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Beten lernen von Paulus (Predigt-Nachlese)

Kolosser1Manchmal scheint Gott auf etwas Nachdruck zu legen. Vor Kurzem habe ich mich entschlossen, den Kolosserbrief auswendig zu lernen. Schon länger ist es mir ein Anliegen, wenn ich bete – ob für andere oder für mich selbst – wirklich zu verstehen, was denn Gott eigentlich auf dem Herzen hat für uns, und um was er gebeten werden möchte, und ich dachte, der Kolosserbrief könnte mir dabei eine große Hilfe sein. Und nun haben wir heute in der Gemeinde mit einer Predigtreihe über den Kolosserbrief begonnen (obwohl eigentlich etwas anderes angekündigt war) …

In den ersten Versen des Kolosserbriefs (1-14) sehen wir Paulus total begeistert von dem Werk Gottes unter den Kolossern, die er noch nie gesehen hat. Aber er hat davon gehört von Epaphras, durch dessen Dienst offensichtlich die Gemeinde dort entstanden ist. Was er gehört hat, kommt ihm irgendwie bekannt vor, denn das Wort Gottes hat bei ihnen denselben Effekt wie an anderen Orten: Es bewirkt Glauben und Liebe und wächst und bringt Frucht. Das heißt nicht, dass es bei den Kolossern nichts mehr zu korrigieren und zu lernen gegeben hätte, wie man im weiteren Verlauf des Briefes sieht. Aber dass sie die Gnade Gottes wirklich erfahren haben, ist offensichtlich.

Vor der Fürbitte kommt bei Paulus der “Für-Dank”. Er freut sich für sie und dankt Gott für die Hoffnung, die sie nun haben, für ihre Errettung, für ihre “Versetzung” aus der Finsternis in Gottes Reich der Liebe und des Lichtes. Abgesehen davon, dass das aus seinem vollsten Herzen kommt, macht er ihnen und uns damit vor, wie wir Gott danken können und sollen. (In meiner Arbeit mit geistig behinderten Menschen sagen wir, wir “modeln” Kommunikation – genau das tut er hier!)

Was Paulus dann bittet, ist genau das, was jeder von uns persönlich, aber auch eine ganze Gemeinde braucht, um geistlich gesund zu sein: Erkenntnis des Willens Gottes, Weisheit, geistliches Verständnis. Ziel und Effekt ist ein Leben, das Gott gefällt, das die Verhaltensweisen und Taten hervorbringt, die ihm Ehre machen. Er bittet, dass sie Gott immer besser kennen. Ihr innerer Mensch muss durch Gottes Kraft gestärkt werden, nicht damit sie ein von Problemen und Krisen freies Leben haben, sondern damit sie in den Problemen aus- und durchhalten  und ihre Freude nicht verlieren. Es ist so wichtig für sie, dass sie erkennen, was sie haben – Vergebung, Erlösung, ein himmlisches Erbe –, damit sie übersprudeln mit Dank und Anbetung, weil Gott es wert ist.

Zum Nachdenken: Sind unsere Gebete auf diese Prioritäten ausgerichtet? Oder sind sie nur problemorientiert oder aufs Diesseitige gerichtet: Arbeit, Gesundheit, finanzielle Probleme? Steht der Dank bei uns an erster Stelle, wenn wir für uns und andere beten?

Durch Jesus wollen wir Gott ein immer währendes Dankopfer bringen, denn das Lob aus unserem Mund ist unser Bekenntnis zu ihm. (Hebräer 13,15 NeÜ)

Das Gebet macht die geistliche Waffenrüstung komplett (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Epheser 6,18 ff

Gebet unsplash

Wenn Gott uns durch den Glauben das neue Leben geschenkt hat, sind wir “in Christus”. Wir sind mit allen geistlichen Segnungen gesegnet. Und trotzdem stehen wir ununterbrochen im Kampf, denn dem Widersacher Gottes passt das nicht. Wir müssen uns aber nicht fürchten, denn Gott hat uns seine Waffenrüstung zur Verfügung gestellt, und wenn wir sie anlegen, ist der Sieg uns sicher.

Das Wort Gottes ist unser Schwert, wirksam für Angriff und Defensive. Um es effektiv zu führen, brauchen wir das Gebet. Das Wort der heiligen Schrift und das Gebet gehören unauflöslich zusammen. Betend wenden wir das Wort auf unsere Herzen an, betend stützen wir uns darauf, wenn wir von Entmutigung attackiert werden, betend greifen wir mit allen Verheißungen den Feind an im Kampf um unsere Familien, unsere Gemeinden und die Menschen dieser Welt. Betend wehren wir uns mit dem Wort, wenn der Feind uns zum Ungehorsam verleiten, unsere Nützlichkeit zerstören und unsere Freude rauben will.

Und wie machen wir das? “Mit allem Gebet und Flehen im Geist”, d.h. unser Leben muss durchsättigt sein von der Kommunikation mit dem Herrn in allen Variationen und Facetten. Wir empfangen seine Güte und danken, wir erleben unsere Hilflosigkeit und flehen, wir sehen unsere Brüder leiden und stehen in der Fürbitte für sie ein, wir sehen die Gefährdung unseres Glaubens und wachen, wir haben gesündigt und tun Buße vor ihm, wir lieben die Gläubigen und ringen im Gebet, dass sie im Willen Gottes stehen. Alles machen wir immer mit dem Herrn, weil wir uns unserer Abhängigkeit bewusst sind. Mit ihm reden wir über unser Leben, vor ihn tragen wir unsere Fragen, von ihm erwarten wir alle Hilfe. Und das tun wir privat und öffentlich, spontan und geplant, jubelnd und weinend, stehend, sitzend und kniend, die Hände erhebend oder auf unserem Gesicht liegend.

Beten ist nichts, was der Mensch von Natur kann, deshalb muss es im Geist sein. Der Geist und das Wort wirken zusammen und verändern unsere Denkweise und bringen sie in Einklang mit der Denkweise Gottes. Aber mehr noch: Da, wo es gar keine adäquaten Worte gibt und wo uns die Kraft und der Horizont fehlt, hilft der Geist unserer Schwachheit auf und tritt mit unaussprechlichen Seufzern vor Gott für uns ein. Wir sind in unserem Beten nicht auf uns angewiesen, sondern auf ihn. Er tut für uns, was unsere Kapazität übersteigt.

Wir tun es in aller Ausdauer, ohne Unterlass, ohne aufzugeben, weil er uns versprochen hat, dass er uns erhört.  Wir tun es für uns und alle Heiligen und ganz besonders für die, die ihm an vorderster Front dienen, und für die, die um seinetwillen leiden. Paulus selbst bittet um Gebet. Er hat so viel für den Herrn durchlitten, er hat das Evangelium unter bitterster Verfolgung unentwegt von Stadt zu Stadt und Land zu Land gebracht, und jetzt sagt er: Geschwister, bittet für mich! Ich brauche Mut! Keiner kann es je aus sich selber, keiner wächst je über die Abhängigkeit von der Gnade Gottes hinaus. Um unseren Lauf zu vollenden und unseren Dienst zu verrichten, brauchen wir unser eigenes und das Gebet unserer Glaubensgeschwister – bis zum Schluss.