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Von Wundern und Glauben

Ein ganzes Dorf im von den Juden verpönten Samaria hatte sich überzeugen lassen: “Dieser Jesus ist  wahrhaftig der Retter der Welt.” Und dabei hatte Jesus dort kein einziges Wunder getan, außer einer Frau ihr verpfuschtes Leben auf den Kopf zuzusagen und ihr das Wasser des Lebens zu geben. Ihre Erfahrung mit dem Messias war wie ein Stein gewesen, der ins Wasser fällt und Kreise zieht.

Dann reiste Jesus weiter nach Galiläa. Dort hatte er schon mal eine negative Erfahrung gemacht. In Nazareth, seiner eigenen Heimatstadt, hatten sie ihn steinigen wollen, weil ihnen nicht gepasst hatte, was er gesagt hatte. Jetzt aber schienen sie begeistert, dass er kam, denn viele hatten ihn am Passafest in Jerusalem erlebt und zeigten sich doch ziemlich beeindruckt von seinen Wundern und Fähigkeiten. Vielleicht konnten sie auch Nutznießer davon werden? Vielleicht konnten sie hier bei sich zuhause auch so etwas erleben? Das Übernatürliche hat immer eine gewaltige Faszination, aber Jesus will uns nicht faszinieren, sondern er will unser völliges Vertrauen in sein Wort, das zu Gehorsam und Lebensveränderung führt.  Religiöse Erlebnisse, ja, aber Buße und Umkehr und ein Bekenntnis zum Sohn Gottes? So weit wollten die Galiläer nicht gehen.

life-saving-swimming-tube-737370_1280In Kana gab es einen Mann mit einem großen, herzzerreißenden Problem. Er war ein “Königlicher”, ein Regierungsbeamter, und vermutlich auch irgendwie mit dem königlichen Haus blutsverwandt. Aber für seine gegenwärtige Not nützte ihm das alles nichts. Sein Sohn war todkrank, und niemand konnte ihm helfen. Da hörte er, dass Jesus gekommen sei – und wusste: Das ist die Rettung! Und so suchte er ihn auf und bat ihn zu kommen.

Die Antwort Jesu durchsuchte die Motive seines Herzens:

Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehr, so werdet ihr nicht glauben.

War das so bei ihm? Brauchte er ein Zeichen, um Jesus zu glauben, oder kam er, weil er wusste, dass durch Jesus die Barmherzigkeit und Hilfe Gottes vom Himmel gekommen war? Nein, ihn trieb nicht Sensationslust! Er wusste, dass Jesus helfen konnte, und dass er seine einzige Hoffnung war. Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt!  Wie konnte er beweisen, dass er ohne zu sehen und zu fühlen an ihn glaubte?

Da gab Jesus selbst ihm eine Möglichkeit dazu: Geh heim, sagte er. Dein Sohn lebt!

Er wusste: Wenn Jesus das sagte, dann war sein Sohn gerettet. Er musste ihn nicht am Arm zu sich nach Hause schleppen. Er hatte die Vollmacht, auch unspektakulär und von ferne zu heilen. Mit dieser Gewissheit machte er sich auf den Heimweg.

Unterwegs kamen ihm seine Knechte entgegen mit der guten Nachricht: Dein Sohn lebt! Es geht ihm wieder gut.  – Wann ist das passiert? fragte er. Gestern Mittag  um eins sank das Fieber, erzählten sie. Da erfüllte ihn eine große Freude. Sein Vertrauen war nicht enttäuscht worden! Das war genau die Zeit, als Jesus ihm sein Versprechen gegeben, und er sich darauf verlassen hatte!

Aus seinem Glauben wurde ein festerer, tieferer, bestätigter Glaube. Sein ganzer Haushalt wurde davon angesteckt. Er hatte bei Jesus Rettung gesucht, er hatte ein Wort der Zusage bekommen, und nun hatten er und viele andere erlebt, dass sein Wort zuverlässig ist. Jesus war der Messias!

Die Geschichte steht in Johannes 4.

