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Dickköpfen kann geholfen werden!

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Ich vermute, als der Brief von Paulus an die Philipper vorgelesen wurde, schossen zwei Frauen plötzlich aufrecht in die Höhe, und zwar in den zwei entgegengesetzten Ecken des Raumes! Sie hatten ihre Namen gehört!

Ich ermahne Evodia, und ich ermahne Syntyche, einmütig zu sein im Herrn. Ja, ich bitte auch dich, treuer Gefährte, nimm dich ihrer an! Sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, zusammen mit Klemens und meinen anderen Mitarbeitern. Ihre Namen stehen im Buch des Lebens. (Philipper 4,2.3 EÜ)

Man muss sich das mal vorstellen! Öffentlich! Manchmal müssen die Probleme auf den Tisch, und Paulus war da nie zimperlich. Wahrscheinlich wussten es sowieso schon alle, dass die zwei Zoff hatten. Paulus will sie auch nicht demütigen, er spricht im Gegenteil im gleichen Atemzug seine tiefste Wertschätzung aus. Diese Frauen sind nicht irgendwer. Sie lieben Jesus. Sie sind treue und bewährte Mitarbeiterinnen. Sie sind ganz ohne Zweifel Gottes geliebte Kinder, und das alles macht es wichtig, sich mit ihrem Streit zu befassen. Denn wer mitarbeitet, hat Einfluss auf andere. Wer für das Evangelium kämpft, zeigt durch sein Leben, was das Evangelium ist. Wer zu Gottes Familie gehört, wirft durch sein Verhalten ein gutes oder schlechtes Licht auf den Vater.

Nun stell ich mir so vor, ich wäre eine der beiden. Das ist ja eine tolle Ermahnung: Seid einmütig! Ja, das wäre ich ja gerne, Dieser Zwist macht mir auch keinen Spaß! Seit Wochen kann ich nachts nicht schlafen! Aber wenn ich recht habe, kann ich doch nicht einfach meine Meinung wechseln! Es gibt doch noch so was wie richtig und falsch! Ich nehme nicht an, dass die beiden Schwestern einfach nur zickig waren, und es um persönliche Befindlichkeit ging. Diese Sorte Frauen waren sie nicht. Sie sahen etwas vollkommen verschieden, und das war nicht überein zu bringen. Paulus wusste übrigens, wie das ist. Er und Barnabas hatten auch mal einen fürchterlichen Streit gehabt wegen eines Mitarbeiters. Der hatte sich nicht bewährt, und Paulus wollte ihn nicht mehr mitnehmen. Barnabas mit seinem weichen Herzen hatte in seinen Augen einfach keine Prinzipien! Im Werk Gottes kann nicht jeder ohne Charakter einfach mitmachen! Das ging so weit, dass sie sich trennten. Später musste Paulus allerdings seine Meinung über diesen Mitarbeiter revidieren und lud ihn wieder in sein Team ein.

Ja, was macht man, wenn man Dinge einfach verschieden sieht? Die gute Botschaft ist: Hilfe ist möglich! Bei einer Meinungsverschiedenheit muss man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen und getrennte Wege gehen! Und wenn man selbst vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, braucht man Hilfe von außen – durch jemand, der in den Konflikt nicht verwickelt ist (und sich auch nicht verwickeln lässt), der alle beide lieb und Mut hat, die Wurzeln der Probleme aufzudecken und anzugehen. Kein Job für Feiglinge und Besserwisser und auch nicht für Diplomaten, die nur Waffenstillstand wollen, sondern für Beter, die wissen, dass diese Aufgabe sie völlig überfordert, aber dass Gott kann!

