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Neue Kraft

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Die auf den HERRN harren, gewinnen neue Kraft: sie heben die Schwingen empor wie die Adler; sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.         Jesaja 40,31

Ist das nicht ein passender Vers zum Beginn des neuen Jahres? Es ist so wichtig, geistlich nicht müde zu werden! Wenn man nicht gegenhält, passiert es im Nullkommanichts, ehe man es richtig gemerkt hat.

Geistliche Müdigkeit ist gefährlich. Man ist versucht, die wichtigsten Dinge über Bord zu werfen, so wie Esau, der sein Erstgeburtsrecht leichtfertig aufgab für einen Teller Linsen. Die Zukunft fällt dem gegenwärtigen Bedürfnis zum Opfer. Man ist versucht aufzuhören, das Gute zu tun, und wenn dann die Ernte eingefahren wird, hat man keinen Ertrag vorzuweisen:

Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. (Galater 6,9)

Was macht uns denn müde?

  • Warten macht müde. Wenn wir z.B. den Eindruck haben, Gott erhört unsere Gebete nicht, kann sich Frustration breitmachen (Lukas 18,1)
  • Quälende Fragen, auf die man keine Antwort findet (Psalm 77)
  • Sorgen (Matthäus 6,34)
  • Ständige Bedrängnis und Traurigkeit  (Psalm 6,7)
  • Schlechtes Kräftemanagement  und mangelndes Auftanken  (s. hier)
  • Angriffe und Verfolgung  (Psalm 143)
  • Hilfe an der falschen Stelle suchen und endloses Gelaber ohne echte Lösungen (Jesaja 47,13)
  • Widerspruch  von außen und Kampf gegen die Sünde (Hebräer 12,3-4)
  • Gottes Züchtigung, vor allem, wenn man sie falsch einordnet als Ablehnung statt als Zeichen der Zuneigung (Hebräer 12,5-11)
  • Geistliche Arbeit – Paulus schreibt davon, wie ihn die Sorge um alle Gemeinden belastet (2.Korinther 11,28)

Viele dieser Dinge gehören zum Leben, und man kann ihnen nicht ausweichen. Paulus schreibt aber auch darüber, was ihn aufrecht und am Laufen hält. Er kannte das “Geheimnis der Adlerflügel”. Er wusste: Die Kraft kann nicht aus uns kommen. Wir brauchen Gottes Kraft. Und Gott wird nicht müde!

Hast du es nicht erkannt, oder hast du es nicht gehört? Ein ewiger Gott ist der HERR, der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht, unergründlich ist seine Einsicht. Er gibt dem Müden Kraft und dem Ohnmächtigen mehrt er die Stärke. (Jesaja 40, 28,29)

Wir dürfen sozusagen die Reserven Gottes anzapfen.

Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. (2.Korinther 4,16)

Und wie funktioniert das praktisch?

In diesem Sinne:

Ein gesegnetes, kraftvolles Neues Jahr!

Berufung

Berufung

Vor allem junge Menschen wollen ihre Berufung finden, etwas, das ihren Lebenssinn erfüllt. Für uns als Christen ist es dabei ohne Frage, wer uns beruft. Es kann nur Gott sein. Wir wünschen uns, dass er uns in eine Aufgabe stellt, bei der wir Erfüllung finden. Aber wenn wir zu verstehen suchen, welche das ist, sind wir oft ratlos. Wie erkennen wir sie? In der Bibel steht schließlich für alle das Gleiche. Gefühle? Eindrücke? Die Meinung anderer Leute? Sollen wir uns einfach nach unseren Begabungen richten?

Die Bibel spricht relativ selten von einer persönlichen, speziellen Berufung. Wenn Gott jemand da was sagen wollte, konnte er sich der Person zweifelsohne deutlich machen, selbst ohne dass derjenige drum gebeten hatte (und manchmal sogar gegen ihren Willen, s. Jona). Im Allgemeinen genügt völlig, was die heilige Schrift generell über unsere Berufung als Christen sagt. Das enthält jede Menge Gnade und so viel an Herausforderung, dass wir damit vorläufig beschäftigt sind. Und ich bin überzeugt: Wenn wir darin leben, ergibt sich alles andere von selbst.

