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Christus genügt (Predigt-Nachlese)

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Bibeltext: Kolosser 1,15-29

Den Christen in Kolossä ging es ganz ähnlich wie uns heute: Die Kultur um sie herum war im religiösen Bereich offen für alles. Die griechische Philosophie war ein starker Einfluss. Ob Engel oder Visionen, asketische Übungen, Mystik, Regeln und Gesetze, die einzuhalten zu tieferer Erkenntnis befähigen sollten –  alles, was so unter dem Label “Spiritualität” gehandelt wird, war interessant.

Damals wie heute beeinflusste die umgebende Kultur auch die Gemeinde. Sie stand (und steht) in der Gefahr, für den spirituellen “Kick” das Evangelium zu verlassen oder “aufzustocken”, ihre Ethik am individuell empfundenen Glück auszurichten, und statt Gottes Wort als die absolute und unumschränkte Wahrheit anzuerkennen, sich die Rosinen herauszupicken, die man persönlich als “wahr für mich” hält und den Rest zu verwerfen.

Das einfache Evangelium der Gnade Gottes ist dann schnell nicht “spirituell” genug. Man braucht noch geistliche Übungen und muss noch andere Quellen anzapfen, um tiefer und weiter zu kommen.

Epaphras, der Paulus so viel Gutes über die Kolosser erzählte, sah diese Gefahr und berichtete dem Paulus davon. Das war mit ein Anlass für den Brief, den Paulus ihnen dann schrieb.

Christus genügt! schrieb er ihnen. Höher und weiter kann es nicht gehen! Er ist Gottes Manifestation, ihm in allem völlig gleich. Durch ihn und an ihm erkennen wir Gott. Alles, was Gott ist, ist in Jesus reflektiert und offenbart. Er ist kein Geschöpf, sondern der Schöpfer. Das Sichtbare wie das Unsichtbare hat er gemacht. Wie sollte uns das Geschaffene mehr über Gott offenbaren können als er selbst? Er ist auch das Haupt der Gemeinde, und die Versöhnung mit Gott kommt nur durch ihn. Nun sieht Gott uns in Christus, und dadurch sind wir in seinen Augen heilig, tadellos und unsträflich. Das allein ist unsere Garantie, eines Tages in Vollkommenheit sein Angesicht zu sehen.

Lasst euch nicht durch den aus Stolz und Undankbarkeit geborenen Wunsch nach Mehr, nach dem geistlichen Kick, nach elitärer Spiritualität von der einzigen Hoffnung wegziehen! Bleibt bei der Wahrheit, die ihr erkannt habt! ermahnt Paulus sie und uns. Die Hoffnung der Herrlichkeit ist Christus in euch, und er genügt!

Christus ist alles, was wir brauchen. Alles “Mehr” ist nur eine gefährliche Illusion. Er war der Inhalt von Paulus’ Verkündigung, und diese Botschaft ist auch heute noch wahr und allen Einsatz wert!

Altwerden und die Hoffnung festhalten – was ich von Simeon und Hanna lernen möchte

Aert de Gelder [Public domain], via Wikimedia Commons

Heute mal keine Predigt-Nachlese, sondern einige persönliche Gedanken zum Thema …

Simeon und Hanna sind meine Vorbilder, wenn ums Altwerden geht. Über beide hab ich schon öfters geschrieben –  hier z.B. und hier ausführlicher über Hanna. Die beiden sind lebende Illustrationen für den Vers, den ich gerade auswendig gelernt habe:

Lasst uns nun das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten, denn treu ist ER, der die Verheißung gegeben hat. (Hebräer 10,23)

Die Beiden hatten nicht nur eine Hoffnung – sie lebten darin. Man konnte das daran erkennen, wo sie sich aufhielten, wofür sie sich einsetzten, wovon sie sprachen. Wenn in einem Menschen die Hoffnung auf Christus lebt, dann kann das nicht unbemerkt bleiben! Ich stelle mir Simeon so ein bisschen vor wie meinen 88jährigen Vater. So oft wir telefonieren oder uns begegnen, landen wir bei einem Thema, der Wiederkunft des Herrn. Das ist der Fixpunkt, der sein Leben bestimmt, und deswegen kommt das aus allen Poren.  Da führt kein Weg dran vorbei (und nicht etwa, weil ihm sonst nichts einfällt – er liest noch viel, sogar englische Romane, um seine Sprachkenntnisse aufzubessern!). So ähnlich wird der alte Simeon immer zu einem Thema zurückgekehrt sein: Der Trost Israels kommt, und ich werde ihn sehen. Vielleicht hat seine Umgebung schon die Augen verdreht, aber er hielt unentwegt daran fest, weil er wusste, wer ihm das versprochen hatte!

