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Predigt-Nachlese: Führen durch Vorbild

Predigttext: Apostelgeschichte 20,28-38

footprints-2237 Als Jesus seinen Jüngern die Füße wusch, sagte er: Macht es mir nach! Tut füreinander, was ich für euch getan habe! Er hat mit Worten gelehrt, aber er hat es auch vorgemacht, und wir sollen seinem Beispiel folgen.

Das ist das biblische Leitungsmodell: Leiten durch Lehren und Vorbild. Dem jungen Timotheus schreibt Paulus:

Du musst aber den Gläubigen in allem, was du sagst und tust, ein Vorbild sein, ein Vorbild in deiner Liebe, in deinem Glauben, in deiner Reinheit. Widme dich bis zu meinem Kommen ganz dem Vorlesen der Heiligen Schrift, dem Ermutigen der Gläubigen und dem Lehren. (1.Tim. 4,12.13)

Den Philippern kann er empfehlen:

Handelt nach dem, was ihr von mir gelernt und gehört, und was ihr auch an mir gesehen habt! Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein. (Philipper 4,9)

Petrus sieht das genauso: Die Ältesten sollen die Gemeinde nicht mit Druck und Zwang führen, sondern durch ihr gutes Vorbild.

Dass er genau das getan hat, war der Grund für den Erfolg von Paulus. Er war bereit, sein Leben für die Gemeinde hinzulegen. So hatte er es von Jesus gelernt, und das wollte er andere durch sein eigenes Vorbild lehren. Sein Appell war immer: Hört auf, euch selbst zu leben! Lebt als Mit-Gekreuzigte und Mit-Auferstandene! Das Kreuz ist das Ende von “Ich möchte, ich brauche, ich erhebe Anspruch auf die Erfüllung meiner Bedürfnisse!”. Das neue Leben ist ein Leben als lebendiges Opfer, das Gott für seinen Dienst zur Verfügung steht. Nun wissen wir, was Gott von uns erwartet – aber wie kommen wir dahin? Zuallererst müssen wir durch die Gnade eine neue Kreatur werden. Dann brauchen wir eine völlige Veränderung unserer Denkrichtung, eine gründliche “Gehirnwäsche” durch das Wort Gottes. Es muss den ganzen Dreck weltlichen Wesens aus uns rausspülen, all die sündigen Handlungs- und Denkmuster. Dabei ist die Heilige Schrift das ideale Werkzeug: ein Spiegel, um uns unser wahres Gesicht zu zeigen, ein Hammer, um unsere Rebellion zu zerschmettern, ein Analysetool für unsere Motive, ein Scheinwerfer, der uns ins Licht Gottes stellt …

Sie lehrt uns die Wahrheit zu erkennen, überführt uns von Sünde, bringt uns auf den richtigen Weg und erzieht uns zu einem Leben, wie es Gott gefällt. Mit der Schrift ist der Mensch, der Gott gehört und ihm dient, allen seinen Aufgaben gewachsen und zu jedem guten Werk gerüstet. (2.Timotheus 3,16.17)

Als Paulus nun den Ältesten von Ephesus die letzten Instruktionen gibt, erinnert er sie noch einmal daran, wie er es gemacht hat: in Demut, mit Tränen und in Anfechtungen hat er 3 Jahre lang Tag und Nacht jeden Einzelnen ermahnt. Gericht und Gnade – den ganzen Ratschluss Gottes – hat er verkündigt ohne Rücksicht auf sich selbst. Er hat gearbeitet und gegeben. Nun sieht er Probleme von innen auf die Gemeinde zukommen, falsche Lehrer, die er als Wölfe bezeichnet. Als erstes sollen die Leiter auf sich selbst aufpassen. Sie stehen ganz vorne in der Schusslinie des Feindes. Stolz, Selbstbetrug, Verführung und Nachlässigkeit können sie von ihrer wichtigen Aufgabe abhalten, die Herde Gottes zu weiden und zu beschützen. Ja, nicht nur das Ernähren ist wichtig, sondern auch die Wachsamkeit, die Warnung und Verteidigung! Nachdem Paulus alles getan hat, was er konnte, übergibt er sie Gott und dem Wort seiner Gnade. Am Ende ist es nicht der Knecht, sondern der Herr selbst, der durch sein Wort seine Gemeinde schützt und nach Hause bringt.