  • Wir sind zur Freiheit berufen. “Ihr seid ja zur Freiheit berufen, liebe Geschwister! Nur benutzt die Freiheit nicht als Freibrief für eure eigenwillige Natur, sondern dient einander in Liebe.” (Galater 5,13) Gott hat es uns geschenkt, dass wir ihm ohne Gesetzesvorschriften aus Liebe gehorchen und dienen können. Weder Teufel noch Menschen noch Umstände können uns letztlich versklaven – in allem, was wir tun, sind wir von Gott abhängig und Gott direkt verantwortlich. “Denn wer als Sklave in die Gemeinschaft des Herrn gerufen wurde, ist vor dem Herrn ein freier Mensch. Und wer frei war, als Gott ihn rief, ist jetzt ein Sklave von Christus. Gott hat einen hohen Preis für euch bezahlt. Macht euch also nicht zu Sklaven von Menschen!” (1.Korinther 7,22ff)
  • Wir sind zum Frieden berufen. “Wir wünschen euch, dass der Frieden, der von Christus kommt, eure Herzen regiert, denn als Glieder des einen Leibes seid ihr zum Frieden berufen.” (Kolosser 3,15) Das ist eine gemeinschaftliche Berufung für die Gemeinde Gottes. Sie soll die Herrschaft des Friedefürsten unter sich ausleben. Es ist aber auch eine Berufung, in allen Lebensumständen den Frieden zu suchen, und z.B. wo nötig, einen ungläubigen Ehepartner ziehen zu lassen: “Der Bruder oder die Schwester ist in diesem Fall nicht wie ein Sklave an die Ehe gebunden. Gott hat uns doch zu einem Leben in Frieden berufen!”(1.Korinther 7,15)
  • Wir sind berufen zum ewigen Leben. “Kämpfe den guten Kampf, der zu einem Leben im Glauben gehört, und ergreife das ewige Leben, zu dem Gott dich berufen hat.” (1.Timotheus 6,12) Damit ist nicht nur der Himmel gemeint, sondern unser Leben jetzt und hier in “Ewigkeitsqualität”.
  • Wir sind berufen zum Licht. “Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht.” (1.Petrus 2,9) Wer diese Berufung ins Licht hat, kann nicht mehr in der Finsternis leben. “… ihr seid Menschen des Lichts und Kinder des kommenden Tages. Nein, wir gehören nicht zu Finsternis und Nacht!Deshalb wollen wir auch nicht schlafen, wie die anderen, sondern wachen und nüchtern sein. Denn wer schläft, schläft in der Nacht, und wer sich betrinkt, tut es in der Nacht.Wir aber gehören zum Tag und wollen darum nüchtern sein, gerüstet mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf Rettung. Denn Gott hat uns nicht dazu bestimmt, dass wir seinem Zorngericht verfallen, sondern dass wir durch unseren Herrn Jesus Christus das Heil in Besitz nehmen.” (1. Thessalonicher 5,4-9)
  • Wir sind zum Leiden und Gutes tun berufen. Das ist eigentlich das Kernthema des 1. Petrusbriefes. “Wenn ihr aber Gutes tut und dafür leiden müsst, dann ist das eine Gnade von Gott, denn genau dazu seid ihr berufen worden. Auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Fußspuren folgt.” (1.Petrus 2,21) Nehmen wir diese Berufung an?
  • Wir sind berufen, Segen zu erben, und zwar Segen für uns selbst und zum großzügigen Weitergeben. ”Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Schmähung mit Schmähung, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr wisst, dass ihr dazu berufen seid, Segen zu erben.” (1.Petrus 3,9) Wir werden gewarnt, nicht knauserig damit zu sein, weil wir uns sonst ins eigene Fleisch schneiden.
  • Wir sind zur Gemeinschaft mit Christus berufen. “Gott ist treu. Er hat euch berufen zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn.” (1.Korinther 1,9) Das Wort, das hier für Gemeinschaft steht, bedeutet mehr als nur Zusammensein, Es geht um Partizipation und Partnerschaft. Was ihm gehört, gehört uns, er macht uns an allem, was er hat, zu Teilhabern!
  • Wir sind zur Heiligkeit berufen. “Wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Lebenswandel.” 1.Petrus 1,15)
  • Wir sind zu ewiger Herrlichkeit berufen. Das ist das Endziel! “Der Gott, von dem alle Gnade kommt, hat euch berufen, mit Christus zusammen für immer in seiner Herrlichkeit zu leben.” (1.Petrus 5,10)  Paulus sagt: “Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist, und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.” (Philipper 3,10-11)

