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Das Kreuz und seine Auswirkungen in meinem Leben

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Was ist im Christentum so anders als in allen anderen Religionen? Was macht es so schwer, es zu akzeptieren? Was ist, wie Paulus sagt, für die Juden ein Ärgernis und die Griechen eine Torheit? Was versucht man immer wieder herauszuschneiden, um eine akzeptablere Variante des Christentums herzustellen? Das Kreuz.
Das Kreuz ist das Kernstück unseres Glaubens. Natürlich gehört noch mehr dazu, es ist z.B. untrennbar von der Auferstehung Jesu. Aber ohne das Kreuz gibt es keine Rettung. Ohne das Kreuz gibt es auch keine Heiligung. Niemand kann ohne das Kreuz zu Gott kommen.
Was bedeutet dieses Kreuz für mich ganz persönlich? Ohne den Anspruch, alles abzudecken, was das Kreuz für uns bedeutet, hier 5 Punkte:

1. Durch das Kreuz wurde mir vergeben

2. Ich wurde mit Christus gekreuzigt, damit ich der Sünde nicht mehr diene.

3. Ich wurde durch das Kreuz dem Gesetz getötet.

4. Ich wurde der Welt gekreuzigt.

5. Ich bin teuer erkauft und habe meinen Herrn gewechselt.

1. Was ist überhaupt am Kreuz passiert? In den Evangelien wird uns berichtet, dass Jesus von den jüdischen Führern aus Eifersucht und unter Anklage der Gotteslästerung an die Römer ausgeliefert wurde, und dass sie darauf bestanden, dass er die Todesstrafe durch Kreuzigung, die qualvollste und erniedrigendste Art der Todesstrafe, erhalten müsste. Mit ein bisschen geschickter Manipulation des Volkswillens und Erpressung des Richters Pilatus haben sie sich durchgesetzt, und Jesus wurde tatsächlich gekreuzigt. Im Vorfeld wurde er geschlagen und bespuckt und aller Art von Verachtung ausgesetzt. Das war die äußere und politische Seite. Jesus hatte allerdings zuvor schon gesagt, dass niemand sein Leben nehmen kann, dass er es freiwillig gibt. Und die Apostel haben nach der Auferstehung und nach Pfingsten gepredigt, dass die Kreuzigung etwas war, was Gott schon lange vorher beschlossen hatte. Petrus schreibt es so in seinem Brief: „Er hat unsere Sünden an seinem Leib auf das Holz hinaufgetragen, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Striemen sind wir geheilt.“ (1. Petrus 2, 24)
Und Paulus sagt in Römer 5: Er ist für Gottlose gestorben, damit wir durch seinen Tod mit Gott versöhnt werden. Und Johannes nennt ihn das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt (Joh.1,29).
Der dreieinige Gott hat den Tod Jesu lange vorher beschlossen. In dieser Kreuzigung hat der Sohn Gottes unsere Sünden auf sich genommen und die Strafe dafür getragen, damit wir straffrei bleiben können, wenn wir dieses Opfer für uns annehmen.
Das Kreuz ist die Art, wie Gott seine Liebe zu Sündern zeigt, seine Liebe für die Welt und seine Liebe zu mir, zu jedem von uns persönlich. Und ganz persönlich muss es sein! Jesus ist für jeden von uns persönlich aus Liebe gestorben. Paulus sagt das in Galater 2,20: „Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“. Das ist das, worüber wir uns sicher sein müssen, wenn wir inneren Frieden haben wollen: Es war für mich. Meine Schuld ist vergeben und bezahlt. Gott hält sie nicht mehr gegen mich. Es gibt einen Vers im Kolosserbrief (2,14), der das mit einem Bild beschreibt: Der Schuldschein ist ans Kreuz genagelt worden, und jetzt ist er weggeschafft. Die Rechtsforderung Gottes ist bezahlt und erledigt. Ich muss keine ewige Strafe mehr fürchten, und ich kann zu Gott Vater sagen, kommen wie ich bin, eine persönliche, vertrauensvolle Beziehung haben mit dem Richter der ganzen Welt. Ich kann darauf vertrauen, dass er mich persönlich liebt, dass er mich als sein Kind sieht und mich nie verlassen und aufgeben wird.
An Jesus zu glauben bedeutet, zu akzeptieren, dass ich ein verlorener Sünder bin, der dieses Kreuz nötig hat als Tür zu Gott. Ich kann mir selbst nicht helfen, ich kann mich niemals so verbessern, dass ich die Zugangsberechtigung zu Gott erwerben würde. Ich nehme sie an als freies Geschenk.

