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Sein Kreuz–mein Kreuz: Was es bedeutet, dass ich mit Christus gekreuzigt bin

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Ich bin mit Christus gekreuzigt,

sagt Paulus in Galater 2,19. Und einige Kapitel später noch einmal (6,14):

Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.

Für mich war es lange ein Rätsel, was das bedeutet. Die Auslegungen, die ich dazu las, klangen für mich nach einer mystischen Erfahrung, sozusagen für Fortgeschrittene in der Heiligung, die es “schaffen”, in einer gewaltigen Anstrengung von Selbstverleugnung “ihr Fleisch zu kreuzigen”.

Ich glaube, das Problem war der Begriff “Kreuz”, der so sehr zur Metapher geworden ist, dass die Realität dahinter bisweilen verloren geht oder schwer zu fassen ist. Darum war es wie eine Erleuchtung für mich, als ich eines Tages für mich die Worte einsetzte, mit denen man diese Realität des Kreuzes ausdrücken kann.

Ich bin mit Christus hingerichtet … durch die Hinrichtung von Jesus ist die Welt für mich zum Tod verurteilt, und ich bin in den Augen der Welt zum Tod verurteilt.

Nimm täglich dein Kreuz auf? Nimm täglich dein Todesurteil an!

Auf einmal war alles einfach. Nicht von mystischen Erfahrungen und höheren Stufen ist die Rede, sondern von historischen Fakten. Als Christus am Kreuz hingerichtet wurde, war das die Vollstreckung meines Todesurteils. Ich war der Delinquent, Jesus war mein Stellvertreter. Aber nicht nur über mich, sondern über diese ganze verdorbene, gottlose, in Auflehnung befindliche Welt wurde da das Urteil gesprochen.

Das hat Konsequenzen. Wenn ich behaupte, dass ich dieses Todesurteil, diese Hinrichtung für mich annehme, dann kann ich die Dinge, über die das Urteil gesprochen wurde, nicht weiter tun. Dann kann ich mich nicht weiter dieser Welt zugehörig fühlen und bei ihren Bemühungen, autonom zu sein und sich selbst zu rechtfertigen, mitmachen. Dann muss ich akzeptieren, dass sie mich ausstößt als nicht zu ihr gehörig. Alles andere wäre ein schlechtes Zeichen.

So lasst uns nun zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen! (Hebräer 13,13)

Unser “alter Mensch” hat sein Todesurteil an diesem Kreuz empfangen. Wir sind freigesprochen, aber wir können auch nicht dahinter zurückgehen und diesem alten Menschen wieder zu leben erlauben. Tot ist tot (Römer 6)! Nachdem wir an Jesus geglaubt haben, ist die Taufe das öffentliche Zeichen unserer Zustimmung zu diesem Mitgestorben-Sein.

Nun war der Tod für Jesus nicht das Ende, und es wäre auch für uns zu wenig, wenn wir nur aufhören würden zu sündigen. Aber Jesus ist auferstanden, und so wie er uns an seinem Tod Anteil gibt, so auch an seinem Leben. Es geht nicht um eine Anstrengung, nun “besser zu werden”, sondern darum, uns seinem Leben von Gehorsam und Gerechtigkeit zur Verfügung zu stellen. Der Tod ist schon geschehen, aber ich muss täglich in dieses Todesurteil einwilligen. Das Leben ist schon da und vibriert und blubbert, aber ich muss mich ihm täglich zur Verfügung stellen. Und all das gilt für Anfänger und Fortgeschrittene und ist keine geistliche Geheimwissenschaft, aber wir  verstehen es immer besser und glauben es immer tiefer und wachsen darin – aber niemals darüber hinaus.

So hat Gott die Welt geliebt (Predigt-Nachlese)

 

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch seinen Sohn zu retten. (Johannes 3,16.17)

Was bedeutet es, dass Gott die Welt geliebt hat? Hatte er eine Schwäche für sie, so ähnlich wie wenn ich sage: Ich liebe Pizza? Oder so wie wenn ich sage: Ich liebe meine Familie?