ist uns das genug Berufung? Ganz sicher, wenn wir sie ernst nehmen und im Alltag umsetzen wollen!

Wie sich Resistenzen bilden

 

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Eine wachsende Gefahr im Bereich der Medizin sind multiresistente Keime. Das sind Krankheitserreger, die gegen viele verschiedene Antibiotika unempfindlich geworden sind. Schließlich hilft dem Patienten nichts mehr. Oft rührt das daher, dass der Kranke zwar das Medikament eingenommen hat, aber zu früh damit aufgehört hat, weil er sich wieder besser fühlte. Tatsächlich aber wurden nicht alle Erreger ganz abgetötet. Denen, die übriggeblieben sind, ist dann die nächste Antibiotika-Attacke ziemlich egal – sie sind inzwischen resistent geworden. Mein Hygienelehrer drückte das so aus: “Die sagen dann nur noch: Hmmm, leckeres Antibiotikum!”

Eine analoge Gefahr von Resistenzbildung gibt es auch im geistlichen Bereich, immer da, wo man auf halbem Weg stehenbleibt. Vielleicht singen wir hingebungsvoll Alles will ich Jesus weihen und sind dabei emotional ganz aufgewühlt, aber wenn es dann praktisch wird, sind wir doch eher der Bequemlichkeit oder dem Entertainment und unseren eigenen Plänen geweiht (ich spreche aus Erfahrung). Am Anfang fällt uns der Widerspruch noch auf, aber wenn wir dann nicht Gottes Hilfe gegen unsere Trägheit suchen, sondern  uns mit gelegentlichen guten Gefühlen begnügen, werden wir irgendwann resistent gegen die Forderung, unser Kreuz auf uns zu nehmen und Ihm nachzufolgen.

Vielleicht haben wir das Wort Gottes so oft gehört und waren so oft davon bewegt und angesprochen, haben aber keine Konsequenzen gezogen und mit der Sünde nicht gebrochen. Wir mögen die Atmosphäre im Gottesdienst und die netten Leute, wir stimmen vom Kopf her allem zu, aber wir wollen es ja mal nicht übertreiben. Am Ende werden wir noch als extrem verschrien! Einen leichten Anflug von Ungemütlichkeit können wir manchmal nicht leugnen, wenn das Wort uns trifft, aber irgendwann juckt uns das auch nicht mehr, und wir können fröhlich gerade so herausgehen, wie wir hineingegangen sind.

Vielleicht züchtigt Gott uns in seiner väterlichen Güte, aber  anstatt ihn zu fragen, was er uns beibringen möchte und uns vor ihm zu demütigen, sehen wir uns als Opfer widriger Umstände oder böser Menschen und nehmen unsere Zuflucht zu humanistischer Selbstbestätigung und suchen uns Leute, die uns sagen: “Du bist okay, so wie du bist, und auch Gott ist ganz vernarrt in dich! Von ihm kann das nicht kommen!”

Wenn wir das lange genug machen, werden wir irgendwann multiresistent gegen die Gnade, die uns zur Umkehr bewegen will.

Wie kann man dem entgegenwirken?  Indem wir Gott von ganzem Herzen suchen, weil wir wissen, dass wir ohne ihn nichts können. Und durch echte Gemeinschaft – nicht nur unverbindlichen Gottesdienstbesuch (schreckliches Wort!) – sondern durch Eingebundensein in aufrichtige gegenseitige Ermahnung und Ermutigung durch das Wort Gottes – nicht nur hin und wieder, sondern fortlaufend.

