Schlagwort-Archive: Verfolgung

Predigt-Nachlese: Der sicherste Platz der Welt

…ist im Zentrum des Willens Gottes.

chicks-706486_1280Predigttext: Apostelgeschichte 23,12-35

Diese Erfahrung darf Paulus auch machen. Nach den Turbulenzen der letzten Tage, die ihn mehrmals an den Rand des Todes gebracht haben, begegnet ihm der Herr in der Nacht im Gefängnis und ermutigt ihn. Das hier ist noch nicht das Ende, weder seines Lebens noch seines Dienstes. Er hat nach seiner Bekehrung auf der Straße nach Damaskus einen Auftrag  und eine Berufung empfangen. Dieser Lauf ist noch nicht vollendet, und bis dahin ist sein Leben trotz aller Feindseligkeiten unzerstörbar.

Jetzt gibt ihm Jesus noch mal eine ganz konkrete Zusage: Du wirst in Rom für mich Zeugnis ablegen. Und er gibt seinem Knecht die Anerkennung, nach der seine Seele dürstet: …. so wie du in Jerusalem für mich gezeugt hast … Mag Paulus seine Versuche, seine Volksgenossen von Jesus zu überzeugen, vielleicht als Fehlschlag werten – Jesus sieht das anders.

Nun weiß Paulus zwar, dass er nach Rom kommen wird. Dass sich das noch zwei Jahre hinziehen wird, kann er aber nicht ahnen. Aber er braucht auch nicht ins Morgen zu schauen – es ist der allmächtige und souveräne Gott, der sein Leben führt. Dieser Gott sieht auch, dass sich schon der nächste Mordanschlag zusammenbraut, und hat schon Vorsorge getroffen, um ihn zu vereiteln. Der Hass der Gegner, deren religiöser Eifer sich mit Morden und Lügen gut zu vereinbaren scheint, hat im Lauf der Geschichte bis in unsere Zeit immer wieder Nachahmer gefunden. 40 Fanatiker haben sich mit einem Eid verschworen, nichts zu essen und zu trinken, bis sie Paulus getötet haben – einen Eid, dem sie nicht Genüge tun können! Denn ihr heimtückischer Plan kommt ans Licht durch den Neffen des Paulus, dem die Sache irgendwie zu Ohren gekommen ist, und der den zuständigen Befehlshaber darüber informiert. Was für Zufälle Gott hier arrangiert, um seinen Knecht zu beschützen!

Der Befehlshaber Claudius Lysias beschließt sofort, Paulus zu seinem Vorgesetzten Felix zu überstellen, ehe die Mörder zuschlagen können. Er lässt ihn von 200 (!) Soldaten begleiten und schickt einen Brief mit, in dem er einerseits die objektive Unschuld des Paulus feststellt, andererseits den Schwarzen Peter der endgültigen Entscheidung (mit dem Potential, die Juden gewaltig zu verärgern) an Felix weiterreicht.

Felix lässt ihn im Palast des Herodes aufbewahren, bis seine Ankläger kommen. Es ist zu vermuten, dass es Paulus dort – abgesehen vom Verlust seiner Freiheit – nicht schlecht geht. Das ist ein Zeichen der Fürsorge Gottes für seinen arg gebeutelten Diener. Er weiß, wann er mit Schlägen und Steinigungen innerlich zurecht kommen kann und wann er ein bisschen Ruhe braucht.

Für Paulus sind allerdings weder die guten noch die schlechten Erfahrungen das, was über seine Bereitschaft zur Nachfolge entscheidet. Leiden ist nicht nur ihn selbst, sondern für alle Kinder Gottes, ein unabdingbarer Bestandteil des Weges mit Jesus. Das hat er immer ganz klar gesagt. Aber genauso sicher ist, dass Jesus immer an der Seite der Seinen sein wird mit seiner Gegenwart, seiner Fürsorge und seinem Trost. Das Ziel des Glaubenslaufs liegt aber weder im Wohlergehen noch im Leiden, sondern in der Verherrlichung Gottes und in der Verkündigung des Evangeliums. Diesem Ziel alle Eigeninteressen unterzuordnen, hat uns Paulus vorgemacht.

