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Langzeitfolgen der Sünde

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Im Moment ist Long Covid in aller Munde. Die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion können den Alltag der Betroffenen weit über die Dauer der eigentlichen Erkrankung erheblich beeinträchtigen.

Auch Sünde hat Langzeitfolgen und kann für die Zeit unseres irdischen Lebens irreparable Schäden verursachen. An David, dem König Israels, kann man das exemplarisch sehen.

David war kein gewohnheitsmäßiger Ehebrecher. Aber es gab einen Moment in seinem Leben, wo er seine Wachsamkeit fallen ließ. Wo die Versuchung mit Langeweile und geistlicher Nachlässigkeit zusammenfiel. Wo er Gott vergaß oder verdrängte, um der Lust nachzugeben. Und so kam es dazu, dass er das Falsche tat und seine Macht und Stellung ausnutzte, um sich die Frau eines anderen zu nehmen. Die Sünde hatte Folgen: Die Frau wurde schwanger. Und wie es oft so ist: Eine Sünde gebiert die andere. Die Schuld muss verdeckt werden. Schließlich hatte er einen Ruf zu verlieren.  Er lässt den Ehemann der Frau von der Front nach Hause kommen, aber egal, ob er ihm gute Worte gibt oder ihn besoffen macht – der Kerl geht einfach nicht nach Hause und schläft mit seiner Frau, damit man ihm das Kind unterschieben kann.

Nun hat David einen alten “Freund” und Getreuen, Joab, den Heerobersten. Joab hat Erfahrung mit Mord, und eigentlich hat David ihm das immer übel genommen. Aber jetzt ist Joab genau der Richtige, auf den man sich verlassen kann und der dichthalten wird. Er gibt ihm den Auftrag, Uria, den Ehemann, an einer Stelle im Kampf zu platzieren, wo er ziemlich sicher stirbt. Er erfindet sozusagen einen strategischen Schachzug extra dafür. Der Erfolg liegt bei 100%. Nicht nur Uria stirbt – es gehen noch ein paar Männer mehr drauf. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Da kann man nichts machen.

Eine Weile ist David voll damit beschäftigt, das Problem zu lösen. Mit Gott kann er nicht darüber reden. Es geht ihm nicht gut. Er kann nicht mehr schlafen. Sein Kompass, der immer auf Gott gezeigt hat, ist kaputt, und er findet die Richtung nicht mehr. Die Gemeinschaft mit Gott ist hin, die Freude ist weg, und er fühlt sich vertrocknet, zerschlagen und leer.

Da greift Gott ein. Nathan, der Prophet kommt zu David, ein Mann, der Mut genug hat, auch einem König die Wahrheit zu sagen. Er legt David einen “Fall” vor. Ein Reicher, der alles hatte, hat einem armen Mann sein einziges Lamm weggenommen, um es zu verzehren. David soll den Fall beurteilen. Auf beiden Augen blind, empört er sich über den Reichen. Das Todesurteil scheint ihm angemessen für so viel Gemeinheit und Machtmissbrauch! Und Nathan sagt: “Du bist der Mann!” Alle seine Untaten sagt er ihm auf den Kopf zu. Und er kündigt ihm die Konsequenzen an: Unglück über sein Haus. Mit seinen Frauen wird ein anderer öffentlich schlafen. Das Schwert wird von seinem Haus nicht weichen.

Und David bricht zusammen. Gott hat ihn in seiner Barmherzigkeit ins Licht gestellt, damit David sieht, was er getan hat. Davids Sündenbekenntnis eröffnet ihm neu den Zugang zu Gott. Gott vergibt ihm und nimmt ihn wieder an. Die Gemeinschaft wird wiederhergestellt. David fühlt, wie die Last von seinen Schultern rollt. Er kann sich wieder in Gott freuen.

Ist nun alles gut? Zwischen David und Gott: ja. Aber die Folgen seiner Sünde muss er dennoch tragen. Als erstes stirbt der Sohn, der durch diese Sünde gezeugt worden ist. Und dann ergießt sich über Davids Leben eine nicht enden wollende Kaskade von familiären Problemen. Einer seiner Söhne vergewaltigt seine Halbschwester. Ihr Bruder Absalom entwickelt einen glühenden Hass gegen den Vergewaltiger, der im Brudermord endet. Der Vater hat keine Strategien, um der Probleme in seiner Familie Herr zu werden. Entfremdung auf allen Seiten, Machtkämpfe und Intrigen. Schließlich vertreibt ihn sein eigener Sohn und schändet Davids Frauen, um den Vater öffentlich zu demütigen. Sein alter “Freund” Joab kämpft einen Kampf für David, den der gar nicht wirklich kämpfen mag, und der mit Absaloms Tod endet. So viele Turbulenzen, so viel Schmerz, Trauer, Leid, Verlust und Bosheit. Aber David weiß, warum das alles passiert, und er lehnt sich nicht dagegen auf. Er hat zwar nichts als Probleme, aber er hat sie sich selbst eingebrockt, und er erlebt, dass Gott ihm in all dem nahe ist und seine Segensversprechen ebenso einlöst wie seine Strafandrohungen.

