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Jona predigt den Niniviten – Gnade für die Feinde (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Jona 3

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Jonah preaching to the Ninevites, by Gustave Dore (d. 1883) https://commons.wikimedia.org

Diener Gottes waren öfters mal müde und verzagt und baten Gott um Entlassung (z.B. Elia oder Mose). Aber kein anderer Prophet hat so wie Jona den Auftrag Gottes kategorisch abgelehnt und diese Ablehnung auch konsequent in die Tat umgesetzt. Warum eigentlich? Um das zu verstehen, müssen wir Israels Beziehung zu den Assyrern genauer unter die Lupe nehmen.

Die Assyrer waren durch die Jahrhunderte eingefleischte Feinde Israels. Jona lebte und wirkte zur Zeit Jerobeams II (781–742 v. Chr. ). Sein Zeitgenosse und Mit-Prophet Hosea kündigte die Verschleppung Israels nach Assyrien an, wenn Israel sich weigert, sich zu bekehren. Dazu ist es tatsächlich 722 v. Chr. gekommen, und es ist durchaus möglich, dass Jona das noch persönlich erlebt hat. Es stand also dem Interesse Israels völlig entgegen, dass Ninive Buße tat und nicht von Gott zerstört wurde. In Jonas Augen machte Gott hier etwas gravierend falsch!

Gott hat allerdings noch nie einen seiner Diener vom Haken gelassen. Man kann nicht sagen: “Ich bin raus!” Er “fischt” Jona aus dem Meer und stellt ihn wieder her. Der Ruf wird bestätigt und erneuert. Und diesmal lesen wir einfach: Da machte sich Jona auf und ging nach Ninive, nach dem Wort des Herrn.

Das historische Setting: Ninive war die größte Stadt der damaligen Welt mit 100.000 bis 150.000 Einwohnern. (Normalerweise hatten Städte maximal mehrere tausend Einwohner.) Vom Umfang her wird sie hier mit drei Tagereisen groß beschrieben, was wohl die Außenbezirke mit einschließt. Der Name der Stadt kann auf ein alt-akkadisches Wort für Fisch zurückgeführt werden. Die Niniviten verehrten einen Fisch-Gott (Dagon) und eine Fisch-Göttin. Die Tatsache, dass der Gott Israels ihnen Jona durch einen Fisch bringen ließ, zeigte ihnen deutlich, wer der Höchste ist, und dass sie sein Wort ernst nehmen mussten. Was auch zur Öffnung ihrer Herzen beigetragen haben mag, ist die Tatsache, dass es nach neueren astronomischen Forschungen 763 v.Chr. eine Sonnenfinsternis gab. Wir wissen allerdings nicht genau, wann Jona dort war.

Auf jeden Fall schlägt Jonas Bußpredigt ein wie eine Bombe! Eine ganze Stadt tut Buße. Der König ordnet an:

Menschen und Vieh, Rinder und Schafe sollen nichts genießen, sie sollen weder weiden noch Wasser trinken; sondern Menschen und Vieh sollen sich in Sacktuch hüllen und mit aller Kraft zu Gott rufen und sollen umkehren, jeder von seinem bösen Weg und von dem Unrecht, das an seinen Händen klebt!

Wenn man bedenkt, dass die Assyrer so stolz waren auf ihre eigene Grausamkeit, dass sie ihre Folter- und Unterwerfungsmethoden minutiös dokumentierten, dann muss man hier von echter Einsicht und Umkehr sprechen. Die größte Metropole fällt vor Gott auf die Knie, und Gott bläst das Gericht ab. Er zeigt damit seinen Charakter: Er hat Gnade für die Schlimmsten und Bösesten, wenn sie umkehren. Er hat auch Gnade für uns.

Jesus greift diese Ereignisse im Neuen Testament auf. Die Niniviten sind Zeugen dafür, dass Gott gnädig ist, wenn man sich demütigt und die Schuld bekennt. Sie sind Zeugen gegen die Religiösen und Selbstgerechten, die Jesus ablehnen, weil sie keine Gnade zu brauchen meinen.

