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Vorsicht, Fälschung! (Predigt-Nachlese)

attention-303861_1280So wie Schafe die Wölfe anziehen, so wittern falsche Lehrer unbefestigte Gläubige und versuchen sie unter ihre Kontrolle zu bringen. Dazu suggerieren sie uns, dass sie uns mehr bieten können, als wir durch Jesus bekommen haben, wenn wir unserem Glauben noch dieses und jenes hinzufügen. Es ist immer ihre Taktik, Jesus als Erlöser in den Hintergrund zu rücken und zusätzliche Regeln, Erkenntnisse oder Erfahrungen zu verkaufen. Paulus will uns vor diesen Fallen schützen und erklärt in Kolosser 2, 11-23 den Unterschied zwischen dem göttlichen Original und der Fälschung.

 

Das göttliche Original Die Fälschung
Die Grundlage ist das Kreuz Jesu. Dort hat er durch seinen Tod den Frieden zwischen uns und Gott hergestellt, unsere Schuld gelöscht, und den Teufel, unseren Feind, Sklavenhalter und Ankläger, entwaffnet. Die Grundlage ist religiöse Bemühung, der Versuch, Gott näher zu kommen durch das Befolgen von Regeln und Ritualen, durch Askese und besondere spirituelle Erlebnisse.
Der “Macher” ist Gott in Christus. Durch den Tod Jesu ist unsere Sünde “erledigt”. Wir sind befreit von der Sklaverei der Sünde und müssen ihr nicht mehr gehorchen. Durch Jesu Auferstehung und durch den Heiligen Geist, der in uns lebt, sind wir wiedergeboren worden, haben ein neues Herz und eine neue Gesinnung bekommen, so dass wir Gott dienen wollen und können. Nichts von all dem ist auf unserem Mist gewachsen. Der Macher ist der Mensch, der sich durch Halten von Vorschriften, Enthaltsamkeit und übernatürliche Erfahrungen zu Gott “hochzuhangeln” versucht.
Die Auswirkung ist ein heiliges Leben, ein wachsendes Verlangen Jesus ähnlicher zu werden, ein Hunger nach Gottes Wort und der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, ein Leben im Gehorsam, Ablegen der Sünde, Orientierung auf die Ewigkeit, Dankbarkeit und freudiger Dienst für Gott und andere. Die Auswirkung ist Stolz  auf die eigene “Geistlichkeit”  und ein aufgeblähtes religiöses Ego, das sich als demütig verkleidet, das sich aber weder Gott unterordnen noch in seine Gemeinde einfügen kann.

Manchmal hilft nur Rennen

Warum nur musste sie mit Potiphar verheiratet sein, diesem Langweiler? Seit er diesen hebräischen Sklaven hatte, war er überhaupt nicht mehr zuhause, denn er brauchte sich um nichts mehr hier zu kümmern. Josef regelte alle Angelegenheiten für ihn, ob dienstlich oder privat. Ihr Mann tat gar nichts mehr hier, außer sich zum Essen an den Tisch zu setzen.

Dieser Josef war nicht nur kompetent und fleißig, sondern auch eine Augenweide. Je länger sie ihn betrachtete, desto mehr fragte sie sich, ob es nicht auch zu seinen Aufgaben gehören sollte, ihr, der armen vernachlässigten Ehefrau, gewisse Wünsche zu erfüllen?

Er schien sie aber gar nicht wahrzunehmen, obwohl sie seine Aufmerksamkeit zu gewinnen suchte. Hatte er nichts als Arbeit im Kopf? Er war freundlich-höflich-uninteressiert. Da musste sie wohl etwas deutlicher werden! Josef, ich bin so verknallt in dich! Ich kann ohne dich nicht mehr leben! Aber Josef schüttelte nur entsetzt den Kopf. Das kann ich nicht tun. Dein Mann vertraut mir. Ich hab hier über alles Verfügungsgewalt, aber du bist seine Frau, und das respektiere ich. Und außerdem wäre es auch vor Gott ein Unrecht.

Zuerst dachte sie, er ziert sich nur. Vielleicht war er zu schüchtern oder zu verklemmt? Vielleicht musste sie ihm ihre Bewunderung deutlicher machen? Vielleicht musste sie ihre Reize noch ein bisschen mehr zeigen? Wahrscheinlich hatte er einfach Angst, erwischt zu werden! Sie musste es arrangieren, dass mal wirklich niemand sonst im Haus war. Und tatsächlich: Eines Tages, als er zum Dienst kam, waren sie allein. Heute würde es so weit sein. Als er an ihr vorbeiging, hielt sie ihn fest: Josef, bitte! Wir sind heute sicher! Du willst es doch auch! Schlaf mit mir!