Am besten lassen wir die Bibel und insonderheit den Apostel Johannes selbst erklären, was diese Liebe für uns bedeutet.

Wer liebt hier? Gott, der Allmächtige, der Schöpfer, der uns gemacht hat, und dem wir Anbetung und Gehorsam schulden. Er ist eine Person, die denkt und fühlt und einen Willen hat. Er ist nicht nur eine Kraft oder ein Einfluss. Er ist ein moralisches Wesen, das Taten und Motive beurteilt und den Maßstab für perfekte Gerechtigkeit setzt. Und da ist auch der Konflikt zwischen uns und Ihm: Wir werden diesem Maßstab nicht gerecht, und wir verweigern ihm Ehre und Dank wieder besseres Wissen. Deshalb sind wir unter seinem Zorn und Gericht.

Aber Gott liebt, und Gott liebt die Welt. Das heißt: Jeden! Die ganze Menschheit. Er empfindet für uns verlorene und verdammte Menschen Erbarmen und will uns retten. Deswegen gab er seinen Sohn als Sühnopfer für unsere Sünden. Was das bedeutet, entzieht sich unserem Verständnis. Wir können es nur erahnen. Gott legt unsere Sünde auf Jesus und lässt ihn unser Urteil tragen. Damit macht er uns die Tür auf, um zurück zu kommen.

Durch diese Tür gehen wir durch den Glauben. Glauben im Sinn der Bibel bedeutet nicht nur, dass ich etwas für wahr halte, sondern dass ich mich mit meinem ganzen Sein drauf einlasse, weil ich dem völliges Vertrauen schenke, was Gott gesagt und getan hat. Es beinhaltet auch, dass ich mein altes Leben nicht mehr weiterführen will. Nun, wie ist das möglich? Es geht nicht darum, dass wir einen Vorsatz fassen, uns zu bessern und “religiös” zu werden. Das schaffen wir sowieso nicht.

Gott gibt uns ewiges Leben. Das ist mehr als Weiterleben nach dem Tod. Das ist eine ganz neue Qualität des Lebens durch den heiligen Geist in uns. Es ist etwas, was Gott in uns tut. Er erneuert uns. Er füllt uns mit Liebe. Er schreibt sein Gesetz in unsere Herzen, so dass es etwas wird, was wir selbst wollen. Er gibt uns die Kraft dazu.

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Dieses Angebot gilt auch für dich. Gott hat alles getan, und wir müssen nur – aus tiefstem Herzen – Ja sagen und es annehmen.

“Ich bitte dich, von wem spricht der Prophet hier?” Das Leiden Jesu im Alten Testamnent ((8)

Jesaja53Auf einer einsamen Straße zwischen Jerusalem und Gaza fährt eine Kutsche. Im Wagen sitzt ein dunkelhäutiger Mann, ganz vertieft in eine Buchrolle, aus der er murmelnd liest.  Auf seiner Suche nach Wahrheit ist er auf den Gott Israels gestoßen, und er hat Jerusalem besucht, um ihn anzubeten und mehr zu erfahren. Von dort hat er sich das Buch des Propheten Jesaja mitgebracht.

Er ist der Schatzmeister der Königin von Äthiopien, aber sein Herz ist auf der Suche nach mehr als Karriere und Reichtum. Er hat schon gelernt, dass der Gott Israels Gerechtigkeit und Sünde sehr ernst nimmt. Ständig werden Opfer im Tempel dargebracht, um Sühne zu leisten. Aber wie kann er, ein Heide, fern von israelitischem Boden, mit Gott versöhnt werden und Frieden haben?

Was er nun hier liest, ist interessant. Wenn er nur wüsste, um wen es geht! Da ist von einer Person die Rede, die ihr Leben als Schuldopfer gibt, und von anderen, die dadurch Frieden und Heilung bekommen. Aber wer ist diese Person? Spricht der Prophet hier von sich selber? Dann wäre es eine alte Geschichte … Wie er sich nach diesem Frieden sehnt! Er muss wissen, von wem hier gesprochen wird. Aber er kommt nicht weiter.

