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Lernen von Petrus

Stell dir vor, wohin immer du kommst, kennt jeder all den Mist, den du jemals gebaut hast. So muss es Petrus gegangen sein. Gleich, welches der vier Evangelien die Leute gelesen hatten, sie wussten schon: Ach, du bist der, der so schnell ist mit seiner Zunge, der sich einbildete, er könnte den Herrn zurechtweisen, der auf dem Berg der Verklärung wirres Zeug redete, nur um was zu sagen, und der so großmäulig leere Versprechungen machte und dann den Herrn im Stich ließ und verleugnete. Und und und … .rooster-310266_1280 Wenn das noch nicht genug war, kannten sie vielleicht noch den Galaterbrief, wo Paulus – auch nicht zimperlich – beschreibt, wie Petrus wieder besseres Wissen vor den gesetzlichen Juden einknickte und sich an seinen Brüdern aus den Heiden versündigte, indem er sie praktisch verleugnete.

Diese ständige Erinnerung war gut für Petrus. Und so oft er ermahnt werden musste – er hat es angenommen. So konnte er nie vergessen, wie unfähig er war, und wie groß die Gnade war, die ihn in den Dienst berufen hatte.

Was mich an Petrus beeindruckt, ist sein ungebrochenes Vertrauen in die Liebe Jesu. Er macht Fehler, aber er verkriecht sich danach nicht und badet in Scham und Selbstmitleid. An ihm kann man studieren, wie Jesu vollkommene Liebe die Furcht austreibt. Er geht Jesus nicht aus dem Weg, nachdem er ihn verleugnet hat, sondern er sucht seine Nähe. Er sondert sich auch nicht von den Jüngern ab und pflegt eine “Ich kann nichts, ich bin nichts”-Depression. Er weiß, dass der, der ihn in seinen engsten Kreis berufen hat, ihn nicht aufgibt. Jesus hatte ihm versprochen: “Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhört. Und wenn du zurückkehrst, dann stärke deine Brüder!” Die Beziehung zu Jesus konnte durch seine Schwachheit nicht zerstört werden, und auch eine Aufgabe würde es noch für ihn geben. Und sogar, ganz am Ende, eine zweite Chance, seine Absichtserklärung wahrzumachen! Er bekam das Privileg, für Jesus zu sterben, nachdem der Heilige Geist ihn   im Lauf eines langen Lebens völlig verwandelt hatte.

Was für eine Hoffnung gibt uns das! Unser Versagen ist nicht das Ende! Wenn wir damit zu Jesus kommen und seine Seelsorge in Anspruch nehmen, vergibt er uns nicht nur, er stellt uns wieder her. Und er tut das nicht nur einmal, sondern wieder und wieder.

Predigt-Nachlese: Gnade für (andere) Sünder – und unsere Reaktion

Predigttext: Apostelgeschichte 11

Warum erzählt man etwas dreimal hintereinander? Wohl weil es um sehr einschneidende Dinge geht, die alles bisher Bekannte auf den Kopf stellen.

Diese Qualität hatten die Erlebnisse, die Petrus im 10. Kapitel der Apostelgeschichte machte. Gott rückte ihm mit einer Vision sein jüdisches Reinheitsdenken zurecht, weil ER vorhatte, auch Heiden als Kinder und Erben in sein Reich aufzunehmen. So wird zuerst erzählt, wie Gott sowohl Cornelius als auch Petrus auf dieses Neue vorbereitete. Dann folgt der Bericht, wie die beiden zusammentrafen und sich gegenseitig ihre Geschichten erzählten. Schließlich verkündigte Petrus Cornelius und seinen Freunden das Evangelium, und sie glaubten ihm. Gleichzeitig fiel der Geist Gottes auf sie, und Petrus musste staunend das Handeln Gottes anerkennen und taufte sie.