Was nun folgt, ist eine Abschiedsszene mit vielen Tränen. Sie führt uns noch einmal die tiefe, warmherzige Beziehung zwischen dem Apostel und der Gemeinde vor Augen. Er liebte sie, und sie hingen an ihm. Sie würden sich erst in der Ewigkeit wiedersehen.

Werdet also Nachahmer Gottes – ihr seid doch seine geliebten Kinder – und lasst euer Verhalten von der Liebe bestimmen, so wie auch der Christus seine Liebe bewiesen hat, als er sein Leben für uns hingab. Er brachte sich als eine Opfergabe dar, an der Gott großes Gefallen hatte. (Epheser 5,1.29)

Predigt-Nachlese: Ein Leben rückhaltloser Hingabe

Apostelgeschichte 20

Paulus war ein unermüdlicher Evangelist, der Menschenseelen zu gewinnen suchte. Aber damit endete es für ihn nicht. Er war auch und vor allem durch und durch ein Hirte. Er liebte die Gemeinde Gottes leidenschaftlich und war bestrebt, nicht nur durch Worte, sondern durch sein ganzes Leben zu zeigen, wie Nachfolge Jesu aussieht. Dabei ging es ihm immer um die Ehre Gottes. Er wollte keine Bewunderer seiner eigenen Person um sich sammeln, sondern lebendiges Anschauungsmaterial für ein Leben der Hingabe an unseren Gott und Retter sein.

In Ephesus war sein Dienst so effektiv gewesen, dass die ganze Provinz Asien nach zwei Jahren von der Botschaft durchdrungen war. Schließlich wurde die Abkehr so vieler Menschen vom Götzendienst zu einer wirtschaftlichen Bedrohung für die Devotionalien-Händler des Artemis-Tempels. Sie zettelten einen Aufruhr an, und Paulus musste Ephesus verlassen. Er durchzog dann Mazedonien und Griechenland, besuchte die Gläubigen und ermutigte sie. In dieser Zeit entstanden vermutlich auch einige seiner Briefe, die uns bis heute mit dem reichen Schatz seiner Theologie versorgen. Wir erfahren darin aber auch viel über seine Lebensführung und die Art, wie er die Beziehungen in der Gemeinde gelebt hat: Seine Liebe, seine Arbeit, sein Leiden, seine Hingabe, seine Nachfolge ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben. Wir gewinnen Einblick in seine äußere Bedrängnis und in seine emotionalen Belastungen. Er kennt Anfechtungen durch Ängste und Mutlosigkeit, aber er nutzt seine Erfahrungen mit dem tröstenden und barmherzigen Gott, um andere zu trösten.

In unserem Kapitel finden wir einen Mann, der weiß, dass er für diesen Dienst nicht mehr viel Zeit hat. Man spürt ihm eine gewisse Dringlichkeit ab. In Troas versammeln sich die Gläubigen am ersten Tag der Woche, um das Brot zu brechen und der Unterweisung des Apostels zuzuhören. Was er ihnen noch sagen will, das packt er alles in dieses Treffen hinein! Mitternacht ist längst vorbei, und die angezündeten Öllampen verbrauchen den Sauerstoff in der Luft. Da kann man schon mal müde werden! Ein junger Mann namens Eutychus wird vom Schlaf überwältigt, fällt aus dem Fenster aus dem 3. Stock und wird tot aufgehoben. Wie Elia im Alten Testament wirft Paulus sich betend über ihn, beruhigt die Geschwister und versichert ihnen, dass der junge Mann lebt. Dieser Zwischenfall bremst aber seinen Eifer keineswegs (und ich vermute, jetzt waren auch alle wach!!), und er redet weiter bis zum Morgen! Dann reist er ab.