Predigt-Nachlese: Bedrängt, aber nicht erdrückt

Apostelgeschichte 22,17 – 23,11

machine-369519_1280Zur Vorgeschichte: Paulus war in Jerusalem beschuldigt worden, Heiden in den Tempel gebracht und ihn dadurch geschändet zu haben. Als die aufgebrachte Menge ihn umbringen will, interveniert der römische Oberste, lässt ihn fesseln und ins Lager bringen, um zu erfahren, was die Ursache dieser Aufregung ist. Er erlaubt Paulus, der ihn darum bittet, zu der Volksmenge zu reden.

Paulus spricht nun das Volk in Hebräisch an. Er erzählt ihnen, wie auch er ein Christenhasser gewesen ist, und wie die Begegnung mit Jesus zu einer völligen Kehrtwende  geführt hat. Wie Gott ihm durch Hananias seine Berufung zum Zeugen über das Widerfahrene mitteilen ließ, und das für alle Menschen … und dann hatte es noch eine Vision im Tempel gegeben, bei der Gott zu ihm gesagt hat: Geh, denn ich will dich weit weg zu den anderen Völkern senden!

Bis hierhin haben die Leute ihm zugehört – jetzt bricht der Sturm wieder los. Sie schreien nach seinem Tod. Was war an dem, was er sagte, so schlimm für sie? Dass Heiden – ohne vorher zum Judentum zu konvertieren und die Gebote zu halten, ohne Beschneidung, ohne jegliche Selbstverbesserung –  gerettet und ins Volk Gottes akzeptiert werden sollten, das geht ihnen über die Hutschnur und ist ein Affront gegen all die Mühe, die sie sich geben, um Gott zu gefallen, und gegen ihren Stolz als auserwähltes Volk.

Der Kommandeur ist ratlos. Er hat wohl die hebräische Ansprache nicht verstanden. Schon wieder muss er diesen Mann vor dem Mob retten, und er möchte jetzt unbedingt wissen, was hier los ist. Er befiehlt also die Folter: Paulus soll mit Geißelhieben zu einer brauchbaren Aussage gebracht werden.

Paulus weiß, dass das böse enden wird, denn er hat nichts zuzugeben! Darum bringt er seine römische Staatsbürgerschaft ins Spiel. Es ist verboten, einen Römer mit solchen Methoden zu traktieren; schon dass man ihn ohne Grund gefesselt hat, ist widerrechtlich. Dem Obersten wird es heiß und kalt, als er erkennt, in was er sich da reingeritten hat. Wie soll er aber auch ahnen, dass dieser Jude, der Hebräisch und Griechisch flüssig spricht, ein gebürtiger Römer ist!

Am nächsten Tag beruft er den Sanhedrin ein. Vielleicht kommt er so dahinter, welche Anklage gegen Paulus erhoben wird. Was für eine emotionale Achterbahnfahrt ist das alles für den Apostel, was für eine Herausforderung für sein Vertrauen in Gott! Nun steht er also vor dem Hohen Rat der Juden, dem er selbst früher einmal angehört hat! Er schaut ihnen in die Augen und tritt trotz der Ernsthaftigkeit seiner Liebe gleich ins nächste Fettnäpfchen: Meine Brüder, sagt er, ich habe Gott immer mit einem reinen Gewissen gedient und daran hat sich bis heute nichts geändert. Hier kann nur eine Seite ein reines Gewissen haben – er oder sie! So etwas aus dem Mund dieses Verräters! Der Hohepriester lässt ihn auf den Mund schlagen, worauf Paulus ihn als getünchte Wand bezeichnet. Das beschreibt diesen Mann ziemlich zutreffend. (Nach dem Geschichtsschreiber Josephus war der Hohepriester Hananias  dafür bekannt, dass sein Reichtum auf dem Unterschlagen von Spenden beruhte.) Trotzdem entschuldigt sich Paulus, als ihn die Umstehenden darauf hinweisen, dass er den Hohepriester Gottes beleidigt hat.

