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Der gute Hirte

Schafe sind ohne Hirten hilflose Tiere, schreckhaft, orientierungslos und verletzlich. Schon im Alten Testament vergleicht Gottes Volk sich selbst mit einer Schafherde:

Denn er ist unser Gott, und wir sind sein Volk. Er führt uns wie eine Herde und sorgt für uns wie ein Hirt. Psalm 95,7 (NeÜ)

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Um sein Volk zu weiden, hat Gott zu allen Zeiten “Unterhirten” eingesetzt: Könige (in Israel) und geistliche Leiter. Er erwartete von ihnen Fürsorge für sein Volk. Sie sollten dabei nicht eigene Machtgelüste befriedigen, sondern sich an den Bedürfnissen der Schafe orientieren: Sie mit Nahrung versorgen, die Schwachen stärken, die Kranken heilen, die Verirrten suchen und zurückholen.

Weil aber die Führer des Volkes genau das nicht getan haben, klagt er sie durch den Propheten Hesekiel leidenschaftlich an: Ihr Hirten habt nur euch selbst geweidet! Ihr habt die Milch getrunken, euch in die Wolle gekleidet, das Fleisch gegessen, aber euch nicht um die Schafe gekümmert. Statt dessen habt ihr mit Gewalt und Härte über sie geherrscht und sie nach Strich und Faden ausgenutzt. Wer dabei draufging, war euch egal! Darum sind sie eine verwirrte, vernachlässigte, zerstreute Herde, die den wilden Tieren zum Fraß ausgeliefert ist. – Gott hat genug von diesen Egomanen und Verbrechern! Er wird jetzt selber nach seinen Schafen schauen, und zwar durch den Sohn Davids, den Messias.

Wenn nun Jesus in Johannes 10 sagt: Ich bin der gute Hirte! – dann wussten seine Zuhörer, auf was er sich bezog: Er ist der Messias, der seine Herde den Dieben und Räubern entreißen wird. 

Was nun legitimiert ihn und unterscheidet ihn von den schlechten Hirten? Er hat sein Leben für die Schafe gelassen, und zwar völlig freiwillig. Niemand konnte sein Leben von ihm nehmen – er hat es gegeben. Die Schafe bedeuten ihm alles, denn es sind seine. Er macht nicht nur einen Job gegen Bezahlung. Er setzt sich ein mit allem, was er hat und ist und verteidigt sein Eigentum bis aufs Blut. Er setzt seine Schafe nicht auf magere Kost; er versorgt sie reichlich mit frischem Grün und Lebenswasser. Er will, dass sie aus dem Vollen leben! Das Herz seiner Schafe hat jeden Tag ein Fest!

Und die Schafe, seine Schafe, erkennen ihn. Sie kommen, wenn er ruft. Sie wissen, dass er der einzig Zuverlässige ist, und die ganzen anderen Stimmen identifiziert ihr geistliches Immunsystem als “fremd”: Das ist nicht der, der uns geliebt und sich selbst für uns gegeben hat!  Denn falsche Hirten sind immer noch unterwegs. Ihre Motivation hat sich nicht geändert – ihnen geht es um Macht, Geld und Ehre, kurz: um sich selbst. Sie kommen nicht durch die Tür, sondern über die Mauer, d.h. sie propagieren immer einen anderen Weg zur Erlösung als das Blut Jesu und die Gnade. Manchmal muss man schon sorgfältig hinhören, um den Unterschied zu erkennen. Einige predigen Gesetz, andere Gesetzlosigkeit, manche Selbsthilfe-Psychologie oder positives Denken … und alle haben sie ein Spendenkonto, auf dass sie mit subtilem Druck hinweisen. Es ist überlebensnotwendig, dass wir nahe bei unserem Hirten bleiben und uns durch sein Wort auf seine Stimme prägen lassen.

Die Herde Jesu ist noch größer als das Gottesvolk des Alten Testamentes. Jesus hat noch “andere Schafe”, Menschen aus allen Völkern der Erde, die zu ihm gehören, die er ruft, die erkannt haben, dass er der einzige Weg ist. Und yeah! Ich darf auch dazugehören!

