Schlagwort-Archive: christliches Leben

Risiken und Nebenwirkungen

exclamation-48283_1280

Wir haben das Leben gern glatt und freundlich, die Pläne gelingend, die Beziehungen harmonisch, den Weg ohne Stolpersteine. Oft denken wir, dass sei ein Zeichen für den Segen Gottes. Aber der Alltag mit Gott ist manchmal ungemütlich, herausfordernd und verwirrend. Es gibt unangenehme Überraschungen. Manchmal sind wir sehr allein. Manchmal bringt es uns Vorwürfe und Unverständnis ein. Menschen fühlen sich verletzt, ohne dass wir das ändern könnten.

Ein paar kleine Beispiele aus den Evangelien, die mir in den letzten Tagen untergekommen sind:

Zebedäus ist mit seinen Söhnen Johannes und Jakobus und einigen Tagelöhnern dabei, die Fischernetze ihres kleinen Familienbetriebs zu reparieren, als Jesus vorbeikommt und die beiden ruft: “Kommt, folgt mir nach!” Gucken sie Zebedäus noch mal an und er nickt und sagt: “Geht nur, Jungs!”, oder starrt er ihnen mit offenem Mund hinterher und schreit dann: “He! Wir haben alle Hände voll zu tun, ihr könnt jetzt hier nicht einfach abhauen! Ich kann nicht noch mehr Leute einstellen!” ? Wir hören von dem Vater weiter nichts mehr. Seine Frau hat sich jedenfalls auch Jesus angeschlossen.

Oder stell dir mal vor, du bist von Jesus so begeistert, dass du ihm dein Haus zur Verfügung stellst, um zu predigen und zu heilen. Und es wird voll und voller. Vor der Tür stapeln sich die Leute. Hoffentlich muss jetzt keiner aufs Klo … Auf einmal hörst du über dir was klopfen und scharren. Sand, Mörtel, Asche, Steine und Grasbrocken rieseln in die vielen Gesichter, die sich fragend nach oben wenden. “Was machen die da?”, fragst du dich entsetzt, während das Loch in deiner Decke sich Stück für Stück vergrößert, bis vier rotgeschwitzte Gesichter dadurch nach unten schauen. Jetzt haben sie Jesus erspäht, und jetzt wird auch klar, was sie vorhaben: An Seilen lassen sie den fünften Mann auf einer Matte hinunter, genau vor Jesu Füße. Und ja, es wird wunderbar und du erlebst die Kraft Gottes zu  vergeben und zu heilen, und zusammen mit der ganzen Volksmenge in deinem Haus bist du hin und weg und beeindruckt und glückselig. Komischerweise machen sie dem Geheilten dann Platz, als Jesus ihn heimschickt. Und da kommst du wieder zu dir und guckst leicht verzweifelt nach oben und denkst: “Hätten sie ihm nicht auch auf dem Hinweg Platz machen können? Dann wäre mir das erspart geblieben.” Ich frage mich immer, ob das vielleicht das Haus von Petrus war, und er daran denkt, wenn er schreibt: “Seid gastfrei ohne Murren!”

Aber wenn wir bei Petrus und seiner Frau sind: Die hatte öfter die Bude voll, und sicher hing auch ihr Herz an Jesus, spätestens seit er ihre Mutter geheilt hat. Aber ob sie und die Frauen der anderen Jünger immer begeistert waren, dass sie so viel allein waren? Dass die Papas sogar das Passafest nicht mit der Familie feierten, sondern mit Jesus? Ganz zu schweigen von den Ängsten, die sie um ihre Männer ausgestanden haben müssen als die Feindseligkeit gegen Jesus sich zusammenbraute. Und nach Pfingsten wurde es noch schlimmer.

Das Leben als Christ ist wunderbar, aber es hat ganz alltägliche Risiken und Nebenwirkungen, und wir sollten uns nicht darüber wundern, wenn wir auch solche Geschichten erleben. Sie bedeuten nicht, dass irgendwas verkehrt läuft.

Der Realismus der Bibel

shield-492996_1920

Ich liebe die Bibel nicht zuletzt darum, weil sie nichts weichzeichnet, auch und vor allem dann nicht, wenn es um das Volk Gottes geht. Ich habe gerade das Buch der Richter durchgelesen. Es ist so realistisch, dass es einem fast übel wird: Ein Gideon, der so gut anfängt und dann selbst die Tür zum Götzendienst wieder aufstößt, Mord und Totschlag unter seiner Nachkommenschaft, ein triebgesteuerter Held Gottes wie Simson, der schließlich blind und gefangen das Mühlrad dreht, synkretistische Kulte in Privatheiligtümern, käufliche Priester, die sich dem Meistbietenden verdingen, Massenvergewaltigung  – eine Abwärtsspirale von  zunehmendem Götzendienst und geistlicher Verwirrung bis dahin, dass sie sich schlimmer aufführen als die Völker um sie her und jegliche Vollmacht verlieren, im Namen ihres Gottes zu handeln.

