Schlagwort-Archive: Freiheit

Berufung

Berufung

Vor allem junge Menschen wollen ihre Berufung finden, etwas, das ihren Lebenssinn erfüllt. Für uns als Christen ist es dabei ohne Frage, wer uns beruft. Es kann nur Gott sein. Wir wünschen uns, dass er uns in eine Aufgabe stellt, bei der wir Erfüllung finden. Aber wenn wir zu verstehen suchen, welche das ist, sind wir oft ratlos. Wie erkennen wir sie? In der Bibel steht schließlich für alle das Gleiche. Gefühle? Eindrücke? Die Meinung anderer Leute? Sollen wir uns einfach nach unseren Begabungen richten?

Die Bibel spricht relativ selten von einer persönlichen, speziellen Berufung. Wenn Gott jemand da was sagen wollte, konnte er sich der Person zweifelsohne deutlich machen, selbst ohne dass derjenige drum gebeten hatte (und manchmal sogar gegen ihren Willen, s. Jona). Im Allgemeinen genügt völlig, was die heilige Schrift generell über unsere Berufung als Christen sagt. Das enthält jede Menge Gnade und so viel an Herausforderung, dass wir damit vorläufig beschäftigt sind. Und ich bin überzeugt: Wenn wir darin leben, ergibt sich alles andere von selbst.

  • Wir sind zur Freiheit berufen. “Ihr seid ja zur Freiheit berufen, liebe Geschwister! Nur benutzt die Freiheit nicht als Freibrief für eure eigenwillige Natur, sondern dient einander in Liebe.” (Galater 5,13) Gott hat es uns geschenkt, dass wir ihm ohne Gesetzesvorschriften aus Liebe gehorchen und dienen können. Weder Teufel noch Menschen noch Umstände können uns letztlich versklaven – in allem, was wir tun, sind wir von Gott abhängig und Gott direkt verantwortlich. “Denn wer als Sklave in die Gemeinschaft des Herrn gerufen wurde, ist vor dem Herrn ein freier Mensch. Und wer frei war, als Gott ihn rief, ist jetzt ein Sklave von Christus. Gott hat einen hohen Preis für euch bezahlt. Macht euch also nicht zu Sklaven von Menschen!” (1.Korinther 7,22ff)
  • Wir sind zum Frieden berufen. “Wir wünschen euch, dass der Frieden, der von Christus kommt, eure Herzen regiert, denn als Glieder des einen Leibes seid ihr zum Frieden berufen.” (Kolosser 3,15) Das ist eine gemeinschaftliche Berufung für die Gemeinde Gottes. Sie soll die Herrschaft des Friedefürsten unter sich ausleben. Es ist aber auch eine Berufung, in allen Lebensumständen den Frieden zu suchen, und z.B. wo nötig, einen ungläubigen Ehepartner ziehen zu lassen: “Der Bruder oder die Schwester ist in diesem Fall nicht wie ein Sklave an die Ehe gebunden. Gott hat uns doch zu einem Leben in Frieden berufen!”(1.Korinther 7,15)
  • Wir sind berufen zum ewigen Leben. “Kämpfe den guten Kampf, der zu einem Leben im Glauben gehört, und ergreife das ewige Leben, zu dem Gott dich berufen hat.” (1.Timotheus 6,12) Damit ist nicht nur der Himmel gemeint, sondern unser Leben jetzt und hier in “Ewigkeitsqualität”.
  • Wir sind berufen zum Licht. “Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht.” (1.Petrus 2,9) Wer diese Berufung ins Licht hat, kann nicht mehr in der Finsternis leben. “… ihr seid Menschen des Lichts und Kinder des kommenden Tages. Nein, wir gehören nicht zu Finsternis und Nacht!Deshalb wollen wir auch nicht schlafen, wie die anderen, sondern wachen und nüchtern sein. Denn wer schläft, schläft in der Nacht, und wer sich betrinkt, tut es in der Nacht.Wir aber gehören zum Tag und wollen darum nüchtern sein, gerüstet mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf Rettung. Denn Gott hat uns nicht dazu bestimmt, dass wir seinem Zorngericht verfallen, sondern dass wir durch unseren Herrn Jesus Christus das Heil in Besitz nehmen.” (1. Thessalonicher 5,4-9)
  • Wir sind zum Leiden und Gutes tun berufen. Das ist eigentlich das Kernthema des 1. Petrusbriefes. “Wenn ihr aber Gutes tut und dafür leiden müsst, dann ist das eine Gnade von Gott, denn genau dazu seid ihr berufen worden. Auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Fußspuren folgt.” (1.Petrus 2,21) Nehmen wir diese Berufung an?
  • Wir sind berufen, Segen zu erben, und zwar Segen für uns selbst und zum großzügigen Weitergeben. ”Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Schmähung mit Schmähung, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr wisst, dass ihr dazu berufen seid, Segen zu erben.” (1.Petrus 3,9) Wir werden gewarnt, nicht knauserig damit zu sein, weil wir uns sonst ins eigene Fleisch schneiden.
  • Wir sind zur Gemeinschaft mit Christus berufen. “Gott ist treu. Er hat euch berufen zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn.” (1.Korinther 1,9) Das Wort, das hier für Gemeinschaft steht, bedeutet mehr als nur Zusammensein, Es geht um Partizipation und Partnerschaft. Was ihm gehört, gehört uns, er macht uns an allem, was er hat, zu Teilhabern!
  • Wir sind zur Heiligkeit berufen. “Wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Lebenswandel.” 1.Petrus 1,15)
  • Wir sind zu ewiger Herrlichkeit berufen. Das ist das Endziel! “Der Gott, von dem alle Gnade kommt, hat euch berufen, mit Christus zusammen für immer in seiner Herrlichkeit zu leben.” (1.Petrus 5,10)  Paulus sagt: “Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist, und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.” (Philipper 3,10-11)