Als Paulus erkennt, dass sowohl Pharisäer als auch Sadduzäer anwesend sind (im Gegensatz zu den ersteren lehnten die Sadduzäer alles Übernatürliche und die Auferstehung ab), bringt er seine Erfahrung auf den strittigen Punkt: Im Grunde stehe ich hier vor Gericht, weil ich an die Auferstehung der Toten glaube! Nur ein auferstandener Jesus konnte ihm erschienen sein! Daraufhin spaltet sich die Menge und steigert sich in ihren eigenen Streit hinein. Schließlich schlagen sich sogar einige Pharisäer fast auf seine Seite oder wollen jedenfalls nicht alles ganz vom Tisch fegen: Vielleicht hat ja tatsächlich ein Engel oder ein Geist zu ihm gesprochen.

Zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit muss ihn der Oberste retten. Er muss diese Juden für völlig verrückt gehalten haben. So ein Gebrüll und Getobe und Mordlust ohne sichtbaren Grund! Für Paulus aber ist es ein schwerer Tag: So viel von dem Hass gegen seinen Herrn hat er abbekommen, drei große Gelegenheiten hat er gehabt – und nie war er wirklich bis zur Verkündigung der guten Botschaft durchgedrungen! Welche Gedanken und Fragen mögen diese Nacht in Gefangenschaft erfüllt haben? Aber er war nicht allein, der Herr war bei ihm und wusste, welche Ermutigung er brauchte: Sei guten Mutes! Denn wie du meine Sache in Jerusalem bezeugt hast, so musst du sie auch in Rom bezeugen.

Paulus wird für den Rest seines Lebens im Gefängnis sitzen, aber das wird die Pläne Gottes nicht hindern. Er wird evangelisieren und zeugen und der Gemeinde dienen. Sein guter Mut hängt nicht von den äußeren Umständen ab. Die Zusage, dass Gottes Ziele für sein Leben sich erfüllen, macht ihn unüberwindlich – und uns auch, wenn wir demselben Gott angehören.

Predigt-Nachlese: Liebe macht aus Katastrophen Gelegenheiten

Predigttext: Apostelgeschichte 21,47 – 22,16

chains-19176_1280 Paulus war mit einigen nichtjüdischen Brüdern nach Jerusalem gekommen. Sie brachten den Jerusalemer Christen Geld, das die Glaubensgeschwister in Griechenland und Mazedonien für sie gesammelt hatten. Er freute sich an diesem Ausdruck der Einheit zwischen den Christus-Gläubigen aus den Juden und aus den Heidenvölkern. Durch dieses miteinander Teilen sagten sie: Wir gehören zusammen als der eine Leib Christi. Dieses Zusammenwachsen lag Paulus sehr am Herzen!

Das hinderte ihn aber nicht daran, ein paar jüdischen Brüdern bei der Erfüllung ihrer Gelübde beizustehen, wie Jakobus ihn gebeten hatte. Dabei wurde er nun von Juden aus Asien im Tempel gesehen. Der zentrale Tempelbezirk war für Heiden gesperrt; sie durften sich nur im sogenannten “Vorhof der Heiden” aufhalten. Nun meinte jemand, der Paulus zuvor mit Trophimus, einem Nichtjuden aus Ephesus, in der Stadt gesehen hatte, Paulus habe Heiden in den Tempel gebracht  – ein Frevel! Im wegen des Passafestes überfüllten Jerusalem kam es dann ganz schnell zur Zusammenrottung eines aufgebrachten Mobs. Dieser Mensch, von dem sowieso das Gerücht ging, er predige gegen das Volk, das Gesetz und den Tempel, hatte sich erdreistet, das Heiligtum zu verunreinigen? Blasphemie! Er war des Todes! Sie schnappten ihn, schlugen ihn und wollten ihn umbringen.

