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Durst nach dem Wasser des Lebens? (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Johannes 7,25-39

 

Es war Laubhütten-Fest in Jerusalem. Alle Welt strömte in die Stadt, um sich wie jedes Jahr nach der Ernte an der Güte Gottes zu freuen. Gleichzeitig erinnerte man sich an die Zeit des Auszugs aus Ägypten. Wie damals zeltete man für eine Woche in Hütten aus belaubten Zweigen. Es war ein symbolträchtiges Fest voller Jubel und fröhlichen Lärms und voller Verheißungen. Aber mitten unter all dieser Freude waberte ein Geraune von dunklen Plänen. “Hast du schon gehört? Sie wollen Jesus umbringen!”  “Was? Das kann nicht sein! Er redet doch hier öffentlich, und sie unternehmen nichts.” “Vielleicht haben sie es ja jetzt doch gemerkt, dass er der Messias ist? Schließlich tut er mehr Wunder als irgendjemand zuvor.” –  “ Aber heißt es nicht, wenn der Messias kommt, wird niemand wissen, wo er herkommt? Von Jesus wissen wir aber, wo er herkommt.” So war die Luft erfüllt von Hoffnungen, Spekulationen und theologischen Erwägungen einerseits und hasserfüllten Gedanken und finsteren Absichten andrerseits. Die brodelten in den Herzen derer, die sich durch Jesus bedroht sahen, weil er ihre Heuchelei, ihr Scheinen-statt-Sein angriff, und das sogar öffentlich. Dass er ihnen damit helfen wollte, verstanden sie nicht. Wie gerne hätten sie ihn sofort unschädlich gemacht, aber obwohl sie fast die Nerven verloren, war es keine gute Situation für ihr Vorhaben mit all den vielen Menschen, von denen man nicht genau wusste, auf welche Seite sie sich schlagen würden. Denn es gab durchaus viele, die an ihn glaubten.

Dann kam der größte, letzte Tag des Festes. An diesem Tag war es Brauch, dass der Hohepriester mit einer goldenen Kanne zur Quelle Siloah ging und von dort Wasser schöpfte. Damit ging er, begleitet von einer fröhlichen Prozession mit Laub-Sträußen, zum Tempel hinauf, wo er im Tempelhof Wasser und Wein über dem Altar ausgoss. Dazu rezitierte die Menge die Worte des Propheten Jesaja:

Voller Freude sollt ihr Wasser schöpfen, Wasser aus den Quellen des Heils.

Da ertönte ein lauter Ruf und setzte sich unüberhörbar gegen den ganzen Fest-Lärm durch:

“Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken! Wenn jemand an mich glaubt, werden Ströme von lebendigem Wasser aus seinem Inneren fließen, so wie es die Schrift sagt.“

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Die Stimme Jesu! Er hatte ihnen mehr zu bieten als Symbolik! Er wollte ihnen das echte Lebenswasser geben, das wahre Wasser aus den Quellen des Heils! Und dazu forderte er sie (und uns) auf:

 Durst haben: Wer Durst hat, richtigen Durst, der ist am Ende. Der braucht nur noch eins: Wasser! Und wer richtig am Ende ist mit sich selbst, wer seine Sünde erkannt hat und seine Unfähigkeit, jemals mit Gott ins Reine zu kommen – den dürstet nach Vergebung. Der hat Durst danach, dass er wieder in die Gegenwart Gottes kommen darf, von der die Sünde ihn ausschließt. Er verweigert sich der schrecklichen Wahrheit über sich selbst nicht. Er weiß, dass er verloren ist, und sein Herz schreit nur: “Frieden! Vergebung! Gemeinschaft mit Gott!” – Ohne das kann er nicht weiterleben.

