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Ist Gott hart und Jesus soft?

opposites-489521_1920Irgendwie kommt es mir immer wieder unter in Gesprächen und auf Blogs: Viele sehen einen Gegensatz zwischen dem rachedurstigen, Gericht übenden Gott des Alten Testamentes und dem gnädigen, vergebenden Jesus. Irgendwie scheint dem modernen Menschen Jesus recht sympathisch, der AT-Gott aber passt, so meint man, nicht so ganz ins Bild.

Nun, das eine wie das andere beruht auf Unkenntnis, die daher rührt, dass man die Bibel nicht ganz liest, noch nicht einmal das Neue Testament. Zudem blendet diese Wahrnehmung das Selbstzeugnis Jesu total aus, denn er hat gesagt: Ich und der Vater sind eins.

Jesus ist eins mit dem Vater im Zorn gegen die Sünde. Das Buch der Offenbarung (das übrigens der Apostel Johannes geschaut und verfasst hat, den man oft den “Apostel der Liebe” nennt) zeigt Jesus als Richter über eine gottlose Welt. In großer Furcht flehen die Menschen die Berge und die Felsen an:

Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes. Denn der große Tag ihres Zorns ist gekommen, und wer wird ihn überleben? Offenbarung 6,16.17

Der Vater ist eins mit Jesus im Willen, gnädig zu sein und zu retten. Schon immer, auch im Alten Testament, hat es Gott widerstrebt, den Sünder zu strafen. Er wünscht sich nichts mehr als seine Umkehr, damit er ihn begnadigen kann. Daher wurde innerhalb der dreieinigen Gottheit schon vor Grundlegung der Welt der Beschluss gefasst, dass der Sohn Mensch werden und für unsere Sünden sterben würde. Das Kreuz ist nichts, was Gott seinem Sohn “angetan” hat, sondern er hat es völlig freiwillig auf sich genommen. Und Gott hat den Sohn “gegeben” für eine feindselige Welt. So wie bei Abraham und Isaak, als sie zum Berg Morija gingen, kann man es von Gott und Jesus sagen: So gingen beide miteinander. Der Sohn hat sich geopfert. Der Vater hat den Sohn geopfert.

Einer meiner Lieblingsverse steht in Apostelgeschichte 20,28. Da ist die Rede davon, dass Gott sich die Gemeinde erkauft hat durch das Blut seines eigenen (Sohnes). In den englischen Übersetzungen steht durchgängig: durch sein eigenes Blut. Beide Übersetzungen sind möglich, denn das Wort Sohn ist nur ergänzt und steht nicht im Urtext. Auf jeden Fall ist klar: Da ist nicht ein unbeteiligter Gott, der fremdes Blut vergießt. Es hat Sohn und Vater alles gekostet. So groß ist ihr Zorn auf die Sünde. So groß ist ihre Liebe zu uns.

Es ist wahr: Ohne das Opfer Jesu hätte Gott unsere Sünde niemals vergeben können. Durch dieses Opfer können wir vor dem Zorn Gottes und des Lammes gerettet werden. Aber es gibt zwischen Gott und seinem Sohn keine Meinungsverschiedenheiten – weder in der Gnade noch im Gericht. Wir können nun Gott so nehmen, wie er sich offenbart hat – oder ihn ablehnen. Was wir nicht können, ist Jesus annehmen und den richtenden Gott ablehnen. Diese Option ist nicht existent.

Zeit der Gnade

Momentan lese ich durch den Propheten Jesaja, und heute kam ich zum Kapitel 61. Dort steht in den ersten Versen:

Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe, einen Tag der Vergeltung unseres Gottes, damit ich alle Trauernden tröste …

Viele Jahre später liest Jesus diese Verse in der Synagoge in seiner Heimatstadt Nazareth vor und bezieht sie auf sich selbst. Aber da gibt es ein interessantes Detail. Er stoppt nach dem “Gnadenjahr”. Den “Tag der Vergeltung” erwähnt er nicht. Dann macht er das Buch zu und gibt es dem Synagogendiener und sagt: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

