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Warum ich die Gemeinde liebe – meine Familie und mein Volk

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Ehe ich erkläre, warum ich die Gemeinde liebe, muss ich vielleicht eine kleine Definition versuchen. “Gemeinde” oder “Kirche” ist die Übersetzung des griechischen Wortes ekklesia, was man mit einer Versammlung von Heraus- oder Zusammengerufenenen übersetzen könnte. Es geht also nicht um eine Institution, einen Verein, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts oder gar ein Gebäude. Wer hat sie heraus – und zusammengerufen? Der lebendige Gott durch Jesus Christus! Zur Gemeinde gehören also die, die diesen Ruf gehört haben und gekommen sind. Und wenn sie herausgerufen sind – was haben sie verlassen? Sie haben die Welt verlassen, nicht physisch, nicht, indem sie alle natürlichen Beziehungen aufgegeben haben, sondern indem sie den Herrn gewechselt haben. Der Gott dieser Welt ist Satan, der Feind Gottes. Er bringt die Menschen dazu, die Sünde zu lieben und zu leben. Die, die zur Gemeinde gehören, haben dagegen das Evangelium als Wahrheit und Jesus als Herrn anerkannt und wollen ihm folgen. Ihre Herzen wurden gereinigt durch die Wahrheit des Wortes Gottes und das Blut Jesu; sie sehen sich als die Sünder, die sie sind, und haben die Ausflüchte aufgegeben und die Vergebung dankbar angenommen.

Von dieser Gemeinde also spricht die Bibel, nicht von einer Institution, die mit weit offenen Armen jeden integriert, egal, wen er als seinen Gott ansieht, egal, wie sehr er an seinem sündigen Lebensstil festhalten will. (Wohlgemerkt, ich sage nicht, dass wir als Christen nicht mehr sündigen, sondern dass wir die Sünde bekennen und loswerden wollen.)

Nun sind wir ja noch nicht im Himmel, sondern auf dieser Erde, und hier ist auch der Platz, wo wir zusammenkommen. Und so sind wir, wenn wir als Gemeinde zusammenkommen, eine sehr menschliche bunte Mischung mit allen möglichen Ansichten, mit Schwächen und Absonderlichkeiten, mit verschiedenen kulturellen Prägungen. Da sind solche, die gerade ihre ersten Schritte machen und altgediente Glaubensveteranen, solche, die im Glauben schwach und wackelig und solche, die stark sind. Aber aus welchen Völkern und Ethnien, sozialen Schichten, Bildungsgraden und sonstigen Gegebenheiten wir auch kommen – wir sind ein Volk, und wir sind eine Familie. Wir haben ein himmlisches Bürgerrecht, das alle anderen Bürgerrechte überstrahlt und den Ausschlag gibt.

Das ganze Neue Testament ist voll von Anweisungen und Ermahnungen, die das Zusammenleben dieser bunten Mischung möglich machen: Vergebt einander, ertragt einander, nehmt Rücksicht auf das Gewissen des anderen, ordnet euch den Leitern unter, singt zusammen, dient einander, hört zusammen auf Gottes Wort, ermutigt einander, ermahnt einander, seid demütig, nehmt den anderen wichtiger als euch selbst, bekennt einander eure Sünden usw. usw. Gott hat kein größeres Anliegen, als dass wir uns untereinander lieben.

Und dieses neue Leben, das von Gott in uns gelegt wurde, das erkennen wir in dem anderen, und das zieht sich gegenseitig an. Je näher wir bei Jesus sind, desto attraktiver werden wir füreinander. Deswegen zieht es Christen fast unwiderstehlich in die Gemeinschaft, deswegen ist es irgendwie jedes Mal ein Fest, wenn wir zusammenkommen. Denn in gewisser Weise sind wir hier “Ausländer”; wir passen nicht mehr so richtig hin in diese Welt – viele von uns werden je nach Umfeld auch knallhart verfolgt. Was für ein Trost, dann solche zu haben, in denen ich die Züge meines himmlischen Vaters erkenne und mit denen ich durch Jesus in einer ganz besonderen Weise “blutsverwandt” bin .

