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Das liebe ich an Gottes Wort

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Das liebe ich an Gottes Wort, dass es mit Geschichten kommt von Menschen, die vor Tausenden von Jahren in einer völlig anderen Umwelt lebten und doch wie wir mit Sünde und Unglauben kämpften, mit widrigen Umständen, mit zwischenmenschlichen Konflikten, mit Schwäche und Zwiegespaltenheit, und in all ihrer Not durch Glauben den lebendigen Gott und seine Gnade erfuhren.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es mir die Schlüssel gibt zu den Fragen, die sonst ungeklärt blieben: Was ist es mit dem Zustand dieser Welt, dem Zustand meines eigenen Herzens, unserer Erlösungsbedürftigkeit, und wer macht uns frei?
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es so realistisch ist, dass es die Wahrheit spricht ohne Schönfärberei, ohne auszuweichen, dass es die alten Wunden aufreißt und darin, wo nötig, herumstochert, dass es aber auch die Realität einer Wunden heilenden, bis zum Äußersten gehenden, blutigen, dornengekrönten Liebe zeigt.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass darin Raum ist für Poesie und Kreativität, für Wortbilder und Sprachspiele, für Gefühle wie Trauer und Angst, Depression und inneren Aufruhr und für Liebe und Entzücken und Jubel und Lobgesang.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es in Briefen spricht, die tiefschürfende theologische Abhandlungen und unsere alltägliche Lebenspraxis verbinden und uns zeigen, dass bei Gott alles aus einem Guss ist.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass Gott zuerst durch die Propheten und zuletzt durch seinen Sohn von sich selber spricht, sein Herz offenbart, was er liebt, was er hasst, was er für uns empfindet. Dass er seine Pläne und Absichten vor uns offenlegt, dass er eine Beziehung zu uns haben und uns zu seinen Freunden machen will.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es uns einen Ausblick gibt auf die Zukunft, auf ein Reich von Frieden und Gerechtigkeit, wo die Tränen abgewischt werden und alles Freude und Anbetung ist.

Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Nachdenken den ganzen Tag! Psalm 119, 97

Das Schwert des Geistes (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Epheser 6, 17

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Setzt den Helm eurer Rettung auf und nehmt das Wort Gottes, euer Schwert, das der Geist euch gibt!

Nur ein Wahnsinniger zieht ungerüstet, ohne Helm und Waffe in den Krieg. Im Kampf gegen den Feind hat der Geist Gottes uns eine mächtige Angriffs – und Verteidigungswaffe in die Hand gelegt: Das Schwert des Geistes, das Wort Gottes. Es ist zum Kampf viel besser geeignet als unsere eigenen, oft so scharfen und tödliches Gift versprühenden Zungen, mit denen wir sogar Brüdern Verletzungen zufügen, ehe wir richtig zugehört und nachgedacht haben. Das Schwert des Geistes dagegen muss immer zuerst gegen unsere eigenen Herzen angewendet werden.

Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Es ist schärfer als das schärfste Schwert und durchdringt unsere innersten Gedanken und Wünsche. Es deckt auf, wer wir wirklich sind, und macht unser Herz vor Gott offenbar. Hebräer 4,12 (NLB)

Wir müssen mit diesem Schwert des Geistes  um die Reinheit unserer Herzen und die Liebe gegenüber den Glaubensgeschwistern kämpfen, darum, dass in der Gemeinde das Wesen Jesu sichtbar wird. Danach kämpfen wir mit dem Wort des Evangeliums, mit dem Wort der Wahrheit, um die Herzen der Menschen, die ohne Gott in der Welt und hoffnungslos verloren sind. Wir dürfen nicht zulassen, dass die uns umgebende Kultur uns prägt, sondern sollen als Licht in der Welt fungieren.

Damit wir dieses Schwert führen können, müssen wir seine Kraft kennen und unser Vertrauen darauf setzen. Wir können jedes Wort der heiligen Schrift glauben. Sie offenbart uns den Charakter Gottes. Sie ist erfüllt mit seinen Versprechen. Der heilige Geist macht sie uns lebendig und lehrt uns, sie anzuwenden. Er leitet uns in alle Wahrheit. Es geht dabei nicht um Privatinterpretationen der Bibel, sondern um den ursprünglich gemeinten Sinn.

Wie das Wort Gottes sich selbst charakterisiert:

Es ist für uns Quelle der Wahrheit, des bleibenden Glücks, geistlicher Kraft und geistlichen Wachstums, gibt uns Trost, Hoffnung und Führung und ist Werkzeug unserer Vollendung. Es hat die Kraft, Sünde aufzudecken, Umkehr zu bewirken, neues Leben zu zeugen. Es rettet aus dem Reich der Finsternis und bringt uns ins Licht. (Und das ist nur eine kleine  Auswahl der Segnungen, die es verspricht!)

Nichts kann sich vor diesem Wort verstecken, aber wir können es wegdrücken und ausblenden – bis an den Tag der Rechenschaft vor Gott, der für jeden Menschen kommt. Machen wir doch lieber Gebrauch davon und lassen es sein heilsames Werk in uns und durch uns tun!

