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Wie man gesetzt ist, so läuft man

Sessel, Philadelphia, John, Pollard

Vor Kurzem haben wir uns beim Frauenfrühstück unsrer Gemeinde näher mit dem Epheserbrief beschäftigt. Das Schlüsselwort dieses Briefes ist in IHM.  Alles, was wir von Gott bekommen haben, haben wir in Christus. Was das bedeutet, kann man sich so vorstellen: Wenn du in einem Flugzeug sitzt, so geschieht alles, was mit dem Flugzeug geschieht, auch dir, Wenn es abhebt, hebst du ab. Wenn es in der Luft ist, bist du in der Luft. Wo es hinfliegt, fliegst du auch hin. Sobald du eingestiegen bist, ist dein Schicksal mit dem Schicksal des Flugzeugs untrennbar verbunden.

Und so sind wir mit Christus untrennbar verbunden, sozusagen verwachsen, wenn wir von Neuem geboren wurden. Es ist gestorben und für die Sünde verurteilt worden? Wir sind mitgekreuzigt und freigesprochen von der Sünde. Er ist auferstanden? Wir sind mitauferstanden. Er sitzt jetzt im Himmel zur Rechten Gottes? Dann sitzen wir dort mit ihm. Unsere Heimat und unsere Zukunft ist im Himmel, und das, obwohl wir von Natur tot waren in unseren Sünden wie alle anderen Menschen auch! 

All das, was wir gewonnen haben durch die geschenkte (!) Einheit mit Christus, ist Thema der ersten drei Kapitel des Epheserbriefs. Wir sind mit Christus gesetzt worden. Er sitzt, weil er sein Erlösungswerk vollendet hat. Da muss nichts mehr getan werden. Er sitzt, weil er gesiegt hat und jetzt regiert. Und wir sitzen mit. Wir müssen nicht mehr arbeiten für unsere Erlösung. Das ist alles fertig. Und wir dürfen jetzt ein siegreiches Leben führen – laufen!

Wenn man nicht weiß, wie man gesetzt ist, dann ist das Laufen schwer. Dann wird das nichts. Deswegen erklärt uns der Epheserbrief zuerst, wer wir sind, und wo wir sind, und dann fordert er uns auf, uns in dieser Welt so benehmen, wie es diesem Gesetztsein entspricht. Ihr habt den alten Menschen ausgezogen, sagt Paulus. Lebt euer neues Leben in Heiligkeit und Liebe! Wie das in den verschiedenen Alltagssituationen aussieht, führt er dann in Kapitel 4ff aus.

 

Schließlich geht es noch um das Stehen im geistlichen Kampf. Im Spannungsfeld vom Festhalten an dem, was wir in Christus haben, und den Ansprüchen, die der Satan immer noch an uns stellen will, muss unsrerseits ein Abwehrkampf gekämpft werden, ein Behaupten des Feldes. Den können wir aber ganz zuversichtlich angehen, weil uns die Waffenrüstung Gottes zur Verfügung steht.

Wie wichtig ist es doch, dass wir wissen, was Gott uns gegeben hat! Wer nicht versteht, dass er mitgestorben, mitauferstanden und mitgesetzt ist, wird große Probleme haben mit dem Laufen und Stehen und immer vergeblich versuchen, es selber hinzukriegen.

Predigt-Nachlese: Führen durch Vorbild

Predigttext: Apostelgeschichte 20,28-38

footprints-2237 Als Jesus seinen Jüngern die Füße wusch, sagte er: Macht es mir nach! Tut füreinander, was ich für euch getan habe! Er hat mit Worten gelehrt, aber er hat es auch vorgemacht, und wir sollen seinem Beispiel folgen.

Das ist das biblische Leitungsmodell: Leiten durch Lehren und Vorbild. Dem jungen Timotheus schreibt Paulus:

Du musst aber den Gläubigen in allem, was du sagst und tust, ein Vorbild sein, ein Vorbild in deiner Liebe, in deinem Glauben, in deiner Reinheit. Widme dich bis zu meinem Kommen ganz dem Vorlesen der Heiligen Schrift, dem Ermutigen der Gläubigen und dem Lehren. (1.Tim. 4,12.13)

Den Philippern kann er empfehlen:

Handelt nach dem, was ihr von mir gelernt und gehört, und was ihr auch an mir gesehen habt! Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein. (Philipper 4,9)

Petrus sieht das genauso: Die Ältesten sollen die Gemeinde nicht mit Druck und Zwang führen, sondern durch ihr gutes Vorbild.

