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Durst nach dem Wasser des Lebens? (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Johannes 7,25-39

 

Es war Laubhütten-Fest in Jerusalem. Alle Welt strömte in die Stadt, um sich wie jedes Jahr nach der Ernte an der Güte Gottes zu freuen. Gleichzeitig erinnerte man sich an die Zeit des Auszugs aus Ägypten. Wie damals zeltete man für eine Woche in Hütten aus belaubten Zweigen. Es war ein symbolträchtiges Fest voller Jubel und fröhlichen Lärms und voller Verheißungen. Aber mitten unter all dieser Freude waberte ein Geraune von dunklen Plänen. “Hast du schon gehört? Sie wollen Jesus umbringen!”  “Was? Das kann nicht sein! Er redet doch hier öffentlich, und sie unternehmen nichts.” “Vielleicht haben sie es ja jetzt doch gemerkt, dass er der Messias ist? Schließlich tut er mehr Wunder als irgendjemand zuvor.” –  “ Aber heißt es nicht, wenn der Messias kommt, wird niemand wissen, wo er herkommt? Von Jesus wissen wir aber, wo er herkommt.” So war die Luft erfüllt von Hoffnungen, Spekulationen und theologischen Erwägungen einerseits und hasserfüllten Gedanken und finsteren Absichten andrerseits. Die brodelten in den Herzen derer, die sich durch Jesus bedroht sahen, weil er ihre Heuchelei, ihr Scheinen-statt-Sein angriff, und das sogar öffentlich. Dass er ihnen damit helfen wollte, verstanden sie nicht. Wie gerne hätten sie ihn sofort unschädlich gemacht, aber obwohl sie fast die Nerven verloren, war es keine gute Situation für ihr Vorhaben mit all den vielen Menschen, von denen man nicht genau wusste, auf welche Seite sie sich schlagen würden. Denn es gab durchaus viele, die an ihn glaubten.

Dann kam der größte, letzte Tag des Festes. An diesem Tag war es Brauch, dass der Hohepriester mit einer goldenen Kanne zur Quelle Siloah ging und von dort Wasser schöpfte. Damit ging er, begleitet von einer fröhlichen Prozession mit Laub-Sträußen, zum Tempel hinauf, wo er im Tempelhof Wasser und Wein über dem Altar ausgoss. Dazu rezitierte die Menge die Worte des Propheten Jesaja:

Voller Freude sollt ihr Wasser schöpfen, Wasser aus den Quellen des Heils.

Da ertönte ein lauter Ruf und setzte sich unüberhörbar gegen den ganzen Fest-Lärm durch:

“Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken! Wenn jemand an mich glaubt, werden Ströme von lebendigem Wasser aus seinem Inneren fließen, so wie es die Schrift sagt.“

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Die Stimme Jesu! Er hatte ihnen mehr zu bieten als Symbolik! Er wollte ihnen das echte Lebenswasser geben, das wahre Wasser aus den Quellen des Heils! Und dazu forderte er sie (und uns) auf:

 Durst haben: Wer Durst hat, richtigen Durst, der ist am Ende. Der braucht nur noch eins: Wasser! Und wer richtig am Ende ist mit sich selbst, wer seine Sünde erkannt hat und seine Unfähigkeit, jemals mit Gott ins Reine zu kommen – den dürstet nach Vergebung. Der hat Durst danach, dass er wieder in die Gegenwart Gottes kommen darf, von der die Sünde ihn ausschließt. Er verweigert sich der schrecklichen Wahrheit über sich selbst nicht. Er weiß, dass er verloren ist, und sein Herz schreit nur: “Frieden! Vergebung! Gemeinschaft mit Gott!” – Ohne das kann er nicht weiterleben.

Kommen: Das ist das Angebot, das Jesus hier macht, und er macht es allen. “Wenn jemand” … Jemand – da ist keiner ausgeschlossen. Das kannst du sein. Das bin ich. Wer kommt, der ist dabei! Und das ist das, was wir tun müssen: Kommen. Komm! Komm allein! Keiner kann dich hier vertreten. Es ist deine Entscheidung, und du musst sie ganz und für immer treffen. Wende dich weg von Welt und Sünde – das hast du ja zur Genüge ausgekostet, und du hast es satt – und wirf dich zu den Füßen deines Retters. Du musst nichts vorweisen, du musst nicht religiös sein – du musst nur Durst haben.

Trinken: Nimm an, was er dir gibt! Er reinigt dich von aller Schuld und gibt dir ein neues Herz mit einer neuen Neigung. Nimm es an, dass sein Blut dich von aller Sünde wäscht und loskauft, dass sein Wort dein Leben reinigt und deine Füße  auf den Weg der Heiligung setzt!

Jesus gibt uns den heiligen Geist. Er erwartet nicht, dass wir uns durch gute Vorsätze und harte Arbeit ändern. Er tut es selbst in uns durch seine Kraft. Unsere Umgebung wird es merken. Wir werden geistlich lebendig, und Ströme dieses Lebenswassers fließen von uns zu andern. Und alles, was wir tun müssen ist

Durst haben – kommen – trinken.

Wie damals, so polarisiert auch heute diese Aufforderung Jesu und teilt die Menschen in zwei Gruppen: In begnadigte Sünder und in die, die IHN nicht zu brauchen meinen. Wenn du ihm folgen willst, folgst du einem, den die Welt ans Kreuz schlug. Sie ist immer noch nicht begeistert von seinem Anspruch, der Sohn Gottes und der einzige Weg zum Vater zu sein. Die Nachfolge Jesu führt uns in die Gemeinschaft seines Kreuzes, aber sie verspricht uns völlige Freude und überfließendes Leben.