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Advent: Ich will dich sehen, Herr!

 

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Ich will dich sehen, Herr, und nicht mehr gebremst sein von den Schranken meines kleinen, zeitverhafteten Verstandes, der über Worten brüten und Lexika wälzen muss, um dein Reden zu fassen, und doch oft unschlüssig bleibt.

Ich will dich sehen, Herr, und alle Anfechtungen und Fragen, alle Ablenkungen und Umstrickungen, genetischen Dispositionen, psychischen Wirrnisse, Krankheiten, Schwachheit und Tod hinter mir lassen.

Ich will dich sehen, Herr,  und mit allen, die dich lieben, in ungehinderter Gemeinschaft bestaunen und genießen – wo Fehlinterpretationen und Meinungsverschiedenheiten, Missverständnisse und kulturelle Brillen schmelzen wie Eis an der Sonne der Herrlichkeit.

Ich will dich sehen, Herr, die bereiteten Wohnungen beziehen, das geschmückte warme Haus, wo die, die jetzt frieren in Verfolgung, im Gefängnis, auf der Flucht, in der Kälte einer gottfeindlichen Welt, ungeschützt, gequält und hinausgestoßen, Frieden und Heimat finden.

Ich will dich sehen, Herr, das Königtum und das Erbe, den Thron, die Pracht, die Schönheit, die endlich gebeugten Knie, das Reich, wo Gerechtigkeit wohnt, den ewigen Morgen!

Und der Geist und die Braut sagen: Komm!  … Ja, ich komme bald. – Amen; komm, Herr Jesus!  (aus Offenbarung 22)

Ist Jesus am Kreuz gescheitert? (Predigt-Nachlese)

zersplittert frageDas ist eine wichtige – ja eigentlich die wichtigste Frage. War das Kreuz, wie selbst einige Theologen meinen, das Scheitern der Mission Jesu? Machte es seine Pläne durch die Bosheit der Menschen zunichte? War er ein hilfloses Opfer?

Oder gehörte das Kreuz von Anfang an zum Plan Gottes?

Im Predigttext in Lukas 18, 31-34 kündigt Jesus den Jüngern schon zum dritten Mal an, was ihm passieren wird: Auslieferung an die Römer, Misshandlung, Hinrichtung – und Auferstehung. Wenn dann gesagt wird, dass seine Jünger das nicht begriffen, so heißt das nicht, dass sie nicht intelligent genug waren, um ihn zu verstehen, sondern dass das Konzept eines leidenden Messias keinen Sinn für sie ergab.

Die Feindseligkeit gegen Jesus ballte sich immer mehr zusammen wie eine schwarze Gewitterwolke. Die Jünger bekamen Angst. Nach Jerusalem zu gehen, schien äußerst gefährlich, aber Jesus ließ sich nicht beirren. Um ihnen das zu erklären, nimmt er sie zur Seite und spricht mit ihnen allein. Sie sollten vorbereitet sein. Er wusste auch: Was jetzt keinen Sinn für sie ergab, würden sie irgendwann als Gottes Plan erkennen, und dann würden sie diejenigen sein, die es der Welt bezeugen würden, dass dieser Plan schon bestanden hat, ehe die Welt geschaffen wurde.

Jesus kannte diesen Plan vor seiner Menschwerdung, und er hat sich ihm freiwillig zur Verfügung gestellt. Er beinhaltete, dass ER das Lamm Gottes ein sollte, das die Sünde der Welt trägt. Das ganze Alte Testament war eine Ankündigung seiner Leiden und der anschließenden Herrlichkeit des Messias (Christus), oft in verblüffender Detailtreue. Viele Prophezeiungen sprachen davon genauso wie das ganze Opfersystem des israelischen Gottesdienstes. Es hielt ständig das Bewusstsein wach, dass ein stellvertretendes Sündopfer erforderlich ist, um Versöhnung zwischen Gott und Menschen zu schaffen. Da das Blut von Schafen und Stieren unmöglich Sünden wegnehmen kann, stellt Jesus sich vor als das wahre Passalamm, das durch ein einziges Opfer die Gerechtigkeit Gottes für immer zufriedenstellen und uns vom Gericht erlösen kann. Er ist das letzte und ewig gültige Opfer. Sein Leben wurde ihm nicht genommen, sondern er hat es freiwillig niedergelegt, wie er ganz eindeutig selbst gesagt hat. Und er lässt es, um es wiederzunehmen, im Vorgriff auf die Freude, die hinter dem Kreuz liegt.