Wollte er nun damit sagen, dass Gott kein Gericht üben wird? Ganz bestimmt nicht! Jesus selbst hat oft vom Gericht gesprochen, und er hat ausdrücklich betont, dass alles im Alten Testament volle Gültigkeit hat. Was er sagen will: In IHM ist dieses Gnadenjahr angebrochen. Gott will nicht richten, er will retten, und er hat uns einen Retter gesandt. Das Herz Gottes ist auf Vergebung und Versöhnung gerichtet – wenn wir es denn annehmen wollen.image

Unser Gott liebt seine Feinde. Das ist mir vor Kurzem auch im Matthäusevangelium ganz neu bewusst geworden. Da sagt Jesus:

Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Gott tut das “Unnormale”, das Besondere, und er möchte, dass wir als seine Kinder es ihm nachmachen. Das Normale ist, dass man seine Freunde liebt und seine Feinde hasst, aber Gott möchte aus Feinden Freunde machen. Er geht auf sie zu und erzeigt ihnen unverdiente Freundlichkeit. Er sendet ihnen Jesus, um für ihre Sünden zu sterben, um ihnen einen Weg zu bahnen in seine Gegenwart. Er hebt das Gericht nicht auf, aber er räumt ihnen ein Gnadenjahr ein, um umzukehren.

Er hat das auch für mich getan, und wie froh bin ich dafür! Und auch für dich gilt dieses Angebot!  Schlag es nicht aus!

Verachtest du etwa den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr treibt? (Römer 2,4)

Jesus und die Ehebrecherin (Predigt-Nachlese)

Jesus und Ehebrecherin

Rembrandt [Public domain], via Wikimedia Commons

Predigttext: Johannes 7,53 – 8,12

Nachdem er am Laubhütten-Fest das große Angebot für alle Lebensdurstigen gemacht hatte, übernachtete Jesus auf dem Ölberg.  Aber noch vor Tagesanbruch war er wieder im Tempelvorhof, wo es auch morgens früh schon geschäftig zuging und alle möglichen Leute waren. Wie er es oft tat, setzte er sich und lehrte alle, die zuhören wollten.

Die Schriftgelehrten und Pharisäer aber waren auch nicht gerade Schlafmützen, vor allem wenn es darum ging, den Sünden anderer Leute aufzulauern. Sie hatten irgendeine unglückliche Frau beim Ehebruch ertappt, und nun schleppten sie sie in den Tempel. Schließlich sahen sie sich als Hüter von Gesetz und Moral. Und gleichzeitig bot ihnen das eine wunderbare Gelegenheit, um Jesus so richtig in die Ecke zu drängen. Nun soll er doch mal zeigen, wie er zum Gesetz steht! Sie stellten die Frau vor ihn hin. “ Hier! Die haben wir auf frischer Tat ertappt! Mose hat uns geboten, solche zu steinigen. Und du? Was sagst du dazu?”

Ja, nun saß er in der Falle! Sagte er: “Steinigt sie!”, – was war dann all sein Gerede von Gnade und Barmherzigkeit wert? Waren doch viele gerade deswegen seine Anhänger, weil er ein Freund der Sünder war, der sich mit Zöllnern und Huren und ähnlichem Gesindel abgab. Die wäre er dann los. Sagte er aber: “Lasst sie laufen!”, dann hatte er ihnen den Beweis geliefert, dass er sich nicht ans Gesetz hielt, und sie hätten einen unanfechtbaren Anklagegrund.

Aber was tut er da? Er bückt sich und schreibt mit dem Finger auf die Erde. Was soll das? Er soll ihnen gefälligst antworten, damit sie ihn in die Pfanne hauen können! “Hallo! Wir haben dich was gefragt!”