Und dann ist da diese Hanna. Ich möchte gern so werden wie sie! Ich möchte  im Alter nicht darum kämpfen, aus diesem Leben noch so viel wie möglich rauszuholen. Für wie viele Menschen ist Krankheit und Tod deswegen so bedrohlich, weil sie sich nur am Leben fühlen, wenn sie Skiurlaub an Kreuzfahrt reihen können, wenn sie Geld genug haben für jeden Komfort. Man macht sich eine Bucket List von Dingen, die man unbedingt noch erleben und sehen muss, ehe man die Augen zumacht. Auf Hannas Bucket List standen drei Dinge: Auf den Erlöser warten, Hingabe an Gott mit Beten und Fasten, von Ihm reden. Mehr wollte sie nicht, und wer glaubt, ihr Leben sei leerer gewesen als das einer Weltreisenden, weil sie sich immer nur im Tempel in Jerusalem aufhielt, der hat vom Glück der Gegenwart Gottes noch nichts verstanden. Hanna hatte ein volles, gesegnetes Leben – in Hoffnung, in Selbstverleugnung und in voller Annahme der Beschränkungen, die das Leben ihr auferlegt hatte. Am Ende durfte sie den sehen, an den sie geglaubt hatte.

So möchte ich alt werden. Egal, was kommt, loben und danken und beten geht immer! Der Zutritt zum Heiligtum ist sogar für mich in noch vollkommenerer Weise offen wie für Hanna – ich brauche keinen irdischen Tempel mehr. Und wie Hanna werde ich die Hoffnung festhalten und alles auf eine Karte setzen. Am Ende werde ich IHN sehen.

Übrigens, die Geschichte von Simeon und Hanna ist in der Bibel hier zu finden.

Grund zur Freude

Freut euch im Herrn allezeit! steht in Philipper 4,4. Das ist ein göttlicher Befehl. Wann sollen wir uns freuen? Im Advent? Auch! An Weihnachten? Auch! Aber hier steht „allezeit“!

Echt jetzt? Auch wenn alles schief geht, mich keiner versteht, ich keinen Job finde, meine Ehe unglücklich ist, oder ich keinen Mann finde oder keinen mehr habe, wenn das Leben nur Arbeit und Stress ist, der Chef oder der Lehrer immer meckert, das Geld nicht langt bis zum Ende des Monats, ich chronisch krank bin oder vielleicht nicht mehr lange zu leben habe? Falls jemand noch unsicher ist, ob es wirklich so gemeint ist, geht der Vers noch weiter: Und wiederum will ich sagen: freut euch!

Also, es gibt vor diesem göttlichen Befehl kein Entrinnen. Aber wie soll ich das denn machen? Wie freut man sich denn im Herrn?

Als am ersten Weihnachtstag der Engel mit den Hirten spricht, sagt erFürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird. Denn euch ist heute ein Retter geboren, der ist Christus, der Herr, in Davids Stadt. Und dies sei euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. (Lukas 2,10.11)

Sie haben dieses Kind ge0006funden. Danach waren sie immer noch Hirten, ohne Ansehen in der Gesellschaft, immer noch arm, und nachts war es immer noch kalt. Was also hatte sich geändert? Sie hatten den IMMANUEL gefunden, den Gott, der mit uns ist (denn das bedeutet Immanuel), der unser Leben teilt, und damit sie es ganz sicher wissen konnten, lag er in einer Krippe, war mit ihnen bei den Schafen sozusagen. Sie mussten sich nie mehr fragen, ob Gott sich für sie interessiert. Er war auf sie zugekommen. Und auch wir müssen uns das nie mehr fragen. Wir wissen noch viel mehr über ihn, als diese Hirten überhaupt ahnen konnten. Das war ja erst der Anfang.

Ich war ja vor kurzem im Krankenhaus, und ich hab gemerkt: Mit Jesus kann man sich auch im Krankenhaus freuen. In der 2. oder 3. Nacht konnte ich nicht schlafen, wahrscheinlich, weil ich am Tag so viel geschlafen hatte. Das Gute am Krankenhaus ist: man muss am nächsten Tag nicht aufstehen und zur Arbeit, also kann man das ganz gelassen nehmen. Zudem hab ich mir mal geschworen, dass der Teufel meine schlaflosen Nächte nicht kriegt, indem ich mir einen Kopf mache über alles, was ich sowieso nicht ändern kann, und über Zweifeln und Fragen brüte. Ein müdes Hirn ist auch denkbar ungeeignet, um Probleme zu lösen. Ich will mich lieber mit dem beschäftigen, der immer wach genug ist, um mit all meinen Problemen fertig zu werden. Also hab ich für mich eine ganz einfache Methode entwickelt, indem ich nach dem Alphabet Eigenschaften Gottes suche oder Bibelverse, die mir einfallen, manchmal auch Liedverse. Das Alphabet ist dabei so eine Art Geländer, wo sich die Gedanken entlanghangeln können, damit sie wissen, wo sie suchen können. Ich kann euch das nur wärmstens empfehlen! Da kann es einem passieren, dass man trotz wenig Schlaf morgens sagt: Danke Herr, das war eine erfrischende Nacht! Die möchte ich um keinen Preis vermisst haben!