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Josef hatte schon so eine Ahnung, dass das heute nicht gut gehen würde. Mit ihr allein im Haus! Diese Frau quälte ihn wirklich! Ja, er war hier mehr als einsam! Ja, er wäre auch gerne mal mit einer Frau zusammen! Es wäre schön, wenn das Leben aus mehr bestünde, als für andere zu schuften und zuzuschauen, wie sie ihr Leben genießen und gar nicht wirklich zu schätzen wissen, was sie haben. Aber sie verstand nicht, dass er nicht konnte. Denn Gott war alles, was er noch hatte, und sein Wohlgefallen und die Freude an der Gemeinschaft mit IHM waren ein zu hoher Preis für ein bisschen Abwechslung. Doch was sollte er tun, wenn sie ihn so bedrängte?

Es kam, wie es kommen musste. Er konnte nicht vermeiden, in ihre Nähe zu kommen, und sie hielt ihn fest. Und da wusste er: Jetzt hilft nur noch Rennen, sonst werde ich schwach. Er stürzte panikartig aus dem Raum. Dabei hielt sie sein Gewand fest; es rutschte von ihm runter und blieb in ihrer Hand.

Als er mit klopfendem Herzen und am ganzen Körper zitternd draußen stand, war ihm schon klar, was nun geschehen würde. Er hatte sie mit seiner Abweisung tödlich beleidigt, und sie würde sich rächen. Er hatte ihr ein “Beweisstück” dagelassen, und es gab keinen Schutz gegen ihre Verleumdung. Er würde für seine Treue zu Gott einen hohen Preis bezahlen. Aber er war froh. Er war froh! Es sah aus wie eine Niederlage, aber es war ein Sieg. Komme, was wolle, Gott war auf seiner Seite, und das war das einzige, was zählte.

Die Geschichte steht in der Bibel in 1. Mose 39.

Gefährliche Erschöpfung

Wenn die ganze Energie durch den Abfluss gerauscht ist, sei es physische oder seelische, dann ist Gefahr im Verzug, denn wir sind besonders angreifbar! Von Esau heißt es in der Bibel: Er war erschöpft. Er ist vielleicht längere Zeit auf der Jagd gewesen, und nun kriegt er kaum noch einen Fuß vor den anderen. Wenn er nicht schnell was zu essen bekommt, dann wird er umkippen. Da zieht ihm der unwiderstehliche Duft roter Linsen in die Nase und führt ihn zu Jakob, der am Feuer steht und die Suppe rührt.

Jakob, der Koch, ist der Herr dieser Suppe. Und diese Suppe ist alles, was Esau jetzt braucht. Da sind die Linsen, die mein Leben retten! Mein Magen wird sich sonst selber auffressen! Jakob, bitte, gib mir was davon!

Jakob kennt sein Brüderchen. Er kann jetzt alles von ihm kriegen, und das wird er auch! Jede hungrige Minute mehr spielt ihm in die Hände! Wir machen einen Deal. Ich krieg dein Erstgeburtsrecht, und du kriegst meine Suppe! Esau hat keine Kraft mehr, um sich auszurechnen, wie viele zukünftige Suppen wohl in einem Erstgeburtsrecht enthalten sind. Überhaupt – was heißt zukünftig? Hunger ist jetzt! Und wenn der Hunger ihn umbringt, braucht er sowieso nie mehr was. Ja, meinetwegen! Und jetzt gib mir die Suppe! Aber Jakob muss sichergehen, denn Esau, dieser Augenblicks-Mensch, will sich vielleicht morgen nicht mehr an ihren Handel erinnern. Schwöre mir!  Und Esau kann gar nicht schnell genug schwören, denn er ist fertig, k.o., aus, wenn diese Linsen nicht SOFORT den Besitzer wechseln! Ich schwöre! Alles, was du willst!

Kann man Esau nicht verstehen? Liegen unsere Sympathien nicht eindeutig bei ihm statt bei Jakob, diesem Fuchs? Was hätte er machen sollen? Aber die Bibel sagt: “So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht!” Keine mildernden Umstände!