Da richtet er sich auf und schaut sie an mit seinen reinen Augen. “Wer unter euch ohne Sünde ist, der kann den ersten Stein werfen!” Ja, diese Frau hat den Tod verdient. Er sieht das kein bisschen anders als das Gesetz Gottes. Jeder, der noch nie gesündigt hat, darf sie verurteilen. Und er bückt sich wieder und schreibt weiter auf die Erde. Denken sie jetzt an seine Worte: “Wer eine Frau auch nur mit einem Blick voller Begierde ansieht, hat im Herzen schon mit ihr die Ehe gebrochen” ? Das Licht Jesu scheint auf ihre Gewissen – und sie gehen raus, einer nach dem anderen. Sie könnten jetzt bekennen und sagen: “Ich bin der Sünder! Sei mir Sünder gnädig!” – aber sie bringen es nicht über die Lippen. Lieber entfernen sie sich aus dem Strahlkreis seines Lichtes als zuzugeben, dass ER Recht hat und sie im Unrecht sind.

Schließlich richtet er sich auf. Er ist allein mit der zitternden, verwunderten, wartenden Frau zurückgeblieben. Was nun? Jesus ist der einzige, der nie auch nur einen unreinen Gedanken hatte, der einzige, der den Stein werfen könnte. Er hat das Recht, sie zu verurteilen. Wird er es tun?

“Frau, wo sind sie? Hat dich niemand verurteilt?” “Nein, Herr, niemand!” Sie ist zerbrochen. Sie weiß, was sie verdient hat. Es ist kein Triumph für sie, dass ihre Ankläger unter demselben Urteil stehen. Sie denkt nicht: “Diese dreckigen alten Säcke, denen hat er´s aber gegeben! Die sind selbst nicht besser!” Sondern sie weiß, sie braucht jetzt eins: Gnade.

Und sie hört Jesus sagen: “So verurteile ich dich auch nicht.” Er ist der Gerechte, der Heilige, der zum Gericht Berechtigte. Wenn er sie nicht verurteilt, dann nicht, weil er Ehebruch für ein Kavaliersdelikt hält, sondern weil er selbst ihre Strafe auf sich nehmen wird. “Geh, und sündige in Zukunft nicht mehr!”

Die Frau hatte einen “Vorteil” gegenüber den Pharisäern: ihre Sünde war offensichtlich. Sie konnte sich nicht in die eigene Tasche lügen. Sie aber hatten nach außen ein tadelloses Verhalten. Das erweckte in ihnen die Illusion, sie seien gerecht und Gott mit ihnen zufrieden. Während die Frau wusste, dass sie das Gesetz nicht halten konnte, meinten sie mit stolz geschwellter Brust: “Aber na klar doch!” – bis das Licht Jesu all ihre innere Schwärze offenbarte, und das ganz ohne  Geschimpfe und Geschrei.

Ich denke, die Frau ging frei und leicht nach Hause. Gott hatte ihr vergeben. Die Freundlichkeit Jesu hatte ihr Herz verändert, so dass sie seiner klaren Ansage folgen wollte: “Sündige nicht mehr!” Sie konnte die Sünde gar nicht mehr wollen, weil sie jetzt eine größere Liebe gefunden hatte, als die, die sie vergeblich und mit bösen Folgen gesucht hatte.

Was tun wir, wenn Jesu Licht auf uns fällt? Geben wir unsere Sünde zu und lassen uns ein neues Leben schenken? Oder gehen wir weg und bleiben im Dunkeln, damit unser Image gewahrt bleibt?

Und wenn wir seine Gnade erfahren haben – haben wir sie dann auch für andere? Oder hauen wir ihnen wieder das Gesetz um die Ohren? Dann haben wir vermutlich vergessen, wer wir eigentlich sind.

Gnade und Wahrheit (Predigt-Nachlese)

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Predigttext: Johannes 1,14-18

Johannes möchte mit seinem Evangelium erreichen, dass wir Jesus kennenlernen, damit wir durch ihn das wahre Leben haben. Er führt ihn ein als das göttliche Wort, und jeder seiner Zeitgenossen, Jude wie Grieche, verstand, was er damit sagen wollte: Dieser Mensch Jesus ist Gott. Er war von Ewigkeit her bei Gott und ist der Urheber von allem, was je erschaffen wurde.