Kommen: Das ist das Angebot, das Jesus hier macht, und er macht es allen. “Wenn jemand” … Jemand – da ist keiner ausgeschlossen. Das kannst du sein. Das bin ich. Wer kommt, der ist dabei! Und das ist das, was wir tun müssen: Kommen. Komm! Komm allein! Keiner kann dich hier vertreten. Es ist deine Entscheidung, und du musst sie ganz und für immer treffen. Wende dich weg von Welt und Sünde – das hast du ja zur Genüge ausgekostet, und du hast es satt – und wirf dich zu den Füßen deines Retters. Du musst nichts vorweisen, du musst nicht religiös sein – du musst nur Durst haben.

Trinken: Nimm an, was er dir gibt! Er reinigt dich von aller Schuld und gibt dir ein neues Herz mit einer neuen Neigung. Nimm es an, dass sein Blut dich von aller Sünde wäscht und loskauft, dass sein Wort dein Leben reinigt und deine Füße  auf den Weg der Heiligung setzt!

Jesus gibt uns den heiligen Geist. Er erwartet nicht, dass wir uns durch gute Vorsätze und harte Arbeit ändern. Er tut es selbst in uns durch seine Kraft. Unsere Umgebung wird es merken. Wir werden geistlich lebendig, und Ströme dieses Lebenswassers fließen von uns zu andern. Und alles, was wir tun müssen ist

Durst haben – kommen – trinken.

Wie damals, so polarisiert auch heute diese Aufforderung Jesu und teilt die Menschen in zwei Gruppen: In begnadigte Sünder und in die, die IHN nicht zu brauchen meinen. Wenn du ihm folgen willst, folgst du einem, den die Welt ans Kreuz schlug. Sie ist immer noch nicht begeistert von seinem Anspruch, der Sohn Gottes und der einzige Weg zum Vater zu sein. Die Nachfolge Jesu führt uns in die Gemeinschaft seines Kreuzes, aber sie verspricht uns völlige Freude und überfließendes Leben.

So hat Gott die Welt geliebt (Predigt-Nachlese)

 

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch seinen Sohn zu retten. (Johannes 3,16.17)

Was bedeutet es, dass Gott die Welt geliebt hat? Hatte er eine Schwäche für sie, so ähnlich wie wenn ich sage: Ich liebe Pizza? Oder so wie wenn ich sage: Ich liebe meine Familie?

Am besten lassen wir die Bibel und insonderheit den Apostel Johannes selbst erklären, was diese Liebe für uns bedeutet.

Wer liebt hier? Gott, der Allmächtige, der Schöpfer, der uns gemacht hat, und dem wir Anbetung und Gehorsam schulden. Er ist eine Person, die denkt und fühlt und einen Willen hat. Er ist nicht nur eine Kraft oder ein Einfluss. Er ist ein moralisches Wesen, das Taten und Motive beurteilt und den Maßstab für perfekte Gerechtigkeit setzt. Und da ist auch der Konflikt zwischen uns und Ihm: Wir werden diesem Maßstab nicht gerecht, und wir verweigern ihm Ehre und Dank wieder besseres Wissen. Deshalb sind wir unter seinem Zorn und Gericht.

Aber Gott liebt, und Gott liebt die Welt. Das heißt: Jeden! Die ganze Menschheit. Er empfindet für uns verlorene und verdammte Menschen Erbarmen und will uns retten. Deswegen gab er seinen Sohn als Sühnopfer für unsere Sünden. Was das bedeutet, entzieht sich unserem Verständnis. Wir können es nur erahnen. Gott legt unsere Sünde auf Jesus und lässt ihn unser Urteil tragen. Damit macht er uns die Tür auf, um zurück zu kommen.

Durch diese Tür gehen wir durch den Glauben. Glauben im Sinn der Bibel bedeutet nicht nur, dass ich etwas für wahr halte, sondern dass ich mich mit meinem ganzen Sein drauf einlasse, weil ich dem völliges Vertrauen schenke, was Gott gesagt und getan hat. Es beinhaltet auch, dass ich mein altes Leben nicht mehr weiterführen will. Nun, wie ist das möglich? Es geht nicht darum, dass wir einen Vorsatz fassen, uns zu bessern und “religiös” zu werden. Das schaffen wir sowieso nicht.