Soweit – so gut! Aber in Jerusalem gab es große Aufregung unter den dortigen Christen aus der Beschneidung. “Was? Petrus hat mit unreinen Heiden gewohnt und sogar mit ihnen Tischgemeinschaft gehabt? Das ist gegen das Gesetz! “ Als Petrus dort auftauchte, machten sie ihm ordentlich Stress. Zwar hatten sie selbst die Gnade Gottes gerne angenommen, aber sie waren immer noch dem alten Stolz verhaftet, dass sie als Israeliten über die Heiden erhaben wären, durch Gehorsam gegen die Gebote von ihnen abgehoben und getrennt. Ja, Gott hatte wohl gesagt, dass er auch die Heiden retten wollte, aber selbstverständlich müssten sie dann erst mal Juden werden und sich beschneiden lassen, und dann könnten sie den Messias annehmen!

Es ist so leicht (auch für uns!), zu vergessen, dass Gnade einfach Gnade ist, und nichts was wir erworben oder verdient haben! Nicht, was wir tun, macht uns besonders – was ER getan hat, macht uns besonders! Und deshalb gibt es nicht den geringsten Grund, sich über irgend jemand zu erheben, den Gott zu sich zieht, obwohl er nicht alles einhält, was wir für wichtig erachten.

So kam es, dass Petrus seine Geschichte noch einmal präsentierte. Sechs weitere Brüder, die Zeugen dieser Geschehnisse waren, konnten seine Worte bestätigen. So setzte er es den Kritikern der Reihe nach auseinander, bis sie sich beruhigten und feststellten: „Gott hat also auch den Nichtjuden die Umkehr zum Leben ermöglicht!“

Diese Einsicht war unerlässlich, damit der Missionsbefehl ausgeführt werden konnte  “bis an die Enden der Erde”, “allen Völkern”. Nachdem das geklärt ist, greift der Chronist Lukas wieder die Geschichte der Jünger auf, die durch die Verfolgung Jerusalem verlassen mussten und sich überall hin zerstreut hatten. Einige von ihnen waren nach Antiochia gekommen, eine der bedeutendsten Städte des römischen Reiches. Wichtige Handelswege kreuzten sich hier und brachten Wohlstand mit sich. Aber auch für Götzendienst und Unmoral war sie bekannt. Und diese Jünger, deren Namen uns nicht genannt werden, wagten etwas Neues. Bis jetzt hatten sie nur anderen Juden das Evangelium weitergesagt, aber nun erzählten sie es den Heiden – und die glaubten und bekehrten sich zu Jesus!

Es waren nicht nur eine Handvoll, die die Botschaft annahmen, sondern viele! Es war ein eindeutiges Wirken des Heiligen Geistes durch die Verkündigung dieser einfachen Jünger, von denen wir noch nicht einmal wissen, wie sie heißen. Die erste heidenchristliche Gemeinde entstand, und die Nachricht davon erreichte die Gemeinde in Jerusalem. Sie schicketn Barnabas, den Bruder, der dafür bekannt war, dass er die Gabe der Ermutigung hatte, und ein Mann voller Güte und Geduld und Glauben  und Heiligem Geist war.

Barnabas sah die Gnade – und freute sich ohne Abstriche! Er “war sehr glücklich, als er sah, was durch die Gnade Gottes entstanden war. Er machte allen Mut, dem Herrn mit ganzem Herzen treu zu bleiben.”

Nicht jeder kann sich über Gnade freuen. Die gute Nachricht zieht Sünder an, verzweifelte, kaputte Menschen, die nichts Gutes vorzuweisen haben in ihrem Leben. Nichts störte die Pharisäer mehr, als dass Jesus Sünder annahm! Deswegen erzählte er ihnen die Geschichte vom verlorenen Sohn. Ehe er eine Wiedergutmachung auch nur anbieten konnte, kam der Vater ihm schon entgegengerannt und schloss ihn in die Arme. Das ist der “Skandal” der Gnade, dass sie keine Vorleistung verlangt, und es gibt immer einen “älteren Bruder”, der es nicht ertragen kann, dass all seine guten Werke ihn nicht besser positionieren als einen begnadigten Sünder. Wir wollen aufpassen, dass wir immer auf dem Boden der Gnade stehen bleiben und nicht wieder auf Werke vertrauen.