2. Nun sagt die Bibel aber auch, dass wir mit Christus gekreuzigt wurden und uns deshalb der Sünde für tot halten sollen. Was bedeutet das nun? Für mich klang das viele Jahre lang ziemlich mystisch, aber es bedeutet einfach, dass mein Todesurteil, das die Gerechtigkeit Gottes über mich gesprochen hatte, am Kreuz an Christus vollstreckt wurde. Im Römerbrief wird es mal so ausgedrückt, dass wir mit dem Tod Christi „verwachsen“ sind. Das ist auch das, was wir in der Taufe bekennen. Es ist, wie wenn ein Zweig in einen Baum eingepfropft wird. Er wird zu einem Teil von diesem Baum, und alles, was für den Baum gilt, gilt auch für den Zweig. Das Kreuz war der Ort, wo das Todesurteil über meine Sünde vollstreckt wurde. Dieses Todesurteil muss ich in gewisser Weise nachvollziehen und bestätigen. Im 1. Johannesbrief (1,9) steht der bekannte Vers: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt, und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“. Das Wort bekennen bedeutet ursprünglich: dasselbe sagen. Das heißt, ich muss über meine Sünde dasselbe sagen wie Gott. Ich darf sie nicht entschuldigen – das wäre eine grobe Beleidigung des Opfers Jesu. Gott wird seine Meinung darüber, was Sünde ist, niemals ändern. Er wird z.B. nicht sagen: Was man früher Unzucht genannt hat, Sex außerhalb der Ehe, ist heute halt normal und nicht schlimm. Da sind wir drüber weg. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Dann müsste er sich ja quasi bei Jesus entschuldigen: Oh, ich habe dich damals für Dinge bestraft, von denen die Menschen jetzt herausgefunden haben, dass die eigentlich ganz richtig und erlaubt und gesund sind! Jetzt war das alles umsonst! Ihr seht, schon wegen dem Kreuz müssen die Standards Gottes unveränderlich sein. Es sind wir, die unsere Sicht auf die Sünde verändern müssen. Das ist eigentlich Heiligung. Das Wort Gottes deckt mir immer mehr meine Sünde auf und zeigt mir Gottes Meinung dazu. Ich höre immer mehr auf, mich selbst zu rechtfertigen, auch in den kleinen Dingen. Ich erkenne, dass nicht nur die groben Sünden, sondern auch mein Egoismus, meine Menschengefälligkeit, meine Eifersucht, meine Faulheit, meine Zeitverschwendung, meine falsche Freundlichkeit, meine Heuchelei, meine Habgier und Unzufriedenheit, mein Geiz, mein Vergleichen mit anderen usw. usw., an diesem Kreuz das Todesurteil erfahren haben. Das ist ein historischer Fakt, das muss ich nicht irgendwie vollbringen. Und dann lebe ich gemäß diesem Todesurteil, indem ich meine Sünde bekenne und die Kraft des neuen Lebens im Glauben in Anspruch nehme und verändert werde. Ich erkenne also immer mehr die Größe meiner Sünde und Verdorbenheit. Deswegen kann echte Heiligung nie zu Stolz und Selbstgerechtigkeit führen, und sie findet als Prozess statt. Sie ist wie ein Zug, der auf zwei Schienen läuft: mitgekreuzigt und mitauferstanden, das alte Leben wird abgelegt und das neue angenommen, und in der Erkenntnis dieser Dinge geht es immer weiter vorwärts. Und man kann das Kreuz nicht auseinanderdividieren, sozusagen die Rettung haben ohne die Heiligung. Das Ganze ist ein Paket, man fängt mit Buße und Glauben an, und man macht mit Buße und Glauben weiter bis zum Ende!
Deswegen schafft das Kreuz Einheit unter so ganz verschiedenen Menschen, die sich unterscheiden in Geschlecht, Nationalität und Kultur, sozialer Stellung usw., weil wir uns alle auf dem gleichen Level begegnen: Wenn wir an Jesus glauben, sind wir gerettete Sünder auf dem Weg der Heiligung, keiner ist vollkommen, aber jeder ist von Gott geliebt und angenommen.