Während die übrigen seines Reise-Teams mit dem Schiff lossegeln, geht Paulus eine Strecke zu Fuß (über die Gründe habe ich hier mal gemutmaßt) und trifft dann in Assos wieder mit ihnen zusammen. Obwohl er für die Gemeinde in Ephesus noch so viel auf dem Herzen hat, beschließt er, dort nicht Station zu machen, weil er es eilig hat, nach Jerusalem zu kommen. Er ruft aber die Ältesten von Ephesus nach Milet herüber, um noch einige wichtige Dinge mit ihnen zu besprechen. Er muss sie noch einmal an sein Beispiel erinnern. Er hat dem Herrn bei ihnen gedient in Mühen, Demut und Tränen. So sollen sie auch dienen! Er hat das Wort treu verkündigt und nichts ausgelassen. Er hat ihnen die Gnade verkündigt, die er selbst als der größte der Sünder erfahren hatte, aber auch den Ernst der Heiligkeit Gottes und den Preis der Nachfolge – und er hat ihnen gezeigt, dass dieser Weg der Weg der Freude ist! Er ist in aller Traurigkeit immer fröhlich, und in seiner Armut macht er – nach dem Muster seines Meisters – viele reich. Sein Leben wirft er gerne in die Waagschale für das Evangelium. Ein lebendiges Opfer zu sein – das war nach allem, was Jesus für ihn getan hat, ein alternativloser Lebensstil! Dazu fordert er auch uns auf.

Wollen wir das?

Predigt-Nachlese: Glaube – eine Art magische Kraft oder Vertrauen in Gottes Versprechen?

Predigttext: Hebräer 11, 1-4

Wenn die Bibel von Glauben spricht: Was meint sie damit? Was ist das, und was bewirkt das in denen, die glauben?

Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung ist Glaube keine Macht, durch die man Wirklichkeiten erschaffen kann. Manche Verkündiger behaupten, man könnte Dinge “in Existenz glauben”: Heilung, Wohlstand, die Rettung von Menschen, die wir lieben. Wenn es dann nicht funktioniert, hat der Glaubende ruck-zuck den Schwarzen Peter: Er hat eben nicht genug geglaubt.

Von solchen Psycho-Spielchen weiß die Bibel nichts. Der biblische Glaube lebt in unvollkommenen Menschen, die Fehlschläge, Herausforderungen, Spott, Verfolgung und Tod erleben, und hält stand. Er ist nicht eine Macht, die man besitzt, sondern die Gabe Gottes, IHM und seinem Wort in jeder Lage das volle und unerschütterliche Vertrauen zu schenken. Ein Mensch, der Gott so vertraut, hat gar kein Interesse daran, eigene Vorstellungen und Wünsche durchzuboxen und die Realität entsprechend zu formen, denn er weiß, dass das, was Gott in sein Leben hinein ordnet, das Beste für ihn ist.

Biblischer Glaube ist eine ganz zweifelsfreie Hoffnung und Gewissheit über Dinge, die die natürlichen Augen nicht sehen können: Gott wird halten, was er verspricht. Der natürliche, weltliche Mensch kann das nicht verstehen. Seine oft gehörte Devise heißt: Ich glaube nur, was ich sehe! Der Glaubende dagegen erfährt: Ich sehe, was ich glaube! Glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben! sagt Jesus. Das gibt eine ganz andere Einstellung zu allem, was mir widerfährt. Warum kann Stephanus, als er unter dem Steinhagel sterbend den Himmel offen sieht, seinen Feinden vergeben? Weil er weiß, dass er etwas hat, für das es sich zu leben und zu sterben lohnt!

