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Ein frustrierter Prophet und ein unbeirrter Gott (Predigt-Nachlese)

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Predigttext war Jona 1.

Jeder kennt Jona. Die Geschichte von dem Mann, der vom Fisch verschluckt und ausgespuckt wurde, ist ein sehr beliebtes Thema für Kindergottesdienste und Bilderbücher. Aber wie kam Jona in den Fisch?

Jona war einer von mehreren Propheten, die zur Zeit Jerobeams Ⅱin Israel wirkten. Er wird außer in dem nach ihm genannten Buch auch in 2.Könige 14 erwähnt. Hosea, Amos, Micha und Jesaja waren Zeitgenossen.

Er bekommt einen Auftrag von Gott: Mache dich auf und geh nach Ninive! Verkündige das Gericht über sie! Ihre Bosheit ist bis zu mir aufgestiegen!

Ninive war eine große Stadt der Assyrer, und die Assyrer waren Israels Feinde. Ihre unaussprechliche Grausamkeit ist durch ihre eigenen Dokumente historisch belegt. Sie folterten besiegte Feinde auf bestialischste Weise durch Abhacken von Gliedmaßen, durch Pfählen und Häuten bei lebendigem Leib.

In Jonas Augen ist es ein Fehler, diesen Menschen Umkehr zu verkündigen. Er weiß, wenn Gott Gericht androhen lässt, dann weil er will, dass die Sünder sich bekehren und begnadigt werden können. Und Gnade für die Feinde Israels – das kann nicht richtig sein! Und so ist seine – wortlose – Antwort ein klares Nein. Er ist unseres Wissens der einzige Prophet, der das Gott gegenüber je gewagt hat.

Sein Nein kostet ihn einen hohen Preis. Er verlässt seine Heimat, sein Volk, die Verheißungen Gottes, ja, Gott selbst, um nach Tarsis zu gehen. Wenn die Vermutung stimmt, dass Tarsis im heutigen Spanien lag, dann versucht er, über 5000 km zwischen sich und den Auftrag Gottes zu bringen – so sehr war dieser Auftrag ihm ein Gräuel. Er entzog Gott das Vertrauen, und Vertrauensentzug ist immer auch Gehorsamsentzug. Ungehorsam gegen Gott aber ist ein schwieriger Weg. Denn Gott ist unbeirrbar.

Aber er lässt Jona erst mal losziehen. Jona findet ein Schiff. Es funktioniert! Auf dem Schiff schläft er prima. Sein Gewissen scheint ihn nicht zu beunruhigen. Manchmal nehmen wir diese Dinge – innere Ruhe und sich fügende Umstände – als Zeichen dafür, dass wir das Richtige tun. Aber an Jona sehen wir, dass das ein Trugschluss sein kann.

Und nun greift Gott ein. Er wirft einen Sturm auf das Meer, der die erfahrenen Schiffsleute in Panik versetzt, denn sie sehen, dass sie da nicht heil herauskommen werden. Als Heiden rufen sie ihre Götter an. Sie wecken Jona und wollen, dass auch er betet. Aber wie soll Jona beten? Er hat ja Gott den Rücken gekehrt! Die Schiffsleute werfen Lose, um herauszufinden, wer am Zorn der Götter schuld ist, und Gott benutzt ihre heidnische Methode. Jona wird vom Los getroffen. Wenn wir ungehorsam sind, leiden oft nicht nur wir, sondern auch unsere Umgebung.

Die Männer wollen nun wissen, was los ist. Wo kommt Jona her? Welcher Gott ist da im Spiel, und was hat er getan? Nun kann Jona seine Identität nicht verleugnen, die so existentiell mit dem wahren Gott verknüpft ist. Er ist der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, vor dem er auf der Flucht ist. Wie unlogisch das ist, ist selbst diesen Heiden klar. Sie fürchten sich. Das Meer wird immer stürmischer. Was sollen sie tun? Werft mich ins Meer! sagt Jona. Es liegt an mir.  Er weiß, dass er die Konsequenzen tragen muss.