Dann können wir uns freuen, wenn Gott nicht nur uns, sondern auch anderen vergibt: “Wer ist solch ein Gott wie du, / der dem Rest seines Eigentums / die Schuld vergibt und die Vergehen verzeiht! / Du hältst nicht für immer an deinem Zorn fest, / denn du liebst es, gnädig zu sein. Er wird wieder Erbarmen mit uns haben, / er wird niedertreten unsere Schuld! / Ja, du wirfst all unsere Sünden / in die Tiefen des Meeres hinab.” (Micha 7,18.19. NEÜ)

Predigt-Nachlese: Zum Dienen befreit

Predigttext: Apostelgeschichte 9,36-43

Tabita war eine Frau aus Joppe, und sie wird hier eine Jüngerin genannt. Irgendwo hatte sie das Evangelium gehört und angenommen, und dieses “Wort vom Kreuz” erwies sich in ihrem Leben als Gottes Kraft. Sie wurde völlig verwandelt. Sie hatte Frieden mit Gott gefunden, weil ihre Sünden vergeben waren. Die Liebe Gottes wurde in ihr Herz ausgegossen, und nun gab sie diese Liebe weiter – nicht etwa um sich mit guten Taten ihr Heil zu verdienen, sondern aus Dankbarkeit und Liebe für ihren Erlöser. Diese Liebe ließ sie die Nöte der Witwen um sich herum wahrnehmen. Sie waren in der damaligen Gesellschaft das schwächste und verletzlichste Glied. Sie begann, für sie das zu tun, was sie gut konnte: Sie nähte ihnen Kleidung.

Jeder hat eine Gabe – die Frage ist: Stellen wir sie Gott zur Verfügung? Ob wir nun beten, ermutigen oder putzen – tun wir es für ihn? Dabei ist keine Arbeit zu gering – auch praktische Dienste können geistlich getan werden. Der Herr sucht bei uns die Verfügbarkeit  für die Nöte unserer Geschwister, die Bereitschaft, von Herzen zu dienen, ohne uns damit profilieren oder auf ein Podest stellen zu wollen. So war Tabita, sie wollte einfach “des Herrn Magd” sein.

Und dann wurde diese Frau krank und starb. Man bahrte sie auf, und der Schmerz derer, die sie geliebt hatten und die meinten, sie doch noch zu brauchen, ergoss sich in lautem Weinen und Klagen. Wer sollte sie ersetzen?  In dieser Not wussten sich die Jünger vor Ort nicht anders zu helfen, als nach Petrus zu schicken. “Komm! Aber schnell, bitte!”

Bei Petrus finden wir nun dieselbe Einstellung wie bei Tabita. Wenn der Herr ihn rief, den Geschwistern in Joppe beizustehen, so musste man ihn nicht zweimal bitten. Er machte sich sofort auf den Weg, etwa eine Tagereise weit. Er fand dort die weinenden Frauen vor, die ihm erzählten, was Tabita ihnen bedeutet hatte. Das Trauern im Mittleren Osten ist lautstark und durchdringend, deswegen schickt Petrus sie alle hinaus. Petrus braucht Ruhe für die Zwiesprache mit Gott, um zu wissen, was er tun soll. Dieser Mann Gottes, durch den so viele Wunder geschehen sind, hat es nicht “in der Tasche”. Er ist kein Wunderheiler geworden, sondern vollkommen von Gott abhängig. Aus sich selbst kann er nichts tun. “Er kniete nieder und betete. Schließlich wandte er sich zu dem Leichnam und sagte: „Tabita, steh auf!“ Da öffnete sie die Augen. Und als sie Petrus erblickte, setzte sie sich auf. Er fasste sie an der Hand und half ihr auf die Füße. Dann rief er die Witwen und die anderen Heiligen herein und gab ihnen Tabita lebend zurück.” Weil er für Gott verfügbar ist, beteiligt ihn Gott an seinem Werk.