Gelesen: “Messy Grace”–Wie ein Pastor mit homosexuellen Eltern lernte, andere zu lieben, ohne seine Überzeugungen zu opfern

Messy Grace: How a Pastor with Gay Parents Learned to Love Others Without Sacrificing ConvictionCaleb Kaltenbach hat eine recht ungewöhnliche Lebensgeschichte, die ihn dazu gezwungen hat, sich mit der Frage vom Verhältnis von Liebe und Wahrheit in besonderer Weise auseinanderzusetzen. Und er kommt zu dem Schluss: Gottes Gnade schreckt vor unserem Schmutz und unserem Chaos nicht zurück.

Caleb Kaltenbach wurde 1978 geboren. Als er 2 Jahre alt war, ließen seine Eltern sich scheiden. Seine Mutter zog aus und veränderte ihren Lebensstil. Nicht lange danach lernte sie Vera kennen und verliebte sich in sie. Sie waren Lebensgefährtinnen bis zu Veras Tod.

Caleb wurde ein hin- und herreisendes Kind. Ferien und Wochenenden verbrachte er oft mit der Mutter und ihrer Freundin, die ihn in ihren Party-Lifestyle der LGBT-Community voll miteinbezogen. Den Rest der Zeit verbrachte er mit dem eher ruhig und zurückgezogen lebenden Vater. Dass auch sein Vater homosexuell war, sollte er erst viel später erfahren.

Er fühlte sich als Kind immer von seinen Eltern geliebt. Er merkte aber auch mehr und mehr, dass ihr Lebensstil nicht die Norm war, und dass nicht jedermann damit einverstanden war. Bei einer der Paraden, an denen er mit seiner politisch aktiven Mutter und ihrer Freundin teilnahm, standen Leute mit Plakaten am Straßenrand. Die Teilnehmer wurden von ihnen beschimpft und mit Urin beschossen. Als er ganz entsetzt seine Mutter fragte, warum diese Leute das taten, bekam er zur Antwort: “Das sind Christen, und Christen hassen uns.” Christen, lernte er, waren der Feind.

Als er 16 Jahre alt war, schnappte er sich eine Bibel aus dem Bücherregal seines Vaters und beschloss, zu einer Bibelgruppe zu gehen und so zu tun, als sei er Christ. Er würde sich die ganze Information aneignen, um sie dann zu widerlegen. Er kannte ein paar Jungs, die schon mal versucht hatten, ihm was über das Evangelium zu sagen, und der eine hatte ihn zu einem Hausbibelkreis eingeladen. Er sagte also zu und ging dorthin.

Was er dann erlebte, verblüffte ihn. Es war gar nicht so einfach, das Christsein zu spielen! Schon die Gebete waren ganz anders, als er das aus der Kirche kannte, die er gelegentlich mit seinem Vater besucht hatte. Diese Leute hier schienen sich mit Gott persönlich zu unterhalten. Und nachdem er eine Weile dorthin gegangen war, stellte er fest, dass dies nicht das war, gegen das er ausgezogen war. Im Gegenteil: Er wollte so gerne aggressive Fragen stellen, aber dieser Jesus drängte sich mit seiner Liebe immer mehr in sein Herz.

Er begann, die Gottesdienste einer christlichen Gemeinde zu besuchen. Er ging zur Jugendstunde. Er lernte immer mehr. Wenn zuhause das Christentum attackiert wurde, schwieg er einfach. Und er konnte nicht mehr aufhören die Bibel zu lesen. Schließlich wurde ihm klar: Egal, was kam, er wollte diesem Jesus nachfolgen. Gregg, ein Freund, den er um Hilfe bat, erklärte ihm den Heilsplan, und er nahm Jesus an. Dann fragte er: Was ist jetzt der nächste Schritt? Gregg erklärte ihm die Taufe. Er fragte, ob sie das jetzt sofort tun könnten? Er wusste, dass seine Eltern ihn als Verräter sehen würden, aber dass er diesen Weg gehen musste. So ließ er sich ohne weitere Verzögerung taufen. Auf dem Heimweg fragte er seinen Freund: “Was mache ich jetzt mit meiner Mutter und Vera?” und Gregg antwortete: “Du kannst nicht aufhören, sie zu lieben.”

Um es kurz zu machen: Sie nahmen es ihm übel, dass er ihn ihren Augen zum Feind übergelaufen und ein Verräter geworden war, aber schließlich zahlten sie ihm sogar die Bibelschule. Er wurde Pastor. Er liebte seine Familie, aber er predigte auch die Wahrheit, dass Gott die Ehe für Mann und Frau gegeben hat und praktizierte Homosexualität Sünde ist. Vera starb an Krebs und lehnte das Evangelium bis zum Schluss ab. Seine beiden Eltern möchten heute Jesus nachfolgen!