In dieser Nacht im Krankenhaus also kam mir die Idee, in meiner Erinnerung rumzukramen und Bezeichnungen von Jesus in der Bibel zu suchen. Und bei A fiel mir gleich was ein: In 1. Petrus 2,25 steht: Denn ihr gingt in der Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen.

Das war schon gleich ein Volltreffer! Ja, ich war einmal ein Mensch, der ohne Gott in dieser imageWelt herumgeirrt ist wie ein Schaf, das sich verirrt hat. Aber ich bin nach Hause gekommen, und ich hab jetzt einen Aufseher. In manchen Übersetzungen heißt es, Hüter oder Beschützer, aber mir gefällt das Wort „Aufseher“. Ein Aufseher ist einer, der regelmäßig nach einem schaut, ob alles in Ordnung ist, der die Verantwortung übernimmt für dich. Der dir auch mal einen Schubs in die richtige Richtung gibt, wenn du vom Weg abkommst, der guckt, dass du alles hast, was du brauchst, der dich gegen deine Feinde beschützt. Ich fühlte mich so geborgen, als ich darüber nachdachte. Ich kann mein Leben Jesus in die Hände legen, und er übernimmt die Verantwortung. Es macht gar nichts, wenn ich so ein Schaf bin und alleine nicht klar komme. Das einzige, was ich machen muss ist: vertrauen. Ich muss zurückkehren und ihm sagen: Ich hab mich verirrt. Ich hab´s verbacken. Ich hab gedacht, ich weiß es besser, und ich hab mein Leben gegen die Wand gefahren. Ich brauch dich, und ich spreche dir ein für alle Mal mein Vertrauen aus. Mach mit mir, was du willst, du machst es richtig. Es bringt nichts, dem Aufseher meiner Seele eine halbe Vollmacht zu erteilen. Eine halbe Vollmacht ist ein ganzes Unglück. Du wirst dann nie glücklich sein und diese Freude im Herrn nicht finden.

Ich will jetzt nicht das ganze Alphabet mit euch durchmachen. Ich picke nur ein paar raus, obwohl ich mich über alle 82 gefreut habe, die ich dann auch in den nächsten Tagen noch gefunden habe!

0001Jesus ist mein Bruder. Das Kind in der Krippe hat mich zu seinem Bruder gemacht! Ich würde es gar nicht wagen, das zu sagen, wenn er es nicht selbst gesagt hätte. Hebräer 2,11 sagt (NL):  So haben nun Jesus und alle, die er heiligt, denselben Vater. Deshalb schämt sich Jesus nicht, sie seine Brüder zu nennen. Wir konnten das nicht beschließen, dass wir seine Brüder werden, aber er kann beschließen, uns in seine Familie aufzunehmen. Ein paar Verse weiter wird es näher erklärt, was das bedeutet: Da Gottes Kinder Menschen aus Fleisch und Blut sind, wurde auch Jesus als Mensch geboren. Denn nur so konnte er durch seinen Tod die Macht des Teufels brechen, der Macht über den Tod hatte. Nur so konnte er die befreien, die ihr Leben lang Sklaven ihrer Angst vor dem Tod waren. Wir wissen ja, dass Jesus kam, um den Nachkommen Abrahams zu helfen, nicht den Engeln. Deshalb musste er in allem seinen Brüdern gleich werden, damit er vor Gott unser barmherziger und treuer Hoher Priester werden konnte, um durch sein Opfer die Menschen von ihrer Schuld zu befreien. Da er selbst gelitten und Versuchungen erfahren hat, kann er denen helfen, die in Versuchungen geraten.

