Schlagwort-Archive: Gottesfurcht

Wenn wir um Weisheit bitten–um was bitten wir da eigentlich?

 

hands-1201826_1920

Wenn jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht, und sie soll ihm gegeben werden. Jakobus 1,5

Dieser Vers ist deshalb so bekannt, weil wir alle ständig in Situationen kommen, wo wir nicht weiter wissen, und dann bitten wir um “Weisheit” und hoffen, das wir die Dinge so handlen, dass etwas Gutes und Richtiges dabei rauskommt.So wie bei Salomo: Er bittet um Weisheit und zack! fällt ihm bei einem kniffligen Rechtsstreit die passende Lösung ein. Irgendwie hab ich das auch immer so verstanden, und man kann das vielleicht gelegentlich auch so anwenden.

ich unterhalte mich immer so mit dem Herrn, wenn ich die Bibel lese. Nun fiel mir das erste Mal auf, dass dieser Vers ja in einem Zusammenhang steht, und dieser Zusammenhang sind Prüfungen und Versuchung und Bewährung! Und ich sage zu Ihm: Wieso kommst du da ausgerechnet auf Weisheit? In meinen Versuchungen habe ich eher andere Mangelerscheinungen. Selbstdisziplin z.B. ist ein ganz großes Thema bei mir, die Art, wie ich mit meiner Zeit umgehe usw. Da weist mich der Herr darauf hin, dass es im Alten Testament ein ganzes Buch über Weisheit gibt, die Sprüche nämlich. Und sie handeln hauptsächlich von der praktischen Tag-für-Tag-Lebensführung, von Arbeit und Faulheit, vom Vermeiden von bösem Geschwätz und Streit, vom Umgang mit Zeit und Geld, von Warnungen vor Ehebruch usw. usw. Da kapiere ich, dass meine Vorstellung von dem, um was wir bitten sollen, etwas verdreht war. Weisheit ist vor allem eine gehorsame Haltung gegenüber Gottes Wort, die meine ganze Lebensführung weise und gottesfürchtig macht.

Und jetzt kommt etwas sehr Cooles: Wenn ich da Mangel habe und Gott bitte, macht er mir keine Vorwürfe. Er sagt nicht: Wie, um so was musst du bitten? Das hätte ich aber von dir erwartet, dass du nicht nur weißt, sondern auch tust, was richtig ist! Reiß dich einfach mal zusammen! Sondern er gibt. Er gibt denen, die nicht zweifeln, dass er sie weise machen kann, dass er unser Leben wirklich ändern kann. Arm und leer dürfen wir kommen, aber voll Vertrauen.

Was kriegen wir nun als Antwort auf unser Gebet? Erziehung durch Prüfungen, Bewährung unseres Glaubens und Ausharren. Das ist Gottes Art, unserem Mangel abzuhelfen:

Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet,da ihr ja wisst, dass die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren bewirkt. Das standhafte Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollständig seid und es euch an nichts mangelt.

Also, mein Mangel an Disziplin gehört auch zum Bereich Weisheit, um die ich einfach bitten darf, und wo Gott mir gibt ohne Vorwurf … manchmal “Instant”, aber oft im Langzeitprojekt seiner väterlichen Erziehung. Das ist eine befreiende Perspektive. Bitte ihn – er wird dir geben, was dir fehlt!

Angst vor Gott oder Gottesfurcht?

fire-171229_1280

Angst vor Gott zu haben ist die natürliche Kondition des Menschen. Gott und meine Sünde sind nicht kompatibel! Wir können versuchen, das zu ignorieren und zu vergessen, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Jedes Mal, wenn ein Mensch stirbt, ist es ein Hinweis darauf, dass ein tiefer Riss durch die Schöpfung geht. Der Tod ist der Lohn der Sünde.

Es geht aber um mehr als das physische Sterben. Nach dem Tod kommt das Gericht Gottes. Auf unsere Sünde steht eine ewige Strafe. Jesus hat sehr oft von der Hölle gesprochen, von einem Feuer, das nie verlischt, einer ewigen Qual. Er findet es überhaupt nicht abwegig, sich davor zu fürchten:

Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen! Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet! (Lukas 12,4.5)

Es ist also gut und gesund, Gott zu fürchten.