Ermahnt euch gegenseitig jeden Tag, solange es dieses „Heute“, von dem die Schrift spricht, noch gibt, damit niemand auf den Betrug der Sünde hereinfällt und hart wird. (Hebräer 3,13)

Und lasst uns aufeinander achten und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen.Deshalb ist es wichtig, unsere Zusammenkünfte nicht zu versäumen, wie es sich schon einige angewöhnt haben. Wir müssen uns doch gegenseitig ermutigen, und das umso mehr, je näher ihr den Tag heranrücken seht, an dem der Herr kommt. (Hebräer 10, 24.25)

Der Gott des geduldigen Durchhaltens

wall-55895_1280Heute morgen fiel mir in Römer 15,5 eine interessante Beschreibung Gottes auf. In der Elberfelder Bibel liest sich das so: “der Gott des Ausharrens und der Ermunterung”. Ausharren ist nicht unbedingt ein Wort aus unserer Umgangssprache, aber man könnte es mit geduldigem Durchhalten in widrigen Umständen mit Blick auf das Ziel umschreiben. Die Zielorientierung, die Hoffnung, macht den Unterschied zu dumpfer Resignation oder Schicksalsergebenheit.

Was bedeutet das nun für mich, dass Gott der Gott des Ausharrens und der Ermunterung ist? Es gefällt mir, wie es die französische „Bible du Semeur“ übersetzt: Gott ist die Quelle der Geduld und des Trostes (Dieu, source de toute patience et de tout réconfort).  Das heißt für mich in allen Kämpfen, Anfechtungen und Widerwärtigkeiten:

  • Es ist GOTT, der mich festhält und durchträgt
  • Es ist GOTT, mir durch sein Wort Mut macht, der mich zurechtrückt, der mir eine neue Perspektive gibt
  • Es ist GOTT, der meine Tränen abwischt und mich tröstet
  • Es ist GOTT, der mir Menschen an die Seite stellt, damit wir uns gegenseitig ermutigen und ermahnen und mitziehen
  • Es ist GOTT, der mich erzieht und auch Schwierigkeiten verordnet, damit ich daran das Durchhalten und Vertrauen lerne
  • Es ist GOTT, der mich furchtsamen Schwächling mutig und standhaft macht

Also  – wohin wende ich mich, wenn ich down bin, nicht mehr kann, keinen Ausweg sehe, Angst habe? An den Gott des Ausharrens und der Ermunterung! Und wie können wir einander helfen? Indem wir Durchflussrohre für die Quelle  des Durchhaltens und des Trostes werden. Und das geht nur, wenn wir uns dazu auch zusammenfinden:

Wir wollen unbeirrbar an der Hoffnung festhalten, zu der wir uns bekennen. Denn Gott, der uns das Versprechen gegeben hat, steht treu zu seinen Zusagen. Und lasst uns aufeinander achten und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen. Deshalb ist es wichtig, unsere Zusammenkünfte nicht zu versäumen, wie es sich leider einige schon angewöhnt haben. Wir müssen uns doch gegenseitig ermutigen, und das umso mehr, je näher ihr den Tag heranrücken seht, an dem der Herr kommt. (Hebräer 10, 24.25)

Im Hebräerbrief unterwegs (3 b): Herzkrankheit

Hier geht es um eine ernste Herzkrankheit (und die Kur, glücklicherweise). Sie zeigt sich als

