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Haus der Barmherzigkeit – Hoffnung für Hoffnungslose

Pool_of_Bethesda_ruins_2272_(516919910)   Ruinen des Teiches von Betesda, Bildquelle:  By James Emery from Douglasville, United States – Pool of Bethesda ruins_2272, CC BY 2.0, Link

38 Jahre – für die Gesunden und Lebenslustigen fliegen sie schnell vorbei. Sie arbeiten, sie heiraten, sie kriegen Nachwuchs und haben alle Hände voll zu tun. Der Tag ist immer zu kurz für alle Pläne.

Bei ihm war das anders. Er war behindert. Sein Alltag war gekennzeichnet von Einschränkung, Armut, Nutzlosigkeit und Langweile. Und von quälenden Fragen: Was hatte  ihm diesen Fluch eingebracht? Ja, er hatte gesündigt, das wusste er. Ging es ihm deshalb so? Würde Gott ihm jemals vergeben?

Manchmal wunderte er sich selbst, dass die Hoffnung nicht sterben wollte. Immer wieder schleppte er sich in die Säulenhallen an diesem Teich, wo er auch heute lag. Allein der Name dieses Ortes klang wie Musik in seinen Ohren: Betesda, “Haus der Barmherzigkeit”. Barmherzigkeit, das war das, was er brauchte, für seinen Leib und für seine Seele. Er war nicht der einzige: Hier war es voll mit Kranken, Blinden, Gelähmten und anderen Behinderten. Viele kamen mit ihren Verwandten. Denn hier erhofften sie Heilung. Ab und zu bewegte sich das Wasser, und wer dann als erster hineinstieg, wurde gesund. Eine wunderbare Sache für den, der dieser Erste war – und eine schreckliche Enttäuschung für alle anderen. Und für ihn eben das: Enttäuschung auf Enttäuschung auf Enttäuschung. War es früher Zorn auf sich selbst, weil er durch seine Lähmung nicht schnell genug sein konnte, und Neid auf all die, die Verwandte oder Freunde hatten, die ihnen halfen, so war es jetzt nur noch ein tiefes Gefühl der Verlassenheit. Trotzdem kam er immer wieder hierher. Wer weiß, vielleicht gab es ja doch noch irgendwie, irgendwann Barmherzigkeit und Vergebung für ihn? Er hatte auch gar keine andere Wahl, als weiter zu hoffen. Auf jeden Fall hatte er nichts zu verlieren.

Plötzlich bleibt ein Mann bei ihm stehen. Der Mann sieht ihn an, und sieht mitten in sein Herz und sein Leben. Er sieht die ganzen langen 38 Jahre Elend und Traurigkeit, und obwohl der Kranke es noch nicht weiß und versteht, ist hier auf einmal wirklich ein “Haus der Barmherzigkeit”. Der Unbekannte stellt eine ganz einfache Frage: “Willst du gesund werden?”

Ja, wenn das so einfach wäre! “Mein Herr, ich habe keinen Menschen! Ich bräuchte jemand, der mich in den Teich wirft! Die anderen sind immer schneller als ich!” Wie gut es tut, dass einer ihn freundlich ansieht, dass einer ihn mal fragt, dass er seine Not und Hilflosigkeit jemandem sagen kann! Aber die eigentliche Frage hat er gar nicht beantwortet, denn das Gesundwerden, das will er schon, aber er wüsste nicht, wie?!

Es geht diesem Kranken wie mir oft: Ich kann mein Problem gut beschreiben, nur die Lösung kenne ich nicht!

Nun sagt der Mann mit großer Autorität: Steh auf, nimm deine Matte und laufe herum! In diesem Moment versteht der Kranke: Da spricht die Barmherzigkeit Gottes! und steht auf und wickelt seine Matte auf und läuft herum. Er läuft hin, und er läuft her … und das Wunder und die Verwunderung über das Gefühl von Füßen, die stabil auf der Erde stehen, und über Beine, die tragen, ja, mit denen man sogar springen und hüpfen und rennen kann!! … all das breitet sich wellenartig in seinem Körper und seinem Kopf und seinem Herzen aus. Als er sich davon so langsam erholt, guckt er sich nach seinem Wohltäter um, aber der ist nicht mehr da.