Hebräer 11 zeigt uns, dass das Prinzip des Glaubens nichts Neues ist und nicht erst im Neuen Testament auftaucht.Durch Glauben wissen wir, dass Gott die Welt durch sein Wort aus Nichts gemacht hat. Er ist der Einzige der dabei war, und nur ER kann uns darüber informieren. Und dann konnte der Mensch nach dem Sündenfall und dem Ausschluss aus der Gegenwart Gottes sich nur noch durch Glauben an dem Versprechen Gottes festhalten, dass er einen Erlöser schicken würde, der den Bruch wieder heilt. Die Ersten, in denen wir die Auswirkungen von Glauben und Unglauben erkennen können, sind Kain und Abel. Während Abel das Opfer bringt, das in seinen eigenen Augen recht ist (das ist übrigens das Wesen aller falschen Religion), bringt Abel das blutige Opfer, das Gott fordert, und das auf das Lamm Gottes hinweist, das die Sünde der Welt wegnimmt – Jesus. Obwohl er ja nur Puzzleteile und Bruchstücke der Wahrheit hat, erkennt er dadurch an, dass in keinem anderen das Heil ist und kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen! Er besitzt diesen Glauben an die Heilsinitiative Gottes, der unsere Sünde auf Jesus legt und uns im Austausch dafür seine Gerechtigkeit gibt! Genau das ist die Essenz und Basis des Glaubens, von dem in Hebräer 11 die Rede ist und der in den dort beschriebenen Glaubensvorbildern lebte und uns zur Nachahmung anregen soll.

Zwei Opfer und ein Mord: Kain und Abel

Manche Geschichten in der Bibel beunruhigen uns wegen dem, was sie nicht erzählen. Im Fall von Kain und Abel bewegt uns die Frage: Warum nahm Gott das Opfer von Abel an, aber das von Kain nicht?

Die Welt war noch jung und das Wissen um Gott noch frisch, als diese beiden geboren wurden. Als Kain zur Welt kam, scheint Eva vor Stolz und Optimismus fast zu platzen: “Ich habe einen Mann erworben mit dem Herrn!” Dieser Junge, fand sie, war eine tolle Errungenschaft – Kain bedeutet: Erworbenes, Gewinn. Und dann kommt Nummer Zwei, und sie nennt ihn Abel: Hauch, Nichtigkeit. War er vielleicht klein und schwächlich?  Oder hat sich ihre Perspektive zwischenzeitlich verändert? Wir wissen es nicht. Fest steht, sie hat diese Namen nicht aus dem Buch der schönsten Vornamen ausgewählt, sondern sie wollte damit etwas aussagen über ihre Kinder. Kannst du dir vorstellen, wie sie sie zu Tisch rief? “He, Gewinn und Nichtigkeit, kommt rein! Das Essen ist fertig!” Ob diese Namen nicht ihre Beziehung zueinander und ihr Bild von sich selbst prägten?

Sie schlugen verschiedene Laufbahnen ein: Kain als Ackerbauer und Abel als Schafhirte. ich habe mich gefragt, warum jemand Schafe züchtete zu einer Zeit, als noch gar kein Fleisch gegessen wurde, denn wenn ich es recht verstehe, wurde Fleisch als Nahrung erst nach der Sintflut eingeführt. Vermutlich dienten die Tiere also nur als Milchquelle und lieferten Felle oder Wolle zur Bekleidung. Der Sündenfall hatte die Scham mit sich gebracht und die Notwendigkeit, für Bedeckung zu sorgen. Abels Schafe waren eine Erinnerung daran. Natürlich wurde auch Kain immer wieder an die große Katastrophe erinnert, wenn er sich mit Disteln und Dornen abplagte, aber er überwand sie durch die Kraft seiner Arme und trotzte dem Erdboden die Feldfrucht ab.

Beiden Brüdern  war Gott nicht egal, und sie sehnten sich nach seinem Wohlgefallen. Deshalb brachten sie auch beide ein Opfer. Kain brachte Gott etwas dar von dem, was er angebaut hatte, und Abel nahm etwas von den Erstgeborenen seiner Herde und schlachtete es für Gott. Wie sie auf die Idee kamen, so etwas zu tun, wird uns nicht gesagt; es scheint irgendwie im Menschen drin zu stecken, durch ein Opfer mit Gott in Beziehung zu treten. Und nun steht im Hebräerbrief (11,4): Durch den Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain. Gott nahm Abels Opfer an, um zu zeigen, dass er in seinen Augen gerecht gesprochen war. Im Umkehrschluss heißt das: Kain brachte sein Opfer nicht durch Glauben dar! Aber er glaubte doch, oder bringen etwa Ungläubige Opfer für Gott?! Es scheint also zwei Arten Glauben zu geben! Und es scheint Opfer zu geben, die Gott akzeptiert, und solche, die er nicht akzeptiert. Dem einen Opfernden sagt Gott: Ich nehme dich an, du bist vor mir gerecht! und dem anderen zeigt er die kalte Schulter. Dabei hat der so hart dafür gearbeitet!