  • ein verhärtetes Herz
  • ein irregehendes Herz
  • ein böses Herz

Was sind das denn für Ereignisse, von denen hier (Verse 8 und 9) die Rede ist? Als Israel gerade davor steht, über den Jordan ins verheißene Land einzuziehen, hält Moses noch mal Rückschau (5.Mose 9) und zählt alles auf, was so schief gegangen ist: Das goldene Kalb haben sie gemacht, noch während Gott ihm die Gesetzestafeln gab. Immer wenn es Probleme gab, beschwerten sie sich vehement, aber nicht nur das, sie stellten infrage, ob es überhaupt Sinn gemacht hatte, aus Ägypten auszuziehen. Lieber Sklaverei als Hunger und Durst! Statt sich vertrauensvoll an Gott zu wenden, machten sie Moses mit Vorwürfen das Leben schwer – Vorwürfe, für die er nur der Platzhalter war, denn eigentlich meinten sie Gott. Und das Schlimmste war, dass sie kurz vor dem Ziel zeigten, dass sie Gott nicht vertrauten, dass er sie wirklich heil in das Land bringen konnte, das er ihnen versprochen hatte.

Gott hat für dieses Un-Vertrauen keine freundlichen Worte! Er sieht hier auch keine mildernden Umstände: “Ach ja, kann man ja verstehen….Durst und Hunger, Wüste, schlechte Umweltbedingungen, das war halt alles zu stark für dieses Volk. Die hatten im Vertrauen keine Übung, schau dir mal die Vorgeschichte an, wo sie herkommen! Die können nichts dafür.” Gott findet, wie er sich durch die 10 Plagen, das Passahlamm, den Durchzug durchs Rote Meer und die Vernichtung der ägyptischen Verfolger als Retter und Befreier gezeigt hat, wäre wahrlich Grund genug, ihm zu vertrauen. Das hier tut ihm weh und macht ihn zornig. Und ich kann das verstehen! Ich habe das selbst oft erlebt, dass mir jemand völlig grundlos nicht vertraut und schlechte Motive untergeschoben hat. So eine Haltung ist das ultimative Mittel, um eine Beziehung zu zerstören. Gottes Traurigkeit und Zorn sind nachvollziehbar, aber wie oft tue ich ihm das an, sobald die Sachen nicht so rund laufen, wie ich meine, dass sie es müssten! Und wie oft nutze ich dann auch menschliche Buhmänner, die an allem Schuld sind, weil ich nicht so deutlich sagen möchte, dass ich Gott nicht vertraue? Hm…..

Aber Gott durchschaut das und stellt die Diagnose: Hart, dumm, eigenwillig,bitter, rebellisch, böse. Das ist die Richtung, in die mein “Fleisch” mich zieht, aber ich muss sie nicht gehen. Ich kann auch üben, Gott in jeder Situation das Vertrauen auszusprechen. Aber ich schaffe das nicht allein. Ich brauche andere Christen dazu. Sie müssen auf mein Herz aufpassen und ich auf ihres (nicht wie Kontrollfreaks, sondern wie Geschwister)!

“Seht zu, Brüder, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei, im Abfall vom lebendigen Gott,sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es „heute“ heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde!” (Verse 12 und 13)

Das ist, gelinde gesagt, eine ziemliche Verantwortung! Aber es führt kein Weg dran vorbei.

Gemeinschaft: Stütze für meinen Knacks

Ich liebe Blumen und bin ein Hobbyflorist, und als ich noch einen Garten hatte, genoss ich es sehr, mir immer etwas für die Vase pflücken zu. können. Als allerdings meine Buben ins “Ball-fähige” Alter kamen, nahm die Lebensqualität meiner Blumen drastisch ab. Regelmäßig waren sie umgeschossen, lagen entweder ganz am Boden oder waren irgendwo abgeknickt. Dann entdeckte ich, dass sich vieles noch retten lässt, wenn man sie ganz eng zusammenbindet, so dass es von oben aussieht wie eine einzige strukturierte Oberfläche. Dann stützt ein Stiel den anderen, und auch die angeknacksten Schönheiten tragen zum Gesamtbild bei.

So empfinde ich oft auch christliche Gemeinschaft. Die anderen stützen meinen Knacks mit ihrer Liebe und Geduld– sie sehen eben nicht nur den kaputten Stängel, sondern dass meine “Blüte” im Zusammenspiel ein Geschenk Gottes und durchaus brauchbar ist. Sie schmeißen mich nicht auf den Müll, sondern lehnen ihren eigenen Knacks an meinen an, und zusammen sind wir stark.