Liebe bis zum Ende

“Es ist doch schön, mal wieder Schmetterlinge im Bauch zu haben,” sagte meine Kollegin, die gerade zum zweiten Mal geheiratet hatte. “Und wenn es sich irgendwann nicht mehr so gut und rund anfühlt, dann weiß ich, dass es vorbei ist.” Wie man sich fast denken kann, hat das nicht lange gedauert …

Wie ganz anders ist die Liebe Jesu! Im Johannesevangelium heißt es (13,1):

Vor dem Passahfest aber, da Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater zu gehen: Wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.

Es lässt sich auch so übersetzen: Er liebte sie bis zum Äußersten. Seine Liebe bestand den endgültigen Härtetest: den freiwilligen Tod am Kreuz für ihre Erlösung. Sie wackelte und wankte nicht – auch wenn Jesus als Mensch tief erschüttert war. Einer aus dem engsten Kreis war schon auf dem Sprung, ihn zu verraten. Zudem wusste er, dass Petrus trotz seiner großen Klappe und seinem eigentlich loyalen Herzen  in Kürze aus Angst und Verwirrung behaupten würde, ihn nie gekannt zu haben. Seine Jünger verstanden seinen Weg noch immer nicht, obwohl er es ihnen wieder und wieder erklärt hatte, dass er erst mal durch  Leiden und Hinrichtung gehen würde. Es ging einfach nicht in ihren Kopf, hatten ihm die Massen doch gerade erst zugejubelt. Und genauso wenig verstanden sie, was er versucht hatte ihnen einzuhämmern: dass im Reich Gottes Erniedrigung groß ist und Verlust Gewinn und das Glück im Lieben und Geben besteht und nicht in Ehre und Karriere.

wash-bowl-1253905_1920Und so demonstriert er es ihnen noch einmal. Sie wollen bald zusammen essen, aber hier ist kein Sklave, der ihnen vorher den Straßenstaub von den Füßen waschen könnte. Da bindet sich Jesus die Schürze um, schnappt sich ein Handtuch und füllt Wasser in die Waschschüssel. Er weiß, wer er ist: Er ist der Herr. Gott hat alles in seine Hände gegeben. Er ist auch der Meister seiner Jünger. Aber er besteht nicht auf seiner Position, sondern verhält sich wie ein Diener. Den Jüngern hat es die Sprache verschlagen; allen außer Petrus – der findet noch Kraft zum Protest: “Auf keinen Fall sollst du mir die Füße waschen!” Jesus erklärt ihm ruhig, dass das unumgänglich ist, weil er sonst keine Gemeinschaft mit ihm haben kann. Daraufhin möchte Petrus am liebsten gleich ganz gebadet werden, denn Gemeinschaft mit Jesus ist alles, was er will! Worauf Jesus ihm antwortet: “Wer gebadet ist, hat es nicht nötig, gewaschen zu werden, ausgenommen die Füße, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.” (Das bezog sich auf Judas.)

Diese Fußwaschung ist dreierlei: Zum ersten ein ganz realer Dienst, den Jesus an den Jüngern übt – die Arbeit eines Niedrigen, damit die Höhergestellten sich wohlfühlen.. Zum zweiten ein Symbol für die Reinigung, die wir alle immer wieder von Jesus brauchen, wenn wir uns durch Sünde beschmutzt haben. (Diese Reinigung hat ihn noch in ganz anderem Ausmaß Erniedrigung und Selbstentäußerung bis zum Tod gekostet.) Und drittens ein Lehr- und Anschauungsstück für uns, wie wir uns gegenseitig dienen und nicht beherrschen sollen, und zwar im natürlichen wie im geistlichen Bereich.

Jesu Liebe ist Dienst und Opfer, aber auch Seelsorge. Er ist ständig bemüht, seine Jünger vorzubereiten auf die schwierige Zeit, die vor ihnen liegt. Sie werden mit vielem fertig werden müssen: Dass einer von ihnen sich als Verräter entpuppen wird. Dass er selbst, auf den sie sich abgestützt haben, auf den sie all ihre Hoffnung gesetzt haben, der sie versorgt hat, ihnen entzogen sein wird. Sie werden sich so orientierungslos fühlen wie Schafe, deren Hirte erschlagen wurde. Sie werden konfrontiert sein mit ihrer eigenen Schwäche, ihrer Angst, ihrem Versagen (ganz besonders Petrus). Schon wenn er ihnen diese Dinge jetzt vorhersagt, sind sie völlig überwältigt. Sie kriegen das alles in ihren Kopf nicht rein. Und so tröstet Jesus sie, indem er ihnen sagt, dass Gott keinesfalls die Kontrolle verloren hat, und dass sie nicht untergehen werden, wenn es sich vielleicht auch vorrübergehend so anfühlt. Sie sollen und müssen ihren Glauben nicht wegwerfen! Sie werden von Gottes Liebe nie mehr getrennt werden können. Deswegen kann Jesus ihnen sagen:

Euer Herz werde nicht bestürzt. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!

Es ist keinesfalls alles zu Ende, sondern er bahnt ihnen einen Weg nach Hause, und dann wird er wiederkommen und sie zu sich nehmen. Sie werden für ewig da sein, wo er ist. Ein Platz im Vaterhaus ist ihnen sicher. Seine Liebe endet nicht an ihrem Unverständnis, nicht an ihrer Angst, nicht an ihrem Versagen. Geduldig beantwortet er ihre Fragen. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er wird nicht im Tod bleiben. In ihm sehen sie das Wesen des Vaters und durch ihn hören sie seine Worte: selbstlose Worte der Ermutigung, die Aufforderung, einander zu lieben und zu dienen, das Versprechen eines ewigen Zuhauses auf seine Kosten – und das alles, während das Kreuz vor ihm steht.

Dies ist eine Zusammenfassung von Predigten der letzten Wochen über Johannes 1314,11.

Gott hat die Welt geliebt – aber liebt er auch mich persönlich?

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In einem Gespräch ist diese Frage neulich aufgetaucht. Wenn es heißt, dass Gott die Welt liebt, was bedeutet das? Liebt er sie sozusagen “Im Kollektiv”? Heißt das vielleicht einfach nur, er hätte sie gerne zurück, darum will er sie retten? Was bedeutet es, dass Christus die Gemeinde liebt und sich für sie gegeben hat? Meint er mich denn auch persönlich? Ist es so, wie es in einem alten Lied heißt:

Ewig soll er mir vor Augen stehen,
wie er als ein stilles Lamm
dort so blutig und so bleich zu sehen,
hängend an des Kreuzes Stamm,
wie er dürstend rang um meine Seele,
dass sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle,
und dann auch an mich gedacht,
als er rief: „Es ist vollbracht!“

Nun ist ein Lied kein biblischer Beleg. Aber es gibt einen! Der Apostel Paulus war sich ganz sicher:

Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat. Galater 2,20

Gott kennt uns persönlich, Christus ist für jeden von uns persönlich gestorben. Er kümmert sich um jeden persönlich, fühlt mit uns, hört uns, sammelt unsere Tränen, weiß über uns, was keiner sonst weiß, will uns ganz persönlich in seiner Familie haben. Er spricht durch sein Wort zu uns persönlich, er erzieht uns persönlich. Zu jedem von uns hat er eine so einzigartige Beziehung wie der unverwechselbare Fingerabdruck, den er uns zugeteilt hat. Er ruft uns bei unserem Namen. Damit ist nicht nur der Name gemeint, den uns unsere Eltern gaben. Den gibt es vermutlich mehr als einmal auf der Welt, und er sagt wenig darüber aus, wer wir sind. Aber Gott kennt unser innerstes Wesen und unsere Bestimmung, das, was er aus uns machen kann: Er macht aus einem Abram einen Abraham, aus einer Sarai eine Sarah, aus einem Jakob einen Israel, aus Simon einen Petrus und aus einem Saulus einen Paulus.

So, wie er jeden persönlich liebt, so ist ihm auch jeder persönlich verantwortlich, und so, wie er uns angenommen hat in unserer Verschiedenartigkeit, sollen auch wir uns gegenseitig annehmen. Und dann sind wir miteinander seine geliebte Familie, die ihn mit einem Herzen und einem Sinn preist!

So hat Gott die Welt geliebt (Predigt-Nachlese)

 

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch seinen Sohn zu retten. (Johannes 3,16.17)

Was bedeutet es, dass Gott die Welt geliebt hat? Hatte er eine Schwäche für sie, so ähnlich wie wenn ich sage: Ich liebe Pizza? Oder so wie wenn ich sage: Ich liebe meine Familie?