Es war der Grund des Kommens Jesu in die Welt, dass er sein Leben geben wollte als Lösegeld für viele. Insofern ist das Kreuz kein Scheitern, sondern das Zentrum der Geschichte, das einzige Mittel der Erlösung und unsere Rettung.

Ich möchte diese Predigt-Nachlese in der Zeit bis Ostern ausbauen, indem ich immer wieder mal eine Prophezeiung aus dem Alten Testament und ihre Erfüllung im Leben und Sterben Jesu poste. Mal sehen, was da zusammenkommt!

Beten lernen: Nehemia als Vorbild

Manchmal hat Gott so bestimmte Themen, mit denen er uns ständig konfrontiert. Mir springt zur Zeit das Thema Gebet entgegen, wo immer ich lese. In meiner Stillen Zeit bin ich jetzt in Nehemia, und in den ersten beiden Kapiteln kann man unwahrscheinlich viel von Nehemia lernen, was Gebet anbetrifft.

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1. Die Grundbedingung ist das Interesse an den Dingen des Reiches Gottes. In Nehemia 1,2 bekommt Nehemia Besuch, und er fragt sie nach Jerusalem und den Entkommenen, die da noch leben. Er will Information: Wie geht es der Stadt Gottes? Wie geht es dem Volk Gottes? Er will die Wahrheit hören, selbst wenn sie ihm das Herz schwer macht. Sind das die Fragen, die uns umtreiben? Sind wir bereit, uns mit den harten Realitäten zu befassen, oder wollen wir lieber nichts davon hören? Ist die Gemeinde des Herrn/ das Reich Gottes  das, was unser Herz und unsere Gedanken beschäftigt?

2. Nehemia ist ein Vorbild in seiner Reaktion gottgemäßer Traurigkeit. Er weint, und er lässt sich nicht ablenken. Er guckt keinen Film oder geht shoppen, damit er schnell wieder gut drauf ist und vergisst, was er gehört hat, sondern er bringt es mit Beten und Fasten vor Gott. Er identifiziert sich mit seinem Volk und tut Buße für ihre kollektive Sünde. Aber er bleibt nicht bei dem Elend stehen, sondern gestützt auf Gottes Charakter und Gottes Verheißungen entwickelt er im Gebet eine neue Perspektive.

3. Er ist ein Vorbild in betender Abhängigkeit. Er möchte aktiv werden, aber er kann trotzdem nicht einfach lospreschen – Gott muss die Wege ebnen. Obwohl er sich fürchtet, wirft er sich ganz auf Gott, steht während seines Gesprächs mit dem König mit Gott in Verbindung und gewinnt daraus den Mut, dem König seine Anliegen vorzutragen.

4. Er ist ein Vorbild in Besonnenheit. Weil er so von Gott abhängig und in konstanter Verbindung nach oben ist, muss er seine Gedanken und Pläne nicht gleich herausposaunen. Er kann in Ruhe die Lage prüfen, ohne mit Menschen darüber zu reden. Das ist ein Fehler, den ich so oft mache, dass ich zu schnell rede und handle, ehe die Dinge völlig klar sind. Schon ist man dann trotz vorausgegangenem Gebet aus der Abhängigkeit  von Gott herausgefallen.

Beten lernen: Wofür man nicht beten soll

money-1013992_1920Es ist wichtig zu wissen, für was man beten sollte, aber es ist auch wichtig zu wissen, für was man nicht beten sollte. Als Salomo Gott um Weisheit und Verstand bittet, um dem Volk Gottes gut zu dienen und die Aufgaben zu bewältigen, die Gott ihm gestellt hat, wird er ausdrücklich gelobt dafür, dass er für bestimmte Dinge nicht gebeten hat:

Weil dir das am Herzen lag und du nicht um Reichtum, Besitz und Ehre, um den Tod deiner Feinde oder langes Leben für dich gebeten hast, sondern um Weisheit und Wissen, damit du mein Volk regieren kannst, über das ich dich zum König eingesetzt habe, so gebe ich dir Weisheit und Wissen. Und dazu gebe ich dir Reichtum, Besitz und Ehre, wie sie noch kein König vor dir besessen hat und auch keiner nach dir haben wird. (1.Chronik 1,11.12)

Unsere Gebete sollen sich nicht um unseren Vorteil drehen, sondern um die Dinge, die zur Verherrlichung Gottes nötig sind. In diesen Bereich fällt auch die Bitte um das tägliche Brot, um alles, was wir brauchen, um zum Dienst Gottes  fit und fähig zu sein, Der weise Agur sagt:

