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Stark bleiben, wenn andere uns blockieren

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Wenn einer sagt, dass die anderen schuld sind, ziehen wir ja schon innerlich eine Augenbraue hoch. Aber in Kalebs Fall stimmte das hundertprozentig! Es war eindeutig die Dummheit und der Unglaube der anderen, die ihm 40 Jahre zusätzliche Wüstenwanderung einbrachten. Wären die anderen nicht gewesen, säße er längst im Gelobten Land im Schatten seines eigenen Feigenbaums, schlürfte den Most seines eigenen Weinstocks, hätte sein Haus, seinen Acker, seine Weiden … statt dessen war er ständig am Auf- und Abbauen, Wege, Wasser und ein bisschen Gras suchen – und musste sich auch noch das Gemecker und Gejammer derer mit anhören, die diese Situation verursacht hatten!

Er war einer der wenigen, die das Land je gesehen hatten. Zu Zwölft hatten sie es 40 Tage erkundet. Es gab dort all das, was ihnen in der Wüste fehlte: saftige Früchte, fette Wiesen für das Vieh und Blumen in Fülle, um Bienen zu halten und Honig zu ernten. Zwar würden die derzeitigen Bewohner ihnen das Land nicht freiwillig überlassen, aber Gott hatte ja versprochen, sie vor ihnen auszutreiben – also dürfte das kein Problem sein! Doch so dachten leider nur er und Josua – alle anderen waren durch die Bank der Meinung, dass das zwar ein tolles Land war, aber leider nicht für sie. Unbesiegbar, diese Kanaaniter! Gott, so schlossen sie, hatte sie ins offene Messer laufen lassen! Er hatte sie aus Ägypten gerettet, um sie jetzt hier an der Grenze hilflos stehen zu lassen! Am besten gingen sie zurück dahin, wo sie hergekommen waren!

Kaleb war fassungslos. Konnte hier keiner mehr logisch denken? Warum sollte Gott so etwas tun? Welche Beleidigung für ihren Erretter und sein großzügiges Geschenk einer perfekten Heimat! Aber als er das sagte, stand er einer geschlossenen Front gegenüber. Sie hätten ihn und Josua fast gesteinigt.

Und natürlich zog Israel  damit Gottes Zorn auf sich. Er verurteilte das Volk dazu, noch 40 Jahre durch diese elende Wüste zu wandern. Diese ganze Generation sollte, mit Ausnahme von Kaleb und Josua, dort sterben und das verheißene Land niemals sehen. Erst ihre Kinder würden es kennen lernen. Kaleb aber wurde versprochen, dass ihm und seinen Nachkommen der Teil des Landes einmal gehören würde, den er erkundet hatte.

40 Jahre noch! Bis dahin würde er ein alter Mann sein … 40 Jahre, die er hätte genießen können! Aber wir hören nicht, dass Kaleb murrt über sein Schicksal. Er hält die Verheißung einfach fest: Es wird länger dauern als geplant, aber er wird das Land sehen, das seinen Kindern die Heimat sein wird.

In 40 Jahren wird aus dem begeisterten Adrenalin-Glauben seiner Jugend ein wüstenerprobter Ausdauer-Glaube, einen, den seine Tochter Achsa und sein jüngerer Bruder Otniel beobachten und von dem sie lernen, um ihn später in ihrem eigenen Leben nachzuahmen. Als wir wieder von Kaleb hören, sagt er:

Das ist jetzt 45 Jahre her, und Jahwe hat mich tatsächlich am Leben erhalten, wie er es mir damals in der Wüste durch Mose versprochen hatte. Heute bin ich 85 Jahre alt und noch genauso stark wie damals als Kundschafter. Ich kann immer noch kämpfen und in den Krieg ziehen. Gib mir nun dieses Gebirge, von dem Jahwe geredet hat. Du hast damals selbst gehört, dass die Anakiter dort in großen stark befestigten Städten wohnten. Vielleicht steht Jahwe mir bei, dass ich sie vertreiben kann. Er hat es mir ja zugesagt.

Die Wüste und die Länge der Zeit haben seinen Glauben nicht kleingekriegt! Er bekommt, was ihm versprochen wurde. Gott ist immer noch seine Kraft und der, auf dessen Hilfe er vertraut. Statt in Frust und Bitterkeit über seine Brüder zu schmoren, hat er sich geduldig unter Gottes Führung gebeugt, und sein Glaube ist wie Gold aus dem Feuer aller Prüfungen herausgeflossen.

Ich finde Kaleb sehr beeindruckend. Ich wünsche mir seine Unbeirrbarkeit, sein Festhalten an Gott, sein Rechnen mit der Erfüllung aller Verheißungen, egal, wer wo querschießt, blockiert und schuld ist. Denn Gott kommt immer ans Ziel.