ist uns das genug Berufung? Ganz sicher, wenn wir sie ernst nehmen und im Alltag umsetzen wollen!

Erlöst! (Predigt-Nachlese)

martinique-206916_1280

Jesus ist unser Erlöser – was heißt das?

Es gibt in der Bibel mehrere Begriffe, die aus verschiedenen Winkeln beleuchten, was Gott für uns getan hat.

  • Rechtfertigung (gr. dikaios) = wir haben von Gott als Richter den Freispruch empfangen und sind für unschuldig erklärt worden – weil Jesus unsere Schuld und Strafe auf sich genommen hat. Der Lohn der Sünde ist der Tod. Christus ist unseren Tod für uns gestorben, so dass wir freigesprochen werden können. Sein Opfer ist für alle unsere Sünden für immer ausreichend. Wenn wir “in IHM” sind, sind wir um seinetwillen zu Gerechten gemacht.
  • Vergebung (aphesis) = das, was wir Gott schuldig waren, hat er uns erlassen. Unsere Sünden sind weggetragen. Im Alten Testament gab es für Israel den sogenannten Großen Versöhnungstag. Dabei wurde ein Ziegenbock für das Volk geschlachtet und sein Blut auf den Deckel der Bundeslade und den Altar gesprengt. Das war der eine Teil der Sühne. Dann gab es aber noch einen zweiten Ziegenbock. Der Hohepriester legte seine Hände auf seinen Kopf und bekannte die Sünden des Volkes. Symbolisch legte er sie damit auf den Ziegenbock, und anschließend wurde das Tier aus dem Lager in die Wüste geschickt, um dort zu bleiben. Beide Ziegenböcke sind Bilder von dem, was Jesus getan hat. Unsere Sünden wurden auf ihn gelegt, und er hat sie weggetragen, und jetzt wird nie mehr davon gesprochen! Das ist der Maßstab dafür, wie auch wir einander vergeben sollten!
  • Adoption (uihothesia) = wir werden, obwohl wir von Natur “Kinder des Zorns” sind, in die Stellung von Kindern Gottes eingesetzt, irreversibel und mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten!
  • Versöhnung (katallassō) = Gott macht aus Feinden Freunde. Er versöhnt uns in Christus mit sich selbst, und wir bitten jetzt jeden Menschen in seinem Auftrag: Lass dich versöhnen mit Gott!
  • Erlösung (apolutrōsis) = der Loskauf oder Freikauf. Wir waren unter die Sünde verkauft wie Sklaven, Christus hat durch sein Blut das Lösegeld bezahlt. Wir müssen der Sünde nicht mehr dienen und unseren sinnlosen alten Lebensstil nicht weiterleben.

