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Der göttliche Adoptions-Beschluss (Predigt-Nachlese)

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Bibeltext: Epheser 1, 1-14

Es ist Gott, der uns auserwählt hat, seine Kinder zu sein. Wir konnten nichts dazu tun.

Schon ehe er die Welt geschaffen hat, hat er diesen Beschluss gefasst: Er wollte Kinder haben, die seine eigenen Charakterzüge tragen sollten: Heilig und tadellos. Er nahm sich vor, uns mit jedem geistlichen Segen zu segnen, und uns zu Erben einzusetzen, die alles genießen sollten, was er hat.

Heilig und tadellos hat er mich allerdings nicht vorgefunden, sondern sündig und rebellisch, feindselig und verloren und absolut unfähig, zu dem zu werden, was ich werden sollte! Aber gerade diese meine Hilflosigkeit brachte seine ganze Gnade und Herrlichkeit ans Licht! Denn ER hat alles für mich getan durch Jesus Christus!

Jesus Christus hat mich durch sein Blut vom gerechten Gericht freigekauft. Was ich getan habe, ist vergeben – nie mehr muss Sünde mich von der Gegenwart Gottes ausschließen. Wenn ich verzweifelt bin über meine Unfähigkeit, den “Familienstandards” zu genügen, sagt der Vater nicht: “Sei mehr! Tu mehr!”, sondern er erinnert mich daran, was Er für mich getan hat und wozu Er mich gemacht hat. Er möchte, dass ich meine Reichtümer, die er mir gegeben hat, kennen und genießen lerne und nicht mit meinem Denken und Trachten immer noch an dieser Welt und meinem vorigen Leben festklebe.

Ich bin in seiner Familie akzeptiert “In dem Geliebten”, d.h. in Jesus, der nie etwas anderes war als die Freude seines Vaters. Er war immer heilig und tadellos. Er hat am Kreuz mit mir den Platz getauscht: Er empfing mein Urteil, und ich erhielt die Kindschaft. Und nun sieht Gott mich “In Christus”, und mir bleibt nur die dankbare Freude! Und damit ich ganz sicher bin, dass sich daran nie mehr etwas ändert, hat er mir und allen anderen, die ihr gläubiges Vertrauen auf Jesus setzen, ein Siegel aufgedrückt und ein Pfand gegeben: den Heiligen Geist als Sicherheit und Bestätigung.

Warum tut Gott so etwas? Nun, es hat ihm gefallen, seine Gnade zu zeigen. Er hat es getan, weil er ist, wie er ist: Gnädig und gerecht, barmherzig und voller Liebe. Und er wünscht sich das Echo unserer Herzen: Dankbarkeit, Freude und Lobpreis seiner herrlichen Gnade!

Familienbetrieb

Manchmal bezeichnen sich die Apostel als Sklaven Gottes. Damit wollen sie ausdrücken, dass sie Gott alle Eigentumsrechte übergeben haben und ihm mit Haut und Haaren zur Verfügung stehen wollen. Das möchte eigentlich jeder, der erfahren hat, wie Gott ihn aus der schrecklichen Versklavung befreit hat, in die die Sünde uns gebracht hat.

Aber in  Galater 4,7 heißt es: So bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn!

Gott macht uns zu Familienmitgliedern. Er sieht uns nicht als Fremde an, sondern (im Bild gesprochen) als sein eigenes Fleisch und Blut. Wie ein guter Vater fühlt er sich für uns verantwortlich. Er sorgt für uns, er löst unsere Probleme, er erzieht uns, und er teilt sein Eigentum mit uns.

Ein Sklave dient an etwas, was ihm nicht gehört und worauf er kein Recht hat. Er macht seine Arbeit, weil er muss, und weil er dafür die Grundversorgung und vielleicht etwas Lohn bekommt. Der Sohn macht u.U. die gleiche Arbeit wie der Knecht, aber er arbeitet an seiner eigenen Sache. Er ist Teilhaber des Vaters. Wenn er mit anderen vom Betrieb der Familie spricht, wird er nicht vom  “Betrieb meines Vaters” sprechen. Er wird ihn “unseren Betrieb” nennen.