Und weil er Gott ist, kann er uns helfen und erlösen. Dazu kam er und wohnte (wörtlich: zeltete) unter uns. Der Ausdruck Zelt wird auch an anderer Stelle in der Bibel für den menschlichen Körper benutzt. Gott war unter uns im Körper eines Menschen und lebte unser Leben mit uns. Gott ist normalerweise für Fleisch und Blut nicht sichtbar. Die Gotteserscheinungen im Alten Testament gaben immer nur einen begrenzten Einblick, aber in Jesus war die Herrlichkeit Gottes da zum Anschauen. Er war die vollkommene Widerspiegelung des Wesens Gottes.

Herrlichkeit – was ist das eigentlich? Sie ist die Summe der Eigenschaften Gottes. Sie umfasst seine Majestät, seine Großartigkeit, seine vollkommene Gerechtigkeit und Güte, sein unzugängliches Licht. Wo er gegenwärtig ist, ist alles von dieser Herrlichkeit erfüllt. Bei Jesus zeigte sie sich in seinen Wundern, in seinen Worten, in seiner Verklärung. Sie zeigt sich aber vor allem in seiner Gnade. Aus dem englischen Wort  grace  (Gnade) lässt sich ein Akrostichon bilden, das gut erklärt, was Gnade ist:

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Gnade ist Barmherzigkeit, Freundlichkeit, unverdiente Zuwendung, Vergebung, unerschütterliche Liebe. Sie wird jedem gegeben, der Buße tut (d.h. sein sündiges Leben bereut und verwirft und zu Gott umkehrt) und an Jesus glaubt. Jesus erzeigt sie dem Nikodemus, der Samariterin, der Frau, die im Ehebruch ergriffen wurde, um nur einige zu nennen. Er hat Gnade für jeden von uns, und zwar Gnade um Gnade, einen ganzen unerschöpflichen Stapel, eine unendliche Versorgung mit immer neuer Gnade für die, die sie nicht verdienen. Mose gab das Gesetz, und das Gesetz Gottes ist heilig, gerecht und gut. Es ist nichts falsch mit dem Gesetz – wir können es bloß nicht halten! Gnade ist unsere einzige Chance, und das Gesetz zeigt uns, dass wir einen Retter brauchen. Und unser Gott ist ein Retter – das hat er uns in Jesus gezeigt. Wir waren hilflos, geistlich tot in unseren Sünden, und Gott hat uns Jesus geschickt und uns durch seinen Tod und seine Auferstehung neues Leben gegeben. Paulus sagt es im Brief an Titus (2,11+12) so:

Denn die Gnade Gottes ist jetzt sichtbar geworden, um allen Menschen die Rettung zu bringen.Sie erzieht uns dazu, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden zu verleugnen und besonnen, gerecht und mit Ehrfurcht vor Gott in der heutigen Welt zu leben.

Diese Gnade soll durch uns hindurch auch zu den Menschen in unserer Umgebung fließen – ganz besonders in der Gemeinde. Wer selbst unverdient begnadigt ist, der soll Gnade weitergeben. Sie zeigt sich in anhaltender Liebe, im Gebet füreinander, indem wir einander vergeben und dienen und uns an- und aufnehmen, ohne uns zu beklagen und schlecht übereinander zu reden (2.Petrus 4,7-9).

Jona predigt den Niniviten – Gnade für die Feinde (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Jona 3

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Jonah preaching to the Ninevites, by Gustave Dore (d. 1883) https://commons.wikimedia.org

Diener Gottes waren öfters mal müde und verzagt und baten Gott um Entlassung (z.B. Elia oder Mose). Aber kein anderer Prophet hat so wie Jona den Auftrag Gottes kategorisch abgelehnt und diese Ablehnung auch konsequent in die Tat umgesetzt. Warum eigentlich? Um das zu verstehen, müssen wir Israels Beziehung zu den Assyrern genauer unter die Lupe nehmen.

