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Haus der Barmherzigkeit – Hoffnung für Hoffnungslose

Pool_of_Bethesda_ruins_2272_(516919910)   Ruinen des Teiches von Betesda, Bildquelle:  By James Emery from Douglasville, United States – Pool of Bethesda ruins_2272, CC BY 2.0, Link

38 Jahre – für die Gesunden und Lebenslustigen fliegen sie schnell vorbei. Sie arbeiten, sie heiraten, sie kriegen Nachwuchs und haben alle Hände voll zu tun. Der Tag ist immer zu kurz für alle Pläne.

Bei ihm war das anders. Er war behindert. Sein Alltag war gekennzeichnet von Einschränkung, Armut, Nutzlosigkeit und Langweile. Und von quälenden Fragen: Was hatte  ihm diesen Fluch eingebracht? Ja, er hatte gesündigt, das wusste er. Ging es ihm deshalb so? Würde Gott ihm jemals vergeben?

Manchmal wunderte er sich selbst, dass die Hoffnung nicht sterben wollte. Immer wieder schleppte er sich in die Säulenhallen an diesem Teich, wo er auch heute lag. Allein der Name dieses Ortes klang wie Musik in seinen Ohren: Betesda, “Haus der Barmherzigkeit”. Barmherzigkeit, das war das, was er brauchte, für seinen Leib und für seine Seele. Er war nicht der einzige: Hier war es voll mit Kranken, Blinden, Gelähmten und anderen Behinderten. Viele kamen mit ihren Verwandten. Denn hier erhofften sie Heilung. Ab und zu bewegte sich das Wasser, und wer dann als erster hineinstieg, wurde gesund. Eine wunderbare Sache für den, der dieser Erste war – und eine schreckliche Enttäuschung für alle anderen. Und für ihn eben das: Enttäuschung auf Enttäuschung auf Enttäuschung. War es früher Zorn auf sich selbst, weil er durch seine Lähmung nicht schnell genug sein konnte, und Neid auf all die, die Verwandte oder Freunde hatten, die ihnen halfen, so war es jetzt nur noch ein tiefes Gefühl der Verlassenheit. Trotzdem kam er immer wieder hierher. Wer weiß, vielleicht gab es ja doch noch irgendwie, irgendwann Barmherzigkeit und Vergebung für ihn? Er hatte auch gar keine andere Wahl, als weiter zu hoffen. Auf jeden Fall hatte er nichts zu verlieren.

Plötzlich bleibt ein Mann bei ihm stehen. Der Mann sieht ihn an, und sieht mitten in sein Herz und sein Leben. Er sieht die ganzen langen 38 Jahre Elend und Traurigkeit, und obwohl der Kranke es noch nicht weiß und versteht, ist hier auf einmal wirklich ein “Haus der Barmherzigkeit”. Der Unbekannte stellt eine ganz einfache Frage: “Willst du gesund werden?”

Ja, wenn das so einfach wäre! “Mein Herr, ich habe keinen Menschen! Ich bräuchte jemand, der mich in den Teich wirft! Die anderen sind immer schneller als ich!” Wie gut es tut, dass einer ihn freundlich ansieht, dass einer ihn mal fragt, dass er seine Not und Hilflosigkeit jemandem sagen kann! Aber die eigentliche Frage hat er gar nicht beantwortet, denn das Gesundwerden, das will er schon, aber er wüsste nicht, wie?!

Es geht diesem Kranken wie mir oft: Ich kann mein Problem gut beschreiben, nur die Lösung kenne ich nicht!

Nun sagt der Mann mit großer Autorität: Steh auf, nimm deine Matte und laufe herum! In diesem Moment versteht der Kranke: Da spricht die Barmherzigkeit Gottes! und steht auf und wickelt seine Matte auf und läuft herum. Er läuft hin, und er läuft her … und das Wunder und die Verwunderung über das Gefühl von Füßen, die stabil auf der Erde stehen, und über Beine, die tragen, ja, mit denen man sogar springen und hüpfen und rennen kann!! … all das breitet sich wellenartig in seinem Körper und seinem Kopf und seinem Herzen aus. Als er sich davon so langsam erholt, guckt er sich nach seinem Wohltäter um, aber der ist nicht mehr da.

Dafür sieht er andere Leute, und die Sorte kennt er. Es sind die Superheiligen, für die er immer außerhalb der Reichweite der Gnade Gottes gelegen hat. Ärger liegt in der Luft, denn sie sind immer auf Fehlersuche, und schon haben sie ihn gesehen: “Warum läufst du mit dieser Matte herum? Heute ist Sabbat!”