Dass er genau das getan hat, war der Grund für den Erfolg von Paulus. Er war bereit, sein Leben für die Gemeinde hinzulegen. So hatte er es von Jesus gelernt, und das wollte er andere durch sein eigenes Vorbild lehren. Sein Appell war immer: Hört auf, euch selbst zu leben! Lebt als Mit-Gekreuzigte und Mit-Auferstandene! Das Kreuz ist das Ende von “Ich möchte, ich brauche, ich erhebe Anspruch auf die Erfüllung meiner Bedürfnisse!”. Das neue Leben ist ein Leben als lebendiges Opfer, das Gott für seinen Dienst zur Verfügung steht. Nun wissen wir, was Gott von uns erwartet – aber wie kommen wir dahin? Zuallererst müssen wir durch die Gnade eine neue Kreatur werden. Dann brauchen wir eine völlige Veränderung unserer Denkrichtung, eine gründliche “Gehirnwäsche” durch das Wort Gottes. Es muss den ganzen Dreck weltlichen Wesens aus uns rausspülen, all die sündigen Handlungs- und Denkmuster. Dabei ist die Heilige Schrift das ideale Werkzeug: ein Spiegel, um uns unser wahres Gesicht zu zeigen, ein Hammer, um unsere Rebellion zu zerschmettern, ein Analysetool für unsere Motive, ein Scheinwerfer, der uns ins Licht Gottes stellt …

Sie lehrt uns die Wahrheit zu erkennen, überführt uns von Sünde, bringt uns auf den richtigen Weg und erzieht uns zu einem Leben, wie es Gott gefällt. Mit der Schrift ist der Mensch, der Gott gehört und ihm dient, allen seinen Aufgaben gewachsen und zu jedem guten Werk gerüstet. (2.Timotheus 3,16.17)

Als Paulus nun den Ältesten von Ephesus die letzten Instruktionen gibt, erinnert er sie noch einmal daran, wie er es gemacht hat: in Demut, mit Tränen und in Anfechtungen hat er 3 Jahre lang Tag und Nacht jeden Einzelnen ermahnt. Gericht und Gnade – den ganzen Ratschluss Gottes – hat er verkündigt ohne Rücksicht auf sich selbst. Er hat gearbeitet und gegeben. Nun sieht er Probleme von innen auf die Gemeinde zukommen, falsche Lehrer, die er als Wölfe bezeichnet. Als erstes sollen die Leiter auf sich selbst aufpassen. Sie stehen ganz vorne in der Schusslinie des Feindes. Stolz, Selbstbetrug, Verführung und Nachlässigkeit können sie von ihrer wichtigen Aufgabe abhalten, die Herde Gottes zu weiden und zu beschützen. Ja, nicht nur das Ernähren ist wichtig, sondern auch die Wachsamkeit, die Warnung und Verteidigung! Nachdem Paulus alles getan hat, was er konnte, übergibt er sie Gott und dem Wort seiner Gnade. Am Ende ist es nicht der Knecht, sondern der Herr selbst, der durch sein Wort seine Gemeinde schützt und nach Hause bringt.

Was nun folgt, ist eine Abschiedsszene mit vielen Tränen. Sie führt uns noch einmal die tiefe, warmherzige Beziehung zwischen dem Apostel und der Gemeinde vor Augen. Er liebte sie, und sie hingen an ihm. Sie würden sich erst in der Ewigkeit wiedersehen.

Werdet also Nachahmer Gottes – ihr seid doch seine geliebten Kinder – und lasst euer Verhalten von der Liebe bestimmen, so wie auch der Christus seine Liebe bewiesen hat, als er sein Leben für uns hingab. Er brachte sich als eine Opfergabe dar, an der Gott großes Gefallen hatte. (Epheser 5,1.29)

Predigt-Nachlese: Leben im Geist – ganz praktisch

Predigttext: Galater 6

Wir sind frei vom Gesetz und leben durch den Heiligen Geist. Aber wie sieht das im Alltag aus?