3. Dann sagt die Bibel auch, dass wir dem Gesetz getötet sind (Römer 7). Damit sind nicht die Gesetze der Bundesrepublik gemeint, sondern das alttestamentliche Gesetz. Wer schon mal ernstlich und ehrlich versucht hat, das Gesetz zu halten, stellt fest, dass er das nicht kann. Trotzdem besteht ja die Rechtsforderung Gottes gegenüber jedem Menschen, es sei denn, er ist gestorben. Da ja Jesus die Rechtsforderung Gottes für mich erfüllt hat, und ich mit ihm gestorben bin, habe ich es nicht mehr mit dem Gesetz zu tun, sondern mit Jesus.
Wir leben nicht mehr mit dem Ziel, das Gesetz zu erfüllen, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen, wir klammern uns sozusagen an Christus. Er ist unsere Gerechtigkeit und unsere Gesetzeserfüllung.

4. Wir sind der Welt gekreuzigt, das heißt dem System dieser Welt. In Galater 6,14 sagt Paulus: „Es sei aber fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“  Das Kreuz ist das Urteil über eine autonome Menschheit, die meint, sich selbst erlösen zu können. Als Christ lebe ich zwar noch in dieser Welt, aber ich denke anders, und vor allen Dingen hoffe ich anders. Das heißt nicht, dass ich hier gar nichts mehr tue – wir sind aufgefordert, gute Bürger zu sein, unsere Nächsten zu lieben, Gutes zu tun usw. – aber ich setze meine Hoffnung nicht mehr auf Ideologie, Religion und Politik oder die Vereinigung der Menschheit – ich kenne ja den Ausgang schon. Ich bete um das Kommen des Reiches Gottes, weil ich weiß, dass alle anderen Reiche letztlich untergehen müssen. Ich weiß, dass das einzige, was die Menschen retten kann, das Evangelium vom Kreuz ist.

5. Dann gibt es noch einen Aspekt des Kreuzes, nämlich dass Jesus uns losgekauft hat und jetzt unser Herr ist. Wir waren Sklaven der Sünde und des Teufels, und jetzt gehören wir ihm. Er hat einen hohen Preis für uns bezahlt. Das hat mehrere Konsequenzen für uns. Die erste ist die Freiheit. Wir müssen der Sünde nicht mehr dienen, sie hat keinen Anspruch mehr an uns (Römer 6). Wir müssen nicht mehr mitmachen in dem, was die Welt tut. Auch die Welt hat keinen Anspruch mehr an uns. Wir sollen uns nicht mehr als Knechte der Menschen sehen, sondern als Menschen die Jesus gehören, ja es wird uns ausdrücklich verboten, der Menschen Knechte zu werden: „Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht Knechte der Menschen!“ (1.Korinther 7,23). Das hört sich erstmal widersprüchlich an, weil Jesus an anderer Stelle sagt, dass er gekommen ist, um zu dienen, und wir uns untereinander dienen sollten. Die Frage ist aber letztlich nicht, wem wir im Einzelfall dienen, sondern wer uns beauftragt, wer unser Herr ist. Das ist auch im praktischen Leben super wichtig, denn wenn Menschen meine letztgültigen Auftraggeber sind im Dienst für Jesus, ende ich in einem Gefühl der Versklavung, in Überforderung und Burnout. Ich gehöre nicht mehr mir, deswegen hat Jesus die Entscheidung, wofür ich mein Leben einsetze. Es gibt durchaus ein gottgefälliges Nein zu den Forderungen von Menschen! Das ist eine Folge des Kreuzes. Das bedeutet aber auch: Er sorgt für mich. Jesus ist ein guter Herr. Alles, was er von mir verlangt, gibt er zuerst. Und was für eine Entlastung ist das, dass ich nicht mehr für mich selbst zuständig bin, sondern er, der mich besser lieben kann als ich mich selbst, die Verantwortung für mich übernimmt.
Weil Jesus mich erkauft hat, soll ich auch meinen Körper als Tempel des Heiligen Geistes respektieren (1.Korinther 6,20). Ich kann damit keine Dinge tun, die er nicht billigt und die mir schaden, nicht sexuell unrein leben, mich nicht besaufen, mich nicht aufreizend kleiden, mich nicht runterhungern oder hochfressen und dergleichen mehr.

