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Gottes höhere Mathematik im Römerbrief

calculator-227654_1920Ich studiere gerade den Römerbrief und stelle fest, dass da ganz viel gerechnet wird. Es wird angerechnet, zugerechnet, nicht zugerechnet … und ab und zu sollen wir auch rechnen. Das ursprüngliche Wort im griechischen Text ist logizomai und bedeutet “zählen”, “rechnen” “zusammenrechnen”, bzw. “etwas in Rechnung stellen” oder auch “gutschreiben”. Im übertragenen Sinn kann es auch “schlussfolgern” bedeuten, wenn man aus den Fakten die Summe zieht.

  • Da wird z.B. dem Menschen, der von Natur kein Jude (und daher nicht beschnitten) ist, die “Beschneidung” sozusagen gutgeschrieben (logizomai), wenn er das Gesetz befolgt.  Allerdings ist das mehr ein hypothetischer Fall, wie Paulus später feststellt, weil sowieso kein Mensch, ob Jude oder Nichtjude, das Gesetz vollkommen befolgt.
  • Wenn wir also 1 und 1 zusammenzählen, dann kommen wir zu dem Schluss (logizomai), dass ein Mensch nur durch den Glauben vor Gott gerechtgesprochen wird und nicht durch das Halten des Gesetzes.
  • Und tatsächlich hat Gott das bei Abraham so gemacht. Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet (logizomai) .
  • Du meinst, du schaffst es auch, durch deine Taten vor Gott als gerecht dazustehen? Bitteschön, du kannst es probieren! Aber wenn du auf dieser Grundlage zu Gott kommst, wird er dir den “Lohn” gemäß deiner Verpflichtungen berechnen (logizomai), Wenn du dir nicht selbst was vormachst, weißt du, dass das nicht gut ausgehen kann.
  • Wenn dir aber klar ist, dass du eigentlich ein gottloser, verlorener Mensch bist und dein ganzes Vertrauen auf das setzt, was Jesus für dich getan hat, dann schreibt Gott dir aufgrund deines Glaubens Gerechtigkeit gut (logizomai).
  • Menschen, denen Gott ihre Sünde nicht zurechnet (logizomai), sind die glücklichsten überhaupt. Dem Nicht-Zurechnen der Sünde steht das Anrechnen (logizomai)  der Gerechtigkeit gegenüber. Nicht nur wird der Negativbetrag gelöscht, sondern da steht dann ein Positivbetrag! Wow!
  • Paulus beschäftigt sich dann mit der Frage, wann Abraham diese Glaubensgerechtigkeit angerechnet (logizomai) wurde. Tatsächlich geschah das, ehe er beschnitten wurde. Das gibt uns die Garantie, dass auch wir diese Gutschrift bekommen können, obwohl wir (die meisten von uns) keine Juden sind.
  • Deswegen rechnet (logizomai) Gott nicht alle  Israeliten, die biologisch von Abraham abstammen, als “Israel”, sondern, die, welche glauben, sind die Kinder der Verheißung.

Aber nun hat Gott so viel gerechnet – jetzt sollen wir auch noch ein bisschen rechnen. Mit den Tatsachen nämlich:

  • Weil wir mit Christus gestorben und auferstanden sind (was wir in der Taufe bezeugt haben, sollen wir auch davon ausgehen und damit rechnen (logizomai)* , dass wir für die Sünde tot sind und durch Jesus für Gott leben!
  • Und wenn wir dann leiden, sollen wir ein bisschen wiegen und rechnen. Paulus ist überzeugt (d.h. er hat aus dem Abwiegen die Schlussfolgerung berechnet (logizomai), dass die Leiden dieser Weltzeit nicht ins Gewicht fallen, wenn man sie mit der zukünftigen Herrlichkeit vergleicht.

*Hier habe ich die NeÜ verlinkt, weil sie logizomai, das an allen diesen Stellen steht, meiner Meinung nach am Sinnvollsten wiedergibt.