Jesus wollte uns so gerne in seiner Familie haben, dass er sein Leben dafür geopfert hat. Eigentlich sind wir Brüder und Schwestern zum Schämen, aber er schämt sich nicht. Wir denken manchmal, wir sind Helden, wenn wir uns zu Jesus bekennen, aber der eigentliche Held ist Jesus, der sich nicht schämt, sich zu uns zu bekennen. Als ich zu ihm kam, wusste er schon, was für einen Mist ich gebaut hatte und leider auch noch bauen würde. Jeden Tag könnte Jesus sich für mich schämen! Aber er tut es nicht, auch wenn er natürlich daran arbeitet, dass ich lerne, mich nach den Familienregeln zu benehmen. Er weist mich zurecht, aber er schmeißt mich nicht raus.

Wenn ich mein Leben ihm anvertraut habe, dann ist er mein Fürsprecher (oder Anwalt) bei Gott. Der Apostel Johannes schreibt in seinem 1. Brief: Meine Kinder, ich schreibe euch das, damit ihr nicht sündigt. Aber wenn es doch geschieht, dann gibt es jemanden, der vor dem Vater für euch eintritt: Jesus Christus, der vor Gott in allem gerecht ist. Er ist das Opfer für unsere Sünden. Er tilgt nicht nur unsere Schuld, sondern die der ganzen Welt.

Es ist was Tolles, wenn Christen füreinander beten und eintreten. Das tröstet uns irgendwie. Eimages ist total wichtig, dass wir füreinander beten. Aber der allergrößte Trost ist mir, dass ich weiß, dass Jesus im Himmel beständig für mich eintritt. Wenn ich sündige und zerknirscht bei Gott ankomme, dann sagt er: Mein Blut hat für sie bezahlt. Aber nicht nur das. Zu Petrus hat er, schon bevor der ihn überhaupt verleugnet hatte, gesagt: Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhört. (Lukas 22,32) Was für eine Liebe ist das! Jesus weiß, sein bester Freund wird behaupten, er hätte ihn nie gekannt. Einen schlimmeren Verrat und eine größere Enttäuschung kann es kaum geben. Und wofür betet er? Dass dieser untreue Freund nicht alles hinschmeißt, wenn er merkt, was er da getan hat. Dass er nicht verzweifelt an seiner Schuld und sich traut zurückzukommen. Ich bin so froh, dass Jesus so für uns betet. Ich will mir gar nicht ausmalen, wo ich wäre ohne seine Gebete!

Den Hirten verkündigt der Engel, dass Jesus der Retter ist. Was bedeutet das? Einen Retter braucht man nur, wenn man in einer großen Not ist, aus der man sich nicht alleine befreien imagekann. Von was Jesus uns retten will, hat ein anderer Engel dem Joseph so gesagt: Er wird sein Volk retten von ihren Sünden. (Matthäus 1,21). Wir Menschen wissen instinktiv, dass wir in Not sind durch unsere Sünde. Selbst wer gar nicht viel von Gott weiß, versucht ständig seine Sünde zu verstecken oder zu entschuldigen. Wenn uns bewusst wird, wie sehr Gott unsere Sünde hasst, und dass wir eines Tages vor ihn treten müssen und gerichtet werden – dann wird uns auch klar, dass wir einen Retter brauchen. Jesus rettet uns vor dem kommenden Zorn (1.Thessalonicher 1,10).

Denn Jesus ist Gottes Lamm. „Das ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ rief Johannes der Täufer und wies dabei auf Jesus (Johannes 1,29). Als ich
darüber nachdachte, fiel mir auf, dass es nicht heißt: Das ist euer Lamm. Eigentlich müssen ja die Schuldigen ein Lamm bringen, ein Opfer, um mit Gott wieder ins Reine zu kommen. Aber das konnten wir gar nicht. Wir hatten nichts, was dazu ausgereicht hätte. Da hat Gott selber das Lamm gestellt. Völlig freiwillig ist Jesus in diese Welt gekommen, um für uns zu sterben. Er hat getan, was wir nicht tun konnten, um unser Problem zu lösen.

Wenn wir dann dieses Opfer angenommen haben, wie geht es dann weiter?

Als Kind hab ich oft gedacht: Bei mir hat das alles keinen Sinn. Ich kann sowieso nie so leben, wie Gott das will. Ich krieg das nicht hin. Ich brauch gar nicht erst anzufangen. Aber
als ich dann zu ihm kam, hab ich gemerkt: Er kriegt das hin. Er hat eine Kraft für mich, die das möglich macht. Er ist der Weinstock, und ich bin die Rebe. Wenn ich an ihn angeschlossen bin, hab ich seinen „Saft“ in mir. Ich muss gar nichts können. Er macht das, und er lehrt mich, in diesem Prozess mitzuwirken und zu wachsen. Denn Jesus, den seine Jünger „Lehrer“ nannten, ist der Pädagoge par excellence. So oft sage ich zu ihm: Herr, ich weiimageß, dass das und das sich ändern muss! Aber ich weiß nicht wie! Bring mir das doch bei! Und er tut es. Manchmal dauert es, weil ich keine einfache Schülerin bin, und er erst mal an die Wurzeln der Probleme gehen muss, aber er schafft das.