Zwei Könige: David und Jesus

IMG_7192_pIch lese gerade in 2.Samuel 5 über die Inthronisierung Davids. Einige Ähnlichkeiten zwischen David und Jesus sind mir da heute morgen ganz stark ins Auge gesprungen.

Wie lange musste David warten, bis er König wurde! Was für ein großer Zeitraum zwischen der Salbung durch Samuel und der Übernahme der Herrschaft! Was für eine Geduld! Was für ein Vertrauen auf den Zeitplan Gottes! Auch unser König  kann warten, bis es heißt:

Halleluja! Denn der Herr, Gott, der Allmächtige, hat die Königsherrschaft angetreten!

Das nächste, was mir auffällt, ist dass er auf freiwillige Unterordnung setzt. Er bekämpft seine Feinde, aber nicht sein Volk. Er wartet, bis sie einsehen, dass er der Eine und Einzige ist, der ihr König sein kann. In Davids Fall wartete er siebeneinhalb Jahre auf die, denen es schwerfiel, sich von der verworfenen Saul-Dynastie zu lösen. Unser König setzt auf Einsicht und Liebe und aufs Gewinnen der Herzen und nicht auf Gewalt und Zwang.

Ein Argument, das die Israeliten dazu bringt, David als König anzunehmen, ist, dass er ihr Bruder ist, ihr Fleisch und Blut. Und das ist auch ein Argument für uns, Jesus in unserem Leben die Herrschaft zu geben. Er wurde ein Mensch wie wir in allem, um uns gleich zu sein und uns wirksam helfen zu können!

Und sie machen David zum König, weil sie sehen, dass Gott ihn für sie zum Hirten eingesetzt hat. Sie wissen jetzt, dass sie ihn dringend brauchen als Beschützer und Versorger. Genauso ist es uns mit Jesus ergangen. Petrus schreibt:

Denn ihr wart wie Schafe, die in die Irre gehen; jetzt aber habt ihr euch bekehrt zu dem Hirten und Hüter eurer Seelen.

Jesus ist mein Bruder-König, mein Hirten-König, der König, der wartet und mit großer Geduld um unsere Herzen ringt, bis der Letzte seines Volkes ihn aus Liebe und Dankbarkeit anerkennt. Wie wunderbar wird das sein, wenn er im neuen Jerusalem regieren und alles erfüllt sein wird mit seinem Licht, seiner Liebe, seiner Fürsorge, seiner Schönheit und seiner Macht! Ich will nichts lieber, als ihm schon hier und dann dort untertan sein!

Predigt-Nachlese: Erkennst du IHN?

Die Predigt bezog sich heute auf Johannes 9,39-41 und 10,1-21.

Im Johannesevangelium kommt es immer wieder vor, dass zuerst ein Geschehnis berichtet und dann daran anknüpfend eine Ausführung von Jesus wiedergegeben wird. Im Vorfeld des heutigen Textes wurde die Geschichte der Heilung des Blindgeborenen erzählt. Dieser Mann, der eine überwältigende persönliche Erfahrung mit Jesus gemacht hat, lässt sich von den Pharisäern nicht einschüchtern und hält mit seiner Meinung nicht zurück: “Dieser Mann ist von Gott!” – was zur Folge hat, dass er aus der Synagoge geworfen wird. Das bedeutet, dass sein soziales Netz zerstört ist. Jesus gibt ihm die nötige Bestätigung: „An mir müssen die Geister sich scheiden!“, sagt Jesus. „Ich bin in die Welt gekommen, um solche, die nicht sehen können, zum Sehen zu bringen und denen, die sich für sehend halten, zu zeigen, dass sie blind sind.“ Obwohl er die Pharisäer nicht anspricht, fühlen sie sich irgendwie getroffen. “Willst du damit etwa sagen, dass wir blind sind?”

Ach, wenn sie wüssten, dass sie blind sind, dann könnte ihnen wohl geholfen werden! Aber weil sie sich für sehend halten, werden sie für ihre Falschwahrnehmung zur Rechenschaft gezogen werden.