Den Männern gefällt dieser Gedanke nicht. Sie versuchen, noch härter zu rudern, aber sie kommen gegen das aufgewühlte Meer nicht an. Und nun geschieht etwas Interessantes: Sie beten, und zwar zu Jonas Gott! Sie bitten ihn, es ihnen nicht als Schuld anzurechnen, wenn sie nun vollziehen, was Jona vorgeschlagen hat. Vergessen sind ihre Götter! – Sie tun das Unvermeidliche, und das Meer wird schlagartig ruhig. Der Schöpfer und Herr der Elemente offenbart sich ihnen in dieser Stille, und ehrfürchtig opfern sie ihm und legen Gelübde ab. So dient nach Gottes Ratschluss der Unwillen Jonas der Bekehrung heidnischer Seeleute.

Beten lernen: Wunschzettel mit Erfüllungs-Garantie?

santa-claus-514186_1920Als meine Kinder jünger waren und vor Geburtstagen und Weihnachten noch Wunschzettel schrieben, musste ich sie immer wieder mal darauf hinweisen, dass ein Wunschzettel ein Wunschzettel ist und keine Bestellung. Das Budget war beschränkt, und unsere Meinung über die Notwendigkeit oder Qualität der gewünschten Sachen war auch nicht immer deckungsgleich. Aber wünschen war nicht verboten.

Wenn Jesus sagt:

Darum sage ich euch: Worum ihr im Gebet auch bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, dann werdet ihr es auch erhalten. (Markus 11,24)

Wer bittet, empfängt; wer sucht, findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet!(Matthäus 7,8),

dann hört sich das nicht nach Ausnahmen und Beschränkung an!

Unsere Erfahrung ist anders. Wie oft hat Gott uns eben nicht gegeben, um was wir ihn gebeten haben! Es gibt also zwei Möglichkeiten: Entweder stimmt das nicht, dass jeder, der bittet, auch empfängt – oder es gibt einen Schlüssel, der uns fehlt.

Manche meinen, der Schlüssel ist der Glaube, und natürlich ist Glaube die Grund-Voraussetzung:

Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn aufrichtig suchen. (Hebräer 11,6)

Aber wenn wir nun Glauben an Gott hatten und trotzdem nicht bekamen, worum wir gebeten haben? War der Glaube zu klein? Brauchen wir einen Super-Glauben? Und wie kriegt man den? Muss man sich da künstlich reinsteigern?

Da man die ganze Heilige Schrift immer zusammen sehen muss, schauen wir mal, wo Jesus noch mehr zum Thema gesagt hat. In Johannes 15,16 lesen wir:

Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, das ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit der Vater euch gibt, was auch immer ihr ihn bitten werdet in meinem Namen.

Hier haben wir es wieder: Was auch immer!  Und der Schlüssel ist: In meinem Namen. Was bedeutet das? ist es eine Formel, die ich an jedes Gebet anhängen muss, damit ich kriege, was ich haben will? Wir wissen, dass jedes magische Denken der Bibel fremd ist – das kann es also nicht sein.

“In meinem Namen” heißt ganz einfach: In meinem Auftrag. Ich berufe mich in meinem Gebet darauf, dass das, um was ich bitte, etwas ist, was Jesus mir aufgetragen hat. Dafür muss ich

1. Jesus kennen, 2. mich auf seine Gerechtigkeit stützen, 3. gut informiert sein über das, was das Verlangen meines göttlichen Meisters ist. ich habe also Gewissheit, dass ich über kurz oder lang Erhörung finde, wenn ich bitte

  • um die Verherrlichung Gottes und alles, was dazu dient.  Z.B. schreibt Paulus den Philippern, dass er sich wünscht, dass Christus hoch gepriesen wird an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod. Das ist ein Gebet mit Erhörungsgarantie!
  • um das Kommen seines Reiches, die Ausbreitung seiner Botschaft
  • um das Lebensnotwendige – damit wir Gott weiter dienen können
  • um Vergebung – und nichts gibt er uns lieber!
  • um Sieg in Versuchung und auch um sein Kommen, das endgültig dem Bösen ein Ende machen wird.

Vielleicht hast du das sogenannte “Vaterunser” erkannt. Das ist ein Wunschzettel mit Erfüllungsgarantie für alle, die geduldig und im Glauben dranbleiben, ohne Aufhören um eben diese Dinge zu bitten! Gebet ist etwas für Jünger, die, die von ihrem Meister lernen möchten, was ER sich wünscht, und sich dann mit ihren Gebeten in seinen Dienst stellen.

