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Burnout im Dienst für Gott?

Druck Bild von gerhard Altmann auf PixabayKönnen Christen ausbrennen? Ja, und sie tun es massenweise.

Können Christen ausbrennen, weil sie dem Herrn von ganzem Herzen  und zu eifrig dienen? Nein, denn unser Herr ist kein harter Herr. Das zu glauben ist nicht nur ein harmloser Irrtum, sondern eine Sünde. Ein harter Herr ist jemand, der Dienst fordert, ohne die nötigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, jemand, der ernten will, ohne dass er gesät hat.

Was also läuft falsch? Warum erleiden so viele Christen einen Burnout?

Im 2.Korintherbrief geht es viel ums Geben. Zwar geht es in dem konkreten Zusammenhang ums Geld, aber ich glaube, das, was da gesagt wird, lässt sich ebenso auf das Geben von Zeit und Kraft anwenden. Wir wollen mal näher untersuchen, wie man geben soll:

  • aus unserem Reichtum heraus (2. Korinther 8,7-9 und 9,11), nicht aus einem Reichtum an Mitteln oder Kraft heraus  – es heißt von diesen Christen sogar, dass sie  über Vermögen gaben – sondern aus einem Reichtum an Freude, an Sicherheit in Gott heraus. Sie mussten sich und ihre Ressourcen nicht beschützen, weil sie Gott vertrauten, dass er ihnen geben würde, was sie brauchten.
  • bereitwillig und aus eigenem Antrieb. Ich glaube, dass das in unseren Gemeinden oft falsch läuft. Da ist ein gewisser Druck, weil es viel Arbeit gibt, und dann gibt man nicht aus Liebe und Freude und eigenem Antrieb, sondern aus schlechtem Gewissen. Ein schlechtes Gewissen ist der übelste Arbeitgeber, den es gibt.
  • fröhlichwas nicht heißt, dass man nicht auch Stunden der Anfechtung hat, indem man sich zu dieser Fröhlichkeit neu durchkämpfen muss.
  • zuerst dem Herrn und dann den Menschen. Das ist, glaube ich, der Kern der Sache. Sobald die Menschen das erste Ziel unserer Hingabe werden, verschieben sich die Akzente. Dann beginnen wir, etwas zurückzuerwarten, und wenn wir es nicht bekommen, geht unsere Energie verloren. Wir leben nicht mehr aus Gottes unerschöpflicher Quelle. Seine Liebe muss unser Motor sein, wenn wir uns den Menschen zuwenden. “Zuerst dem Herrn” heißt auch: Ich kann ohne schlechtes Gewissen nein sagen, wenn ich denke, dass der Auftrag nicht von ihm kommt und er mich nicht von innen heraus motiviert. Übrigens sind es nicht immer die bösen Anderen, die Druck auf uns ausüben. Viele von uns haben einen kleinen inneren Sklaventreiber, der sie immerzu mit einem schlechten Gewissen manipuliert, und der sich gerne als Gott ausgibt.

Wenn jemand erst einmal in so einem Burnout-Zustand gelandet ist, empfindet er oft jede Anfrage und jeden Auftrag als Druck und regiert nur noch mit Schutz- und Abwehrmechanismen. Er sieht nicht mehr seinen Reichtum, nur noch seine Armut. Es gilt dann,