Was mich so betroffen macht, ist wie “klein” das ganze Elend anfängt: Ein bisschen Trägheit, ein bisschen Vergesslichkeit. Hier ein paar Kanaaniter übrig gelassen und da ein paar Götzen nicht umgehauen …. so wie wir uns manchmal mit “kleinen” Sünden und Halbheiten arrangieren, bis wir sie nicht mehr als solche empfinden. Wenn wir dann Konsequenzen erfahren müssen, heulen, und wenn Gott uns rausgehauen hat, weitermachen wie gehabt. Der Prozess ist nicht plötzlich, sondern schleichend. Irgendwann findet man seinen Zustand normal und fürchtet den Retter mehr als den Feind. Hauptsache, es wird nicht ungemütlich!

So realistisch, wie das Elend und das Böse geschildert werden, so realistisch wird auch die mitleidige Geduld Gottes beschrieben, der es nicht lassen kann, diesem Volk immer wieder Retter zu schicken. Die sind selbst unvollkommene, verdrehte Persönlichkeiten, die neben Gutem fast noch mehr Falsches tun.

Ach, das kommt mir doch alles irgendwie bekannt vor! Gibt es nicht auch unter uns Praktiken und Lehren, bei denen die Grenzen zum Aberglauben und zur Sünde sich immer mehr verwischen, bis wir manchmal schlimmer sind als die Welt? Wir sollten  uns keine Illusionen machen: Gott übt auch an seinen eigenen Leuten Gericht und hasst die Sünde bei Israel nicht weniger als bei den Kanaanitern! Er liebt die, die er erwählt hat, mit einer feuerspeienden Eifersucht – und mit einem unerschütterlichen Erbarmen. Er macht definitiv einen Unterschied zwischen “fremden” und eigenen Kindern: Wenn Gott euch nicht mit strenger Hand erziehen würde, wie er das bei allen macht, dann hätte er euch nicht als Kinder anerkannt (Hebräer 12,8).  Zu ihm zu gehören ist zugleich gefährlich und sicher. Aber nicht zu ihm zu gehören, ist hoffnungs- und heimatlos und endet in einem Gericht, aus dem es keine Rettung mehr gibt.

Predigt-Nachlese: Führen durch Vorbild

Predigttext: Apostelgeschichte 20,28-38

footprints-2237 Als Jesus seinen Jüngern die Füße wusch, sagte er: Macht es mir nach! Tut füreinander, was ich für euch getan habe! Er hat mit Worten gelehrt, aber er hat es auch vorgemacht, und wir sollen seinem Beispiel folgen.

Das ist das biblische Leitungsmodell: Leiten durch Lehren und Vorbild. Dem jungen Timotheus schreibt Paulus:

Du musst aber den Gläubigen in allem, was du sagst und tust, ein Vorbild sein, ein Vorbild in deiner Liebe, in deinem Glauben, in deiner Reinheit. Widme dich bis zu meinem Kommen ganz dem Vorlesen der Heiligen Schrift, dem Ermutigen der Gläubigen und dem Lehren. (1.Tim. 4,12.13)

Den Philippern kann er empfehlen:

Handelt nach dem, was ihr von mir gelernt und gehört, und was ihr auch an mir gesehen habt! Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein. (Philipper 4,9)

Petrus sieht das genauso: Die Ältesten sollen die Gemeinde nicht mit Druck und Zwang führen, sondern durch ihr gutes Vorbild.

Dass er genau das getan hat, war der Grund für den Erfolg von Paulus. Er war bereit, sein Leben für die Gemeinde hinzulegen. So hatte er es von Jesus gelernt, und das wollte er andere durch sein eigenes Vorbild lehren. Sein Appell war immer: Hört auf, euch selbst zu leben! Lebt als Mit-Gekreuzigte und Mit-Auferstandene! Das Kreuz ist das Ende von “Ich möchte, ich brauche, ich erhebe Anspruch auf die Erfüllung meiner Bedürfnisse!”. Das neue Leben ist ein Leben als lebendiges Opfer, das Gott für seinen Dienst zur Verfügung steht. Nun wissen wir, was Gott von uns erwartet – aber wie kommen wir dahin? Zuallererst müssen wir durch die Gnade eine neue Kreatur werden. Dann brauchen wir eine völlige Veränderung unserer Denkrichtung, eine gründliche “Gehirnwäsche” durch das Wort Gottes. Es muss den ganzen Dreck weltlichen Wesens aus uns rausspülen, all die sündigen Handlungs- und Denkmuster. Dabei ist die Heilige Schrift das ideale Werkzeug: ein Spiegel, um uns unser wahres Gesicht zu zeigen, ein Hammer, um unsere Rebellion zu zerschmettern, ein Analysetool für unsere Motive, ein Scheinwerfer, der uns ins Licht Gottes stellt …