Nachruf auf meinen Vater

sunset-100367_1920Vor gut drei Wochen ist mein Vater mit 92 Jahren heimgegangen zu seinem Herrn. Sein letztes halbes Jahr war gekennzeichnet von Demenz, einem zunehmendem Verlust von Orientierung und Kompetenzen, von  Stürzen, Schmerzen, Unruhe, von der Schwierigkeit, sich sinnvoll zu beschäftigen, weil Körper und Kopf nicht mehr mitmachten. Es war nicht leicht für ihn. Wir dachten oft: Wie lange wird das noch so gehen? Aber im Rückblick: Was ist ein halbes Jahr in Relation zu 92 Lebensjahren? Jetzt ist dieses letzte halbe Jahr noch so sehr präsent, wenn wir an Papa denken, aber was wird in 10 Jahren – wenn wir dann selbst noch hier sind – im Fokus unserer Erinnerungen stehen?

Erinnerungen sind eine merkwürdige Sache. Ich lese gerade in der Bibel die Geschichte Abrahams und bin heute bei seinem Tod angelangt. Abraham war nicht perfekt – mein Vater auch nicht (wie keiner von uns). Es gab Dinge, wo ich mir bis zum Schluss eine Änderung des Denkens gewünscht hätte. Die Bibel macht aus Abrahams Fehlern und Schwächen keinen Hehl, aber sie zieht ein Fazit, das über alles entscheidet, das den Grundtenor seines Lebens beschreibt:

Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. (Römer 4,3)

Das kann ich für meinen Vater auch ganz sicher sagen. Er glaubte Gott und verließ sich nicht auf seine eigene Gerechtigkeit. Als junger Mann in belgischer Kriegsgefangenschaft, als ihn seine Schuld quälte und er Vergebung suchte, hat er sein Vertrauen auf Jesus gesetzt, der ihn nie mehr losgelassen hat. Er strebte danach, diesen Glauben durch Gehorsam und Treue zu Gott zu zeigen. Ich bin Gott sehr dankbar für sein Leben und Vermächtnis. In der Auslegung der Bibel hatten wir in Nebenpunkten ein paar divergierende Auffassungen, aber er war immer mein Vorbild, was einen echten, authentischen und konsequenten Glauben betrifft.

Vermisse ich ihn? Unser irdisches Leben ist der Vergänglichkeit unterworfen. Das Sterben ist – das wurde mir in letzter Zeit deutlich – nicht nur ein Punkt, sondern ein Prozess, vor allem wenn man so alt wird. Es ist, wie wenn bei einer Lichterkette ein Licht nach dem anderen ausgeht. Papa hat seinen Auftrag auf Erden erfüllt. Er war “der Tage satt”. Er war bis zum Schluss selbst in seiner Demenz der Fürsorgliche, der morgens den Tisch decken wollte, aber manchmal wusste er nicht mehr, wer meine Mutter war. Die Zeit des Gebens und Sorgens, des Vermittelns und Beschützens ist jetzt ausgelaufen. Er hat für uns getan, was er konnte.

Ich weiß, dass er jetzt am Ziel seiner Sehnsucht ist: Er betet seinen Erlöser an. Das hat er schon immer  und bis fast ganz zum Schluss gerne getan. Jeden Tag hat er, zuletzt mit Unterstützung einer CD, Glaubenslieder gesungen. Ich denke, damit ist er jetzt voll beschäftigt, und das ist etwas, was wir immer noch gemeinsam tun: Er in der unmittelbaren Gegenwart Gottes und ich im Straßenstaub dieser Erde. Er ist jetzt Teil der “vollendeten Gerechten” (Hebräer 12.23).

Wir wünschen ihn nicht zurück. Ich bin dankbar für die Zeit, wo er mein Vater war und für viele prägende Erinnerungen. Jetzt ist er bei Christus, und das ist “weit besser” (Philipper  1,23).

Auch ich geh weiter, nur ein wenig weiter, geh in Gottes Freude, geh in Gottes Licht hinein. Ich war für ein paar Jahre dein Begleiter, doch nun geh ich weiter, um bei meinem Herrn zu sein.

(Manfred Siebald)