Am besten lassen wir die Bibel und insonderheit den Apostel Johannes selbst erklären, was diese Liebe für uns bedeutet.

Wer liebt hier? Gott, der Allmächtige, der Schöpfer, der uns gemacht hat, und dem wir Anbetung und Gehorsam schulden. Er ist eine Person, die denkt und fühlt und einen Willen hat. Er ist nicht nur eine Kraft oder ein Einfluss. Er ist ein moralisches Wesen, das Taten und Motive beurteilt und den Maßstab für perfekte Gerechtigkeit setzt. Und da ist auch der Konflikt zwischen uns und Ihm: Wir werden diesem Maßstab nicht gerecht, und wir verweigern ihm Ehre und Dank wieder besseres Wissen. Deshalb sind wir unter seinem Zorn und Gericht.

Aber Gott liebt, und Gott liebt die Welt. Das heißt: Jeden! Die ganze Menschheit. Er empfindet für uns verlorene und verdammte Menschen Erbarmen und will uns retten. Deswegen gab er seinen Sohn als Sühnopfer für unsere Sünden. Was das bedeutet, entzieht sich unserem Verständnis. Wir können es nur erahnen. Gott legt unsere Sünde auf Jesus und lässt ihn unser Urteil tragen. Damit macht er uns die Tür auf, um zurück zu kommen.

Durch diese Tür gehen wir durch den Glauben. Glauben im Sinn der Bibel bedeutet nicht nur, dass ich etwas für wahr halte, sondern dass ich mich mit meinem ganzen Sein drauf einlasse, weil ich dem völliges Vertrauen schenke, was Gott gesagt und getan hat. Es beinhaltet auch, dass ich mein altes Leben nicht mehr weiterführen will. Nun, wie ist das möglich? Es geht nicht darum, dass wir einen Vorsatz fassen, uns zu bessern und “religiös” zu werden. Das schaffen wir sowieso nicht.

Gott gibt uns ewiges Leben. Das ist mehr als Weiterleben nach dem Tod. Das ist eine ganz neue Qualität des Lebens durch den heiligen Geist in uns. Es ist etwas, was Gott in uns tut. Er erneuert uns. Er füllt uns mit Liebe. Er schreibt sein Gesetz in unsere Herzen, so dass es etwas wird, was wir selbst wollen. Er gibt uns die Kraft dazu.

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Dieses Angebot gilt auch für dich. Gott hat alles getan, und wir müssen nur – aus tiefstem Herzen – Ja sagen und es annehmen.

Der Kampf um das Selbstwert-Gefühl

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Im Jahr 2013 ist ein Bestseller auf den Markt gekommen. Der Titel lautet: „Heirate dich selbst: Wie radikale Selbstliebe unser Leben revolutioniert“. Ich habe es nicht gelesen, aber auf Amazon wird es mit folgendem Text beworben:

Mach Frieden mit dir. Nimm dich an. Begrüße deinen Schatten. Umarme deine Schwächen. Heile deine Wunden. Befreie deinen Geist. Lass los, was dir schadet. Wähle, was dich stärkt. Dieses JA! zu dir ist ein revolutionärer Akt. Sei Dir treu. Lerne dich in allen Facetten anzunehmen, deine Bedürfnisse zu achten und deine wahre Größe zu bejahen. Heirate dich selbst und du bist frei!

Das hört sich doch gut an, oder? Tatsächlich habe ich einige Pressemeldungen gelesen, von Frauen in verschiedenen Teilen der Welt – Asien, Amerika, Europa-, die sich ganz offiziell selbst geheiratet haben, mit Heiratsantrag, Ring, Brautkleid und Feier. Z.B. hat die Britin Grace Gelder sich im Oktober 2014 selbst das Jawort gegeben und ein Treueversprechen abgelegt und zum Schluss ihr Spiegelbild geküsst. Ein richtiger Hype, wenn auch noch nirgends legal als Ehe anerkannt. Aber wer weiß, vielleicht kommt das noch.