Dafür sieht er andere Leute, und die Sorte kennt er. Es sind die Superheiligen, für die er immer außerhalb der Reichweite der Gnade Gottes gelegen hat. Ärger liegt in der Luft, denn sie sind immer auf Fehlersuche, und schon haben sie ihn gesehen: “Warum läufst du mit dieser Matte herum? Heute ist Sabbat!”

Ja, tatsächlich, heute ist Sabbat, aber ein ganz besonderer Sabbat! Heute ist ihm die Barmherzigkeit Gottes begegnet, und so zieht er das Genick nicht ein und senkt die Augen wie sonst, sondern antwortet: “Der Mann, der mich geheilt hat, sagte zu mir: Nimm deine Matte und geh!“ Es steht für ihn außer Frage, dass der, der ihn geheilt hat, eine höhere Autorität ist als diese Sabbatwächter, auch wenn er weder weiß, wer er ist, noch wie er heißt. Und ihre Reaktion ist sehr aufschlussreich. Sie interessieren sich nicht im Geringsten dafür, dass er gesund geworden ist, sie sehen keinen Anlass, ihm zu seinem Glück zu gratulieren, sondern sie bellen: “Wer war dieser Mann, der das gesagt hat?” Aber er kann ihnen dazu leider keine Auskunft geben.

Später trifft er ihn wieder. Der Geheilte ist in den Tempel gegangen, um Gott zu danken. Dort findet ihn Jesus. Jesus weiß, dass die Hilfe noch eine tiefere Dimension haben muss. Der Körper ist geheilt, aber die Seele braucht auch Heilung. Sie müssen über Sünde, Vergebung und Umkehr sprechen. “Du bist jetzt gesund geworden. Sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres passiert!“

Nun weiß er es: Das war Jesus. Das muss er diesen Neunmalklugen sagen. Der Messias, der Retter der Welt, hat ihn gesund gemacht, sich  von allen Leuten am Teich Betesda ausgerechnet um ihn gekümmert und ihn dann nochmal im Tempel gesucht, um ihm zu helfen, dass er von jetzt an ein neues Leben lebt.

Diese Geschichte steht im Johannesevangelium im 5. Kapitel.

Vielleicht drückt dich auch schon lange eine Schuld, ist dein Leben voller Not und Elend, und du hast keine Kraft, etwas daran zu ändern. Zu allem Überfluss musst du sagen: Ich habe keinen Menschen! Dann ist Jesus auf der Suche nach dir und fragt dich: Willst du gesund werden? Er ist nicht nur voller Mitgefühl, sondern er hat auch die Kraft, deine Sünden zu vergeben und dein Leben neu zu machen. Schütte dein Herz vor ihm aus, schenk ihm dein Vertrauen, nimm seine Barmherzigkeit an und kehre um von deinen eigenen Wegen, und du wirst gerettet und neu gemacht!

Predigt-Nachlese: Der Blick in den Spiegel

Predigttext: Jakobus 1,9-27

file0001814974274Das Kernthema des Jakobusbriefs ist in Jak.1,22 zusammengefasst:

Seid aber Täter des Wortes und nicht bloß Hörer, die sich selbst betrügen.

Unser Glaube, wenn er echt ist, muss sich in der Tat bewähren. In den vorhergehenden Versen werden wir aufgefordert, uns zu freuen, wenn unser Glaube in Schwierigkeiten erprobt wird. Diese Prüfungen zeigen uns unser eigenes Herz – dass wir ohne Gott nicht sind und nichts können – und erziehen uns zu einem bewährten, erwachsenen Christsein.

Der arme Bruder soll sich seines Reichtums bewusst sein und der reiche seiner Vergänglichkeit. Durch Christus sind wir zu Kindern und Erben gemacht und Anwärter auf die ewige Herrlichkeit. Reichtum in dieser Welt ist nicht per se etwas Schlechtes, wenn es uns klar ist, wie flüchtig er ist, und dass er uns anvertraut ist, um damit Gutes  zu tun. Gefährlich ist er, wenn er uns die Abhängigkeit von Gott vergessen lässt. Deswegen weist Jakobus uns darauf hin: Ob reich oder arm – wir sind nichts in uns selbst.

