kinderzimmer findet man die Arche mit den Tierpärchen und Bilderbücher zum Thema ! Verfilmt wurde die Geschichte auch, allerdings nicht so, wie sie sich nach der Bibel zugetragen hat.

Die Bibel zeigt uns Noah als einen Menschen, von dessen Glauben wir lernen können:

Durch Glauben baute Noah, als er eine göttliche Weisung über das, was noch nicht zu sehen war, empfangen hatte, von Furcht bewegt, eine Arche zur Rettung seines Hauses. Durch ihn verurteilte er die Welt und wurde Erbe der Gerechtigkeit, die nach dem Glauben ist.

Noah muss in den Augen seiner Zeitgenossen ein ziemlich schräger Typ gewesen sein. Er baute ein riesiges Schiff auf dem Trockenen! Es war völlig unvorstellbar, zu was das einmal gut sein sollte, denn nicht nur gab es da, wo er war, kein Meer, auf dem das Ding schwimmen hätte können – noch viel unvorstellbarer war eine Flut.

Unter seinen Mitmenschen war er aber auch sonst ein Fremdkörper. Sie ignorierten Gott völlig.

Jahwe aber sah, wie groß die Bosheit der Menschen auf der Erde war. Ihr ganzes Denken und Streben, alles, was aus ihrem Herzen kam, war immer nur böse. Da beklagte Jahwe es, den Menschen erschaffen zu haben, und es schmerzte ihn bis in sein Innerstes hinein. (1.Mose 6,5,6 NEÜ)

Noah dagegen lebte mit Gott. Er wird als gerecht und untadelig beschrieben, was nicht bedeutet, dass er perfekt und ohne Fehler war. Aber er war in der ihn umgebenden Kultur der Gottlosigkeit der Einzige, der sein Leben nach Gott ausrichtete und ihm nicht den Rücken kehrte. So sollen auch wir uns abheben und als Kinder Gottes

ein reines, vorbildliches Leben führen in einer dunklen Welt voller verdorbener und verirrter Menschen, unter denen euer Leben wie ein helles Licht leuchtet. (Philipper 2,15 NEÜ)

Wir können nicht an allem teilhaben, was diese Welt so tut – und dann steht man manchmal allein. Noah zeigt uns, dass es mit Gott an unserer Seite nicht einfach, aber möglich ist!

In seinem Glauben stützte sich Noah auf nichts anderes, als das was Gott gesagt hatte, auch wenn er es noch nicht sehen konnte. Es ging über seine Erfahrung weit hinaus und war mit seiner Logik nicht zu fassen, aber er vertraute darauf. Über einen Zeitraum von 120 Jahren investierte er sein Leben in den Bau dieses riesigen Schiffes angesichts von Unverständnis, Spott und Gleichgültigkeit seiner Zeitgenossen, die weiterlebten wie bisher – und sah kein einziges Wölkchen am Himmel, das ihn und seine Gerichtsbotschaft bestätigt hätte.

Und dann, als alles beendet war, kam die Flut plötzlich und unerwartet und dauerte ein Jahr. Es gab keine Entkommen und kein Überleben außer für die, die vor dem Gericht in die Arche gegangen waren.

Gott wird diese Welt noch einmal richten. Auch diesmal lässt er es vorher verkündigen.

Der Tag des Herrn wird so unerwartet kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel unter schrecklichem Lärm vergehen, und alles wird sich in Flammen auflösen; und die Erde wird mit allem, was auf ihr ist, dem Gericht ausgeliefert werden. (2.Petrus 3,10 NEÜ)

Die Arche, die er anbietet, ist Jesus Christus. Wenn wir unser Vertrauen in ihn setzen, werden wir gerettet. Dieses Vertrauen wird sich dann auch ganz praktisch zeigen. Unser Leben wird sich ändern. Statt dem Glück in dieser Welt nachzujagen, werden wir in die Ewigkeit investieren, in Dinge, die wir noch nicht sehen. Wir werden danach streben, Gott durch sein Wort immer besser kennenzulernen und ihm zu gefallen.