Ich weiß, ich weiß, das Bild hat seine Schwächen…..aber sagt die Schrift nicht, dass Jesus der ist, der den geknickten Halm nicht zerbricht? Und “das Wichtigste von allem ist die Liebe, die wie ein Band alles umschließt und vollkommen macht.” (Kolosser 3,14) So wird aus geknickten Stielen ein Strauß.

Predigt-Nachlese: Nicht nur sonntags

Text: Apostelgeschichte 2,40-47

Durch die  Predigt des Petrus waren 3000 Menschen zum Glauben gekommen. Die Gemeinde Gottes war geboren! Viele dieser Leute waren ja nur zu Gast in Jerusalem wegen des Festes und werden wieder abgereist sein. Manche werden entgegen ursprünglicher Pläne geblieben sein, um mehr zu lernen und sich der Gemeinschaft anzuschließen.

Die Gemeinde Jesu zeichnete sich von Anfang an durch 4 Elemente aus, die sie bis heute prägen oder prägen sollten:

  • Die Lehre der Apostel: Die Bibel der Apostel war das Alte Testament, und sie lasen und lehrten es in einem neuen Licht. Jesus war die Erfüllung und Erklärung aller Pläne und Verheißungen Gottes, die sie darin fanden. Außerdem überlieferten sie den neuen Gläubigen alles, was Jesus in seiner Zeit mit ihnen getan und gesagt hatte, und diese verließen sich auf sie als die bevollmächtigten Augenzeugen. Die junge Gemeinde traf sich täglich; es gab kein Nachlassen in ihrem Eifer; sie fragten nicht: Müssen wir denn dahin? So früh aufstehen? So spät ins Bett? Sie hungerten nach dem Wort Gottes und konnten nicht genug davon bekommen.
  • Gemeinschaft: Das hier gebrauchte griechische Wort koinōnia bedeutet Gemeinschaft in einem sehr umfassenden Sinn. Sie war auf das gegründet, was sie gemeinsam hatten: denselben Gott, denselben Retter, dieselbe Botschaft, dieselbe Freude, dieselbe Aufgabe. Und auch Verfolgung und Leid um Jesu willen teilten sie. Diese Gemeinsamkeit ließ kulturelle Unterschiede nebensächlich werden. Das erleben wir auch heute noch: Wo immer auf der Welt wir Menschen treffen, die Jesus als ihren Herrn und Retter lieben, ist sofort eine gemeinsame Basis da.
    Sie teilten auch ihre Güter. Wir sehen, dass sich das später änderte, als die Umstände sich änderten. Das Bewusstsein aber, dass wir auch in materiellen Dingen füreinander Verantwortung tragen wie in einer Familie, und eine Herzenshaltung der Großzügigkeit und des Teilens sollte Christen immer auszeichnen.
  • Das Brechen des Brotes: Ihre Gemeinsamkeit drückte sich auch bei den Mahlzeiten aus, und in Verbindung damit feierten sie im Abendmahl ihre Erlösung, wie Jesus es ihnen aufgetragen hatte. Für alle offensichtlich, war ihr Leben geprägt von Dankbarkeit, Freude und Lob Gottes.
  • Gebet: Sie beteten ohne Unterlass, denn sie wussten, dass sie in ihrer Aufgabe ganz von Gott abhingen.

Diese 4 Komponenten sind für gesundes Christsein unerlässlich. Wie ein Mangel an Nahrung und Liebe bei Kindern zu Entwicklungsstörungen führt, kann ein Christ sich ohne Gottes Wort und Gemeinschaft nicht normal entwickeln. Er wird auf geistlicher Ebene ähnliche Symptome zeigen: Minderwuchs, gestörtes Sozialverhalten, gestörte Sprachentwicklung, Schwäche und Müdigkeit. Nur gesunde Christen machen gesunde Gemeinden (und umgekehrt) und können sich reproduzieren. Ihre Liebe zueinander, die nur durch die Kraft des Heiligen Geistes möglich ist, zeigt ihrer Umwelt die anziehende Verwandlungskraft Gottes.