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Elisabeth und ihr Sohn stellen mir Fragen

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Am ersten Tag des neuen Jahres habe ich mich mit zwei sehr interessanten Personen beschäftigt: mit Elisabeth, der Frau von Zacharias, und ihrem Sohn Johannes.

Die junge Maria – nach heutigem Sprachgebrauch würde man sie vermutlich als Teenager bezeichnen – besucht die ältere Elisabeth. Beide sind schwanger mit besonderen Kindern. Elisabeth ist nach langen Jahren der Unfruchtbarkeit schwanger mit einem Kind, das “groß sein wird vor dem Herrn”, ein Prophet, der viele der Israeliten zur Umkehr zu Gott bewegen wird. Ob Elisabeth das zu dem Zeitpunkt schon weiß, ist unbekannt. Ihr Mann Zacharias ist stumm und kann es ihr höchstens schriftlich erzählt haben, und obwohl sie offensichtlich lesen konnte, war doch vermutlich ihre Kommunikation sehr beschränkt. Was er ihr auf jeden Fall mitgeteilt hat, war der Name, der dem Jungen zugedacht war. Elisabeth fühlt sich so gesegnet und überwältigt von Gottes Güte ihr gegenüber, denn sie hat sich ein Leben lang nichts so sehnlich gewünscht wie ein Kind und Gott immer wieder darum gebeten.

Und dann steht Maria in der Tür, die von Gott auf ganz andere Weise überrascht worden ist. Auch sie ist schwanger. Als sie ihre Verwandte begrüßt, hüpft Elisabeths Baby in ihrem Bauch vor Freude. Elisabeth erkennt durch den heiligen Geist, warum das Kind sich so übermäßig freut und ruft aus: Wie komme ich dazu, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt! Denn das Kind, das in Maria heranwächst, ist der Sohn des Höchsten.

Maria hat nicht jahrelang um dieses Kind gefleht. Sie hat sich nicht schon viele Jahre in ihrer Treue zu Gott bewährt. Und doch hat Gott sie ausgesucht, seinen Sohn zu tragen und zu gebären. Ihre Qualifikation ist “Niedrigkeit” (Lukas 1,48), wie sie selbst feststellt. Es ist Gnade, sie konnte es sich nicht verdienen. Elisabeth erkennt neidlos die größere Gnadengabe Gottes an, die diesem jungen Mädchen gewährt wird und freut sich von Herzen für sie und mit ihr.

Genau dieselbe Gesinnung sehen wir später bei ihrem Sohn. Nachdem er begonnen hatte, als junger Mann öffentlich aufzutreten und zu predigen, war ihm durchaus Erfolg gewährt. Die Leute kamen, um ihn zu hören. Selbst der Fürst zitterte vor seinem Wort. Er hatte nicht wenige Anhänger, und aufgrund seiner Vollmacht und Gradheit fingen die Leute an, die Frage zu diskutieren, ob er vielleicht der verheißene Messias sei. Aber er zog sich diesen Schuh nicht an. Ich bin nur der Wegbereiter. Der Stärkere kommt, und ich bin nicht würdig, ihm die Schuhe zu binden. Der nach mir kommt, ist vor mir, denn er war eher als ich.

Als Jesus dann auf der Bildfläche erscheint, bezeugt er: Er ist es, der Messias, der Sohn Gottes, das Lamm Gottes! Und schon beginnen seine eigenen Anhänger abzuwandern. Für ihn ist das okay.  Einige seiner Jünger finden das weniger richtig. Meister, jetzt laufen alle zu dem da!  Sein Kommentar:

Ein Mensch kann sich nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel her gegeben wird. Ihr wisst selbst, dass ich euch ganz offen gesagt habe: `Ich bin nicht der Christus. Ich bin von Gott beauftragt, ihm den Weg zu bereiten – mehr nicht.´Wo die Braut hingeht, da ist der Bräutigam. Und der Freund des Bräutigams, der dasteht und ihm zuhört, freut sich an der Stimme des Bräutigams. Darüber freue auch ich mich – und meine Freude ist nun vollkommen. Er muss immer größer werden und ich immer geringer. (Johannes 3,26ff)

Wenig später wird Johannes von Herodes, dem er die Wahrheit über seinen Lebenswandel gesagt hat, verhaftet. Er verschwindet in einem Gefängnis. Er hat noch Anhänger, die ihn auch im Gefängnis besuchen, aber er schickt sie mit seinen und ihren Fragen zu Jesus. Sein Auftrag ist beendet. Am Ende seines jungen Lebens steht die Enthauptung auf Betreiben der gekränkten Frau des Herodes.