Leider haben künftige Generationen Ninives sich wieder zum Bösen umgewandt. Der Prophet Nahum stellt fest: Weh der mörderischen Stadt, erfüllt mit Lüge und Gewalt!  Das Rauben lässt sie nicht. Er kündigt ihre endgültige Zerstörung an.

So ist es auch gekommen. Bis vor 150 Jahren lag die Stadt unter dem Staub begraben. Dann begannen archäologische Arbeiten. 2015 haben die IS-Dschihadisten die Stadtmauer und vieles andere zerstört.

Fazit: Gott liebt es, gnädig zu sein. Er bereitet Herzen und Situationen vor, und er trägt uns auf, diese Gnade zu verkünden.

Wie sich Resistenzen bilden

 

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Eine wachsende Gefahr im Bereich der Medizin sind multiresistente Keime. Das sind Krankheitserreger, die gegen viele verschiedene Antibiotika unempfindlich geworden sind. Schließlich hilft dem Patienten nichts mehr. Oft rührt das daher, dass der Kranke zwar das Medikament eingenommen hat, aber zu früh damit aufgehört hat, weil er sich wieder besser fühlte. Tatsächlich aber wurden nicht alle Erreger ganz abgetötet. Denen, die übriggeblieben sind, ist dann die nächste Antibiotika-Attacke ziemlich egal – sie sind inzwischen resistent geworden. Mein Hygienelehrer drückte das so aus: “Die sagen dann nur noch: Hmmm, leckeres Antibiotikum!”

Eine analoge Gefahr von Resistenzbildung gibt es auch im geistlichen Bereich, immer da, wo man auf halbem Weg stehenbleibt. Vielleicht singen wir hingebungsvoll Alles will ich Jesus weihen und sind dabei emotional ganz aufgewühlt, aber wenn es dann praktisch wird, sind wir doch eher der Bequemlichkeit oder dem Entertainment und unseren eigenen Plänen geweiht (ich spreche aus Erfahrung). Am Anfang fällt uns der Widerspruch noch auf, aber wenn wir dann nicht Gottes Hilfe gegen unsere Trägheit suchen, sondern  uns mit gelegentlichen guten Gefühlen begnügen, werden wir irgendwann resistent gegen die Forderung, unser Kreuz auf uns zu nehmen und Ihm nachzufolgen.

Vielleicht haben wir das Wort Gottes so oft gehört und waren so oft davon bewegt und angesprochen, haben aber keine Konsequenzen gezogen und mit der Sünde nicht gebrochen. Wir mögen die Atmosphäre im Gottesdienst und die netten Leute, wir stimmen vom Kopf her allem zu, aber wir wollen es ja mal nicht übertreiben. Am Ende werden wir noch als extrem verschrien! Einen leichten Anflug von Ungemütlichkeit können wir manchmal nicht leugnen, wenn das Wort uns trifft, aber irgendwann juckt uns das auch nicht mehr, und wir können fröhlich gerade so herausgehen, wie wir hineingegangen sind.

Vielleicht züchtigt Gott uns in seiner väterlichen Güte, aber  anstatt ihn zu fragen, was er uns beibringen möchte und uns vor ihm zu demütigen, sehen wir uns als Opfer widriger Umstände oder böser Menschen und nehmen unsere Zuflucht zu humanistischer Selbstbestätigung und suchen uns Leute, die uns sagen: “Du bist okay, so wie du bist, und auch Gott ist ganz vernarrt in dich! Von ihm kann das nicht kommen!”

Wenn wir das lange genug machen, werden wir irgendwann multiresistent gegen die Gnade, die uns zur Umkehr bewegen will.