Was war das denn für ein Glaube, durch den Abel das bessere Opfer brachte? Glaube ist das feste Vertrauen auf Gottes Versprechen, obwohl man nichts davon sieht. Die Glaubens-Menschen, von denen im 11. Kapitel des Hebräerbriefs die Rede ist, kennen den unsichtbaren Gott. Sie rechnen mit seinen Zusagen und bauen ihr ganzes Leben darauf. Welche Zusage von Gott kannte Abel denn überhaupt? Wohl doch die, die Gott seinen Eltern gegeben hatte: Dass ein Erlöser kommen sollte, der die Schlange überwinden würde! Wer das glaubt, erkennt an, dass er einen Erlöser braucht, dass er sonst verloren ist, und Abel, der nichtige Hauch, hatte damit kein Problem. Er kam zu Gott als ein  versöhnungsbedürftiger Sünder und empfing Gnade. Denn das ist Gottes “Grundgesetz”: „Gott widersetzt sich den Hochmütigen, nur den Demütigen erweist er Gnade“ (1. Petrus 5,5) . Obwohl das nicht ausdrücklich so gesagt wird, kann man annehmen, dass Abel durch diesen Glauben auch die Einsicht gewann, dass nur ein Schlachtopfer ihm Zugang zu Gott geben konnte, denn ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung (Hebräer 10,22).

Nun wurde Kain aber zornig! Wenn einer unverdient Gnade empfängt, während der, der sich abmüht, leer ausgeht – das ist schwer zu verkraften. Kain ist da nicht der Einzige – er kann  mit allen Pharisäern und Selbstgerechten dieser Welt einen Verein gründen. Gott sah die schwarze Lava in seinem Herzen aufsteigen, und in seiner Freundlichkeit versuchte er, ihn zur Einsicht und Umkehr zu bringen, aber Kain ignorierte ihn. Die Katastrophe nahm ihren Lauf: Er lockte seinen Bruder aufs Feld und erschlug ihn. Auch das hat sich seither vieltausendfach wiederholt. Wer auf Gottes Ermahnung zur Umkehr nicht hört, dessen Herz wird hart und härter, bis er Dinge tut, die man nicht mehr ungeschehen machen kann.

Gott lässt den Mord zu, wie er auch den Mord an Seinem Sohn zuließ und wie er die Verfolgung von Christen in Vergangenheit und Gegenwart nicht verhindert hat. Aber während Abels Blut Kain vor Gott anklagte, bewirkt Jesu Blut Vergebung für alle, die ihre Bedürftigkeit demütig zugeben können.

Bist du Kain oder Abel?

Predigt-Nachlese: Das Opfer

Predigttext war Lukas 22,1-20

Die Geschichte der Menschheit hat einen Kulminationspunkt – das Kreuz von Golgatha.

Im Garten Eden hatte der Mensch ungehinderte Gemeinschaft mit Gott; das war buchstäblich der Himmel auf Erden. Aber durch die Einwilligung des Menschen in die Sünde ist diese Gemeinschaft zerbrochen, und das Herz des Menschen, das zuvor in Gott sein ganzes Glück fand, wurde verhärtet und bekam eine Neigung zum Bösen. Gott jedoch hatte schon vor Grundlegung der Welt einen Rettungsplan ersonnen, und für diese Rettung war ein vollkommenes, sündloses Opfer nötig. Das Kreuz ist die perfekte Lösung  unseres Problems: Dort opferte sich Jesus, der Heilige und Gerechte, der nie gesündigt hatte, für uns. Und nun haben wir durch dieses Opfer Vergebung, Erneuerung unseres Herzens und die Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Gott. Zu all dem können wir nichts dazutun – es ist rundum das Werk Gottes. Und er rettet uns nicht, weil wir solche Schätzchen sind, sondern weil es in seinem Wesen liegt, dass er retten will. Er hat es beschlossen und er tut es: Hesekiel 36,25-27.