Vielleicht lässt sich, wenn man miteinander das Wort Gottes studiert, eine echte Lösung finden. Vielleicht kann auch jemand helfen zu erkennen, dass man einen anderen Standpunkt einfach mal stehen lassen und es in Gottes Hände geben kann, damit Er – falls es wirklich wichtig ist – es dem Bruder/ der Schwester (oder mir!!) zu Seiner Zeit klar macht. Vor allem braucht man Hilfe für den richtigen Blick auf den “Kontrahenten”, um den anderen immer noch als wertvollen Mitarbeiter und Gottes Kind zu sehen und zu lieben. Die Einheit ist in Jesus. Man braucht unter Umständen Beistand, um sein Herz zu erforschen und seine eigentlichen Motive zu sehen: Warum will ich das unbedingt durchdrücken? Bin ich vielleicht doch einfach streitsüchtig? Kann es sein, dass ich aus einer Mücke einen Elefanten mache? Geht es hier um mich oder um Gott? (Da kann man sich gewaltig was einreden und sich über sich selbst täuschen!) Kann ich mich auch mal unterordnen? Hab ich Geduld? Höre ich dem anderen richtig zu? Hab ich mich genug bemüht, die Dinge aus seiner Perspektive zu betrachten? Bedenke ich seine Einwände, oder fege ich sie einfach vom Tisch? Wie hoch schätze ich die Einheit der Gemeinde, dass ich ihr unseren Streit nicht antun will, der sie vielleicht zerreißen kann? Oder genieße ich am Ende heimlich den Gedanken, dass Leute sich auf meine Seite schlagen könnten?

Ich habe leider viel Streit in Gemeinden gesehen, seit ich mit Jesus auf dem Weg bin, sogar eine Gemeinde, die sich “totgespalten” hat, und zwar nicht wegen Irrlehre – das wäre ja ein guter Grund –, sondern wegen Rechthaberei in Nebendingen. Man kann sich wegen so vielem gegenseitig zerfleischen: Musikstil, Kindererziehung, Gemeindestruktur, Kleiderordnung, Geld, Diensten … Zurück bleiben  gebrochene Herzen bei denen, die mit dem eigentlichen Streit gar nichts zu tun hatten. Schwache bleiben ganz auf der Strecke. Gottes Name und der Ruf der Gemeinde wird beschmutzt. Ist es das wert? Wer möchte ernsthaft für so etwas verantwortlich sein? Dann doch lieber einmal öffentlich rotwerden, Hilfe annehmen – und die Einheit in Jesus neu umfassen!

Gelesen: „The Secret Thoughts of an Unlikely Convert“

The Secret Thoughts of an Unlikely Convert: An English Professor's Journey into Christian FaithThe Secret Thoughts of an Unlikely Convert: An English Professor’s Journey into Christian Faith by Rosaria Champagne Butterfield My rating: 5 of 5 stars Rosaria Butterfield erzählt die Geschichte ihrer Bekehrung. Wie wird aus einer lesbischen, linken Aktivistin und Professorin für Englisch und Frauenforschung eine Jüngerin Jesu – vor allem nach all den negativen Erfahrungen, die sie mit Christen gemacht hat? Zum einen durch die Bekanntschaft mit Christen ohne Berührungsängste und Manipulationsbedürfnisse und zum anderen durch das Lesen der Bibel, die sie für ihr Forschungsprojekt zur christlichen Rechten lesen muss. Die Wahrheit überwältigt sie, und letztlich geht es nur noch um die Fragen: “Wer ist Jesus?” und “Ist die Bibel wirklich das inspirierte Wort Gottes?” Schließlich wird sie überwunden durch das Wort aus Johannes 7,17: “Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist.” Sie kann nicht verstehen, warum Homosexualität eine Sünde sein soll– aber nun wird ihr klar, dass bei Gott der Gehorsam vor der Erkenntnis kommt. Nicht Homosexualität ist ihr eigentliches Problem, sondern Stolz und Autonomie. Und sie übergibt sich Gott und beginnt Schritt für Schritt zu gehorchen – und zu verstehen. Ihre Bekehrung hat einen hohen Preis. Sie verliert ihre Beziehung, viele Freunde, ihren heißgeliebten Beruf. Sie muss Menschen wehtun, die auf sie gezählt haben in einem Kampf, der nicht mehr der ihre ist. Stattdessen muss sie ihr Fremdkörpergefühl in der christlichen Gemeinde überwinden und erfährt dort über Erwarten Liebe, Annahme, Rat, Hilfe und Gemeinschaft. Heute ist Rosaria Butterfield verheiratet mit einem reformierten Pastor und Adoptivmutter von 4 Kindern. “ Und obwohl ich keine Lesbe mehr bin, bin ich doch immer noch eine Sünderin. Ich bin erlöst, aber immer noch gefallen. Und Sünde ist Sünde. Ich glaube, der Herr ist mehr bekümmert über die Sünden meines gegenwärtigen Lebens als über meine Vergangenheit als Lesbe. Wie hat der Herr mich geheilt? So wie er immer heilt: Das Wort Gottes musste in mir größer werden als ich selber.” Das Buch hat mich sehr beeindruckt. Es zeigt die große Kraft des Evangeliums, und es zeigt, was “Buße” eigentlich bedeutet. Zu keiner Zeit versucht Frau Butterfield sich selbst interessant zu machen (was bei diesem Thema wirklich eine Kunst ist). Und dass sie am Ende “nur” eine ganz normale, wenn auch hochintelligente, Frau und Mutter sein kann, zeigt dass die Wertvorstellungen Gottes in ihrem Leben wirklich die Oberhand gewonnen haben. Immer wieder spricht sie auch Probleme unserer evangelikalen Kultur an und legt den Finger in die Wunde der Selbstgerechtigkeit, die zu Unbarmherzigkeit und Hass auf vermeintliche Super-Sünder führt, vor allem, wenn politische Machtkämpfe mit ins Spiel kommen. Insofern kann das Buch viele Anstöße zu einer gesunden Selbstreflektion geben. Rosaria Butterfields theologische Überzeugungen sind sehr calvinistisch – da habe ich ihr nicht in allem folgen können, vor allem in der Theologie des Psalmensingens, was allerdings für den roten Faden des Buches auch nicht so wichtig ist. Ansonsten: Für jeden, der Englisch kann, eine absolute Leseempfehlung! View all my reviews

