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Was religiösen Menschen die Tür zu Gott verschließt (Predigt-Nachlese)

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In Johannes 5 spricht Jesus mit den religiösen Führern der Juden. Sie hassten ihn, weil er das Licht war, das ihre Finsternis aufdeckte. Sie hassten ihn für seinen Anspruch, der Sohn Gottes zu sein, eins mit dem Vater und von ihm autorisiert, ihnen Leben zu geben oder sie zu richten. Und sie hassten ihn, weil er ihre Position und ihr Ansehen infrage stellte.

Und doch gibt er sie nicht auf. Wenn sie ihm persönlich nicht glauben, dann kann er Johannes den Täufer als Zeugen ins Feld führen oder die Wunder, die unbestreitbar waren, oder die Schrift, die ihn vorhergesagt hat, sogar Moses, den sie so hochhalten. Und er tut das nicht, weil er diese Zeugen nötig hätte, sondern er sagt das um ihretwillen:

Ich sage das, damit ihr gerettet werdet. (Johannes 5,34)

Das ist seine Intention, selbst für seine ärgsten Feinde. Und um ihnen zu helfen zu erkennen, was sie daran hindert, hält er ihnen den Spiegel vor, damit sie sehen, wie sie sind, und wovon sie umkehren müssen, damit sie glauben und gerettet werden können. Dabei scheut er sich nicht, konfrontativ und deutlich zu sein, denn mit weniger ist ihnen nicht gedient.

  • Gottes Wort hat keinen Raum in euren Herzen. Sie kannten die Schrift vor- und rückwärts und auswendig als ein Buch von Geboten und Gesetzen, zu denen sie vorsichtshalber unzählige Ausführungsverordnungen gemacht hatten und beachteten. Aber ihr Herz war nie erreicht worden, nie von seiner Sündhaftigkeit überführt worden. Da war kein Platz in ihnen zum Empfang der Worte der Gnade, denn in ihren Augen hatten sie alles richtig gemacht.
  • Ihr wollt nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen. Das hätte ja geheißen, sie brauchen ihn, um ihnen das Leben zu geben! Sie doch nicht! Sie konnten sich selbst den Weg zu Gott erarbeiten!
  • Ihr sucht die Ehre von Menschen. Jesus sagt es ziemlich drastisch: Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre von dem alleinigen Gott nicht sucht? Wer glauben will, muss seine Reputation und seinen Selbstschutz fahren lassen. Er kann nicht mehr so tun, als ob. Er muss seine Sünden bekennen. Es gibt kein größeres Hindernis zum Glauben als Heuchelei und den Wunsch, vor Menschen etwas darzustellen, was man im Kern seines Wesens und in seinen geheimsten Taten nicht ist.
  • Ihr habt die Liebe Gottes nicht in euch. Sie waren Spezialisten in den zehn Geboten, aber sie konnten noch nicht einmal das erste halten: Gott über alle Dinge zu lieben. Nur sahen sie das nicht, weil sie den selbstgerechten Buchstabengehorsam mit der Liebe zu Gott verwechselten.
  • Ihr glaubt den Schriften nicht wirklich. Hätten sie den Schriften Mose wirklich geglaubt und nicht immer nur ihre To do-Liste zum Abhaken darin gesucht, so hätten sie erkannt, dass er einen Erlöser für ihren und unseren tiefen Schaden vorausgesagt hat, und sie hätten die Stimme des Autors in Jesus wiedererkannt.

Es betrifft nicht nur die Pharisäer, sondern dient auch unserer Selbstprüfung.  Kennen wir Gott? Ehren und lieben wir ihn? Ist er die Quelle unserer Freude, die Nummer 1 in unserem Leben? Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Schielen wir nach der Anerkennung von Menschen, oder bekennen wir uns zu unserer Schuld und nehmen gerne die Gnade Gottes an und das Kreuz auf und folgen  Jesus nach?

Wackel-Petrus?