Nichts von all dem konnten wir für uns selbst tun. Die Initiative ging von Gott aus, der uns geliebt, erwählt und angenommen hat. Unsere absolute Unfähigkeit, irgend etwas hervorzubringen, was vor Gott annehmbar war, wird so beschrieben: tot in Übertretungen und Sünden. Die ganze Erlösung ist Gottes Plan, den er gefasst hat, weil er ist, wer er ist. Er liebt es, gnädig zu sein.

Die Frage ist: Bist du erlöst? Bist du “in Christus”? Wenn du ihm heute sagst, dass du deine Sünden loswerden, sein Opfer annehmen und ein neues Leben haben möchtest, dann wird er dich aus der Finsternis ins Licht bringen, dich freisprechen, deine Sünden in die Wüste schicken und dich adoptieren!  Und dann wird er dir als Bestandteil all dieser Gnadengeschenke Erkenntnis und Einsicht geben, um dieses neue Leben mit ihm zu leben.

Der heilige Geist ist eifersüchtig – eine sehr persönliche Predigt-Nachlese

image

Falls du dich fragst, was das Thema nun mit einer Glühbirne zu tun hat: Mir ist am Sonntag während der Predigt ein Licht aufgegangen!

Der Predigttext war Jakobus 4. Da geht es um die Frage, woher eigentlich der ganze Krieg kommt, der unter uns manchmal herrscht. Jakobus spricht hier zu gläubigen Juden-Christen, aber das alles lässt sich auch auf uns anwenden. Wir sind immer in der Gefahr, auch in der Gemeinde, unseren Dickkopf durchzudrücken und unsere Vorstellung davon, wie was und wer zu sein hat, für die einzig annehmbare zu halten. Statt dessen sollten wir lieber beten, dass Gottes Willen unter uns zum Zug kommt. Doch selbst in unseren Gebeten, so ist hier die Diagnose, drehen wir uns oft nur um uns selbst und unsere Begierden.  Solche Gebete erhört Gott nicht (und das ist auch besser für uns!). Jesus zeigt uns im Garten Gethsemane, was Gebet wirklich ist: Hingabe an den Willen Gottes.
Dann kommt Jakobus zum Kern des Problems: Wir sind geistliche “Ehebrecher” wenn wir die Welt und ihre Lust mehr lieben als Gott. Johannes sagt mal (1. Johannes 2,15.16):

Liebt nicht die Welt und auch nicht, was zu ihr gehört! Wer die Welt liebt, hat keinen Platz für die Liebe zum Vater. Denn nichts von dem, was in der Welt ist, kommt vom Vater: Die Gier des eigenwilligen Menschen, seine begehrlichen Blicke, sein Prahlen mit Besitz und Macht – das alles gehört zur Welt.

Da gibt es nur ein Entweder-Oder! Und der Heilige Geist ist eifersüchtig! Die  menschliche Beziehungsebene dient hier der Verdeutlichung: Wie ein Partner eifersüchtig reagiert, wenn der andere von ihm weggeht und sich mit jemand anderem einlässt, so ist Gott auch eifersüchtig, wenn wir uns mit der Welt und ihrer Wesensart vergnügen, denn wir gehören zu IHM. Unser Verlangen muss auf Jesus gerichtet sein, nicht auf unseren Stolz, unseren Eigenwillen, unser Entertainment und all die Dinge, die wir so sehen und haben wollen. Unsere Liebe zu ihm muss leidenschaftlich und total sein. Dann fragt sie auch nicht: Wie weit kann ich denn gehen, ehe es ganz schlimm ist? Wie nah kann ich an der Kante entlang laufen?