Nun, ehe wir da nur verwundert den Kopf schütteln, wollen wir fragen, was dahintersteckt. Da haben offensichtlich Leute – bis jetzt hauptsächlich Frauen, soweit ich das sehen konnte – ein Bedürfnis, das ihnen niemand zu erfüllen scheint. Sie haben die Nase voll von Selbstzweifeln und Selbstverachtung, von der Abhängigkeit von der Anerkennung von anderen. Sie wollen keinen Marktwert haben, sie wollen einen Selbstwert haben! Sie wollen sich was wert fühlen.

Ich habe mich gefragt, wie es dazu kommt, und ein bisschen über meine eigene Geschichte nachgedacht.

Als ich ein kleines Mädchen war, nannten mich die Leute “Rückstrahler”, weil ich immer so zurück beamte, wenn mich jemand anlächelte. Verständlicherweise fanden das alle ganz süß. Als ich dann älter wurde, hatte ich zwei reizende jüngere Brüder, die mir versicherten: Mit deinen Segelfliegerohren und dieser Nase bekommst du nie einen Mann! Das gab meiner Sicherheit einen Knacks, genauso wie die Tatsache, dass ich wegen meiner nicht vorhandenen Sportlichkeit immer die letzte war, die in die Mannschaft gewählt wurde. Irgendwann hat wahrscheinlich jede mal solche Erlebnisse. Wir werden konfrontiert mit der Tatsache, dass wir unvollkommen sind, und dass andere das sehen und uns irgendwie beurteilen (mit mehr oder weniger Zartgefühl). Es geht nicht nur ums Aussehen, obwohl das gerade bei Frauen oft der Fall ist. Es geht um all die Dinge, wo wir ungenügend sind. Es betrifft auch unser Wesen, unseren Charakter. Wir werden kritisiert, ob zu Recht oder zu Unrecht, und das ist schwer zu verkraften. Manchen trifft es mehr und manchen weniger, und verschiedene Leute trifft es an verschiedenen Stellen. Manche erholen sich davon ein bisschen nach der Pubertät – ein Rest bleibt immer. Manche Leute leiden ihr ganzes Leben extrem.

Ich will euch von einer Frau aus der Bibel erzählen, die es ganz besonders hart getroffen hat. Irgendwas war mit ihren Augen, das sie abstoßend machte; was genau es war, wissen wir nicht. Vielleicht fand man sie als Baby auch noch süß – bis sie eine kleine Schwester bekam. Und diese Schwester war hübsch und hatte den Charme, der ihr fehlte. Sie wuchsen heran, und niemand interessierte sich für Leah, die Ältere. Und das blockierte die Partnerfindung für ihre schöne Schwester, denn wie auch heute noch in manchen Kulturen, gab man die Töchter der Reihe nach weg. Und dann kam Jakob, der attraktive Cousin, und sah Rahel, und war hin und weg. Das war die Frau! Natürlich! Leah war wahrscheinlich für ihn so interessant wie ein Möbelstück.

Sie muss zuschauen, wie er sich 7 Jahre für Rahel abschuftet, weil das der Brautpreis ist, den ihr Vater festgelegt hat. 7 Jahre, in denen niemand vorbeikommt, der Leah auch nur mal länger anschaut. Aber weil Rahel heiraten will, muss sie auch heiraten, und so heckt ihr Vater den perfiden Plan aus, sie Jakob als Erstfrau heimlich unterzujubeln. So landet sie in einer dunklen Nacht in Jakobs Bett, und er merkt es nicht und denkt, sie sei Rahel.

Am nächsten Morgen möchte ich ja nicht dabei gewesen sein. Ich kann mir Jakobs Wut gut vorstellen, denn er fühlte sich betrogen. Aber was hat Leah wohl gefühlt? Hatte sie eine Wahl? Hat sie da freiwillig mitgemacht? Ich vermute, sie hat gehofft, dass Jakob sie vielleicht doch liebgewinnen kann, wenn er sie erst mal kennenlernt, aber das hat nun nicht besonders gut funktioniert. Sie hat genau eine Woche Zeit, um sich in sein Herz zu schleichen, aber es gelingt ihr nicht. Nach dieser Woche heiratet er die als Zweitfrau, die er eigentlich wollte, und dann darf Leah den verliebten Turteltäubchen zusehen. Wieder auf dem Abstellgleis!