Elisabeth und ihr Sohn stellen Anfragen an mein Herz: Bin ich bereit, die größere Gnade, die Gott anderen gibt, nicht nur zu akzeptieren, sondern mich von Herzen darüber zu freuen? Bin ich bereit zurückzutreten, wenn Gott mich nicht mehr braucht, ja, am Ende, wie Johannes, “weggeräumt” zu werden? Oder klebe ich an meinen Aufgaben um ihrer selbst willen? Geht es mir wirklich immer nur um Jesus, dass er gepriesen und verehrt wird, oder will ich, dass Menschen mich mögen und an mir hängen? Kann ich annehmen, dass Gott mich zwar gebrauchen will, aber auch ohne mich gut zurecht kommt? Letztlich: Ist Jesus immer und unter allen Umständen meine einzige Freude?

Die Geschichten stehen in der Bibel u.a. in Lukas 1 und 3, Johannes 1 und 3 und Matthäus 14.

Predigt-Nachlese: Doppelte Gebetserhörung

Die Geschichte von der Ankündigung der Geburt des Johannes hat uns diesen 2. Advent wieder beschäftigt wie auch letztes Jahr. Ein Punkt aber hat mich persönlich heute besonders bewegt und angesprochen, und das ist die doppelte Gebetserhörung, die Zacharias und Elisabeth erlebten.

Dieses Ehepaar – beide sind priesterlicher Abstammung- gehörte zu den Treuen in Israel, die Gott nicht nur äußerlich dienten. Ihre Frömmigkeit war echt und wurzeltief, und ihr Herz suchte alle Hilfe bei  Gott. Die Not, die sie in ihrem Leben empfanden, war zwiefältig: Das eine war die allgemeine Not Israels, die Bedrückung durch Fremdherrschaft seit Jahrhunderten, der geistliche Niedergang, das Schweigen Gottes…… und das andere war ihre persönliche Not, dass ihnen ein Nachkomme versagt geblieben war trotz allen Bittens und Flehens. Vor allem für Elisabeth war das nicht nur Traurigkeit, sondern Schande und Versagen und der ständige stille Vorwurf ihrer Umgebung, dass mit ihr auch in Gottes Augen etwas nicht stimmen könne.

Was die beiden nicht ahnen konnten: Gott hatte einen Plan, ihr persönliches Anliegen mit dem Erscheinen des Messias zu “koordinieren”. Er ließ sie auf ihren Sohn warten, bis es Zeit war für den anderen Sohn, den Maria gebären sollte. Ihr Johannes sollte dessen Wegbereiter sein.

Und so begegnet der Engel Gabriel dem Zacharias im Tempel an diesem sowieso außerordentlichsten Tag seines Lebens, wo ihm durchs Los die seltene Gnade zuteil wurde, das Räucherwerk vor Gott darzubringen, das das kollektive Gebet um den “Trost Israels” zu Gott aufsteigen ließ, und kündigt ihm einen Sohn an, nicht irgendeinen – ja, das wäre ihm schon genug gewesen!- sondern einen ganz besonderen, der ihm große Freude machen wird, weil er vor dem Messias hergehen wird! Diese überwältigende Nachricht ist erst mal zu viel für den Glauben des Zacharias!

Und ich stehe einmal mehr staunend vor dem Handeln eines souveränen Gottes! Nur er ist in der Lage, so etwas zu tun! Wir denken manchmal, er hört uns nicht, wenn wir lange gebetet haben und nichts geschieht. Dabei hat er Größeres vor, “über Bitten und Verstehen”.

So erfüllt sich der doppelte Wunsch dieser beiden, und Zacharias jubelt, erfüllt vom Heiligen Geist:

Wir wurden vor unseren Feinden gerettet, damit wir Gott an jedem einzelnen Tag unseres Lebens ohne Furcht dienen können in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Und du, mein Kind, wirst Prophet des Allerhöchsten genannt werden, weil du dem Herrn den Weg ebnen wirst. Du wirst seinem Volk verkünden, wie es Rettung finden kann durch die Vergebung seiner Sünden.  Durch die Güte und Barmherzigkeit Gottes wird nun das Licht des Himmels uns besuchen, um die zu erleuchten, die in der Dunkelheit und im Schatten des Todes sitzen, und um uns auf den Weg des Friedens zu leiten.”