Hier steht die Geschichte in der Bibel: 4.Mose 13 und 14, Josua 14 und 15

Predigt-Nachlese: Biblischer Gemeindebau

Predigttext: Apostelgeschichte 11,21-30

Durch das Zeugnis einiger Männer, die sich wegen der Verfolgung in Jerusalem überall hin zerstreut hatten, waren in Antiochia viele Menschen mit nicht-jüdischem Hintergrund zum Glauben an Jesus gekommen. Daraufhin bekamen sie Besuch von Barnabas, der sie ermutigte, sich unbeirrt fest zu Jesus zu halten. Durch seinen Dienst wurden noch mehr Menschen zu Jüngern, und so brauchte Barnabas Verstärkung und machte sich auf den Weg nach Tarsus, um Paulus (Saulus) zu suchen. Er kannte ihn ja aus der gemeinsamen Zeit in Jerusalem, von wo Paulus damals fliehen musste, weil sich die Hellenisten durch sein freimütiges  Auftreten zu Mordplänen provoziert gesehen hatten. Paulus zu suchen, war kein ganz leichtes Unterfangen, denn er war immer unterwegs, aber Barnabas fand ihn und brachte ihn mit nach Antiochia.

Die beiden teilten ein Herzensanliegen:. Überall, wohin sie kamen, hatten sie ein und die selbe Botschaft für die Gläubigen: Haltet fest an der Gnade Gottes! Es liegt kein leichter Weg vor euch, aber bleibt standhaft im Glauben! Das war für Paulus nicht nur Theorie; er hatte jede Menge praktische Erfahrung damit! Was wird uns denn empfohlen, um Krisen und Bedrängnisse durchzustehen?

Die Jünger in Antiochia kamen nun ein ganzes Jahr lang in der Gemeinde zusammen. Über den Ort wird nichts gesagt, aber darüber, was dort stattfand. Sie wurden aus dem Wort Gottes gelehrt, ermahnt und ermutigt. Paulus und Barnabas taten das, was auch die Apostel in Jerusalem getan hatten: Sie konzentrierten sich ohne Unterlass aufs Gebet und den  Dienst der Verkündigung. Sie entwarfen keine Programme für sucherfreundliche Gottesdienste, Freizeitgestaltung oder Konzerte. Sie gebrauchten das Wort Gottes, um zu lehren, zu überführen und den Weg zu weisen, und dadurch wurden die Jünger zu einem Leben nach Gottes Willen ausgerüstet.

Die Frucht ihrer Arbeit wurde in der Gemeinde sichtbar. Die Gläubigen waren so geprägt durch Christus, dass ihre Umwelt ihnen den Namen “Christen” – die zu Christus Gehörenden – gab. Diese Bezeichnung schloss auch Spott und schlechte Behandlung  mit ein, aber sie trugen sie als Ehrennamen. Es kristallisierten sich unter ihnen Leiter heraus. Und sie hatten nicht nur einen Kopf voll Bibelwissen, sondern zeigten praktische Liebe! Als der Prophet Agabus eine Hungersnot voraussagte, beschlossen sie, den Geschwistern in Jerusalem finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen (Diese Hungersnot trat 44-46 AD ein). Nun halfen die Christen aus den Heiden den jüdischen Glaubensbrüdern, die ihnen am Anfang mit Zweifeln und Misstrauen begegnet waren! Jeder gab, was er konnte. Nichts zeigt deutlicher, was Gott an den Herzen getan hat, als wenn das Portemonnaie sich ohne Druck von außen für Notleidende öffnet! Der Geist Gottes macht liebevoll und großzügig aus Dankbarkeit, so dass wir Freude am Geben haben.

in Epheser 4 beschreibt Paulus noch mal das biblische Gemeinde-Wachstumsprogramm: Gott gibt die Mitarbeiter und geistlichen Gaben. Wie er nach Antiochia genau die Richtigen schickte, so tut er das auch heute noch – schließlich geht es um seine Gemeinde. Das Ziel dabei ist, die Heiligen zum Dienst zu befähigen und sie in der Wahrheit standfest und gegen Irrtümer immun zu machen. Dazu muss die Wahrheit in Liebe weitergegeben werden, und die Christen müssen belehrt werden, ihr Leben durch Gott verändern zu lassen, den alten Menschen abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gottes Bild erschaffen ist und dessen Kennzeichen Gerechtigkeit und Heiligkeit sind, die sich auf die Wahrheit gründen. Dann wirkt Christus als das Haupt die Selbst-Auferbauung der Gemeinde durch die Liebe.

