Schlagwort-Archive: Seligpreisungen

O du fröhliche, o du selige …

candle-1750640_1920

O du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit singen wir alle Jahre wieder. Dieses Jahr ist manchen das Herz schwer, weil die üblichen fröhlichen und seligen Gefühle sich nicht so recht einstellen wollen mit Pandemie und Kontaktbeschränkungen. Aber ist die romantische und trauliche Stimmung, die wir mit Advent verbinden, überhaupt das, was einen Christen fröhlich und selig macht?

Christliche Freude ist irgendwie ein paradoxes Ding. Da geht in der Weihnachtsnacht ein gewaltiger Jubelgesang los. Aber ist der überhaupt angebracht? Etwas mehr als 30 Jahre später wird dieses Kind unter der grausamsten Folter sterben, die Menschen sich erdacht haben. Ist diese Freude nicht einfach ein gewaltiger Irrtum?

Und von einer merkwürdigen Seligkeit sprach dieser Jesus. Die Armen im Geist, die Trauernden, die Verfolgten und Verleumdeten, die Unmündigen, die, die auf ihr Recht verzichten, die Gebenden, die Barmherzigen, ja, man könnte sagen, die Verlierer dieser Welt spricht er selig. Gehören wir zur Zielgruppe? Und: Wollen wir diese Seligkeit? Oder denken wir bei Seligkeit eher an Gänsebraten, Tannenbaum, Familie, Netflix und Amazon-Gutscheine?

Hast du schon mal darüber nachgedacht, warum überhaupt dieses Kind geboren ist? “Welt war verloren, Christ ist geboren”, geht es in diesem alten Weihnachtslied weiter. Siehst du dich denn als verloren an? Was ist damit überhaupt gemeint? Wer verloren ist, der ist hoffnungslos. Der weiß, dass er die Beziehung zu Gott verspielt hat durch seine eigene Schuld. Der ist, wie Jesus sagt, arm im Geist,d.h. er hat nichts vorzuweisen, womit er sich die Gunst Gottes und den Himmel verdienen könnte. Der hat erkannt, dass das ganze Wesen dieser Welt hohl und leer ist, dass Besitz, Lust, Anerkennung das Loch in seinem Herzen nicht füllen können. Und in seine Traurigkeit, seinen Hunger und Durst nach Echtem und Reinem hinein sagt Jesus: Selig die Trauernden … selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Und alles, was sie tun müssen, ist zu IHM zu kommen. Er wäscht die Sünde ab, er sättigt, er tröstet. Er verspricht uns kein leichtes und erfolgreiches Leben, sondern eins mit Kreuz und Verfolgung und Verzicht und Selbstverleugnung, aber ein seliges Leben, ein Glück, das die Welt nicht kennt, Beziehung zu seinem und unserem Vater im Himmel und eine ewige Heimat. Und dann ist jede Zeit im Jahr fröhlich, selig, gnadenbringend, und Traulichkeit und Kerzenschein und Familie kannst du zwar haben, aber die “Seligkeit” ist nicht davon abhängig.