Schlagwort-Archive: Dankbarkeit

Dankbar

balls-1284418_1920

Ich liege im Bett mit Wollpulli und noch einer Strickjacke drüber, zugedeckt, Schal um den Hals. Ich bin einfach platt, mein Kopf kann nichts Gescheites produzieren, der Rest vom Körper noch viel weniger. Aber sogar durch meine geschlossenen Augenlider kann ich spüren, wie hell es im Raum ist. Die wunderbare Sonne draußen gewährt mir einen kleinen Anteil an der Frühlings – Vorfreude der Natur durch das Dachfenster. Licht! denke ich. Wie gut es der Seele tut!
Ich habe so viele Gründe, dankbar zu sein! Ich habe hier ein weiches Bett und so viele Decken, wie ich brauche. Ich habe Heizung und muss nicht frieren. Ich habe sogar den Luxus einer Badewanne, in der ich heute morgen meine müden verkrampften Muskeln entspannen durfte. Das allein sind schon Dinge, die die meisten Menschen auf der Welt nicht besitzen, auch nicht jeder in Deutschland.
In solchen Situationen denke ich oft an meine Glaubensgeschwister, die in Gefängnissen und Lagern sind z.b. in Nordkorea. Wenn sie krank sind, hat niemand Mitleid mit ihnen. Sie müssen trotzdem arbeiten, bis sie umfallen. Ich dagegen rufe meine Chefin an und sage ihr, dass ich zwei Wochen krankgeschrieben bin. Ich weiß, dass sie wirklich ein Problem hat, wenn einer von uns ausfällt, trotzdem wünscht sie mir freundlich gute Besserung und macht mich nicht zur Minna. Ich bin auch dankbar für das Land, in dem ich lebe,  wo es eine Sozialversicherung gibt. Ich muss nicht fürchten, dass ich meine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, es gibt Lohnfortzahlung und insgesamt mehr Hilfen, als die  Mehrzahl der Erdbewohner je erträumen könnte. Ich habe liebe Menschen um mich herum, die mich fragen, ob ich was brauche (obwohl ich dankenswerterweise alles da habe). Mein Schwiegersohn bringt mir sogar Hühnersuppe!
Das alles macht mich dankbar! Nichts davon ist mein Verdienst. Noch viel mehr macht mich dankbar, dass ich in Jesus Christus einen Freund und Bruder habe, der mein Menschsein und meine Schwachheit nachvollziehen kann. Beten klappt gerade schwer, ich kann mich nicht so konzentrieren wie sonst. Aber ich muss mich nicht aufpeitschen und irgendwelche Leistungen bringen. Jesus kommt für alle meine Mängel auf. Ich darf ganz ruhig einfach hier liegen, nichts machen und meinem Gott und Vater dankbar sein.

Alltagstheologie im Epheserbrief (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Epheser 5,15 – 21

candlelight-1077638_1920

Der Epheserbrief ist ein gutes Beispiel für die Art, wie Paulus Menschen zu Jüngern machte. In den ersten drei Kapiteln legt er die Grundlage und zeigt ihnen, wie die Gnade Gottes verlorenen Sündern in Christus eine neue Identität gegeben hat. In den folgenden Kapiteln geht es dann darum, wie diese von Gott geschaffenen Fakten in ihrem alltäglichen Leben zur Auswirkung kommen sollen: in der Verleugnung ihrer alten selbstsüchtigen Natur (s. auch Lukas 9,23-25) – und in einer bewussten Nachfolge, die das Leben ständig am Willen Gottes justiert. Er ermahnt sie

  1. in der Einheit in Christus zu leben (4,1-6)
  2. in Reinheit zu leben (4,17-32)
  3. In Liebe zu leben (5,1+2)
  4. im Licht zu leben (5,8-14)
  5. weise zu leben (5,15-21)

Dabei müssen wir immer bedenken, dass er an Christen schreibt. Die Grundlage seiner Ermahnungen (und das, was uns zum Gehorsam befähigt) ist, dass wir geliebte Kinder sind. Wir sollen prüfen, was Gott gefällt, weil wir reingewaschen und erkauft sind. Wir erforschen den Willen Gottes, indem wir unsere Bibel kennen lernen und Gottes Wort in unserem Herzen und täglichen Leben Raum geben.