Das Kreuz hat sehr weitreichende Konsequenzen für uns (und wir haben gerade die Oberfläche angekratzt). Es ist die Kraft Gottes zur Erlösung, zur Heiligung, zur Freiheit und zum Dienen!

Liebe bis zum Ende

“Es ist doch schön, mal wieder Schmetterlinge im Bauch zu haben,” sagte meine Kollegin, die gerade zum zweiten Mal geheiratet hatte. “Und wenn es sich irgendwann nicht mehr so gut und rund anfühlt, dann weiß ich, dass es vorbei ist.” Wie man sich fast denken kann, hat das nicht lange gedauert …

Wie ganz anders ist die Liebe Jesu! Im Johannesevangelium heißt es (13,1):

Vor dem Passahfest aber, da Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater zu gehen: Wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.

Es lässt sich auch so übersetzen: Er liebte sie bis zum Äußersten. Seine Liebe bestand den endgültigen Härtetest: den freiwilligen Tod am Kreuz für ihre Erlösung. Sie wackelte und wankte nicht – auch wenn Jesus als Mensch tief erschüttert war. Einer aus dem engsten Kreis war schon auf dem Sprung, ihn zu verraten. Zudem wusste er, dass Petrus trotz seiner großen Klappe und seinem eigentlich loyalen Herzen  in Kürze aus Angst und Verwirrung behaupten würde, ihn nie gekannt zu haben. Seine Jünger verstanden seinen Weg noch immer nicht, obwohl er es ihnen wieder und wieder erklärt hatte, dass er erst mal durch  Leiden und Hinrichtung gehen würde. Es ging einfach nicht in ihren Kopf, hatten ihm die Massen doch gerade erst zugejubelt. Und genauso wenig verstanden sie, was er versucht hatte ihnen einzuhämmern: dass im Reich Gottes Erniedrigung groß ist und Verlust Gewinn und das Glück im Lieben und Geben besteht und nicht in Ehre und Karriere.

wash-bowl-1253905_1920Und so demonstriert er es ihnen noch einmal. Sie wollen bald zusammen essen, aber hier ist kein Sklave, der ihnen vorher den Straßenstaub von den Füßen waschen könnte. Da bindet sich Jesus die Schürze um, schnappt sich ein Handtuch und füllt Wasser in die Waschschüssel. Er weiß, wer er ist: Er ist der Herr. Gott hat alles in seine Hände gegeben. Er ist auch der Meister seiner Jünger. Aber er besteht nicht auf seiner Position, sondern verhält sich wie ein Diener. Den Jüngern hat es die Sprache verschlagen; allen außer Petrus – der findet noch Kraft zum Protest: “Auf keinen Fall sollst du mir die Füße waschen!” Jesus erklärt ihm ruhig, dass das unumgänglich ist, weil er sonst keine Gemeinschaft mit ihm haben kann. Daraufhin möchte Petrus am liebsten gleich ganz gebadet werden, denn Gemeinschaft mit Jesus ist alles, was er will! Worauf Jesus ihm antwortet: “Wer gebadet ist, hat es nicht nötig, gewaschen zu werden, ausgenommen die Füße, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.” (Das bezog sich auf Judas.)