  • nach oft jahrelanger Fehlhaltung neu zu überdenken und zu lernen, was es eigentlich bedeutet, dem Herrn fröhlich zu dienen und dabei auf seine Kraft und seinen Reichtum zu vertrauen,
  • nicht den falschen Schluss zu ziehen, dass ich meine Talente besser vergrabe, weil Gott ein harter Herr ist,
  • oder auch den rebellischen Schluss zu vermeiden, “dass ich gar nichts muss” und mich verweigere. Gott hat jedem von uns Talente und einen Auftrag gegeben, und er erwartet, dass wir ihn erfüllen. Paulus z.B. konnte sich nicht aussuchen, ob er das Evangelium verkündigen wollte oder nicht. Gott hatte ihn dazu berufen und begabt. In 1.Korinther 9 sagt er: Ich bin dazu verpflichtet. Wehe mir, wenn ich es unterlasse! Er musste also nicht jeden Morgen in sich hineinfühlen, ob er heute dazu Lust und Kraft hatte, ob er sich dafür beschimpfen und verprügeln und verleumden lassen wollte – oder ob er mal einen Tag frei nehmen wollte. Aber weil er sich als mit Christus gestorben betrachtete und die Liebe Gottes ihn antrieb, konnte er das, was er “musste”, freiwillig, von Herzen, mit unermüdlicher Leidenschaft tun und noch einen draufsetzen: “Mein Lohn ist, dass ich es unentgeltlich tue.”

Leider ist das meist nicht, was den Ausgebrannten durch die Psychotherapeuten gesagt wird. Menschlich verständlich, doktert man mehr an den Symptomen herum als an den Ursachen. Die Konsequenz heißt dann: Schütze dich vor Ansprüchen. Stell deine Bedürfnisse ins Zentrum. Sei dir selbst wichtig. Schau, was dir guttut.

Nun denke ich, wer wirklich einen Burnout erlitten hat, braucht ganz sicher eine Pause, ein Neu-Überdenken, Ursachenforschung, Erholung, Sortieren von Prioritäten. Aber vor allem das Gespräch mit Gott: Hilf mir, der Menschengefälligkeit, dem Streben nach Anerkennung, der Hoffnung auf Menschen, den selbstgebastelten Utopien, dem Perfektionismus, dem Rechnen mit meiner eigenen Kraft zu sterben. Erfülle du aus deinen unerschöpflichen Ressourcen mein Herz mit neuer Liebe für dich, neuer Leidenschaft für dein Reich und deine Menschen! Lass mich an der Gemeinschaft mit dir genug haben und in dir glücklich sein trotz Leiden, Ablehnung, Frustration, Übersehenwerden, weil es nur darauf ankommt, dass du mich siehst, und weil es einen ewigen Lohn gibt! Hilf mir, dass dir zu dienen das ist, was ich von Herzen, fröhlich und am liebsten tue, und erfülle mich mit deiner Freude!

Bin ich nun geschützt vor Burnout, weil ich das alles weiß und so gut beschreiben kann? Leider nein. Es ist sehr leicht, da hineinzurutschen, wenn man nicht wachsam ist. Ein Warnsignal wäre ein murrendes und anklagendes Herz, wenn ich anfange mich mit anderen zu vergleichen und die verurteile, die in meiner Wahrnehmung weniger tun als ich (wie Martha). Ein anderes Warnsignal ist z.B. das Gefühl von Druck durch ein schlechtes Gewissen gegenüber menschlichen Erwartungen, was bis zur Angst vor Begegnungen mit den entsprechenden Menschen führen kann. Dann muss ich zum Herrn rennen, vor ihm abklären, was ich eigentlich will, für wen ich das tue, ob die Liebe noch meine Motivation ist, oder ob der “Dienst” sich verselbständigt hat und zum Hamsterrad geworden ist. Und dann Buße tun, wo nötig, und mich neu von ihm ausrichten und erfüllen lassen!

Das Kreuz und seine Auswirkungen in meinem Leben

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Was ist im Christentum so anders als in allen anderen Religionen? Was macht es so schwer, es zu akzeptieren? Was ist, wie Paulus sagt, für die Juden ein Ärgernis und die Griechen eine Torheit? Was versucht man immer wieder herauszuschneiden, um eine akzeptablere Variante des Christentums herzustellen? Das Kreuz.
Das Kreuz ist das Kernstück unseres Glaubens. Natürlich gehört noch mehr dazu, es ist z.B. untrennbar von der Auferstehung Jesu. Aber ohne das Kreuz gibt es keine Rettung. Ohne das Kreuz gibt es auch keine Heiligung. Niemand kann ohne das Kreuz zu Gott kommen.
Was bedeutet dieses Kreuz für mich ganz persönlich? Ohne den Anspruch, alles abzudecken, was das Kreuz für uns bedeutet, hier 5 Punkte:

1. Durch das Kreuz wurde mir vergeben

2. Ich wurde mit Christus gekreuzigt, damit ich der Sünde nicht mehr diene.

3. Ich wurde durch das Kreuz dem Gesetz getötet.

4. Ich wurde der Welt gekreuzigt.

5. Ich bin teuer erkauft und habe meinen Herrn gewechselt.

1. Was ist überhaupt am Kreuz passiert? In den Evangelien wird uns berichtet, dass Jesus von den jüdischen Führern aus Eifersucht und unter Anklage der Gotteslästerung an die Römer ausgeliefert wurde, und dass sie darauf bestanden, dass er die Todesstrafe durch Kreuzigung, die qualvollste und erniedrigendste Art der Todesstrafe, erhalten müsste. Mit ein bisschen geschickter Manipulation des Volkswillens und Erpressung des Richters Pilatus haben sie sich durchgesetzt, und Jesus wurde tatsächlich gekreuzigt. Im Vorfeld wurde er geschlagen und bespuckt und aller Art von Verachtung ausgesetzt. Das war die äußere und politische Seite. Jesus hatte allerdings zuvor schon gesagt, dass niemand sein Leben nehmen kann, dass er es freiwillig gibt. Und die Apostel haben nach der Auferstehung und nach Pfingsten gepredigt, dass die Kreuzigung etwas war, was Gott schon lange vorher beschlossen hatte. Petrus schreibt es so in seinem Brief: „Er hat unsere Sünden an seinem Leib auf das Holz hinaufgetragen, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Striemen sind wir geheilt.“ (1. Petrus 2, 24)
Und Paulus sagt in Römer 5: Er ist für Gottlose gestorben, damit wir durch seinen Tod mit Gott versöhnt werden. Und Johannes nennt ihn das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt (Joh.1,29).
Der dreieinige Gott hat den Tod Jesu lange vorher beschlossen. In dieser Kreuzigung hat der Sohn Gottes unsere Sünden auf sich genommen und die Strafe dafür getragen, damit wir straffrei bleiben können, wenn wir dieses Opfer für uns annehmen.
Das Kreuz ist die Art, wie Gott seine Liebe zu Sündern zeigt, seine Liebe für die Welt und seine Liebe zu mir, zu jedem von uns persönlich. Und ganz persönlich muss es sein! Jesus ist für jeden von uns persönlich aus Liebe gestorben. Paulus sagt das in Galater 2,20: „Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“. Das ist das, worüber wir uns sicher sein müssen, wenn wir inneren Frieden haben wollen: Es war für mich. Meine Schuld ist vergeben und bezahlt. Gott hält sie nicht mehr gegen mich. Es gibt einen Vers im Kolosserbrief (2,14), der das mit einem Bild beschreibt: Der Schuldschein ist ans Kreuz genagelt worden, und jetzt ist er weggeschafft. Die Rechtsforderung Gottes ist bezahlt und erledigt. Ich muss keine ewige Strafe mehr fürchten, und ich kann zu Gott Vater sagen, kommen wie ich bin, eine persönliche, vertrauensvolle Beziehung haben mit dem Richter der ganzen Welt. Ich kann darauf vertrauen, dass er mich persönlich liebt, dass er mich als sein Kind sieht und mich nie verlassen und aufgeben wird.
An Jesus zu glauben bedeutet, zu akzeptieren, dass ich ein verlorener Sünder bin, der dieses Kreuz nötig hat als Tür zu Gott. Ich kann mir selbst nicht helfen, ich kann mich niemals so verbessern, dass ich die Zugangsberechtigung zu Gott erwerben würde. Ich nehme sie an als freies Geschenk.