Genug ist genug

Wenn es etwas gibt, was einen Christen charakterisiert, dann dass er die Sünde hasst, vor allem seine eigene. Wir haben genug davon, wir wollen nicht mehr. Sie hat uns nur Verderben gebracht, Beziehungen ruiniert, Gott entehrt. Das gefällt nicht jedem, weil wir dadurch der Welt um uns herum zeigen – ob wir wollen oder nicht –, dass sie falsch liegt. Damit anzuecken ist normal und kann auch nicht weiter verwundern.

Der Rest eures Lebens wird dann nicht mehr von euren Leidenschaften bestimmt, sondern von dem, was Gott will. Es ist schlimm genug, dass ihr früher getan habt, was die Menschen ohne Gott von euch wollten. In hemmungsloser Gier habt ihr euch mit ihnen zusammen Ausschweifungen hingegeben, ihr habt euch betrunken, habt an wüsten Fress- und Saufgelagen teilgenommen und wart in einem abscheulichen Götzendienst gefangen. Eure früheren Freunde sind jetzt natürlich befremdet, dass ihr euch nicht mehr in diesen Strudel der Leidenschaften hineinreißen lasst, und beschimpfen euch deswegen. Aber sie werden sich vor dem verantworten müssen, der bald sein Urteil über alle Menschen sprechen wird, über die Lebenden und über die Toten.” 1. Petrus 4,2-5

Gottesfurcht, Urteilskraft, Initiative: Abigail

Sie war sehr einsam in ihrer Ehe. Nabal sah nur das Hier und Jetzt. Sein Vieh,seine Geschäfte, opulente Mahlzeiten und Feiern mit Strömen von Alkohol – das war sein Leben. Sein Motto hieß: Wo ich bin, ist vorne. Für die Rechte und Bedürfnisse anderer Menschen war da wenig Raum. Gott? Gab es wohl, aber spielte das wirklich eine Rolle?

Abigail tickte ganz anders. Je länger sie mit Nabal verheiratet war, desto weniger bedeutete ihr sein Reichtum. Was nützte ihr das alles neben einem so egozentrischen und bösartigen Menschen? Und je mehr er sie enttäuschte und ihr Herz leer ließ, desto mehr streckte sie sich nach Gott aus. Sie lernte, Menschen und Ereignisse aus seiner Perspektive zu betrachten, und das nahm ihr die Furcht, die ihr oft übellaunig und irrational reagierender Mann ihr anfangs einflößte.

