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Predigt-Nachlese: Qualitäten geistlicher Leitung in Krisensituationen

Predigttext: Apostelgeschichte 27

andreas-achenbach-85762_1280Der äußere Ablauf der Geschichte:

Paulus hatte sich ja auf den Kaiser in Rom berufen. Darum wird er, zusammen mit anderen Gefangenen, einem römischen Hauptmann namens Julius anvertraut, der die Gruppe sicher in die Reichshauptstadt bringen soll. Bei ihm sind außerdem Lukas und Aristarch als seine Begleiter. Die Reise geht mit dem Schiff übers Mittelmeer. In Myra wechseln sie auf ein alexandrinisches Handelsschiff, auf dem nun über 200 Personen unterwegs nach Italien sind. Bei ungünstigem Wind kommen sie schließlich an einen Ort, der “schöne Häfen” heißt in der Nähe von Lasäa. Dort warten sie auf besseres Wetter. Das kommt aber nicht. Die Zeit drängt, und sie beschließen, trotz ungünstiger Bedingungen weiter zu segeln. Paulus, erfahren in Reisen auf dem Meer – dies ist nicht sein erster Schiffbruch -, warnt vor der Weiterfahrt. Aber der Hauptmann will sich lieber auf die vermeintlich größere Kompetenz der Fachleute verlassen, und so lichten sie die Anker.

Und dann bricht die Katastrophe über sie herein in Form eines “Eurakylon” genannten Wirbelsturms. Viele Tage bleibt der Himmel schwarz, und sie treiben völlig orientierungslos auf dem Meer herum.Sie umgürten das Schiff mit Tauen, damit es nicht auseinanderbricht, lassen das Takelwerk herunter und werfen nach und nach immer mehr Ladung und sogar das Schiffsgerät über Bord. Hoffnungslosigkeit übermannt sie. Niemand ist mehr nach Essen zumute.

Schließlich richtet Paulus das Wort an sie: Leute! Hätte man auf mich gehört, wäre das alles nicht passiert! (Niemand widerspricht.) Aber heute Nacht hat Gott mir durch einen Engel sein Wort gegeben, dass ich nach Rom komme! Und euch alle hat er mir geschenkt! Ihr werdet heil hier rauskommen, nur das Schiff ist verloren. Seid guten Mutes! Es wird so kommen, wie Gott es gesagt hat! ich vertraue ihm!

Bald merken sie, dass das Wasser flacher wird. Die Matrosen hecken heimlich einen Plan aus, das Schiff zu verlassen, aber Paulus merkt das irgendwie, und diesmal hat er das Ohr des Hauptmanns. Die Flucht kann verhindert werden. Schließlich ruft Paulus alle dazu auf, etwas zu essen. Sie werden für den letzten Akt Kraft brauchen. Er geht mit gutem Beispiel voran, segnet das Brot und beginnt zu essen. Eine Welle von Hoffnung durchflutet alle, sie stärken sich und werfen dann den restlichen Weizen ins Meer. Als es Tag wird, zeichnet sich eine Bucht mit flachem Strand vor ihnen ab. Auf dem Weg dorthin laufen sie auf eine Sandbank auf, wo das Schiff endgültig auseinanderbricht. Die Wachmannschaft befürchtet, ihre Gefangenen könnten nun das Weite suchen und wollen sie töten, aber Julius lässt es nicht zu. Schwimmend und auf Planken und Wrackteilen gelangen schließlich alle an Land.

Paulus als Beispiel gottesfürchtiger Leitung in Krisensituationen:

Stürme gehören zu unserem Leben. Wir schwimmen ständig gegen den Strom einer gottlosen Kultur, aber auch auf der persönlichen Ebene erleben wir Krisen und überwältigende Nöte. Wenn wir betrachten, wie Paulus sich hier verhält, können wir viel über den Umgang mit Krisen lernen. Wie nötig sind in Krisenzeiten auch solche, die vorangehen, die Initiative ergreifen und die übrigen ermutigen! Was zeichnet nun eine solche gottesfürchtige Leitung aus?