Die schwierigsten Gegebenheiten und die brutalsten Anfechtungen zeigen immer, was uns wirklich wichtig ist. Sie bringen ans Licht, was wir ernst nehmen und was wir glauben. Das Problem Esaus – und unseres, denn die Geschichte steht zu unserer Warnung da –  ist, dass die Gegenwart sich uns so stark aufdrängt, dass sie die Priorität der ewigen Zukunft vernebelt. Geldnöte, Erschöpfung, Depressionen, Hunger, Verfolgung, Krankheiten, Einsamkeit sind Herausforderungen unseres Glaubens an die Verheißungen Gottes. Vertraue ich ihm, oder setze ich auf sofortige Erleichterung und werfe dafür die Treue zu Gott und seinem Wort über Bord? Gott zeigt uns dadurch unser Herz: Ist er unser größter Schatz, oder verachten wir ihn? Wenn er dieser Schatz ist, dann wird er uns die Kraft geben, auch in der tiefsten Erschöpfung und Bedrängnis an ihm festzuhalten.

Quellen: 1.Mose 25, Hebräer 12,12-17

Was macht uns verführbar? und was schützt uns?

Das ist ein Thema, über das ich oft nachgedacht habe. Warum habe ich mich hier und dort getäuscht –  in Menschen, bezüglich biblischer Wahrheit? Was war da in meinem Herzen nicht in Ordnung?

Ich habe auf diese Fragen nicht alle Antworten, aber doch einige aus meiner persönlichen Erfahrung. Ich vermute, dass da auch jede Generation ihre eigenen Schwachpunkte hat. Manchmal sehen die einzelnen Punkte aus, als würden sie sich gegenseitig ausschließen. Verblüffenderweise tun sie das in der Praxis nicht. Meine waren (oder sind):

  1. Hochmut – man will eine Art geistlicher Elite sein und nicht einfach nur Gottes kleiner Fußsoldat
  2. Harmoniebedürfnis – die Wahrheit würde die Beziehungen zerstören, an denen man hängt. Stress oder gar Drohung liegt in der Luft, wenn man Standpunkte in Frage stellt.
  3. Mängel im “großen Bild” – verworrene Vorstellungen von der Heilsgeschichte oder vom Charakter Gottes
  4. Bedürfnis nach Anpassung an die Umwelt, um mit dem Evangelium nicht so anzuecken
  5. Verachtung von Lebenserfahrung und gesundem Menschenverstand, statt dessen “Übergeistlichkeit”
  6. die Vorstellung, dass man immer im emotionalen Höhenflug sein muss; Verwechslung von Glaube und Gefühl
  7. Langweile und die Sucht nach Neuem und Großartigen
  8. Individualismus und Eigenwilligkeit
  9. Machbarkeitswahn, z.B. in Bezug auf christliche Einheit
  10. Einschüchterung durch Gruppendruck und solche Sprüche wie: “Taste den Gesalbten des Herrn nicht an!”, was uns dazu bringt, unser geistliches Immunsystem auszuschalten, das normalerweise anschlägt, wenn etwas nicht stimmt

Fest steht: Wenn wir verführt werden, sind wir nie unschuldig. Das Böse und Falsche findet etwas in unserem Herzen, wo es andocken kann. Aber Gott, der uns kennt, hat auch Vorkehrungen zu unserem Schutz getroffen. Als der Apostel Paulus sich von den Ephesern verabschiedet, sagt er: Ich weiß, dass nach meinem Abschied gefährliche Wölfe bei euch eindringen und erbarmungslos unter der Herde wüten werden. Selbst aus euren eigenen Reihen werden Männer auftreten und die Wahrheit verdrehen, um die Jünger des Herrn zu ihren Nachfolgern zu machen. Seid also wachsam und denkt daran, dass ich mich drei Jahre lang Tag und Nacht um jeden Einzelnen in der Gemeinde bemüht habe, manchmal sogar unter Tränen. Und nun vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, euch im Glauben wachsen zu lassen und euch das Erbe unter denen zu geben, die auch zu seinem heiligen Volk gehören. (Apostelgeschichte 20,29 ff)

Daraus ergibt sich:

  • Sei wachsam, nicht sorglos und vertrauensselig, weder dir selbst noch anderen gegenüber. Wölfe kommen! Wahrheitsverdreher stehen aus den eigenen Reihen auf! Sei nicht naiv!
  • Kenne das Wort Gottes! Halte fest an der Überlieferung der Apostel! Prüfe alles daran!
  • Lass das Wort der Gnade an dir wirken! Kehr niemals dazu zurück, dein Heil selbst erarbeiten zu wollen!
  • Vertrau dich Gott an! Selbst wenn du von Natur ein Wirrkopf bist (wie ich) – wenn du dich ihm mit Haut und Haaren anvertraust, wird er dich korrigieren, erziehen und zurechtbringen!