Last but not least ist Jesus der Kommende. Nur noch eine kurze Zeit, dann wird der erscheinen, der kommen soll, und sein Kommen wird sich nicht verzögern, heißt es in Hebräer 10,37. Darauf hat die Gemeinde Gottes immer gewartet.image

Das ist a0011uch ein Grund zu großer Freude! Jesus ist der Christus. Er ist der König, den Gott gesalbt hat, um ein ewiges Friedensreich zu regieren. Wenn uns die Umstände in dieser Welt niederdrücken, alle möglichen Ängste uns plagen, und wir gar kein Licht mehr am Ende des Tunnels sehen, dann haben wir die Zusage, dass Gott einen König eingesetzt hat, der in Gerechtigkeit regieren wird, wenn die Zeit gekommen ist. Bis dahin ist er für uns der
Morgenstern, der ankündigt, dass die Sonne bald aufgeht.

Aber eine noch festere Grundlage haben wir im prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten wie auf ein Licht, das an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht. (2.Petrus 1,19) Wir haben eine sichere Zukunft, wenn wir uns Jesus anvertraut haben, auch wenn dazwischen vielleicht noch Leidenszeiten liegen.

Man muss allerdings auch dazu sagen: Wenn er wiederkommt, dann wird das nicht für 0005jeden Grund zur Freude sein. Denen, die sein Angebot zu Umkehr und Vergebung ablehnen, die gar kein Bedürfnis fühlen gerettet zu werden, die sich völlig in Ordnung fühlen, die kein Lamm und keinen Fürsprecher und keinen Erzieher und keinen Weinstock brauchen – die werden dann von ihm gerichtet werden, und ihre Selbstgerechtigkeit wird zerbröseln. Aber dann ist es zu spät. Aber für die, die ihm gehören, wird es eine vollkommene und nie mehr getrübte Freude sein. Wenn man bedenkt, wie wir hier schon in Anbetung und Freude schwelgen, wenn wir uns mit ihm beschäftigen, was wird das erst in der Ewigkeit sein! Das sprengt unser Vorstellungsvermögen.

Ich möchte uns zum Schluss zwei Arten von Fragen stellen. 1. Gehörst du schon zu diesem Jesus? Wenn nicht, dann lädt er dich heute ein, zu ihm zu kommen. Schieb es nicht auf! Und 2. Wenn du ihn kennst, genießt du ihn richtig? Christen haben ein Geheimleben, hast du das schon gewusst? In Kolosser 3 heißt es: Denkt nicht an weltliche Angelegenheiten, sondern konzentriert eure Gedanken auf ihn! Denn ihr seid gestorben, als Christus starb, und euer wahres Leben ist mit Christus in Gott verborgen. Die Welt kann es nicht sehen, aber sie merkt es, und das trotz unserer Fehler und Schwächen, die wir noch haben. Lasst uns unser wahres Leben leben! Wir sind in ihm reich gemacht und haben alles, was wir brauchen. Weihnachten ist nicht Kerzenromantik, Familie und Geschenke, so schön das alles ist. Das Wesentliche an Weihnachten ist: Immanuel, Gott mit uns in Jesus!

Sehen – verstehen – leben (Predigt-Nachlese)

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Predigttext: Epheser 1,15-23

Nachdem Paulus den Ephesern so viel darüber geschrieben hat, was es bedeutet, erlöst zu sein, betet er für sie. Information ist gut, aber sie muss vom Kopf ins Herz und ins Leben! Deshalb bittet er um den Geist der Weisheit und der Offenbarung. Sie (und wir) brauchen eine fortwährende Erinnerung daran, was wir schon haben. Christus ist genug. Wir brauchen keine höheren Offenbarungen, keine tieferen Erfahrungen, keine zusätzlichen Gesetze, keine überschwenglichen Emotionen und keine psychologische Lebenshilfe. Uns ist alles geschenkt, was wir zu einem Leben in Gottesfurcht brauchen, und was man uns sonst noch andrehen will, ist nur Betrug und von Übel! Stattdessen sollen wir unsere Wurzeln tief in Christus hineingraben und fest auf dem Grund stehen, der uns unter die Füße gelegt wurde.

In diesem Prozess des Erkennens, Verstehens und In-Besitz-Nehmens wird unser Denken und unser Leben verändert. Dazu brauchen wir den Heiligen Geist, denn er ist es, der uns erinnert und lehrt und uns beständig unserer Zugehörigkeit zu Christus versichert.