Wie kann man dem entgegenwirken?  Indem wir Gott von ganzem Herzen suchen, weil wir wissen, dass wir ohne ihn nichts können. Und durch echte Gemeinschaft – nicht nur unverbindlichen Gottesdienstbesuch (schreckliches Wort!) – sondern durch Eingebundensein in aufrichtige gegenseitige Ermahnung und Ermutigung durch das Wort Gottes – nicht nur hin und wieder, sondern fortlaufend.

Ermahnt euch gegenseitig jeden Tag, solange es dieses „Heute“, von dem die Schrift spricht, noch gibt, damit niemand auf den Betrug der Sünde hereinfällt und hart wird. (Hebräer 3,13)

Und lasst uns aufeinander achten und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen.Deshalb ist es wichtig, unsere Zusammenkünfte nicht zu versäumen, wie es sich schon einige angewöhnt haben. Wir müssen uns doch gegenseitig ermutigen, und das umso mehr, je näher ihr den Tag heranrücken seht, an dem der Herr kommt. (Hebräer 10, 24.25)

Dickköpfen kann geholfen werden!

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Ich vermute, als der Brief von Paulus an die Philipper vorgelesen wurde, schossen zwei Frauen plötzlich aufrecht in die Höhe, und zwar in den zwei entgegengesetzten Ecken des Raumes! Sie hatten ihre Namen gehört!

Ich ermahne Evodia, und ich ermahne Syntyche, einmütig zu sein im Herrn. Ja, ich bitte auch dich, treuer Gefährte, nimm dich ihrer an! Sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, zusammen mit Klemens und meinen anderen Mitarbeitern. Ihre Namen stehen im Buch des Lebens. (Philipper 4,2.3 EÜ)

Man muss sich das mal vorstellen! Öffentlich! Manchmal müssen die Probleme auf den Tisch, und Paulus war da nie zimperlich. Wahrscheinlich wussten es sowieso schon alle, dass die zwei Zoff hatten. Paulus will sie auch nicht demütigen, er spricht im Gegenteil in einem Atemzug seine tiefste Wertschätzung aus. Diese Frauen sind nicht irgendwer. Sie lieben Jesus. Sie sind treue und bewährte Mitarbeiterinnen. Sie sind ganz ohne Zweifel Gottes geliebte Kinder, und das alles macht es wichtig, sich mit ihrem Streit zu befassen. Denn wer mitarbeitet, hat Einfluss auf andere. Wer für das Evangelium kämpft, zeigt durch sein Leben, was das Evangelium ist. Wer zu Gottes Familie gehört, wirft durch sein Verhalten ein gutes oder schlechtes Licht auf den Vater.

Nun stell ich mir so vor, ich wäre eine der beiden. Das ist ja eine tolle Ermahnung: Seid einmütig! Ja, das wäre ich ja gerne, Dieser Zwist macht mir auch keinen Spaß! Seit Wochen kann ich nachts nicht schlafen! Aber wenn ich recht habe, kann ich doch nicht einfach meine Meinung wechseln! Es gibt doch noch so was wie richtig und falsch! Ich nehme nicht an, dass die beiden Schwestern einfach nur zickig waren, und es um persönliche Befindlichkeit ging. Diese Sorte Frauen waren sie nicht. Sie sahen etwas vollkommen verschieden, und das war nicht überein zu bringen. Paulus wusste übrigens, wie das ist. Er und Barnabas hatten auch mal einen fürchterlichen Streit gehabt wegen eines Mitarbeiters. Der hatte sich nicht bewährt, und Paulus wollte ihn nicht mehr mitnehmen. Barnabas mit seinem weichen Herzen hatte in seinen Augen einfach keine Prinzipien! Im Werk Gottes kann nicht jeder ohne Charakter einfach mitmachen! Das ging so weit, dass sie sich trennten. Später musste Paulus allerdings seine Meinung über diesen Mitarbeiter revidieren und lud ihn wieder in sein Team ein.