Im übrigen war ihr Leben durchaus interessant und herausfordernd. Sie stand einem großen Haushalt vor mit  Knechten, Mägden und Tagelöhnern, die z. B. zur Zeit der Schafschur eingestellt wurden. Die Organisation der Versorgung war zum großen Teil ihre Aufgabe, und wenn es Probleme gab, kamen die Angestellten lieber zu ihr als zu ihrem Mann, dessen problematischer Charakter allgemein bekannt war. So hatte sie für Selbstmitleid keine Zeit, und das war auch gut so.

Von den vielen Personen, die durch ihr Haus gingen, bekam man auch immer wieder interessante Informationen zugespielt. So über diesen David, der sich seit einiger Zeit mit etwa 600 Männern hier in der Nähe aufhielt. Er befand sich auf der Flucht vor König Saul, der ihn hasste, weil er ihn als Bedrohung empfand. Dabei hatte David zu keiner Zeit Anstalten gemacht, das Königtum an sich zu reißen, obwohl es ihm von Gott versprochen war. Das hatte sie sehr beeindruckt, vor allem weil sie selbst wusste, was es bedeutete, einem ungerechten und irrationalen Menschen untertan zu sein. Dieser Mann musste Gott wirklich lieben, dass er solche Geduld besaß und auf Gott warten konnte. Kürzlich war ihr sogar zu Ohren gekommen, dass er Saul in einer Höhle schlafend gefunden hatte und ihm nichts getan hatte, ja, sogar seinen Männern – die meinten, das sei die von Gott gegebene Gelegenheit, den Feind aus dem Weg zu schaffen – verboten hatte, ihn anzutasten.

Eben kam einer ihrer Knechte herbeigelaufen. Atemlos berichtete er: „David hat Boten aus der Wüste zu Nabal geschickt, um unserem Herrn alles Gute zu wünschen, aber er hat sie nur angeschrien. Dabei waren die Männer Davids immer sehr gut zu uns. Sie haben uns nicht belästigt und die ganze Zeit, in der wir in ihrer Nähe waren, haben wir nicht das Geringste vermisst. Sie waren Tag und Nacht wie eine schützende Mauer um uns, solange wir die Herden in ihrer Nähe weideten. Sieh zu, ob du noch etwas tun kannst, sonst ist unser Herr und sein ganzer Haushalt verloren. Er ist ja so boshaft, dass man nicht mit ihm reden kann.“

David hatte Nabal aus Anlass des Festes zum Abschluss der Schafschur um einen Anteil für seine Männer gebeten, und Nabal hatte verächtlich abgelehnt. Für ihn war David ein Niemand; der König war immer noch Saul, und er hatte nicht die Absicht, jemanden zu unterstützen, von dem man nicht wusste, ob man jemals von ihm würde profitieren können. Er hatte ihn schließlich nicht gebeten, auf seine Schafe aufzupassen.

Abigail kannte den Knecht gut und wusste, dass sie sich auf seine Einschätzung der Situation verlassen konnte. David war offensichtlich wütend, und er war ein Krieger. Die Gedanken jagten sich in ihrem Kopf, und ihr Herz schrie zu Gott um Weisheit. Was würde Nabal mit ihr machen, wenn er erfuhr, dass sie hinter seinem Rücken Davids Männern etwas gab? Andrerseits – wenn sie nichts tat, würde Davids Rache außer Nabal viele Unschuldige treffen; er würde Blutschuld auf sich laden und sein Ruf und seine Beziehung zu Gott würden Schaden erleiden.

Jetzt musste es schnell gehen. Und wenn schon, denn schon. Sie wies einige Leute an, mehrere Esel mit Gütern zu beladen: Brot, Wein, Schafsbraten, Korn und Kuchen. Und David kam ihnen schon entgegen – er war schon auf dem Weg, um Nabal eine Lektion zu erteilen. Sie stieg von ihrem Esel und warf sich vor ihm nieder. “Vergib”, bat sie. “Ich habe deine Knechte nicht gesehen, sonst hätten sie eine andere Antwort bekommen. Mein Mann ist verrückt und bösartig, aber bitte, regiere darauf nicht, indem du Blutschuld auf dich lädst. Bitte, nimm diese Sachen an. Ich weiß, dass du der zukünftige König bist, und dann soll dich diese Sache nicht belasten. Und Gott selbst wird für dein Recht sorgen”

In ihrer unterlegenen und demütigen Stellung wird sie zur Seelsorgerin Davids! Und er akzeptiert nicht nur ihre Gaben, sondern er erkennt ihr geistliches Argument und nimmt es von ihr an.