Beten lernen: Wunschzettel mit Erfüllungs-Garantie?

santa-claus-514186_1920Als meine Kinder jünger waren und vor Geburtstagen und Weihnachten noch Wunschzettel schrieben, musste ich sie immer wieder mal darauf hinweisen, dass ein Wunschzettel ein Wunschzettel ist und keine Bestellung. Das Budget war beschränkt, und unsere Meinung über die Notwendigkeit oder Qualität der gewünschten Sachen war auch nicht immer deckungsgleich. Aber wünschen war nicht verboten.

Wenn Jesus sagt:

Darum sage ich euch: Worum ihr im Gebet auch bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, dann werdet ihr es auch erhalten. (Markus 11,24)

Wer bittet, empfängt; wer sucht, findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet!(Matthäus 7,8),

dann hört sich das nicht nach Ausnahmen und Beschränkung an!

Unsere Erfahrung ist anders. Wie oft hat Gott uns eben nicht gegeben, um was wir ihn gebeten haben! Es gibt also zwei Möglichkeiten: Entweder stimmt das nicht, dass jeder, der bittet, auch empfängt – oder es gibt einen Schlüssel, der uns fehlt.

Manche meinen, der Schlüssel ist der Glaube, und natürlich ist Glaube die Grund-Voraussetzung:

Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn aufrichtig suchen. (Hebräer 11,6)

Aber wenn wir nun Glauben an Gott hatten und trotzdem nicht bekamen, worum wir gebeten haben? War der Glaube zu klein? Brauchen wir einen Super-Glauben? Und wie kriegt man den? Muss man sich da künstlich reinsteigern?

Da man die ganze Heilige Schrift immer zusammen sehen muss, schauen wir mal, wo Jesus noch mehr zum Thema gesagt hat. In Johannes 15,16 lesen wir:

Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, das ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit der Vater euch gibt, was auch immer ihr ihn bitten werdet in meinem Namen.

Hier haben wir es wieder: Was auch immer!  Und der Schlüssel ist: In meinem Namen. Was bedeutet das? ist es eine Formel, die ich an jedes Gebet anhängen muss, damit ich kriege, was ich haben will? Wir wissen, dass jedes magische Denken der Bibel fremd ist – das kann es also nicht sein.

“In meinem Namen” heißt ganz einfach: In meinem Auftrag. Ich berufe mich in meinem Gebet darauf, dass das, um was ich bitte, etwas ist, was Jesus mir aufgetragen hat. Dafür muss ich

1. Jesus kennen, 2. mich auf seine Gerechtigkeit stützen, 3. gut informiert sein über das, was das Verlangen meines göttlichen Meisters ist. ich habe also Gewissheit, dass ich über kurz oder lang Erhörung finde, wenn ich bitte

  • um die Verherrlichung Gottes und alles, was dazu dient.  Z.B. schreibt Paulus den Philippern, dass er sich wünscht, dass Christus hoch gepriesen wird an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod. Das ist ein Gebet mit Erhörungsgarantie!
  • um das Kommen seines Reiches, die Ausbreitung seiner Botschaft
  • um das Lebensnotwendige – damit wir Gott weiter dienen können
  • um Vergebung – und nichts gibt er uns lieber!
  • um Sieg in Versuchung und auch um sein Kommen, das endgültig dem Bösen ein Ende machen wird.

Vielleicht hast du das sogenannte “Vaterunser” erkannt. Das ist ein Wunschzettel mit Erfüllungsgarantie für alle, die geduldig und im Glauben dranbleiben, ohne Aufhören um eben diese Dinge zu bitten! Gebet ist etwas für Jünger, die, die von ihrem Meister lernen möchten, was ER sich wünscht, und sich dann mit ihren Gebeten in seinen Dienst stellen.

Der göttliche Adoptions-Beschluss (Predigt-Nachlese)

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Bibeltext: Epheser 1, 1-14

Es ist Gott, der uns auserwählt hat, seine Kinder zu sein. Wir konnten nichts dazu tun.

Schon ehe er die Welt geschaffen hat, hat er diesen Beschluss gefasst: Er wollte Kinder haben, die seine eigenen Charakterzüge tragen sollten: Heilig und tadellos. Er nahm sich vor, uns mit jedem geistlichen Segen zu segnen, und uns zu Erben einzusetzen, die alles genießen sollten, was er hat.