Das ist genau der Punkt, wo es bei mir “Klick” gemacht hat. Ich habe in den letzten Jahren eine Art Sucht entwickelt, und zwar nach Spielfilmen. Was anfangs vielleicht ein Nachholbedürfnis war (in meiner Jugend lief das unter “verboten”), nahm immer größere Ausmaße an, vor allem, nachdem ich die Online-Mediatheken entdeckt hatte. Einen Film anzugucken wurde meine liebste Entspannungsmethode …. und dann noch einen und noch einen. Danach fühlte ich mich immer, als wäre hier was falsch, aber ich wusste nicht so recht, warum (und ich muss alles immer genau wissen). Ich guckte keine “bösen” Filme, und bei den allfälligen Knutschszenen spulte ich vor oder brach ab. Ich vergeudete auch nicht übermäßig Zeit, denn ich bin ein hervorragender Multi-Tasker –  ich kann Filme schauen und gleichzeitig Emails schreiben oder bügeln und putzen. Aber mit wenigen Ausnahmen musste ich mich danach fragen: “Wozu war das jetzt gut?” und hatte immer den Drang, um Vergebung zu bitten. Ich versuchte, es einzuschränken, aber das gelang immer nur kurzfristig, dann war ich wieder im alten Trott. Schließlich schrie ich zu Gott: “Ich krieg das nicht hin! Ich kann mich nicht selbst erziehen, aber du bist doch mein Erzieher! Dann mach das doch irgendwie!”  Was soll ich sagen? Ich bin frei! Er hat das Bedürfnis weggenommen. (Aber ich weiß auch, dass ich nicht wieder damit anfangen darf.)

Ich hatte aber immer noch nicht wirklich verstanden, was daran nun so falsch war. Und am Sonntag in der Predigt hab ich auf einmal ganz klar gesehen: Was es mir so unbehaglich gemacht hat, das war die Eifersucht des Heiligen Geistes, der in mir wohnt. Er wollte nicht, “dass ich mich da rumtreibe”. Meine Abhängigkeit von dieser Aktivität war ihm zur Konkurrenz geworden. – Nun gut, das hätten wir geklärt! Es wird sicher in Zukunft noch mehr Aufräumungsarbeiten geben, und es ist mir recht so!

Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns wohnt; um so reicher aber ist die Gnade, die er gibt.

Oh yes!

Jesus ist gestorben – wozu?

UnbenanntHeute morgen habe ich mir mal meine Bibel vorgeknöpft und mir notiert, wofür Jesus eigentlich gestorben ist. Um es salopp zu sagen: Was ist denn nun dabei herausgesprungen – für uns und für Gott?

Hier sind meine Ergebnisse – und ich habe sicher nur die Oberfläche angekratzt.

Das Kreuz Jesu ist die ultimative Selbst-Offenbarung der Liebe Gottes zu uns.

Gottes Liebe zu uns ist darin sichtbar geworden, dass er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte, um uns in ihm das Leben zu geben. Die Liebe hat ihren Grund nicht darin, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühnopfer für unsere Sünden gesandt hat.  1. Johannes 4,9.10

Diese Liebe  ist völlig unbegreiflich, denn wir waren seine Feinde.

Aber nicht nur seine Liebe hat Gott durch den Tod Jesu sichtbar gemacht, sondern auch seine Gerechtigkeit. Er konnte unsere Schuld nicht einfach übersehen und Fünf gerade sein lassen. Deswegen brauchte er einen Heiligen und Reinen, der selbst ohne Sünde war, und der sich an unserer Stelle richten ließ.