Gott gibt uns ewiges Leben. Das ist mehr als Weiterleben nach dem Tod. Das ist eine ganz neue Qualität des Lebens durch den heiligen Geist in uns. Es ist etwas, was Gott in uns tut. Er erneuert uns. Er füllt uns mit Liebe. Er schreibt sein Gesetz in unsere Herzen, so dass es etwas wird, was wir selbst wollen. Er gibt uns die Kraft dazu.

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Dieses Angebot gilt auch für dich. Gott hat alles getan, und wir müssen nur – aus tiefstem Herzen – Ja sagen und es annehmen.

“Ich bitte dich, von wem spricht der Prophet hier?” Das Leiden Jesu im Alten Testamnent ((8)

Jesaja53Auf einer einsamen Straße zwischen Jerusalem und Gaza fährt eine Kutsche. Im Wagen sitzt ein dunkelhäutiger Mann, ganz vertieft in eine Buchrolle, aus der er murmelnd liest.  Auf seiner Suche nach Wahrheit ist er auf den Gott Israels gestoßen, und er hat Jerusalem besucht, um ihn anzubeten und mehr zu erfahren. Von dort hat er sich das Buch des Propheten Jesaja mitgebracht.

Er ist der Schatzmeister der Königin von Äthiopien, aber sein Herz ist auf der Suche nach mehr als Karriere und Reichtum. Er hat schon gelernt, dass der Gott Israels Gerechtigkeit und Sünde sehr ernst nimmt. Ständig werden Opfer im Tempel dargebracht, um Sühne zu leisten. Aber wie kann er, ein Heide, fern von israelitischem Boden, mit Gott versöhnt werden und Frieden haben?

Was er nun hier liest, ist interessant. Wenn er nur wüsste, um wen es geht! Da ist von einer Person die Rede, die ihr Leben als Schuldopfer gibt, und von anderen, die dadurch Frieden und Heilung bekommen. Aber wer ist diese Person? Spricht der Prophet hier von sich selber? Dann wäre es eine alte Geschichte … Wie er sich nach diesem Frieden sehnt! Er muss wissen, von wem hier gesprochen wird. Aber er kommt nicht weiter.

Ein Mann ist schon ein paar Meter neben seinem Wagen hergelaufen und hat seinem Lesen zugehört. Jetzt spricht er ihn an: “Verstehst du denn, was du liest?”  “Wie sollte ich, wenn es mir keiner erklärt!” Vielleicht hat dieser Mann Ahnung? Vielleicht hat Gott die Fragen seiner Seele gesehen und ihn geschickt? “Steig doch auf und setz dich zu mir!”  Und ohne weitere Höflichkeiten tauchen sie in den Text ein:

Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war.

“Ich bitte dich, von wem spricht der Prophet hier?”

Die nun folgende Unterhaltung ist rekonstruiert. In der biblischen Geschichte steht nur, dass Philippus – so hieß der 2. Mann – ihm ausgehend von dieser Stelle das Evangelium erklärte. Das mag in etwa so ausgesehen haben:

Ich kenne den, von dem er spricht! Sein Tod hat vor noch nicht allzu langer Zeit Jerusalem erschüttert. Es ist Jesus, der Sohn Gottes. Er ist als Mensch auf diese Erde gekommen, um uns zu retten vor dem Zorn Gottes. Er ist der vor langer Zeit verheißene Messias Israels. Er hat all die Wunder und Zeichen des Messias getan: Er hat Lahme und Blinde geheilt, Dämonen ausgetrieben, Brot vermehrt, Stürme gestillt, und die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigt. Er hat Sünder angenommen und ihnen vergeben. Aber unsere Obersten hassten ihn, weil er ihnen die Wahrheit sagte über ihre Heuchelei, und weil sie eifersüchtig waren. Sie haben ihn unter falscher Anklage den Römern überliefert und seine Kreuzigung gefordert. Und er hat sich ohne Widerstand verhaften, foltern und töten lassen. Was damals niemand verstand, obwohl er es oft gesagt hatte, war, dass er sein Leben als Schuldopfer geben wollte. Er ist der, von dem hier die Rede ist: Das Lamm Gottes, das alle anderen Opfer für immer überflüssig macht. An diesem Kreuz hat Gott unser aller Schuld auf ihn gelegt, so wie es hier steht:

Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.”