Und nicht nur unsere Segnungen sollen wir erkennen, sondern auch die Größe der Kraft Gottes. Im Vers 19 wird diese Kraft in vier verschiedenen Ausdrücken beschrieben:

die überwältigende Größe seiner Kraftwirkung (dunamis) an uns , die wir glauben, gemäß der Wirksamkeit (energeia) der Macht (kratos)  seiner Stärke (ischus)

Wie zeigt sich nun diese göttliche Kraft, und was bewirkt sie in uns?

Wir können uns in all dem auf die Kraft und Größe unseres Retters Jesus Christus verlassen. Niemand ist ihm überlegen, niemand macht seine Absichten für uns zunichte. In ihm sind wir sicher. In diesem Vertrauen können wir uns ihm ganz zur Verfügung stellen. Das ist die Schnittstelle von Erkenntnis und einem Leben in dankbarer Hingabe, das sich so äußert:

Liebe muss echt sein, ohne Heuchelei! Verabscheut das Böse, haltet am Guten fest! Seid einander in herzlicher geschwisterlicher Liebe zugetan! Übertrefft euch in gegenseitigem Respekt! Werdet im Fleiß nicht nachlässig, lasst den Geist Gottes in euch brennen und dient so dem Herrn! Freut euch, weil ihr Hoffnung habt, bleibt standhaft in Bedrängnis, seid treu im Gebet! (Römer 12, 9-12

Predigt-Nachlese: Leben im Geist – ganz praktisch

Predigttext: Galater 6

Wir sind frei vom Gesetz und leben durch den Heiligen Geist. Aber wie sieht das im Alltag aus?

Wir werden immer noch versucht und können von der Sünde überrascht und überrannt werden. Niemand sollte denken, dass ihm das nicht passieren kann! Wir brauchen dann weder jemand, der unsere Sünde kleinredet oder ignoriert, noch jemand, der noch drauftritt, wenn wir am Boden liegen. Wir brauchen jemand, der uns zurechthilft, und das braucht manchmal Zeit. Und deswegen müssen wir auf der einen Seite wachsam sein und beten, dass wir nicht selbst versucht werden, und auf der anderen Seite bereit sein, dem beizustehen, der in Sünde gefallen ist. Allerdings setzt das voraus, dass derjenige das auch will und nicht etwa an seiner Sünde festhält und einen Friedensvertrag mit ihr geschlossen hat.

Das Gesetz Christi ist sein neues Gebot der Liebe zueinander. Dazu gehört, dass man das mit trägt, was der Bruder oder die Schwester alleine nicht tragen kann. Allerdings muss man sich vor dem Umkehrschluss hüten, dass die anderen für meine Probleme zuständig und sozusagen verpflichtet sind, mir zu helfen, und ich das fordern könnte. Das Evangelium befreit von dieser “Ich-im-Zentrum”-Perspektive. Wir können die sein, die damit anfangen, uns nach hinten zu stellen und den Nächsten nach vorn!

Was uns daran hindert, ist unser Stolz. Sind wir uns zu gut, um anderen zu dienen? Unser Stolz ekelt Gott – er ist ihm widerlich. Stolz ist der Grund, warum Menschen in die Hölle gehen. Den Ungläubigen hindert er, seine Verlorenheit und Schwachheit anzuerkennen und zu Jesus um Hilfe zu schreien.  Aber auch wir Gläubigen können geistlichen Stolz entwickeln, und das war das Problem der Galater. Stolz macht uns blind für unsere eigene Sünde und lässt uns auf denen herumhacken, die unsere Gesetze nicht befolgen. Wenn wir mal genau in den Spiegel gucken, werden wir unsere Schwachpunkte schon sehen, und dann haben wir genug an der Verantwortung für unsere eigenen Fehler und können uns über niemanden erheben.

Die Liebe gebietet uns auch, die zu unterstützen, die uns das Wort Gottes lehren. Sie nehmen damit eine gewaltige Verantwortung auf sich, denn Gott verlangt von ihnen Rechenschaft für das, was sie sagen (oder nicht sagen). Deswegen ist das auch nichts, worum man sich reißen sollte! Hier ist vor allem an materielle Güter gedacht, aber auch an geistliche Gemeinschaft, an Fürbitte, an das Abnehmen von Tätigkeiten, die den  zum Lehrdienst Beauftragten an seiner eigentlichen Aufgabe hindern (vgl. Apg.6).