1. Aufgeben ist ein Fremdwort, wenn die Bestimmung noch nicht erreicht ist. Die gottgegebene Mission wird und muss ausgeführt werden. Paulus sagt in Apostelgeschichte 20, dass er entschlossen ist, seinen Lauf mit Freuden zu vollenden. Nichts, aber auch gar nichts, kann ihn davon abbringen!

2. Ein geistlicher Leiter muss geistliche Urteilsfähigkeit anwenden.

3. Die Autorität des Wortes Gottes steht für ihn zu jeder Zeit außer Frage, und er spricht in dieser Autorität. Paulus hatte hier ein direktes Wort von Gott empfangen. Wir dürfen auf dem festen Grund der Heiligen Schrift stehen und sie in Liebe auf jede Situation anwenden.

4. Er stärkt und ermutigt die anderen mit dem Wort Gottes.

5. Er vertraut auf das, was Gott gesagt hat. In diesem Vertrauen kann er auch in schwierige Situationen hineingehen und darin stehen.

6. Er ist in Bezug auf das Wort Gottes völlig kompromisslos.

7. Er leitet durch sein Beispiel. Er liebt und dient und achtet die anderen höher als sich selbst.

Noch eine persönliche Beobachtung (das war nicht in der Predigt): Was mich an dieser Geschichte immer besonders berührt, ist das Versprechen Gottes an Paulus: Ich habe dir all diese Menschen geschenkt. Das sagt so viel über das, was sich die ganze Zeit zwischen Gott und Paulus abspielte! Während er sicher half beim Wasserschöpfen und Ladung rausschmeißen, rang er mit Gott um das Leben dieser Menschen. In den sternlosen Nächten hatte er Zugang zum Thron Gottes mit seiner Bitte: Gib mir diese Leute! Zeig ihnen, dass du ein Retter-Gott bist! Lass sie nicht umkommen! Und Gott hört auf ihn. Das bewegt mich tief, und ist ein Ansporn zum Beten für Verlorene: Gott gibt uns Menschen, wenn wir bitten.

Enttäuschung durch Missverständnis des göttlichen Terminkalenders

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Am Sonntag behandelte die Predigt Lukas 24. Es ist die bekannte Geschichte von den Emmaus-Jüngern. Zwei völlig desorientierte, verzweifelte Männer teilen unterwegs ihre Überlegungen, aber alles dreht sich nur immer im Kreis. Sie kommen nicht weiter und nicht raus aus dem schwarzen Loch ihrer Hoffnungslosigkeit. Warum war der, den sie für den Messias hielten, hingerichtet worden? Hatten sie sich in ihm getäuscht?

Es gibt hier schon einmal eine Predigtnachlese zu der Geschichte, deswegen will ich nicht alles noch mal erzählen. Was bei mir besonders eingeschlagen hat, war dies: Wenn wir den Terminkalender Gottes missverstehen, kommen wir ganz durcheinander.

Die Vorstellung dieser Jünger war: Der Messias kommt und siegt. Dazwischen kam bei ihnen nichts. Dass da in der Heiligen Schrift auch etwas stand vom leidenden und Sünden tragenden Knecht Gottes oder davon, dass die Schlange den Erlöser in die Ferse beißen würde – das hatten sie ausgeblendet. Es war nicht so, dass sie die Bibel nicht kannten, aber sie hatten sie falsch sortiert. Jesus stellt das jetzt richtig für sie, und es ist so eine Erleuchtung! Alles macht wieder Sinn!

Sie sind mit diesem Problem nicht allein. Auch ich hatte in meinem Leben Momente tiefster Verzweiflung und Enttäuschung und Resignation, weil ich in Gottes Terminkalender etwas missverstanden hatte. Das lag nicht an der Bibel, sondern an mir.

Ent-täuschung ist gut. Es ist gut, wenn die Realität uns lehrt, noch mal ganz genau hinzugucken, was wirklich in der Bibel steht.

