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Jesus zieht in Jerusalem ein (Predigt-Nachlese)

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Predigttext: Johannes 12

Was für eine Menge  sich da in der Jerusalemer Frühlingsluft tummelte! Das bevorstehende Passafest hatte sie alle in die Stadt hineingeschwemmt. Praktisch jede Familie hatte Gäste. In dieser Atmosphäre verbreiteten sich Neuigkeiten in Windeseile. Die neuste Nachricht war die von der Auferweckung des Lazarus von den Toten. Dieser Jesus – war er etwa doch der Messias? Er zeigte all die Anzeichen, die der Prophet Jesaja ihm zugeordnet hatte:

Seht, da ist euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes; er selbst kommt und wird euch retten! Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen lobsingen … Und eine Straße wird dort sein und ein Weg; man wird ihn den heiligen Weg nennen; kein Unreiner wird auf ihm gehen, sondern er ist für sie; die auf dem Weg wandeln, selbst Einfältige, werden nicht irregehen. (35, 3-8)

Er hatte Aussätzige geheilt, Dämonen ausgetrieben, Blinden das Augenlicht wiedergegeben. Und er rief die Menschen zur Buße: Zöllnern und Huren sprach er Vergebung zu. Er selbst beschrieb den Inhalt seiner Mission so:

Der Menschensohn ist ja gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Damit nahm er für sich die Beschreibung in Anspruch, die der Prophet Daniel dem Messias gegeben hatte.

Und in dieser Menge, die da Jesus entgegenströmte, waren viele, die seine Heilung, Befreiung und Vergebung empfangen hatten. Um nur einige Namen zu nennen: Maria Magdalena, aus der er sieben Teufel ausgetrieben hatte, der Zöllner Zachäus, Simon der Aussätzige … Sie alle begrüßten ihn heute als den König, so wie es der Prophet Sacharja vorausgesagt hatte:

Freue dich, du Zionsstadt! Jubelt laut, ihr Leute von Jerusalem! Seht, euer König kommt zu euch! Er ist gerecht vor Gott, und er bringt die Rettung. Er ist demütig und reitet auf einem Fohlen, dem männlichen Jungtier einer Eselin. (Sacharja 9,9)

Sie gehen ihm mit Palmzweigen und Lobgesang entgegen, sehr zum Missfallen der Pharisäer, die feststellen müssen: Wir kommen so nicht weiter. Alle Welt läuft ihm nach.

Was die feiernde Menge nicht ahnt: Dass ihr Messias auf dem Weg zum Kreuz ist. Er präsentiert sich ihnen an dem Tag, an dem die Passalämmer ausgewählt werden, weil er das wahre und letzte Passalamm sein wird. Immer wieder versucht er es ihnen zu erklären, so auch heute:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde kommt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, wird es viele neue Körner hervorbringen.

In der Menge waren viele, die ihm von Herzen glaubten und ihre Verehrung darbrachten. Andere schwammen mit auf der Welle der momentanen Begeisterung, aber ihr Innerstes war nicht verändert. Ihre Herzen waren hart und verstanden nichts. Für sie würde es kein großer Switch sein, ein paar Tage später auf einer anderen Welle zu reiten und lautstark seine Hinrichtung zu fordern.

Wo stehen wir? Sind wir wirklich zu ihm umgekehrt, sind unsere Sünden vergeben, ist unser Herz erneuert? Lieben wir ihn? Oder sind wir nur Mitläufer, die wie welke Blätter mal von diesem, mal von jenem Windstoß getrieben werden?  Wer die Botschaft Jesu nicht annimmt, der verdammt sich selbst, wie Jesus sagt:

Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, von der Finsternis frei wird. Wer hört, was ich sage, und sich nicht danach richtet, den verurteile ich nicht. Denn ich bin nicht in die Welt gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Wer mich verachtet und nicht annimmt, was ich sage, hat seinen Richter schon gefunden: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn an jenem letzten Tag verurteilen.