Ja, tatsächlich, heute ist Sabbat, aber ein ganz besonderer Sabbat! Heute ist ihm die Barmherzigkeit Gottes begegnet, und so zieht er das Genick nicht ein und senkt die Augen wie sonst, sondern antwortet: “Der Mann, der mich geheilt hat, sagte zu mir: Nimm deine Matte und geh!“ Es steht für ihn außer Frage, dass der, der ihn geheilt hat, eine höhere Autorität ist als diese Sabbatwächter, auch wenn er weder weiß, wer er ist, noch wie er heißt. Und ihre Reaktion ist sehr aufschlussreich. Sie interessieren sich nicht im Geringsten dafür, dass er gesund geworden ist, sie sehen keinen Anlass, ihm zu seinem Glück zu gratulieren, sondern sie bellen: “Wer war dieser Mann, der das gesagt hat?” Aber er kann ihnen dazu leider keine Auskunft geben.

Später trifft er ihn wieder. Der Geheilte ist in den Tempel gegangen, um Gott zu danken. Dort findet ihn Jesus. Jesus weiß, dass die Hilfe noch eine tiefere Dimension haben muss. Der Körper ist geheilt, aber die Seele braucht auch Heilung. Sie müssen über Sünde, Vergebung und Umkehr sprechen. “Du bist jetzt gesund geworden. Sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres passiert!“

Nun weiß er es: Das war Jesus. Das muss er diesen Neunmalklugen sagen. Der Messias, der Retter der Welt, hat ihn gesund gemacht, sich  von allen Leuten am Teich Betesda ausgerechnet um ihn gekümmert und ihn dann nochmal im Tempel gesucht, um ihm zu helfen, dass er von jetzt an ein neues Leben lebt.

Diese Geschichte steht im Johannesevangelium im 5. Kapitel.

Vielleicht drückt dich auch schon lange eine Schuld, ist dein Leben voller Not und Elend, und du hast keine Kraft, etwas daran zu ändern. Zu allem Überfluss musst du sagen: Ich habe keinen Menschen! Dann ist Jesus auf der Suche nach dir und fragt dich: Willst du gesund werden? Er ist nicht nur voller Mitgefühl, sondern er hat auch die Kraft, deine Sünden zu vergeben und dein Leben neu zu machen. Schütte dein Herz vor ihm aus, schenk ihm dein Vertrauen, nimm seine Barmherzigkeit an und kehre um von deinen eigenen Wegen, und du wirst gerettet und neu gemacht!

Geduld ohne Seufzen

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So wartet nun geduldig, ihr Brüder, bis zur Wiederkunft des Herrn! Siehe, der Landmann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und geduldet sich ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfangen hat. So wartet auch ihr geduldig; stärkt eure Herzen, denn die Wiederkunft des Herrn ist nahe! Seufzt nicht gegeneinander, Brüder, damit ihr nicht verurteilt werdet; siehe, der Richter steht vor der Tür! Meine Brüder, nehmt auch die Propheten, die im Namen des Herrn geredet haben, zum Vorbild des Leidens und der Geduld. Siehe, wir preisen die glückselig, welche standhaft ausharren! Von Hiobs standhaftem Ausharren habt ihr gehört, und ihr habt das Ende gesehen, das der Herr [für ihn] bereitet hat; denn der Herr ist voll Mitleid und Erbarmen. Jakobus 5, 7-11

 Seufzt nicht gegeneinander .., Das ist ein Vers, der mich heute morgen beschäftigt hat. Ich komme unter Gericht, wenn ich mal seufze über einen Bruder? O weh! – Oder was ist hier gemeint?

Im Zusammenhang geht es um Geduld. In der Widrigkeit und den Prüfungen des gegenwärtigen Lebens sollen wir Geduld haben. Wir warten auf den Herrn, und er wird auch kommen, aber dazwischen sind alle diese Dinge nötig, die wir erfahren – so wie bei Hiob. Das Wichtigste ist, nicht an Gottes Charakter zu zweifeln: Er ist voller Mitgefühl und Erbarmen und wird deshalb auch alles zu einem guten Ende führen.