“ Hm. Aber wenn er tot ist, wie kann er dann Nachkommen haben und in die Länge leben und das Licht schauen und all die Dinge, die hier sonst noch stehen? Und wie kann man wissen, dass Gott dieses Opfer angenommen hat?”

“ Ja, das Beste kommt noch! Nachdem er drei Tage im Grab lag – übrigens im Grab eines Reichen, so wie es hier steht! – ist er auferstanden. Er ist danach vielen Menschen erschienen, seinen Jüngern und mehr als 500 glaubwürdigen Zeugen, und er war noch über 40 Tage bei seinen Jüngern und hat sie unterwiesen. Dann ist er vor ihren Augen in den Himmel aufgefahren. Dort sitzt er jetzt zur Rechten Gottes. Von dort hat er auch allen, die an ihn glauben, den Heiligen Geist geschickt, der eine unerschütterliche Gewissheit in ihr Herz senkt, dass sie Gottes Kinder sind.”

Im Herzen des Schatzmeisters breitet sich eine große Hoffnung aus. Wenn Jesus auch für ihn das Opferlamm geworden ist und er diesen Heiligen Geist bekommen und mit nach Hause nach Äthiopien nehmen kann, dann will er das haben! Sofort! Dort hinten ist eine Wasserstelle, und er will getauft werden und seine Annahme dieses Opfers bekennen! “Gibt es ein Hindernis, dass ich getauft werde?”  “Glaubst du von ganzem Herzen?” “Ja!” Sie halten an, und Philippus tauft ihn ohne Zögern. Dann nimmt der Geist Gottes den Philippus weg. Er wird auch nicht mehr gebraucht, denn der Schatzmeister ist mit einer tiefen Freude  und Gewissheit erfüllt. Das Problem seiner Schuld ist gelöst, und er hat einen auferstanden Herrn im Himmel und den Heiligen Geist, der ihn leiten wird.

Die Geschichte steht in der Bibel in Apostelgeschichte 8; der Text aus Jesaja, der den Kämmerer beschäftigte, steht in Jesaja 53.

Bildquelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Isaiah_53#/media/File:Great_Isaiah_Scroll_Ch53.jpg  Isaiah 53 in the Great Isaiah Scroll, found at Qumran and dated to the 2nd century BCE, public domain

Das Gebet macht die geistliche Waffenrüstung komplett (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Epheser 6,18 ff

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Wenn Gott uns durch den Glauben das neue Leben geschenkt hat, sind wir “in Christus”. Wir sind mit allen geistlichen Segnungen gesegnet. Und trotzdem stehen wir ununterbrochen im Kampf, denn dem Widersacher Gottes passt das nicht. Wir müssen uns aber nicht fürchten, denn Gott hat uns seine Waffenrüstung zur Verfügung gestellt, und wenn wir sie anlegen, ist der Sieg uns sicher.

Das Wort Gottes ist unser Schwert, wirksam für Angriff und Defensive. Um es effektiv zu führen, brauchen wir das Gebet. Das Wort der heiligen Schrift und das Gebet gehören unauflöslich zusammen. Betend wenden wir das Wort auf unsere Herzen an, betend stützen wir uns darauf, wenn wir von Entmutigung attackiert werden, betend greifen wir mit allen Verheißungen den Feind an im Kampf um unsere Familien, unsere Gemeinden und die Menschen dieser Welt. Betend wehren wir uns mit dem Wort, wenn der Feind uns zum Ungehorsam verleiten, unsere Nützlichkeit zerstören und unsere Freude rauben will.