Versuchung gibt uns die Gelegenheit zur Bewährung. Wir sollen aber wissen, dass Gott uns nicht zum Bösen versucht.  Er ist ein guter Gott – nicht wie die heidnischen Götter, die ein böses Spiel mit den Menschen treiben und versuchen, sie reinzulegen. Kein Schatten fällt auf seinen vollkommen reinen Charakter. Sein Ziel ist nie, uns auf einen falschen Weg zu locken, Allerdings lockt und verführt uns unsere eigene Lust zur Sünde. Die Folge der Sünde ist geistlicher Tod, aber Umkehr ist immer möglich!

Ein Punkt, wo wir mit der Sünde schnell bei der Hand sind, ist der Zorn. Zorn führt zu nichts Positivem.Wie schnell kommen uns doch zornige, verletzende Worte über die Lippen. Immer wieder warnt uns Jakobus vor leichtfertigem, ungezügeltem Gebrauch unserer Zunge. Vor dem Reden sollte stets das geduldige Zuhören stehen.

Was das Hören des Wortes Gottes betrifft, so gibt es allerdings eine Gefahr, nämlich die, es wirkungslos an uns ablaufen zu lassen. Das ist so, sagt Jakobus, als ob du morgens in den Spiegel guckst und siehst, dass du ganz fürchterlich  zerzaust und schmutzig und verquollen bist. Und dann sagst du nur “okay” und gehst so aus dem Haus. Dafür ist ein Spiegel nicht da. Er zeigt dir, wie du aussiehst, damit du was daran änderst! Gott hält uns den Spiegel vor, damit wir darauf reagieren und unser Leben ändern. Wenn nach dem Spiegel nichts passiert, dann ist Selbstbetrug die Ursache! Jesus stellt die Frage:

 Was nennt ihr mich aber »Herr, Herr« und tut nicht, was ich sage?

Das ist tatsächlich ein sehr unlogisches Verhalten und etwa genauso verrückt, wie ein Haus auf Sand zu bauen, wo es der nächste Wolkenbruch wegschwemmt.

Ein verändertes Herz zeigt sich in dem, was wir tun, z.B. so.

Eine reine und makellose Frömmigkeit vor Gott, dem Vater, ist es, Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen und sich von der Welt unbefleckt zu bewahren.

Es geht nicht darum, durch das was man tut, vor Gott gerecht zu werden. Es geht auch nicht um (unmögliche) Perfektion. Es geht darum, Selbstbetrug und religiöse Heuchelei aufzugeben und das Leben von Gott reinigen zu lassen. Jakobus will uns zur Selbsterkenntnis bringen und uns zu Jesus treiben, der uns von innen heraus neu machen kann, damit wir das tun können, was Gott gefällt.

 

Der Realismus der Bibel

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Ich liebe die Bibel nicht zuletzt darum, weil sie nichts weichzeichnet, auch und vor allem dann nicht, wenn es um das Volk Gottes geht. Ich habe gerade das Buch der Richter durchgelesen. Es ist so realistisch, dass es einem fast übel wird: Ein Gideon, der so gut anfängt und dann selbst die Tür zum Götzendienst wieder aufstößt, Mord und Totschlag unter seiner Nachkommenschaft, ein triebgesteuerter Held Gottes wie Simson, der schließlich blind und gefangen das Mühlrad dreht, synkretistische Kulte in Privatheiligtümern, käufliche Priester, die sich dem Meistbietenden verdingen, Massenvergewaltigung  – eine Abwärtsspirale von  zunehmendem Götzendienst und geistlicher Verwirrung bis dahin, dass sie sich schlimmer aufführen als die Völker um sie her und jegliche Vollmacht verlieren, im Namen ihres Gottes zu handeln.