Aber nun, mittendrin, werden wir aufgefordert, nicht gegen unsere Brüder zu seufzen. In den englischen Übersetzungen fand ich das Wort grudge, das für grollen steht. Es geht also nicht nur ums Seufzen an sich, sondern um ein Seufzen gegen jemand – ich wünsche ihm für das, was mich zum Seufzen bringt, nichts Gutes, zumindest, dass Gott ihm mal den Marsch bläst.

Was sagt das über mich? Dass ich keinen Schimmer habe, welche Geduld Gott mit mir hat! Fehler haben nur die anderen.

Ich finde es interessant, dass er uns zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten empfiehlt. Die Propheten mussten dem Volk Gottes, ihren Brüdern, ständig das Gericht Gottes ankündigen. Jakobus selbst sagt den Brüdern im vorigen Kapitel weniger nette Dinge. Nicht seufzen heißt also nicht: Drüberwischen und die Harmonie erhalten und so tun, als sei alles okay, auch wenn Sünde im Spiel ist. Sondern es heißt: Wünschen, dass sie es annehmen und zurechtkommen. Die Propheten liebten ihr Volk trotz ihrer harten Botschaft leidenschaftlich. Sie sahen sich immer als Teil davon. Auch die persönlichen Angriffe, die sie durchmachten, brachten sie nicht dazu, es weniger zu lieben. Sie ließen sich von ihren erlittenen Verletzungen nicht bestimmen. Es geht ihnen wie uns: Das ist unser Volk. Es gibt keine andere Option. Die Brüder sind die Familie unseres Gottes, auch wenn sie sich mal nicht so benehmen, wie wir uns das wünschen. Deswegen müssen wir unser Herz ständig vom Groll reinigen – nicht aus Harmoniebedürfnis, sondern aus Liebe, und weil Gott mit uns allen Geduld hat,

Wir ermahnen euch, Brüder: Weist die zurecht, die ein unordentliches Leben führen, ermutigt die Ängstlichen, nehmt euch der Schwachen an, seid geduldig mit allen! Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergilt, sondern bemüht euch immer, einander und allen Gutes zu tun. 1.Thessalonicher 5,14.15

Da gibt´s noch viel zu lernen.

Drei Life Essentials in der Beziehung zu Gott

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Im Hebräerbrief wird von drei Dingen gesprochen, die für unsere Beziehung zu Gott essentiell sind. Wenn wir meinen, wir können darauf verzichten und trotzdem Gott nahe sein, so leben wir in Selbsttäuschung.

1. Ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung! (Hebräer 9,22)

Das Blut, das Jesus Christus für uns vergossen hat, ist die Basis. Ohne dieses Blut kann die Trennung von Gott nicht aufgehoben werden. Dieses Blut wäscht uns von unseren Sünden und gibt uns Gott gegenüber ein reines Gewissen. Es ist das Sühnegeld für unsere Erlösung, der Kaufpreis, der uns aus der Sklaverei der Sünde freikauft.

2. Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. (Hebräer 11,6)

Das Vertrauen zu Gott und zu seinem Wort ist die Art und Weise, wie wir diese Vergebung in Anspruch nehmen. Wir haben erkannt, dass er es gut mit uns meint, dass er uns mehr liebt als irgend jemand sonst, und was er sich diese Liebe hat kosten lassen. Das bewirkt, dass wir uns ihm ganz anvertrauen.

3. Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen. (Hebräer 12,14)

Heiligung ist der Beweis für dieses Vertrauen, Sie ist der Beweis, dass wir diese Reinigung auch tatsächlich wollen, dass wir wirklich in der Beziehung zu diesem Gott leben möchten, der sagt: “Seid heilig, denn ich bin heilig!” Heiligung ist keine fromme Leistung, mit der wir es uns verdienen, in den Himmel zu kommen, sondern Gottes Tun an uns, in das wir bewusst und dankbar einwilligen, Ganz unverdient hat er uns in seine Familie aufgenommen. Wir sind wie Straßenkinder, die vom König adoptiert wurden. Wir fühlen uns so begnadigt und sind so glücklich über unsere neue Identität, dass wir nur zu gerne die Tischsitten in seinem Haushalt lernen und uns ihm anpassen wollen.

Heute vor 46 Jahren

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Bartolomé Esteban Murillo [Public domain], via Wikimedia Commons

kam mir der himmlische Vater entgegengelaufen. Ich hatte mit meinem ganzen Sein gegen ihn rebelliert und war am Ende. Ich bin in seine Arme gefallen und konnte nur sagen: ich habe dir die ganze Zeit ins Gesicht gespuckt, und du hast mich geliebt!