Armut und Reichtum gib mir nicht, lass mich das Brot, das ich brauche, genießen, damit ich nicht, satt geworden, leugne und sage: Wer ist denn der HERR? – und damit ich nicht, arm geworden, stehle und mich vergreife an dem Namen meines Gottes! (Sprüche 10,8)

Reich werden zu wollen, ist eine Sache, die Gott sehr negativ sieht – was nicht heißt, dass er nicht nach seiner Weisheit und aus freien Stücken manchen Menschen Reichtum gibt, um auch materielle Güter für ihn zu verwalten. Wir  aber werden ermahnt, die Liebe zum Geld zu fliehen wie die Pest, und unsere Wünsche auf das auszurichten, was Gott bei uns sehen will:

Du aber, Mensch Gottes, fliehe diese Dinge (= das Streben nach Reichtum); strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut! (1.Timotheus 6,11)

Deshalb sollten wir uns immer fragen: Warum bitte ich um dies oder das? Ist mein Ziel die Verherrlichung Gottes, oder geht es um die Befriedigung meiner Begierden, um mein  Ansehen, mein Wohlleben? Dann kann ich es nämlich gleich streichen, denn Gottes Wort hat dafür eine Negativ-Verheißung:

Und selbst wenn ihr betet, bekommt ihr nichts, weil ihr in böser Absicht bittet und nur eure Gier befriedigen wollt. (Jakobus 4,3)

Motivation zum Anpacken

work-1015463_1920Am Anfang eines neuen Jahres  können wir eine Erneuerung unsrer Motivation gut gebrauchen.

In der letzten Bibelstunde hat sich mir ein Satz eingebrannt, mit dem dem Nehemia seine eingeschüchterten Landsleute ermutigt:

An den Herrn denkt, den großen und furchtbaren! Und kämpft für eure Brüder, eure Söhne und eure Töchter, eure Frauen und eure Häuser! (Nehemia 4,8)

Diese beiden Aspekte beschreiben sehr treffend, was uns motivieren kann und soll, am Reich Gottes weiterzubauen. Der  eine ist die Größe und Kraft Gottes. Wir wissen, dass wir auf der Seite des Siegers sind und haben keinen Grund für Verzagtheit. Aufgeben ist keine Option.

Der 2. Aspekt sind die, die auf unseren Einsatz angewiesen sind: die Brüder. Wenn wir schlappmachen, werden sie leiden. Sie brauchen uns und unseren Dienst. Unsere Einstellung und unsere Willigkeit, ob wir mit anpacken oder uns zurückziehen, macht einen Unterschied.

Ich möchte mir diesen Vers für 2016 zum Leitvers nehmen.

Beten lernen: Wunschzettel mit Erfüllungs-Garantie?

santa-claus-514186_1920Als meine Kinder jünger waren und vor Geburtstagen und Weihnachten noch Wunschzettel schrieben, musste ich sie immer wieder mal darauf hinweisen, dass ein Wunschzettel ein Wunschzettel ist und keine Bestellung. Das Budget war beschränkt, und unsere Meinung über die Notwendigkeit oder Qualität der gewünschten Sachen war auch nicht immer deckungsgleich. Aber wünschen war nicht verboten.

Wenn Jesus sagt:

Darum sage ich euch: Worum ihr im Gebet auch bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, dann werdet ihr es auch erhalten. (Markus 11,24)

Wer bittet, empfängt; wer sucht, findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet!(Matthäus 7,8),

dann hört sich das nicht nach Ausnahmen und Beschränkung an!

Unsere Erfahrung ist anders. Wie oft hat Gott uns eben nicht gegeben, um was wir ihn gebeten haben! Es gibt also zwei Möglichkeiten: Entweder stimmt das nicht, dass jeder, der bittet, auch empfängt – oder es gibt einen Schlüssel, der uns fehlt.

Manche meinen, der Schlüssel ist der Glaube, und natürlich ist Glaube die Grund-Voraussetzung:

Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn aufrichtig suchen. (Hebräer 11,6)

Aber wenn wir nun Glauben an Gott hatten und trotzdem nicht bekamen, worum wir gebeten haben? War der Glaube zu klein? Brauchen wir einen Super-Glauben? Und wie kriegt man den? Muss man sich da künstlich reinsteigern?

Da man die ganze Heilige Schrift immer zusammen sehen muss, schauen wir mal, wo Jesus noch mehr zum Thema gesagt hat. In Johannes 15,16 lesen wir:

Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, das ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit der Vater euch gibt, was auch immer ihr ihn bitten werdet in meinem Namen.