Was mich so betroffen macht, ist wie “klein” das ganze Elend anfängt: Ein bisschen Trägheit, ein bisschen Vergesslichkeit. Hier ein paar Kanaaniter übrig gelassen und da ein paar Götzen nicht umgehauen …. so wie wir uns manchmal mit “kleinen” Sünden und Halbheiten arrangieren, bis wir sie nicht mehr als solche empfinden. Wenn wir dann Konsequenzen erfahren müssen, heulen, und wenn Gott uns rausgehauen hat, weitermachen wie gehabt. Der Prozess ist nicht plötzlich, sondern schleichend. Irgendwann findet man seinen Zustand normal und fürchtet den Retter mehr als den Feind. Hauptsache, es wird nicht ungemütlich!

So realistisch, wie das Elend und das Böse geschildert werden, so realistisch wird auch die mitleidige Geduld Gottes beschrieben, der es nicht lassen kann, diesem Volk immer wieder Retter zu schicken. Die sind selbst unvollkommene, verdrehte Persönlichkeiten, die neben Gutem fast noch mehr Falsches tun.

Ach, das kommt mir doch alles irgendwie bekannt vor! Gibt es nicht auch unter uns Praktiken und Lehren, bei denen die Grenzen zum Aberglauben und zur Sünde sich immer mehr verwischen, bis wir manchmal schlimmer sind als die Welt? Wir sollten  uns keine Illusionen machen: Gott übt auch an seinen eigenen Leuten Gericht und hasst die Sünde bei Israel nicht weniger als bei den Kanaanitern! Er liebt die, die er erwählt hat, mit einer feuerspeienden Eifersucht – und mit einem unerschütterlichen Erbarmen. Er macht definitiv einen Unterschied zwischen “fremden” und eigenen Kindern: Wenn Gott euch nicht mit strenger Hand erziehen würde, wie er das bei allen macht, dann hätte er euch nicht als Kinder anerkannt (Hebräer 12,8).  Zu ihm zu gehören ist zugleich gefährlich und sicher. Aber nicht zu ihm zu gehören, ist hoffnungs- und heimatlos und endet in einem Gericht, aus dem es keine Rettung mehr gibt.

Jesus ist gestorben – wozu?

UnbenanntHeute morgen habe ich mir mal meine Bibel vorgeknöpft und mir notiert, wofür Jesus eigentlich gestorben ist. Um es salopp zu sagen: Was ist denn nun dabei herausgesprungen – für uns und für Gott?

Hier sind meine Ergebnisse – und ich habe sicher nur die Oberfläche angekratzt.

Das Kreuz Jesu ist die ultimative Selbst-Offenbarung der Liebe Gottes zu uns.

Gottes Liebe zu uns ist darin sichtbar geworden, dass er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte, um uns in ihm das Leben zu geben. Die Liebe hat ihren Grund nicht darin, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühnopfer für unsere Sünden gesandt hat.  1. Johannes 4,9.10

Diese Liebe  ist völlig unbegreiflich, denn wir waren seine Feinde.

Aber nicht nur seine Liebe hat Gott durch den Tod Jesu sichtbar gemacht, sondern auch seine Gerechtigkeit. Er konnte unsere Schuld nicht einfach übersehen und Fünf gerade sein lassen. Deswegen brauchte er einen Heiligen und Reinen, der selbst ohne Sünde war, und der sich an unserer Stelle richten ließ.

Ihn (Jesus) hat Gott zu einer Stätte für Sühne gemacht. Durch sein vergossenes Blut ist die Sühne vollzogen worden, und durch den Glauben kommt sie allen zugute. So hat Gott auch den Beweis erbracht, dass er gerecht gehandelt hatte, obwohl er die bis dahin begangenen Sünden der Menschen ungestraft ließ. Und heute beweist er seine Gerechtigkeit dadurch, dass er den für gerecht erklärt, der aus dem Glauben an Jesus lebt. Römer 3,25-26

Gott hat sich durch das Blut seines Sohnes eine Gemeinde “gekauft”, ein neues Volk aus allen Völkern.

Und mit deinem vergossenen Blut hast du Menschen erkauft, Menschen aus allen Stämmen und Völkern, aus jeder Sprache und Kultur. Du hast sie freigekauft für unseren Gott und sie zu Mitherrschern und Priestern für ihn gemacht. Sie regieren in Zukunft die Welt. Offenbarung 5,9.10

Gott hat sie (die Gemeinde) ja durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben. Apostelgeschichte 20,28

Was haben wir nun davon? (Bitte die Links anklicken, um zu den Bibelstellen zu gelangen!)