Als ich zum Glauben an Jesus kam, erlebte ich seine Kraft. Sie machte aus einem egozentrischen und Hass-kranken Teenager ein glückliches Mädchen. Gott hatte mir ein neues Herz gegeben, daran gab es keinen Zweifel. Jesus war der Sieger über Sünde, Tod und Teufel, und mit ihm würde ich jetzt immer auf der Gewinnerseite sein.

Und dann stieß ich nach und nach an die Mauern meines ganz irdischen Alltags. Neben diesem neuen Leben aus Gott schien mein altes sündiges Wesen immer noch vorhanden zu sein. In der wunderbaren Gemeinde Gottes begegnete mir Uneinigkeit und Streit. Kranke blieben krank. Vor allem psychische Krankheiten in meinem Umfeld brachten mich ganz aus dem Konzept. Ihre Konsequenzen schienen mein Leben in Trümmer zu legen. Hatte ich nicht von ganzem Herzen versucht, Gottes Wort zu gehorchen? Warum das alles? Wo war der Fehler?

irgendwann ließen sich die bohrenden Fragen nicht mehr ignorieren: Hatte ich mich etwa selbst betrogen und das Falsche geglaubt? War der Teufel doch am Ende der Sieger? Wo war denn die Erlösung??

In solchen Zeiten sind wir darauf angewiesen, dass Gott mit seinem Wort den Kreislauf unserer trüben Gedanken unterbricht. Er zeigte mir Römer 8, 23-25:

Aber nicht nur das, auch wir selbst, denen Gott doch schon seinen Geist gegeben hat – als Vorschuss auf das künftige Erbe -, auch wir seufzen innerlich und warten sehnsüchtig auf das Offenbarwerden unserer Kindschaft: die Erlösung unseres Körpers. Denn mit dieser Hoffnung sind wir gerettet worden. Aber eine Hoffnung, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Denn warum sollte man auf etwas hoffen, was man schon verwirklicht sieht? Wenn wir aber auf etwas hoffen, was wir noch nicht sehen können, warten wir geduldig, bis es sich erfüllt.

Da war ein Noch-nicht, das ich übersehen hatte. Unser Körper ist noch nicht erlöst, Es fehlt uns noch etwas, aber das ist kein Grund zur Verzweiflung. Wir haben ein Pfand bekommen, damit wir ganz sicher sind, dass wir das volle Erbe ausgezahlt bekommen. Aber noch seufzen wir beschwert. Sogar Jesus selbst, dem doch alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist, wartet auf den Vollzug seiner Herrschaft.

Als das so langsam bei mir einsackte, begann auch mein Herz zu brennen. Auf einmal sah ich es überall in der Bibel! Ich kriegte eine ganz neue Freude. Wenn in 1. Petrus 1,5-9 steht:

Und weil ihr an ihn glaubt, wird Gott euch durch seine Macht für die Rettung bewahren, die schon bereitliegt, um dann in der letzten Zeit offenbar zu werden. Deshalb jubelt ihr voller Freude, obwohl ihr jetzt für eine Weile den unterschiedlichsten Prüfungen ausgesetzt seid. Doch dadurch soll sich euer Glaube bewähren und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als das vergängliche Gold, das ja auch durch Feuer geprüft wird. Denn wenn Jesus Christus sich offenbart, wird auch die Echtheit eures Glaubens sichtbar werden und euch Lob, Ehre und Herrlichkeit einbringen. Ihn liebt ihr ja, obwohl ihr ihn noch nie gesehen habt, an ihn glaubt ihr, obgleich ihr ihn auch jetzt nicht seht, und jubelt in unsagbarer, von Herrlichkeit erfüllter Freude. So werdet ihr das Ziel eures Glaubens erreichen: eure Rettung –

so ist das genau meine Erfahrung!

Ich kann mich in der Realität meines Lebens wieder orientieren. Ich muss nicht mit dem Kopf durch die Wand, wo kein Loch ist. Ich weiß, die vollkommene Heiligkeit, Gesundheit und Befreiung liegt in der Zukunft. Aber ich weiß auch, dass sie kommt! ich schmecke und rieche sie schon, und ich habe mein Pfand – und ich vertraue und liebe Jesus mehr als je zuvor, weil er mir die Wahrheit sagt!

