Schlagwort-Archive: Unterstützung

Sei ein Gelenk-Mensch!

hand-214098_1920

An vielen Stellen im Neuen Testament wird die Gemeinde Gottes als ein Körper dargestellt. Christus ist das Haupt und wir, die Gläubigen, sind seine Glieder. Wir sind mit unterschiedlichen Gaben ausgerüstet und haben unterschiedliche Aufträge, aber immer zum Wohl des Ganzen.

In meiner Bibellese heute morgen fiel mir auf, dass da nicht nur von Gliedern die Rede ist, sondern auch von Gelenken. Auch in Kolosser 2,19 ist davon die Rede, dass dieser Leib zusammengehalten und gestützt wird durch Bänder und Gelenke.

Man stelle sich Glieder ohne Gelenke vor! Weder Bewegung noch Stabilität wäre möglich. Gelenke sind nötig, damit der Körper als Ganzes funktionieren kann. Die Gelenke verhindern sozusagen, dass die Glieder ein sinnfreies Einzelgänger-Leben führen.

Nun war meine Neugier geweckt! Wer oder was sind die Gelenke in der Gemeinde?

Als ich die Stelle im Kolosserbrief im Zusammenhang studierte, stellte ich fest, dass da Leute beschrieben werden, die so eine Art “Anti-Gelenk” waren. Als aufgeblasene Supergeistliche werden sie beschrieben, die vor allem an ihrem eigenen geistlichen Image basteln. Paulus warnt vor dem Durcheinander, das sie anrichten:

Lasst euch durch niemand davon abbringen, durch keinen, der sich in Demutsübungen gefällt und Engel verehrt und das mit Visionen begründet, die er gesehen haben will. Solche Menschen haben eine ungeistliche Gesinnung und sind ganz ohne Grund stolz und aufgeblasen. Sie halten sich nicht an das Haupt, von dem doch der ganze Leib zusammengehalten und durch Gelenke und Bänder gestützt wird und nach Gottes Willen wächst. Kolosser 2,18.19

Wer sich nicht an das Haupt hält, integriert sich auch nicht in den Leib.

Aber gibt es auch Gelenk-Menschen, und wodurch zeichnen sie sich aus? Solche, die andere darin unterstützen, zusammen zu funktionieren nach den Vorgaben des Hauptes (= Christus)?

Einige kamen mir in den Sinn. Oft sind es solche, die Paulus am Ende seiner Briefe besonders grüßen lässt oder die selbst Grüße ausrichten lassen. Da ist Phöbe aus Kenchräa, die vielen – auch Paulus selbst – eine Stütze gewesen ist. Priska und Aquila haben ihren Kopf für Paulus hingehalten und der Gemeinde ihr Haus geöffnet. Viele andere werden erwähnt, darunter eine Menge Frauen. Sie sind einfach Mitarbeiter, keine Apostel und Propheten, aber Leute, die den Dienst eines Apostels durch ihren helfenden Einsatz erst ermöglichen. Ich denke an Epaphras, der vor allem im Gebet ganz besonders für drei Gemeinden  einsteht, für die Gott ihm eine Last aufs Herz gelegt hat, oder Lukas, der Arzt, der den Apostel begleitet und Aufzeichnungen macht. Und viele nicht namentlich Genannte, die Geld geben, als Schreiber dienen, ihr Haus öffnen, treu beten, Nachrichten überbringen, Gefangene besuchen und ermuntern usw.

Diese Gelenk-Menschen brauchen keinen Gabentest und jahrelangen Aufwand, um ihre Berufung zu finden. Sie tun einfach das Nächstliegende und das, was die Liebe zu den Brüdern gebietet, und sind treu darin. Sie sind froh und zufrieden, wenn sie andere in ihrem Dienst unterstützen können. Weil sie nicht auf Menschen orientiert sind, sondern sich ans Haupt halten, brauchen sie keine große Bühne, machen aber auch nicht einfach alles, was ihnen irgendjemand aufträgt, sondern kennen das Ziel.

Die Gemeinde braucht Gelenk-Menschen. Willst du einer sein?

Buchführung nach Gottes Weise

calculation-390319_1280 (1)

Der Philipperbrief gibt uns einen interessanten Einblick in die Art und Weise, wie Gott Buch führt. Die Gemeinde in Philippi hatte Paulus Geld geschickt, das er auch dringend brauchte. Was mir auffällt: Paulus sagt nirgends “Danke!” – sondern er hat eine ganz andere Perspektive auf diese Gabe, die wir uns, denke ich, auch zu eigen machen sollten.

Er sagt, er hat sich “Im Herrn” gefreut. Nicht für sich (wahrscheinlich auch), sondern für die Philipper! Da war eine Blüte aufgegangen bei den Philippern. Gott hatte die Anteilnahme an den Bedürfnissen des Apostels in ihre Herzen gesät und Knospe und Blüte entwickelt. Es war ein längerer Wunsch bei ihnen vorausgegangen, das zu tun, und nun hatten sie endlich die Mittel. Paulus sah nie einen Anlass, “die Knospen zu massieren” und etwas zu fordern, sondern er konnte auf Gott warten, weil er bereit war, mit jedem Lebensumstand zurechtzukommen. Er sagt hier, dass er es gelernt hat, was wohl bedeutet, dass es nicht immer einfach war. Gott musste ihm definitiv die Kraft dazu geben.

Übrigens: Dadurch, dass Paulus nicht den Philippern dankt, entgeht er einer häufigen Falle: Er wird von seinen Gebern nicht abhängig.  Ihre Gabe verleiht ihnen weder Macht noch Weisungsbefugnis in seinem Dienst. Der Herr steht immer zwischen ihnen und ihm – als der, der alles gibt, und der, der die Konten führt.

Von seiner Seite aus gibt es also keinen Anspruch und keine Forderung und von ihrer Seite auch nicht. Trotzdem wird hier von einer Buchführung des gegenseitigen Gebens und Nehmens gesprochen: Wer Geistliches empfängt, für den ist es recht und billig, Materielles zurückzugeben, sofern er es hat. Wer bedient wird, soll auch seinerseits dienen, nicht aus Zwang, sondern aus innerem Bedürfnis. Es soll eine Frucht sein, keine Gesetzeserfüllung. Und jetzt macht Paulus eine interessante Rechnung auf: Obwohl eigentlich nichts passiert ist, als dass die “Konten” nun ausgeglichen sind, bucht Gott diese Frucht – die er ja selbst gewirkt hat – auf die Haben-Seite der Philipper! Wenn das mal nicht Gnade ist! Und er verspricht, ihnen alles zu geben, was sie bedürfen.

Am Ende dieser Kalkulation sind alle von Gott beschenkt und im Plus, und der Überfluss an Dank geht an ihm.

Gelesen habe ich das in Philipper 4,10-20