Ein Mann ist schon ein paar Meter neben seinem Wagen hergelaufen und hat seinem Lesen zugehört. Jetzt spricht er ihn an: “Verstehst du denn, was du liest?”  “Wie sollte ich, wenn es mir keiner erklärt!” Vielleicht hat dieser Mann Ahnung? Vielleicht hat Gott die Fragen seiner Seele gesehen und ihn geschickt? “Steig doch auf und setz dich zu mir!”  Und ohne weitere Höflichkeiten tauchen sie in den Text ein:

Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war.

“Ich bitte dich, von wem spricht der Prophet hier?”

Die nun folgende Unterhaltung ist rekonstruiert. In der biblischen Geschichte steht nur, dass Philippus – so hieß der 2. Mann – ihm ausgehend von dieser Stelle das Evangelium erklärte. Das mag in etwa so ausgesehen haben:

Ich kenne den, von dem er spricht! Sein Tod hat vor noch nicht allzu langer Zeit Jerusalem erschüttert. Es ist Jesus, der Sohn Gottes. Er ist als Mensch auf diese Erde gekommen, um uns zu retten vor dem Zorn Gottes. Er ist der vor langer Zeit verheißene Messias Israels. Er hat all die Wunder und Zeichen des Messias getan: Er hat Lahme und Blinde geheilt, Dämonen ausgetrieben, Brot vermehrt, Stürme gestillt, und die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigt. Er hat Sünder angenommen und ihnen vergeben. Aber unsere Obersten hassten ihn, weil er ihnen die Wahrheit sagte über ihre Heuchelei, und weil sie eifersüchtig waren. Sie haben ihn unter falscher Anklage den Römern überliefert und seine Kreuzigung gefordert. Und er hat sich ohne Widerstand verhaften, foltern und töten lassen. Was damals niemand verstand, obwohl er es oft gesagt hatte, war, dass er sein Leben als Schuldopfer geben wollte. Er ist der, von dem hier die Rede ist: Das Lamm Gottes, das alle anderen Opfer für immer überflüssig macht. An diesem Kreuz hat Gott unser aller Schuld auf ihn gelegt, so wie es hier steht:

Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.”

“ Hm. Aber wenn er tot ist, wie kann er dann Nachkommen haben und in die Länge leben und das Licht schauen und all die Dinge, die hier sonst noch stehen? Und wie kann man wissen, dass Gott dieses Opfer angenommen hat?”

“ Ja, das Beste kommt noch! Nachdem er drei Tage im Grab lag – übrigens im Grab eines Reichen, so wie es hier steht! – ist er auferstanden. Er ist danach vielen Menschen erschienen, seinen Jüngern und mehr als 500 glaubwürdigen Zeugen, und er war noch über 40 Tage bei seinen Jüngern und hat sie unterwiesen. Dann ist er vor ihren Augen in den Himmel aufgefahren. Dort sitzt er jetzt zur Rechten Gottes. Von dort hat er auch allen, die an ihn glauben, den Heiligen Geist geschickt, der eine unerschütterliche Gewissheit in ihr Herz senkt, dass sie Gottes Kinder sind.”

Im Herzen des Schatzmeisters breitet sich eine große Hoffnung aus. Wenn Jesus auch für ihn das Opferlamm geworden ist und er diesen Heiligen Geist bekommen und mit nach Hause nach Äthiopien nehmen kann, dann will er das haben! Sofort! Dort hinten ist eine Wasserstelle, und er will getauft werden und seine Annahme dieses Opfers bekennen! “Gibt es ein Hindernis, dass ich getauft werde?”  “Glaubst du von ganzem Herzen?” “Ja!” Sie halten an, und Philippus tauft ihn ohne Zögern. Dann nimmt der Geist Gottes den Philippus weg. Er wird auch nicht mehr gebraucht, denn der Schatzmeister ist mit einer tiefen Freude  und Gewissheit erfüllt. Das Problem seiner Schuld ist gelöst, und er hat einen auferstanden Herrn im Himmel und den Heiligen Geist, der ihn leiten wird.