Die Assyrer waren durch die Jahrhunderte eingefleischte Feinde Israels. Jona lebte und wirkte zur Zeit Jerobeams II (781–742 v. Chr. ). Sein Zeitgenosse und Mit-Prophet Hosea kündigte die Verschleppung Israels nach Assyrien an, wenn Israel sich weigert, sich zu bekehren. Dazu ist es tatsächlich 722 v. Chr. gekommen, und es ist durchaus möglich, dass Jona das noch persönlich erlebt hat. Es stand also dem Interesse Israels völlig entgegen, dass Ninive Buße tat und nicht von Gott zerstört wurde. In Jonas Augen machte Gott hier etwas gravierend falsch!

Gott hat allerdings noch nie einen seiner Diener vom Haken gelassen. Man kann nicht sagen: “Ich bin raus!” Er “fischt” Jona aus dem Meer und stellt ihn wieder her. Der Ruf wird bestätigt und erneuert. Und diesmal lesen wir einfach: Da machte sich Jona auf und ging nach Ninive, nach dem Wort des Herrn.

Das historische Setting: Ninive war die größte Stadt der damaligen Welt mit 100.000 bis 150.000 Einwohnern. (Normalerweise hatten Städte maximal mehrere tausend Einwohner.) Vom Umfang her wird sie hier mit drei Tagereisen groß beschrieben, was wohl die Außenbezirke mit einschließt. Der Name der Stadt kann auf ein alt-akkadisches Wort für Fisch zurückgeführt werden. Die Niniviten verehrten einen Fisch-Gott (Dagon) und eine Fisch-Göttin. Die Tatsache, dass der Gott Israels ihnen Jona durch einen Fisch bringen ließ, zeigte ihnen deutlich, wer der Höchste ist, und dass sie sein Wort ernst nehmen mussten. Was auch zur Öffnung ihrer Herzen beigetragen haben mag, ist die Tatsache, dass es nach neueren astronomischen Forschungen 763 v.Chr. eine Sonnenfinsternis gab. Wir wissen allerdings nicht genau, wann Jona dort war.

Auf jeden Fall schlägt Jonas Bußpredigt ein wie eine Bombe! Eine ganze Stadt tut Buße. Der König ordnet an:

Menschen und Vieh, Rinder und Schafe sollen nichts genießen, sie sollen weder weiden noch Wasser trinken; sondern Menschen und Vieh sollen sich in Sacktuch hüllen und mit aller Kraft zu Gott rufen und sollen umkehren, jeder von seinem bösen Weg und von dem Unrecht, das an seinen Händen klebt!

Wenn man bedenkt, dass die Assyrer so stolz waren auf ihre eigene Grausamkeit, dass sie ihre Folter- und Unterwerfungsmethoden minutiös dokumentierten, dann muss man hier von echter Einsicht und Umkehr sprechen. Die größte Metropole fällt vor Gott auf die Knie, und Gott bläst das Gericht ab. Er zeigt damit seinen Charakter: Er hat Gnade für die Schlimmsten und Bösesten, wenn sie umkehren. Er hat auch Gnade für uns.

Jesus greift diese Ereignisse im Neuen Testament auf. Die Niniviten sind Zeugen dafür, dass Gott gnädig ist, wenn man sich demütigt und die Schuld bekennt. Sie sind Zeugen gegen die Religiösen und Selbstgerechten, die Jesus ablehnen, weil sie keine Gnade zu brauchen meinen.

Leider haben künftige Generationen Ninives sich wieder zum Bösen umgewandt. Der Prophet Nahum stellt fest: Weh der mörderischen Stadt, erfüllt mit Lüge und Gewalt!  Das Rauben lässt sie nicht. Er kündigt ihre endgültige Zerstörung an.

So ist es auch gekommen. Bis vor 150 Jahren lag die Stadt unter dem Staub begraben. Dann begannen archäologische Arbeiten. 2015 haben die IS-Dschihadisten die Stadtmauer und vieles andere zerstört.

Fazit: Gott liebt es, gnädig zu sein. Er bereitet Herzen und Situationen vor, und er trägt uns auf, diese Gnade zu verkünden.