Predigt-Nachlese: Von Melite nach Rom

Predigttext: Apostelgeschichte 28

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Via Appia Antica, von Stefano Constanini, Creative Commons Lizenz

Paulus hat es mit den anderen geretteten Schiffbrüchigen auf die Insel Melite verschlagen. Es ist kalt und es regnet. Die Einwohner sind sehr freundlich, nehmen sie auf und machen ein Feuer. Paulus hilft beim Reisig-Zusammenlesen. Als er das Holz auf das Feuer legt, schießt eine Giftschlange heraus und verbeißt sich in seine Hand.

Die Eingeborenen ziehen sofort ihre Schlüsse: Der ist bestimmt ein Mörder! Muss ja auch einen Grund haben, dass er als Gefangener nach Rom gebracht wird! Jetzt ist er aus dem Meer gerettet worden, aber der gerechten Strafe kann er nicht entfliehen! (Sie bestätigen damit übrigens Römer 2: Auch Heiden, die nie mit dem Gesetz des Alten Testamentes in Berührung gekommen sind, haben ein Bewusstsein von falsch und richtig.)

Paulus bleibt ganz gelassen. Er weiß, dass ihn das nicht umbringen kann, denn Gott hat ihm gesagt, dass er nach Rom kommt. Er jammert auch nicht: Das jetzt auch noch! Hab ich nicht genug mitgemacht? Er schüttelt das Tier einfach ins Feuer, und ihm passiert nichts. Das verwundert die Menschen jetzt vollends. Dieser Mann ist ein Mysterium! Am Ende ist er einer der Götter!

Paulus allerdings weiß, dass er nichts ist als ein begnadigter Sünder, der auf diese Insel gebracht wurde, um dort den Namen seines Retters groß zu machen. Als Publius, der Oberste der Insel, sie als Gäste aufnimmt, betet er für dessen schwerkranken Vater. Weil seine Heilung sich herumspricht, kommen all die Kranken und bitten um Gebet und werden gesund. Eine wunderbare Gelegenheit für Paulus, Jesus zu verkündigen! Drei Monate haben sie Zeit, um aus diesen neuen Gläubigen Jünger zu machen. Ihre Dankbarkeit zeigen die Inselbewohner, indem sie dafür sorgen, dass es ihnen für die Weiterfahrt an nichts mangelt.

Nun geht es endlich nach Rom. Die Brüder dort haben schon gehört, dass Paulus kommt. Sie gehen ihm mehr als zwei Tagereisen weit entgegen und geben dem Gefangenen Geleit wie einem siegreichen General! Ihre Liebe ist für Paulus eine große Ermutigung. Er wird hier nicht alleine kämpfen müssen.

In Rom hat Paulus große Möglichkeiten. Seine Untersuchungshaft erlaubt ihm, – zwar unter ständiger Anwesenheit eines Wachsoldaten – eine eigene Wohnung zu haben, wo er nach Belieben Leute empfangen kann. Er lädt die jüdische Führung zu sich ein, die auch ganz neugierig sind, mehr von ihm über diese “Sekte” zu erfahren, von der sie nur wissen, dass sie überall heiß diskutiert und abgelehnt wird. Paulus erklärt ihnen an Hand des Alten Testamentes, wer Jesus ist und wie sein Reich aussieht. Einige lassen sich überzeugen, andere nicht. Zwei Jahre kann er ungestört das Wort Gottes lehren und vor allem Briefe schreiben: Noch heute profitieren wir von seinen Briefen an die Epheser, Kolosser und Philipper. Auch der Brief an Philemon stammt aus dieser Zeit. Er weiß jede Situation für die Verkündigung des Evangeliums und den Aufbau der Gemeinden zu nutzen und verschwendet keine Energien auf Selbstmitleid.

Wir wissen, dass Paulus nach diesen zwei Jahren freigesprochen, aber später wieder verhaftet und hingerichtet wurde. In allen Umständen blieb er seinem Lebensmotto treu:

Dass durch mein Leben Christus in allem geehrt wird, ob ich nun lebe oder sterbe. Denn Christus ist mein Leben.

Predigt-Nachlese: Zielorientiert laufen

Predigttext: Apostelgeschichte 21,1-17

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Ich will meinen Lauf mit Freuden vollenden, hatte Paulus den Ältesten von Ephesus gesagt. Gott hatte ihm einen Dienst aufgetragen,  nämlich durch Verkündigung und durch das Zeugnis seines ganzen Lebens das Evangelium von der Gnade Gottes bekannt zu machen. Diesem Ziel ordnet er alles andere unter. Sein Herr und Erlöser ist es ihm wert! Die Liebe und Vergebung Gottes hatte aus einem hassgetriebenen Verfolger der Gemeinde einen Menschen gemacht, der die Jesus-Jünger  über alles liebte und sein Leben für sie hingab.