Nun geschieht etwas, wozu wir alle tendieren, wenn wir uns als unwert empfinden. Wir versuchen zu kompensieren. Leah wird schwanger – in der Bibel steht ausdrücklich, dass Gott das tat, weil er ihre missliche Lage sah – und dadurch gewinnt sie an Status. Das ist so in vielen Kulturen. Als ich vor Jahren mit meiner Familie beim Botschafter von Sierra Leone zu Gast war, und er sah, dass ich 7 Kinder hatte, sagte er: Bei uns wärst du eine Göttin! (In Deutschland sagen die Leute eher: Bist du verrückt?) Aber so war das für Leah: Kinder waren gesellschaftliches Ansehen. Da warst du als Frau was wert. Es zerreißt einem fast das Herz, wenn sie sagt: Ja, der HERR hat mein Elend angesehen. Denn jetzt wird mein Mann mich lieben. Und dann kommt das 2. Kind – alles Söhne, das ist noch mal besser! – und sie hofft: Ja, der HERR hat gehört, dass ich zurückgesetzt bin, so hat er mir auch den gegeben. Und beim dritten: Diesmal endlich wird sich mein Mann an mich anschließen, denn ich habe ihm drei Söhne geboren.  Ganz offensichtlich hatte sich nichts geändert. Sie war jetzt mehr für die Gesellschaft, aber der, auf den es ihr ankam, den interessierte es nicht. Beim 4. Kind heißt es dann nur noch: Diesmal will ich den HERRN preisen! Aber bei Nummer 6 ist sie schon wieder am Hoffen: Mir hat Gott ein schönes Geschenk geschenkt; diesmal wird mein Mann mich erheben, denn ich habe ihm sechs Söhne geboren.  Es ist Wahnsinn, wie hartnäckig diese Sehnsucht ist, dass sie ihm was wert sein möge. Aber es ist ihr nie gelungen.

Viele Frauen haben Leahs Problem – auch gutaussehende. Das Leben ist ein Kampf um Wertschätzung. Jede macht das anders. Die eine kämpft um die gute Figur mit Sport und Diäten, die andere setzt sich in Szene mit Kleidung und Makeup, die nächste kriegt Kinder und wird eine furchtbar tüchtige Hausfrau, und wieder andere leisten beruflich Unglaubliches oder schaffen sich Statussymbole an. Andere fliegen von Bett zu Bett, die nächsten tun jedem jeden Gefallen und sind immer für andere da, weil sie hoffen, dafür Anerkennung zu ernten. Alles dient dazu, unseren Wert zu erhöhen in den Augen von anderen und auch in unseren eigenen. Und es funktioniert nie. Und dann kommt so ein Selbstwert-Guru und sagt: Du musst dich einfach selbst annehmen und selbst umarmen und dir die Treue schwören und selbst für dich sorgen, und dann hört der Kampf auf. Das klingt verlockend. Es gibt davon sogar eine „christliche“ Version. Sie sagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, bedeutet, dass du dich erst selbst lieben musst. Nimm dich wie du bist, denn du bist okay in Gottes Augen. Jede ist schön, sie muss sich nur an den Spiegel kleben, dass Gott sie wunderbar gemacht hat.

Die Sache hat nur einen Haken. Es ist eine Illusion. Denn unser Gefühl von Wertlosigkeit ist das Symptom einer viel tiefer liegenden Problematik. Es ist wahr, dass Gott alles wunderbar gemacht hat. Aber es ist nicht mehr alles wunderbar. Der Sündenfall hat einen ganz tiefgreifenden Schaden in uns hinterlassen, obwohl wir auch immer noch die Spuren dieses Wunderbaren an uns tragen. Aber es gibt seitdem einen tiefen Riss, eine tiefe Unzulänglichkeit in jedem von uns. Manchmal sieht man sie äußerlich, immer sieht man sie innerlich – wenn man sich traut, hinzugucken. Und alle sind wir immer am Arbeiten, dass man es möglichst wenig merkt, wir kompensieren, wir „bezahlen“ mit allem Möglichen, sogar mit guten Werken, um unseren Selbstwert wiederherzustellen. Und es funktioniert nie. Die Bibel sagt es so: „denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes.“ Römer 3,23

Wir haben die Herrlichkeit verloren, und nun stehen wir nackt da und fühlen Scham. Seit dem Sündenfall versteckt sich der Mensch vor Gott und voreinander – aus Scham. Und Menschen beschämen und bewerten sich gegenseitig und fügen sich viele Verletzungen zu.