Die Geschichte steht in der Bibel in Apostelgeschichte 8; der Text aus Jesaja, der den Kämmerer beschäftigte, steht in Jesaja 53.

Bildquelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Isaiah_53#/media/File:Great_Isaiah_Scroll_Ch53.jpg  Isaiah 53 in the Great Isaiah Scroll, found at Qumran and dated to the 2nd century BCE, public domain

Umziehen, bitte! (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Epheser4,205,5

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Unser Leben, bevor wir zu Christus kamen, war schmutzig, finster, abgestumpft und von Selbstsucht und Gleichgültigkeit gegenüber Gott geprägt. So wird der Zustand von Heiden in Epheser 4,17-19 beschrieben, und so waren wir! Aber nun haben wir eine neue Identität bekommen: in Christus. Und das bedeutet,

wer mit Christus lebt, wird ein neuer Mensch. Er ist nicht mehr derselbe, denn sein altes Leben ist vorbei. Ein neues Leben hat begonnen! 2. Korinther 5,17

Wie ist das möglich? Dadurch, dass Jesus nicht nur gestorben, sondern auch auferstanden ist. Er nimmt uns in beides mit hinein. Wir sind mit ihm gekreuzigt. Sünde und das Wesen der Welt (sowohl das ganz offensichtlich Böse als auch die fromm bemäntelte Selbstgerechtigkeit) wurden an diesem Kreuz gerichtet und erledigt! Deswegen können wir unmöglich weiter leben wie zuvor. Aber damit es anders werden kann mit uns, müssen wir in die Auferstehungskraft Jesu vertrauen. Das muss sich ganz praktisch auswirken in unserem alltäglichen Leben und Umgang mit anderen.

Paulus sagt es so:

Ihr habt von ihm gehört und auch verstanden, was in Jesus Wirklichkeit ist; dass ihr in Hinsicht auf euer früheres Leben den alten Menschen abgelegt habt. Denn der richtet sich in Verblendung und Begierden zugrunde. Ihr dagegen werdet in Geist und Sinn erneuert, da ihr ja den neuen Menschen angezogen habt, den Gott nach seinem Bild erschuf und der von wirklicher Gerechtigkeit und Heiligkeit bestimmt ist.

Und dann macht er es ganz konkret:

Lüge ausziehen – Wahrhaftigkeit anziehen! Wir sollen uns nichts vormachen, auch nicht so tun, als hätten wir alles im Griff und würden nicht mehr sündigen. Als Glieder des Leibes Christi sollen wir zueinander aufrichtig und ehrlich sein.

Zorn ausziehen – Selbstkontrolle anziehen! Zorn lässt sich manchmal nicht vermeiden, aber wir sollen uns damit nicht zu sündigen Ausbrüchen reizen lassen. Und schon gar nicht soll der Zorn sich zu einem längerfristigen Groll  auswachsen, sonst nehmen wir dem Teufel die Arbeit ab. Der hat seine reine Freude daran, wenn wir in unseren Herzen auf Anklagen gegen unsere Geschwister herumreiten. Das ist normalerweise sein Job, der Verkläger der Brüder zu sein.

Stehlen ausziehen – harte Arbeit und Gebefreudigkeit anziehen! Statt uns unrechtmäßig zu bereichern, sollen wir arbeiten (wörtlich: schuften!), damit wir uns ernähren und anderen etwas abgeben können. Paulus hat das übrigens auch selbst vorgelebt. Er hat sich von seiner Hände Arbeit ernährt, andere mit unterhalten und nebenher bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Wort Gottes verkündigt. Das neue Leben ist großzügig und lässt es sich etwas kosten.