Seitdem bin ich bei ihm zuhause, und immer noch ist er dabei, mir mein Erbe zu zeigen, alles, was er für mich hat in Christus. Ich habe es immer noch nicht ganz ausgelotet! Er lehrt mich die Tischregeln und den Umgangston und die Sitten des Hauses mit großer Geduld. Wie viele Fehler hat er mir immer wieder vergeben! Wie hat er mich immer wieder getröstet und aufgerichtet! Wie hat er nie aufgegeben und mich nie fallen gelassen! Er ist das Urbild aller Vaterschaft.

Vieles hab ich erst später verstanden, z.B. wie das Werk Jesu am Kreuz und diese liebevolle Aufnahme zusammenhängen. Ich muss immer noch viel lernen. Ich brauch immer noch Korrektur. Aber ich bin nicht verzagt, denn ich kenne ihn jetzt! Er hat die Verantwortung für mich übernommen, und er ist alles, was ich brauche.

Und du, wenn du am Ende bist, wenn du nicht mehr ohne ihn leben kannst, wenn du müde und beladen bist, wenn du weißt, dass du verloren bist, dann komm! Er ist voller Barmherzigkeit, und er wartet schon auf dich! Du musst nicht denken: ich kann nie so leben, wie Gott das will. Er weiß das schon, er kennt dich! Er hat alles bereit für dich, und er wird  dein Leben ändern. Du musst ihm nur die Regie übergeben.

Wenn Gott jubelt und im Himmel eine Party steigt (Predigt-Nachlese)

Bibeltexte: Epheser 2,8-10 und zur Illustration Lukas 15,11-32

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Als Paulus sein Abschiedsgespräch mit den Leitern der Gemeinde von Ephesus führte, sagte er ihnen:

“Und nun vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an … “ (Apg 20, 32)

Hier im Brief an die Epheser erklärt er noch einmal, was Gnade ist: Gott hat uns gerettet auf Grund seiner Liebe. Wir waren verloren und tot in unseren Sünden. Was kann ein Toter tun, um sich wieder zum Leben zu erwecken? Gar nichts. Gott hatte den Plan und die Initiative für unsere Erlösung, und Gott hat ihn durchgeführt. Ohne dass wir etwas beitragen können, gibt er uns das Leben durch Christus umsonst.

Damit wir uns das in etwa vorstellen können, hat Jesus die Geschichte von einem Vater und seinen zwei Söhnen erzählt. Seine Zuhörerschaft setzte sich zusammen aus zwei Sorten Menschen: Aus denen, deren sündiges Leben offensichtlich war, und den Pharisäern, die ein Leben nach höchsten moralischen und religiösen Standards führten.

Und nun erzählt Jesus von dem jüngeren Sohn. Er wollte sich vom Vater lösen und verlangte die vorzeitige Auszahlung des Erbes, damit er damit ein Leben nach seinem Geschmack führen konnte. Der Vater teilte den Söhnen das Erbe, und der Sohn machte sich auf in die Welt. Die Sache ging schief. Er landete bankrott und kaputt bei den Schweinen, deren Futter er noch nicht mal essen durfte – sie waren wertvoller als er. In diesem Sohn erkannten die Sünder sich und ihr Leben wieder. Ja, so fühlt sich das an, wenn man alles in den Sand gesetzt hat und im Loch hängt und nichts und niemand mehr hat! Und die Pharisäer dachten: Recht geschieht ihm! Wäre er mal anständig und zuhause geblieben! Hätte er mal Gottes Gebote gehalten und seinen Vater geehrt!

in der Hungersnot und mitten im Dreck kommt er zur Besinnung. Er hat´s vergeigt, und er ist am Ende. Warum nur ist er von zu Hause weg? Da ging es selbst den Aushilfskräften besser! Und der Entschluss reift: ich geh nach Hause! ich bin nicht mehr wert, sein Sohn zu sein, aber vielleicht erbarmt er sich meiner und lässt mich für sich arbeiten?

Was er nicht weiß: Der Vater hat die ganze Zeit gelitten. Er hat auf ihn gewartet und Ausschau gehalten, und als er ihn am Horizont auftauchen sieht, rennt er ihm entgegen, was die Füße tragen. Der Sohn kann sein Sündenbekenntnis gar nicht vollenden, da werden ihm schon die Lumpen ausgezogen. Ein neues Gewand muss her und ein Ring und Schuhe, und schon sitzt er frisch gewaschen und wie neu an der Festtafel, und die “Du bist wieder zu Hause” -Party steigt mit Kalbsbraten, Musik und Tanz!