Ihn (Jesus) hat Gott zu einer Stätte für Sühne gemacht. Durch sein vergossenes Blut ist die Sühne vollzogen worden, und durch den Glauben kommt sie allen zugute. So hat Gott auch den Beweis erbracht, dass er gerecht gehandelt hatte, obwohl er die bis dahin begangenen Sünden der Menschen ungestraft ließ. Und heute beweist er seine Gerechtigkeit dadurch, dass er den für gerecht erklärt, der aus dem Glauben an Jesus lebt. Römer 3,25-26

Gott hat sich durch das Blut seines Sohnes eine Gemeinde “gekauft”, ein neues Volk aus allen Völkern.

Und mit deinem vergossenen Blut hast du Menschen erkauft, Menschen aus allen Stämmen und Völkern, aus jeder Sprache und Kultur. Du hast sie freigekauft für unseren Gott und sie zu Mitherrschern und Priestern für ihn gemacht. Sie regieren in Zukunft die Welt. Offenbarung 5,9.10

Gott hat sie (die Gemeinde) ja durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben. Apostelgeschichte 20,28

Was haben wir nun davon? (Bitte die Links anklicken, um zu den Bibelstellen zu gelangen!)

Und Jesus selbst?

Nach seiner Seelenqual sieht er das Licht  und wird für sein Leiden belohnt.  Jesaja 53,11

Er erniedrigte sich selbst und gehorchte Gott bis zum Tod – zum Verbrechertod am Kreuz. Darum hat Gott ihn über alles erhöht  und ihm den Namen geschenkt, der über allen Namen steht: Denn vor dem Namen Jesus wird einmal jedes Knie gebeugt; von allen, ob sie im Himmel sind, auf der Erde oder unter ihr.Und jede Zunge wird bekennen: „Jesus Christus ist der Herr!“ So wird Gott, der Vater, geehrt. Philipper 2,8-11

Wer aber sein Opfer ablehnt, dem kann nicht mehr geholfen werden. Dem bleibt

nur noch das furchtbare Warten auf das Gericht und das wütende Feuer, das die verzehren wird, die sich gegen Gott gestellt haben. Hebräer 10,27

So sind wir nun Botschafter für Christus, und es ist Gott, der durch uns mahnt. Wir bitten im Auftrag von Christus: Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet! 2.Korinther 5,20.21

Predigt-Nachlese: Befreit leben

Predigttext: Galater 5

chain-297842_640Christus hat uns frei gemacht. Was bedeutet das? Wovon sind wir befreit und wozu? Das Wort Freiheit hat durch die Aufklärung eine Umdeutung erfahren im Sinn einer Befreiung von Regeln und Einschränkungen, damit man sich ausleben  und tun und lassen kann, was man will. Die biblische Definition ist aber eine andere!

Wovon sind wir befreit? Wir sind befreit von dem Todesurteil, das aufgrund unserer Sünde über uns gefällt war. Diese Freiheit wurde uns  als Geschenk ohne Verdienst oder Wiedergutmachung gegeben.  Dadurch sind wir auch frei von dem Druck, der in allen alten und neuen Religionen stets vorhanden ist: Was kann ich tun, um Gott zufrieden zu stellen? Wir wissen es schon: Nichts.

Und doch kann es passieren, dass wir das wieder vergessen, bzw. verwirrt werden wie die Galater. Zu ihnen kamen falsche Lehrer, die sagten: Der Sinn des Gesetzes ist, dass man es hält, um Gott wohlgefällig zu sein. Dafür ist es schließlich gegeben! Demgegenüber sagt Paulus: Der Sinn des Gesetzes ist es, uns unsere wurzeltiefe Unfähigkeit zu zeigen, dem Standard Gottes je zu genügen. Jesus hat das sogar noch deutlicher gemacht, indem er jeder oberflächlich-äußeren Auffassung vom Gesetz eine Absage erteilt hat: Ehebruch ist nicht erst die vollbrachte Tat, sondern schon der begehrliche Blick. Mord beginnt bei Hass im Herzen. Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist! Liebt eure Feinde! Damit stopft er unserem selbstsicheren “Das schaff ich schon!” den Mund. Und es kränkt unseren menschlichen Stolz zutiefst, dass wir zu unserer Erlösung nichts beitragen können! Genau das ist das “Ärgernis des Kreuzes”!