Zwei Opfer und ein Mord: Kain und Abel

Manche Geschichten in der Bibel beunruhigen uns wegen dem, was sie nicht erzählen. Im Fall von Kain und Abel bewegt uns die Frage: Warum nahm Gott das Opfer von Abel an, aber das von Kain nicht?

Die Welt war noch jung und das Wissen um Gott noch frisch, als diese beiden geboren wurden. Als Kain zur Welt kam, scheint Eva vor Stolz und Optimismus fast zu platzen: “Ich habe einen Mann erworben mit dem Herrn!” Dieser Junge, fand sie, war eine tolle Errungenschaft – Kain bedeutet: Erworbenes, Gewinn. Und dann kommt Nummer Zwei, und sie nennt ihn Abel: Hauch, Nichtigkeit. War er vielleicht klein und schwächlich?  Oder hat sich ihre Perspektive zwischenzeitlich verändert? Wir wissen es nicht. Fest steht, sie hat diese Namen nicht aus dem Buch der schönsten Vornamen ausgewählt, sondern sie wollte damit etwas aussagen über ihre Kinder. Kannst du dir vorstellen, wie sie sie zu Tisch rief? “He, Gewinn und Nichtigkeit, kommt rein! Das Essen ist fertig!” Ob diese Namen nicht ihre Beziehung zueinander und ihr Bild von sich selbst prägten?

Sie schlugen verschiedene Laufbahnen ein: Kain als Ackerbauer und Abel als Schafhirte. ich habe mich gefragt, warum jemand Schafe züchtete zu einer Zeit, als noch gar kein Fleisch gegessen wurde, denn wenn ich es recht verstehe, wurde Fleisch als Nahrung erst nach der Sintflut eingeführt. Vermutlich dienten die Tiere also nur als Milchquelle und lieferten Felle oder Wolle zur Bekleidung. Der Sündenfall hatte die Scham mit sich gebracht und die Notwendigkeit, für Bedeckung zu sorgen. Abels Schafe waren eine Erinnerung daran. Natürlich wurde auch Kain immer wieder an die große Katastrophe erinnert, wenn er sich mit Disteln und Dornen abplagte, aber er überwand sie durch die Kraft seiner Arme und trotzte dem Erdboden die Feldfrucht ab.

Beiden Brüdern  war Gott nicht egal, und sie sehnten sich nach seinem Wohlgefallen. Deshalb brachten sie auch beide ein Opfer. Kain brachte Gott etwas dar von dem, was er angebaut hatte, und Abel nahm etwas von den Erstgeborenen seiner Herde und schlachtete es für Gott. Wie sie auf die Idee kamen, so etwas zu tun, wird uns nicht gesagt; es scheint irgendwie im Menschen drin zu stecken, durch ein Opfer mit Gott in Beziehung zu treten. Und nun steht im Hebräerbrief (11,4): Durch den Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain. Gott nahm Abels Opfer an, um zu zeigen, dass er in seinen Augen gerecht gesprochen war. Im Umkehrschluss heißt das: Kain brachte sein Opfer nicht durch Glauben dar! Aber er glaubte doch, oder bringen etwa Ungläubige Opfer für Gott?! Es scheint also zwei Arten Glauben zu geben! Und es scheint Opfer zu geben, die Gott akzeptiert, und solche, die er nicht akzeptiert. Dem einen Opfernden sagt Gott: Ich nehme dich an, du bist vor mir gerecht! und dem anderen zeigt er die kalte Schulter. Dabei hat der so hart dafür gearbeitet!

Was war das denn für ein Glaube, durch den Abel das bessere Opfer brachte? Glaube ist das feste Vertrauen auf Gottes Versprechen, obwohl man nichts davon sieht. Die Glaubens-Menschen, von denen im 11. Kapitel des Hebräerbriefs die Rede ist, kennen den unsichtbaren Gott. Sie rechnen mit seinen Zusagen und bauen ihr ganzes Leben darauf. Welche Zusage von Gott kannte Abel denn überhaupt? Wohl doch die, die Gott seinen Eltern gegeben hatte: Dass ein Erlöser kommen sollte, der die Schlange überwinden würde! Wer das glaubt, erkennt an, dass er einen Erlöser braucht, dass er sonst verloren ist, und Abel, der nichtige Hauch, hatte damit kein Problem. Er kam zu Gott als ein  versöhnungsbedürftiger Sünder und empfing Gnade. Denn das ist Gottes “Grundgesetz”: „Gott widersetzt sich den Hochmütigen, nur den Demütigen erweist er Gnade“ (1. Petrus 5,5) . Obwohl das nicht ausdrücklich so gesagt wird, kann man annehmen, dass Abel durch diesen Glauben auch die Einsicht gewann, dass nur ein Schlachtopfer ihm Zugang zu Gott geben konnte, denn ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung (Hebräer 10,22).