Ja, was macht man, wenn man Dinge einfach verschieden sieht? Die gute Botschaft ist: Hilfe ist möglich! Bei einer Meinungsverschiedenheit muss man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen und getrennte Wege gehen! Und wenn man selbst vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, braucht man Hilfe von außen – durch jemand, der in den Konflikt nicht verwickelt ist (und sich auch nicht verwickeln lässt), der alle beide lieb und Mut hat, die Wurzeln der Probleme aufzudecken und anzugehen. Kein Job für Feiglinge und Besserwisser und auch nicht für Diplomaten, die nur Waffenstillstand wollen, sondern für Beter, die wissen, dass diese Aufgabe sie völlig überfordert, aber dass Gott kann!

Vielleicht lässt sich, wenn man miteinander das Wort Gottes studiert, eine echte Lösung finden. Vielleicht kann auch jemand helfen zu erkennen, dass man einen anderen Standpunkt einfach mal stehen lassen und es in Gottes Hände geben kann, damit Er – falls es wirklich wichtig ist – es dem Bruder/ der Schwester (oder mir!!) zu Seiner Zeit klar macht. Vor allem braucht man Hilfe für den richtigen Blick auf den “Kontrahenten”, um den anderen immer noch als wertvollen Mitarbeiter und Gottes Kind zu sehen und zu lieben. Die Einheit ist in Jesus. Man braucht unter Umständen Beistand, um sein Herz zu erforschen und seine eigentlichen Motive zu sehen: Warum will ich das unbedingt durchdrücken? Bin ich vielleicht doch einfach streitsüchtig? Kann es sein, dass ich aus einer Mücke einen Elefanten mache? Geht es hier um mich oder um Gott? (Da kann man sich gewaltig was einreden und sich über sich selbst täuschen!) Kann ich mich auch mal unterordnen? Hab ich Geduld? Höre ich dem anderen richtig zu? Hab ich mich genug bemüht, die Dinge aus seiner Perspektive zu betrachten? Bedenke ich seine Einwände, oder fege ich sie einfach vom Tisch? Wie hoch schätze ich die Einheit der Gemeinde, dass ich ihr unseren Streit nicht antun will, der sie vielleicht zerreißen kann? Oder genieße ich am Ende heimlich den Gedanken, dass Leute sich auf meine Seite schlagen könnten?

Ich habe leider viel Streit in Gemeinden gesehen, seit ich mit Jesus auf dem Weg bin, sogar eine Gemeinde, die sich “totgespalten” hat, und zwar nicht wegen Irrlehre – das wäre ja ein guter Grund –, sondern wegen Rechthaberei in Nebendingen. Man kann sich wegen so vielem gegenseitig zerfleischen: Musikstil, Kindererziehung, Gemeindestruktur, Kleiderordnung, Geld, Diensten … Zurück bleiben  gebrochene Herzen bei denen, die mit dem eigentlichen Streit gar nichts zu tun hatten. Schwache bleiben ganz auf der Strecke. Gottes Name und der Ruf der Gemeinde wird beschmutzt. Ist es das wert? Wer möchte ernsthaft für so etwas verantwortlich sein? Dann doch lieber einmal öffentlich rotwerden, Hilfe annehmen – und die Einheit in Jesus neu umfassen!

Predigt-Nachlese: Der Blick in den Spiegel

Predigttext: Jakobus 1,9-27

file0001814974274Das Kernthema des Jakobusbriefs ist in Jak.1,22 zusammengefasst:

Seid aber Täter des Wortes und nicht bloß Hörer, die sich selbst betrügen.

Unser Glaube, wenn er echt ist, muss sich in der Tat bewähren. In den vorhergehenden Versen werden wir aufgefordert, uns zu freuen, wenn unser Glaube in Schwierigkeiten erprobt wird. Diese Prüfungen zeigen uns unser eigenes Herz – dass wir ohne Gott nicht sind und nichts können – und erziehen uns zu einem bewährten, erwachsenen Christsein.