Was wohl in Paulus vorging? Hier war Stephanus unter sehr ähnlichen Beschuldigungen aus der Stadt geschleift und gesteinigt worden. Damals war er, Paulus, auf der Seite der Mörder gewesen … jetzt war er auf der Seite Jesu.

Die Römer überwachten das Geschehen rund um den Tempel von der Burg Antonia aus. Daher konnte auch jetzt der Chiliarch mit seinen Soldaten schnell eingreifen. Er ließ Paulus dem wütenden Mob entreißen, gefangen nehmen und fesseln – so wie Agabus es voraus gesagt hatte! Unter dem Geschrei der mordgierigen Menge wurde Paulus zum Lager gebracht. Aber ehe Paulus dort in Sicherheit gesetzt werden konnte, hatte er eine Bitte. Erlaube mir doch, zu dem Volk zu reden!

Paulus sieht – mitten in der Katastrophe seiner Gefangennahme – in dieser feindseligen Menge  Menschen, die so sind, wie er früher war. Nur die Gnade, die Begegnung mit dem Auferstandenen, hatte aus ihm einen anderen gemacht. Aber diese Leute hier waren seine “Brüder nach dem Fleisch”, von denen er im Römerbrief (9,2.3) schreibt:

Mein Herz ist von tiefer Traurigkeit erfüllt, und es quält mich unablässig, wenn ich an die Angehörigen meines Volkes denke, an meine Brüder und Schwestern, mit denen ich durch die gemeinsame Abstammung verbunden bin. Für sie hätte ich es auf mich genommen, verflucht und für immer von Christus getrennt zu sein.

Er sieht hier keine Feinde, sondern Menschen, die das Evangelium brauchen – und eine wunderbare Gelegenheit zur Verkündigung!

Tatsächlich bekommt er die Erlaubnis dazu, und das Volk wird sogar ruhig. Obwohl er normalerweise Griechisch sprach, spricht er sie auf  Hebräisch an. Liebe Brüder und Väter! …Ich bin ein Jude wie ihr. Und er erzählt ihnen seine Geschichte, wer er war, und wie er wurde, der er ist. Ein Schüler des berühmten Rabbis Gamaliel, ein strenger Pharisäer und Christenverfolger – bis Jesus ihm begegnete. Die Herrlichkeit Jesu ließ ihn erblinden, so dass er seine geistliche Blindheit erkannte. Von da an war alles anders. Er bekannte in der Taufe, dass ihm, dem “Super-Pharisäer”, dem vermeintlich Gerechten, die Gerechtigkeit Gottes und die Beschneidung des Herzens gefehlt hatte, und dass er sie in Jesus gefunden hatte.

Er sagt ihnen die ganze Wahrheit, weil er sie liebt, obwohl sie ihn nicht hören wollen. Sie wollen nicht auf einer Stufe stehen mit den Heiden als rettungsbedürftige Sünder.

Was können wir von Paulus lernen?

  • Er lehnt sich gegen Schwierigkeiten nicht auf, sondern nimmt sie an als Plan Gottes.
  • Er sieht in Katastrophen Gelegenheiten für das Evangelium und Herausforderungen für sein Vertrauen.
  • Die Liebe lässt ihn Brücken suchen zu seinen Feinden.
  • Wenn er über sich selbst spricht, dann zur Verherrlichung seines Herrn Jesus Christus!

Predigt-Nachlese: Zielorientiert laufen

Predigttext: Apostelgeschichte 21,1-17

runners-751853_1280

Ich will meinen Lauf mit Freuden vollenden, hatte Paulus den Ältesten von Ephesus gesagt. Gott hatte ihm einen Dienst aufgetragen,  nämlich durch Verkündigung und durch das Zeugnis seines ganzen Lebens das Evangelium von der Gnade Gottes bekannt zu machen. Diesem Ziel ordnet er alles andere unter. Sein Herr und Erlöser ist es ihm wert! Die Liebe und Vergebung Gottes hatte aus einem hassgetriebenen Verfolger der Gemeinde einen Menschen gemacht, der die Jesus-Jünger  über alles liebte und sein Leben für sie hingab.