Sie lehrt uns die Wahrheit zu erkennen, überführt uns von Sünde, bringt uns auf den richtigen Weg und erzieht uns zu einem Leben, wie es Gott gefällt. Mit der Schrift ist der Mensch, der Gott gehört und ihm dient, allen seinen Aufgaben gewachsen und zu jedem guten Werk gerüstet. (2.Timotheus 3,16.17)

Als Paulus nun den Ältesten von Ephesus die letzten Instruktionen gibt, erinnert er sie noch einmal daran, wie er es gemacht hat: in Demut, mit Tränen und in Anfechtungen hat er 3 Jahre lang Tag und Nacht jeden Einzelnen ermahnt. Gericht und Gnade – den ganzen Ratschluss Gottes – hat er verkündigt ohne Rücksicht auf sich selbst. Er hat gearbeitet und gegeben. Nun sieht er Probleme von innen auf die Gemeinde zukommen, falsche Lehrer, die er als Wölfe bezeichnet. Als erstes sollen die Leiter auf sich selbst aufpassen. Sie stehen ganz vorne in der Schusslinie des Feindes. Stolz, Selbstbetrug, Verführung und Nachlässigkeit können sie von ihrer wichtigen Aufgabe abhalten, die Herde Gottes zu weiden und zu beschützen. Ja, nicht nur das Ernähren ist wichtig, sondern auch die Wachsamkeit, die Warnung und Verteidigung! Nachdem Paulus alles getan hat, was er konnte, übergibt er sie Gott und dem Wort seiner Gnade. Am Ende ist es nicht der Knecht, sondern der Herr selbst, der durch sein Wort seine Gemeinde schützt und nach Hause bringt.

Was nun folgt, ist eine Abschiedsszene mit vielen Tränen. Sie führt uns noch einmal die tiefe, warmherzige Beziehung zwischen dem Apostel und der Gemeinde vor Augen. Er liebte sie, und sie hingen an ihm. Sie würden sich erst in der Ewigkeit wiedersehen.

Werdet also Nachahmer Gottes – ihr seid doch seine geliebten Kinder – und lasst euer Verhalten von der Liebe bestimmen, so wie auch der Christus seine Liebe bewiesen hat, als er sein Leben für uns hingab. Er brachte sich als eine Opfergabe dar, an der Gott großes Gefallen hatte. (Epheser 5,1.29)

In Krisen ein Segen sein

churning-536850_640In Apostelgeschichte 27 erzählt Lukas die Geschichte vom Schiffbruch des Apostels Paulus. Ich fand es interessant, wie Paulus sich verhält, und dachte: Wie viel kann man da ganz praktisch von ihm lernen!

Bildquelle: Pixabay.com

1.Er scheute sich nicht zu sagen, was er auf sie zukommen sah: „Männer“, sagte er, „ich sehe große Gefahren auf uns zukommen, wenn wir die Reise fortsetzen. Wir riskieren nicht nur die Ladung und das Schiff, sondern auch unser Leben.“ ( Vers 10) Trauen wir uns das in der Gemeinde, Familie, am Arbeitsplatz, auch wenn wir nicht die eigentlich Verantwortlichen sind?

2. Als man nicht auf ihn gehört hat, war er nicht beleidigt und sagte sich: Mit denen rede ich nie mehr!

3. Er betete, nicht nur für sich, sondern für alle, die dabei waren. Er hatte kein Interesse daran, dass irgend jemand die Folgen falscher Entscheidungen tragen musste. Der Engel sagt ihm: Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir im Schiff sind! (Vers 24)

4. Er bekannte sich zu seinem Herrn und seinem Wort: Darum seid guten Mutes, ihr Männer! Denn ich vertraue Gott, dass es so gehen wird, wie es mir gesagt worden ist. (Vers 24) Er sagte nicht einfach: Kopf hoch, wird schon wieder! sondern nennt die Quelle seines Vertrauens: des Gottes, dem ich angehöre und dem ich auch diene. (Vers 23)

5. Obwohl er Gott vertraute, war er nicht passiv, sondern wachsam. Dadurch merkte er, dass die Matrosen sich absetzen wollten und konnte es verhindern (Verse 30,31).

6. Er ermutigte die Mitreisenden zu vernünftigem Verhalten und machte praktische Vorschläge: Leute, esst was! Ihr braucht eure Kraft! (Vers 34)

7. Er war durch seine positive Ausstrahlung und Handlungsweise ein Vorbild (Verse 35,36).

Wir lesen, wenn ich es recht sehe, nichts darüber, ob jemand durch sein Handeln und Reden zum Glauben gekommen ist. Aber Paulus war ein Werkzeug, um die Gnade und Treue und den Rettungswillen Gottes für diese Leute sichtbar zu machen, und das können wir auch sein, wenn wir uns in Krisen von Gott benutzen lassen.