Nun wurde Kain aber zornig! Wenn einer unverdient Gnade empfängt, während der, der sich abmüht, leer ausgeht – das ist schwer zu verkraften. Kain ist da nicht der Einzige – er kann  mit allen Pharisäern und Selbstgerechten dieser Welt einen Verein gründen. Gott sah die schwarze Lava in seinem Herzen aufsteigen, und in seiner Freundlichkeit versuchte er, ihn zur Einsicht und Umkehr zu bringen, aber Kain ignorierte ihn. Die Katastrophe nahm ihren Lauf: Er lockte seinen Bruder aufs Feld und erschlug ihn. Auch das hat sich seither vieltausendfach wiederholt. Wer auf Gottes Ermahnung zur Umkehr nicht hört, dessen Herz wird hart und härter, bis er Dinge tut, die man nicht mehr ungeschehen machen kann.

Gott lässt den Mord zu, wie er auch den Mord an Seinem Sohn zuließ und wie er die Verfolgung von Christen in Vergangenheit und Gegenwart nicht verhindert hat. Aber während Abels Blut Kain vor Gott anklagte, bewirkt Jesu Blut Vergebung für alle, die ihre Bedürftigkeit demütig zugeben können.

Bist du Kain oder Abel?

Predigt-Nachlese: Ein kurzer Dienst mit weitreichenden Folgen

Predigttext: Apostelgeschichte 6,1-15

In der Anfangszeit der Gemeinde stand Petrus klar im Vordergrund. Sein Dienst galt vor allem den Juden. Wie die Feinde selbst feststellen mussten, wurde ganz Jerusalem mit “dieser Lehre” durchdrungen. Viele bekehrten sich, und die junge Gemeinde war gekennzeichnet durch eine wunderbare Einheit und Liebe, durch einen übernatürlichen Mut ohne Rücksichtnahme auf eventuell erwachsende Nachteile und durch völlige Hingabe. Außer den Jüngern, die aus Jerusalem stammten, kamen auch griechisch-sprachige Juden und Proselyten zum Glauben, die sogenannten Hellenisten, die kulturell eher weniger traditionell waren. Die Menge der Jünger mag auf etwa 30000 angewachsen sein, und die ersten “Wachstumsschmerzen” stellten sich ein. Unter den Witwen, die die Gemeinde versorgte, wurde, warum auch immer, die griechische Minderheit benachteiligt, und das führte zu wachsender Unzufriedenheit. Da die Apostel ihren Dienst der Verkündigung und des Gebets nicht vernachlässigen durften, um sich organisatorischen Problemen zu widmen, empfahlen sie der Gemeinde, sich nach sieben geeigneten Männern unter sich umzusehen. Das sollten nicht etwa irgendwelche sein, die einfach nur organisatorisch begabt waren, sondern sie sollten eine Reputation haben als gottesfürchtig und weise und Geist-erfüllt. Unter den Ausgewählten, die alle griechische Namen trugen, stand Stephanus an erster Stelle.  Er wird beschrieben als ein Mann voller Glauben, voll mit Heiligem Geist, Gnade und Kraft. Er hatte sich mit Leib und Seele unter die Leitung Gottes begeben und vertraute ihm in jeder Lage. Die Gnade bewirkte in ihm Liebe und Geduld, so dass er selbst seinen Mördern Vergebung wünschte, gleichzeitig war er kühn und ohne Rücksicht auf sich selbst.

Sein Dienst war letztlich nur sehr kurz. Ob er jemand zu Christus geführt hat, wissen wir nicht. Aber dass er so früh gehen musste – und die Gemeinde empfand es als großen Verlust – war kein Versehen Gottes. Sein Märtyrertod war der Auftakt in eine neue Phase blutiger Verfolgung; bis dahin war außer Inhaftierung und Schlägen noch nicht viel passiert. Nun überbordete der Hass und verlangte Blutopfer, und einer der Hauptakteure war der spätere Apostel Paulus. Der Tod des Stephanus katapultierte den überwiegenden Teil der Jerusalemer Gemeinde in die Welt hinaus, wohin sie ohne Not nie gegangen wären, und mit diesen Jüngern und später auch vor allem durch Paulus bahnte sich das Evangelium den Weg “bis an die Enden der Erde”.