Heilig und tadellos hat er mich allerdings nicht vorgefunden, sondern sündig und rebellisch, feindselig und verloren und absolut unfähig, zu dem zu werden, was ich werden sollte! Aber gerade diese meine Hilflosigkeit brachte seine ganze Gnade und Herrlichkeit ans Licht! Denn ER hat alles für mich getan durch Jesus Christus!

Jesus Christus hat mich durch sein Blut vom gerechten Gericht freigekauft. Was ich getan habe, ist vergeben – nie mehr muss Sünde mich von der Gegenwart Gottes ausschließen. Wenn ich verzweifelt bin über meine Unfähigkeit, den “Familienstandards” zu genügen, sagt der Vater nicht: “Sei mehr! Tu mehr!”, sondern er erinnert mich daran, was Er für mich getan hat und wozu Er mich gemacht hat. Er möchte, dass ich meine Reichtümer, die er mir gegeben hat, kennen und genießen lerne und nicht mit meinem Denken und Trachten immer noch an dieser Welt und meinem vorigen Leben festklebe.

Ich bin in seiner Familie akzeptiert “In dem Geliebten”, d.h. in Jesus, der nie etwas anderes war als die Freude seines Vaters. Er war immer heilig und tadellos. Er hat am Kreuz mit mir den Platz getauscht: Er empfing mein Urteil, und ich erhielt die Kindschaft. Und nun sieht Gott mich “In Christus”, und mir bleibt nur die dankbare Freude! Und damit ich ganz sicher bin, dass sich daran nie mehr etwas ändert, hat er mir und allen anderen, die ihr gläubiges Vertrauen auf Jesus setzen, ein Siegel aufgedrückt und ein Pfand gegeben: den Heiligen Geist als Sicherheit und Bestätigung.

Warum tut Gott so etwas? Nun, es hat ihm gefallen, seine Gnade zu zeigen. Er hat es getan, weil er ist, wie er ist: Gnädig und gerecht, barmherzig und voller Liebe. Und er wünscht sich das Echo unserer Herzen: Dankbarkeit, Freude und Lobpreis seiner herrlichen Gnade!

Predigt-Nachlese: Von Melite nach Rom

Predigttext: Apostelgeschichte 28

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Via Appia Antica, von Stefano Constanini, Creative Commons Lizenz

Paulus hat es mit den anderen geretteten Schiffbrüchigen auf die Insel Melite verschlagen. Es ist kalt und es regnet. Die Einwohner sind sehr freundlich, nehmen sie auf und machen ein Feuer. Paulus hilft beim Reisig-Zusammenlesen. Als er das Holz auf das Feuer legt, schießt eine Giftschlange heraus und verbeißt sich in seine Hand.

Die Eingeborenen ziehen sofort ihre Schlüsse: Der ist bestimmt ein Mörder! Muss ja auch einen Grund haben, dass er als Gefangener nach Rom gebracht wird! Jetzt ist er aus dem Meer gerettet worden, aber der gerechten Strafe kann er nicht entfliehen! (Sie bestätigen damit übrigens Römer 2: Auch Heiden, die nie mit dem Gesetz des Alten Testamentes in Berührung gekommen sind, haben ein Bewusstsein von falsch und richtig.)

Paulus bleibt ganz gelassen. Er weiß, dass ihn das nicht umbringen kann, denn Gott hat ihm gesagt, dass er nach Rom kommt. Er jammert auch nicht: Das jetzt auch noch! Hab ich nicht genug mitgemacht? Er schüttelt das Tier einfach ins Feuer, und ihm passiert nichts. Das verwundert die Menschen jetzt vollends. Dieser Mann ist ein Mysterium! Am Ende ist er einer der Götter!

Paulus allerdings weiß, dass er nichts ist als ein begnadigter Sünder, der auf diese Insel gebracht wurde, um dort den Namen seines Retters groß zu machen. Als Publius, der Oberste der Insel, sie als Gäste aufnimmt, betet er für dessen schwerkranken Vater. Weil seine Heilung sich herumspricht, kommen all die Kranken und bitten um Gebet und werden gesund. Eine wunderbare Gelegenheit für Paulus, Jesus zu verkündigen! Drei Monate haben sie Zeit, um aus diesen neuen Gläubigen Jünger zu machen. Ihre Dankbarkeit zeigen die Inselbewohner, indem sie dafür sorgen, dass es ihnen für die Weiterfahrt an nichts mangelt.