Wir werden immer noch versucht und können von der Sünde überrascht und überrannt werden. Niemand sollte denken, dass ihm das nicht passieren kann! Wir brauchen dann weder jemand, der unsere Sünde kleinredet oder ignoriert, noch jemand, der noch drauftritt, wenn wir am Boden liegen. Wir brauchen jemand, der uns zurechthilft, und das braucht manchmal Zeit. Und deswegen müssen wir auf der einen Seite wachsam sein und beten, dass wir nicht selbst versucht werden, und auf der anderen Seite bereit sein, dem beizustehen, der in Sünde gefallen ist. Allerdings setzt das voraus, dass derjenige das auch will und nicht etwa an seiner Sünde festhält und einen Friedensvertrag mit ihr geschlossen hat.

Das Gesetz Christi ist sein neues Gebot der Liebe zueinander. Dazu gehört, dass man das mit trägt, was der Bruder oder die Schwester alleine nicht tragen kann. Allerdings muss man sich vor dem Umkehrschluss hüten, dass die anderen für meine Probleme zuständig und sozusagen verpflichtet sind, mir zu helfen, und ich das fordern könnte. Das Evangelium befreit von dieser “Ich-im-Zentrum”-Perspektive. Wir können die sein, die damit anfangen, uns nach hinten zu stellen und den Nächsten nach vorn!

Was uns daran hindert, ist unser Stolz. Sind wir uns zu gut, um anderen zu dienen? Unser Stolz ekelt Gott – er ist ihm widerlich. Stolz ist der Grund, warum Menschen in die Hölle gehen. Den Ungläubigen hindert er, seine Verlorenheit und Schwachheit anzuerkennen und zu Jesus um Hilfe zu schreien.  Aber auch wir Gläubigen können geistlichen Stolz entwickeln, und das war das Problem der Galater. Stolz macht uns blind für unsere eigene Sünde und lässt uns auf denen herumhacken, die unsere Gesetze nicht befolgen. Wenn wir mal genau in den Spiegel gucken, werden wir unsere Schwachpunkte schon sehen, und dann haben wir genug an der Verantwortung für unsere eigenen Fehler und können uns über niemanden erheben.

Die Liebe gebietet uns auch, die zu unterstützen, die uns das Wort Gottes lehren. Sie nehmen damit eine gewaltige Verantwortung auf sich, denn Gott verlangt von ihnen Rechenschaft für das, was sie sagen (oder nicht sagen). Deswegen ist das auch nichts, worum man sich reißen sollte! Hier ist vor allem an materielle Güter gedacht, aber auch an geistliche Gemeinschaft, an Fürbitte, an das Abnehmen von Tätigkeiten, die den  zum Lehrdienst Beauftragten an seiner eigentlichen Aufgabe hindern (vgl. Apg.6).

Unser ganzes Leben funktioniert eigentlich nach dem Natur-Prinzip von Saat und Ernte. Wenn du Weizen säst, wächst kein Mais. Aus Apfelkernen entsteht kein Kartoffelbaum. Wer auf seine eigene Natur sät, wird von ihr den Tod ernten. Wer auf den Geist Gottes sät, wird von ihm das ewige Leben ernten. Das was du erntest, wird wesensmäßig dem entsprechen, was du gesät hast. Wir denken da oft unlogisch. Wir leben unserer eigenen Lust und wundern uns, dass wir die Gemeinschaft mit Gott verlieren. Wenn wir jede Gelegenheit ergreifen, um Gutes zu investieren, vor allem in die Gemeinde, die Familie Gottes, dann wächst auch Gutes. Wenn wir uns gehen lassen und unsere eigenen Interessen verfolgen, wird eine vergiftete Atmosphäre das Ergebnis sein.

Bei den Galatern gab es solche Menschen, die die ganze Gemeinde durcheinander brachten. Paulus deckt hier ihre wahren Motive auf. Sie wollen Ansehen in der jüdischen Community, und dafür opfern sie die Freiheit der anderen und drängen sie, sich beschneiden zu lassen. Sie wollen die Verfolgung und das Ärgernis des Kreuzes vermeiden. Der Teufel will uns immer einreden, es ginge auch ohne das Kreuz, und mit ein paar Kompromissen könnten wir die Härten entspitzen und das Ansehen der Gesellschaft gewinnen. Für Paulus dagegen ist das Kreuz die Mitte seines Lebens und seiner Botschaft. Es verurteilt sowohl die zügellose Sünde als auch die selbstgerechte Religiosität. Diese Dinge liegen hinter ihm; er ist ihnen gegenüber tot. Er weiß, dass vor Gott nicht zählt, wer wir sind und was wir tun, sondern nur die neue Schöpfung, Gottes eigenes Werk. Gottes Gnade genügt uns, und auf diesem Weg ist Frieden und Barmherzigkeit. Für diese Erkenntnis und für dieses Evangelium hat er so viel gelitten, und darum wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass die Galater und auch wir fest dabei bleiben!