2. Nun sagt die Bibel aber auch, dass wir mit Christus gekreuzigt wurden und uns deshalb der Sünde für tot halten sollen. Was bedeutet das nun? Für mich klang das viele Jahre lang ziemlich mystisch, aber es bedeutet einfach, dass mein Todesurteil, das die Gerechtigkeit Gottes über mich gesprochen hatte, am Kreuz an Christus vollstreckt wurde. Im Römerbrief wird es mal so ausgedrückt, dass wir mit dem Tod Christi „verwachsen“ sind. Das ist auch das, was wir in der Taufe bekennen. Es ist, wie wenn ein Zweig in einen Baum eingepfropft wird. Er wird zu einem Teil von diesem Baum, und alles, was für den Baum gilt, gilt auch für den Zweig. Das Kreuz war der Ort, wo das Todesurteil über meine Sünde vollstreckt wurde. Dieses Todesurteil muss ich in gewisser Weise nachvollziehen und bestätigen. Im 1. Johannesbrief (1,9) steht der bekannte Vers: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt, und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“. Das Wort bekennen bedeutet ursprünglich: dasselbe sagen. Das heißt, ich muss über meine Sünde dasselbe sagen wie Gott. Ich darf sie nicht entschuldigen – das wäre eine grobe Beleidigung des Opfers Jesu. Gott wird seine Meinung darüber, was Sünde ist, niemals ändern. Er wird z.B. nicht sagen: Was man früher Unzucht genannt hat, Sex außerhalb der Ehe, ist heute halt normal und nicht schlimm. Da sind wir drüber weg. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Dann müsste er sich ja quasi bei Jesus entschuldigen: Oh, ich habe dich damals für Dinge bestraft, von denen die Menschen jetzt herausgefunden haben, dass die eigentlich ganz richtig und erlaubt und gesund sind! Jetzt war das alles umsonst! Ihr seht, schon wegen dem Kreuz müssen die Standards Gottes unveränderlich sein. Es sind wir, die unsere Sicht auf die Sünde verändern müssen. Das ist eigentlich Heiligung. Das Wort Gottes deckt mir immer mehr meine Sünde auf und zeigt mir Gottes Meinung dazu. Ich höre immer mehr auf, mich selbst zu rechtfertigen, auch in den kleinen Dingen. Ich erkenne, dass nicht nur die groben Sünden, sondern auch mein Egoismus, meine Menschengefälligkeit, meine Eifersucht, meine Faulheit, meine Zeitverschwendung, meine falsche Freundlichkeit, meine Heuchelei, meine Habgier und Unzufriedenheit, mein Geiz, mein Vergleichen mit anderen usw. usw., an diesem Kreuz das Todesurteil erfahren haben. Das ist ein historischer Fakt, das muss ich nicht irgendwie vollbringen. Und dann lebe ich gemäß diesem Todesurteil, indem ich meine Sünde bekenne und die Kraft des neuen Lebens im Glauben in Anspruch nehme und verändert werde. Ich erkenne also immer mehr die Größe meiner Sünde und Verdorbenheit. Deswegen kann echte Heiligung nie zu Stolz und Selbstgerechtigkeit führen, und sie findet als Prozess statt. Sie ist wie ein Zug, der auf zwei Schienen läuft: mitgekreuzigt und mitauferstanden, das alte Leben wird abgelegt und das neue angenommen, und in der Erkenntnis dieser Dinge geht es immer weiter vorwärts. Und man kann das Kreuz nicht auseinanderdividieren, sozusagen die Rettung haben ohne die Heiligung. Das Ganze ist ein Paket, man fängt mit Buße und Glauben an, und man macht mit Buße und Glauben weiter bis zum Ende!
Deswegen schafft das Kreuz Einheit unter so ganz verschiedenen Menschen, die sich unterscheiden in Geschlecht, Nationalität und Kultur, sozialer Stellung usw., weil wir uns alle auf dem gleichen Level begegnen: Wenn wir an Jesus glauben, sind wir gerettete Sünder auf dem Weg der Heiligung, keiner ist vollkommen, aber jeder ist von Gott geliebt und angenommen.