Nachdem er sich in einem tränenreichen Abschied von den Ältesten von Ephesus förmlich losgerissen hat, ist Tyrus seine nächste Station. Er weiß, dass es dort Jünger gibt. Wer die Gemeinde gegründet hat, wissen wir nicht, aber vermutlich sind es Gläubige auf der Flucht vor der Verfolgung gewesen – auf der Flucht vor ihm in seinem alten Leben als erbitterter Feind der Gemeinde Jesu. Jetzt hat er nichts Wichtigeres zu tun, als diese Jünger zu suchen, um sie zu ermutigen, und er findet sie auch und bleibt sieben Tage bei ihnen. Der Heilige Geist hat ihnen etwas gezeigt, was Paulus auch schon weiß: Dass er in Jerusalem in große Schwierigkeiten kommen wird. Weil sie ihn lieben, ermahnen sie ihn, doch dort nicht hinzugehen. Als er weiterziehen muss, begleiten sie ihn bis ans Ufer, wo sie niederknien und beten und so Abschied nehmen. Wo Kinder Gottes aufeinandertreffen, ist sofort dieses Band tiefer geistlicher Gemeinschaft geknüpft.

Die nächste Stadt auf seiner Reiseroute ist Ptolemäus – auch dort begrüßt er die Brüder – und dann geht es weiter nach Cäsarea. Hier trifft er den Evangelisten Philippus und seine vier weissagenden Töchter, die ihn ein paar Tage bei sich aufnehmen. In dieser Zeit besucht sie Agabus. Agabus ist schon als Prophet bekannt; er hatte die Hungersnot unter Klaudius vorausgesagt. (Er hat übrigens die Kennzeichen eines echten Propheten: Was er sagte, traf ein.) Ähnlich wie manche Propheten im Alten Testament stellt er das, was er sagt, bildlich dar: Er bindet sich mit Paulus Gürtel Hände und Füße und sagt: So spricht der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Heiden ausliefern!  Alle, die dabei sind, fangen an, auf Paulus einzureden. Er soll doch bitte nicht nach Jerusalem gehen! Sie können sich vermutlich nichts anderes vorstellen, als dass dies eine Warnung ist. Aber Paulus sieht das anders. Es soll ihn nicht abhalten, sondern vorbereiten. Und es gibt ihm auch die Gelegenheit, seinen Leuten zu demonstrieren, dass Schwierigkeiten nicht dazu da sind, umgangen zu werden, sondern dass er ganz bewusst da hinein geht, um sein Ziel zu erreichen. Schon ganz am Anfang seines Glaubensleben war ja Ananias bezüglich Paulus gesagt worden:  Dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, um meinen Namen vor Heiden und Könige und vor die Kinder Israels zu tragen! Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen. (Apostelgeschichte 9,15.16) Bei seinem Auftrag war Leiden inklusive, aber er hatte ihn angenommen und es nie bereut. Es war alles so im Plan Gottes. Das müssen schließlich auch seine besorgten Freunde akzeptieren.

Wir wissen, dass Paulus auch später nicht ins Wanken gekommen ist. Aus dem Gefängnis haben seine Worte das Gewicht der Erfahrung, wenn er den Ephesern schreibt: Als einer, der für den Herrn im Gefängnis ist, ermahne ich euch: Lebt so, wie es der Berufung entspricht, die an euch erging. Seid euch der eigenen Niedrigkeit bewusst und begegnet den anderen freundlich, habt Geduld miteinander und ertragt euch gegenseitig in Liebe. Bemüht euch sehr darum, die Einheit, die der Geist Gottes gewirkt hat, im Verbund des Friedens zu bewahren. Ihr seid ja ein Leib; in euch lebt der eine Geist und ihr habt die eine Hoffnung bei eurer Berufung bekommen.

Er ermutigt uns, auch unser Rennen zielorientiert zu laufen, in der Einheit und Gemeinschaft, die uns Gott in seiner Gemeinde durch seinen Geist schenkt, und uns von nichts erschrecken und abbringen zu lassen.