Böse Worte ausziehen – freundliches, ermutigendes Reden anziehen! Wir sollen andere nicht runtermachen, nicht hinter ihrem Rücken über sie lästern, nicht hart und lieblos reden, sondern Worte einsetzen, die aufbauen und Mut machen, die gütig und von Gnade geprägt sind. Wir sollen nicht die Fehler und Schwächen der anderen breittreten, sondern vergeben – denn wir sind selbst Menschen, denen vergeben wurde und die ständig Vergebung brauchen! Wir sollen in all unserem Verhalten Nachahmer Gottes sein. Als geliebte Kinder sollen wir lieben!

Unreinheit und Gier ausziehen – Dank und Hingabe an Gott anziehen! Habgier und sexuelle Sünden sind eine Art von Götzendienst, die im Reich Gottes keinen Platz haben. Statt dessen sollen wir Gott als dem rechtmäßigen Empfänger unserer Anbetung unseren Dank in der Hingabe unseres Lebens darbringen.

Weil Gott uns solches Erbarmen geschenkt hat, liebe Geschwister, ermahne ich euch nun auch, dass ihr euch mit Leib und Leben Gott als lebendiges und heiliges Opfer zur Verfügung stellt. An solchen Opfern hat er Freude, und das ist der wahre Gottesdienst.Und richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestalten, sodass ihr prüfen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefallen würde und ob es zum Ziel führt. (Römer 12, 1.2)

Wenn wir dieses neue Leben ausleben, werden wir als Gemeinde in Einheit und Liebe das Wesen Jesu Christi widerspiegeln und Leuchtkraft haben in der Welt,

Predigt-Nachlese: Führen durch Vorbild

Predigttext: Apostelgeschichte 20,28-38

footprints-2237 Als Jesus seinen Jüngern die Füße wusch, sagte er: Macht es mir nach! Tut füreinander, was ich für euch getan habe! Er hat mit Worten gelehrt, aber er hat es auch vorgemacht, und wir sollen seinem Beispiel folgen.

Das ist das biblische Leitungsmodell: Leiten durch Lehren und Vorbild. Dem jungen Timotheus schreibt Paulus:

Du musst aber den Gläubigen in allem, was du sagst und tust, ein Vorbild sein, ein Vorbild in deiner Liebe, in deinem Glauben, in deiner Reinheit. Widme dich bis zu meinem Kommen ganz dem Vorlesen der Heiligen Schrift, dem Ermutigen der Gläubigen und dem Lehren. (1.Tim. 4,12.13)

Den Philippern kann er empfehlen:

Handelt nach dem, was ihr von mir gelernt und gehört, und was ihr auch an mir gesehen habt! Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein. (Philipper 4,9)

Petrus sieht das genauso: Die Ältesten sollen die Gemeinde nicht mit Druck und Zwang führen, sondern durch ihr gutes Vorbild.

Dass er genau das getan hat, war der Grund für den Erfolg von Paulus. Er war bereit, sein Leben für die Gemeinde hinzulegen. So hatte er es von Jesus gelernt, und das wollte er andere durch sein eigenes Vorbild lehren. Sein Appell war immer: Hört auf, euch selbst zu leben! Lebt als Mit-Gekreuzigte und Mit-Auferstandene! Das Kreuz ist das Ende von “Ich möchte, ich brauche, ich erhebe Anspruch auf die Erfüllung meiner Bedürfnisse!”. Das neue Leben ist ein Leben als lebendiges Opfer, das Gott für seinen Dienst zur Verfügung steht. Nun wissen wir, was Gott von uns erwartet – aber wie kommen wir dahin? Zuallererst müssen wir durch die Gnade eine neue Kreatur werden. Dann brauchen wir eine völlige Veränderung unserer Denkrichtung, eine gründliche “Gehirnwäsche” durch das Wort Gottes. Es muss den ganzen Dreck weltlichen Wesens aus uns rausspülen, all die sündigen Handlungs- und Denkmuster. Dabei ist die Heilige Schrift das ideale Werkzeug: ein Spiegel, um uns unser wahres Gesicht zu zeigen, ein Hammer, um unsere Rebellion zu zerschmettern, ein Analysetool für unsere Motive, ein Scheinwerfer, der uns ins Licht Gottes stellt …