Nun geht es endlich nach Rom. Die Brüder dort haben schon gehört, dass Paulus kommt. Sie gehen ihm mehr als zwei Tagereisen weit entgegen und geben dem Gefangenen Geleit wie einem siegreichen General! Ihre Liebe ist für Paulus eine große Ermutigung. Er wird hier nicht alleine kämpfen müssen.

In Rom hat Paulus große Möglichkeiten. Seine Untersuchungshaft erlaubt ihm, – zwar unter ständiger Anwesenheit eines Wachsoldaten – eine eigene Wohnung zu haben, wo er nach Belieben Leute empfangen kann. Er lädt die jüdische Führung zu sich ein, die auch ganz neugierig sind, mehr von ihm über diese “Sekte” zu erfahren, von der sie nur wissen, dass sie überall heiß diskutiert und abgelehnt wird. Paulus erklärt ihnen an Hand des Alten Testamentes, wer Jesus ist und wie sein Reich aussieht. Einige lassen sich überzeugen, andere nicht. Zwei Jahre kann er ungestört das Wort Gottes lehren und vor allem Briefe schreiben: Noch heute profitieren wir von seinen Briefen an die Epheser, Kolosser und Philipper. Auch der Brief an Philemon stammt aus dieser Zeit. Er weiß jede Situation für die Verkündigung des Evangeliums und den Aufbau der Gemeinden zu nutzen und verschwendet keine Energien auf Selbstmitleid.

Wir wissen, dass Paulus nach diesen zwei Jahren freigesprochen, aber später wieder verhaftet und hingerichtet wurde. In allen Umständen blieb er seinem Lebensmotto treu:

Dass durch mein Leben Christus in allem geehrt wird, ob ich nun lebe oder sterbe. Denn Christus ist mein Leben.

Predigt-Nachlese: Qualitäten geistlicher Leitung in Krisensituationen

Predigttext: Apostelgeschichte 27

andreas-achenbach-85762_1280Der äußere Ablauf der Geschichte:

Paulus hatte sich ja auf den Kaiser in Rom berufen. Darum wird er, zusammen mit anderen Gefangenen, einem römischen Hauptmann namens Julius anvertraut, der die Gruppe sicher in die Reichshauptstadt bringen soll. Bei ihm sind außerdem Lukas und Aristarch als seine Begleiter. Die Reise geht mit dem Schiff übers Mittelmeer. In Myra wechseln sie auf ein alexandrinisches Handelsschiff, auf dem nun über 200 Personen unterwegs nach Italien sind. Bei ungünstigem Wind kommen sie schließlich an einen Ort, der “schöne Häfen” heißt in der Nähe von Lasäa. Dort warten sie auf besseres Wetter. Das kommt aber nicht. Die Zeit drängt, und sie beschließen, trotz ungünstiger Bedingungen weiter zu segeln. Paulus, erfahren in Reisen auf dem Meer – dies ist nicht sein erster Schiffbruch -, warnt vor der Weiterfahrt. Aber der Hauptmann will sich lieber auf die vermeintlich größere Kompetenz der Fachleute verlassen, und so lichten sie die Anker.

Und dann bricht die Katastrophe über sie herein in Form eines “Eurakylon” genannten Wirbelsturms. Viele Tage bleibt der Himmel schwarz, und sie treiben völlig orientierungslos auf dem Meer herum.Sie umgürten das Schiff mit Tauen, damit es nicht auseinanderbricht, lassen das Takelwerk herunter und werfen nach und nach immer mehr Ladung und sogar das Schiffsgerät über Bord. Hoffnungslosigkeit übermannt sie. Niemand ist mehr nach Essen zumute.

Schließlich richtet Paulus das Wort an sie: Leute! Hätte man auf mich gehört, wäre das alles nicht passiert! (Niemand widerspricht.) Aber heute Nacht hat Gott mir durch einen Engel sein Wort gegeben, dass ich nach Rom komme! Und euch alle hat er mir geschenkt! Ihr werdet heil hier rauskommen, nur das Schiff ist verloren. Seid guten Mutes! Es wird so kommen, wie Gott es gesagt hat! ich vertraue ihm!