Predigt-Nachlese: Was Jesus für uns auf dem Herzen hat

Predigttext: Johannes 17 – das hohepriesterliche Gebet Jesu

image In den letzten Tagen vor seinem Leiden und Sterben weiß Jesus nicht nur, dass ihm das Kreuz bevorsteht, sondern auch, dass er jetzt bald aus dieser Welt zum Vater gehen wird. Und – wie Johannes in Kapitel 13, 1 sagt – wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.

Die Seinen, die, die der Vater ihm gegeben hat, legt er jetzt zurück in die Hände des Vaters. Den souveränen göttlichen Beschluss, der schon vor Grundlegung der Welt gefasst worden war, hatte er ausgeführt: Er hatte den Erwählten das ewige Leben gegeben.

Dieses Kapitel spiegelt die vollkommene Einheit zwischen dem Vater und dem Sohn wieder. Sie haben eine Intention: Der Sohn will den Vater verherrlichen. Der Vater will den Sohn verherrlichen. Und in diese Herrlichkeit werden die mit aufgenommen, die Jesus angehören.

Es ist interessant: Da ist alles beschlossen von Ewigkeit her, und doch betet Jesus darum, dass es sich erfüllt. Er betet nicht, um dem Vater etwas abzuringen, was der nur widerwillig geben würde, sondern – wie im sogenannten “Vaterunser” – darum, dass Gottes guter und vollkommener Wille geschieht.

Er sieht schon über das Kreuz hinaus. Seine Jünger werden wie er Fremdkörper sein in dieser Welt, aber er will sie nicht herausnehmen, sondern hineinsenden, um seine Boten zu sein. Dafür bittet er um den Schutz des Vaters. Er weiß um die Schwierigkeiten, die ihnen begegnen werden, die Anfeindungen und Anfechtungen, ihre Hilflosigkeit und Unvollkommenheit. Er bittet darum, dass sie durch das Wort Gottes geheiligt werden, und sieht sie schon Kraft dieser Heiligung und Bewahrung ans Ziel kommen. Das hat er so definiert: Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen nämlich meine Herrlichkeit sehen können, die du mir gegeben hast, weil du mich liebtest – schon vor Erschaffung der Welt. Keinesfalls lässt er sie wie Waisen unversorgt zurück, wenn er geht. Er wird ihnen den Tröster, den Heiligen Geist, schicken.

Er denkt dabei nicht nur an die Jünger, die jetzt um ihn sind. Sie sind zwar die, die es jetzt ganz nötig haben, zuzuhören, wie er über sie mit dem Vater spricht. Sie werden, wenn sie aus dem Strudel der Dunkelheit und Verzweiflung wieder auftauchen, sich an diese Worte erinnern und darin das Herz Gottes erkennen und den Mut zum Weitermachen finden. Auch an uns denkt er und an alle die Generationen von Jüngern zwischen uns und ihnen, die dem Evangelium geglaubt haben. Auch uns lässt er sagen: Ich bitte den Vater für euch, und er wird euch durchbringen. Mir wird keiner verloren gehen, für den ich mein Leben gegeben habe. ihr werdet es schaffen und am Ziel ankommen,

Jesus bittet für uns – jetzt! In jeder Not, Traurigkeit, Verwirrung und Versuchung und in jedem Versagen können wir uns auf seine Fürbitte verlassen. Er bittet für uns um Bewahrung, um Freude, um Einheit, um Heiligung und darum, uns bei sich zu haben! Er lässt uns nicht fallen. Die Welt soll es an uns sehen und Vertrauen fassen zu dem Erlöser, der aus Sündern geliebte Kinder Gottes machen kann.

Predigt-Nachlese: Apollos – treu, verfügbar, lernwillig

Predigttext: Apostelgeschichte 18,18-28

Paulus war mit seinen treuen Freunden Priscilla und Aquila nach Ephesus gekommen. Er selbst konnte dort nicht lange bleiben, weil er nach Jerusalem musste. Er ließ Priscilla und Aquila und auch die interessierten Juden, die er in der Synagoge gelehrt hatte, dort zurück und versprach wiederzukommen, “wenn Gott will”. Wir sehen hier ein schönes Beispiel dafür, wie Paulus seine Pläne machte. Schon lange hatte er Ephesus auf dem Herzen, und war es ihm ein Anliegen, dort das Evangelium zu verkünden. Er nahm aber die Umstände in seinem Leben aus Gottes Hand, und so konnte er im Vertrauen auf Gott sowohl planen als auch loslassen: Befiehl dem Herrn deinen Weg, und vertraue auf ihn, so wird er es vollbringen. Gott bringt alle seine Ziele zur Ausführung!