Predgt-Nachlese: Freiheit – aber nicht zum Egoismus

Predigttext: Galater 5,13-26

Freiheit hat uns Gott geschenkt – das ist die Botschaft, die Paulus den Galatern deutlich machen will. Sie haben diese Freiheit des Evangeliums verlassen und sich neu der Einhaltung von Regeln und Gesetzen verschrieben, um das Wohlgefallen Gottes zu erlangen – ein völlig aussichtsloses Unterfangen!

Wir sind frei vom Gesetz – was bedeutet das? Können wir nun tun und lassen, wozu immer wir Lust haben? Tatsache ist: Wenn wir unseren egoistischen Wünschen und Begierden folgen, so ist das nur eine andere Art von Gefangenschaft. Die Freiheit, die Paulus meint, ist die Freiheit zur Liebe und zum Dienen.

Leider ist das Leben in dieser Freiheit oft nicht die Realität christlicher Gemeinden. Statt dessen verhalten wir uns eher “tierisch”. Wenn ihr euch aber kratzt und beißt, dann passt nur auf, dass ihr euch nicht gegenseitig auffresst, muss Paulus die Galater warnen. Woran liegt es, dass wir oft so handeln, obwohl wir Kinder Gottes sind? Die menschliche Natur (das Fleisch) widerstrebt dem Geist Gottes und der Geist Gottes ebenso der menschlichen Natur. Beide stehen gegeneinander, damit ihr nicht einfach tut, was ihr wollt, erklärt er ihnen. Ähnliches finden wir in Römer 7,18: Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meiner Natur, nichts Gutes wohnt. Es fehlt mir nicht am Wollen, aber ich bringe es nicht fertig, das Gute zu tun. Ich tue nicht das Gute, das ich tun will, sondern das Böse, das ich nicht will.

Wenn wir in der biblischen Freiheit leben wollen, müssen wir beständig wählen: Das “Fleisch”, unsere sündige, egoistische und eigenwillige Natur, ist mit Christus gekreuzigt. Wir sollen sie so ansehen, als gerichtet und erledigt. Wir sollen sie nicht nähren und pflegen und ihr irgendwelche Rechte einräumen! Statt dessen sollen wir das Auferstehungsleben Jesu, das der Heilige Geist uns vermittelt, wirksam werden lassen. Der Geist Gottes soll euer Leben bestimmen, dann werdet ihr den eigenen Begierden widerstehen können.

Was uns regiert, das zeigt sich an den “Früchten”, die wir bringen. Das sündige Natur bringt die Werke des Fleisches hervor. Sie beinhalten alles, was das Wesen dieser Welt ausmacht:  Ehebruch und alle Arten von ungeordneter Sexualität bis hin zu Orgien und wilden Partys, fehlgeleitete Religiosität wie Götzendienst (alles, was sich nicht Jesus unterordnet) und Zauberei (Esoterik und Drogen sind wieder groß in Mode), unmäßiger Alkoholgebrauch, um die Sinnlücke im Leben zu füllen, und alle Arten von lieblosem und selbstsüchtigem Verhalten. Wer darin lebt, der hat keinen Anteil am Reich Gottes.

Kann das nun einem Kind Gottes nicht passieren, dass es in so eine Sünde fällt? Und wenn doch, sind wir dann verloren? Wir kennen uns und unsere Fehlbarkeit ja nur zu gut! Auch wer Jesus liebt, kann noch sündigen, aber es ist nicht mehr sein Lebenselement. Er bereut es und bekennt es, und ihm wird vergeben. Aber: Wenn wir nun durch den Geist Gottes das neue Leben haben, so wollen wir es auch in diesem Geist führen! Dann wird auch die Frucht des Geistes in uns wachsen: Die Liebe, der Friede, die Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Dann erfahren wir das Leben, von dem Jesus spricht: Wenn jemand mein Jünger sein will, dann muss er sich selbst verleugnen, er muss täglich sein Kreuz aufnehmen und mir folgen. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben meinetwegen verliert, der wird es retten. Das ist die wahre Freiheit und der Weg zu einem glücklichen und erfüllten Leben.