Wir vertun uns manchmal, indem wir denken, dass Vergebung alle Konsequenzen unserer Sünde auslöscht. Ja, sie stellt die Gemeinschaft mit Gott wieder her. Wir werden das Gericht der ewigen Trennung von Gott nicht erleben. Aber die Schulden, die wir gemacht haben, weil wir so gierig oder verantwortungslos waren, müssen wir abzahlen. Die zerbrochenen Beziehungen werden nicht automatisch wieder hergestellt. Familien sind zerrüttet. Christlicher Dienst wird ruiniert. Gefängnisstrafen für begangene Verbrechen müssen abgesessen werden.  Auch unter der kollektiven Sünde und der Sünde unserer Vorfahren leiden wir. Auch christliche Frauen gebären ihre Kinder unter Schmerzen als Strafe für Evas Sünde. Wir arbeiten oft umsonst, unter Mühe und Frust. Wir leiden mit unter Kriegen  und  Krankheiten und Pandemien und Diktaturen. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist Gottes große, unbegreifliche Gnade: inmitten unserer Nöte erleben wir seinen Beistand und seine Hilfe.

Aber wir dürfen Sünde niemals leichtnehmen, weil wir denken: Gott vergibt ja. Ja, das tut er in dem Moment, wo wir unsere Sünde aufrichtig zugeben und bereuen. Aber das hebt nicht alle Konsequenzen auf. Und daran sollten wir am besten vorher denken.

Wer die Geschichte von David in der Bibel nachlesen möchte, der beginne am besten in 2.Samuel 11.

Notizen zu 1.Mose 3: Rebell sucht Mit-Rebellen

fist-162131_1280Satans Wesen zeigt sich in Rebellion gegen Gott, Lüge mit allem, was dazugehört (Verleumdung, List, Verkleidung) und Durcheinander, Mord und Tod. Um die Menschheit für seine Absichten zu instrumentalisieren, muss er sein Programm attraktiv verkaufen.

Mechanismen der Verführung:

  • Er beginnt bei  Eva, der Person, die er 1. als leichte Beute erkennt und die 2. genug Einfluss hat, um Adam mit ins Boot zu holen
  • Er sät Unsicherheit über Gottes Wort.
  • Er widerspricht Gottes Wort.
  • Er begründet seinen Widerspruch, indem er Gottes Charakter als missgünstig, totalitär und tyrannisch darstellt.
  • Er lügt über die Folgen der Übertretung des Verbotes und verheißt Unabhängigkeit von Gott, ja, Gleichheit mit Gott, einen im Menschen selbst begründeten Stolz und “Selbstwert”,  genau das, was er selbst anstrebt.

Plötzlich erscheint Gott Eva in einem neuen Licht. Sie sieht nicht mehr den Gott der Liebe und was er ihnen alles gegeben hat, sondern sie sieht das eine Ding, was er ihnen verweigert hat, und sie glaubt Satan mehr als Gott.

Dieses falsch platzierte Vertrauen ist die Wurzel jeder Sünde.

Sie zieht Adam mit hinein, ohne dass er ein einziges Mal widerspricht oder abwehrt. Sündigen ist einfach. Man muss nur Gottes Wort wegschieben und seinem von Lüge und Lust umwölkten Verstand folgen. Die Konsequenzen dagegen sind hart, andauernd und unausweichlich und lasten schwer auf uns. Alleine kommen wir nicht mehr raus. Wir brauchen einen Retter.

Gottes Förderplan

Dass einige von uns Erdenwürmern beschließen, dass heute Nacht das Jahr 2014 endet und ein neues beginnt, ist für den Herrn aller Herren, für den ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind, sicher nicht maßgeblich. Wir aber sind für unsere Orientierung in der Zeit auf diese Ab- und Einschnitte angewiesen, und nehmen sie zum Anlass, zurück und nach vorne zu schauen, und das kann durchaus was Gutes sein. Ich bin nicht so der Typ, der zum Jahreswechsel gute Vorsätze fasst – da kenne ich mich und meine beständige Unbeständigkeit zu gut … Trotzdem ist mir natürlich bewusst, dass es Änderungsbedarf bei mir gibt.