Wir werden aufgefordert, weise zu leben. “Die Zeit auskaufen” ist nicht die Anweisung, den Terminkalender bis hinten gegen zu füllen, sondern die gegebene Zeit, die unwiederbringliche Gelegenheit unseres irdischen Daseins, für Christus zu leben, sie nicht an die Sünde zu verschwenden, sondern in ewigen Ertrag zu investieren. Denn die Tage sind böse – wir leben in einer Zeit, wo die Gesetzlosigkeit überhand nimmt und die Liebe erkaltet, und wo wir unter der Gottlosigkeit leiden wie Lot in Sodom und Gomorra. Umso wichtiger, dass wir unsere Zuflucht zu Gott nehmen und ein Leben führen, das als Licht in der Dunkelheit scheint! Statt uns mit Alkohol zu berauschen, sollen wir uns fortwährend unter den Einfluss des heiligen Geistes begeben. Dann werden wir unsere Freude im Herrn zum Ausdruck bringen, indem wir ihn mit dem Mund und mit dem Leben loben. Wir werden nicht mit dem Geist erfüllt, indem wir uns mit Lobpreis emotional aufpeitschen, sondern indem wir unsere Gedanken mit Gottes Wort füllen. Erfüllung mit dem Geist und Anbetung ist die natürliche Folge, und auch  die Dankbarkeit fällt uns dann nicht schwer, sondern sie sprudelt aus unserem Leben heraus. Ja, wir können dankbar sein in allen Dingen, auch in schwierigen Prüfungen, weil wir wissen, dass sie aus der Hand eines liebenden Vaters kommen, der uns erzieht.

Eine der Auswirkungen eines geisterfüllten Lebens ist gegenseitige Unterordnung aus Respekt vor Gott. Das darf man nicht dahin missverstehen, dass alle Hierarchien aufgelöst würden und es keine Autoritätstruktur und Rangordnung mehr gäbe. Gott hat in der Gemeinde Führer eingesetzt, die für uns Verantwortung tragen, und auf die wir hören sollen. Es geht mehr darum, sich wie ein Teamplayer einzuordnen, zu kooperieren und auf unseren Egoismus zugunsten anderer und des großen Plans zu verzichten – nicht um Menschen zu gefallen, sondern aus Ehrfurcht vor Christus als dem Haupt der Gemeinde.

So viel zu danken!

Web

Am Samstag hatte ich einen wunderbaren Tag. Ich hatte mal keinen Termin und keine Verpflichtung außer ein paar Kleinigkeiten, die ich von zu Hause erledigen konnte. Das hieß: Zeit, mit dem Herrn zu reden, über das was mich so umtreibt.

Ich wollte außerdem einen Teil meiner Gebetsliste neu aufsetzen, weil vieles nicht mehr aktuell war. Diese Liste hat ein bisschen Ähnlichkeit mit einem Fotoalbum – mir hilft das manchmal, wenn ich ein Bild vor Augen habe. Daneben stehen dann die Punkte, für die ich beten will.

Ich liebe meine Gemeinde, und deswegen nimmt sie einen großen Teil davon ein. Normalerweise beschäftigen sich meine Gebetsanliegen eher mit den Defiziten. Gib doch XY, was fehlt, sei es Erkenntnis, Eifer, Weisheit für Entscheidungen, Gesundheit, ein Haus, eine Tagesmutter (nur so zum Beispiel).

Ich bin also an dieser Gebetsliste, und auf einmal kommt mir eine Idee. Ich klebe neben jedes Bild einen Smilie (ich weiß, ich bin ein Spielkind) und schreibe dazu, für was ich Gott im Leben dieses Menschen dankbar bin. Das war ein gesegnetes Nachdenken! Bei manchen hab ich eine ganze Liste zum Danken gefunden, bei anderen ist es weniger, aber bei jedem, auch bei den “Kummerkindern”, konnte ich was hinschreiben! Und ich habe einen ganz neuen Blick bekommen auf Gottes Handeln für und in meinen Glaubensgeschwistern, einen Blick weg von den Defiziten hin zu den Ressourcen seiner Gnade. Die Bitten werden dann mit einer ganz neuen Hoffnung gefüllt. Probier´s auch mal aus!