Der arme Bruder soll sich seines Reichtums bewusst sein und der reiche seiner Vergänglichkeit. Durch Christus sind wir zu Kindern und Erben gemacht und Anwärter auf die ewige Herrlichkeit. Reichtum in dieser Welt ist nicht per se etwas Schlechtes, wenn es uns klar ist, wie flüchtig er ist, und dass er uns anvertraut ist, um damit Gutes  zu tun. Gefährlich ist er, wenn er uns die Abhängigkeit von Gott vergessen lässt. Deswegen weist Jakobus uns darauf hin: Ob reich oder arm – wir sind nichts in uns selbst.

Versuchung gibt uns die Gelegenheit zur Bewährung. Wir sollen aber wissen, dass Gott uns nicht zum Bösen versucht.  Er ist ein guter Gott – nicht wie die heidnischen Götter, die ein böses Spiel mit den Menschen treiben und versuchen, sie reinzulegen. Kein Schatten fällt auf seinen vollkommen reinen Charakter. Sein Ziel ist nie, uns auf einen falschen Weg zu locken, Allerdings lockt und verführt uns unsere eigene Lust zur Sünde. Die Folge der Sünde ist geistlicher Tod, aber Umkehr ist immer möglich!

Ein Punkt, wo wir mit der Sünde schnell bei der Hand sind, ist der Zorn. Zorn führt zu nichts Positivem.Wie schnell kommen uns doch zornige, verletzende Worte über die Lippen. Immer wieder warnt uns Jakobus vor leichtfertigem, ungezügeltem Gebrauch unserer Zunge. Vor dem Reden sollte stets das geduldige Zuhören stehen.

Was das Hören des Wortes Gottes betrifft, so gibt es allerdings eine Gefahr, nämlich die, es wirkungslos an uns ablaufen zu lassen. Das ist so, sagt Jakobus, als ob du morgens in den Spiegel guckst und siehst, dass du ganz fürchterlich  zerzaust und schmutzig und verquollen bist. Und dann sagst du nur “okay” und gehst so aus dem Haus. Dafür ist ein Spiegel nicht da. Er zeigt dir, wie du aussiehst, damit du was daran änderst! Gott hält uns den Spiegel vor, damit wir darauf reagieren und unser Leben ändern. Wenn nach dem Spiegel nichts passiert, dann ist Selbstbetrug die Ursache! Jesus stellt die Frage:

 Was nennt ihr mich aber »Herr, Herr« und tut nicht, was ich sage?

Das ist tatsächlich ein sehr unlogisches Verhalten und etwa genauso verrückt, wie ein Haus auf Sand zu bauen, wo es der nächste Wolkenbruch wegschwemmt.

Ein verändertes Herz zeigt sich in dem, was wir tun, z.B. so.

Eine reine und makellose Frömmigkeit vor Gott, dem Vater, ist es, Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen und sich von der Welt unbefleckt zu bewahren.

Es geht nicht darum, durch das was man tut, vor Gott gerecht zu werden. Es geht auch nicht um (unmögliche) Perfektion. Es geht darum, Selbstbetrug und religiöse Heuchelei aufzugeben und das Leben von Gott reinigen zu lassen. Jakobus will uns zur Selbsterkenntnis bringen und uns zu Jesus treiben, der uns von innen heraus neu machen kann, damit wir das tun können, was Gott gefällt.

 

Wie finde ich meine Gabe und Gottes Plan für mein Leben?

question-556104_1280Das ist sind Fragen, die immer wieder auftauchen: Wie finde ich denn nun heraus, was meine Gabe ist? Was ist Gottes Plan für mein Leben? Was ist meine Funktion? Sollte ich einen “Gabentest” machen? Brauch ich vielleicht einen geistlichen Karriere-Couch? Diese Fragen sind berechtigt, aber sie haben oft einen kleinen Schönheitsfehler: Der Akzent liegt auf “ich” und “mein”.