Auch wenn ich keinen Vorsatz habe, Gott hat mit Sicherheit einen, auch wenn er ihn nicht an unserem Silvester-Datum festmacht. Zu meiner beruflichen Arbeit gehört das Erstellen von Förderplänen für die geistig behinderten Menschen, die ich betreue. In regelmäßigen Abständen erheben wir den Ist-Zustand: Wo steht unser Klient? Gab es positive Entwicklungen? Hat sich eine neue Problemlage gezeigt? Ist er vielleicht sogar zurückgegangen? Und dann legen wir Förderziele fest: Wo wollen wir hin? Wie können wir ihn anleiten, um sich in ganz kleinen Schritten diesem Ziel anzunähern? Was braucht er dazu von uns? Wer kann daran mitwirken?

Gott hat auch so einen Förderplan für mich. Er weiß, wo er mit mir hinwill. Ich bin oft zu beschränkt, um seine Ziele zu erkennen. Mein Horizont ist viel zu eng, meine Vorstellungen zu vordergründig. Nicht nur das, ich kann auch meine Mängel und Macken gar nicht einschätzen, weil ich irgendwie wahrnehmungsgestört bin, wenn es um mich selbst geht. Aber das ist auch nicht so schlimm, weil er den Überblick hat. Er schickt mir Menschen (manchmal auch Bücher), die an meinem Glauben ergänzen können, was noch fehlt, was ich noch brauche an Belehrung oder Aufdeckung meiner blinden Flecken. Er schickt mir Bewährungsproben und Schwierigkeiten, damit ich anwenden kann, was ich gelernt habe. Wenn ich nicht klarkomme, analysiert er meine Schwachpunkte und bearbeitet die. Kurzum: Er hat die Sache in die Hand genommen, und ich vertraue ihm völlig, dass er mich zu einem guten Ende führen wird, wie sein Wort es verspricht: Der Gott, von dem alle Gnade kommt, hat euch berufen, mit Christus zusammen für immer in seiner Herrlichkeit zu leben. Er wird euch aufbauen, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen, auch, wenn ihr jetzt eine Weile leiden musstet. (1.Petrus 5,10) Der, der euch beruft, ist treu. Er wird euch auch ans Ziel bringen. (1.Thessalonicher 5,24)

Manchmal hilft nur Rennen

Warum nur musste sie mit Potiphar verheiratet sein, diesem Langweiler? Seit er diesen hebräischen Sklaven hatte, war er überhaupt nicht mehr zuhause, denn er brauchte sich um nichts mehr hier zu kümmern. Josef regelte alle Angelegenheiten für ihn, ob dienstlich oder privat. Ihr Mann tat gar nichts mehr hier, außer sich zum Essen an den Tisch zu setzen.

Dieser Josef war nicht nur kompetent und fleißig, sondern auch eine Augenweide. Je länger sie ihn betrachtete, desto mehr fragte sie sich, ob es nicht auch zu seinen Aufgaben gehören sollte, ihr, der armen vernachlässigten Ehefrau, gewisse Wünsche zu erfüllen?

Er schien sie aber gar nicht wahrzunehmen, obwohl sie seine Aufmerksamkeit zu gewinnen suchte. Hatte er nichts als Arbeit im Kopf? Er war freundlich-höflich-uninteressiert. Da musste sie wohl etwas deutlicher werden! Josef, ich bin so verknallt in dich! Ich kann ohne dich nicht mehr leben! Aber Josef schüttelte nur entsetzt den Kopf. Das kann ich nicht tun. Dein Mann vertraut mir. Ich hab hier über alles Verfügungsgewalt, aber du bist seine Frau, und das respektiere ich. Und außerdem wäre es auch vor Gott ein Unrecht.

Zuerst dachte sie, er ziert sich nur. Vielleicht war er zu schüchtern oder zu verklemmt? Vielleicht musste sie ihm ihre Bewunderung deutlicher machen? Vielleicht musste sie ihre Reize noch ein bisschen mehr zeigen? Wahrscheinlich hatte er einfach Angst, erwischt zu werden! Sie musste es arrangieren, dass mal wirklich niemand sonst im Haus war. Und tatsächlich: Eines Tages, als er zum Dienst kam, waren sie allein. Heute würde es so weit sein. Als er an ihr vorbeiging, hielt sie ihn fest: Josef, bitte! Wir sind heute sicher! Du willst es doch auch! Schlaf mit mir!

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Josef hatte schon so eine Ahnung, dass das heute nicht gut gehen würde. Mit ihr allein im Haus! Diese Frau quälte ihn wirklich! Ja, er war hier mehr als einsam! Ja, er wäre auch gerne mal mit einer Frau zusammen! Es wäre schön, wenn das Leben aus mehr bestünde, als für andere zu schuften und zuzuschauen, wie sie ihr Leben genießen und gar nicht wirklich zu schätzen wissen, was sie haben. Aber sie verstand nicht, dass er nicht konnte. Denn Gott war alles, was er noch hatte, und sein Wohlgefallen und die Freude an der Gemeinschaft mit IHM waren ein zu hoher Preis für ein bisschen Abwechslung. Doch was sollte er tun, wenn sie ihn so bedrängte?