Aber nun will ich euch noch eine zweite Frau vorstellen. Gott beschreibt Jerusalem in einer symbolischen Geschichte als Frau, aber wir können das auch auf uns anwenden. Ich habe dazu eine ganz persönliche Beziehung, und das kommt so: Als ich noch ein junges Mädchen und noch kein Christ war, habe ich mal ein Gedicht geschrieben über ein Kind, das man vor seiner Geburt weggeworfen hatte. Als eine Freundin mich fragte, ob das aussagen soll, dass ich gegen Abtreibung bin, brach ich in Tränen aus. Denn dieses Kind war auch ein Symbol, nämlich für mich selber. Ich fühlte mich genauso: Weggeschmissen, unwert, sinnlos, ungeliebt, und das, obwohl ich liebevolle Eltern hatte. Nachdem ich dann zum Glauben gekommen war, fand ich diese Passage in der Bibel, und war hin und weg! Da stand meine und Gottes Geschichte, schwarz auf weiß in Gottes Buch! Die Ausdrucksweise ist ein bisschen grafisch, und man muss das genau so sehen, wie es gemeint ist, nämlich symbolisch, um es nicht mißzuverstehen, aber ich möchte das mal ein bisschen aufschlüsseln und auf uns beziehen, denn es geht um ein Grundprinzip von Erlösung und beschreibt wunderbar, wie Gott das mit uns macht.

Aus Hesekiel 16:

So spricht der Herr, HERR, zu Jerusalem: Deine Herkunft und deine Abstammung sind aus dem Land der Kanaaniter; dein Vater war ein Amoriter und deine Mutter eine Hetiterin.

Wir sind fern von Gott geboren, unpassend, unzulänglich, verdorben, und haben eigentlich mit ihm nichts zu tun.

Und was deine Geburt betrifft: an dem Tag, als du geboren wurdest, wurde deine Nabelschnur nicht abgeschnitten, und du wurdest nicht mit Wasser abgewaschen zur Reinigung und nicht mit Salz abgerieben und nicht in Windeln gewickelt. Niemand blickte mitleidig auf dich, um dir eines dieser Dinge aus Mitleid mit dir zu tun, sondern du wurdest auf die Fläche des Feldes geworfen, aus Abscheu vor deinem Leben, an dem Tag, als du geboren wurdest.

Wir sind unversorgt und ungereinigt, ausgestoßen und allein. Keiner will uns wirklich. Keiner erbarmt sich über uns. -Dann kommt Gott vorbei.

Da ging ich an dir vorüber und sah dich in deinem Blut zappeln; und zu dir in deinem Blut sprach ich: Bleibe leben! Ja, zu dir in deinem Blut sprach ich: Bleibe leben, und wachse wie das Gewächs des Feldes!

 Er sieht, dass wir sterben würden, wenn er nichts für uns tut. Er wünscht uns das Leben. Wir haben keinen Wert, aber er misst uns einen Wert bei. Er sieht uns, längst ehe wir irgendetwas für ihn „leisten“ könnten – schwache, hilflose Geschöpfe. Er sieht in uns, was seine Gnade aus uns machen könnte.

Und du wuchsest heran und wurdest groß, und du gelangtest zu höchster Anmut; die Brüste rundeten sich, und dein Haar wuchs reichlich; aber du warst nackt und bloß. Und ich ging wieder an dir vorüber und sah dich, und siehe, deine Zeit war da, die Zeit der Liebe; und ich breitete meinen Gewandzipfel über dich aus und bedeckte deine Blöße. Und ich schwor dir und trat in einen Bund mit dir, spricht der Herr, HERR, und du wurdest mein.

Er liebt uns, obwohl, wie wir gleich sehen werden, unser Zustand noch deutlich sichtbar ist. Er beschließt, einen Bund mit uns einzugehen. Er schwört uns sogar, er wird es nicht zurücknehmen! Du wurdest mein! sagt er. Und dann wird er aktiv.