Gestern und heute habe ich 1.Korinther 13 studiert, das berühmte Kapitel über die Liebe. Man kann es sicher ganz allgemein anwenden, aber es steht hier in einem ganz besonderen Zusammenhang: Es geht davor und dahinter um geistliche Gaben und den Aufbau der Gemeinde.  Das 14. Kapitel fährt nämlich fort: Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede!

Der Weg zu den Gaben führt über die Liebe. Liebe die Gemeinde! Studiere die Bibel, um herauszufinden, was Gottes Pläne mit seiner Gemeinde sind! Was wird dafür gebraucht? Paulus führt z.B. auf: Erbauung, Ermahnung und Trost. Gottes Plan für dein Leben ist, dass du daran mitarbeitest – geduldig, selbstlos, leidensbereit, immer bemüht, auch den Schwächsten mitzunehmen, mit einer Passion für die Wahrheit und gegen das Böse und Verkehrte.

Wenn wir wirklich eine leidenschaftliche Liebe zur Gemeinde haben, merken wir ganz schnell, dass wir da mit unseren natürlichen Mitteln nichts bewirken können. Alles, was wir zum Aufbau der Gemeinde brauchen, kann nur von Gott kommen. Das treibt uns vor ihm auf die Knie: Rüste uns aus! Gib uns Evangelisten, Hirten, Lehrer, Leiter, Verwalter, Diener im Hintergrund, Seelsorger, Leute mit einem Auge für geistliche und praktische Bedürfnisse usw. usw. Dann kommt es uns nicht mehr darauf an, wer von uns nun welche “wichtigere” Gabe bekommt – die Liebe neidet nicht und bläht sich nicht auf. Aber wir verweigern uns natürlich auch nicht, sondern stellen uns zur Verfügung. Wir lassen das “Schwert des Geistes”, das Wort Gottes, in uns herumschneiden und unsere Motive prüfen. Geht es mir um mich? Will ich wirklich dienen? Muss das einer sehen außer IHM?

Wir wachsen über dieses Prüfen der Motive nie hinaus. Ich weiß von mir selbst, wie Selbstgefälligkeit und die Suche nach Beifall von Menschen, Lieblosigkeit und Selbstgerechtigkeit wie so kleine Essigfliegen immer um die “Frucht” kreisen und sie mit ihren Bakterien zu beimpfen versuchen. Dann funktioniert alles nur noch äußerlich, und Gaben und Dienst werden faulig. Selbstlose Liebe ist der Anfang, der Motor und das, was übrig bleibt. Selbstlose Liebe klebt an keinem Stuhl und an keiner Gabe und kann sich auf wechselnde Bedürfnisse und Gegebenheiten einstellen. Gottes Plan für mein Leben heißt also: Lieben –  mit ihm und durch ihn und um seinetwillen.

Predigt-Nachlese: Leben im Geist – ganz praktisch

Predigttext: Galater 6

Wir sind frei vom Gesetz und leben durch den Heiligen Geist. Aber wie sieht das im Alltag aus?

Wir werden immer noch versucht und können von der Sünde überrascht und überrannt werden. Niemand sollte denken, dass ihm das nicht passieren kann! Wir brauchen dann weder jemand, der unsere Sünde kleinredet oder ignoriert, noch jemand, der noch drauftritt, wenn wir am Boden liegen. Wir brauchen jemand, der uns zurechthilft, und das braucht manchmal Zeit. Und deswegen müssen wir auf der einen Seite wachsam sein und beten, dass wir nicht selbst versucht werden, und auf der anderen Seite bereit sein, dem beizustehen, der in Sünde gefallen ist. Allerdings setzt das voraus, dass derjenige das auch will und nicht etwa an seiner Sünde festhält und einen Friedensvertrag mit ihr geschlossen hat.