Nachdem er sich in einem tränenreichen Abschied von den Ältesten von Ephesus förmlich losgerissen hat, ist Tyrus seine nächste Station. Er weiß, dass es dort Jünger gibt. Wer die Gemeinde gegründet hat, wissen wir nicht, aber vermutlich sind es Gläubige auf der Flucht vor der Verfolgung gewesen – auf der Flucht vor ihm in seinem alten Leben als erbitterter Feind der Gemeinde Jesu. Jetzt hat er nichts Wichtigeres zu tun, als diese Jünger zu suchen, um sie zu ermutigen, und er findet sie auch und bleibt sieben Tage bei ihnen. Der Heilige Geist hat ihnen etwas gezeigt, was Paulus auch schon weiß: Dass er in Jerusalem in große Schwierigkeiten kommen wird. Weil sie ihn lieben, ermahnen sie ihn, doch dort nicht hinzugehen. Als er weiterziehen muss, begleiten sie ihn bis ans Ufer, wo sie niederknien und beten und so Abschied nehmen. Wo Kinder Gottes aufeinandertreffen, ist sofort dieses Band tiefer geistlicher Gemeinschaft geknüpft.

Die nächste Stadt auf seiner Reiseroute ist Ptolemäus – auch dort begrüßt er die Brüder – und dann geht es weiter nach Cäsarea. Hier trifft er den Evangelisten Philippus und seine vier weissagenden Töchter, die ihn ein paar Tage bei sich aufnehmen. In dieser Zeit besucht sie Agabus. Agabus ist schon als Prophet bekannt; er hatte die Hungersnot unter Klaudius vorausgesagt. (Er hat übrigens die Kennzeichen eines echten Propheten: Was er sagte, traf ein.) Ähnlich wie manche Propheten im Alten Testament stellt er das, was er sagt, bildlich dar: Er bindet sich mit Paulus Gürtel Hände und Füße und sagt: So spricht der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Heiden ausliefern!  Alle, die dabei sind, fangen an, auf Paulus einzureden. Er soll doch bitte nicht nach Jerusalem gehen! Sie können sich vermutlich nichts anderes vorstellen, als dass dies eine Warnung ist. Aber Paulus sieht das anders. Es soll ihn nicht abhalten, sondern vorbereiten. Und es gibt ihm auch die Gelegenheit, seinen Leuten zu demonstrieren, dass Schwierigkeiten nicht dazu da sind, umgangen zu werden, sondern dass er ganz bewusst da hinein geht, um sein Ziel zu erreichen. Schon ganz am Anfang seines Glaubensleben war ja Ananias bezüglich Paulus gesagt worden:  Dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, um meinen Namen vor Heiden und Könige und vor die Kinder Israels zu tragen! Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen. (Apostelgeschichte 9,15.16) Bei seinem Auftrag war Leiden inklusive, aber er hatte ihn angenommen und es nie bereut. Es war alles so im Plan Gottes. Das müssen schließlich auch seine besorgten Freunde akzeptieren.

Wir wissen, dass Paulus auch später nicht ins Wanken gekommen ist. Aus dem Gefängnis haben seine Worte das Gewicht der Erfahrung, wenn er den Ephesern schreibt: Als einer, der für den Herrn im Gefängnis ist, ermahne ich euch: Lebt so, wie es der Berufung entspricht, die an euch erging. Seid euch der eigenen Niedrigkeit bewusst und begegnet den anderen freundlich, habt Geduld miteinander und ertragt euch gegenseitig in Liebe. Bemüht euch sehr darum, die Einheit, die der Geist Gottes gewirkt hat, im Verbund des Friedens zu bewahren. Ihr seid ja ein Leib; in euch lebt der eine Geist und ihr habt die eine Hoffnung bei eurer Berufung bekommen.