Bild:Blumen Vektor durch Freepik entwickelt

Wie man immer genug hat

money-494160_1280 Ich habe in meinem Leben noch nie Mangel gelitten. Zwar habe ich auch nie in Saus und Braus gelebt, aber ich hatte immer zu essen, Kleidung, Wohnung und sogar viele nicht lebensnotwendige Dinge. Für mich ist es einfach, von Genügsamkeit zu reden.

Bei Paulus war das anders. Manchmal hatte er alles mehr als ausreichend, aber Hunger und Durst waren auch gute Bekannte für ihn. Wenn sich die Gelegenheit bot, ernährte er sich von seiner Hände Arbeit, aber das war  gar nicht immer möglich. Ständig unterwegs, oft auf der Flucht, bisweilen im Gefängnis … kein Wunder empfand er als gewaltigen Vorteil, keine Verantwortung für die Versorgung einer Familie zu haben!

Schon damals hatten viele Christen eine Konsumenten-Mentalität. Sie nahmen den Dienst von Paulus gerne an, aber machten sich keine Gedanken darüber, wie er wohl über die Runden kam. Nur die Gemeinde von Philippi zeigte mehr Realitätssinn und praktische Liebe. Wenn sie konnten, schickten sie ihm was, und im 4. Kapitel des Philipperbriefes schreibt er ihnen, wie sehr er sich darüber freut. Die Art, wie er das tut, ist ein Lehrstück in “Gottseligkeit mit Genügsamkeit”.

Ich habe nicht unbedingt etwas gebraucht, sagt er, denn ich habe gelernt, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. Aber er freut sich und nimmt ihr Geschenk mit Dankbarkeit an. Was ihn am glücklichsten daran macht, ist nicht, dass er jetzt endlich mal wieder Geld hat, sondern dass er Gott im Leben der Philipper am Werk sieht. ER hat diese Anteilnahme in ihrem Herzen bewirkt! Er weiß, dass da jetzt so ein wunderbarer Kreislauf in Gang kommt: Die Philipper haben aus Liebe gegeben, er hat Freude dadurch bekommen und gibt sie in Lob und Dank an Gott zurück. Gott wird den Philippern das, was sie gegeben haben, irgendwie erstatten, indem er für ihre Bedürfnisse sorgt, und spätestens in der Ewigkeit wird er es ihnen lohnen. Und dann wird wieder Gott die Ehre bekommen!

Warum also ist Paulus, das was er hat, immer genug? Er ist ja kein Asket – er kann auch Überfluss dankbar annehmen. Er kriegt kein schlechtes Gewissen, wenn er mal ein anständiges Steak isst oder ein Stück Kuchen, sondern dankt Gott dafür. Der Schlüssel liegt in Vers 20: Unserem Gott und Vater aber sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!  Ob er Gott durch Genießen ehrt oder durch Hunger – das sind für ihn nur verschiedene Variationen eines Themas. Genauso ist es mit Leben oder Sterben. Hauptsache ist, dass “Christus hoch gepriesen wird an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod.”  Dann ist er zufrieden.

Mit so einer Einstellung hat man immer genug an allem, was Gott fügt. Ist das nicht schwer, fast unmöglich?  Paulus verrät uns das Geheimnis: “Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus.”  Christus hatte genau diese Gesinnung, und wenn wir IHM in uns Raum machen, haben auch wir in Mangel oder Überfluss, in Leben oder Tod, immer genug!

Der Gott meiner jubelnden Freude

Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten, mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.So werde ich kommen zum Altar Gottes, zum Gott meiner jubelnden Freude, und werde dich preisen auf der Zither, Gott, mein Gott! aus Psalm 43

Dass du mich liebst – ich kann es nicht fassen! Hast mich im Elend nicht liegen lassen,
hast mir Frieden und Heimat gegeben. Du lässt mich feiern! Du lässt mich leben!

Ich will mein Sehnen auf dich nur richten und alle falschen Götter vernichten.
Ich will dich von ganzem Herzen lieben und nichts mehr fürchten, als dich zu betrüben.