Predigt-Nachlese: Tränen am Krönungstag

Predigttext: Lukas 19,37-44

Ist das nicht ein wunderbarer Tag, als die feiernde Menge Jesus als König begrüßt? Die Menschenmenge hofft auf ihn. Sie hat seine Wunder gesehen. Zuletzt hat sich die Nachricht  von der vollmächtigen Auferweckung des Lazarus von den Toten wie ein Lauffeuer verbreitet. Er ist der Messias, das ist klar! Die Atmosphäre der Erwartung, dass er sie jetzt von den Römern befreien und das davidische Königreich wiederherstellen wird, macht sich Luft in lauten Jubelrufen, dem Krönungslied des Messias aus den Psalmen:

Gepriesen sei der König, der kommt im Namen des Herrn! Frieden dem, der im Himmel ist,  Ehre dem, der in der Höhe wohnt!

Die lautstarke Freude reißt alle mit außer den religiösen Führern. Die sehen diesen Jubel eher als Blasphemie an. Für sie ist Jesus nicht der Retter, der durch das ganze Alte Testament versprochen wurde, nicht der Sohn Gottes. Aber sie sehen sich nicht in der Lage, dem Lobpreis der Volksmenge Einhalt zu gebieten. Das könnte jetzt höchstens Jesus selber, und so appellieren sie an ihn: Rabbi, bring deine Jünger doch zur Vernunft! Aber Jesus sieht dazu keinen Anlass, denn er ist der Messias. Er kann diese Huldigung nicht zurückweisen. Wenn sie schweigen, antwortet er, werden die Steine schreien.

(Zur Frage, was die schreienden Steine bedeuten, lies bitte hier).

Jesus akzeptiert die Anbetung der Volksmenge, aber er schaut tiefer und weiter. Er weiß, dass die selben Leute bald Kreuzige ihn! schreien werden, wenn sie merken, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Wie viel von dem, was wir heute als Anbetung erleben, hat wohl seinen Grund lediglich in falschen Erwartungen an Gott? Die Aufforderung, sich als Jünger Jesu selbst zu verleugnen und sein Kreuz auf sich zu nehmen, wird überhört – statt dessen soll Jesus unser Ego boosten und unsere Wünsche erfüllen, und wenn nicht, dann hat er keinen Wert mehr. Und das liegt daran, dass wir unser eigentliches Problem – unser Verlorensein in unseren Sünden – genau wie die Menschen damals nicht erkannt haben.

So kommt es, dass Jesus in Tränen und lautes Weinen ausbricht, als er Jerusalem sieht. In ihm hat Gott sein Volk besucht, um es von seinen Sünden zu retten. Aber sie haben ihn, die fleischgewordene Barmherzigkeit Gottes, nicht erkannt. Er wollte ihnen Frieden mit Gott geben, aber sie haben gegen sein Licht einen Wall aufgeschüttet. Jetzt muss er ihnen das Gericht ankündigen:

Es kommt für dich eine Zeit, da werden deine Feinde einen Wall um dich bauen; sie werden dich belagern und dich von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Bewohner niederwerfen und in der ganzen Stadt keinen Stein mehr auf dem anderen lassen, weil du die Gelegenheit, in der Gott dich besuchte, verpasst hast.

Das alles ist 70 n.Chr. über Jerusalem gekommen. Genauso sicher kommt das Gericht über jeden, der nicht Buße tut. Schützen wir uns auch mit einer Mauer aus Selbstgerechtigkeit vor Jesus, oder lassen wir uns warnen und kehren um?  Muss er über uns weinen, weil wir seinen Frieden ablehnen, oder lassen wir uns retten?

Predigt-Nachlese: Schwache Menschen- starke Botschaft!

Predigttext: Lukas 2,8-40

Gott, der in Jesus klein, schwach und arm zu uns kommt, wählt die Kleinen und Armen als seine Botschafter. Menschen auf der untersten Stufe der Gesellschaft, umgeben vom strengen Stallgeruch, sind die ersten Missionare. Die Hirten empfangen die Nachricht unmittelbar von Engeln – nicht etwa von süßen kleinen Engelputten, sondern von einem furchteinflößenden Engel des Herrn und himmlischen Heerscharen. Und genau so wie es ihnen der Engel gesagt hat, finden sie es vor: Der Christus Gottes, ihr Retter, liegt in Windeln in einer Krippe. Diese Leute, deren Aussagen vor Gericht nichts gelten, wählt Gott sich als Zeugen der Geburt seines Sohnes, und, völlig überwältigt, erzählen sie jedem davon, der ihnen in die Quere kommt.