Was für ein Unterschied! Im Dienst Gottes geht es um unsere eigene Sache! Seine Gemeinde ist unsere Familie, sein Reich ist unser Reich, und seine Ehre ist unsere Ehre. Wir teilen mit Gott die Arbeit und den Ertrag, die Mühe und die Freude!

Denn: So bist du nun nicht mehr Sklave, sondern Sohn, wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott!

Predigt-Nachlese: Vaterschaftstest

Predigttext: Johannes 8,31-59

Das Laubhüttenfest ist vorbei, aber Jerusalem ist immer noch voll, und Jesus lehrt im Tempel. Menschen beginnen, an ihn zu glauben. Jesus aber reagiert nicht, wie wir oft, mit Begeisterung, sondern er lädt seine Zuhörer ein, zu prüfen, ob sie tatsächlich seine Jünger sind.

“Wenn ihr in meinem Wort bleibt, dann seid ihr wirklich meine Jünger,” sagt er ihnen. “Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.”

Auf seine erste Aussage gehen sie gar nicht ein, aber dass sie freigemacht werden sollen, das finden sie provozierend. Frei von was, bitte? Sind sie nicht Kinder Abrahams, im Besitz einer einzigartigen Beziehung zum lebendigen Gott? “Wir sind nie jemandes Sklaven gewesen,” protestieren sie (und scheinen so diverse Unterdrücker in ihrer Geschichte auszublenden – ganz aktuell die römische Besatzung). Geistlich fühlen sie sich frei.

“Doch,” sagt Jesus,”ihr seid Sklaven, Sklaven der Sünde nämlich. Deshalb gehört ihr auch nicht zum Haushalt Gottes; ihr seid keine Mitglieder der Familie und ohne Erbrecht. Ihr braucht jemand, der euch befreit, nämlich den Sohn. Ich weiß, dass ihr biologische Nachkommen Abrahams seid, aber eure geistliche Abstammung von ihm stelle ich in Frage, denn ihr wollt mich töten.”

Sie widersprechen nicht. Eine harte Rede gegenüber Menschen, die dabei sind, sich ihm anzuschließen, aber sie trifft offensichtlich. Sie haben wohl nicht damit gerechnet, dass sie so in Frage gestellt werden, wenn sie beginnen ihm zu glauben. Aber diese Feststellung, dass sie gebunden sind, die lehnen sie ab.

“Wir haben verschiedene Väter,” macht Jesus ihnen klar. “Jeder von uns tut das, was er bei seinem Vater gelernt hat. Und Abrahams Kinder könnt ihr nicht sein, denn Abraham hat anders gehandelt als ihr.”

Nun regen sie sich richtig auf. Sogar Gott ist ihr Vater! Mit ihnen und ihrer Abstammung ist alles in Ordnung! Der Gott Israels ist doch der, der ihnen ihre Identität gibt!

Jesus wird noch deutlicher: “Wäre Gott euer Vater, so würdet ihr mich lieben. Er hat mich gesandt. Aber ihr versteht ja noch nicht einmal meine Sprache! Ihr könnt mein Wort nicht ertragen! Euer Wesen zeigt, wer euer Vater ist: Lüge und Mord war schon immer die Eigenart des Teufels, und genau das kommt auch aus euch hervor. Wer aus Gott ist, der hört die Worte Gottes. Darum hört ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.”

Unsere Reaktion auf das Wort Gottes ist der ultimative Vaterschaftstest. Kinder Gottes nehmen es an und halten es fest.

Nun werden aus Menschen, die vorgaben, ihm zu glauben, Angreifer. “Du hast einen Dämon,” geifern sie. “Du bist wie die Samariter, die von der richtigen Religion abgefallen sind.” Jesus widerspricht, aber diskutiert nicht mit ihnen darüber. Statt dessen setzt er noch eins drauf: Er verspricht denen, die sein Wort bewahren, ewiges Leben.

Das geht zu weit! So was kann ja wohl nur Gott versprechen! Was bildet dieser Typ sich eigentlich ein? Schließlich ist er nur ein ganz normaler Zimmermann. Will er sich vielleicht über Abraham und die Propheten erheben? Die sind alle gestorben, und er verteilt hier ewiges Leben? “Was machst du aus dir selbst?”