Eingewoben in diese persönliche Geschichte sind viele Gedanken darüber, wie die Gnade Jesu aussieht, wie er ein Freund der Sünder war, ohne die Wahrheit je zu kompromittieren, und wie wir ihm da praktisch nachfolgen können. Er stellt viele Fragen, über die die Gemeinde Jesu nachdenken sollte. Er leugnet die Spannung zwischen Gnade und Wahrheit nicht, aber er will uns am Beispiel Jesu und am Beispiel seines eigenen Lebens zeigen, dass es möglich ist, auch wenn es dabei manchmal chaotisch und verwirrend zugeht, und wir nicht damit rechnen können, dass uns jeder immer versteht – und das auf beiden Seiten.

Auf viele der Fragen, die er stellt, gibt es keine einfachen Antworten – und er gibt auch nicht vor, sie alle zu kennen. Es sind manchmal Fragen, von denen man hofft, dass sie sich uns nie stellen werden, z.B. ob wir einem Mann, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat, erlauben würden, an einem Frauenbibelkreis teilzunehmen. Und doch fürchte ich, dass wir uns in den kommenden Jahren mehr und mehr mit solchen Dingen auseinandersetzen müssen, wenn wir auch Menschen aus der LGBT – Community mit dem Evangelium erreichen möchten.

Mein Fazit: Ein lesenswertes Buch! Leider ist es noch nicht ins Deutsche übersetzt. Es gibt Hoffnung, dass Jesus mit den verrücktesten und verwickeltsten Konstellationen zurechtkommt und seine Gnade keine Grenzen und kein “Unmöglich!” kennt.

Predigt-Nachlese: Stephanus vor seinen Anklägern

Predigttext: Apostelgeschichte 6,77,36

Die internen Probleme, die in der ersten Gemeinde auftauchten, stellten kein Hindernis für ihr Wachstum dar. Sie wurden angegangen, boten eine Gelegenheit zum Dazulernen und zur  Verbesserung der Struktur. Viele Priester kamen zum Glauben. Es ist ein Vorteil, mit dem Alten Testament vertraut zu sein, dem Symbolismus der Opfer, der Stiftshütte, des Tempels. Alles im Gesetz weist auf die Notwendigkeit eines endgültigen Opfers hin. Sie erkannten in Jesus das Lamm Gottes und ihren Messias und wurden wahre Söhne Abrahams.

Aber es gab natürlich auch die andere Seite, z.B. die aus der Synagoge der Libertiner. Sie legten sich mit Stephanus an, der einigen Einfluss auf das Volk hatte. Obwohl er als Diakon berufen wurde, um seinen Glaubensgeschwistern in praktischer Weise zu dienen, hatte er auch andere Gaben, und Gott gebrauchte ihn, um im Namen Jesu Zeichen und Wunder zu tun. Dass sie gegen seine Weisheit und geistliche Vollmacht nicht die Oberhand gewinnen konnten, regte sie nur um so mehr auf, und ihr Hass brachte sie dazu, ihn zu verleumden und falsch anzuklagen.

Doch als er vor dem Hohen Rat stand, und sie ihn ansahen, sahen sie ganz deutlich, dass Gott hinter ihm stand. Wenn es heißt, dass sie sein Gesicht sahen “wie eines Engels Angesicht”, so spiegelte sich darin die Herrlichkeit und Autorität Gottes. Und im Auftrag Gottes verkündet er ihnen beides, Gericht und Gnade. Er geht zurück in die Geschichte Israels und beginnt bei Abraham. Am Beispiel Josefs und Moses zeigt er ihnen, dass schon ihre Väter mit Unverständnis und Ablehnung reagierten, wenn Gott ihnen einen Retter sandte. Ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie, die Söhne, jetzt auch in ihrer geistlichen Blindheit den Messias verpassen? Mit dem Wort Gottes versucht er, sie zu überführen von der ererbten Rebellion in ihren Herzen, die sie hindert, Jesus als den Christus zu erkennen.

Aber sie wollen Gott nicht Recht geben. Die Wahrheit löst nur unbändigen Hass in ihnen aus. Wer mit der Wahrheit Gottes konfrontiert wird, muss sich entscheiden, und es gibt nur zwei Alternativen: Man erkennt sie an und kehrt um, oder man macht sein Herz hart und stößt sich selbst noch weiter in die Entfremdung von Gott.

Sie stürzen auf Stephanus los und steinigen ihn zu Tode, und er bittet Gott um Vergebung für sie. Er hat ihnen das alles nicht gesagt, weil er ihnen das Gericht wünscht, sondern weil er sie mit Gott versöhnen und zusammenbringen will – und der Weg dahin führt immer über die Erkenntnis der eigenen Schuld.

Mit dabei ist Saulus, der spätere Apostel Paulus. Er ist ein glühender Christenhasser, und wird sich in der darauffolgenden Zeit als Verfolger der Gemeinde noch besonders profilieren – bis sich der letzte Wunsch des Stephanus an ihm erfüllen und er eine völlige Kehrtwende machen und die Staffel aufnehmen und selber in den “Dienst der Versöhnung” eintreten wird, den Gott den Seinen aufgetragen hat.