Predigt-Nachlese: Was Jesus für uns auf dem Herzen hat

Predigttext: Johannes 17 – das hohepriesterliche Gebet Jesu

image In den letzten Tagen vor seinem Leiden und Sterben weiß Jesus nicht nur, dass ihm das Kreuz bevorsteht, sondern auch, dass er jetzt bald aus dieser Welt zum Vater gehen wird. Und – wie Johannes in Kapitel 13, 1 sagt – wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.

Die Seinen, die, die der Vater ihm gegeben hat, legt er jetzt zurück in die Hände des Vaters. Den souveränen göttlichen Beschluss, der schon vor Grundlegung der Welt gefasst worden war, hatte er ausgeführt: Er hatte den Erwählten das ewige Leben gegeben.

Dieses Kapitel spiegelt die vollkommene Einheit zwischen dem Vater und dem Sohn wieder. Sie haben eine Intention: Der Sohn will den Vater verherrlichen. Der Vater will den Sohn verherrlichen. Und in diese Herrlichkeit werden die mit aufgenommen, die Jesus angehören.

Es ist interessant: Da ist alles beschlossen von Ewigkeit her, und doch betet Jesus darum, dass es sich erfüllt. Er betet nicht, um dem Vater etwas abzuringen, was der nur widerwillig geben würde, sondern – wie im sogenannten “Vaterunser” – darum, dass Gottes guter und vollkommener Wille geschieht.

Er sieht schon über das Kreuz hinaus. Seine Jünger werden wie er Fremdkörper sein in dieser Welt, aber er will sie nicht herausnehmen, sondern hineinsenden, um seine Boten zu sein. Dafür bittet er um den Schutz des Vaters. Er weiß um die Schwierigkeiten, die ihnen begegnen werden, die Anfeindungen und Anfechtungen, ihre Hilflosigkeit und Unvollkommenheit. Er bittet darum, dass sie durch das Wort Gottes geheiligt werden, und sieht sie schon Kraft dieser Heiligung und Bewahrung ans Ziel kommen. Das hat er so definiert: Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen nämlich meine Herrlichkeit sehen können, die du mir gegeben hast, weil du mich liebtest – schon vor Erschaffung der Welt. Keinesfalls lässt er sie wie Waisen unversorgt zurück, wenn er geht. Er wird ihnen den Tröster, den Heiligen Geist, schicken.

Er denkt dabei nicht nur an die Jünger, die jetzt um ihn sind. Sie sind zwar die, die es jetzt ganz nötig haben, zuzuhören, wie er über sie mit dem Vater spricht. Sie werden, wenn sie aus dem Strudel der Dunkelheit und Verzweiflung wieder auftauchen, sich an diese Worte erinnern und darin das Herz Gottes erkennen und den Mut zum Weitermachen finden. Auch an uns denkt er und an alle die Generationen von Jüngern zwischen uns und ihnen, die dem Evangelium geglaubt haben. Auch uns lässt er sagen: Ich bitte den Vater für euch, und er wird euch durchbringen. Mir wird keiner verloren gehen, für den ich mein Leben gegeben habe. ihr werdet es schaffen und am Ziel ankommen,

Jesus bittet für uns – jetzt! In jeder Not, Traurigkeit, Verwirrung und Versuchung und in jedem Versagen können wir uns auf seine Fürbitte verlassen. Er bittet für uns um Bewahrung, um Freude, um Einheit, um Heiligung und darum, uns bei sich zu haben! Er lässt uns nicht fallen. Die Welt soll es an uns sehen und Vertrauen fassen zu dem Erlöser, der aus Sündern geliebte Kinder Gottes machen kann.