“Ich kann nicht lügen,” sagt Jesus, “Gott ist mein Vater. Ihr sagt, er ist euer Gott. Aber er ehrt mich. Ihr kennt ihn gar nicht. Ich kenne ihn. Und was Abraham betrifft: Der freute sich auf mein Kommen und hat mich schon gesehen.”

Lebte Abraham nicht vor einigen tausend Jahren? Und dieser Mann war noch nicht mal 50! Wie sollte Abraham ihn wohl gesehen haben? Sie äußern ihre Zweifel über diese Verrücktheit.

“Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich,” antwortet ihnen Jesus, und jetzt war jedem Juden klar, was für einen Anspruch er hier erhob. Er stellte sich selbst vor als der “Ich bin” des Alten Testamentes, den Gott von Ewigkeit, den Gott Abrahams, ihren Gott. Und genau das war ihnen so unerträglich, dass sie begannen Steine aufzuheben, um ihn zu steinigen. Aber seine Zeit war noch nicht gekommen – er würde sein Leben nach dem ewigen Plan am Kreuz lassen und nicht jetzt. Er entwich und ließ sie ihre Mordpläne weiter schmieden.

Bis heute scheiden sich am Ja zur Gottheit Jesu und am Ja zu seinem ganzen Wort die Geister. Hier gibt es kein neutrales Terrain, wo man sich bedeckt halten könnte. Der Weg zu diesem Ja und zur Jüngerschaft führt durch die Diagnose Jesu: Er zeigt mir, dass ich von Natur ein Kind des Teufels bin, und er bietet mir Befreiung an, Aufnahme ins Haus des Vaters. Er, der Sohn, macht wirklich frei.

Unsere Dummheiten und unser himmlischer Vater

Jeder von uns hat schon irgendwelche Dummheiten gemacht, deren Folgen uns gequält und uns das Leben vergällt haben: Wir haben Fehlentscheidungen getroffen, uns bequatschen lassen, Versuchungen nachgegeben.

An der Wurzel jeder Dummheit sitzt immer die Sünde. Oft haben wir Gott nicht gefragt oder nicht richtig zugehört. Oder unser Herz hat uns betrogen – wir glaubten, das zu hören, was wir gerne hören wollten. Die Gier, die Selbstsicherheit, die Faulheit, etwas gründlich zu prüfen, die Ungeduld, der Unglaube- all das führt uns dazu, Dummheiten zu begehen. Und irgendwann schlagen wir uns an den Kopf: ”Wie konnte ich nur so blöd sein!”

Aber zu spät ist zu spät. Verheiratet ist verheiratet, unterschrieben ist unterschrieben. Das ausgegebene Geld ist weg. Die bösen Worte sind gesagt.

Was nun? Können wir schnell zu Gott sagen: “Vergib mir!” und er macht alles wieder gut?

“Vergib mir!” sollten wir freilich sagen, denn wir sind an IHM schuldig geworden. Aber wenn wir das wirklich so meinen, dann werden wir über die Folgen auch nicht mehr jammern, vor allem nicht den Rest der Welt dafür anklagen.

Und dann rechnet uns der himmlische Vater unsere Sünden nicht mehr zu, und in seiner großen Barmherzigkeit hilft er uns auch unsere selbst geschaffenen Lasten tragen. Er findet Lösungen für unüberwindliche Probleme, er gibt uns Mut, die Sachen anzupacken. Ja, er nimmt nicht jeden Stein aus unserem Weg, und an manchen Sachen schleppen wir bis an unser Ende. Und doch ist es ganz anders als vorher. Wir sind nicht allein, und wir müssen nicht zerbrechen oder untergehen. Alles, ob selbstverschuldet oder nicht, muss denen, die Gott lieben, zum Besten dienen.

Und so ist unser Leben nicht von unseren Fehlern bestimmt, sondern von seiner Liebe und Fürsorge und von den neuen Aufgaben, die er uns trotzdem gibt!