Im Dienst Gottes ist kein Leben vergeudet, wie kurz es auch sein mag, und auch, wenn sich der Sinn nicht auf den ersten Blick erschließt, wenn der “Erfolg” scheinbar ausgeblieben ist. Stephanus bildet die Brücke zwischen dem Dienst des Petrus für die Juden und dem des Paulus für die heidnischen Völker. Die Gemeinde Gottes erweist sich allen Einschüchterungs-Strategien des Satans zum Trotz als unzerstörbar – übrigens bis heute. In den letzten 100 Jahren sind weltweit mehr Christen um ihres Glaubens willen ums Leben gekommen als in all den Jahren davor, und immer noch ist das Blut der Märtyrer der Samen der Gemeinde Jesu.

Die Hure

Was führt eine junge Frau in die Prostitution? Nicht selten die Liebe zu ihrer Familie. Vielleicht brachte der Flachsanbau nicht genug Geld ein, um Vater, Mutter, Brüder und Schwestern zu ernähren, und diese Ärmlichkeit machte sie auch nicht gerade zu einer attraktiven Partie für potentielle Ehemänner. Aber sie war jung und hübsch und nicht gerade dumm, und so entwickelte sie ihr eigenes Businessmodell. Ihr Haus in der Stadtmauer eignete sich gut zum Übernachten für allerlei Händler, die noch eine Nacht in Jericho verbringen wollten und ihren besonderen Service gerne mitnahmen. Auch die Männer aus der Stadt kehrten gerne bei ihr ein. Und wenn sie auch das Gefühl hatte, sie alle zu kennen und von manchen mehr wusste als deren eigene Ehefrauen (und wie hassten die sie dafür), so gab es doch keinen, der je zu ihr gesagt hätte: “Willst du meine Frau werden?” und sie aus dieser ganzen Misere erlöst hätte.

Ja, sie wusste vieles und hörte vieles, und auch wenn sie nur eine Hure war, so hatte sie doch mehr Hirn zum Nachdenken als manche andere. Und zur Zeit dachte sie besonders viel nach über dieses Volk, dass da jenseits des Jordans, gar nicht weit von ihnen, sein Lager aufgeschlagen hatte. Was man alles über diese Leute gehört hatte! Einem gewaltigen Gott sollten sie dienen, der sie vor über 40 Jahren aus Ägypten geführt hatte gegen den Willen des Pharao. Die alten Leute erinnerten sich noch an die Gerüchte von furchtbaren Plagen, die dieser Gott über Ägypten geschickt haben sollte, so dass die Bedrücker das Volk endlich ziehen lassen mussten. Und dann habe ihr Gott das Rote Meer gespalten, damit sie trockenen Fußes vor den nachfolgenden Feinden fliehen konnten – die dann hinter ihnen mit Mann und Maus jämmerlich ersoffen. Was für ein Gott musste das sein, und was für ein Interesse hatte er wohl an diesem kleinen Volk, dass er so einen Aufwand für sie betrieb?

Vor 40 Jahren sollten sie schon mal ganz in der Nähe gewesen sein, aber dann kehrten sie aus unerklärlichen Gründen wieder in die Wüste zurück. Und jetzt waren sie wieder da, und was sich ihnen entgegengestellt hatte, das hatten sie einfach platt gemacht. Es hieß, ihr Gott habe ihnen das Land Kanaan versprochen, und das machte die Leute nervös. Denn wenn auch nur die Hälfte davon stimmte, was man hörte, dann war Jericho in ernster Gefahr.

Irgendwie gefiel ihr dieser Gott. Er schien sich um seine Leute zu kümmern. So einen könnte sie gebrauchen, der war nicht wie ihre Götter, denen man nur immer alles ins Maul stopfen musste, und die doch nichts für einen taten oder tun konnten. Oder warum hatten jetzt alle die Hosen voll?

Diese zwei Männer, die heute hier um ein Nachtquartier gebeten hatten, die kamen ihr irgendwie komisch vor. Die hatten so einen merkwürdigen Akzent, den sie noch nie gehört hatte. Und die waren so was von hundemüde! Sofort eingeschlafen sind sie.

Es klopfte an die Tür, besser gesagt, es polterte.  “Bei dir sollen zwei Männer sein, die wir dringend suchen. Die sollen raus kommen! Das sind Spione!”

Wie ein Blitz zuckte es ihr durch Kopf und Herz! Die zwei Männer! Die gehörten zu diesem Gott! Das war ihre Chance!

Von dem Poltern waren die zwei Spione auch wach geworden, und nun trieb sie sie flüsternd aufs Dach hinauf, wo der Flachsspeicher war und wies sie an, unter den Flachs zu kriechen. Dann öffnete sie die Tür.