Er ermutigt uns, auch unser Rennen zielorientiert zu laufen, in der Einheit und Gemeinschaft, die uns Gott in seiner Gemeinde durch seinen Geist schenkt, und uns von nichts erschrecken und abbringen zu lassen.

Predigt-Nachlese: Was Jesus für uns auf dem Herzen hat

Predigttext: Johannes 17 – das hohepriesterliche Gebet Jesu

image In den letzten Tagen vor seinem Leiden und Sterben weiß Jesus nicht nur, dass ihm das Kreuz bevorsteht, sondern auch, dass er jetzt bald aus dieser Welt zum Vater gehen wird. Und – wie Johannes in Kapitel 13, 1 sagt – wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.

Die Seinen, die, die der Vater ihm gegeben hat, legt er jetzt zurück in die Hände des Vaters. Den souveränen göttlichen Beschluss, der schon vor Grundlegung der Welt gefasst worden war, hatte er ausgeführt: Er hatte den Erwählten das ewige Leben gegeben.

Dieses Kapitel spiegelt die vollkommene Einheit zwischen dem Vater und dem Sohn wieder. Sie haben eine Intention: Der Sohn will den Vater verherrlichen. Der Vater will den Sohn verherrlichen. Und in diese Herrlichkeit werden die mit aufgenommen, die Jesus angehören.

Es ist interessant: Da ist alles beschlossen von Ewigkeit her, und doch betet Jesus darum, dass es sich erfüllt. Er betet nicht, um dem Vater etwas abzuringen, was der nur widerwillig geben würde, sondern – wie im sogenannten “Vaterunser” – darum, dass Gottes guter und vollkommener Wille geschieht.

Er sieht schon über das Kreuz hinaus. Seine Jünger werden wie er Fremdkörper sein in dieser Welt, aber er will sie nicht herausnehmen, sondern hineinsenden, um seine Boten zu sein. Dafür bittet er um den Schutz des Vaters. Er weiß um die Schwierigkeiten, die ihnen begegnen werden, die Anfeindungen und Anfechtungen, ihre Hilflosigkeit und Unvollkommenheit. Er bittet darum, dass sie durch das Wort Gottes geheiligt werden, und sieht sie schon Kraft dieser Heiligung und Bewahrung ans Ziel kommen. Das hat er so definiert: Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen nämlich meine Herrlichkeit sehen können, die du mir gegeben hast, weil du mich liebtest – schon vor Erschaffung der Welt. Keinesfalls lässt er sie wie Waisen unversorgt zurück, wenn er geht. Er wird ihnen den Tröster, den Heiligen Geist, schicken.

Er denkt dabei nicht nur an die Jünger, die jetzt um ihn sind. Sie sind zwar die, die es jetzt ganz nötig haben, zuzuhören, wie er über sie mit dem Vater spricht. Sie werden, wenn sie aus dem Strudel der Dunkelheit und Verzweiflung wieder auftauchen, sich an diese Worte erinnern und darin das Herz Gottes erkennen und den Mut zum Weitermachen finden. Auch an uns denkt er und an alle die Generationen von Jüngern zwischen uns und ihnen, die dem Evangelium geglaubt haben. Auch uns lässt er sagen: Ich bitte den Vater für euch, und er wird euch durchbringen. Mir wird keiner verloren gehen, für den ich mein Leben gegeben habe. ihr werdet es schaffen und am Ziel ankommen,

Jesus bittet für uns – jetzt! In jeder Not, Traurigkeit, Verwirrung und Versuchung und in jedem Versagen können wir uns auf seine Fürbitte verlassen. Er bittet für uns um Bewahrung, um Freude, um Einheit, um Heiligung und darum, uns bei sich zu haben! Er lässt uns nicht fallen. Die Welt soll es an uns sehen und Vertrauen fassen zu dem Erlöser, der aus Sündern geliebte Kinder Gottes machen kann.