In letzter Zeit habe ich viel von Petrus gehört: Petrus, der Jesus so sehr liebt, dass er mit ihm sterben will, und dann so die Hosen voll hat, dass er ihn hartnäckig verleugnet. Petrus, der in Tränen ausbricht, als er merkt, was er getan hat, und wer er eigentlich ist. Ein ganz anderer, verwandelter Petrus, nachdem er den Heiligen Geist empfangen hat und furchtlos wie sein Herr selbst die jüdischen Obersten mit der Wahrheit konfrontiert. Petrus, der durch den Heiligen Geist die Sünde von Ananias und Saphira aufdeckt.

Einige Jahre später wieder ein Menschen fürchtender Petrus, der solche Angst hat vor den jüdischen gesetzestreuen Christen, dass er selbst zum Heuchler wird und seine Glaubensgeschwister aus den Heiden praktisch verleugnet (“diskriminiert”, würden wir heute sagen), so dass Paulus ihm um der Wahrheit willen die Meinung sagen und der Heuchelei bezichtigen muss. Und wieder Petrus, der nicht beleidigt ist, sondern das annimmt. (Warum ich das glaube, hab ich hier mal geschrieben.)

Wer war er denn nun, dieser Mann? War er ein Wackel-Petrus?

Ich denke, er war ein Sünder und hatte seine Schwächen – wie du und ich. Wenn er vom Heiligen Geist erfüllt war, dann war er stark – wie du und ich. Er war schnell, Zurechtweisung anzunehmen und seine Fehler einzusehen – das sollten wir auch sein!  Jesus, der ihn durch und durch kannte, besser als er sich selbst, nennt ihn “Fels” und nicht “Pudding”! Wenn er in irgendetwas fest war, dann darin, immer wieder vor seinem Herrn auf die Knie zu fallen und zu sagen: Ich bin ein Sünder, aber ich liebe dich! Du bist meine einzige Hoffnung, und ohne dich kann ich nicht leben! Lass mich dein Jünger sein!

Wie du und ich?

Hananias und Saphira und Gottes Antivirenprogramm auf meiner Festplatte

Letzten Sonntag konnte ich nicht in meiner Heimatgemeinde sein, deshalb hörte ich mir irgendwann die Predigt online an. Es ging um Hananias und Saphira, die den Heiligen Geist belogen haben, weil sie besser scheinen wollten als sie waren. Diese Geschichte ist wirklich dazu angetan, uns mit Furcht vor Gottes Heiligkeit zu erfüllen, denn Gott ließ sie auf der Stelle tot umfallen. Damit machte er ein für allemal klar, wie er über ein solches Verhalten denkt.

Nachdem ich mir das angehört hatte, sagte ich zum Herrn: “Ich will kein Heuchler sein! Mach mich frei davon!” Ich denke mal, das startete Gottes Antivirenprogramm. Es lief über meine Festplatte (und ich vermute, es läuft immer noch) und fand alte infizierte Dateien! Als ich heute morgen aufwachte, poppte die erste Meldung auf! Ich erinnerte mich an eine Situation, die Jahre zurück liegt, als eine Freundin mir erzählte, wie Gott ihr in einer bestimmten Situation geholfen hatte, und mir für meine Gebete dankte. Das Problem war: Ich hatte gar nicht gebetet! Ich hatte es schlichtweg vergessen! Aber ich sagte nichts, weil ich ihre Illusionen über meine Freundschaft und über mein geistliches Leben nicht zerstören wollte.

An diesen Fall erinnere ich mich konkret, aber ich weiß, dass mir Ähnliches nicht nur einmal passiert ist. Leute unterstellen mir Gutes, und ich widerspreche nicht, obwohl ich es besser weiß. Zwar habe ich es nicht geplant wie Hananias und Saphira, aber ich habe es auch nicht korrigiert.

Diese Heuchelei muss gelöscht werden! befiehlt das Antivirenprogramm Gottes. Ananias und Saphira wollten ihre Sünde nicht zugeben. “Wenn wir behaupten, wir hätten nicht gesündigt, machen wir Gott zum Lügner.” Das war ihr Tod. “Doch wenn wir unsere Sünden bekennen, zeigt Gott sich treu und gerecht: Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.”  “Das Blut seines Sohnes Jesus macht uns von jeder Sünde rein.” (1.Johannes 1,7-10)