Es kam, wie es kommen musste. Er konnte nicht vermeiden, in ihre Nähe zu kommen, und sie hielt ihn fest. Und da wusste er: Jetzt hilft nur noch Rennen, sonst werde ich schwach. Er stürzte panikartig aus dem Raum. Dabei hielt sie sein Gewand fest; es rutschte von ihm runter und blieb in ihrer Hand.

Als er mit klopfendem Herzen und am ganzen Körper zitternd draußen stand, war ihm schon klar, was nun geschehen würde. Er hatte sie mit seiner Abweisung tödlich beleidigt, und sie würde sich rächen. Er hatte ihr ein “Beweisstück” dagelassen, und es gab keinen Schutz gegen ihre Verleumdung. Er würde für seine Treue zu Gott einen hohen Preis bezahlen. Aber er war froh. Er war froh! Es sah aus wie eine Niederlage, aber es war ein Sieg. Komme, was wolle, Gott war auf seiner Seite, und das war das einzige, was zählte.

Die Geschichte steht in der Bibel in 1. Mose 39.

Gefährliche Erschöpfung

Wenn die ganze Energie durch den Abfluss gerauscht ist, sei es physische oder seelische, dann ist Gefahr im Verzug, denn wir sind besonders angreifbar! Von Esau heißt es in der Bibel: Er war erschöpft. Er ist vielleicht längere Zeit auf der Jagd gewesen, und nun kriegt er kaum noch einen Fuß vor den anderen. Wenn er nicht schnell was zu essen bekommt, dann wird er umkippen. Da zieht ihm der unwiderstehliche Duft roter Linsen in die Nase und führt ihn zu Jakob, der am Feuer steht und die Suppe rührt.

Jakob, der Koch, ist der Herr dieser Suppe. Und diese Suppe ist alles, was Esau jetzt braucht. Da sind die Linsen, die mein Leben retten! Mein Magen wird sich sonst selber auffressen! Jakob, bitte, gib mir was davon!

Jakob kennt sein Brüderchen. Er kann jetzt alles von ihm kriegen, und das wird er auch! Jede hungrige Minute mehr spielt ihm in die Hände! Wir machen einen Deal. Ich krieg dein Erstgeburtsrecht, und du kriegst meine Suppe! Esau hat keine Kraft mehr, um sich auszurechnen, wie viele zukünftige Suppen wohl in einem Erstgeburtsrecht enthalten sind. Überhaupt – was heißt zukünftig? Hunger ist jetzt! Und wenn der Hunger ihn umbringt, braucht er sowieso nie mehr was. Ja, meinetwegen! Und jetzt gib mir die Suppe! Aber Jakob muss sichergehen, denn Esau, dieser Augenblicks-Mensch, will sich vielleicht morgen nicht mehr an ihren Handel erinnern. Schwöre mir!  Und Esau kann gar nicht schnell genug schwören, denn er ist fertig, k.o., aus, wenn diese Linsen nicht SOFORT den Besitzer wechseln! Ich schwöre! Alles, was du willst!

Kann man Esau nicht verstehen? Liegen unsere Sympathien nicht eindeutig bei ihm statt bei Jakob, diesem Fuchs? Was hätte er machen sollen? Aber die Bibel sagt: “So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht!” Keine mildernden Umstände!

Die schwierigsten Gegebenheiten und die brutalsten Anfechtungen zeigen immer, was uns wirklich wichtig ist. Sie bringen ans Licht, was wir ernst nehmen und was wir glauben. Das Problem Esaus – und unseres, denn die Geschichte steht zu unserer Warnung da –  ist, dass die Gegenwart sich uns so stark aufdrängt, dass sie die Priorität der ewigen Zukunft vernebelt. Geldnöte, Erschöpfung, Depressionen, Hunger, Verfolgung, Krankheiten, Einsamkeit sind Herausforderungen unseres Glaubens an die Verheißungen Gottes. Vertraue ich ihm, oder setze ich auf sofortige Erleichterung und werfe dafür die Treue zu Gott und seinem Wort über Bord? Gott zeigt uns dadurch unser Herz: Ist er unser größter Schatz, oder verachten wir ihn? Wenn er dieser Schatz ist, dann wird er uns die Kraft geben, auch in der tiefsten Erschöpfung und Bedrängnis an ihm festzuhalten.

Quellen: 1.Mose 25, Hebräer 12,12-17