Unser ganzes Leben funktioniert eigentlich nach dem Natur-Prinzip von Saat und Ernte. Wenn du Weizen säst, wächst kein Mais. Aus Apfelkernen entsteht kein Kartoffelbaum. Wer auf seine eigene Natur sät, wird von ihr den Tod ernten. Wer auf den Geist Gottes sät, wird von ihm das ewige Leben ernten. Das was du erntest, wird wesensmäßig dem entsprechen, was du gesät hast. Wir denken da oft unlogisch. Wir leben unserer eigenen Lust und wundern uns, dass wir die Gemeinschaft mit Gott verlieren. Wenn wir jede Gelegenheit ergreifen, um Gutes zu investieren, vor allem in die Gemeinde, die Familie Gottes, dann wächst auch Gutes. Wenn wir uns gehen lassen und unsere eigenen Interessen verfolgen, wird eine vergiftete Atmosphäre das Ergebnis sein.

Bei den Galatern gab es solche Menschen, die die ganze Gemeinde durcheinander brachten. Paulus deckt hier ihre wahren Motive auf. Sie wollen Ansehen in der jüdischen Community, und dafür opfern sie die Freiheit der anderen und drängen sie, sich beschneiden zu lassen. Sie wollen die Verfolgung und das Ärgernis des Kreuzes vermeiden. Der Teufel will uns immer einreden, es ginge auch ohne das Kreuz, und mit ein paar Kompromissen könnten wir die Härten entspitzen und das Ansehen der Gesellschaft gewinnen. Für Paulus dagegen ist das Kreuz die Mitte seines Lebens und seiner Botschaft. Es verurteilt sowohl die zügellose Sünde als auch die selbstgerechte Religiosität. Diese Dinge liegen hinter ihm; er ist ihnen gegenüber tot. Er weiß, dass vor Gott nicht zählt, wer wir sind und was wir tun, sondern nur die neue Schöpfung, Gottes eigenes Werk. Gottes Gnade genügt uns, und auf diesem Weg ist Frieden und Barmherzigkeit. Für diese Erkenntnis und für dieses Evangelium hat er so viel gelitten, und darum wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass die Galater und auch wir fest dabei bleiben!

Alt werden und glücklich sein

Mein Papa wird heute 88 Jahre alt. Am Donnerstag konnte ich ihn besuchen, und wir hatten einen langen Gedankenaustausch über das Kreuz Jesu: Was da geschehen ist, was es für Gott bedeutet hat, wie Jesus den Willen Gottes so vollkommen erfüllt hat. Als ich nach Hause fuhr, dachte ich: Wie viele alte Väter wird es wohl geben, deren Freude es ist, sich mit ihrer Tochter über dieses Thema zu unterhalten? Die die Heilige Schrift ein- und ausatmen? Die dankbar sind? Ich bekomme es manchmal bei Kollegen mit, wie unerträglich um sich selbst kreisend und dickschädelig alte Eltern sein können.

Es ist nicht so, dass ich meinen Vater idealisieren will. Aber so zu sein im Alter, genügsam, zufrieden und mit den Dingen Gottes in Herz und Sinn – das scheint mir ein erstrebenswertes Ziel.

Es gibt so viele verschiedene Arten, wie man alt werden kann. Man kann wie Salomo von einem weisen jungen Mann zu einem halbherzigen alten Synkretisten werden, oder wie Eli am Schluss feststellen, dass man schreckliche und unwiderrufliche Fehler gemacht hat. Man kann wie Mose bis zum letzten Tag im Dienst stehen und einen Nachfolger heranziehen oder wie Paulus, alt und im Gefängnis, immer noch vor Liebe zum Herrn und zu den Geschwistern brennen und sich für andere einsetzen. Wie Isaak kann man in “Torschlusspanik” versuchen, in seinem Testament den eigenen Willen durchzusetzen, oder sich wie Jakob dabei von Gott leiten lassen.

Wie wir alt werden, entscheidet sich in den meisten Fällen nicht von heute auf morgen. Salomos Abtrünnigkeit hat sich schleichend entwickelt, weil er Gottes Wort nicht beachtete. Der Eifer eines Paulus, die Treue eines Mose sind im Alter wie reife Früchte, die lange vorher geknospt und angesetzt haben. Jakob hat sich von Gott durch alle Nöte seines Lebens zum “Israel” formen lassen.  Aber auch das gibt es, dass ein alter Manasse sich noch bekehrt, selbst wenn der Schaden, den er angerichtet hat, nicht mehr zu kitten ist.