Seit dem Sündenfall weist Gott immer wieder darauf hin, dass durch ein Opfer die Gemeinschaft wiederhergestellt wird. Aber alle Opfer waren immer nur ein Schatten des einen wahren Opfers. Sie reden vom Kreuz, von der endgültigen Versöhnung. Sie ließen die Gewissen nicht wirklich zur Ruhe kommen, weil sie nicht wirklich angemessen waren, weil Tierblut nicht wirklich Sünden wegnehmen kann. Das Opfer Jesu kann das, weil es vollkommen war, und es hat das Problem der Trennung von Gott ein für allemal erledigt. Das Kreuz ist die Kraft Gottes.

In unserem Text heute nun setzt Jesus das Abendmahl ein, und zwar anlässlich des Passahfestes. Dieses Fest erinnerte an die Erlösung Israels aus der Bedrückung durch die Ägypter und an das Opferlamm, das ihnen diese Befreiung erkauft hatte. Im Ritus des Passahfestes gab es 4 Kelche; jeder davon war mit einer Verheißung Gottes verbunden. Der 3. Kelch hieß Kelch der Segnung und das damit verbundene Versprechen hieß: “Ich will euch erlösen”., Diesen Kelch setzt Jesus jetzt als den Kelch des Bundes ein, den er mit uns schließt, und der Weg in diesen Bund ist sein Blut, das er für uns gibt. Wie die Israeliten sich immer wieder an den Auszug aus Ägypten erinnern sollten, so sollen wir uns daran erinnern, dass das Blut Jesu uns befreit und vor dem Gericht schützt. Denn Gericht haben wir verdient, weil Gottes Gerechtigkeit verlangt: Wer sündigt, muss sterben.

Während Judas durch seinen Verrat die Mordpläne der Pharisäer ermöglichte, erfüllte sich der Plan, den Gott schon lange gefasst hatte. Er würde von seiner Seite die Gemeinschaft mit den Menschen wieder instand setzen. Das Versprechen des 4. Passah-Kelches (der nicht zum Abendmahl gehört) lautet: “Ich werde euch zu mir selbst nehmen”. Wir können jetzt schon die Gemeinschaft mit Gott genießen, aber wir warten noch auf die vollkommene Wiederherstellung, wie sie in der Offenbarung beschrieben wird (19,1-6):

Dann sah ich einen ganz neuen Himmel und eine völlig neuartige Erde. Der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, auch das Meer gab es nicht mehr. Ich sah, wie die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkam. Sie war schön wie eine Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat. Und vom Thron her hörte ich eine laute Stimme rufen: „Jetzt ist Gottes Wohnung1 bei den Menschen. Unter ihnen wird er wohnen und sie werden alle sein Volk sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Jede Träne wird er von ihren Augen wischen. Es wird keinen Tod mehr geben und auch keine Traurigkeit, keine Klage, keinen Schmerz. Was früher war, ist für immer vorbei.“  „Seht, ich mache alles ganz neu!“, sagte der, der auf dem Thron saß, und wandte sich dann zu mir: „Schreib diese Worte auf! Sie sind wahr und zuverlässig.“ Und er fuhr fort: „Nun ist alles erfüllt. Ich bin das Alpha und das Omega2, der Ursprung und das Ziel. Wer Durst hat, dem werde ich umsonst zu trinken geben: Wasser aus der Quelle des Lebens.

Der Wille des Vaters war das Kreuz

Der Wille des Vaters war das Kreuz.
Wir können es nicht fassen.
Wie kann er den geliebten Sohn
Sadisten überlassen?

***

Es war der Sohn zu gehen bereit,
bereit, sich ganz zu geben,
durch seinen Tod uns zu befrei´n
zu Überfluss an Leben.

***

Wie flutet die Liebe Gottes tief!
Und die, die von ihr tranken,
die können gar nichts and´res tun
als staunen, loben, danken!