Denn sie sehen zwar, aber sie erkennen nicht. Um das zu verdeutlichen, spricht Jesus vom guten Hirten. Hirten und Schafe waren alltägliche Dinge in der Lebenswelt seiner Zuhörer. Hirten zogen oft tagelang mit den Schafen von Weide zu Weide. Zum Schutz vor allem in der Nacht wurden die Herden in Hürden eingeschlossen. Wenn dann der Hirte am Morgen kam, ließ er sie durch die Tür hinaus und sie sammelten sich um ihn, weil sie ihn an seiner Stimme erkannten.

Gelegentlich gab es auch Tagelöhner, die Hirtendienste verrichteten. Aber ihre Beziehung zu den Schafen war eine andere. Im Falle eines Falles riskierten sie nicht ihr Leben, um mit Wölfen und Löwen zu kämpfen, sondern nahmen lieber Reißaus. Der “echte” Hirte aber fühlte sich ganz und gar für seine Schafe verantwortlich und setzte alles ein, um sie vor ihren Feinden zu schützen.

Im Alten Testament wird Gott als Hirte dargestellt, z.B. im bekannten Psalm 23.  In Hesekiel 34 macht Gott denen, die eigentlich die Verantwortung haben, sich um das Volk zu kümmern, heftige Vorwürfe, und sagt dann: „So spricht Jahwe, der Herr: ‚Passt auf! Ich selbst werde jetzt nach meinen Schafen sehen und für sie sorgen. Wie ein Hirt seine Herde wieder zusammensucht, wenn sich die Schafe zerstreut haben, so will auch ich mich meiner Schafe annehmen….”

Und nun ist dieser Hirte da, aber die Pharisäer erkennen ihn nicht. Seine Stimme ist ihnen fremd. Seine Lehren gehen ihnen gegen den Strich, und für die Gnade und Vergebung des Neues Bundes, in den er sie führen wollte, haben sie keine Verwendung. Sie verstehen nicht, von was er überhaupt redet.

3 Bilder benutzt Jesus hier:

  • Er selbst ist die TÜR. Er ist die Tür in die Freiheit aus der Enge des Gesetzes, das nicht zu erretten vermag. Wer aber durch ihn geht, der erlebt die Güte Gottes.
  • Er ist der HIRTE, der sein Leben einsetzt, um uns zu retten vor dem Wolf. Er befreit uns aus der Macht der Sünde und des Teufels. Das Kreuz war kein Unfall, dass man sagen müsste: “Dumm gelaufen!” Er gab sein Leben freiwillig und hatte auch die Vollmacht zur Auferstehung. Und weil er das getan hat, liebt ihn der Vater! Der Vater und Jesus teilen die Liebe zu den verlorenen Menschen, und der Vater freut sich an der Einstellung und der Opferbereitschaft seines Sohnes. Mehr als alles andere zeigt uns das, welche Zuneigung Gott zu uns hat!
  • Er macht aus allen Schafen EINE HERDE. Die Juden dachten, Gott sei für sie reserviert. Nein, sagt Jesus, ich habe noch andere Schafe, und ich will aus allen meinen Schafen eine Herde machen. Da gibt es noch mehr solche, die meine Stimme kennen, und die gehören auch dazu. Und dann wird eine Herde und ein Hirte sein. Das ist für die Pharisäer schwer verdaulich und passt ihnen nicht. In ihrer Welt ging es immer um sie, selbst wenn es um Gott ging. Jesus dagegen wollte geben, und zwar jedem Schaf Leben im Überfluss. Was ist nun dieses Leben? In Johannes 17,3 sagt er: “Das ewige Leben bedeutet ja, dich zu erkennen, den einzigen wahren Gott, und den, den du gesandt hast, Jesus Christus.”

Und damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt. Denen, die wissen, dass sie blind sind, wird diese Erkenntnis geschenkt. Die sich für sehend halten, werden im Gericht merken, dass sie blind waren.