Bald merken sie, dass das Wasser flacher wird. Die Matrosen hecken heimlich einen Plan aus, das Schiff zu verlassen, aber Paulus merkt das irgendwie, und diesmal hat er das Ohr des Hauptmanns. Die Flucht kann verhindert werden. Schließlich ruft Paulus alle dazu auf, etwas zu essen. Sie werden für den letzten Akt Kraft brauchen. Er geht mit gutem Beispiel voran, segnet das Brot und beginnt zu essen. Eine Welle von Hoffnung durchflutet alle, sie stärken sich und werfen dann den restlichen Weizen ins Meer. Als es Tag wird, zeichnet sich eine Bucht mit flachem Strand vor ihnen ab. Auf dem Weg dorthin laufen sie auf eine Sandbank auf, wo das Schiff endgültig auseinanderbricht. Die Wachmannschaft befürchtet, ihre Gefangenen könnten nun das Weite suchen und wollen sie töten, aber Julius lässt es nicht zu. Schwimmend und auf Planken und Wrackteilen gelangen schließlich alle an Land.

Paulus als Beispiel gottesfürchtiger Leitung in Krisensituationen:

Stürme gehören zu unserem Leben. Wir schwimmen ständig gegen den Strom einer gottlosen Kultur, aber auch auf der persönlichen Ebene erleben wir Krisen und überwältigende Nöte. Wenn wir betrachten, wie Paulus sich hier verhält, können wir viel über den Umgang mit Krisen lernen. Wie nötig sind in Krisenzeiten auch solche, die vorangehen, die Initiative ergreifen und die übrigen ermutigen! Was zeichnet nun eine solche gottesfürchtige Leitung aus?

1. Aufgeben ist ein Fremdwort, wenn die Bestimmung noch nicht erreicht ist. Die gottgegebene Mission wird und muss ausgeführt werden. Paulus sagt in Apostelgeschichte 20, dass er entschlossen ist, seinen Lauf mit Freuden zu vollenden. Nichts, aber auch gar nichts, kann ihn davon abbringen!

2. Ein geistlicher Leiter muss geistliche Urteilsfähigkeit anwenden.

3. Die Autorität des Wortes Gottes steht für ihn zu jeder Zeit außer Frage, und er spricht in dieser Autorität. Paulus hatte hier ein direktes Wort von Gott empfangen. Wir dürfen auf dem festen Grund der Heiligen Schrift stehen und sie in Liebe auf jede Situation anwenden.

4. Er stärkt und ermutigt die anderen mit dem Wort Gottes.

5. Er vertraut auf das, was Gott gesagt hat. In diesem Vertrauen kann er auch in schwierige Situationen hineingehen und darin stehen.

6. Er ist in Bezug auf das Wort Gottes völlig kompromisslos.

7. Er leitet durch sein Beispiel. Er liebt und dient und achtet die anderen höher als sich selbst.

Noch eine persönliche Beobachtung (das war nicht in der Predigt): Was mich an dieser Geschichte immer besonders berührt, ist das Versprechen Gottes an Paulus: Ich habe dir all diese Menschen geschenkt. Das sagt so viel über das, was sich die ganze Zeit zwischen Gott und Paulus abspielte! Während er sicher half beim Wasserschöpfen und Ladung rausschmeißen, rang er mit Gott um das Leben dieser Menschen. In den sternlosen Nächten hatte er Zugang zum Thron Gottes mit seiner Bitte: Gib mir diese Leute! Zeig ihnen, dass du ein Retter-Gott bist! Lass sie nicht umkommen! Und Gott hört auf ihn. Das bewegt mich tief, und ist ein Ansporn zum Beten für Verlorene: Gott gibt uns Menschen, wenn wir bitten.

