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Predigt-Nachlese: Das Programm der Gnade Gottes

Am Sonntag war ich in einer anderen Gemeinde zu Gast, und siehe da! der Predigttext war eine Bibelstelle, die uns auch in meiner Heimatgemeinde in letzter Zeit immer wieder beschäftigt hat: Titus 2,11-14

Paulus schrieb an Titus: Ich habe dich zu dem Zweck in Kreta zurückgelassen, damit du das, was noch mangelt, in Ordnung bringst …. (Titus 1,5) An Pfingsten waren in Jerusalem auch Menschen aus Kreta zugegen gewesen. Sie hatten dort das Evangelium gehört und nahmen es mit nach Hause. Zur Zeit der Abfassung des Briefes an Titus, etwa 60 n. Chr., gab es auf dieser Insel schon in vielen größeren Städten christliche Gemeinden. Ihr gesellschaftliches Umfeld war geprägt von Gewalt, Faulheit, Betrug und Geldgier. Einer ihrer eigenen Dichter hatte folgende Diagnose gestellt: “Kreter sind immer Lügner, böse, wilde Tiere und faule Bäuche.” Paulus möchte, dass die Gläubigen anders leben und sich von ihrer sündigen und ausschweifenden Umgebung abheben. Im Titus-Brief werden verschiedene Personengruppen angesprochen und zu einem gottgefälligen Lebensstil ermahnt: alte Männer, alte Frauen, junge Frauen, junge Männer, Sklaven. Das Ziel ist, dass ihr Verhalten zu der Botschaft passt, die sie verkünden, und Gott Ehre macht. Dennoch geht es nicht nur um einen neuen Lifestyle oder einen höheren moralischen Standard. Das Evangelium kann nicht auf Moral reduziert werden.

Es geht um eine “sanfte Revolution” durch eine innere Veränderung.  Gott will uns zu einem Volk machen, das ihm gehört und eifrig ist, das Gute zu tun. Es geht nicht um Druck und Stress, sondern um die Motivation, die der Heilige Geist in uns wirkt, und die uns von innen heraus verändert, so dass wir den Willen Gottes gerne und aus Dankbarkeit tun. Der Weg zum Ziel ist nicht das Gesetz, sondern die Gnade. Sklaven der Sünde werden losgekauft, um Gott aus freien Stücken zu dienen.

So wie die Gnade hier beschrieben wird, spricht man eigentlich von einer Person, und so ist es auch. Unser Retter Jesus Christus ist die personifizierte Gnade, Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes.

Die Gnade Gottes nimmt uns in eine Charakterschule hinein. Sie macht uns besonnen = selbstbeherrscht und vernünftig (das betrifft unsere Beziehung zu uns selbst), gerecht (das betrifft unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen in unserem ganz normalen Alltag) und gottesfürchtig (da geht es um unsere Beziehung zu Gott). Aus der Kraftquelle der Gemeinschaft mit Gott zu schöpfen, verhindert Ausbrennen und Bitterkeit nach Enttäuschungen und in widrigen Umständen. Und die Gnade gibt uns ein Ziel: Wir werden ausgerichtet auf das Wiederkommen Jesu und ordnen alles dieser Erwartung unter. Wir wissen, wo wir hinwollen, und das prägt unser Leben und Verhalten.

Ein kleiner Kürbiskern, auf einen Misthaufen geworfen, kann eine reiche Ernte bringen.  Dass aus dem Kern Kürbisse wachsen, liegt an dem Programm, das in diesem Samen angelegt ist. So lässt das Programm der Gnade auf unserem Misthaufen das wachsen, was wir nie hervorbringen könnten: reichen Ertrag zur Ehre Gottes.

Predigt-Nachlese: Das Wirkprinzip des neuen Lebens

Der Predigttext für heute war Galater 5,16-25.

Geist und Fleisch, sagt unser heutiger Text, sind einander entgegengesetzt. Wir haben zwei Möglichkeiten, wie wir unser Leben führen: Im Geist oder im Fleisch. Es gibt nichts dazwischen, keine Grauzone, keinen neutralen Boden.

Nun kennen wir das alle nur zu gut, dass wir zwar wollen, was wir als richtig erkennen, aber es nicht schaffen, auch so zu leben, wie Paulus es so anschaulich in Römer 7 beschreibt: Denn was ich vollbringe, billige ich nicht; denn ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das übe ich aus…….das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das verübe ich.”

Woran liegt das? Wir sind doch Kinder Gottes, wiedergeboren durch den Heiligen Geist! Wenn wir nun durch den Geist leben, so lasst uns auch durch den Geist wandeln!” antwortet uns Paulus. Und wie soll das gehen?

Was man wissen muss: Das neue Leben ist ein anderes Leben. Es funktioniert auf völlig verschiedene Weise.  Wenn wir zum Glauben kommen, wird nicht das alte Leben neu gestartet, die moralische Version in einem neuen Wertesystem sozusagen – sondern wir steigen ein in ein ganz neues Leben, das nicht auf unserer eigenen Kraft und Anstrengung beruht, sondern das der Heilige Geist in uns bewirkt. Das was als Frucht des Geistes beschrieben wird: Liebe, Friede, Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit, sind keine Herausforderungen an unser Fleisch, jetzt alles besser zu machen. Es sind Verheißungen für den Wandel im Geist, Gottes eigene Wesenszüge, die er durch seine eigene Kraft in uns ausgestaltet.

Denn wir können es nicht. Unser Fleisch ist vollkommen kraftlos, Gottes Willen zu tun. Es gehört ans Kreuz. Da hat Gott das Urteil über unsere Leidenschaften und Begierden, das ganze selbstsüchtige Ich-Leben, gesprochen. An uns ist es, das anzuerkennen und darin einzuwilligen, und Gott machen zu lassen, Platz zu machen für ihn.

In der Praxis geschieht das, indem wir die Gemeinschaft mit Gott pflegen. Durch das Lesen der Bibel bekennen wir unseren Mangel: Wir haben keine Weisheit, aber wir suchen sie bei ihm. Wir wollen seine Wege lernen, wir brauchen seine Unterweisung und seine Zusagen. Und durchs Gebet geben wir unsere Hilflosigkeit und Abhängigkeit zu erkennen: Wir können nicht, aber er kann. Wir brauchen ihn, um dieses neue Leben zu leben. Und so wie wir in der Erkenntnis unserer Schwachheit zunehmen und uns Gott überlassen, wächst die Frucht des Geistes in uns.