Den Galatern hatte man erzählt, sie müssten sich der Beschneidung unterziehen, um richtig zu Gott zu gehören. Dann müsst ihr es gleich komplett machen, sagt Paulus, und das ganze Gesetz halten! Das sagt auch Jakobus in seinem Brief (2,10): Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem Punkt dagegen verstößt, der ist am ganzen Gesetz schuldig geworden. Es hat also gar keinen Zweck, es auf diese Weise zu versuchen.

Wie denn kann man Gott gefallen? Durch Glauben, durch das feste Vertrauen auf den unsichtbaren Gott, der uns verspricht, dass er uns das Opfer Jesu zurechnet und unsere Schuld vergibt. Jeder Versuch, unsere eigene Gerechtigkeit zu basteln, zeigt unsere Ablehnung seiner freien Gnade. Wenn ihr durch das Gesetz vor Gott bestehen wollt, habt ihr euch von Christus getrennt und die Gnade verloren. (Galater 5,4)

Aber wozu sind wir befreit? Um weiter zu sündigen? Um für uns selbst zu leben? Das wäre Undankbarkeit und Verachtung des Blutes Jesu! Gott hat uns befreit, um aus Liebe zu dienen. Wir sind frei, um uns ihm hinzugeben. Jesu Liebe will durch uns zueinander fließen. Wir sollen in seiner Liebe bleiben, und daran werden uns die Menschen als Jesu Jünger erkennen, nicht an unseren Regeln und Aktionen. Ein solches Leben ist Freiheit und Freude. Selbstbezogenheit dagegen lässt das Herz leer.

Paulus hat ziemlich harte Worte für die Irrlehrer, die die Galater so durcheinander gebracht haben. Das liegt daran, dass er die Gemeinde liebt!  Die falschen Verkündiger werden ihr Urteil bekommen. Die Galater (und wir) sind verantwortlich, jede Verkündigung darauf abzuklopfen, ob sie der ursprünglichen Botschaft entspricht und kein anderes Evangelium anzunehmen. Der Apostel spricht sein Vertrauen Gott gegenüber aus, dass er Einsicht bei ihnen bewirken wird – weil Gott sein angefangenes Werk nicht lässt, auch wenn wir uns manchmal verirren.

Bildquelle: pixabay.com

Predigt-Nachlese: Vaterschaftstest

Predigttext: Johannes 8,31-59

Das Laubhüttenfest ist vorbei, aber Jerusalem ist immer noch voll, und Jesus lehrt im Tempel. Menschen beginnen, an ihn zu glauben. Jesus aber reagiert nicht, wie wir oft, mit Begeisterung, sondern er lädt seine Zuhörer ein, zu prüfen, ob sie tatsächlich seine Jünger sind.

“Wenn ihr in meinem Wort bleibt, dann seid ihr wirklich meine Jünger,” sagt er ihnen. “Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.”

Auf seine erste Aussage gehen sie gar nicht ein, aber dass sie freigemacht werden sollen, das finden sie provozierend. Frei von was, bitte? Sind sie nicht Kinder Abrahams, im Besitz einer einzigartigen Beziehung zum lebendigen Gott? “Wir sind nie jemandes Sklaven gewesen,” protestieren sie (und scheinen so diverse Unterdrücker in ihrer Geschichte auszublenden – ganz aktuell die römische Besatzung). Geistlich fühlen sie sich frei.

“Doch,” sagt Jesus,”ihr seid Sklaven, Sklaven der Sünde nämlich. Deshalb gehört ihr auch nicht zum Haushalt Gottes; ihr seid keine Mitglieder der Familie und ohne Erbrecht. Ihr braucht jemand, der euch befreit, nämlich den Sohn. Ich weiß, dass ihr biologische Nachkommen Abrahams seid, aber eure geistliche Abstammung von ihm stelle ich in Frage, denn ihr wollt mich töten.”