Herr, lass dein Wort meinen Hunger stillen, deine Gedanken mein Denken füllen!
Lass Lob und Dank in mir überfließen! Ich möchte dich, meinen Gott, genießen.

Älter werden

Heute bin ich 61 Jahre alt, und im Gegensatz zu vielen anderen Leuten, habe ich keine Lust, die Zahlen umzudrehen. Ich bin ausgesprochen froh, dass ich einige Dinge hinter mir habe und möchte sie nicht noch einmal erleben!

“Älter werden ist nicht mein Hobby, aber wir kommen Tag für Tag dem Ziel näher,” schrieb mir mein Bruder heute morgen. So ist es. Als mich vor einiger Zeit meine Tochter zum Hautarzt schickte wegen einer komischen Neuerscheinung in meinem Gesicht, von der sie meinte, die solle sich unbedingt mal ein Facharzt ansehen, warf er nur einen kurzen Blick darauf und meinte: ”Das ist eine Alterswarze.” Ich müsste lügen, wollte ich behaupten, dass mich das sonderlich beglückt hätte. Wie viele dieser widerlichen Dinge werden sich in den nächsten Jahren wohl noch einstellen? Die Kräfte lassen nach, die Stimme bricht weg, sobald man einen Ton lauter singen möchte – und dergleichen Kram mehr, der einen an die Endlichkeit vor dem Ende erinnert.

Aber dann gibt es so viel Gutes, für das ich Gott danke! Ich bin gesund und meine Arbeit macht mir an den allermeisten Tagen noch Freude. Ich habe die besten Freunde, die man sich nur wünschen kann. Ich habe reichlich zu essen, verdiene genug, um noch was abgeben zu können, habe eine wunderschöne Wohnung. Aber das sind noch die Peanuts! Das Allerbeste ist, dass ich Gott kennen und Vater nennen darf, dass sein Wort jeden Tag ein “Festmahl” für meine Seele ist, dass ich vertrauten Umgang mit ihm haben darf.

Und das ist in meinen Augen der größte Vorteil am Älterwerden: Die Welt ist nicht mehr so interessant wie früher. Vieles hat man geschmeckt, und es entpuppte sich als fader, als man erwartet hatte. Die Ewigkeit und die Gedanken Gottes treten in den Vordergrund.

Als wir Kinder waren, fuhren wir oft in Urlaub in den Westerwald. Wenn unterwegs mein Bruder – der sich im Gegensatz zu mir immer für Tiere und Landwirtschaft begeistern konnte und, sobald wir angekommen waren, in irgendeinen Bauernhof abtauchte – die erste Kuh sah, dann ging es los im Auto: Jippie! jippie!  tönte es dann bei jedem Rindvieh. Das war die Vorfreude, die er einfach nicht unterdrücken konnte. Er würde bald bei seinen geliebten Kühen im Stall sein.

So ähnlich geht es mir heute. Ich weiß ja nicht, wie weit der Weg noch ist. Ich kann ja vielleicht noch 40 Jahre leben, obwohl ich mir das nicht wünsche. Aber ich komme dem näher, wo ich hin will. Und vielleicht kommt sogar Jesus vorher wieder, und wir können uns diesen Umweg  über das Sterben sparen, wie Paulus (2.Korinther 4,5) gesagt hat: Solange wir nämlich in diesem Zelt leben, ächzen wir und sind beschwert, weil wir nicht erst entkleidet, sondern gleich überkleidet werden möchten, damit das Sterbliche vom Leben verschlungen wird. Die Voraussetzungen dafür haben wir von Gott, der uns als Anzahlung schon seinen Geist gegeben hat. Deshalb sind wir voller Zuversicht, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom Haus des Herrn in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind -wir leben ja im Glauben und noch nicht im Schauen -, aber wir rechnen fest damit und ziehen es vor, fern von diesem Leib ganz beim Herrn zu Hause zu sein.

Und dann fügt er hinzu: Deshalb setzen wir unsere Ehre darein, ihm zu gefallen, ganz gleich, ob wir noch in der Fremde sind oder schon bei ihm zu Hause.

Und das ist genau mein Wunsch für meine verbleibende Zeit.