Diese Fußwaschung ist dreierlei: Zum ersten ein ganz realer Dienst, den Jesus an den Jüngern übt – die Arbeit eines Niedrigen, damit die Höhergestellten sich wohlfühlen.. Zum zweiten ein Symbol für die Reinigung, die wir alle immer wieder von Jesus brauchen, wenn wir uns durch Sünde beschmutzt haben. (Diese Reinigung hat ihn noch in ganz anderem Ausmaß Erniedrigung und Selbstentäußerung bis zum Tod gekostet.) Und drittens ein Lehr- und Anschauungsstück für uns, wie wir uns gegenseitig dienen und nicht beherrschen sollen, und zwar im natürlichen wie im geistlichen Bereich.

Jesu Liebe ist Dienst und Opfer, aber auch Seelsorge. Er ist ständig bemüht, seine Jünger vorzubereiten auf die schwierige Zeit, die vor ihnen liegt. Sie werden mit vielem fertig werden müssen: Dass einer von ihnen sich als Verräter entpuppen wird. Dass er selbst, auf den sie sich abgestützt haben, auf den sie all ihre Hoffnung gesetzt haben, der sie versorgt hat, ihnen entzogen sein wird. Sie werden sich so orientierungslos fühlen wie Schafe, deren Hirte erschlagen wurde. Sie werden konfrontiert sein mit ihrer eigenen Schwäche, ihrer Angst, ihrem Versagen (ganz besonders Petrus). Schon wenn er ihnen diese Dinge jetzt vorhersagt, sind sie völlig überwältigt. Sie kriegen das alles in ihren Kopf nicht rein. Und so tröstet Jesus sie, indem er ihnen sagt, dass Gott keinesfalls die Kontrolle verloren hat, und dass sie nicht untergehen werden, wenn es sich vielleicht auch vorrübergehend so anfühlt. Sie sollen und müssen ihren Glauben nicht wegwerfen! Sie werden von Gottes Liebe nie mehr getrennt werden können. Deswegen kann Jesus ihnen sagen:

Euer Herz werde nicht bestürzt. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!

Es ist keinesfalls alles zu Ende, sondern er bahnt ihnen einen Weg nach Hause, und dann wird er wiederkommen und sie zu sich nehmen. Sie werden für ewig da sein, wo er ist. Ein Platz im Vaterhaus ist ihnen sicher. Seine Liebe endet nicht an ihrem Unverständnis, nicht an ihrer Angst, nicht an ihrem Versagen. Geduldig beantwortet er ihre Fragen. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er wird nicht im Tod bleiben. In ihm sehen sie das Wesen des Vaters und durch ihn hören sie seine Worte: selbstlose Worte der Ermutigung, die Aufforderung, einander zu lieben und zu dienen, das Versprechen eines ewigen Zuhauses auf seine Kosten – und das alles, während das Kreuz vor ihm steht.

Dies ist eine Zusammenfassung von Predigten der letzten Wochen über Johannes 1314,11.

Ist Jesus am Kreuz gescheitert? (Predigt-Nachlese)

zersplittert frageDas ist eine wichtige – ja eigentlich die wichtigste Frage. War das Kreuz, wie selbst einige Theologen meinen, das Scheitern der Mission Jesu? Machte es seine Pläne durch die Bosheit der Menschen zunichte? War er ein hilfloses Opfer?

Oder gehörte das Kreuz von Anfang an zum Plan Gottes?

Im Predigttext in Lukas 18, 31-34 kündigt Jesus den Jüngern schon zum dritten Mal an, was ihm passieren wird: Auslieferung an die Römer, Misshandlung, Hinrichtung – und Auferstehung. Wenn dann gesagt wird, dass seine Jünger das nicht begriffen, so heißt das nicht, dass sie nicht intelligent genug waren, um ihn zu verstehen, sondern dass das Konzept eines leidenden Messias keinen Sinn für sie ergab.

Die Feindseligkeit gegen Jesus ballte sich immer mehr zusammen wie eine schwarze Gewitterwolke. Die Jünger bekamen Angst. Nach Jerusalem zu gehen, schien äußerst gefährlich, aber Jesus ließ sich nicht beirren. Um ihnen das zu erklären, nimmt er sie zur Seite und spricht mit ihnen allein. Sie sollten vorbereitet sein. Er wusste auch: Was jetzt keinen Sinn für sie ergab, würden sie irgendwann als Gottes Plan erkennen, und dann würden sie diejenigen sein, die es der Welt bezeugen würden, dass dieser Plan schon bestanden hat, ehe die Welt geschaffen wurde.