3. Dann sagt die Bibel auch, dass wir dem Gesetz getötet sind (Römer 7). Damit sind nicht die Gesetze der Bundesrepublik gemeint, sondern das alttestamentliche Gesetz. Wer schon mal ernstlich und ehrlich versucht hat, das Gesetz zu halten, stellt fest, dass er das nicht kann. Trotzdem besteht ja die Rechtsforderung Gottes gegenüber jedem Menschen, es sei denn, er ist gestorben. Da ja Jesus die Rechtsforderung Gottes für mich erfüllt hat, und ich mit ihm gestorben bin, habe ich es nicht mehr mit dem Gesetz zu tun, sondern mit Jesus.
Wir leben nicht mehr mit dem Ziel, das Gesetz zu erfüllen, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen, wir klammern uns sozusagen an Christus. Er ist unsere Gerechtigkeit und unsere Gesetzeserfüllung.

4. Wir sind der Welt gekreuzigt, das heißt dem System dieser Welt. In Galater 6,14 sagt Paulus: „Es sei aber fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“  Das Kreuz ist das Urteil über eine autonome Menschheit, die meint, sich selbst erlösen zu können. Als Christ lebe ich zwar noch in dieser Welt, aber ich denke anders, und vor allen Dingen hoffe ich anders. Das heißt nicht, dass ich hier gar nichts mehr tue – wir sind aufgefordert, gute Bürger zu sein, unsere Nächsten zu lieben, Gutes zu tun usw. – aber ich setze meine Hoffnung nicht mehr auf Ideologie, Religion und Politik oder die Vereinigung der Menschheit – ich kenne ja den Ausgang schon. Ich bete um das Kommen des Reiches Gottes, weil ich weiß, dass alle anderen Reiche letztlich untergehen müssen. Ich weiß, dass das einzige, was die Menschen retten kann, das Evangelium vom Kreuz ist.

5. Dann gibt es noch einen Aspekt des Kreuzes, nämlich dass Jesus uns losgekauft hat und jetzt unser Herr ist. Wir waren Sklaven der Sünde und des Teufels, und jetzt gehören wir ihm. Er hat einen hohen Preis für uns bezahlt. Das hat mehrere Konsequenzen für uns. Die erste ist die Freiheit. Wir müssen der Sünde nicht mehr dienen, sie hat keinen Anspruch mehr an uns (Römer 6). Wir müssen nicht mehr mitmachen in dem, was die Welt tut. Auch die Welt hat keinen Anspruch mehr an uns. Wir sollen uns nicht mehr als Knechte der Menschen sehen, sondern als Menschen die Jesus gehören, ja es wird uns ausdrücklich verboten, der Menschen Knechte zu werden: „Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht Knechte der Menschen!“ (1.Korinther 7,23). Das hört sich erstmal widersprüchlich an, weil Jesus an anderer Stelle sagt, dass er gekommen ist, um zu dienen, und wir uns untereinander dienen sollten. Die Frage ist aber letztlich nicht, wem wir im Einzelfall dienen, sondern wer uns beauftragt, wer unser Herr ist. Das ist auch im praktischen Leben super wichtig, denn wenn Menschen meine letztgültigen Auftraggeber sind im Dienst für Jesus, ende ich in einem Gefühl der Versklavung, in Überforderung und Burnout. Ich gehöre nicht mehr mir, deswegen hat Jesus die Entscheidung, wofür ich mein Leben einsetze. Es gibt durchaus ein gottgefälliges Nein zu den Forderungen von Menschen! Das ist eine Folge des Kreuzes. Das bedeutet aber auch: Er sorgt für mich. Jesus ist ein guter Herr. Alles, was er von mir verlangt, gibt er zuerst. Und was für eine Entlastung ist das, dass ich nicht mehr für mich selbst zuständig bin, sondern er, der mich besser lieben kann als ich mich selbst, die Verantwortung für mich übernimmt.
Weil Jesus mich erkauft hat, soll ich auch meinen Körper als Tempel des Heiligen Geistes respektieren (1.Korinther 6,20). Ich kann damit keine Dinge tun, die er nicht billigt und die mir schaden, nicht sexuell unrein leben, mich nicht besaufen, mich nicht aufreizend kleiden, mich nicht runterhungern oder hochfressen und dergleichen mehr.