Und ich wusch dich mit Wasser und spülte dein Blut von dir ab und salbte dich mit Öl. Und ich bekleidete dich mit Buntwirkerei und beschuhte dich mit Delfinhäuten, ich umwand dich mit Byssus und bedeckte dich mit Seide. Und ich schmückte dich mit Schmuck: ich legte Spangen um deine Handgelenke und eine Kette um deinen Hals, und ich legte einen Reif an deine Nase und Ringe an deine Ohren und setzte eine prachtvolle Krone auf deinen Kopf. So legtest du goldenen und silbernen Schmuck an, und deine Kleidung bestand aus Byssus, Seide und Buntwirkerei. Du aßest Weizengrieß und Honig und Öl. Und du warst sehr, sehr schön und warst des Königtums würdig. Und dein Ruf ging aus unter die Nationen wegen deiner Schönheit; denn sie war vollkommen durch meinen Glanz, den ich auf dich gelegt hatte, spricht der Herr, HERR.

Und dann macht er alles. Er reinigt uns durch das Blut Jesu. Er gibt uns den Heiligen Geist. Er schmückt uns mit dem Wesen Jesu. Er verleiht uns seine Identität. Er ernährt uns. Er krönt uns mit Gnade. Er macht uns würdig! Und ihm gefällt, was er sieht.

Das ist fast zu schön, um wahr zu sein. Aber er kann das, weil er diesen Riss heilen kann, weil Jesus unsere Sünden weggenommen hat und uns vergeben wird. Ohne Sünde und schlechtes Gewissen gibt es keine Scham mehr in der Beziehung zu ihm. Seine vollkommene Liebe treibt unsere Furcht aus, und wir werden geadelt. Er legt seinen Glanz auf uns, er versetzt uns „in Christus“.

Wir müssen uns nicht selbst umarmen und annehmen. Uns ist etwas viel Besseres passiert! Wir sind umarmt und angenommen. Wir können relaxen.

Die Geschichte Jerusalems hat leider einen traurigen Ausgang. Sie wird zuerst stolz und dann untreu. Sie schreibt sich selbst das zu, was Gott für sie getan hat. Sie kehrt ihre Aufmerksamkeit von Gottes Liebe weg, und sucht die Anerkennung von Neuem bei den Falschen. Lasst uns nicht in diese Falle tappen, dass wir uns irgendwie einbilden, wir wären was in uns selber. Wir werden dann unser ganzes Glück verlieren und wieder einsteigen in den Run auf die Anerkennung, das ganze Elend, aus dem wir raus wollten und das uns umbringt! Stattdessen wollen wir IHM die Ehre geben für das, was er an uns getan hat.

Fallt nicht rein auf dieses Selbstliebe-Zeug. Vielleicht wirkt es bis zur letzten Seite des Buches oder noch ein paar Tage länger, aber es beruht auf Illusionen und ist nicht tragfähig. Irgendwann fällst du wieder ins Loch. Das stillt deinen Durst nicht und gibt dir keinen Frieden.

Unser Grundproblem ist, dass wir so stolz sind. Wir wollen unseren Schaden nicht zugeben und Liebe einfach umsonst annehmen, ohne etwas dafür geleistet zu haben und ohne attraktiv zu sein. Das passt auch nicht in unsere Welt – das gibt es nur bei Gott. Hör auf, bei Menschen zu suchen, was sie dir nicht geben können. Hör auf, bei dir selbst zu suchen, was du nicht hast.

In einem haben die Selbstliebe-Leute recht: Wer sich geliebt weiß, kann besser lieben. Das merken wir auch, wenn wir uns von Gott lieben lassen. Dann fließt seine Liebe durch uns durch. Nur der Weg dahin, den sie vorschlagen, der führt da nicht hin.

Wenn du diesen Gott noch nicht kennst, der dich lieben und adeln will, indem er seinen Glanz auf dich legt, wenn du dir die Fruchtlosigkeit deiner eigenen Bemühungen, deine Verlorenheit und das hilflose Ausgeliefertsein an die Sünde eingestehen kannst, dann kannst du ihm heute begegnen. Sag ihm, dass du seine Liebe und alles, was er für dich hat, annehmen willst!