Sie lehrt uns die Wahrheit zu erkennen, überführt uns von Sünde, bringt uns auf den richtigen Weg und erzieht uns zu einem Leben, wie es Gott gefällt. Mit der Schrift ist der Mensch, der Gott gehört und ihm dient, allen seinen Aufgaben gewachsen und zu jedem guten Werk gerüstet. (2.Timotheus 3,16.17)

Als Paulus nun den Ältesten von Ephesus die letzten Instruktionen gibt, erinnert er sie noch einmal daran, wie er es gemacht hat: in Demut, mit Tränen und in Anfechtungen hat er 3 Jahre lang Tag und Nacht jeden Einzelnen ermahnt. Gericht und Gnade – den ganzen Ratschluss Gottes – hat er verkündigt ohne Rücksicht auf sich selbst. Er hat gearbeitet und gegeben. Nun sieht er Probleme von innen auf die Gemeinde zukommen, falsche Lehrer, die er als Wölfe bezeichnet. Als erstes sollen die Leiter auf sich selbst aufpassen. Sie stehen ganz vorne in der Schusslinie des Feindes. Stolz, Selbstbetrug, Verführung und Nachlässigkeit können sie von ihrer wichtigen Aufgabe abhalten, die Herde Gottes zu weiden und zu beschützen. Ja, nicht nur das Ernähren ist wichtig, sondern auch die Wachsamkeit, die Warnung und Verteidigung! Nachdem Paulus alles getan hat, was er konnte, übergibt er sie Gott und dem Wort seiner Gnade. Am Ende ist es nicht der Knecht, sondern der Herr selbst, der durch sein Wort seine Gemeinde schützt und nach Hause bringt.

Was nun folgt, ist eine Abschiedsszene mit vielen Tränen. Sie führt uns noch einmal die tiefe, warmherzige Beziehung zwischen dem Apostel und der Gemeinde vor Augen. Er liebte sie, und sie hingen an ihm. Sie würden sich erst in der Ewigkeit wiedersehen.

Werdet also Nachahmer Gottes – ihr seid doch seine geliebten Kinder – und lasst euer Verhalten von der Liebe bestimmen, so wie auch der Christus seine Liebe bewiesen hat, als er sein Leben für uns hingab. Er brachte sich als eine Opfergabe dar, an der Gott großes Gefallen hatte. (Epheser 5,1.29)

Predigt-Nachlese: Leben im Geist – ganz praktisch

Predigttext: Galater 6

Wir sind frei vom Gesetz und leben durch den Heiligen Geist. Aber wie sieht das im Alltag aus?

Wir werden immer noch versucht und können von der Sünde überrascht und überrannt werden. Niemand sollte denken, dass ihm das nicht passieren kann! Wir brauchen dann weder jemand, der unsere Sünde kleinredet oder ignoriert, noch jemand, der noch drauftritt, wenn wir am Boden liegen. Wir brauchen jemand, der uns zurechthilft, und das braucht manchmal Zeit. Und deswegen müssen wir auf der einen Seite wachsam sein und beten, dass wir nicht selbst versucht werden, und auf der anderen Seite bereit sein, dem beizustehen, der in Sünde gefallen ist. Allerdings setzt das voraus, dass derjenige das auch will und nicht etwa an seiner Sünde festhält und einen Friedensvertrag mit ihr geschlossen hat.

Das Gesetz Christi ist sein neues Gebot der Liebe zueinander. Dazu gehört, dass man das mit trägt, was der Bruder oder die Schwester alleine nicht tragen kann. Allerdings muss man sich vor dem Umkehrschluss hüten, dass die anderen für meine Probleme zuständig und sozusagen verpflichtet sind, mir zu helfen, und ich das fordern könnte. Das Evangelium befreit von dieser “Ich-im-Zentrum”-Perspektive. Wir können die sein, die damit anfangen, uns nach hinten zu stellen und den Nächsten nach vorn!