Das Kreuz hat sehr weitreichende Konsequenzen für uns (und wir haben gerade die Oberfläche angekratzt). Es ist die Kraft Gottes zur Erlösung, zur Heiligung, zur Freiheit und zum Dienen!

Jona – drei Tage im Bauch eines Fisches? (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Jona 2

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„Jonah Cast Forth By the Whale“ by Gustave Dore (d. 1883)

Jona war der erfolgreichste Erweckungsprediger aller Zeiten – und der widerwilligste! Soweit wir wissen, ist er der einzige Prophet, der zu Gottes Auftrag ein klares Nein gesagt hat, indem er davonlief, genau in die Gegenrichtung. Er beabsichtigte, viele tausend Kilometer zwischen sich und Gottes Auftrag zu bringen, aber es gelang ihm nicht. Gottes Pläne kann man nicht vereiteln.

Das Schiff, das er nahm, wurde von einem Sturm dermaßen gebeutelt, dass man Jona schließlich ins Meer warf, weil man erkannte, dass Gott den Sturm um seinetwillen geschickt hatte. Und dann bestellte Gott einen großen Fisch um Jona zu verschlingen. Drei Tage und drei Nächte verbringt er im Bauch des Fisches, und das 2. Kapitel des Buches Jona berichtet uns von seinem Gebet, dass er dort betete.

Nun erhebt sich die Frage: ist das Wahrheit oder Legende? Wie soll das funktionieren, dass ein Mensch drei Tage in einem Fischmagen überlebt? Müssen wir das nicht entmythologisieren?

Jesus zumindest hielt diese Geschichte für Realität, wie Matthäus 12,38–40 zeigt. Und wir können natürlich versuchen, wissenschaftliche Erklärungen oder ähnliche Erfahrungen zu finden, um zu rechtfertigen, dass auch wir daran glauben. Eigentlich aber liegt es an dem Bild, dass wir von Gott haben, ob wir ihn für fähig halten, so etwas zu tun.

Denn Gott ist

  • unbegreiflich – unser Wissen und Forschen kann ihn nicht erfassen. Wir sind auf seine Selbstoffenbarung angewiesen, um überhaupt etwas über ihn zu wissen
  • unerschaffen – ohne Herkunft, ohne eine Zeitlinie, der er unterworfen wäre
  • selbstgenügsam – Gott braucht nichts
  • ewig  und unendlich– unser Verstand dagegen kann nur innerhalb des Konzepts von Zeit und Begrenztheit operieren
  • allwissend
  • allmächtig
  • allgegenwärtig.

Dieser Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, hatte offensichtlich kein Problem damit, einen Fisch zu “bestellen”, der Jona zwar schluckte, aber nicht verdaute. Das Problem haben nur wir mit unserem begrenzten Bild von Gottes Macht. Aber es war nicht gerade gemütlich in diesem Fisch. Jonas Situation ist hoffnungslos; er fühlt sich verstoßen und am Ende. Gott hat ihm gezeigt: Ich bring dich dahin, wo du nicht hinwillst. Ich bin souverän und setze meinen Willen durch. Man kann Gott nicht davonkommen.

In dieser Situation geht Jonas Sehnsucht nach dem Tempel. Wie der verlorene Sohn erinnert er sich daran, wie gut es bei Gott war. Und Gott versperrt ihm den Zugang zu sich nicht. Im  Fischbauch in der Tiefe des Meeres hört er ihn. Und schließlich hört Jona auf zu kämpfen:

Was ich gelobt habe, das will ich bezahlen. Die Rettung kommt von dem Herrn!