“Zwei Männer?” fragte sie mit verschlafenem Blick. (Ach, in Verstellung hatte sie Übung! Das wollten doch immer alle von ihr!) ”Ja, ja, die waren hier. Aber die sind längst wieder weg, kurz ehe bei Einbruch der Dunkelheit die Stadttore geschlossen wurden. Keine Ahnung, wo die hin sind! Vielleicht kriegt ihr sie noch, wenn ihr euch beeilt.” Und mit einem Gähnen schloss sie die Tür. Die Verfolger aber ließen sich noch einmal das Stadttor öffnen, um völlig sinnlos draußen in der Dunkelheit herumzusuchen.

Aber nun war es Zeit für ein ernstliches Gespräch mit ihren beiden Gästen. Sie saßen nun im selben Boot. Indem sie sie in Schutz nahm, hatte sie ihr Schicksal an das ihre geknüpft, und sie hoffte, dass sie das honorieren würden.

“Hört zu,” sagte sie, “dass ich das jetzt gemacht habe, liegt nicht daran, dass ihr zwei nette Kerle seid. Sondern ich weiß, dass ihr einen starken Gott habt, und er wird euch dieses Land geben. Ich habe eine Familie, die ich liebe. Ich helfe euch jetzt hier raus, und dafür tut ihr meiner Familie nichts, wenn ihr als Sieger kommt. Schwört mir das!”

Sie schworen es bei ihrem Leben und gaben ihr genaue Anweisungen. Wenn es so weit war, sollte sie ihre Familie bei sich im Haus versammeln und eine rote Schnur an das Fenster binden, durch das sie sie nun hinaus lassen würde. Wenn sie sich nicht an diese Abmachung halten würde, dann allerdings könnten sie nichts mehr für sie tun. “Das könnt ihr mal glauben, dass ich mich daran halte,” sagte sie. “Und jetzt ab mit euch! Am besten bleibt ihr da in den Bergen für drei Tage, da habt ihr den Überblick und könnt eure Verfolger beobachten und sehen, wann sie aufgeben.”

Und es kam so. Gott gab Jericho in die Hand Israels, und sie machten die Stadt dem Erdboden gleich. Aber an Rahabs Tür erschienen ihre beiden Bekannten. Sie holten sie und ihre Familie höchstpersönlich heraus und führten sie ins israelitische Lager.

Das war nun ein Wechsel in der Lebensweise! Rahab hatte viel zu lernen! Dieser Gott, dem sie nun dienen wollte, hatte ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie man lebt. Von ihrem Gewerbe hielt er offensichtlich nicht viel, und je mehr sie verstand, wie er eigentlich war und dachte, desto mehr wunderte sie sich, dass sie unter diesem Volk wohnen durfte. Sie sah die Leute Schafe und andere Tiere auf einem Altar opfern. “Warum macht ihr das?” fragte sie. “Damit unsere Sünden vergeben werden!” war die Antwort. Ob Gott auch ihre Sünden vergeben würde? Und wovon sollte sie hier leben, wenn sie nicht sündigen durfte?

Und während sie versuchte, die Wege des Gottes Israels zu verstehen und zu befolgen, bekam ihr Vater Besuch. Von Salmon. “Ich bitte um die Hand deiner Tochter Rahab,” sagte er. Ihr Vater schaute ihn zweifelnd an. “Du weißt, wie sie ihren Lebensunterhalt verdient hat?” fragte er. “Ja, ich weiß es,” antwortete Salmon. “Aber sie hat ihre Zuflucht zum Gott Israels genommen, und bei unserem Gott ist viel Vergebung. Auch unserem Stammvater Abraham ist sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet worden. Ich liebe sie, und ich will sie haben.” “Willst du ihn?” fragte ihr Vater. Und sie sagte einfach ”Ja” und wusste, dass sie nach Hause gekommen war.

In der Bibel findet man die Hintergrundtexte dieser Erzählung in Josua 2, Josua 6, Matthäus 1, Jakobus 2 und Hebräer 11.

Heile Welt? Noch nicht!

In Bezug auf “Die Lehren meines Vaters” hat sich jemand beschwert, ich zeichne eine heile Welt.

Ich habe darüber nachgedacht, aber ich glaube nicht, dass ich das tue. Wenn ich mich über die Gnade Gottes im Leben eines Menschen freue, dann bedeutet das nicht, dass ich sage: “Alles war immer nur gut.” Das war es auch tatsächlich nicht, so wie auch in meinem Leben vieles nicht gut ist.