Nabal, der an diesem Fest-Abend stockbesoffen ist, erfährt die Geschichte erst am nächsten Tag. Gott selbst schützt Abigail und schafft David Recht, indem er Nabal mit einem Schlaganfall bestraft. Nach seinem Tod wirbt David um Abigail, und sie, die in ihrer ersten Ehe die Wertlosigkeit von Reichtum ohne Gott gesehen hat, nimmt an und folgt ihm im Glauben und ohne Zögern in eine ungesicherte Existenz auf der Flucht. Sie weiß, dass das ihr Weg ist, Gott zu dienen.

In der Bibel steht die Geschichte in 1.Samuel 25.

Warum ich meine Bibel liebe

Es ist ein interessanter Anblick, wenn ein Baby die Mutterbrust sucht. Es sucht sozusagen mit seiner ganzen Existenz, und wenn die Milch erst mal fließt, lässt es so schnell nicht mehr los.

So ähnlich ging es mir nach meiner “neuen Geburt” vor nun fast 43 Jahren. Ich konnte gar nicht mehr aufhören, die Bibel zu lesen. Ich las sie einfach von vorne bis hinten, und ich habe fast jeden Vers angestrichen! Alles war neu, alles war wichtig, alles hatte mir was zu sagen. Gott war mein Freund geworden, und ich wollte ihn kennenlernen!

Natürlich kam das Ganze irgendwann in ruhigeres Fahrwasser, und es gab auch Phasen, wo das, was ich las, mir trocken und ohne Bezug zu mir schien, und auch Zeiten der Niedergeschlagenheit, wo ich mich durch jedes Wort verurteilt fühlte. Aber ich konnte nie von der Bibel lassen, weil ich mein Herz an ihren Urheber gehängt hatte.

Die Bibel ist wirklich ein unerschöpfliches Buch, das nie langweilig wird. Ich liebe es, eine Urtext-nahe Übersetzung zu verwenden, weil ich  jedes Wort auskosten möchte. Wenn ich etwas Neues entdecke, fühle ich mich wie ein Schatzgräber – und ich entdecke immer wieder Neues. Aber es geht nicht nur um einzelne Worte – auch das Gesamtbild nimmt immer deutlichere Konturen an.

Ich liebe die Bibel, weil ich meine Fragen an sie heran tragen kann, auch wenn es bisweilen Jahre dauert, bis ich die Antwort finde. Ich liebe sie, weil sie zuverlässig ist in einer Welt, wo sich “Werte” und Meinungen jeden Tag ändern. Ohne die Bibel wäre ich wehrlos der Gehirnwäsche des gesellschaftlichen Mainstreams ausgeliefert.

In letzter Zeit denke ich oft, dass wir sie vielleicht nicht mehr lange haben werden. Die Feindseligkeit gegen Gott nimmt zu, und sein Wort wirkt störend im Konsens der neuen Wertordnung. Wir sollten davon so viel lernen und aufsaugen wie möglich, ins Hirn, ins Herz, ins Leben – heute, wo wir es noch können.

Querbeet am 17.11.12

Gott ist nicht unser Kumpel. Angesichts einer respektlosen Lässigkeit im Umgang mit ihm betonen manche besorgte Christen seine Heiligkeit und die Distanz zwischen uns und ihm. Was aber gleichzeitig Ehrfurcht und innige Vertrautheit schafft, darüber hat sich der Autor von Young Restless Evangelical Gedanken gemacht: “Woher Ehrfurcht kommt – und wohin sie führt”.

“Unheilige Einigkeit ist der Feind, der die heutige Kirche am meisten schwächt.” Was der Unterschied ist zwischen der “heiligen” Einheit, die wir leben sollen, und der unheiligen Einheit der faulen Kompromisse, und warum Harmoniesucht eine gefährliche Krankheit ist, darüber schreibt Jacob Wiebe auf Context21 – eine ziemlich zutreffende Diagnose, wie ich finde.