Er bekennt seine Schuld: Ich war untreu, aber ich werde nun gehorchen und meine Gelübde einlösen. Und Gott gibt Jona nicht auf. Er erneuert den Ruf. Der Fisch spukt Jona an Land. Wie Petrus wird er nach dem Versagen wieder in den Dienst eingesetzt.

Die Rettung kommt von dem Herrn , betet Jona im Bauch des Fisches. Genau das ist die Bedeutung des Namens Jesus! Jesus wird später vom Zeichen Jonas sprechen. Wie Jona drei Tage und Nächte im Bauch des Fisches war, so war er drei Tage und Nächte im Grab, um dann wieder aufzuerstehen und für uns die Rettung zu sein.

Beten lernen: Wunschzettel mit Erfüllungs-Garantie?

santa-claus-514186_1920Als meine Kinder jünger waren und vor Geburtstagen und Weihnachten noch Wunschzettel schrieben, musste ich sie immer wieder mal darauf hinweisen, dass ein Wunschzettel ein Wunschzettel ist und keine Bestellung. Das Budget war beschränkt, und unsere Meinung über die Notwendigkeit oder Qualität der gewünschten Sachen war auch nicht immer deckungsgleich. Aber wünschen war nicht verboten.

Wenn Jesus sagt:

Darum sage ich euch: Worum ihr im Gebet auch bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, dann werdet ihr es auch erhalten. (Markus 11,24)

Wer bittet, empfängt; wer sucht, findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet!(Matthäus 7,8),

dann hört sich das nicht nach Ausnahmen und Beschränkung an!

Unsere Erfahrung ist anders. Wie oft hat Gott uns eben nicht gegeben, um was wir ihn gebeten haben! Es gibt also zwei Möglichkeiten: Entweder stimmt das nicht, dass jeder, der bittet, auch empfängt – oder es gibt einen Schlüssel, der uns fehlt.

Manche meinen, der Schlüssel ist der Glaube, und natürlich ist Glaube die Grund-Voraussetzung:

Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn aufrichtig suchen. (Hebräer 11,6)

Aber wenn wir nun Glauben an Gott hatten und trotzdem nicht bekamen, worum wir gebeten haben? War der Glaube zu klein? Brauchen wir einen Super-Glauben? Und wie kriegt man den? Muss man sich da künstlich reinsteigern?

Da man die ganze Heilige Schrift immer zusammen sehen muss, schauen wir mal, wo Jesus noch mehr zum Thema gesagt hat. In Johannes 15,16 lesen wir:

Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, das ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit der Vater euch gibt, was auch immer ihr ihn bitten werdet in meinem Namen.

Hier haben wir es wieder: Was auch immer!  Und der Schlüssel ist: In meinem Namen. Was bedeutet das? ist es eine Formel, die ich an jedes Gebet anhängen muss, damit ich kriege, was ich haben will? Wir wissen, dass jedes magische Denken der Bibel fremd ist – das kann es also nicht sein.

“In meinem Namen” heißt ganz einfach: In meinem Auftrag. Ich berufe mich in meinem Gebet darauf, dass das, um was ich bitte, etwas ist, was Jesus mir aufgetragen hat. Dafür muss ich

1. Jesus kennen, 2. mich auf seine Gerechtigkeit stützen, 3. gut informiert sein über das, was das Verlangen meines göttlichen Meisters ist. ich habe also Gewissheit, dass ich über kurz oder lang Erhörung finde, wenn ich bitte

  • um die Verherrlichung Gottes und alles, was dazu dient.  Z.B. schreibt Paulus den Philippern, dass er sich wünscht, dass Christus hoch gepriesen wird an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod. Das ist ein Gebet mit Erhörungsgarantie!
  • um das Kommen seines Reiches, die Ausbreitung seiner Botschaft
  • um das Lebensnotwendige – damit wir Gott weiter dienen können
  • um Vergebung – und nichts gibt er uns lieber!
  • um Sieg in Versuchung und auch um sein Kommen, das endgültig dem Bösen ein Ende machen wird.