Sie widersprechen nicht. Eine harte Rede gegenüber Menschen, die dabei sind, sich ihm anzuschließen, aber sie trifft offensichtlich. Sie haben wohl nicht damit gerechnet, dass sie so in Frage gestellt werden, wenn sie beginnen ihm zu glauben. Aber diese Feststellung, dass sie gebunden sind, die lehnen sie ab.

“Wir haben verschiedene Väter,” macht Jesus ihnen klar. “Jeder von uns tut das, was er bei seinem Vater gelernt hat. Und Abrahams Kinder könnt ihr nicht sein, denn Abraham hat anders gehandelt als ihr.”

Nun regen sie sich richtig auf. Sogar Gott ist ihr Vater! Mit ihnen und ihrer Abstammung ist alles in Ordnung! Der Gott Israels ist doch der, der ihnen ihre Identität gibt!

Jesus wird noch deutlicher: “Wäre Gott euer Vater, so würdet ihr mich lieben. Er hat mich gesandt. Aber ihr versteht ja noch nicht einmal meine Sprache! Ihr könnt mein Wort nicht ertragen! Euer Wesen zeigt, wer euer Vater ist: Lüge und Mord war schon immer die Eigenart des Teufels, und genau das kommt auch aus euch hervor. Wer aus Gott ist, der hört die Worte Gottes. Darum hört ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.”

Unsere Reaktion auf das Wort Gottes ist der ultimative Vaterschaftstest. Kinder Gottes nehmen es an und halten es fest.

Nun werden aus Menschen, die vorgaben, ihm zu glauben, Angreifer. “Du hast einen Dämon,” geifern sie. “Du bist wie die Samariter, die von der richtigen Religion abgefallen sind.” Jesus widerspricht, aber diskutiert nicht mit ihnen darüber. Statt dessen setzt er noch eins drauf: Er verspricht denen, die sein Wort bewahren, ewiges Leben.

Das geht zu weit! So was kann ja wohl nur Gott versprechen! Was bildet dieser Typ sich eigentlich ein? Schließlich ist er nur ein ganz normaler Zimmermann. Will er sich vielleicht über Abraham und die Propheten erheben? Die sind alle gestorben, und er verteilt hier ewiges Leben? “Was machst du aus dir selbst?”

“Ich kann nicht lügen,” sagt Jesus, “Gott ist mein Vater. Ihr sagt, er ist euer Gott. Aber er ehrt mich. Ihr kennt ihn gar nicht. Ich kenne ihn. Und was Abraham betrifft: Der freute sich auf mein Kommen und hat mich schon gesehen.”

Lebte Abraham nicht vor einigen tausend Jahren? Und dieser Mann war noch nicht mal 50! Wie sollte Abraham ihn wohl gesehen haben? Sie äußern ihre Zweifel über diese Verrücktheit.

“Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich,” antwortet ihnen Jesus, und jetzt war jedem Juden klar, was für einen Anspruch er hier erhob. Er stellte sich selbst vor als der “Ich bin” des Alten Testamentes, den Gott von Ewigkeit, den Gott Abrahams, ihren Gott. Und genau das war ihnen so unerträglich, dass sie begannen Steine aufzuheben, um ihn zu steinigen. Aber seine Zeit war noch nicht gekommen – er würde sein Leben nach dem ewigen Plan am Kreuz lassen und nicht jetzt. Er entwich und ließ sie ihre Mordpläne weiter schmieden.

Bis heute scheiden sich am Ja zur Gottheit Jesu und am Ja zu seinem ganzen Wort die Geister. Hier gibt es kein neutrales Terrain, wo man sich bedeckt halten könnte. Der Weg zu diesem Ja und zur Jüngerschaft führt durch die Diagnose Jesu: Er zeigt mir, dass ich von Natur ein Kind des Teufels bin, und er bietet mir Befreiung an, Aufnahme ins Haus des Vaters. Er, der Sohn, macht wirklich frei.