Was uns daran hindert, ist unser Stolz. Sind wir uns zu gut, um anderen zu dienen? Unser Stolz ekelt Gott – er ist ihm widerlich. Stolz ist der Grund, warum Menschen in die Hölle gehen. Den Ungläubigen hindert er, seine Verlorenheit und Schwachheit anzuerkennen und zu Jesus um Hilfe zu schreien.  Aber auch wir Gläubigen können geistlichen Stolz entwickeln, und das war das Problem der Galater. Stolz macht uns blind für unsere eigene Sünde und lässt uns auf denen herumhacken, die unsere Gesetze nicht befolgen. Wenn wir mal genau in den Spiegel gucken, werden wir unsere Schwachpunkte schon sehen, und dann haben wir genug an der Verantwortung für unsere eigenen Fehler und können uns über niemanden erheben.

Die Liebe gebietet uns auch, die zu unterstützen, die uns das Wort Gottes lehren. Sie nehmen damit eine gewaltige Verantwortung auf sich, denn Gott verlangt von ihnen Rechenschaft für das, was sie sagen (oder nicht sagen). Deswegen ist das auch nichts, worum man sich reißen sollte! Hier ist vor allem an materielle Güter gedacht, aber auch an geistliche Gemeinschaft, an Fürbitte, an das Abnehmen von Tätigkeiten, die den  zum Lehrdienst Beauftragten an seiner eigentlichen Aufgabe hindern (vgl. Apg.6).

Unser ganzes Leben funktioniert eigentlich nach dem Natur-Prinzip von Saat und Ernte. Wenn du Weizen säst, wächst kein Mais. Aus Apfelkernen entsteht kein Kartoffelbaum. Wer auf seine eigene Natur sät, wird von ihr den Tod ernten. Wer auf den Geist Gottes sät, wird von ihm das ewige Leben ernten. Das was du erntest, wird wesensmäßig dem entsprechen, was du gesät hast. Wir denken da oft unlogisch. Wir leben unserer eigenen Lust und wundern uns, dass wir die Gemeinschaft mit Gott verlieren. Wenn wir jede Gelegenheit ergreifen, um Gutes zu investieren, vor allem in die Gemeinde, die Familie Gottes, dann wächst auch Gutes. Wenn wir uns gehen lassen und unsere eigenen Interessen verfolgen, wird eine vergiftete Atmosphäre das Ergebnis sein.

Bei den Galatern gab es solche Menschen, die die ganze Gemeinde durcheinander brachten. Paulus deckt hier ihre wahren Motive auf. Sie wollen Ansehen in der jüdischen Community, und dafür opfern sie die Freiheit der anderen und drängen sie, sich beschneiden zu lassen. Sie wollen die Verfolgung und das Ärgernis des Kreuzes vermeiden. Der Teufel will uns immer einreden, es ginge auch ohne das Kreuz, und mit ein paar Kompromissen könnten wir die Härten entspitzen und das Ansehen der Gesellschaft gewinnen. Für Paulus dagegen ist das Kreuz die Mitte seines Lebens und seiner Botschaft. Es verurteilt sowohl die zügellose Sünde als auch die selbstgerechte Religiosität. Diese Dinge liegen hinter ihm; er ist ihnen gegenüber tot. Er weiß, dass vor Gott nicht zählt, wer wir sind und was wir tun, sondern nur die neue Schöpfung, Gottes eigenes Werk. Gottes Gnade genügt uns, und auf diesem Weg ist Frieden und Barmherzigkeit. Für diese Erkenntnis und für dieses Evangelium hat er so viel gelitten, und darum wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass die Galater und auch wir fest dabei bleiben!