Wenn aber alles um uns her sich auf diese Weise auflösen wird, wie viel mehr solltet ihr dann ein Leben führen, das heilig ist und Gott ehrt! Ihr solltet diesen Tag erwarten und ihn herbeisehnen – den Tag, an dem Gott den Himmel in Brand setzt und die Elemente in den Flammen zerschmelzen. Wir aber erwarten den neuen Himmel und die neue Erde, die er versprochen hat. Dort wird Gottes Gerechtigkeit herrschen. Bemüht euch deshalb darum, liebe Freunde, ein reines und tadelloses Leben im Frieden mit Gott zu führen, während ihr auf dies alles wartet. Und denkt daran: Gott wartet, damit die Menschen gerettet werden. (2.Petrus 3,11-15)

Predigt-Nachlese: Plötzlich hast du einen Bruder– wie das Evangelium Beziehungen verändert

Predigttext: Der Brief an Philemonimage

Seinen kürzesten Brief schrieb Paulus an Philemon, einen wohlhabenden Christen in Kleinasien, der auch Sklaven besaß. Der Anlass und Überbringer war Onesimus, Sklave eben dieses Mannes, der ihm – warum und wann wissen wir nicht – weggelaufen war. Sklaven waren in der Antike rechtlos und abhängig in jeder Beziehung und schufteten oft in der Landwirtschaft der Großgrundbesitzer. Dass sie wegliefen, war an der Tagesordnung, Manchmal suchten sie Asyl in heidnischen Tempeln.

Onesimus hatte es aus unbekannten Gründen nach Rom und zu Paulus verschlagen, der sich dort als Gefangener aufhielt. Durch den Apostel hatte er Jesus kennengelernt. Ich habe ihn in meinen Fesseln gezeugt, sagt Paulus, und seine völlige Lebensveränderung beschreibt er in einem kleinen Wortspiel mit dem Namen Onesimus, was “nützlich” bedeutet: der dir einst unnütz war, jetzt aber dir und mir nützlich ist.

Was uns verblüffen mag: Weder Jesus noch Paulus haben je ein Wort gegen Sklaverei gesagt. Zwar ermutigt Paulus Sklaven, die Freiheit anzunehmen, wenn sich ihnen die Möglichkeit bietet, aber ansonsten ermahnt er sie zu Respekt und Gehorsam gegen ihre Herren und guter Arbeitsmoral. Im Gegenzug werden die Herren aufgefordert, ihre Sklaven gut zu behandeln und ihnen nicht zu drohen. Es gab also keinen Aufruf zu sozialer Revolution und politischer Veränderung, sondern zur Buße und Herzensverwandlung! Das Evangelium hat nicht die Umgestaltung der Gesellschaft für die beschränkte Zeit auf dieser Erde im Fokus, sondern die unsterbliche Seele des Menschen. (Dennoch war das Christentum mitverantwortlich für die Abschaffung der antiken Sklaverei, weil es durch ein neues Menschenbild das Denken von innen heraus veränderte.)

So richtet Paulus auch an Philemon keinen moralischen Appell, die Sklavenhaltung aufzugeben, sondern er spricht ihn an als die neue Kreatur, die er in Christus ist. Er dankt Gott für ihn und erbittet und erwartet, dass das Gute, das durch Christus in ihn hineingelegt wurde, auch zum Ausdruck kommt. (Wie sprechen wir uns gegenseitig an, und haben wir eine positive Erwartungshaltung gegenüber unseren Geschwistern als durch Gott erneuerte Menschen?)

Und dann kommt er auf den Punkt: Onesimus war jetzt ein Bruder. Als Sklave hatte er an Wert verloren – weggelaufene Sklaven ließen sich nur unter Preis weiterverkaufen. Aber Jesus hatte einen Preis für ihn bezahlt – den gleichen wie für Philemon!

Paulus könnte es anordnen als Apostel, aber er bittet. Er will, dass echte Bruderliebe das Motiv ist. Onesimus ist sein Kind und sein Herz und er wünscht sich, dass Philemon ihn gleichermaßen als geliebten Bruder sieht. Er hat das Vertrauen, dass die Bruderschaft in Christus die scharfe gesellschaftliche Trennlinie zwischen Herrn und Sklaven aufheben wird, und er ist bereit, alles dafür zu tun, was er kann, auch eventuelle Schadensersatzforderungen zu begleichen.

Paulus wusste: Wenn er seine Autorität ausspielte, würde der Gehorsam vielleicht “die Liste abhaken”. Aber die Liebe weiß auch ohne Anweisung, was zu tun ist und kann des Guten gar nicht genug tun. Auf diese Liebe vertraut er bei Philemon, weil der Heilige Geist sie in sein Herz ausgeschüttet hat, und er deutet vorsichtig die Hoffnung an, dass die Bruderschaft sich zu einer Freilassung “auswächst”.

Predigt-Nachlese: Würden doch alle wie ich!

Nikolai_Bodarevsky_001

Predigttext: Apostelgeschichte 25 und 26

Würden doch alle wie ich!