Auf dem Rückweg von Jerusalem nach Ephesus nimmt er sich Zeit, noch mal all die Jünger  in Galatien und Phrygien zu besuchen und zu stärken. Es war ihm immer ein Anliegen, die Gemeinden zu ermutigen und zu befestigen, die durch seinen Dienst entstanden waren. Und Gott hatte auch schon einen Plan für Ephesus. Paulus war nicht der einzige, der Ihm dort dienen konnte. Apollos, ein Jude aus Alexandrien, tauchte dort auf. Er wusste von Jesus als dem Messias, war redebegabt und wohlbewandert in der Heiligen Schrift; allerdings kannte er nur die Taufe des Johannes, d.h. ihm fehlten noch viele aktuelle Informationen über den Heilsweg. Was er aber wusste, das gab er bereitwillig weiter.

Darin ist er ein Vorbild für uns. Wir müssen nicht warten, bis wir alle Erkenntnis haben und jede Frage beantworten können. Bei der Frau, mit der Jesus am Jakobsbrunnen sprach, genügte auch ihr einfaches Zeugnis: “Da ist einer, der mir alles auf den Kopf zugesagt hat, was ich getan habe. Kommt mit und seht ihn euch an! Vielleicht ist er der Messias“, um Menschen zu Jesus zu bringen. Hat Jesus dich errettet? Kennst du drei Bibelverse? Dann hast du vielen deiner Freunde und Bekannten schon was voraus. Du musst nicht erst Theologie studieren, ehe du das weitergibst.  Es ist natürlich gut, mehr zu wissen, aber sei treu mit dem, was du hast.

Apollos war treu und hielt sich Gott zur Verfügung. Deshalb konnte Gott ihn auch an genau den richtigen Platz stellen. Ephesus brauchte Apollos – und Apollos brauchte Aquila und Priscilla.

Wenn wir bedenken, wie jung die Gemeinde war – wie muss es die beiden gewundert haben, als da plötzlich aus dem Nichts einer auftauchte, von dem sie noch nie gehört hatten, und der Jesus verkündigte? Wie erfreut sie waren? Dass sie ihn unbedingt kennen lernen mussten?! Sie merkten auch bald, dass ihm noch etwas fehlte, und dass Gott sie zusammengebracht hatte, damit sie dieses Fehlende ergänzen und ihn noch besser zum Dienst ausrüsten konnten. Und Apollos, der Eloquente und Wortgewandte, hatte ein demütiges und belehrbares Herz. Er ging nicht davon aus, dass er schon alles wusste und ihm keiner mehr was beibringen konnte.

Nach dieser kleinen Aquila- und Priscilla-Bibelschule drängte ihn sein Herz weiter nach Achaja, um dort das Evangelium zu verkünden. Er war inzwischen so integriert in die Gemeinde in Ephesus, dass die Brüder ihm ein Empfehlungsschreiben an die Christen in Achaja mitgaben. Sie standen voll hinter ihm. In Achaja war er dann denen, die durch die Gnade gläubig geworden waren, eine große Hilfe.

Was wir von Apollos lernen können:

  • treu zu teilen, was uns anvertraut ist
  • Gott zur Verfügung zu stehen mit Hingabe und Begeisterung
  • lernwillig zu bleiben, um besser besser dienen zu können

Apollos ist offensichtlich später auch nach Korinth gekommen. Paulus sagte von ihm: Ich habe gepflanzt, Apollos hat gegossen; aber Gott hat es wachsen lassen. Er gehörte zu den bewährten Mitarbeitern, welche die, die Gott geheiligt hat, zum Dienst ausrüsten, damit die Gemeinde wächst, reif, gegründet, stabil und verführungsresistent wird, die Einheit bewahrt und als Leib Christi die Liebe und Wahrheit ihres Hauptes abbildet.

Predigt- Nachlese: Paulus, ein Vorbild in der Nachfolge Jesu

Predigttext: Apostelgeschichte 18,12-23

Paulus hat den Korinthern mal geschrieben: Nehmt mich zum Vorbild, so wie ich Christus zum Vorbild nehme! Sie hatten ja reichlich Gelegenheit gehabt, ihn zu beobachten. Und wir sind in der glücklichen Lage, sein Leben und Beispiel in der Apostelgeschichte und in seinen Briefen verfolgen zu können.