Der große Vorteil des Alters ist, dass die Dinge der Welt, wie Barsillai feststellte, “geschmacklos” werden. Wenn die Erde verblasst, wird der Himmel deutlicher und farbiger. Gebe Gott, dass wir keine selbstsüchtigen, egozentrierten alten Narren werden, die versuchen, aus dem letzten bisschen Erdenleben so viel Vergnügen wie möglich rauszuholen, sondern ihm in “Gottseligkeit mit Genügsamkeit” dienen bis zum Schluss!

Predigt-Nachlese: Gott gibt sich zu erkennen

Predigttext: Apostelgeschichte 17,16-34

Als Paulus sich in Athen aufhielt und auf Silas und Timotheus wartete, begegneten ihm Götterbilder auf Schritt und Tritt. Die Athener waren so religiöse Menschen – und so verloren! Es brach ihm das Herz.

Er ging nicht mehr nur in die Synagoge, um mit den Juden und gottesfürchtigen Griechen zu reden, sondern er begann, auch auf dem Marktplatz Menschen in Gespräche zu verwickeln. Die Athener waren einerseits sehr stolz auf ihre Kultur, die allerdings ihre Glanzzeit schon überschritten hatte, andererseits aber auch neugierig und aufgeschlossen, immer auf Neues erpicht und diskussonsfreudig. Da gab es neben anderen Philosophen die Epikureer und die Stoiker, die das Glück auf ihre jeweilige Weise suchten – die einen durch Lebensgenuss, die anderen durch Tugend und Pflichterfüllung. Für sie war Paulus, der in keine ihrer Schubladen passte, ein komischer Vogel. Andere merkten, dass es hier irgendwie um Gott oder Götter ging. Sie alle wollten gerne seine neue Lehre ihrem Markt der Ideen zufügen, und so luden sie ihn ein, ihnen zu erklären, um was es ihm ging.

So fand sich Paulus plötzlich mitten auf dem Areopag wieder. Er knüpfte an das an, was er beobachtet hatte: Ihr sucht die Antworten an vielen falschen Orten. Ich habe eure Heiligtümer betrachtet und einen Altar gesehen, der dem unbekannten Gott geweiht war. Ich sage euch jetzt, wer das ist! Tatsächlich hatten sie so einen Altar errichtet: Falls es einen Gott geben sollte, den sie nicht kannten, wollten sie  ihn nicht kränken – wer weiß, was er ihnen sonst antat und welche Plagen er über sie brächte!

Paulus legte ihnen nicht die Schrift aus, wie er es bei den Juden immer tat, denn die kannten sie ja gar nicht und hätten nichts damit anfangen können. Aber der Gott, von denen er ihnen erzählte, ist der Gott der Bibel. Er fasste die Schöpfungsgeschichte zusammen: Dieser Gott hat alles erschaffen. Er ist größer als alles, was Menschen gemacht haben. Er braucht nichts von uns, aber wir sind nichts ohne ihn. Er ist unser Ursprung, und deswegen haben wir zugleich die Sehnsucht und die Verantwortung, ihn zu suchen und zu ihm zurück zu finden. Die ganze Menschheit ist eine Familie, und es ist nur dieser eine Gott über ihr. Menschen können ihn nicht machen und nachbilden, aber er hat sich uns offenbart.

Dann sprach Paulus von Jesus. Er hat sicher mehr gesagt, als in unserem Text steht; es handelt sich hier nur um eine Zusammenfassung. Er sprach von dem Mann den Gott gesandt hat, der starb und auferweckt wurde, und der die ganze Welt richten wird. Von dem Anspruch Gottes, sich diesem Jesus unterzuordnen, seinen alleinigen Anspruch anzuerkennen. Er lässt sich nicht zu ihren Götzen hinzufügen, er verlangt Buße: Hinkehr zu ihm, Abkehr von allen anderen Heils-Hoffnungen.

Wie immer spaltete die Botschaft von Jesus die Zuhörer. Die einen spotteten. Die anderen mussten noch mal nachdenken und brauchten erst noch mehr Information. Die dritte Gruppe antwortete mit Glauben und schloss sich Paulus an.

Wir können von Paulus lernen, wie wir das Evangelium denen weitergeben können, die keine Vorkenntnisse haben: Wir knüpfen an ihr Verständnis an. Wir erschlagen sie nicht mit Bibelversen, aber in dem, was wir sagen, halten wir uns inhaltlich an die Heilige Schrift und folgen ihrer Chronologie. Wir verkünden die Gnade und den Anspruch Jesu. Es gibt keinen Weg an ihm vorbei. Durch ihn kennen wir Gott. Wer ihn hat, hat das Leben und braucht keinen anderen Götter mehr – der  sucht sein Heil weder bei Götzen aus Holz und Stein noch bei Ruhm, Geld oder Philosophie oder gar in sich selbst.