Predigt-Nachlese: Biblischer Gemeindebau

Predigttext: Apostelgeschichte 11,21-30

Durch das Zeugnis einiger Männer, die sich wegen der Verfolgung in Jerusalem überall hin zerstreut hatten, waren in Antiochia viele Menschen mit nicht-jüdischem Hintergrund zum Glauben an Jesus gekommen. Daraufhin bekamen sie Besuch von Barnabas, der sie ermutigte, sich unbeirrt fest zu Jesus zu halten. Durch seinen Dienst wurden noch mehr Menschen zu Jüngern, und so brauchte Barnabas Verstärkung und machte sich auf den Weg nach Tarsus, um Paulus (Saulus) zu suchen. Er kannte ihn ja aus der gemeinsamen Zeit in Jerusalem, von wo Paulus damals fliehen musste, weil sich die Hellenisten durch sein freimütiges  Auftreten zu Mordplänen provoziert gesehen hatten. Paulus zu suchen, war kein ganz leichtes Unterfangen, denn er war immer unterwegs, aber Barnabas fand ihn und brachte ihn mit nach Antiochia.

Die beiden teilten ein Herzensanliegen:. Überall, wohin sie kamen, hatten sie ein und die selbe Botschaft für die Gläubigen: Haltet fest an der Gnade Gottes! Es liegt kein leichter Weg vor euch, aber bleibt standhaft im Glauben! Das war für Paulus nicht nur Theorie; er hatte jede Menge praktische Erfahrung damit! Was wird uns denn empfohlen, um Krisen und Bedrängnisse durchzustehen?

Die Jünger in Antiochia kamen nun ein ganzes Jahr lang in der Gemeinde zusammen. Über den Ort wird nichts gesagt, aber darüber, was dort stattfand. Sie wurden aus dem Wort Gottes gelehrt, ermahnt und ermutigt. Paulus und Barnabas taten das, was auch die Apostel in Jerusalem getan hatten: Sie konzentrierten sich ohne Unterlass aufs Gebet und den  Dienst der Verkündigung. Sie entwarfen keine Programme für sucherfreundliche Gottesdienste, Freizeitgestaltung oder Konzerte. Sie gebrauchten das Wort Gottes, um zu lehren, zu überführen und den Weg zu weisen, und dadurch wurden die Jünger zu einem Leben nach Gottes Willen ausgerüstet.

Die Frucht ihrer Arbeit wurde in der Gemeinde sichtbar. Die Gläubigen waren so geprägt durch Christus, dass ihre Umwelt ihnen den Namen “Christen” – die zu Christus Gehörenden – gab. Diese Bezeichnung schloss auch Spott und schlechte Behandlung  mit ein, aber sie trugen sie als Ehrennamen. Es kristallisierten sich unter ihnen Leiter heraus. Und sie hatten nicht nur einen Kopf voll Bibelwissen, sondern zeigten praktische Liebe! Als der Prophet Agabus eine Hungersnot voraussagte, beschlossen sie, den Geschwistern in Jerusalem finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen (Diese Hungersnot trat 44-46 AD ein). Nun halfen die Christen aus den Heiden den jüdischen Glaubensbrüdern, die ihnen am Anfang mit Zweifeln und Misstrauen begegnet waren! Jeder gab, was er konnte. Nichts zeigt deutlicher, was Gott an den Herzen getan hat, als wenn das Portemonnaie sich ohne Druck von außen für Notleidende öffnet! Der Geist Gottes macht liebevoll und großzügig aus Dankbarkeit, so dass wir Freude am Geben haben.

in Epheser 4 beschreibt Paulus noch mal das biblische Gemeinde-Wachstumsprogramm: Gott gibt die Mitarbeiter und geistlichen Gaben. Wie er nach Antiochia genau die Richtigen schickte, so tut er das auch heute noch – schließlich geht es um seine Gemeinde. Das Ziel dabei ist, die Heiligen zum Dienst zu befähigen und sie in der Wahrheit standfest und gegen Irrtümer immun zu machen. Dazu muss die Wahrheit in Liebe weitergegeben werden, und die Christen müssen belehrt werden, ihr Leben durch Gott verändern zu lassen, den alten Menschen abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gottes Bild erschaffen ist und dessen Kennzeichen Gerechtigkeit und Heiligkeit sind, die sich auf die Wahrheit gründen. Dann wirkt Christus als das Haupt die Selbst-Auferbauung der Gemeinde durch die Liebe.