Ja, was für eine Musik in den Ohren verlorener Sünder: Der Vater vergibt uns alles, was wir getan haben! Er nimmt uns an! Aber dem älteren Bruder, der immer brav daheim geblieben ist, geschuftet hat wie ein Pferd und – wenn auch manchmal zähneknirschend – alles immer richtig gemacht hat, dem gefällt diese Musik gar nicht. ist dieser Schuft von einem Bruder etwa mehr wert als er? Der hätte seinetwegen da verrecken können, wo der Pfeffer wächst!

Das ist der Skandal der Gnade, der auch den Pharisäern wie Sand zwischen den Zähnen knirscht. Wie – es geht nicht nach Verdienst? Meine ganze Mühe gilt nichts? Das ist eine Unverschämtheit! Ihre Selbstgerechtigkeit lässt sie nicht erkennen, dass sie in Gottes Augen gerade so verdorben sind wie die, die sie als Sünder bezeichnen, denn Gott schaut tiefer und durchleuchtet die Motive unseres Herzens. Jeder Mensch, egal wie moralisch er zu leben versucht, hat nur eine Chance: Sich die Gnade Gottes gefallen zu lassen! Wer dazu zu gut ist, der bleibt verloren.

Deswegen hat Jesus die Geschichte erzählt. Wie gerne wollte er den Pharisäern die Augen öffnen, dass sie sich als die sähen, die sie wirklich waren! Wie gerne will er uns die Augen öffnen! Gnade zu erweisen, zu vergeben, seine Arme für uns auszubreiten, ist Gottes größte Freude. Er muss dazu nicht überredet werden, und wir müssen uns und ihn nicht mit Selbstverbesserungsversuchen aufhalten. Er jubelt, wenn wir umkehren, und der Himmel feiert ein Fest!

Und dann ändert sich unser Leben. Gnade macht gnädig gegen unsere Mitmenschen. Wir werden fähig zu vergeben und zu lieben. Wir fangen an, den Vater zu imitieren. Wir wollen ihm gefallen, weil wir ihn lieben, und wir wollen ihm dienen, weil wir so dankbar sind für die Gnade  – und weil es überhaupt nichts Besseres gibt, als bei ihm zu Hause zu sein.

Deshalb: Komm heim! Der Vater wartet auf dich!

 

Übrigens, wer die Predigt im Original anhören möchte, kann das hier tun.

Erlöst! (Predigt-Nachlese)

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Jesus ist unser Erlöser – was heißt das?

Es gibt in der Bibel mehrere Begriffe, die aus verschiedenen Winkeln beleuchten, was Gott für uns getan hat.

  • Rechtfertigung (gr. dikaios) = wir haben von Gott als Richter den Freispruch empfangen und sind für unschuldig erklärt worden – weil Jesus unsere Schuld und Strafe auf sich genommen hat. Der Lohn der Sünde ist der Tod. Christus ist unseren Tod für uns gestorben, so dass wir freigesprochen werden können. Sein Opfer ist für alle unsere Sünden für immer ausreichend. Wenn wir “in IHM” sind, sind wir um seinetwillen zu Gerechten gemacht.
  • Vergebung (aphesis) = das, was wir Gott schuldig waren, hat er uns erlassen. Unsere Sünden sind weggetragen. Im Alten Testament gab es für Israel den sogenannten Großen Versöhnungstag. Dabei wurde ein Ziegenbock für das Volk geschlachtet und sein Blut auf den Deckel der Bundeslade und den Altar gesprengt. Das war der eine Teil der Sühne. Dann gab es aber noch einen zweiten Ziegenbock. Der Hohepriester legte seine Hände auf seinen Kopf und bekannte die Sünden des Volkes. Symbolisch legte er sie damit auf den Ziegenbock, und anschließend wurde das Tier aus dem Lager in die Wüste geschickt, um dort zu bleiben. Beide Ziegenböcke sind Bilder von dem, was Jesus getan hat. Unsere Sünden wurden auf ihn gelegt, und er hat sie weggetragen, und jetzt wird nie mehr davon gesprochen! Das ist der Maßstab dafür, wie auch wir einander vergeben sollten!
  • Adoption (uihothesia) = wir werden, obwohl wir von Natur “Kinder des Zorns” sind, in die Stellung von Kindern Gottes eingesetzt, irreversibel und mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten!
  • Versöhnung (katallassō) = Gott macht aus Feinden Freunde. Er versöhnt uns in Christus mit sich selbst, und wir bitten jetzt jeden Menschen in seinem Auftrag: Lass dich versöhnen mit Gott!
  • Erlösung (apolutrōsis) = der Loskauf oder Freikauf. Wir waren unter die Sünde verkauft wie Sklaven, Christus hat durch sein Blut das Lösegeld bezahlt. Wir müssen der Sünde nicht mehr dienen und unseren sinnlosen alten Lebensstil nicht weiterleben.