Hanna (2): Demut

file3821235526658 (2)Im Tempel schüttet Hanna ihr Herz vor Gott aus. Sie lässt alles herausfließen, Worte und Tränen, alles, was sich in ihr aufgestaut hat über die Jahre, die Traurigkeit, die Verletzung, die Bitterkeit, die Sehnsucht, die Fragen …Es ist eine Sache zwischen ihr und Gott, nichts wo einer zuhören sollte, viel zu privat und intim, viel zu schmerzhaft, viel zu flehentlich. Deshalb spricht sie nicht laut, sondern bewegt nur die Lippen. Ganz innerlich, das geht auch nicht, sonst fühlt sie sich am Ende doch wieder alleine mit ihren Gedanken und Gefühlen. Sie muss sie in Worte fassen, aussprechen, und sich nachher ganz sicher sein: Das habe ich zu Gott gesagt. Das hat er von mir gehört. Denn das, was sie schließlich verspricht, das soll sie auch binden:

Herr der Heerscharen, wenn du das Elend deiner Magd ansehen und an mich gedenken und deine Magd nicht vergessen wirst und deiner Magd einen Sohn geben wirst, so will ich ihn dem Herrn geben, so lange er lebt, und kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen.

Während ihr Herz ganz absorbiert ist von ihrem Gespräch mit Gott, wird sie etwas schroff von hinten angesprochen. Der alte Priester Eli sitzt an der Tür und hat sie jetzt schon eine Weile beobachtet. Diese Frau muss besoffen sein! Heult, brabbelt in sich hinein, wird gar nicht fertig. Am hellen Tag! Das ist hier, bitteschön, der Tempel Gottes! Das kann er nicht länger mit ansehen. “Wie lange willst du dich hier so aufführen? Du bist offensichtlich betrunken!”

Was hätte Hanna ihm alles antworten können! Hast du sonst keine Probleme? Kehr mal vor deiner eigenen Tür! jeder weiß, was deine Söhne hier treiben, und dass du nicht eingreifst! Aber lieber attackierst du eine Frau, die einfach nur beten will! Selbstgerechter alter Heuchler!

Aber ihr kommt noch nicht einmal der Gedanke. Sie sagt einfach:

„Nein, mein Herr! Ich bin nicht betrunken, ich bin nur eine unglückliche Frau und habe Jahwe mein Herz ausgeschüttet. Denk nicht so schlecht von deiner Dienerin. Denn aus großem Kummer und lauter Verzweiflung habe ich so lange gebetet.”

Der große Gott hat sie angehört. Es gibt keinen Grund zum Streiten. Sie rechtfertigt sich ganz ruhig und sachlich. Eli ist der Priester Gottes, und sie respektiert seine Sorge für das Haus Gottes. Er hat sich nur geirrt, die Dinge sind anders, als er denkt. Man kann es spüren, dass alle Bitterkeit aus Hannas Herzen verschwunden ist. Wer von Gott gehört und angenommen ist, den kann kein Mensch mehr durch harte Worte aus der Bahn werfen.

Eine sanfte Antwort besänftigt den Zorn, heißt es in Sprüche 15,1. Eli sieht, dass er im Unrecht war. Der Weg ist frei, dass Hanna ausgerechnet durch ihn die Zusage Gottes empfangen kann:

„Geh in Frieden! Der Gott Israels wird deine Bitte erfüllen.“

Was für eine Freude! Gott hat auf sie, Hanna, die Gedemütigte, die Versagerin, gehört. Man kann den Frieden, der sich in ihrem Herzen ausbreitet auf ihrem Gesicht sehen. Sie muss sich nicht mehr mühen, quälen, rechtfertigen. Der Allmächtige höchstpersönlich hat ihre Sache in die Hand genommen.

Die Geschichte findest du in der Bibel in 1.Samuel 1

Stark bleiben, wenn andere uns blockieren

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Wenn einer sagt, dass die anderen schuld sind, ziehen wir ja schon innerlich eine Augenbraue hoch. Aber in Kalebs Fall stimmte das hundertprozentig! Es war eindeutig die Dummheit und der Unglaube der anderen, die ihm 40 Jahre zusätzliche Wüstenwanderung einbrachten. Wären die anderen nicht gewesen, säße er längst im Gelobten Land im Schatten seines eigenen Feigenbaums, schlürfte den Most seines eigenen Weinstocks, hätte sein Haus, seinen Acker, seine Weiden … statt dessen war er ständig am Auf- und Abbauen, Wege, Wasser und ein bisschen Gras suchen – und musste sich auch noch das Gemecker und Gejammer derer mit anhören, die diese Situation verursacht hatten!