Aber ich preise ja Gott auch über der Schönheit einer Blume, obwohl das Unkraut daneben wuchert. Ich bewundere die Pracht eines Sonnenuntergangs trotz Erdbeben und Sturmfluten. Ich danke für das tägliche Brot trotz Hungersnöten auf dieser Welt. Ich erkenne die wunderbare Erwählung Israels als das irdische Volk Gottes trotz Holocaust. Die Zeichen der Gnade abzulehnen aus Stolz, weil in unsrer Welt nach dem Sündenfall nicht alles so ist, wie ich das gerne hätte, wäre dumm.

Es wird eine wirklich heile Welt geben, wenn Jesus wiederkommt.

“Die gesamte Schöpfung wartet ja sehnsüchtig auf den Tag, an dem die Kinder Gottes in ihrer ganzen Herrlichkeit erkennbar werden. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden………Allerdings hat sie eine Hoffnung:  Auch die Schöpfung wird von der Versklavung in die Vergänglichkeit zur Herrlichkeit der Kinder Gottes befreit werden. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis heute unter ihrem Zustand seufzt, als würde sie in Geburtswehen liegen. Aber nicht nur das, auch wir selbst, denen Gott doch schon seinen Geist gegeben hat – als Vorschuss auf das künftige Erbe -, auch wir seufzen innerlich und warten sehnsüchtig auf das Offenbarwerden unserer Kindschaft: die Erlösung unseres Körpers.  Denn mit dieser Hoffnung sind wir gerettet worden. Aber eine Hoffnung, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Denn warum sollte man auf etwas hoffen, was man schon verwirklicht sieht? Wenn wir aber auf etwas hoffen, was wir noch nicht sehen können, warten wir geduldig, bis es sich erfüllt.” (Römer 8,19ff)

Noch ist nichts vollkommen. Noch leben wir vom Vorschuss auf das Erbe. Je nach Blickwinkel kommt einem das viel oder wenig vor. Wir Kinder Gottes sind noch angefochten, sind beschränkt in unserer Erkenntnis, haben verschiedene theologische Standpunkte, sündigen noch, werden krank, leiden unter psychischen Defekten und ihren Folgen. Und mitten in all diesen Umständen wirkt Gott. Er gibt Menschen erneuerte Herzen, löst Probleme, heilt, schenkt Glauben, lässt die Hoffnung in uns wachsen, baut seine Gemeinde. Beides besteht zur Zeit nebeneinander. Und die Bibel, die das realistischste Buch der Welt ist, rühmt fehlbare Glaubenshelden, ohne ihre Schwachheiten zu beschönigen. Wer Augen hat zu sehen, sieht die Gnade.

Keine heile Welt – noch nicht. Während wir uns an der Anzahlung freuen, warten wir noch auf den vollen Betrag – mit Sehnsucht, Seufzen und Gewissheit.

Der Mann mit zwei Müttern

Ich, Mose, hatte zwei Mütter.

Die eine hat mich zur Welt gebracht. Ich vermute, dass sie viel geweint hat, als sie merkte, dass sie schwanger war. Ach, wer wollte in dieser schrecklichen Zeit ein Kind gebären! Sie hoffte so sehr, dass ich ein Mädchen würde, denn über jeden neugeborenen Jungen hatte der Pharao das Todesurteil gesprochen: Tod durch Ersäufen, durch jeden Ägypter, der ihn findet. Hebräer, hatte der Pharao seinem Volk eingebläut, sind böse, gefährlich und rebellisch. Es gibt nur einen Platz, wo sie hingehören, nämlich ganz nach unten, aller Menschenrechte beraubt.

Ja, die Luft, die meine Mutter einatmete, als ich in ihrem Leib wuchs, war verpestet von Hass und Angst. Und dann kam ich zur Welt und war, was ich lieber nicht hätte sein sollen: Ein Junge! Aber als sie mein kleines süßes Gesicht sah, veränderte sich etwas in ihrem Herzen. Ihr Kampfgeist erwachte und ihr Glaube. Ich erschien ihr so schön und perfekt, dass in ihr gegen alle Erfahrung die Hoffnung wuchs, mit Gottes Hilfe könne sie mich vielleicht beschützen.

Sie versteckte mich im hintersten Winkel. Sie schärfte meinen Geschwistern ein, nirgends etwas von dem kleinen Bruder zu erzählen. So bald ich auch nur laut Luft holte, legte sie mich an die Brust. Und sie betete. Konnte Gott nicht alle Ägypter blind und taub machen? Konnte er dieses Kind nicht irgendwie bewahren?