Und wie machen wir das? “Mit allem Gebet und Flehen im Geist”, d.h. unser Leben muss durchsättigt sein von der Kommunikation mit dem Herrn in allen Variationen und Facetten. Wir empfangen seine Güte und danken, wir erleben unsere Hilflosigkeit und flehen, wir sehen unsere Brüder leiden und stehen in der Fürbitte für sie ein, wir sehen die Gefährdung unseres Glaubens und wachen, wir haben gesündigt und tun Buße vor ihm, wir lieben die Gläubigen und ringen im Gebet, dass sie im Willen Gottes stehen. Alles machen wir immer mit dem Herrn, weil wir uns unserer Abhängigkeit bewusst sind. Mit ihm reden wir über unser Leben, vor ihn tragen wir unsere Fragen, von ihm erwarten wir alle Hilfe. Und das tun wir privat und öffentlich, spontan und geplant, jubelnd und weinend, stehend, sitzend und kniend, die Hände erhebend oder auf unserem Gesicht liegend.

Beten ist nichts, was der Mensch von Natur kann, deshalb muss es im Geist sein. Der Geist und das Wort wirken zusammen und verändern unsere Denkweise und bringen sie in Einklang mit der Denkweise Gottes. Aber mehr noch: Da, wo es gar keine adäquaten Worte gibt und wo uns die Kraft und der Horizont fehlt, hilft der Geist unserer Schwachheit auf und tritt mit unaussprechlichen Seufzern vor Gott für uns ein. Wir sind in unserem Beten nicht auf uns angewiesen, sondern auf ihn. Er tut für uns, was unsere Kapazität übersteigt.

Wir tun es in aller Ausdauer, ohne Unterlass, ohne aufzugeben, weil er uns versprochen hat, dass er uns erhört.  Wir tun es für uns und alle Heiligen und ganz besonders für die, die ihm an vorderster Front dienen, und für die, die um seinetwillen leiden. Paulus selbst bittet um Gebet. Er hat so viel für den Herrn durchlitten, er hat das Evangelium unter bitterster Verfolgung unentwegt von Stadt zu Stadt und Land zu Land gebracht, und jetzt sagt er: Geschwister, bittet für mich! Ich brauche Mut! Keiner kann es je aus sich selber, keiner wächst je über die Abhängigkeit von der Gnade Gottes hinaus. Um unseren Lauf zu vollenden und unseren Dienst zu verrichten, brauchen wir unser eigenes und das Gebet unserer Glaubensgeschwister – bis zum Schluss.

Alltagstheologie im Epheserbrief (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Epheser 5,15 – 21

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Der Epheserbrief ist ein gutes Beispiel für die Art, wie Paulus Menschen zu Jüngern machte. In den ersten drei Kapiteln legt er die Grundlage und zeigt ihnen, wie die Gnade Gottes verlorenen Sündern in Christus eine neue Identität gegeben hat. In den folgenden Kapiteln geht es dann darum, wie diese von Gott geschaffenen Fakten in ihrem alltäglichen Leben zur Auswirkung kommen sollen: in der Verleugnung ihrer alten selbstsüchtigen Natur (s. auch Lukas 9,23-25) – und in einer bewussten Nachfolge, die das Leben ständig am Willen Gottes justiert. Er ermahnt sie

  1. in der Einheit in Christus zu leben (4,1-6)
  2. in Reinheit zu leben (4,17-32)
  3. In Liebe zu leben (5,1+2)
  4. im Licht zu leben (5,8-14)
  5. weise zu leben (5,15-21)

Dabei müssen wir immer bedenken, dass er an Christen schreibt. Die Grundlage seiner Ermahnungen (und das, was uns zum Gehorsam befähigt) ist, dass wir geliebte Kinder sind. Wir sollen prüfen, was Gott gefällt, weil wir reingewaschen und erkauft sind. Wir erforschen den Willen Gottes, indem wir unsere Bibel kennen lernen und Gottes Wort in unserem Herzen und täglichen Leben Raum geben.