Jesus kannte diesen Plan vor seiner Menschwerdung, und er hat sich ihm freiwillig zur Verfügung gestellt. Er beinhaltete, dass ER das Lamm Gottes ein sollte, das die Sünde der Welt trägt. Das ganze Alte Testament war eine Ankündigung seiner Leiden und der anschließenden Herrlichkeit des Messias (Christus), oft in verblüffender Detailtreue. Viele Prophezeiungen sprachen davon genauso wie das ganze Opfersystem des israelischen Gottesdienstes. Es hielt ständig das Bewusstsein wach, dass ein stellvertretendes Sündopfer erforderlich ist, um Versöhnung zwischen Gott und Menschen zu schaffen. Da das Blut von Schafen und Stieren unmöglich Sünden wegnehmen kann, stellt Jesus sich vor als das wahre Passalamm, das durch ein einziges Opfer die Gerechtigkeit Gottes für immer zufriedenstellen und uns vom Gericht erlösen kann. Er ist das letzte und ewig gültige Opfer. Sein Leben wurde ihm nicht genommen, sondern er hat es freiwillig niedergelegt, wie er ganz eindeutig selbst gesagt hat. Und er lässt es, um es wiederzunehmen, im Vorgriff auf die Freude, die hinter dem Kreuz liegt.

Es war der Grund des Kommens Jesu in die Welt, dass er sein Leben geben wollte als Lösegeld für viele. Insofern ist das Kreuz kein Scheitern, sondern das Zentrum der Geschichte, das einzige Mittel der Erlösung und unsere Rettung.

Ich möchte diese Predigt-Nachlese in der Zeit bis Ostern ausbauen, indem ich immer wieder mal eine Prophezeiung aus dem Alten Testament und ihre Erfüllung im Leben und Sterben Jesu poste. Mal sehen, was da zusammenkommt!

Und der HERR schloss hinter ihm zu

Ich lese gerade die Geschichte von Noah in 1. Mose 7. Als Noah, seine Familie und die ganzen Tiere in der Arche drin waren, heißt es: Und der HERR schloss hinter ihm zu.

So war die Rettung Noahs eine von Gott “beschlossene” Sache. Noah hatte eine Entscheidung getroffen, und Gott schnitt ihm den Rückweg ab (nicht, dass Noah wieder raus gewollt hätte! Er hatte 100 Jahre Zeit gehabt, sich das zu überlegen!) Das erinnert mich an ein Lied des indischen Christen Sadhu Sundar Singh, das wir in meiner Jugend oft gesungen haben: Ich bin entschieden, zu folgen Jesus! Ich bin entschieden, zu folgen Jesus! Niemals zurück! Niemals zurück!

Diese Tür hatte eine gewaltige “Trennkraft”. Sie trennte Noah von allem, was da draußen gerade im Gericht unterging, vom Wesen und Treiben der Welt. Johannes sagt es im Neuen Testament so: Denn nichts von dem, was in der Welt ist, kommt vom Vater: Die Gier des eigenwilligen Menschen, seine begehrlichen Blicke, sein Prahlen mit Besitz und Macht – das alles gehört zur Welt. Und die Welt mit ihren Begierden wird verschwinden. Doch wer tut, was Gott will, bleibt und lebt in Ewigkeit (1.Johannes 2,16 NEÜ) Die Trennung von der Welt und die Trennung vom Gericht ist eine Doppelpackung – man kann das eine nicht ohne das andere haben.

