Schlagwort-Archive: warten auf Gott

Beten lernen: Nehemia als Vorbild

Manchmal hat Gott so bestimmte Themen, mit denen er uns ständig konfrontiert. Mir springt zur Zeit das Thema Gebet entgegen, wo immer ich lese. In meiner Stillen Zeit bin ich jetzt in Nehemia, und in den ersten beiden Kapiteln kann man unwahrscheinlich viel von Nehemia lernen, was Gebet anbetrifft.

62306989-b5e8-499d-88e8-e1567fd8155d (1)

1. Die Grundbedingung ist das Interesse an den Dingen des Reiches Gottes. In Nehemia 1,2 bekommt Nehemia Besuch, und er fragt sie nach Jerusalem und den Entkommenen, die da noch leben. Er will Information: Wie geht es der Stadt Gottes? Wie geht es dem Volk Gottes? Er will die Wahrheit hören, selbst wenn sie ihm das Herz schwer macht. Sind das die Fragen, die uns umtreiben? Sind wir bereit, uns mit den harten Realitäten zu befassen, oder wollen wir lieber nichts davon hören? Ist die Gemeinde des Herrn/ das Reich Gottes  das, was unser Herz und unsere Gedanken beschäftigt?

2. Nehemia ist ein Vorbild in seiner Reaktion gottgemäßer Traurigkeit. Er weint, und er lässt sich nicht ablenken. Er guckt keinen Film oder geht shoppen, damit er schnell wieder gut drauf ist und vergisst, was er gehört hat, sondern er bringt es mit Beten und Fasten vor Gott. Er identifiziert sich mit seinem Volk und tut Buße für ihre kollektive Sünde. Aber er bleibt nicht bei dem Elend stehen, sondern gestützt auf Gottes Charakter und Gottes Verheißungen entwickelt er im Gebet eine neue Perspektive.

3. Er ist ein Vorbild in betender Abhängigkeit. Er möchte aktiv werden, aber er kann trotzdem nicht einfach lospreschen – Gott muss die Wege ebnen. Obwohl er sich fürchtet, wirft er sich ganz auf Gott, steht während seines Gesprächs mit dem König mit Gott in Verbindung und gewinnt daraus den Mut, dem König seine Anliegen vorzutragen.

4. Er ist ein Vorbild in Besonnenheit. Weil er so von Gott abhängig und in konstanter Verbindung nach oben ist, muss er seine Gedanken und Pläne nicht gleich herausposaunen. Er kann in Ruhe die Lage prüfen, ohne mit Menschen darüber zu reden. Das ist ein Fehler, den ich so oft mache, dass ich zu schnell rede und handle, ehe die Dinge völlig klar sind. Schon ist man dann trotz vorausgegangenem Gebet aus der Abhängigkeit  von Gott herausgefallen.

Altwerden und die Hoffnung festhalten – was ich von Simeon und Hanna lernen möchte

Aert de Gelder [Public domain], via Wikimedia Commons

Heute mal keine Predigt-Nachlese, sondern einige persönliche Gedanken zum Thema …

Simeon und Hanna sind meine Vorbilder, wenn ums Altwerden geht. Über beide hab ich schon öfters geschrieben –  hier z.B. und hier ausführlicher über Hanna. Die beiden sind lebende Illustrationen für den Vers, den ich gerade auswendig gelernt habe:

Lasst uns nun das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten, denn treu ist ER, der die Verheißung gegeben hat. (Hebräer 10,23)

Die Beiden hatten nicht nur eine Hoffnung – sie lebten darin. Man konnte das daran erkennen, wo sie sich aufhielten, wofür sie sich einsetzten, wovon sie sprachen. Wenn in einem Menschen die Hoffnung auf Christus lebt, dann kann das nicht unbemerkt bleiben! Ich stelle mir Simeon so ein bisschen vor wie meinen 88jährigen Vater. So oft wir telefonieren oder uns begegnen, landen wir bei einem Thema, der Wiederkunft des Herrn. Das ist der Fixpunkt, der sein Leben bestimmt, und deswegen kommt das aus allen Poren.  Da führt kein Weg dran vorbei (und nicht etwa, weil ihm sonst nichts einfällt – er liest noch viel, sogar englische Romane, um seine Sprachkenntnisse aufzubessern!). So ähnlich wird der alte Simeon immer zu einem Thema zurückgekehrt sein: Der Trost Israels kommt, und ich werde ihn sehen. Vielleicht hat seine Umgebung schon die Augen verdreht, aber er hielt unentwegt daran fest, weil er wusste, wer ihm das versprochen hatte!

Und dann ist da diese Hanna. Ich möchte gern so werden wie sie! Ich möchte  im Alter nicht darum kämpfen, aus diesem Leben noch so viel wie möglich rauszuholen. Für wie viele Menschen ist Krankheit und Tod deswegen so bedrohlich, weil sie sich nur am Leben fühlen, wenn sie Skiurlaub an Kreuzfahrt reihen können, wenn sie Geld genug haben für jeden Komfort. Man macht sich eine Bucket List von Dingen, die man unbedingt noch erleben und sehen muss, ehe man die Augen zumacht. Auf Hannas Bucket List standen drei Dinge: Auf den Erlöser warten, Hingabe an Gott mit Beten und Fasten, von Ihm reden. Mehr wollte sie nicht, und wer glaubt, ihr Leben sei leerer gewesen als das einer Weltreisenden, weil sie sich immer nur im Tempel in Jerusalem aufhielt, der hat vom Glück der Gegenwart Gottes noch nichts verstanden. Hanna hatte ein volles, gesegnetes Leben – in Hoffnung, in Selbstverleugnung und in voller Annahme der Beschränkungen, die das Leben ihr auferlegt hatte. Am Ende durfte sie den sehen, an den sie geglaubt hatte.

So möchte ich alt werden. Egal, was kommt, loben und danken und beten geht immer! Der Zutritt zum Heiligtum ist sogar für mich in noch vollkommenerer Weise offen wie für Hanna – ich brauche keinen irdischen Tempel mehr. Und wie Hanna werde ich die Hoffnung festhalten und alles auf eine Karte setzen. Am Ende werde ich IHN sehen.

Übrigens, die Geschichte von Simeon und Hanna ist in der Bibel hier zu finden.