Und Jesus selbst?

Nach seiner Seelenqual sieht er das Licht  und wird für sein Leiden belohnt.  Jesaja 53,11

Er erniedrigte sich selbst und gehorchte Gott bis zum Tod – zum Verbrechertod am Kreuz. Darum hat Gott ihn über alles erhöht  und ihm den Namen geschenkt, der über allen Namen steht: Denn vor dem Namen Jesus wird einmal jedes Knie gebeugt; von allen, ob sie im Himmel sind, auf der Erde oder unter ihr.Und jede Zunge wird bekennen: „Jesus Christus ist der Herr!“ So wird Gott, der Vater, geehrt. Philipper 2,8-11

Wer aber sein Opfer ablehnt, dem kann nicht mehr geholfen werden. Dem bleibt

nur noch das furchtbare Warten auf das Gericht und das wütende Feuer, das die verzehren wird, die sich gegen Gott gestellt haben. Hebräer 10,27

So sind wir nun Botschafter für Christus, und es ist Gott, der durch uns mahnt. Wir bitten im Auftrag von Christus: Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet! 2.Korinther 5,20.21

Predigt-Nachlese: Tränen am Krönungstag

Predigttext: Lukas 19,37-44

Ist das nicht ein wunderbarer Tag, als die feiernde Menge Jesus als König begrüßt? Die Menschenmenge hofft auf ihn. Sie hat seine Wunder gesehen. Zuletzt hat sich die Nachricht  von der vollmächtigen Auferweckung des Lazarus von den Toten wie ein Lauffeuer verbreitet. Er ist der Messias, das ist klar! Die Atmosphäre der Erwartung, dass er sie jetzt von den Römern befreien und das davidische Königreich wiederherstellen wird, macht sich Luft in lauten Jubelrufen, dem Krönungslied des Messias aus den Psalmen:

Gepriesen sei der König, der kommt im Namen des Herrn! Frieden dem, der im Himmel ist,  Ehre dem, der in der Höhe wohnt!

Die lautstarke Freude reißt alle mit außer den religiösen Führern. Die sehen diesen Jubel eher als Blasphemie an. Für sie ist Jesus nicht der Retter, der durch das ganze Alte Testament versprochen wurde, nicht der Sohn Gottes. Aber sie sehen sich nicht in der Lage, dem Lobpreis der Volksmenge Einhalt zu gebieten. Das könnte jetzt höchstens Jesus selber, und so appellieren sie an ihn: Rabbi, bring deine Jünger doch zur Vernunft! Aber Jesus sieht dazu keinen Anlass, denn er ist der Messias. Er kann diese Huldigung nicht zurückweisen. Wenn sie schweigen, antwortet er, werden die Steine schreien.

(Zur Frage, was die schreienden Steine bedeuten, lies bitte hier).

Jesus akzeptiert die Anbetung der Volksmenge, aber er schaut tiefer und weiter. Er weiß, dass die selben Leute bald Kreuzige ihn! schreien werden, wenn sie merken, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Wie viel von dem, was wir heute als Anbetung erleben, hat wohl seinen Grund lediglich in falschen Erwartungen an Gott? Die Aufforderung, sich als Jünger Jesu selbst zu verleugnen und sein Kreuz auf sich zu nehmen, wird überhört – statt dessen soll Jesus unser Ego boosten und unsere Wünsche erfüllen, und wenn nicht, dann hat er keinen Wert mehr. Und das liegt daran, dass wir unser eigentliches Problem – unser Verlorensein in unseren Sünden – genau wie die Menschen damals nicht erkannt haben.