Das Gesetz Christi ist sein neues Gebot der Liebe zueinander. Dazu gehört, dass man das mit trägt, was der Bruder oder die Schwester alleine nicht tragen kann. Allerdings muss man sich vor dem Umkehrschluss hüten, dass die anderen für meine Probleme zuständig und sozusagen verpflichtet sind, mir zu helfen, und ich das fordern könnte. Das Evangelium befreit von dieser “Ich-im-Zentrum”-Perspektive. Wir können die sein, die damit anfangen, uns nach hinten zu stellen und den Nächsten nach vorn!

Was uns daran hindert, ist unser Stolz. Sind wir uns zu gut, um anderen zu dienen? Unser Stolz ekelt Gott – er ist ihm widerlich. Stolz ist der Grund, warum Menschen in die Hölle gehen. Den Ungläubigen hindert er, seine Verlorenheit und Schwachheit anzuerkennen und zu Jesus um Hilfe zu schreien.  Aber auch wir Gläubigen können geistlichen Stolz entwickeln, und das war das Problem der Galater. Stolz macht uns blind für unsere eigene Sünde und lässt uns auf denen herumhacken, die unsere Gesetze nicht befolgen. Wenn wir mal genau in den Spiegel gucken, werden wir unsere Schwachpunkte schon sehen, und dann haben wir genug an der Verantwortung für unsere eigenen Fehler und können uns über niemanden erheben.

Die Liebe gebietet uns auch, die zu unterstützen, die uns das Wort Gottes lehren. Sie nehmen damit eine gewaltige Verantwortung auf sich, denn Gott verlangt von ihnen Rechenschaft für das, was sie sagen (oder nicht sagen). Deswegen ist das auch nichts, worum man sich reißen sollte! Hier ist vor allem an materielle Güter gedacht, aber auch an geistliche Gemeinschaft, an Fürbitte, an das Abnehmen von Tätigkeiten, die den  zum Lehrdienst Beauftragten an seiner eigentlichen Aufgabe hindern (vgl. Apg.6).

Unser ganzes Leben funktioniert eigentlich nach dem Natur-Prinzip von Saat und Ernte. Wenn du Weizen säst, wächst kein Mais. Aus Apfelkernen entsteht kein Kartoffelbaum. Wer auf seine eigene Natur sät, wird von ihr den Tod ernten. Wer auf den Geist Gottes sät, wird von ihm das ewige Leben ernten. Das was du erntest, wird wesensmäßig dem entsprechen, was du gesät hast. Wir denken da oft unlogisch. Wir leben unserer eigenen Lust und wundern uns, dass wir die Gemeinschaft mit Gott verlieren. Wenn wir jede Gelegenheit ergreifen, um Gutes zu investieren, vor allem in die Gemeinde, die Familie Gottes, dann wächst auch Gutes. Wenn wir uns gehen lassen und unsere eigenen Interessen verfolgen, wird eine vergiftete Atmosphäre das Ergebnis sein.

Bei den Galatern gab es solche Menschen, die die ganze Gemeinde durcheinander brachten. Paulus deckt hier ihre wahren Motive auf. Sie wollen Ansehen in der jüdischen Community, und dafür opfern sie die Freiheit der anderen und drängen sie, sich beschneiden zu lassen. Sie wollen die Verfolgung und das Ärgernis des Kreuzes vermeiden. Der Teufel will uns immer einreden, es ginge auch ohne das Kreuz, und mit ein paar Kompromissen könnten wir die Härten entspitzen und das Ansehen der Gesellschaft gewinnen. Für Paulus dagegen ist das Kreuz die Mitte seines Lebens und seiner Botschaft. Es verurteilt sowohl die zügellose Sünde als auch die selbstgerechte Religiosität. Diese Dinge liegen hinter ihm; er ist ihnen gegenüber tot. Er weiß, dass vor Gott nicht zählt, wer wir sind und was wir tun, sondern nur die neue Schöpfung, Gottes eigenes Werk. Gottes Gnade genügt uns, und auf diesem Weg ist Frieden und Barmherzigkeit. Für diese Erkenntnis und für dieses Evangelium hat er so viel gelitten, und darum wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass die Galater und auch wir fest dabei bleiben!