Hier haben wir es wieder: Was auch immer!  Und der Schlüssel ist: In meinem Namen. Was bedeutet das? ist es eine Formel, die ich an jedes Gebet anhängen muss, damit ich kriege, was ich haben will? Wir wissen, dass jedes magische Denken der Bibel fremd ist – das kann es also nicht sein.

“In meinem Namen” heißt ganz einfach: In meinem Auftrag. Ich berufe mich in meinem Gebet darauf, dass das, um was ich bitte, etwas ist, was Jesus mir aufgetragen hat. Dafür muss ich

1. Jesus kennen, 2. mich auf seine Gerechtigkeit stützen, 3. gut informiert sein über das, was das Verlangen meines göttlichen Meisters ist. ich habe also Gewissheit, dass ich über kurz oder lang Erhörung finde, wenn ich bitte

  • um die Verherrlichung Gottes und alles, was dazu dient.  Z.B. schreibt Paulus den Philippern, dass er sich wünscht, dass Christus hoch gepriesen wird an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod. Das ist ein Gebet mit Erhörungsgarantie!
  • um das Kommen seines Reiches, die Ausbreitung seiner Botschaft
  • um das Lebensnotwendige – damit wir Gott weiter dienen können
  • um Vergebung – und nichts gibt er uns lieber!
  • um Sieg in Versuchung und auch um sein Kommen, das endgültig dem Bösen ein Ende machen wird.

Vielleicht hast du das sogenannte “Vaterunser” erkannt. Das ist ein Wunschzettel mit Erfüllungsgarantie für alle, die geduldig und im Glauben dranbleiben, ohne Aufhören um eben diese Dinge zu bitten! Gebet ist etwas für Jünger, die, die von ihrem Meister lernen möchten, was ER sich wünscht, und sich dann mit ihren Gebeten in seinen Dienst stellen.

Zwei Könige: David und Jesus

IMG_7192_pIch lese gerade in 2.Samuel 5 über die Inthronisierung Davids. Einige Ähnlichkeiten zwischen David und Jesus sind mir da heute morgen ganz stark ins Auge gesprungen.

Wie lange musste David warten, bis er König wurde! Was für ein großer Zeitraum zwischen der Salbung durch Samuel und der Übernahme der Herrschaft! Was für eine Geduld! Was für ein Vertrauen auf den Zeitplan Gottes! Auch unser König  kann warten, bis es heißt:

Halleluja! Denn der Herr, Gott, der Allmächtige, hat die Königsherrschaft angetreten!

Das nächste, was mir auffällt, ist dass er auf freiwillige Unterordnung setzt. Er bekämpft seine Feinde, aber nicht sein Volk. Er wartet, bis sie einsehen, dass er der Eine und Einzige ist, der ihr König sein kann. In Davids Fall wartete er siebeneinhalb Jahre auf die, denen es schwerfiel, sich von der verworfenen Saul-Dynastie zu lösen. Unser König setzt auf Einsicht und Liebe und aufs Gewinnen der Herzen und nicht auf Gewalt und Zwang.

Ein Argument, das die Israeliten dazu bringt, David als König anzunehmen, ist, dass er ihr Bruder ist, ihr Fleisch und Blut. Und das ist auch ein Argument für uns, Jesus in unserem Leben die Herrschaft zu geben. Er wurde ein Mensch wie wir in allem, um uns gleich zu sein und uns wirksam helfen zu können!

Und sie machen David zum König, weil sie sehen, dass Gott ihn für sie zum Hirten eingesetzt hat. Sie wissen jetzt, dass sie ihn dringend brauchen als Beschützer und Versorger. Genauso ist es uns mit Jesus ergangen. Petrus schreibt:

Denn ihr wart wie Schafe, die in die Irre gehen; jetzt aber habt ihr euch bekehrt zu dem Hirten und Hüter eurer Seelen.

Jesus ist mein Bruder-König, mein Hirten-König, der König, der wartet und mit großer Geduld um unsere Herzen ringt, bis der Letzte seines Volkes ihn aus Liebe und Dankbarkeit anerkennt. Wie wunderbar wird das sein, wenn er im neuen Jerusalem regieren und alles erfüllt sein wird mit seinem Licht, seiner Liebe, seiner Fürsorge, seiner Schönheit und seiner Macht! Ich will nichts lieber, als ihm schon hier und dann dort untertan sein!