Maria und Josef lassen das Kind am 8. Tag beschneiden und erfüllen damit die Vorschriften des Gesetzes. Es erhält den Namen Jesus, der bedeutet: Gott ist Rettung! Etwa einen Monat später findet man sie im Tempel. Sie bringen das Reinigungsopfer für Maria dar und weihen Gott ihren erstgeborenen Sohn. Dass sie arme Leute sind, erkennt man an dem Opfer, das sie bringen. Sie können sich kein Lamm leisten und bringen zwei Tauben, wie es das mosaische Gesetz  vorsieht.

Der Heilige Geist führt einen alten Mann zu dieser Szenerie, der sein ganzes Leben auf diesen Tag gewartet hat. Simeon ist, wie Zacharias und Elisabeth, einer der Treuen in Israel, die durch Glauben gerecht sind, ein gottesfürchtiges Leben führen, und in deren Herzen die Hoffnung auf den “Trost Israels” lebendig ist. Er hat sogar eine persönliche Zusage von Gott bekommen, dass er nicht sterben wird, bevor er den Messias gesehen haben wird. Diese Erwartung hat sein Leben bestimmt, und als er das Kind sieht, nimmt er es auf seine Arme. Aus seinem Herzen strömt der Lobpreis Gottes; durch den Heiligen Geist erkennt er in diesem Kind die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen, die er in seiner Sehnsucht wieder und wieder studiert und aufgesogen hat. Er schaut dabei weiter als nur auf die Rettung Israels – hier hält er das Heil aller Völker in den Armen! Und er sieht auch den Schatten des Kreuzes, die Ablehnung und den Widerspruch, dem dieses Kind begegnen wird, und das Schwert, das Marias Herz durchdringen wird. Aber das dämpft seine Freude nicht.

Und dann ist da die Prophetin Hanna. Über ihr Leben habe ich hier schon einmal geschrieben. Nach menschlichen Kriterien war es nicht glücklich zu nennen, aber auch sie hat Herzensaugen, die über die dunkle Gegenwart hinausblicken, und hat die Hoffnung auf den Gott Israels nie aufgegeben. Als sie Simeon mit dem Kleinen sieht und hört, wird ihre Seele von Freude überflutet und die gute Nachricht sprudelt aus ihr heraus, dass es jeder hören muss.

Keine besonderen Menschen, keine Prominenz – Arme, Alte, Verachtete und vom Leben Gebeutelte hat Jesus von Anfang an in seinem Gefolge. Ich bin froh, dass da auch Platz für mich ist, und ja, ich möchte die großen Taten Gottes verkünden, der mich aus der Finsternis befreit und in sein wunderbares Licht geführt hat!

Predigt-Nachlese: Tod nach Plan

Warum musste Jesus hingerichtet werden? Waren die Ereignisse Gott aus dem Ruder gelaufen? Konnte er nicht auf seinen Sohn aufpassen? War das Böse stärker als das Gute, sozusagen der Super-GAU der Weltgeschichte?

Im heutigen Bibeltext in Lukas 18,31-34 ist Jesus auf dem Weg nach Jerusalem. Er weiß, was dort geschehen wird und versucht, seine Jünger darauf vorzubereiten. Sie hoffen immer noch auf den großen Durchbruch, dass er als der Messias sein Reich aufrichtet. Und nun spricht er –schon zum dritten Mal übrigens – von einem ganz anderen Plan, der nicht in ihr Konzept passt, den sie weder akzeptieren noch verstehen können.