Vielleicht hast du das sogenannte “Vaterunser” erkannt. Das ist ein Wunschzettel mit Erfüllungsgarantie für alle, die geduldig und im Glauben dranbleiben, ohne Aufhören um eben diese Dinge zu bitten! Gebet ist etwas für Jünger, die, die von ihrem Meister lernen möchten, was ER sich wünscht, und sich dann mit ihren Gebeten in seinen Dienst stellen.

Altwerden und die Hoffnung festhalten – was ich von Simeon und Hanna lernen möchte

Aert de Gelder [Public domain], via Wikimedia Commons

Heute mal keine Predigt-Nachlese, sondern einige persönliche Gedanken zum Thema …

Simeon und Hanna sind meine Vorbilder, wenn ums Altwerden geht. Über beide hab ich schon öfters geschrieben –  hier z.B. und hier ausführlicher über Hanna. Die beiden sind lebende Illustrationen für den Vers, den ich gerade auswendig gelernt habe:

Lasst uns nun das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten, denn treu ist ER, der die Verheißung gegeben hat. (Hebräer 10,23)

Die Beiden hatten nicht nur eine Hoffnung – sie lebten darin. Man konnte das daran erkennen, wo sie sich aufhielten, wofür sie sich einsetzten, wovon sie sprachen. Wenn in einem Menschen die Hoffnung auf Christus lebt, dann kann das nicht unbemerkt bleiben! Ich stelle mir Simeon so ein bisschen vor wie meinen 88jährigen Vater. So oft wir telefonieren oder uns begegnen, landen wir bei einem Thema, der Wiederkunft des Herrn. Das ist der Fixpunkt, der sein Leben bestimmt, und deswegen kommt das aus allen Poren.  Da führt kein Weg dran vorbei (und nicht etwa, weil ihm sonst nichts einfällt – er liest noch viel, sogar englische Romane, um seine Sprachkenntnisse aufzubessern!). So ähnlich wird der alte Simeon immer zu einem Thema zurückgekehrt sein: Der Trost Israels kommt, und ich werde ihn sehen. Vielleicht hat seine Umgebung schon die Augen verdreht, aber er hielt unentwegt daran fest, weil er wusste, wer ihm das versprochen hatte!

Und dann ist da diese Hanna. Ich möchte gern so werden wie sie! Ich möchte  im Alter nicht darum kämpfen, aus diesem Leben noch so viel wie möglich rauszuholen. Für wie viele Menschen ist Krankheit und Tod deswegen so bedrohlich, weil sie sich nur am Leben fühlen, wenn sie Skiurlaub an Kreuzfahrt reihen können, wenn sie Geld genug haben für jeden Komfort. Man macht sich eine Bucket List von Dingen, die man unbedingt noch erleben und sehen muss, ehe man die Augen zumacht. Auf Hannas Bucket List standen drei Dinge: Auf den Erlöser warten, Hingabe an Gott mit Beten und Fasten, von Ihm reden. Mehr wollte sie nicht, und wer glaubt, ihr Leben sei leerer gewesen als das einer Weltreisenden, weil sie sich immer nur im Tempel in Jerusalem aufhielt, der hat vom Glück der Gegenwart Gottes noch nichts verstanden. Hanna hatte ein volles, gesegnetes Leben – in Hoffnung, in Selbstverleugnung und in voller Annahme der Beschränkungen, die das Leben ihr auferlegt hatte. Am Ende durfte sie den sehen, an den sie geglaubt hatte.

So möchte ich alt werden. Egal, was kommt, loben und danken und beten geht immer! Der Zutritt zum Heiligtum ist sogar für mich in noch vollkommenerer Weise offen wie für Hanna – ich brauche keinen irdischen Tempel mehr. Und wie Hanna werde ich die Hoffnung festhalten und alles auf eine Karte setzen. Am Ende werde ich IHN sehen.

Übrigens, die Geschichte von Simeon und Hanna ist in der Bibel hier zu finden.