Aber die Realität holte sie ein. Mein Stimmvolumen nahm zu, und man konnte mich auf der Straße hören. Und Hunger war nicht mehr mein einziges Problem. Mal hatte ich Bauchweh, mal hatte ich Langweile, und gegen beides nützte Stillen nichts. Und Mama, die nicht nur Glauben hatte, sondern auch Wirklichkeitssinn, musste schweren Herzens den Tatsachen ins Auge sehen: So ging es nicht mehr weiter.

“Gott”, betete sie, “Ich habe jetzt alles getan, was ich konnte, und ich weiß, wann ich am Ende bin. Und jetzt tu ich das Letzte, was mir einfällt, und baue ein schwimmendes Bettchen für dieses Kind und setz es aufs Wasser. Ich gebe es dir mit Haut und Haaren, und wenn du willst, dass es lebt – denn sieh nur, wie schön du es gemacht hast, soll es wirklich sterben?  – also, wenn du sein Leben bewahren willst, Gott, dann lass dir was einfallen, dann zeig deine mächtige Hand!”

Und weil sie in ihrem Herzen eine unausrottbare Hoffnung spürte und wusste, dass Gott sie gehört hatte, aber sich so absolut überhaupt nicht vorstellen konnte, was mich denn nun retten könnte, ließ sie meine Schwester als Beobachter am Ufer zurück. “Geh nicht so nah ran, bleib so unauffällig wie möglich und guck einfach, was passiert.”

Ja, was würde geschehen, wenn ich anfing zu schreien? Wer würde es merken? Ein Ägypter, der den Deckel anhebt und mich gleich dem Hebräerpack zuordnet und in den Nil tunkt, bis ich ruhig bin? Oder würde ich da einfach unbemerkt schreien, bis mir die Luft ausging oder ich verhungerte? Ich kann mir vorstellen, wie das Herz meiner Schwester anfing zu rasen, als ich die ersten Töne von mir gab.

Und jetzt kommt meine zweite Mutter ins Spiel. Während meine leibliche Mutter geweint und in Wehen gelegen und wieder geweint und mich gestillt hat, hat sie sich in einem schönen Palast gelangweilt und repräsentiert und ihr Leben genossen und wieder gelangweilt. Und heute wollte sie im Nil baden. Und da erblickte sie doch so ein merkwürdiges Kästchen auf dem Wasser, und aus dem Kästchen tönte Kindergeschrei. “Geh, hol das mal!” befahl sie ihrer Magd, die mich dann mitsamt meinem kleinen Schiffchen zu ihr brachte.

Als sie den Deckel öffnete, sah sie mein tränennasses kleines Gesicht und hörte meine Stimme, die nach der Brust meiner Mutter schrie. “Ein kleiner Hebräer!” sagte sie nachdenklich und gerührt. “Er gefällt mir. Ich will nicht, dass er sterben muss. Ich könnte ihn adoptieren. Er könnte ein bisschen Farbe in mein leeres Leben bringen. Aber was mach ich nur mit seinem Hunger? Dafür bin ich nicht ausgerüstet.”

Meine Schwester, die ganz “zufällig” vorbeikam, bot ihr dann die Lösung des Problems an und holte meine Mutter. So kam es, dass meine Mutter mich nicht nur stillen durfte, sondern sogar noch Lohn dafür bekam. Mein Leben war nun absolut sicher – dafür sorgte meine Adoptivmutter. Darum ging es unsrer kleinen Familie relativ gut, besser als vielen anderen. Wenn die Prinzessin mich besuchen kam, brachte sie immer etwas mit.

Aber dann kam der Tag, wo ich  in den Palast umziehen musste, und bald hatte das höfische Leben mich aufgesogen. Ich wurde eingeweiht in Reichtum und Bildung und Etikette……und Götzendienst. Auf die Dauer spürte ich, dass es mich leer ließ. Zugedeckt vom Alltag schlummerte in meinem Herzen die Erinnerung an meine Mutter Jochebed, ihre Liebe und ihre Gebete, an meinen Vater und meine Geschwister. Ich wusste, dass ich eigentlich zu den Hebräern gehörte und zu ihrem Gott, und ich fühlte mich – je länger, je mehr – einfach auf der falschen Seite. Der, der ich hier war, war ich nicht. Betete meine Mutter dafür, dass meine Bewahrung eine Rolle spielen sollte für das Leben ihres Volkes? Glaubte sie an einen Sinn darin, der außerhalb ihrer Liebe zu mir in einem höheren Zweck lag?  Ich denke ja. Ich denke, dass sie gegen das Ziehen des Hofes, des Reichtums und der Genusssucht anbetete – und ihr Gebet wurde erhört und die Pläne Gottes kamen zur Ausführung.

In der Bibel steht die Geschichte in 2.Mose 2 und in Hebräer 11, 23-26