Nachdem der Herr Paulus aus seinem Entmutigungsloch herausgeholt und durch feste Zusagen und einen klaren Auftrag wieder auf die Füße gestellt hatte, konnte Paulus relativ ungestört 18 Monate lang das Evangelium verkündigen. Das war die bisher längste Zeit in ein und derselben Stadt auf dieser 2. Missionsreise. Aus allen vorherigen Städten hatte man ihn bald verjagt. Am Ende dieser anderthalb Jahre ging aber auch in Korinth der Ärger los. Die Juden klagten ihn vor dem Prokonsul Gallio an, dass er eine illegale Religion verbreite. Gallio wies ihre Anklage ab. Für ihn war das Christentum eine jüdische Splittergruppe, und das Judentum war offiziell eine “religio licita”, eine genehmigte Religion. Diese internen Streitigkeiten der Juden gingen ihm auf die Nerven; das sollten sie gefälligst unter sich regeln. Er trieb sie förmlich vor dem Richterstuhl weg. Sosthenes, der Vorsteher der Synagoge, wurde vor seinen Augen verprügelt, aber er kümmerte sich nicht darum. Übrigens taucht dieser Sosthenes später als “Bruder”  wieder auf. Er hatte sich offensichtlich bekehrt, und war damit schon der zweite Synagogenvorsteher in Korinth, der zum Glauben kam!

Anschließend konnte Paulus noch eine ganze Weile in Korinth weiterarbeiten. Dann wurde es Zeit, weiter zu ziehen. Nachdem er ein Nasiräergelübde eingelöst hatte – vielleicht aus Dankbarkeit für Gottes Handeln in Korinth – reiste er mit seinen guten Freunden und Mitarbeitern Priscilla und Aquila ab nach Ephesus. Schon früher hatte es ihn dorthin gezogen, aber damals hatte Gott es nicht erlaubt. Obwohl er in Korinth nach der Ablehnung durch die Juden gesagt hatte, er werde sich jetzt zu den anderen Völkern wenden, suchte er auch hier zuerst die Synagoge auf. Sein Herz brannte für sein eigenes Volk, dem die Verheißungen Gottes galten, und er konnte es nicht aufgeben. Er fand dort auch ein positives Echo, konnte aber nicht bleiben, und versprach, später zurückzukehren. Er baute aber sozusagen einen Stützpunkt auf, indem er Aquila und Priscilla dort zurückließ. Er selbst musste nach Jerusalem, wo er die dortige Gemeinde besuchte. Dann machte er sich auf den Weg zurück in seine sendende Gemeinde in Antiochia und von dort zu Besuchen in all die Gemeinden, die er in Galatien und Phrygien gegründet hatte. Er hatte ein Hirtenherz – er musste sicherstellen, dass seine “Schafe” gut versorgt waren, geistlich wuchsen, auf festem Grund standen und geeignete Leiter hatten. Obwohl ihm in all diesen Städten Schwierigkeiten und Gefahren drohten, ließ er sich nicht von Leidensfurcht und -müdigkeit, sondern von seiner Liebe zu den Kindern Gottes bestimmen.

Wir können von ihm lernen, was Nachfolge Christi bedeutet. Die Stoßrichtung beschreibt er so: Ihr sollt nicht euren eigenen Vorteil suchen, sondern den des anderen!  Wir haben Verantwortung füreinander; bei allem, was wir tun und lassen, sollten wir das Wohl der Glaubensgeschwister im Blick haben. Wir leben nicht mehr unabhängig und für uns selbst. Gott hat uns nicht nur zu Trophäen seiner Gnade gemacht, sondern auch zum Dienst befreit und “Werke” für uns vorbereitet, die wir in seiner Kraft tun dürfen. Wir sollen unser erlöstes Leben nicht vergeuden, sondern ein Verständnis dafür entwickeln, was Gott von uns will, wie wir ihm dienen können sowohl in der Gemeinde als auch in der Welt. Unser Glaube und unsere Hoffnung sollen sich zeigen, indem wir mit Lob und Dank übersprudeln und nicht mit Auflehnung und Quengeln auf die Prüfungen Gottes reagieren. So können wir der Welt das Evangelium verkündigen und demonstrieren in diesen “bösen Tagen”.