Es ist nicht so, dass Jesus nur ahnt, was passieren wird – er weiß es. Es war der Plan Gottes vor Grundlegung der Welt, in den er eingewilligt hatte. Das ganze Alte Testament war voll davon. Jedes Opfer, das im Tempel dargebracht wurde, war ein Bild davon. Das Lamm Gottes musste geschlachtet werden. Schon im Garten Eden wurde im Fluch Gottes über die Schlange der schmerzhafte Prozess angedeutet, mit dem sie überwunden werden würde. Sacharja sprach von dem durchbohrten Messias, um den das reumütige Volk wehklagt. Psalm 22 und Jesaja 53 gehen vollends ins Detail:

Mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen ….Die mich sehen,  die spotten über mich, verziehen die Lippen, schütteln den Kopf.  „Er vertraute Jahwe, der mag ihn jetzt retten, er hat ja Gefallen an ihm!“…… Ich zerlaufe wie Wasser auf trockener Erde, auseinandergerissen scheint all mein Gebein, mein Herz schmilzt wie Wachs, zerfließt in meinen Gedärmen. Meine Kraft ist vertrocknet, dürr wie ein Scherben. Meine Zunge klebt, am Gaumen haftet sie fest.In den Staub des Todes hast du mich gelegt, denn mich umlauert die Meute der Hunde. Übles Gesindel hat mich umringt und hat mir Hände und Füße durchbohrt. All meine Knochen könnte ich zählen. Sie stehen dabei und gaffen mich an. Meine Kleider teilen sie unter sich auf, und mein Gewand verfällt ihrem Los.

Er wurde verachtet, und alle mieden ihn. Er war voller Schmerzen, mit Leiden vertraut, wie einer, dessen Anblick man nicht mehr erträgt. Er wurde verabscheut, und auch wir verachteten ihn. Doch unsere Krankheit, er hat sie getragen, und unsere Schmerzen, er lud sie auf sich. Wir dachten, er wäre von Gott gestraft, von ihm geschlagen und niedergebeugt. Doch man hat ihn durchbohrt wegen unserer Schuld, ihn wegen unserer Sünden gequält. Für unseren Frieden ertrug er den Schmerz, und wir sind durch seine Striemen geheilt. Wie Schafe hatten wir uns alle verirrt; jeder ging seinen eigenen Weg. Doch ihm lud Jahwe unsere ganze Schuld auf. Er wurde misshandelt, doch er, er beugte sich und machte seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das zum Schlachten geführt wird, wie ein Schaf, das vor den Scherern verstummt,so ertrug er alles ohne Widerspruch..…..Doch Jahwe wollte ihn zerschlagen. Er war es, der ihn leiden ließ. Und wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er leben und Nachkommen haben. Durch ihn gelingt der Plan Jahwes.

Der Tod Jesu war der Plan Gottes! Jesus wurde geboren, um zu sterben, denn es gab keinen anderen Weg, unser Schuldproblem zu lösen. Er musste sein Leben für uns lassen, und er tat es freiwillig!

Die Jünger begriffen es nicht. Es war einfach unvorstellbar, unfassbar. Sollten alle ihre Hoffnungen so enden? Dass Jesu Vorhersagen nicht bei seinem Tod stehenbleiben, dass er von seiner Auferstehung spricht, dass der Weg zu Reich und Herrlichkeit gerade auf diese Weise gebahnt wird – das haben sie erst später verstanden. Nach seiner Auferstehung erklärte er es zwei von ihnen auf dem Weg nach Emmaus und Petrus selbst schrieb Jahre später, dass alle Propheten auf die Leiden des Messias und die Herrlichkeit danach hinwiesen. Und was für die Jünger Gegenstand großer Verwirrung und Angst gewesen war, wurde zur unaussprechlichen Freude und Hoffnung!

Dieser Herr, der bereitwillig für uns in den Tod gegangen ist, ist es wert, dass wir ihn an die erste Stelle in unserem Leben setzen, egal, was es kostet. Und es hat viele das Leben gekostet, früher und auch heute! Wir können es, wenn wir unsere Augen fest auf ihn richten, der uns vorangegangen ist.

Er hat uns gezeigt, wie man diesen Lauf beginnt und als Sieger ans Ziel kommt. Weil er wusste, welche Freude auf ihn wartete, hat er das Kreuz und die Schande dieses Todes auf sich genommen. Nun sitzt er auf dem Ehrenplatz an Gottes rechter Seite. (Hebräer 12,2)