Der Mann, der das ausruft, ist gefangen und gefesselt. Aber er weiß, dass er das größte Glück besitzt, weil seine Sünden vergeben sind, und er Gott seinen Vater nennen kann. Und er wünscht diese Freude jedem, Freunden und Feinden, und auch dem König Agrippa, vor dem er zum Verhör erschienen ist.

Paulus hatte sich auf den Kaiser in Rom berufen, als er merkte, dass er in Gefahr stand, den jüdischen Führern ausgeliefert zu werden, bei denen Festus Pluspunkte sammeln wollte. Willst du dich in Jerusalem verantworten? hatte Festus ihn gefragt. Nein, da würde ihm kein Recht werden, das war ihm klar, dann lieber nach Rom! So bleibt er also in Gewahrsam, bis eine Möglichkeit gefunden würde, ihn zum Cäsar zu senden.

Nun ist es etwas schwierig, jemand ohne überzeugende Anklagepunkte in ein Berufungsverfahren zu schicken. Da trifft es sich gut, dass Festus hohen Besuch bekommt, den er um eine Stellungnahme und Rat bitten kann. König Agrippa der Zweite und seine Schwester Berenike sind seine Gäste, und ja, Agrippa ist neugierig: Ich würde diesen Mann gern kennenlernen und hören, was er zu sagen hat.

Und dann steht der treue Zeuge Jesu vor ihm und seinem ganzen Tross im Gerichtssaal und bekommt die Gelegenheit, zu reden. Ich schätze mich glücklich, dass ich mich vor dir verteidigen kann, beginnt Paulus. Wirklich? Weiß er nicht, dass der Urgroßvater dieses Mannes die Kinder von Bethlehem hat abschlachten lassen, sein Großvater Johannes, den Täufer, auf dem Gewissen hat, und sein Vater Jakobus hinrichten ließ? Erwartet er etwa Gerechtigkeit von ihm?  – Nein, Paulus ist nicht naiv, aber er sieht eine Chance für Agrippa! Er wird heute das Evangelium hören und die Gelegenheit bekommen, sich zu Christus zu bekehren.

Bei Agrippa muss Paulus nicht bei Null anfangen. Er weiß viel aus der Heiligen Schrift. Er ist zwar In Rom erzogen worden, aber in allen jüdischen Gebräuchen und Streitfragen wohl bewandert. Genau genommen ist er von Rom als Oberaufsicht über den Tempel eingesetzt. Paulus erzählt ihm nun von seinem eigenen Leben: Wie fromm er war und doch so verloren, weil er Jesus bekämpft hat. Die bösen Dinge, die er den Gläubigen getan hat. Wie der Auferstandene ihm begegnet ist und sein Leben auf den Kopf gestellt hat. Von dem Auftrag, den er bekommen hat. Und ja, für alle Menschen und auch für Agrippa gilt das Angebot, umzukehren und aus der Finsternis zum Licht und aus der Gewalt Satans zu Gott zu kommen!  Vergebung der Sünden und ein ewiges Erbe – dafür hat Christus gelitten und stellvertretend unsere Strafe auf sich genommen. Es gab Gnade für den Sünder Paulus wie es auch Gnade für den Sünder Agrippa geben kann.

Festus ist das alles ein bisschen zuviel. Paulus, du hast den Verstand verloren! Dass Christen verrückt sind, ist keine unübliche Anklage, um die Ablehnung unserer Botschaft zu rechtfertigen. Aber wir könnten gar nicht vernünftiger sein, denn das, was wir glauben, steht auf der festen Grundlage uralter Verheißungen! Paulus wendet sich wieder an den König: Agrippa, glaubst du den Propheten? Ich weiß doch, dass du glaubst!  Agrippa, so herausgefordert, antwortet etwas nervös: Du überredest mich noch, ein Christ zu werden!

Ach, wie gerne täte Paulus das!  Es ist sein tiefster Herzenswunsch, dass alle würden wie er, nur ohne diese Fesseln! Aber Agrippa übergeht diesen Ruf an sein Herz. Der Mann ist interessant und seine Lebensgeschichte berührend, da ist was dran – aber werden wie er? Die Kosten sind ihm zu hoch. Er geht zur Tagesordnung über.

Eine tragische Geschichte! Gott bietet Versöhnung an, es geht um Himmel oder Hölle, Licht oder Finsternis, Leben im  Reich Gottes oder im Machtbereich Satans. Wer nicht wählt, wählt auch – es gibt keinen neutralen Boden. Lass das nicht deine Geschichte sein! Weise deinen Erlöser nicht ab! Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, verschließt euch seinem Reden nicht! (Hebräer 3,15)

Bild: Nikolai Korniliewitsch Bodarewskie [Public domain], via Wikimedia Commons