Gelesen: “Messy Grace”–Wie ein Pastor mit homosexuellen Eltern lernte, andere zu lieben, ohne seine Überzeugungen zu opfern

Messy Grace: How a Pastor with Gay Parents Learned to Love Others Without Sacrificing ConvictionCaleb Kaltenbach hat eine recht ungewöhnliche Lebensgeschichte, die ihn dazu gezwungen hat, sich mit der Frage vom Verhältnis von Liebe und Wahrheit in besonderer Weise auseinanderzusetzen. Und er kommt zu dem Schluss: Gottes Gnade schreckt vor unserem Schmutz und unserem Chaos nicht zurück.

Caleb Kaltenbach wurde 1978 geboren. Als er 2 Jahre alt war, ließen seine Eltern sich scheiden. Seine Mutter zog aus und veränderte ihren Lebensstil. Nicht lange danach lernte sie Vera kennen und verliebte sich in sie. Sie waren Lebensgefährtinnen bis zu Veras Tod.

Caleb wurde ein hin- und herreisendes Kind. Ferien und Wochenenden verbrachte er oft mit der Mutter und ihrer Freundin, die ihn in ihren Party-Lifestyle der LGBT-Community voll miteinbezogen. Den Rest der Zeit verbrachte er mit dem eher ruhig und zurückgezogen lebenden Vater. Dass auch sein Vater homosexuell war, sollte er erst viel später erfahren.

Er fühlte sich als Kind immer von seinen Eltern geliebt. Er merkte aber auch mehr und mehr, dass ihr Lebensstil nicht die Norm war, und dass nicht jedermann damit einverstanden war. Bei einer der Paraden, an denen er mit seiner politisch aktiven Mutter und ihrer Freundin teilnahm, standen Leute mit Plakaten am Straßenrand. Die Teilnehmer wurden von ihnen beschimpft und mit Urin beschossen. Als er ganz entsetzt seine Mutter fragte, warum diese Leute das taten, bekam er zur Antwort: “Das sind Christen, und Christen hassen uns.” Christen, lernte er, waren der Feind.

Als er 16 Jahre alt war, schnappte er sich eine Bibel aus dem Bücherregal seines Vaters und beschloss, zu einer Bibelgruppe zu gehen und so zu tun, als sei er Christ. Er würde sich die ganze Information aneignen, um sie dann zu widerlegen. Er kannte ein paar Jungs, die schon mal versucht hatten, ihm was über das Evangelium zu sagen, und der eine hatte ihn zu einem Hausbibelkreis eingeladen. Er sagte also zu und ging dorthin.

Was er dann erlebte, verblüffte ihn. Es war gar nicht so einfach, das Christsein zu spielen! Schon die Gebete waren ganz anders, als er das aus der Kirche kannte, die er gelegentlich mit seinem Vater besucht hatte. Diese Leute hier schienen sich mit Gott persönlich zu unterhalten. Und nachdem er eine Weile dorthin gegangen war, stellte er fest, dass dies nicht das war, gegen das er ausgezogen war. Im Gegenteil: Er wollte so gerne aggressive Fragen stellen, aber dieser Jesus drängte sich mit seiner Liebe immer mehr in sein Herz.

Er begann, die Gottesdienste einer christlichen Gemeinde zu besuchen. Er ging zur Jugendstunde. Er lernte immer mehr. Wenn zuhause das Christentum attackiert wurde, schwieg er einfach. Und er konnte nicht mehr aufhören die Bibel zu lesen. Schließlich wurde ihm klar: Egal, was kam, er wollte diesem Jesus nachfolgen. Gregg, ein Freund, den er um Hilfe bat, erklärte ihm den Heilsplan, und er nahm Jesus an. Dann fragte er: Was ist jetzt der nächste Schritt? Gregg erklärte ihm die Taufe. Er fragte, ob sie das jetzt sofort tun könnten? Er wusste, dass seine Eltern ihn als Verräter sehen würden, aber dass er diesen Weg gehen musste. So ließ er sich ohne weitere Verzögerung taufen. Auf dem Heimweg fragte er seinen Freund: “Was mache ich jetzt mit meiner Mutter und Vera?” und Gregg antwortete: “Du kannst nicht aufhören, sie zu lieben.”