Er war einer der wenigen, die das Land je gesehen hatten. Zu Zwölft hatten sie es 40 Tage erkundet. Es gab dort all das, was ihnen in der Wüste fehlte: saftige Früchte, fette Wiesen für das Vieh und Blumen in Fülle, um Bienen zu halten und Honig zu ernten. Zwar würden die derzeitigen Bewohner ihnen das Land nicht freiwillig überlassen, aber Gott hatte ja versprochen, sie vor ihnen auszutreiben – also dürfte das kein Problem sein! Doch so dachten leider nur er und Josua – alle anderen waren durch die Bank der Meinung, dass das zwar ein tolles Land war, aber leider nicht für sie. Unbesiegbar, diese Kanaaniter! Gott, so schlossen sie, hatte sie ins offene Messer laufen lassen! Er hatte sie aus Ägypten gerettet, um sie jetzt hier an der Grenze hilflos stehen zu lassen! Am besten gingen sie zurück dahin, wo sie hergekommen waren!

Kaleb war fassungslos. Konnte hier keiner mehr logisch denken? Warum sollte Gott so etwas tun? Welche Beleidigung für ihren Erretter und sein großzügiges Geschenk einer perfekten Heimat! Aber als er das sagte, stand er einer geschlossenen Front gegenüber. Sie hätten ihn und Josua fast gesteinigt.

Und natürlich zog Israel  damit Gottes Zorn auf sich. Er verurteilte das Volk dazu, noch 40 Jahre durch diese elende Wüste zu wandern. Diese ganze Generation sollte, mit Ausnahme von Kaleb und Josua, dort sterben und das verheißene Land niemals sehen. Erst ihre Kinder würden es kennen lernen. Kaleb aber wurde versprochen, dass ihm und seinen Nachkommen der Teil des Landes einmal gehören würde, den er erkundet hatte.

40 Jahre noch! Bis dahin würde er ein alter Mann sein … 40 Jahre, die er hätte genießen können! Aber wir hören nicht, dass Kaleb murrt über sein Schicksal. Er hält die Verheißung einfach fest: Es wird länger dauern als geplant, aber er wird das Land sehen, das seinen Kindern die Heimat sein wird.

In 40 Jahren wird aus dem begeisterten Adrenalin-Glauben seiner Jugend ein wüstenerprobter Ausdauer-Glaube, einen, den seine Tochter Achsa und sein jüngerer Bruder Otniel beobachten und von dem sie lernen, um ihn später in ihrem eigenen Leben nachzuahmen. Als wir wieder von Kaleb hören, sagt er:

Das ist jetzt 45 Jahre her, und Jahwe hat mich tatsächlich am Leben erhalten, wie er es mir damals in der Wüste durch Mose versprochen hatte. Heute bin ich 85 Jahre alt und noch genauso stark wie damals als Kundschafter. Ich kann immer noch kämpfen und in den Krieg ziehen. Gib mir nun dieses Gebirge, von dem Jahwe geredet hat. Du hast damals selbst gehört, dass die Anakiter dort in großen stark befestigten Städten wohnten. Vielleicht steht Jahwe mir bei, dass ich sie vertreiben kann. Er hat es mir ja zugesagt.

Die Wüste und die Länge der Zeit haben seinen Glauben nicht kleingekriegt! Er bekommt, was ihm versprochen wurde. Gott ist immer noch seine Kraft und der, auf dessen Hilfe er vertraut. Statt in Frust und Bitterkeit über seine Brüder zu schmoren, hat er sich geduldig unter Gottes Führung gebeugt, und sein Glaube ist wie Gold aus dem Feuer aller Prüfungen herausgeflossen.

Ich finde Kaleb sehr beeindruckend. Ich wünsche mir seine Unbeirrbarkeit, sein Festhalten an Gott, sein Rechnen mit der Erfüllung aller Verheißungen, egal, wer wo querschießt, blockiert und schuld ist. Denn Gott kommt immer ans Ziel.

Hier steht die Geschichte in der Bibel: 4.Mose 13 und 14, Josua 14 und 15