Schon gewusst, warum orthodoxe Jüdinnen Perücken tragen, und was eine koschere Perücke ist? Hier gibt es Aufklärung über eine sehr komplizierte Lebensweise.

Diesen Artikel: How “Let Go and Let God” Almost Ruined J. I. Packer’s Spiritual Life fand ich sehr interessant, weil er mich an meine eigenen Suche nach dem “höheren geistlichen Leben” in den Anfängen meines Glaubenslebens erinnert hat und die Irrwege und Enttäuschungen dabei. Alle Hypergeistlichkeit  und Zweistufendenken scheint an den uns innewohnenden Hochmut anzuknüpfen und hat keinerlei biblische Grundlage. Glücklich, wer ehrlich mit sich selbst sein kann!

Geistliche Freundschaft

Zur Zeit lese ich das Buch Daniel und finde die Freundschaft der 4 jungen Männer sehr faszinierend. Ob sie sich vorher schon kannten, oder ob sie erst auf dem Weg in die Gefangenschaft oder dort in der Ausbildung am Hof Nebukadnezars aufeinander getroffen sind?

Auf jeden Fall haben sie ein gemeinsames Schicksal, das sie verbindet. Nach einer langen Belagerung ihrer Heimatstadt durch die Truppen Nebukadnezars mit all dem emotionalen Auf und Ab, der Angst, dem Hunger, wird Jerusalem schließlich erobert, und sie geraten in Gefangenschaft. Alle ihre jugendlichen Hoffnungen, zu denen die ihre gute gesellschaftliche Stellung, ihre Intelligenz und ihr attraktives Aussehen sie zu berechtigen schienen, zerbrechen. Jetzt begehrt der Feind nach diesen ihren Eigenschaften, um sie für seine eigenen Ziele einzuspannen, und sie müssen sich mit ihm arrangieren. Er nimmt ihnen Freiheit und Selbstbestimmung und ihre kulturelle und religiöse Identität. Sogar ihre Namen ändert er: Statt der Bezüge zum Gott Israels enthalten ihre Namen jetzt Verbindungen zu den heidnischen Göttern ihrer neuen Herrscher.

Die Vier lehnen sich nicht auf. Sie wissen, dass sie selbst Schuld sind an ihrer Situation, wenn nicht persönlich, so doch als Kollektiv, und sie nehmen die Gegebenheiten demütig an. Und gerade das ermöglicht ihnen, im Herzen frei zu bleiben. All ihr äußeres Leben wird von Nebukadnezar bestimmt, aber ihr Herz gehört Gott, und den kann ihnen niemand nehmen.

Diese Gesinnung verbindet sie. Sie sind ja nicht die einzigen Gefangenen. Da sind die mit ihrem Schicksal Hadernden, die Depressiven und Resignierten, und die, die versuchen, das Beste für sich herauszuholen, indem sie ihr Mäntelchen nach dem Wind hängen. Diese Vier aber vertrauen sich ganz Gott an und sind entschlossen, ihm auf Gedeih und Verderb auch hier zu dienen.

Welch ein Privileg, sich im Feindesland zu treffen mit Freunden, die dich bei deinem wahren Namen nennen, die verstehen, dass deine wahre Identität unverbrüchlich beim Gott Israels liegt! Die deine Konfliktsituationen verstehen, weil sie auch täglich um die Treue zu Gott ringen! Die mit dir beten, dass du bestehen kannst, dass Gott Wege eröffnet, damit du deinen Glauben leben kannst! Die die gleiche Entschiedenheit haben, nicht nachzugeben und falsche Götter anzubeten! Die den selben Eifer für die Ehre Gottes haben und wünschen, dass auch die Heiden ihn erkennen! Das ist wie eine Oase in der Wüste.

Solche Freunde brauchen wir auch. Man erkennt sie daran, dass sie wenig von sich und viel von Gott halten, dass sie sein Wort lieben und seine Weisheit suchen, und dass sie die “Brüder” lieben.