Wir werden aufgefordert, weise zu leben. “Die Zeit auskaufen” ist nicht die Anweisung, den Terminkalender bis hinten gegen zu füllen, sondern die gegebene Zeit, die unwiederbringliche Gelegenheit unseres irdischen Daseins, für Christus zu leben, sie nicht an die Sünde zu verschwenden, sondern in ewigen Ertrag zu investieren. Denn die Tage sind böse – wir leben in einer Zeit, wo die Gesetzlosigkeit überhand nimmt und die Liebe erkaltet, und wo wir unter der Gottlosigkeit leiden wie Lot in Sodom und Gomorra. Umso wichtiger, dass wir unsere Zuflucht zu Gott nehmen und ein Leben führen, das als Licht in der Dunkelheit scheint! Statt uns mit Alkohol zu berauschen, sollen wir uns fortwährend unter den Einfluss des heiligen Geistes begeben. Dann werden wir unsere Freude im Herrn zum Ausdruck bringen, indem wir ihn mit dem Mund und mit dem Leben loben. Wir werden nicht mit dem Geist erfüllt, indem wir uns mit Lobpreis emotional aufpeitschen, sondern indem wir unsere Gedanken mit Gottes Wort füllen. Erfüllung mit dem Geist und Anbetung ist die natürliche Folge, und auch  die Dankbarkeit fällt uns dann nicht schwer, sondern sie sprudelt aus unserem Leben heraus. Ja, wir können dankbar sein in allen Dingen, auch in schwierigen Prüfungen, weil wir wissen, dass sie aus der Hand eines liebenden Vaters kommen, der uns erzieht.

Eine der Auswirkungen eines geisterfüllten Lebens ist gegenseitige Unterordnung aus Respekt vor Gott. Das darf man nicht dahin missverstehen, dass alle Hierarchien aufgelöst würden und es keine Autoritätstruktur und Rangordnung mehr gäbe. Gott hat in der Gemeinde Führer eingesetzt, die für uns Verantwortung tragen, und auf die wir hören sollen. Es geht mehr darum, sich wie ein Teamplayer einzuordnen, zu kooperieren und auf unseren Egoismus zugunsten anderer und des großen Plans zu verzichten – nicht um Menschen zu gefallen, sondern aus Ehrfurcht vor Christus als dem Haupt der Gemeinde.

Sehen – verstehen – leben (Predigt-Nachlese)

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Predigttext: Epheser 1,15-23

Nachdem Paulus den Ephesern so viel darüber geschrieben hat, was es bedeutet, erlöst zu sein, betet er für sie. Information ist gut, aber sie muss vom Kopf ins Herz und ins Leben! Deshalb bittet er um den Geist der Weisheit und der Offenbarung. Sie (und wir) brauchen eine fortwährende Erinnerung daran, was wir schon haben. Christus ist genug. Wir brauchen keine höheren Offenbarungen, keine tieferen Erfahrungen, keine zusätzlichen Gesetze, keine überschwenglichen Emotionen und keine psychologische Lebenshilfe. Uns ist alles geschenkt, was wir zu einem Leben in Gottesfurcht brauchen, und was man uns sonst noch andrehen will, ist nur Betrug und von Übel! Stattdessen sollen wir unsere Wurzeln tief in Christus hineingraben und fest auf dem Grund stehen, der uns unter die Füße gelegt wurde.

In diesem Prozess des Erkennens, Verstehens und In-Besitz-Nehmens wird unser Denken und unser Leben verändert. Dazu brauchen wir den Heiligen Geist, denn er ist es, der uns erinnert und lehrt und uns beständig unserer Zugehörigkeit zu Christus versichert.