Es gibt allerdings zwei Spielarten der Gottesfurcht. Die eine ist die Angst derer, die Gott Widerstand leisten. Die Dämonen zittern, aber sie beugen sich nicht vor Gott. Auch gottlose Menschen – und ich war einer von ihnen! – haben tief innen Angst vor Gott, aber ihr Stolz lässt es nicht zu, das zuzugeben. Lieber beschließen sie, dass es keinen Gott gibt, und hoffen, ihr Problem so zu lösen. Trotzdem sind sie Gefangene ihrer Todesfurcht. Von dieser Angst will Jesus uns erlösen. Dafür müssen wir unsere Schuld vor ihm zugeben und unseren Trotz und unsere Autonomie fahren lassen. Der Glaube an seinen stellvertretenden Tod und seine Auferstehung nimmt uns dann die Angst vor dem Gericht weg und bringt uns zu Gott in eine Vater-Kind-Beziehung.

Dann entsteht die zweite, positive Variante der Gottesfurcht. Gottes Wesen ändert sich ja kein bisschen, wenn wir uns bekehren. Er ist immer noch der Gott, der die Sünde hasst – auch und gerade im Leben seiner Kinder. Er vergibt uns Sünde gerne und sofort, aber er wird nicht tolerieren, dass wir darin leben, sie lieben und hegen und pflegen.

Als ich aus meiner Verlorenheit zu ihm kam, habe ich diese Furcht kennengelernt. Es ist nicht mehr die Furcht vor der Hölle, aber die Furcht, ihn zu betrüben, zu verunehren und die Beziehung nicht mehr genießen zu können. Und ohne diese Beziehung kann ich nicht mehr sein – sie ist mein ganzes und einziges Glück! Diese Art Gottesfurcht ist ein Produkt der Liebe, die Gott in unsere Herzen gesenkt hat. Sie geht mit Dankbarkeit und Vertrauen und einer tiefen Freude Hand in Hand.

Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht! Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. (Hebräer 12, 28.29)

Kann ein Christ verloren gehen?

Ich weiß, das ist eine Frage für Theologen, und ich bin keiner. Aber es ist durchaus eine Frage, die viele Menschen umtreibt. Ich will sie mal von meiner ganz nicht-theologischen Beziehungs-Ecke aus beleuchten.

Die Bibel ist voller Warnungen, auch für Christen, und manchmal bin ich sehr erstaunt, wie man mit kleinen theologischen “Twists” diese Warnungen wegerklärt, damit die vorgefasste Meinung wieder stimmt.

Also können wiedergeborene Christen doch verloren gehen?

Ich stelle mir vor, ich gehe mit meinen Kindern auf einem Bergweg spazieren. Auf der einen Seite fällt der Berg steil nach unten ab, und es gibt kein Geländer. Ich sage meinem  Kind: “Bleib bloß da weg! Wenn du da runter fällst, bist du tot.”

Meine ich das, wie ich es sage? Da kannst du dir ganz sicher sein, denn wenn mein Kind da runter fällt, dann ist das wirklich sein Ende. Und wenn das Kind nicht spürte, dass es mir ernst ist, wäre es erst recht in Gefahr.

Nun gibt es die braven Kinder, die sich – wie es in dem Fall klug ist – fürchten und vom Abgrund einen Riesenabstand halten (das war meine Absicht). Und es gibt die, die ein bisschen Nervenkitzel brauchen und die Grenzen testen. Ich sag es ihnen natürlich beiden.

Lass ich nun meinen kleinen Grenzgänger die Folgen seines Übermutes tragen? Ja und Nein. Ich möchte die Eltern sehen, die ihr Kind hinunterfallen lassen und dann versonnen den Hang runterschauen und bemerken: “Ich hab´s dir ja gesagt.”

Aber ich kann dir versichern: Wenn die Eltern auch nur einen Funken Liebe haben, wird das Kind es bitter bereuen, wenn es zu weit geht. Sie werden ihm Grund geben, es nicht noch mal zu versuchen. Das Kind wird leiden, damit es lernt, die Warnungen ernst zu nehmen.

Nun, was denkst du: Kann ein Kind Gottes in den Abgrund fallen? Der himmlische Vater wird es nicht fallen lassen. Aber Abgründe sind eine ganz reale Gefahr, sonst würde Gott nicht davor warnen. Und wenn du meinst, du kannst das ignorieren, dann stell dich auf Erziehungsmaßnahmen ein!