Predgt-Nachlese: Freiheit – aber nicht zum Egoismus

Predigttext: Galater 5,13-26

Freiheit hat uns Gott geschenkt – das ist die Botschaft, die Paulus den Galatern deutlich machen will. Sie haben diese Freiheit des Evangeliums verlassen und sich neu der Einhaltung von Regeln und Gesetzen verschrieben, um das Wohlgefallen Gottes zu erlangen – ein völlig aussichtsloses Unterfangen!

Wir sind frei vom Gesetz – was bedeutet das? Können wir nun tun und lassen, wozu immer wir Lust haben? Tatsache ist: Wenn wir unseren egoistischen Wünschen und Begierden folgen, so ist das nur eine andere Art von Gefangenschaft. Die Freiheit, die Paulus meint, ist die Freiheit zur Liebe und zum Dienen.

Leider ist das Leben in dieser Freiheit oft nicht die Realität christlicher Gemeinden. Statt dessen verhalten wir uns eher “tierisch”. Wenn ihr euch aber kratzt und beißt, dann passt nur auf, dass ihr euch nicht gegenseitig auffresst, muss Paulus die Galater warnen. Woran liegt es, dass wir oft so handeln, obwohl wir Kinder Gottes sind? Die menschliche Natur (das Fleisch) widerstrebt dem Geist Gottes und der Geist Gottes ebenso der menschlichen Natur. Beide stehen gegeneinander, damit ihr nicht einfach tut, was ihr wollt, erklärt er ihnen. Ähnliches finden wir in Römer 7,18: Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meiner Natur, nichts Gutes wohnt. Es fehlt mir nicht am Wollen, aber ich bringe es nicht fertig, das Gute zu tun. Ich tue nicht das Gute, das ich tun will, sondern das Böse, das ich nicht will.

Wenn wir in der biblischen Freiheit leben wollen, müssen wir beständig wählen: Das “Fleisch”, unsere sündige, egoistische und eigenwillige Natur, ist mit Christus gekreuzigt. Wir sollen sie so ansehen, als gerichtet und erledigt. Wir sollen sie nicht nähren und pflegen und ihr irgendwelche Rechte einräumen! Statt dessen sollen wir das Auferstehungsleben Jesu, das der Heilige Geist uns vermittelt, wirksam werden lassen. Der Geist Gottes soll euer Leben bestimmen, dann werdet ihr den eigenen Begierden widerstehen können.

Was uns regiert, das zeigt sich an den “Früchten”, die wir bringen. Das sündige Natur bringt die Werke des Fleisches hervor. Sie beinhalten alles, was das Wesen dieser Welt ausmacht:  Ehebruch und alle Arten von ungeordneter Sexualität bis hin zu Orgien und wilden Partys, fehlgeleitete Religiosität wie Götzendienst (alles, was sich nicht Jesus unterordnet) und Zauberei (Esoterik und Drogen sind wieder groß in Mode), unmäßiger Alkoholgebrauch, um die Sinnlücke im Leben zu füllen, und alle Arten von lieblosem und selbstsüchtigem Verhalten. Wer darin lebt, der hat keinen Anteil am Reich Gottes.

Kann das nun einem Kind Gottes nicht passieren, dass es in so eine Sünde fällt? Und wenn doch, sind wir dann verloren? Wir kennen uns und unsere Fehlbarkeit ja nur zu gut! Auch wer Jesus liebt, kann noch sündigen, aber es ist nicht mehr sein Lebenselement. Er bereut es und bekennt es, und ihm wird vergeben. Aber: Wenn wir nun durch den Geist Gottes das neue Leben haben, so wollen wir es auch in diesem Geist führen! Dann wird auch die Frucht des Geistes in uns wachsen: Die Liebe, der Friede, die Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Dann erfahren wir das Leben, von dem Jesus spricht: Wenn jemand mein Jünger sein will, dann muss er sich selbst verleugnen, er muss täglich sein Kreuz aufnehmen und mir folgen. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben meinetwegen verliert, der wird es retten. Das ist die wahre Freiheit und der Weg zu einem glücklichen und erfüllten Leben.