So kommt es, dass Jesus in Tränen und lautes Weinen ausbricht, als er Jerusalem sieht. In ihm hat Gott sein Volk besucht, um es von seinen Sünden zu retten. Aber sie haben ihn, die fleischgewordene Barmherzigkeit Gottes, nicht erkannt. Er wollte ihnen Frieden mit Gott geben, aber sie haben gegen sein Licht einen Wall aufgeschüttet. Jetzt muss er ihnen das Gericht ankündigen:

Es kommt für dich eine Zeit, da werden deine Feinde einen Wall um dich bauen; sie werden dich belagern und dich von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Bewohner niederwerfen und in der ganzen Stadt keinen Stein mehr auf dem anderen lassen, weil du die Gelegenheit, in der Gott dich besuchte, verpasst hast.

Das alles ist 70 n.Chr. über Jerusalem gekommen. Genauso sicher kommt das Gericht über jeden, der nicht Buße tut. Schützen wir uns auch mit einer Mauer aus Selbstgerechtigkeit vor Jesus, oder lassen wir uns warnen und kehren um?  Muss er über uns weinen, weil wir seinen Frieden ablehnen, oder lassen wir uns retten?

Das Kreuz mit dem Stolz und das Kreuz

Stolz ist eine sehr gefährliche Sache. Wir wissen, dass Gott Stolz und Hochmut hasst. Er ekelt ihn an. Niemand weiß besser als er, wie absolut unberechtigt Stolz außerdem ist, weil wir sowieso nichts haben und können, was er uns  nicht zuvor gegeben hat.

Der Stolz kommt in vielen Verkleidungen. Er kann sogar einen Kopfstand machen – dann sieht er fast wie Demut aus. Aber wie er sich auch dreht und wendet, er dreht sich immer um die selbe Person: um mich – meine Ehre, meine Stellung, meine Frömmigkeit meine Heiligkeit, mein Können, mein Wissen.

Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, kriegen wir deshalb manchmal Angst vor uns selbst, weil wir merken, wie viel von diesem Mist in uns steckt. Immer wenn uns etwas gelingt, steigt es uns zu Kopf. Wenn uns jemand lobt, können wir uns gar nicht mehr freuen, weil wir gleich merken, wie uns das aufbläst. Was kann man da machen?

In unserer Not entwickeln wir interessante Strategien. Auf anerkennende Worte antworten wir stereotyp: “Gott allein die Ehre!” Oder wir hören auf, manche Dinge zu tun. Vielleicht sollte ich nicht mehr singen, wenn ich eine gute Stimme habe? Ich könnte ja stolz werden. Vielleicht sollte ich niemand mehr einen Rat geben? Er könnte ja helfen, und die Person könnte auf die Idee kommen, was von mir zu halten. Vielleicht sollte ich mein Bibelwissen lieber für mich behalten? Steht nicht geschrieben, dass Wissen aufbläht?

Am besten warten, bis es besser mit uns wird! Wir werden in den Dienst einsteigen, wenn unsere Heiligung Fortschritte gemacht hat. Irgendwann müssen wir doch wohl unseren Stolz unter die Füße kriegen?! – Du merkst schon, ich rede aus Erfahrung. Und nun sag ich dir was: Es wird nie besser. In unserem sündigen “Fleisch” bleibt alles, wie es ist.

Na, Ruth, du machst mir ja Hoffnung! Was soll ich denn tun? Es muss doch eine Lösung geben?

Ja! Die gibt es auch, sonst wäre das Evangelium keine gute Botschaft. Mein Stolz ist am Kreuz Jesu verurteilt, gerichtet und abgetan, und alles was ich tun muss, ist dieser TATSACHE im Glauben zuzustimmen. Dann kann der Stolz sich regen, wie er will, ich ignoriere ihn eiskalt und lass ihn nicht über mich regieren. Ich sage zu ihm: Du bist gerichtet, und das zu Recht! Mein Herr heißt Jesus, und ihm diene ich durch die Kraft des Heiligen Geistes mit allem, was ich bin und habe. Und dann verschwindet diese merkwürdige Angst-Lähmung, die davon kommt, dass man auf seine eigene Sündhaftigkeit starrt wie das Kaninchen auf die Schlange.

Werde ich nun nie mehr sündigen? Ich werde. Und der Heilige Geist wird mich darauf aufmerksam machen, und ich werde meine Sünde bekennen und wieder aufstehen und weitermachen im Dienst Gottes.