Und nicht nur unsere Segnungen sollen wir erkennen, sondern auch die Größe der Kraft Gottes. Im Vers 19 wird diese Kraft in vier verschiedenen Ausdrücken beschrieben:

die überwältigende Größe seiner Kraftwirkung (dunamis) an uns , die wir glauben, gemäß der Wirksamkeit (energeia) der Macht (kratos)  seiner Stärke (ischus)

Wie zeigt sich nun diese göttliche Kraft, und was bewirkt sie in uns?

Wir können uns in all dem auf die Kraft und Größe unseres Retters Jesus Christus verlassen. Niemand ist ihm überlegen, niemand macht seine Absichten für uns zunichte. In ihm sind wir sicher. In diesem Vertrauen können wir uns ihm ganz zur Verfügung stellen. Das ist die Schnittstelle von Erkenntnis und einem Leben in dankbarer Hingabe, das sich so äußert:

Liebe muss echt sein, ohne Heuchelei! Verabscheut das Böse, haltet am Guten fest! Seid einander in herzlicher geschwisterlicher Liebe zugetan! Übertrefft euch in gegenseitigem Respekt! Werdet im Fleiß nicht nachlässig, lasst den Geist Gottes in euch brennen und dient so dem Herrn! Freut euch, weil ihr Hoffnung habt, bleibt standhaft in Bedrängnis, seid treu im Gebet! (Römer 12, 9-12

Der göttliche Adoptions-Beschluss (Predigt-Nachlese)

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Bibeltext: Epheser 1, 1-14

Es ist Gott, der uns auserwählt hat, seine Kinder zu sein. Wir konnten nichts dazu tun.

Schon ehe er die Welt geschaffen hat, hat er diesen Beschluss gefasst: Er wollte Kinder haben, die seine eigenen Charakterzüge tragen sollten: Heilig und tadellos. Er nahm sich vor, uns mit jedem geistlichen Segen zu segnen, und uns zu Erben einzusetzen, die alles genießen sollten, was er hat.

Heilig und tadellos hat er mich allerdings nicht vorgefunden, sondern sündig und rebellisch, feindselig und verloren und absolut unfähig, zu dem zu werden, was ich werden sollte! Aber gerade diese meine Hilflosigkeit brachte seine ganze Gnade und Herrlichkeit ans Licht! Denn ER hat alles für mich getan durch Jesus Christus!

Jesus Christus hat mich durch sein Blut vom gerechten Gericht freigekauft. Was ich getan habe, ist vergeben – nie mehr muss Sünde mich von der Gegenwart Gottes ausschließen. Wenn ich verzweifelt bin über meine Unfähigkeit, den “Familienstandards” zu genügen, sagt der Vater nicht: “Sei mehr! Tu mehr!”, sondern er erinnert mich daran, was Er für mich getan hat und wozu Er mich gemacht hat. Er möchte, dass ich meine Reichtümer, die er mir gegeben hat, kennen und genießen lerne und nicht mit meinem Denken und Trachten immer noch an dieser Welt und meinem vorigen Leben festklebe.

Ich bin in seiner Familie akzeptiert “In dem Geliebten”, d.h. in Jesus, der nie etwas anderes war als die Freude seines Vaters. Er war immer heilig und tadellos. Er hat am Kreuz mit mir den Platz getauscht: Er empfing mein Urteil, und ich erhielt die Kindschaft. Und nun sieht Gott mich “In Christus”, und mir bleibt nur die dankbare Freude! Und damit ich ganz sicher bin, dass sich daran nie mehr etwas ändert, hat er mir und allen anderen, die ihr gläubiges Vertrauen auf Jesus setzen, ein Siegel aufgedrückt und ein Pfand gegeben: den Heiligen Geist als Sicherheit und Bestätigung.

Warum tut Gott so etwas? Nun, es hat ihm gefallen, seine Gnade zu zeigen. Er hat es getan, weil er ist, wie er ist: Gnädig und gerecht, barmherzig und voller Liebe. Und er wünscht sich das Echo unserer Herzen: Dankbarkeit, Freude und Lobpreis seiner herrlichen Gnade!