Schlagwort-Archive: Zeit zum Gebet

Lesenswerte Artikel über die Verwaltung der uns anvertrauten Zeit

lesenswert mai

Heute möchte ich auf zwei interessante Artikel über den Gebrauch unserer Zeit hinweisen.

Ed Welch geht in Ministry, Personal Limits and Saying “No” (englisch) der Frage nach, wie man im Dienst weise Grenzen setzt. Da sind einerseits die Menschen, die uns mit ihren Bedürfnissen bombardieren, andrerseits die, denen wir gern dienen möchten, uns aber fragen, wo wir das zeitlich noch unterkriegen. Nach ein paar guten Fragen wie

Do I think I am that necessary? Am I afraid to disappoint people? Have I been able to set priorities for how I use my time? Do I know that every yes is a no to something or someone else? Have I learned from the cost of my yesses in the past?

(Deutsch: Bin ich wirklich so wichtig? Habe ich Angst, Leute zu enttäuschen? Habe ich meine Prioritäten für den Gebrauch meiner Zeit definiert? Ist mir bewusst, dass immer, wenn ich zu jemand „ja“ sage, das ein „Nein“ zu einem anderen bedeutet? Habe ich etwas dadurch gelernt, dass meine „Jas“ sich in der Vergangenheit als kostspielig erwiesen haben?)

warnt er uns aber auch davor, zu schnell nein zu sagen, nur weil es mit unseren Plänen oder Bequemlichkeiten kollidiert. Er empfiehlt uns, generell den Gebrauch unserer Zeit zu überprüfen. Wieviel Zeit fressen die sozialen Medien und Entertainment? Wenn wir unseren Dienst limitieren, wie wollen wir die freigewordene Zeit einsetzen? Wie ist meine allgemeine Lebenssituation z.B. in Bezug auf Familienphase oder Gesundheit? Gibt es auch genug Ruhezeiten in meinem Leben, oder bin ich immer geschäftig? Muss ich vielleicht gerade lernen, selbst um Hilfe zu bitten und öfter Nein zu sagen? Wie unterscheide ich zwischen Unannehmlichkeiten, schwierigen Menschen und unweisen Entscheidungen meinerseits?

Gute Fragen, die man mal durchdenken und durchbeten sollte.

Der nächste Artikel von Ron Kubsch Carpe Diem nimmt unter die Lupe, wie äußerst effektiv der Zürcher Reformator Bullinger mit seiner Zeit umgegangen ist, so dass er trotz großer Familie eine ungeheure Produktivität an den Tag legen konnte. Er hatte eine feste Struktur in seinem Tag, stand früh auf zum Gebet und achtete auch darauf, sinnvolle Phasen der Entspannung zu haben. Ob man hauptsächlich Seelsorger oder hauptsächlich Gelehrter ist, macht sicher einen großen Unterschied auch darin, wie flexibel man mit seiner Zeit umgehen muss und kann. Auf jeden Fall können wir alle mehr Disziplin gebrauchen und sollten Gott um Weisheit bitten, wie das in unserem Leben umsetzbar ist. Leider muss ich bekennen, dass ich dazu neige, lieber Produktivitätsvideos anzuschauen (auf Youtube gibt es gefühlt Myriaden davon) als Dinge diszipliniert umzusetzen. Ich fürchte, dass ich damit nicht alleine bin. Möge Gott uns helfen, dass wir die geschenkte Lebenszeit zu seiner Ehre und für sein Reich gut verwalten!

Vom Wählen und Eintauschen

abundance-1868573_1920Am Sonntag hatten wir in unsrer Gemeinde ein Frauentreffen zum Thema “Gebet”. Im Austausch wurde klar, wie schwer es uns allen fällt, nicht nur hier und da spontan, sondern anhaltend  und ausdauernd zu beten und dafür Zeit einzuräumen.

Als ich darüber nachdachte, fiel mir eine Geschichte ein, die ich vor vielen Jahren mal in der Zeitschrift “Readers Digest” gelesen habe und die mich nachhaltig beeindruckt hat. Ich erinnere mich an keine Details mehr, aber der Autor berichtete, wie sein jüdischer Vater seine Kinder erzogen hat, Prioritäten zu setzen, um ihre Ziele zu erreichen. Wenn ich mich recht entsinne, wollte der Junge gerne Musikstunden nehmen, aber die Familie war sehr arm, und Musikunterricht war teuer. Außerdem liebte er süße Brötchen. Sein Vater rechnete ihm also aus, wieviel süße Brötchen eine Musikstunde kostete – wie oft er also verzichten musste. Es waren noch andere Dinge, die gegengerechnet wurden. Der Junge musste also wählen und eine Entscheidung treffen, was ihm wichtiger war, was er erreichen wollte – und diese Entscheidung immer wieder erneuern. Er entschied sich für den Verzicht. Wenn meine Erinnerung nicht trügt, wurde er später ein bekannter Musiker.

Ich bewundere die Weisheit dieses Vaters. Wir wünschen uns oft mehr Disziplin und sind immer wieder wütend auf uns selbst, wenn wir unsere eigenen Standards nicht einhalten. Aber Disziplin ist kein Wert an sich – die Motivation, etwas unbedingt haben oder tun zu wollen, ist der ausschlaggebende Faktor. Und dann müssen wir ein bisschen rechnen. Was haben wir zur Verfügung? Was könnten wir eintauschen? Ein Tag hat 24 Stunden, und mehr kriegen wir auch nicht. Jeder von uns hat Dinge zu tun, die nicht zur Disposition stehen. Und dann gibt es noch kleinere oder größere Wahlfreiheiten. Süße Brötchen sind lecker und in sich nichts Schlechtes. Einmal Verzicht langt nicht; man braucht einen ganz schön langen Atem. Die Frage ist: Wie wichtig ist mir das, was ich haben möchte – in unserem Fall Zeit zum Gebet. Wie überzeugt bin ich von der Notwendigkeit? Wie sehr will ich das? Wenn ich mir meiner Wahl sicher bin, werde ich vielleicht immer noch traurig hinter den Brötchen herschauen – aber mich auf die Musikstunde freuen.