Predigt-Nachlese: Tränen am Krönungstag

Predigttext: Lukas 19,37-44

Ist das nicht ein wunderbarer Tag, als die feiernde Menge Jesus als König begrüßt? Die Menschenmenge hofft auf ihn. Sie hat seine Wunder gesehen. Zuletzt hat sich die Nachricht  von der vollmächtigen Auferweckung des Lazarus von den Toten wie ein Lauffeuer verbreitet. Er ist der Messias, das ist klar! Die Atmosphäre der Erwartung, dass er sie jetzt von den Römern befreien und das davidische Königreich wiederherstellen wird, macht sich Luft in lauten Jubelrufen, dem Krönungslied des Messias aus den Psalmen:

Gepriesen sei der König, der kommt im Namen des Herrn! Frieden dem, der im Himmel ist,  Ehre dem, der in der Höhe wohnt!

Die lautstarke Freude reißt alle mit außer den religiösen Führern. Die sehen diesen Jubel eher als Blasphemie an. Für sie ist Jesus nicht der Retter, der durch das ganze Alte Testament versprochen wurde, nicht der Sohn Gottes. Aber sie sehen sich nicht in der Lage, dem Lobpreis der Volksmenge Einhalt zu gebieten. Das könnte jetzt höchstens Jesus selber, und so appellieren sie an ihn: Rabbi, bring deine Jünger doch zur Vernunft! Aber Jesus sieht dazu keinen Anlass, denn er ist der Messias. Er kann diese Huldigung nicht zurückweisen. Wenn sie schweigen, antwortet er, werden die Steine schreien.

(Zur Frage, was die schreienden Steine bedeuten, lies bitte hier).

Jesus akzeptiert die Anbetung der Volksmenge, aber er schaut tiefer und weiter. Er weiß, dass die selben Leute bald Kreuzige ihn! schreien werden, wenn sie merken, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Wie viel von dem, was wir heute als Anbetung erleben, hat wohl seinen Grund lediglich in falschen Erwartungen an Gott? Die Aufforderung, sich als Jünger Jesu selbst zu verleugnen und sein Kreuz auf sich zu nehmen, wird überhört – statt dessen soll Jesus unser Ego boosten und unsere Wünsche erfüllen, und wenn nicht, dann hat er keinen Wert mehr. Und das liegt daran, dass wir unser eigentliches Problem – unser Verlorensein in unseren Sünden – genau wie die Menschen damals nicht erkannt haben.

So kommt es, dass Jesus in Tränen und lautes Weinen ausbricht, als er Jerusalem sieht. In ihm hat Gott sein Volk besucht, um es von seinen Sünden zu retten. Aber sie haben ihn, die fleischgewordene Barmherzigkeit Gottes, nicht erkannt. Er wollte ihnen Frieden mit Gott geben, aber sie haben gegen sein Licht einen Wall aufgeschüttet. Jetzt muss er ihnen das Gericht ankündigen:

Es kommt für dich eine Zeit, da werden deine Feinde einen Wall um dich bauen; sie werden dich belagern und dich von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Bewohner niederwerfen und in der ganzen Stadt keinen Stein mehr auf dem anderen lassen, weil du die Gelegenheit, in der Gott dich besuchte, verpasst hast.

Das alles ist 70 n.Chr. über Jerusalem gekommen. Genauso sicher kommt das Gericht über jeden, der nicht Buße tut. Schützen wir uns auch mit einer Mauer aus Selbstgerechtigkeit vor Jesus, oder lassen wir uns warnen und kehren um?  Muss er über uns weinen, weil wir seinen Frieden ablehnen, oder lassen wir uns retten?