Nichts von all dem konnten wir für uns selbst tun. Die Initiative ging von Gott aus, der uns geliebt, erwählt und angenommen hat. Unsere absolute Unfähigkeit, irgend etwas hervorzubringen, was vor Gott annehmbar war, wird so beschrieben: tot in Übertretungen und Sünden. Die ganze Erlösung ist Gottes Plan, den er gefasst hat, weil er ist, wer er ist. Er liebt es, gnädig zu sein.

Die Frage ist: Bist du erlöst? Bist du “in Christus”? Wenn du ihm heute sagst, dass du deine Sünden loswerden, sein Opfer annehmen und ein neues Leben haben möchtest, dann wird er dich aus der Finsternis ins Licht bringen, dich freisprechen, deine Sünden in die Wüste schicken und dich adoptieren!  Und dann wird er dir als Bestandteil all dieser Gnadengeschenke Erkenntnis und Einsicht geben, um dieses neue Leben mit ihm zu leben.

Der göttliche Adoptions-Beschluss (Predigt-Nachlese)

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Bibeltext: Epheser 1, 1-14

Es ist Gott, der uns auserwählt hat, seine Kinder zu sein. Wir konnten nichts dazu tun.

Schon ehe er die Welt geschaffen hat, hat er diesen Beschluss gefasst: Er wollte Kinder haben, die seine eigenen Charakterzüge tragen sollten: Heilig und tadellos. Er nahm sich vor, uns mit jedem geistlichen Segen zu segnen, und uns zu Erben einzusetzen, die alles genießen sollten, was er hat.

Heilig und tadellos hat er mich allerdings nicht vorgefunden, sondern sündig und rebellisch, feindselig und verloren und absolut unfähig, zu dem zu werden, was ich werden sollte! Aber gerade diese meine Hilflosigkeit brachte seine ganze Gnade und Herrlichkeit ans Licht! Denn ER hat alles für mich getan durch Jesus Christus!

Jesus Christus hat mich durch sein Blut vom gerechten Gericht freigekauft. Was ich getan habe, ist vergeben – nie mehr muss Sünde mich von der Gegenwart Gottes ausschließen. Wenn ich verzweifelt bin über meine Unfähigkeit, den “Familienstandards” zu genügen, sagt der Vater nicht: “Sei mehr! Tu mehr!”, sondern er erinnert mich daran, was Er für mich getan hat und wozu Er mich gemacht hat. Er möchte, dass ich meine Reichtümer, die er mir gegeben hat, kennen und genießen lerne und nicht mit meinem Denken und Trachten immer noch an dieser Welt und meinem vorigen Leben festklebe.

Ich bin in seiner Familie akzeptiert “In dem Geliebten”, d.h. in Jesus, der nie etwas anderes war als die Freude seines Vaters. Er war immer heilig und tadellos. Er hat am Kreuz mit mir den Platz getauscht: Er empfing mein Urteil, und ich erhielt die Kindschaft. Und nun sieht Gott mich “In Christus”, und mir bleibt nur die dankbare Freude! Und damit ich ganz sicher bin, dass sich daran nie mehr etwas ändert, hat er mir und allen anderen, die ihr gläubiges Vertrauen auf Jesus setzen, ein Siegel aufgedrückt und ein Pfand gegeben: den Heiligen Geist als Sicherheit und Bestätigung.

Warum tut Gott so etwas? Nun, es hat ihm gefallen, seine Gnade zu zeigen. Er hat es getan, weil er ist, wie er ist: Gnädig und gerecht, barmherzig und voller Liebe. Und er wünscht sich das Echo unserer Herzen: Dankbarkeit, Freude und Lobpreis seiner herrlichen Gnade!