Martha, Maria und ich

Die Predigt handelte heute von der Auferstehung des Lazarus. Zum Hauptstrom der Geschichte habe ich aus dem Archiv den Post “Gottes perfektes Timing” ausgegraben, der vieles wiedergibt, was wir heute gehört haben. Bitte nachlesen! Ich möchte aber einiges hinzufügen, was mich heute besonders berührt hat.

Ich kenne diese Erfahrung so gut, die Martha und Maria gemacht haben: Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung und keine Vorstellung, was Gott jetzt noch tun könnte. Man weiß, man sollte auf Jesus schauen, aber was heißt das überhaupt konkret? Klar kann er alles. Das wusste Martha auch: “Ich weiß, dass er auferstehen wird am letzten Tag.” Aber jetzt? Was kann jetzt noch kommen?

Ich finde es so wunderbar, dass Jesus den Schwestern keinen Vorwurf macht, weil sie das trotz ihres Glaubens an ihn gerade nicht sehen können. Dass er Mitleid mit ihnen hat und ihre Not mitfühlt. Er hält sogar Marthas unqualifizierten Einwurf aus, als er befiehlt, das Grab zu öffnen: “Herr, er riecht schon!” Er handelt trotzdem in Vollmacht und offenbart ihnen dadurch die Kraft und Barmherzigkeit des Vaters, dessen Abdruck und Abglanz er ist.

So ist mein Gott! Wenn ich keine Perspektive mehr habe, hat er immer noch was “im Ärmel”. Er ist niemals ratlos. Er ändert die Situation, oder er ändert mich und meinen Blick auf die Situation. Und das alles tut er aus lauter Gnade, denn wenn es von meinem theologischen Verständnis oder meiner Glaubenskraft abhinge, dann wäre ich verloren! Aber er hat mich nie im Stich gelassen, und er wird das nie tun! Er hat es versprochen.

Und noch ein Gedanke hat mich sehr ermutigt: Zu wissen, dass Jesus die Auferstehung und das Leben ist, gibt mir auf jegliche “Katastrophen” dieses Lebens eine ganz andere Sicht. Denn ich bin mit ihm so fest eins und verbunden, dass mein ewiges Leben sicher ist. Was immer kommen mag – so schlimm kann es nie werden, dass ich das verliere! Ich werde sein, wo er ist!

Der Gott des geduldigen Durchhaltens

wall-55895_1280Heute morgen fiel mir in Römer 15,5 eine interessante Beschreibung Gottes auf. In der Elberfelder Bibel liest sich das so: “der Gott des Ausharrens und der Ermunterung”. Ausharren ist nicht unbedingt ein Wort aus unserer Umgangssprache, aber man könnte es mit geduldigem Durchhalten in widrigen Umständen mit Blick auf das Ziel umschreiben. Die Zielorientierung, die Hoffnung, macht den Unterschied zu dumpfer Resignation oder Schicksalsergebenheit.

Was bedeutet das nun für mich, dass Gott der Gott des Ausharrens und der Ermunterung ist? Es gefällt mir, wie es die französische „Bible du Semeur“ übersetzt: Gott ist die Quelle der Geduld und des Trostes (Dieu, source de toute patience et de tout réconfort).  Das heißt für mich in allen Kämpfen, Anfechtungen und Widerwärtigkeiten:

  • Es ist GOTT, der mich festhält und durchträgt
  • Es ist GOTT, mir durch sein Wort Mut macht, der mich zurechtrückt, der mir eine neue Perspektive gibt
  • Es ist GOTT, der meine Tränen abwischt und mich tröstet
  • Es ist GOTT, der mir Menschen an die Seite stellt, damit wir uns gegenseitig ermutigen und ermahnen und mitziehen
  • Es ist GOTT, der mich erzieht und auch Schwierigkeiten verordnet, damit ich daran das Durchhalten und Vertrauen lerne
  • Es ist GOTT, der mich furchtsamen Schwächling mutig und standhaft macht

Also  – wohin wende ich mich, wenn ich down bin, nicht mehr kann, keinen Ausweg sehe, Angst habe? An den Gott des Ausharrens und der Ermunterung! Und wie können wir einander helfen? Indem wir Durchflussrohre für die Quelle  des Durchhaltens und des Trostes werden. Und das geht nur, wenn wir uns dazu auch zusammenfinden:

Wir wollen unbeirrbar an der Hoffnung festhalten, zu der wir uns bekennen. Denn Gott, der uns das Versprechen gegeben hat, steht treu zu seinen Zusagen. Und lasst uns aufeinander achten und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen. Deshalb ist es wichtig, unsere Zusammenkünfte nicht zu versäumen, wie es sich leider einige schon angewöhnt haben. Wir müssen uns doch gegenseitig ermutigen, und das umso mehr, je näher ihr den Tag heranrücken seht, an dem der Herr kommt. (Hebräer 10, 24.25)

Wie Beten uns verändert

Ich möchte heute mal keine Zusammenfassung der Predigt geben, sondern die Gedanken niederschreiben, die mir während und nach der Predigt so durch den Kopf gingen zum Thema Beten und Gebetserhörung. Der Predigttext war u.a. Lukas 1.

ich stelle mir so die junge frischvermählte Elisabeth vor, voller Optimismus und Erwartung eines normalen Ablaufs ihres Lebens. Sie war verheiratet – jetzt würde bald eine fröhliche Kinderschar die Bude füllen! Aber es dauerte und dauerte. Was war mit ihr los? Irgendwann begann sie die Fragen der Verwandten und Freunde zu hassen: “Und bei euch? Noch nichts unterwegs?” Nein, noch nichts … Nun, ich (Ruth) habe zwar Kinder, aber ich habe auch Defizite in meinem Leben. Es gibt Fragen, vor denen ich zurückscheue, weil sie in diesen Defiziten bohren. Ich habe mir den Verlauf meines Lebens auch gradlinig und normal vorgestellt, und es ist anders gekommen. Manche Gesprächsthemen möchte ich am liebsten umschiffen.

Irgendwann merkt Elisabeth, dass es nicht läuft, wie es laufen sollte. Sie fängt an zu beten. Sie fühlt sich isoliert. Alle Freundinnen reden nur noch von Windeln und Babyjäckchen und Stillproblemen … sie passt nicht dazu. Sie hat nichts dazu zu sagen. Zuhause ist es still, und raus mag sie eigentlich auch nicht mehr. Sie betet, sie betet mit Zacharias … aber der Himmel ist auch still, Jahr um Jahr um Jahr. Viele lange, leise Jahre. Jahre, in denen sie immer wieder vor Gott kniet und fragt: Warum? Warum verwehrst du mir diesen Segen? Habe ich gesündigt? Und ja, natürlich hat sie gesündigt, da fällt ihr viel ein. Sie hat keinen Anspruch auf Fruchtbarkeit. Zusammen mit Zacharias durchforscht sie die Schrift. Was sagt Gott zu ihrem Zustand? Gibt es eine Antwort auf das Warum? Sie schöpft Hoffnung, wenn sie an Sarah denkt oder Hanna oder Rebecca, Frauen, denen Gott nach Jahren der Unfruchtbarkeit gnädig war … Sie lernt Gott besser kennen durch diese ganze Auseinandersetzung mit dem Thema, aber auch ihr eigenes Herz und ihre Gnadenbedürftigkeit. Und ein ganz anderes und umfassenderes Gebet drängt sich immer mehr in den Vordergrund: Sende uns den Retter, den Trost Israels, den Messias! Wir brauchen IHN und nur IHN!

Ob sie jemals aufhörten, um ein Kind zu beten, wissen wir nicht. Man kann es fast annehmen. Irgendwann war sie durch mit den Wechseljahren. Manchmal muss man sich mit dem Nein abfinden. Aber das “größere” Gebet Dein Reich komme! – das würden sie niemals aufgeben, bis sie stürben oder die Erfüllung der Verheißungen sähen.