Um es kurz zu machen: Sie nahmen es ihm übel, dass er ihn ihren Augen zum Feind übergelaufen und ein Verräter geworden war, aber schließlich zahlten sie ihm sogar die Bibelschule. Er wurde Pastor. Er liebte seine Familie, aber er predigte auch die Wahrheit, dass Gott die Ehe für Mann und Frau gegeben hat und praktizierte Homosexualität Sünde ist. Vera starb an Krebs und lehnte das Evangelium bis zum Schluss ab. Seine beiden Eltern möchten heute Jesus nachfolgen!

Eingewoben in diese persönliche Geschichte sind viele Gedanken darüber, wie die Gnade Jesu aussieht, wie er ein Freund der Sünder war, ohne die Wahrheit je zu kompromittieren, und wie wir ihm da praktisch nachfolgen können. Er stellt viele Fragen, über die die Gemeinde Jesu nachdenken sollte. Er leugnet die Spannung zwischen Gnade und Wahrheit nicht, aber er will uns am Beispiel Jesu und am Beispiel seines eigenen Lebens zeigen, dass es möglich ist, auch wenn es dabei manchmal chaotisch und verwirrend zugeht, und wir nicht damit rechnen können, dass uns jeder immer versteht – und das auf beiden Seiten.

Auf viele der Fragen, die er stellt, gibt es keine einfachen Antworten – und er gibt auch nicht vor, sie alle zu kennen. Es sind manchmal Fragen, von denen man hofft, dass sie sich uns nie stellen werden, z.B. ob wir einem Mann, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat, erlauben würden, an einem Frauenbibelkreis teilzunehmen. Und doch fürchte ich, dass wir uns in den kommenden Jahren mehr und mehr mit solchen Dingen auseinandersetzen müssen, wenn wir auch Menschen aus der LGBT – Community mit dem Evangelium erreichen möchten.

Mein Fazit: Ein lesenswertes Buch! Leider ist es noch nicht ins Deutsche übersetzt. Es gibt Hoffnung, dass Jesus mit den verrücktesten und verwickeltsten Konstellationen zurechtkommt und seine Gnade keine Grenzen und kein “Unmöglich!” kennt.

Heute vor 46 Jahren

Return of the Prodigal Son 1667-1670 Murillo

Bartolomé Esteban Murillo [Public domain], via Wikimedia Commons

kam mir der himmlische Vater entgegengelaufen. Ich hatte mit meinem ganzen Sein gegen ihn rebelliert und war am Ende. Ich bin in seine Arme gefallen und konnte nur sagen: ich habe dir die ganze Zeit ins Gesicht gespuckt, und du hast mich geliebt!

Seitdem bin ich bei ihm zuhause, und immer noch ist er dabei, mir mein Erbe zu zeigen, alles, was er für mich hat in Christus. Ich habe es immer noch nicht ganz ausgelotet! Er lehrt mich die Tischregeln und den Umgangston und die Sitten des Hauses mit großer Geduld. Wie viele Fehler hat er mir immer wieder vergeben! Wie hat er mich immer wieder getröstet und aufgerichtet! Wie hat er nie aufgegeben und mich nie fallen gelassen! Er ist das Urbild aller Vaterschaft.

Vieles hab ich erst später verstanden, z.B. wie das Werk Jesu am Kreuz und diese liebevolle Aufnahme zusammenhängen. Ich muss immer noch viel lernen. Ich brauch immer noch Korrektur. Aber ich bin nicht verzagt, denn ich kenne ihn jetzt! Er hat die Verantwortung für mich übernommen, und er ist alles, was ich brauche.

Und du, wenn du am Ende bist, wenn du nicht mehr ohne ihn leben kannst, wenn du müde und beladen bist, wenn du weißt, dass du verloren bist, dann komm! Er ist voller Barmherzigkeit, und er wartet schon auf dich! Du musst nicht denken: ich kann nie so leben, wie Gott das will. Er weiß das schon, er kennt dich! Er hat alles bereit für dich, und er wird  dein Leben ändern. Du musst ihm nur die Regie übergeben.