Als am Kreuz die Fluten des Zornes Gottes sich über Jesus ergossen haben, wurde dadurch das Wesen dieser Welt verurteilt. Und wenn wir zu diesem Kreuz unsere Zuflucht nehmen, dann schließt Gott auch hinter uns die Tür zu. Paulus drückt es so aus: Ich jedoch will auf nichts anderes stolz sein als auf das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus. In diesem Kreuz ist die Welt für mich gekreuzigt und ich für sie. (Galater 6,14) Es ist eine geistliche Unmöglichkeit, Jesus nachzufolgen und sich gleichzeitig  mit einer gerichteten Welt zu identifizieren und nach ihrer Art und Weise zu leben. Streben nach Geld und Position und dem eigenen Vorteil, Religiosität, Eigenwille, Begierde, Machtspielchen – das alles ist draußen hinter der Tür und fürs Gericht bestimmt. In unsrer “Arche” gelten andere Maßstäbe. Unsere Karriere ist es, Gottes Sklave zu sein, unser Besitz ist das himmlische Erbe, unser Fest ist die Gemeinschaft der Heiligen und unser Genuss ist die unbeschreibliche, unaussprechliche Freude an der Gnade Gottes. Und um alles in der Welt möchte ich nicht da draußen sein! Und du, der oder die du noch draußen bist oder noch in der Tür stehst und dich nicht entscheiden kannst: Komm rein, und lass Gott hinter dir zuschließen!

Das Vergebungs-Reservoir Gottes

Manchmal denke ich: Er kann es bestimmt bald nicht mehr hören. Wenn ich immer wieder mit dem selben Zeug komme und sage: Herr, vergib mir! – hat er nicht irgendwann mal die Nase voll und sagt mir: Dich kann ich sowieso nicht mehr ernst nehmen! Wenn es dir wirklich leid tut, warum tust du es dann immer wieder? Jetzt bessere dich erst mal, ehe du wieder hier auftauchst!

Nun lese ich, dass wir vergeben sollen, wenn unser Bruder sieben Mal am Tag an uns sündigt, und wir ihn drauf hinweisen, und er das annimmt und uns um Vergebung bittet. Sieben Mal – das kann einem schon auf die Nerven gehen, oder? Aber ich bin sicher, wenn Gott das von uns verlangt, dann nur, weil das das Beispiel dafür ist, wie er selbst mit uns umgeht. Seine eigene Vergebungsbereitschaft hat keine Grenzen – außer wenn wir selbst ihr eine setzen, indem wir darauf beharren, dass wir im Recht sind. Sein Vergebungs-Reservoir ist unerschöpflich. Das Kreuz Jesu war für alles für immer genug.

Querbeet am 16.2.13

Heute möchte ich wieder auf ein paar lesenswerte Artikel hinweisen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind.

Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, was es für Missionare ausmacht, ob sie auf ihre Rundbriefe eine Reaktion bekommen. Danny Fröse hat dazu einiges zu sagen: Deine Reaktion und unsere Freude. Ich hoffe, dass ich lerne entsprechend zu reagieren.

Simon von unwisesheep.org hat geheiratet und aus diesem Anlass mal aufgeschrieben, wie er seine Rebekka kennen- und lieben gelernt hat. Sehr schön zu lesen für alle, die sich mitfreuen wollen an dieser Führung Gottes und ermutigend für alle, die noch nach solcher Führung Ausschau halten.

Auf Mt. 18:20 Today gibt es einen sehr guten Artikel zu vielen Fragen rund um Jakobus 5, 13 – 18: Die Kraft des Gebets, Gebet um Heilung, Zusammenhänge zwischen Sünde und Krankheit, Sündenbekenntnis, Handauflegung und Salbung mit Öl.

Im Gemeindenetzwerk schreibt Pastor Johannes Frey zum Thema “Evangelisation: Was können wir tun, damit Menschen Christen werden?”: “Der Wind/Geist bläst, wo er will. Er bläst, nicht wo du willst. Er bläst nicht wo die Kirche will. Er bläst auch nicht, wo ein Pastor will. Der Geist bläst nur da, wo er will. Niemand hat ihn in der Hand…..Aber ’du hörst sein Sausen wohl.’  Wenn der Wind weht, dann merkt man das. Der Heilige Geist zeigt Wirkung, wenn er da ist. Umgekehrt kann man schließen: Keine Wirkung – kein Geist. Man kann wohl erkennen, ob er da ist. Aber man  kann nicht machen, dass er kommt. Das hat Gott sich vorbehalten…….….Wir können also festhalten: Unsere evangelistisch-missionarische Aufgabe ist:Christus vor Augen malen als für uns Gekreuzigten!“