Und Gott fasst es alles zusammen. Er sendet den Messias, und er gibt Elisabeth ein Kind. All die Jahre war das sein Plan, aber das konnte sie nicht wissen. Wie gut, dass sie die Entscheidung getroffen hatte, nicht bitter zu werden über ihrem “Schicksal” und mit Gott zu hadern, sondern sich noch viel enger an ihn zu binden. Weil sie nach seinem Reich trachtete, wurde ihr alles andere hinzugefügt, ein unverdienbarer Gnadenbonus sozusagen.

Gott hört. Wenn der Himmel wie Blei scheint, können wir aufgeben oder uns durch die Not durch ihn verändern lassen. Warten ist schwer, aber nützlich für uns und macht uns mehr als irgendetwas anderes zu Menschen, deren Hände für die Gnade Gottes weit offen sind.

Gefährliche Erschöpfung

Wenn die ganze Energie durch den Abfluss gerauscht ist, sei es physische oder seelische, dann ist Gefahr im Verzug, denn wir sind besonders angreifbar! Von Esau heißt es in der Bibel: Er war erschöpft. Er ist vielleicht längere Zeit auf der Jagd gewesen, und nun kriegt er kaum noch einen Fuß vor den anderen. Wenn er nicht schnell was zu essen bekommt, dann wird er umkippen. Da zieht ihm der unwiderstehliche Duft roter Linsen in die Nase und führt ihn zu Jakob, der am Feuer steht und die Suppe rührt.

Jakob, der Koch, ist der Herr dieser Suppe. Und diese Suppe ist alles, was Esau jetzt braucht. Da sind die Linsen, die mein Leben retten! Mein Magen wird sich sonst selber auffressen! Jakob, bitte, gib mir was davon!

Jakob kennt sein Brüderchen. Er kann jetzt alles von ihm kriegen, und das wird er auch! Jede hungrige Minute mehr spielt ihm in die Hände! Wir machen einen Deal. Ich krieg dein Erstgeburtsrecht, und du kriegst meine Suppe! Esau hat keine Kraft mehr, um sich auszurechnen, wie viele zukünftige Suppen wohl in einem Erstgeburtsrecht enthalten sind. Überhaupt – was heißt zukünftig? Hunger ist jetzt! Und wenn der Hunger ihn umbringt, braucht er sowieso nie mehr was. Ja, meinetwegen! Und jetzt gib mir die Suppe! Aber Jakob muss sichergehen, denn Esau, dieser Augenblicks-Mensch, will sich vielleicht morgen nicht mehr an ihren Handel erinnern. Schwöre mir!  Und Esau kann gar nicht schnell genug schwören, denn er ist fertig, k.o., aus, wenn diese Linsen nicht SOFORT den Besitzer wechseln! Ich schwöre! Alles, was du willst!

Kann man Esau nicht verstehen? Liegen unsere Sympathien nicht eindeutig bei ihm statt bei Jakob, diesem Fuchs? Was hätte er machen sollen? Aber die Bibel sagt: “So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht!” Keine mildernden Umstände!

Die schwierigsten Gegebenheiten und die brutalsten Anfechtungen zeigen immer, was uns wirklich wichtig ist. Sie bringen ans Licht, was wir ernst nehmen und was wir glauben. Das Problem Esaus – und unseres, denn die Geschichte steht zu unserer Warnung da –  ist, dass die Gegenwart sich uns so stark aufdrängt, dass sie die Priorität der ewigen Zukunft vernebelt. Geldnöte, Erschöpfung, Depressionen, Hunger, Verfolgung, Krankheiten, Einsamkeit sind Herausforderungen unseres Glaubens an die Verheißungen Gottes. Vertraue ich ihm, oder setze ich auf sofortige Erleichterung und werfe dafür die Treue zu Gott und seinem Wort über Bord? Gott zeigt uns dadurch unser Herz: Ist er unser größter Schatz, oder verachten wir ihn? Wenn er dieser Schatz ist, dann wird er uns die Kraft geben, auch in der tiefsten Erschöpfung und Bedrängnis an ihm festzuhalten.

Quellen: 1.Mose 25, Hebräer 12,12-17