Dieses Ereignis dient – wie alle Wunder in den Evangelien und der Apostelgeschichte – zur Bestätigung des verkündigten Wortes Gottes. Viele in Joppe glauben an die gute Botschaft und bekehren sich.

Der letzte Vers berichtet, dass Petrus für eine ganze Weile bei einem Gerber namens Simon blieb. Das ist insofern bemerkenswert, als fromme Juden den Umgang mit dieser Berufsgruppe mieden. Sie waren als unrein verpönt und wohnten gewöhnlich außerhalb. Wir sehen hier bei Petrus eine Tendenz, die im nächsten Kapitel dem Höhepunkt zustrebt: Er hatte sich schon mit Samaritern befasst, jetzt wohnt er bei einem unreinen Gerber, und schließlich wird Gott ihm erklären, dass auch Heiden seine Brüder werden können.

Die Essenz unseres Abschnitts ist in Titus 2 so zusammengefasst:

Sei du selbst ihnen ein Vorbild im Tun des Guten……Denn die Gnade Gottes ist jetzt sichtbar geworden, um allen Menschen die Rettung zu bringen. Sie erzieht uns dazu, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden zu verleugnen und besonnen, gerecht und mit Ehrfurcht vor Gott in der heutigen Welt zu leben, als Menschen, die auf die beglückende Erfüllung ihrer Hoffnung warten und auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus. Er hat sich für uns ausgeliefert, damit er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufen und sich ein reines Volk schaffen könne, das darauf brennt, Gutes zu tun.

Wackel-Petrus?

In letzter Zeit habe ich viel von Petrus gehört: Petrus, der Jesus so sehr liebt, dass er mit ihm sterben will, und dann so die Hosen voll hat, dass er ihn hartnäckig verleugnet. Petrus, der in Tränen ausbricht, als er merkt, was er getan hat, und wer er eigentlich ist. Ein ganz anderer, verwandelter Petrus, nachdem er den Heiligen Geist empfangen hat und furchtlos wie sein Herr selbst die jüdischen Obersten mit der Wahrheit konfrontiert. Petrus, der durch den Heiligen Geist die Sünde von Ananias und Saphira aufdeckt.

Einige Jahre später wieder ein Menschen fürchtender Petrus, der solche Angst hat vor den jüdischen gesetzestreuen Christen, dass er selbst zum Heuchler wird und seine Glaubensgeschwister aus den Heiden praktisch verleugnet (“diskriminiert”, würden wir heute sagen), so dass Paulus ihm um der Wahrheit willen die Meinung sagen und der Heuchelei bezichtigen muss. Und wieder Petrus, der nicht beleidigt ist, sondern das annimmt. (Warum ich das glaube, hab ich hier mal geschrieben.)

Wer war er denn nun, dieser Mann? War er ein Wackel-Petrus?

Ich denke, er war ein Sünder und hatte seine Schwächen – wie du und ich. Wenn er vom Heiligen Geist erfüllt war, dann war er stark – wie du und ich. Er war schnell, Zurechtweisung anzunehmen und seine Fehler einzusehen – das sollten wir auch sein!  Jesus, der ihn durch und durch kannte, besser als er sich selbst, nennt ihn “Fels” und nicht “Pudding”! Wenn er in irgendetwas fest war, dann darin, immer wieder vor seinem Herrn auf die Knie zu fallen und zu sagen: Ich bin ein Sünder, aber ich liebe dich! Du bist meine einzige Hoffnung, und ohne dich kann ich nicht leben! Lass mich dein Jünger sein!

Wie du und ich?