Nuggets aus 4.Mose

Ichimage lese zur Zeit 4.Mose, und eigentlich bin ich bei jedem Kapitel innerlich am Jubeln: Ich freue mich über dein Wort, wie einer der große Beute macht! (Psalm 119,162)

Eine Auswahl von Nuggets, die ich dabei gefunden habe, möchte ich gerne teilen. Manche sind einfach zum Freuen, manche bringen uns eine gesunde Gottesfurcht bei, ermahnen uns  oder zeigen uns an Vorbildern, wie Gott es gerne haben möchte.

  • Auch Heiden durften sich schon damals unter den Schutz des Blutes des Passa-Lammes begeben: Wenn ein Fremder bei euch lebt und Jahwe das Passa feiern will, soll er es nach den Ordnungen und Vorschriften des Passafestes tun. Für den Fremden und den Einheimischen im Land gilt dieselbe Ordnung. (10,14) Das freut mich als Nicht-Juden natürlich sehr!
  • Israel wurde vom Herrn eine Heimat versprochen. Uns auch! Wir brechen auf zu dem Ort, von dem der HERR gesagt hat: „Ich will ihn euch geben.“ (10,28) Was der Herr verspricht, das passiert auch!
  •  Murren über Gottes Führung in unserem Leben ist eine ernste Sache: Es zeigt, dass wir Gott verwerfen. Denn ihr habt Jahwe verworfen, der unter euch gegenwärtig ist, und vor ihm gesagt: ‚Warum sind wir nur aus Ägypten gezogen?‘ (11,20)
  • Ein Charakter ohne Ehrgeiz und Eifersucht, der Gott gefällt und resistent dagegen ist, von anderen hochgejubelt zu werden: Und Josua, der Sohn des Nun, der schon von seiner Jugend an der Diener des Mose gewesen war, antwortete: Mein Herr, Mose, halte sie zurück! Aber Mose sagte zu ihm: Eiferst du für mich? Mögen doch alle im Volk des HERRN Propheten sein, dass der HERR seinen Geist auf sie lege! (11,29)
  • Wen Gott beauftragt, der muss sich nicht selbst verteidigen, der wird von Gott verteidigt: Warum habt ihr euch nicht gefürchtet, gegen meinen Knecht, gegen Mose, zu reden? Und der Zorn des HERRN entbrannte gegen sie, und er ging weg. (12,7)
  • Glaube oder Unglaube – das beeinflusst, wie wir die Herausforderungen unseres Lebens sehen. Entweder so: Wir werden hinaufziehen und das Land in Besitz nehmen! Wir können es sehr wohl erobern.  – oder so: Wir können es nicht! Das Volk im Land ist stärker als wir.  (13, 30.31) Dabei geht es nicht um Selbstsicherheit, sondern um das Rechnen mit Gott aufgrund seiner konkreten Zusagen!
  • Wir kränken Gott durch unsere ungläubige Verzagtheit. Sie ist kein unentrinnbarer Gemütszustand, sondern Sünde! Wie lange will mich dieses Volk noch verachten? Wie lange noch wollen sie mir nicht glauben, obwohl ich ihnen so viele Zeichen meiner Macht und Fürsorge gab?  (14,11)
  • Wer, statt Buße zu tun und sich unter Gottes Züchtigung zu beugen, es aus eigener Kraft jetzt einfach “besser machen” will, den nennt Gott vermessen. Sie sagten: Hier sind wir und wollen an den Ort hinaufziehen, von dem der HERR geredet hat; denn wir haben gesündigt. Aber Mose sagte: Warum denn übertretet ihr den Befehl des HERRN schon wieder? Es wird euch nicht gelingen. Zieht nicht hinauf – denn der HERR ist nicht in eurer Mitte -, damit ihr nicht vor euren Feinden geschlagen werdet! Denn die Amalekiter und die Kanaaniter stehen euch dort gegenüber, und ihr werdet durchs Schwert fallen. Weil ihr euch von der Nachfolge des HERRN abgewandt habt, wird der HERR nicht mit euch sein. Doch sie waren so vermessen, auf die Höhe des Gebirges hinaufzuziehen. (14,40-44)

 

Fortsetzung folgt!